Außenpolitische Auswirkungen der EU-Initiative "Global Gateway" im Kontext der chinesischen Belt and Road Initiative (Antwort zu Drs. 21/3754)
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Außenpolitische Auswirkungen der EU-Initiative "Global Gateway" im Kontext der chinesischen Belt and Road Initiative (Antwort zu Drs. 21/3754)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4116
21. Wahlperiode 12.02.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Diana Zimmer, Stefan Keuter,
Dr. Malte Kaufmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3754 –
Außenpolitische Auswirkungen der EU-Initiative „Global Gateway“ im Kontext
der chinesischen Belt and Road Initiative
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Belt and Road Initiative (BRI) der Volksrepublik China stellt eines der
weitreichendsten geopolitisch und wirtschaftlich strategischen
Infrastrukturprogramme der vergangenen Dekade dar. Zahlreiche Analysen betonen, dass
die BRI nicht nur wirtschaftliche, sondern zunehmend machtpolitische
Funktionen erfüllt und in zahlreichen Regionen zu langfristigen politischen
Bindungen und Abhängigkeiten zugunsten Chinas führt. Studien verweisen
darauf, dass die BRI im Ursprung zwar auf großvolumige
Infrastrukturinvestitionen ausgerichtet war, sich inzwischen jedoch zu einem umfassenden
außenpolitischen Instrument gewandelt hat, das China sowohl strategische Zugänge
zu globalen Transportkorridoren als auch politischen Einfluss in
Partnerstaaten verschafft (vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung: „Lessons from China’s Belt
and Road Initiative – Strategic Pathways for the EU’s Global Gateway“,
27. März 2025, www.kas.de/en/web/mned-bruessel/laenderberichte/detail/-/co
ntent/lessons-from-china-s-belt-and-road-initiative-strategic-pathways-for-
theeu-s-global-gateway, zuletzt aufgerufen am 13. Januar 2026).
Gleichzeitig zeigen aktuelle Berichte, dass die politische Wirkung der BRI
weit über die ökonomische Dimension hinausgeht und in einzelnen Staaten
bereits zu einer Neubewertung der Beziehungen zu China geführt hat. So
warnte der italienische Senat jüngst vor wachsendem politischem Druck und
Einflussversuchen durch chinesische Stellen und forderte eine stärkere
europäische Reaktion auf die mit der BRI verbundenen politischen Abhängigkeiten
(vgl. Decode39: „China’s Influence in Europe: Italy Pushes Back as Senate
Sounds the Alarm“, 10. Oktober 2025, https://decode39.com/12051/chinas-inf
luence-in-europe-italy-pushes-back-as-senate-sounds-the-alarm/, zuletzt
aufgerufen am 13. Januar 2026). Darüber hinaus wird zunehmend deutlich,
dass Chinas BRI eine vielschichtige und multidimensionale politische
Dynamik entfaltet, die die internationale Sicherheitsarchitektur beeinflusst.
Analysen zeigen, dass China im Rahmen der BRI verstärkt Zugang zu strategischen
Regionen gewinnt, etwa durch Infrastruktur in geopolitisch sensiblen Gebieten
im Nahen Osten. In mehreren Fällen wurde berichtet, dass China seine BRI-
Präsenz nutzt, um sowohl wirtschaftlichen als auch sicherheitspolitischen
Einfluss in Konfliktregionen wie Israel und Iran auszuweiten (vgl. SpecialEura-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 12. Februar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
sia: „China BRI in Israel-Iran Conflict“, 24. Juni 2025, www.specialeurasi
a.com/2025/06/24/china-bri-israel-iran-conflict/, zuletzt aufgerufen am
13. Januar 2026). Gleichzeitig passen sich regionale Organisationen wie die
„Association of Southeast Asien Nations“ (ASEAN) an die wachsende
chinesische Präsenz an, indem sie ihre außenpolitischen Strategien zwischen
Kooperation und nationalen Interessen ausbalancieren, um eigene
Handlungsspielräume zu erhalten. Beobachter stellen fest, dass die ASEAN-Staaten die
BRI zwar wirtschaftlich nutzen, gleichzeitig jedoch die Risiken wachsender
politischer Abhängigkeit thematisieren (vgl. ModernDiplomacy: „Balancing
Act: How ASEAN Navigates China’s Expanding BRI Influence“, 30. Juni
2025, https://moderndiplomacy.eu/2025/06/30/balancing-act-how-asean-navig
ates-chinas-expanding-bri-influence/, zuletzt aufgerufen am 13. Januar 2026).
Zugleich deuten neue Entwicklungen darauf hin, dass China seine
geopolitische Strategie künftig stärker auf die Global Development Initiative (GDI)
ausrichtet. Diese stellt eine thematisch breiter angelegte Erweiterung der
bisherigen BRI-Logik dar und dient unter anderem dazu, die politische Wirkung
chinesischer Entwicklungsangebote zu steigern und globales Agenda-Setting
zu betreiben (vgl. Meer: „China’s Shift from BRI to GDI“, 13. August 2025,
www.meer.com/en/91286-chinas-shift-from-bri-to-gdi, zuletzt aufgerufen am
13. Januar 2026). Ein besonderer Schwerpunkt chinesischer Aktivitäten liegt
zudem auf dem Zugriff auf globale Rohstofflieferketten und strategische
Übergangsmineralien, die für Energiewende, Hochtechnologie und
Rüstungsindustrie eine zentrale Rolle spielen. Analysen zeigen, dass sich China über
die BRI gezielt Zugang zu Rohstoffvorkommen, Transportwegen und
Exportinfrastruktur verschafft, um seine Position in globalen Lieferketten dauerhaft
zu sichern (vgl. SAIS Review: „Unearthing Influence: China’s Global
Strategy for Transition Minerals“, 18. November 2025, https://saisreview.sais.jhu.ed
u/unearthing-influence-chinas-global-strategy-for-transition-minerals/, zuletzt
aufgerufen am 13. Januar 2026).
Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, inwiefern die
EU-Initiative „Global Gateway“ in der Lage ist, auf diese multimodalen
geopolitischen Herausforderungen zu reagieren. Die EU formuliert zwar ein
„wertebasiertes“ Alternativangebot, die tatsächliche Umsetzung ist jedoch von
begrenzter Geschwindigkeit, komplexen Strukturen und unklaren
Priorisierungen geprägt (vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung 2025). Verschiedene Beobachter
verweisen zudem darauf, dass Global Gateway als strategische Antwort auf
die BRI bislang kaum sichtbare Resultate erzielt habe und dass viele Projekte
in vielerlei Hinsicht hinter den anpassungsfähigen und dynamischen
chinesischen Investitionsmechanismen zurückblieben (vgl. The Diplomat: „The
Complex Politics of China’s Belt and Road Initiative“, 19. September 2025,
https://thediplomat.com/2025/09/the-complex-politics-of-chinas-belt-and-roa
d-initiative/, zuletzt aufgerufen am 13. Januar 2026).
Ziel dieser Kleinen Anfrage ist es, die außen- und geopolitischen
Implikationen der BRI sowie der EU-Initiative Global Gateway zu beleuchten,
insbesondere im Hinblick auf politische Abhängigkeiten, sicherheitspolitische Risiken,
regionale Stabilität, Rohstoffsicherheit und die außenpolitische und
wirtschaftliche Handlungsfähigkeit Deutschlands.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die „Belt and Road Initiative“ (BRI) ist ein im Jahr 2013 ins Leben gerufenes,
multidimensionales außen- und wirtschaftspolitisches Instrument der
Volksrepublik China. Es handelt sich dabei um einen umfassenden Ansatz zur
Erhöhung der Konnektivität zwischen China und den Zielländern der BRI, der
neben einer wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Dimension auch eine
außen- und sicherheitspolitische strategische Bedeutung zukommt.
Insbesondere erhöht die Volksrepublik China durch die BRI ihren außenpolitischen
Einfluss in den Empfängerländern. Im Übrigen wird zur BRI auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion
der AfD auf Bundestagsdrucksache 20/5189 verwiesen.
Die EU-Konnektivitätsinitiative Global Gateway ist ein eigenständiges, faires
und nachhaltiges Angebot der EU an Partnerländer weltweit. Laut Europäischer
Kommission wurde das Ziel, bis 2027 Investitionen in Höhe von bis zu
300 Mrd. Euro für hochwertige und nachhaltige Infrastruktur in den Bereichen
Digitales, Energie, Transport, Gesundheit, Bildung und Forschung zu
mobilisieren, vorzeitig erreicht: Am 9. Oktober 2025 verkündete
Kommissionspräsidentin von der Leyen, dass seit Ende des Jahres 2021 bereits 306 Mrd. Euro
mobilisiert werden konnten, zwei Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Als
neues Ziel hat die Europäische Kommission die Mobilisierung von insgesamt
400 Mrd. Euro bis Ende des Jahres 2027 ausgegeben. Der Rat der
Europäischen Union hat am 10. Dezember 2025 eine aktualisierte Liste mit 256
Global-Gateway-Leuchtturmprojekten veröffentlicht, die sich aus den Beiträgen
der 27 Mitgliedstaaten sowie der EU-Kommission zusammensetzt (online
abrufbar unter: www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2025/12/10/glo
bal-gateway-council-endorses-flagship-project-list-for-2026/).
Die Bundesregierung setzt sich gemeinsam mit der EU, ihren Mitgliedstaaten,
europäischen Entwicklungsbanken und dem Privatsektor für die zügige
Umsetzung von Global-Gateway-Projekten ein. Sie trägt finanziell zur Umsetzung
von Global Gateway bei, sowohl im Rahmen der Beiträge zum EU-Haushalt,
als auch durch eigene ODA-Beiträge zu Schwerpunktsektoren der Strategie und
im Rahmen von eigenen bilateralen Vorhaben, die sich auf Team Europe
Initiativen beziehen. Diesbezüglich wird auf die Antwort der Bundesregierung zu
den Fragen 8 bis 10 der Kleinen Anfrage der Fraktion der CDU/CSU auf
Bundestagsdrucksache 20/2876 verwiesen.
1. Wie bewertet die Bundesregierung die strategische Ausrichtung der
chinesischen Belt and Road Initiative im Hinblick auf deren geopolitische
Auswirkungen für Europa und insbesondere für Deutschland?
Weltweit besteht eine enorme Investitionslücke bei Transport-, Digital- und
Energieinfrastruktur, um diese Infrastruktur vor dem Hintergrund von
beispielsweise voranschreitender Urbanisierung und Digitalisierung zukunftssicher zu
machen. Mit der BRI greift China diesen Bedarf auf. Die Bundesregierung
beteiligt sich nicht an der Initiative und sieht die Nichteinhaltung sozialer und
ökologischer Standards sowie die entstehenden Abhängigkeiten kritisch.
2. Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung innerhalb der EU-Initiative
Global Gateway, und inwiefern sieht sie diese als Ergänzung bzw. als
Gegenentwurf zur Belt and Road Initiative?
3. Betrachtet die Bundesregierung die Einschätzung der EU-Kommission,
Global Gateway als eine strategische Antwort auf die Belt and Road, und
welchen Einfluss hat dies auf die deutsche Außenpolitik?
Die Fragen 2 und 3 werden zusammen beantwortet.
Mit Global Gateway leistet die EU einen eigenen Beitrag zur Schließung von
Investitionslücken, indem sie weltweit den Aufbau von nachhaltiger und
qualitativ hochwertiger Infrastruktur in den Bereichen Digitales, Energie, Transport,
Gesundheit, Bildung und Forschung unterstützt. Die Bundesregierung
befürwortet Global Gateway und die hiermit verbundenen Ziele der Europäischen
Kommission ausdrücklich. Für die Bundesregierung ist Global Gateway zudem
ein wichtiges geopolitisches Instrument, was auch bei der Wahl von
Kooperationspartnern berücksichtigt werden muss. Zur Umsetzung wirbt die
Bundesregierung dafür, Strukturen der Europäischen Investitionsbank und nationaler
Entwicklungsbanken zu nutzen und nicht zuletzt unter Einsatz privater Mittel
sowie lokaler Wertschöpfung viele, qualitativ hochwertige Projekte unter
Berücksichtigung höchster Standards weltweit umzusetzen. Die Bundesregierung
sieht in Global Gateway eine eigenständige Strategie, die sich nicht in
Abgrenzung zu anderen Strategien definiert.
4. Welche wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen
Auswirkungen erwartet die Bundesregierung ggf. aus der parallelen Präsenz von
Global Gateway und der Belt and Road Initiative in den Staaten
Zentralasiens?
5. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung ggf. aus dieser
Doppelstruktur auf die Staaten des Südkaukasus (Georgien, Armenien,
Aserbaidschan, vgl. Frage 4)?
6. Welche Risiken sieht die Bundesregierung ggf., dass Global Gateway
bestehende Abhängigkeiten der Partnerstaaten von China nicht reduziert,
sondern lediglich auf andere bestehende oder mögliche handelspolitische
Partner verlagert (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Fragen 4, 5 und 6 werden zusammen beantwortet.
Global Gateway verfolgt den Aufbau und die Stärkung nachhaltiger und
langfristig verlässlicher Wirtschaftsbeziehungen der EU und ihrer Mitgliedstaaten
zu Drittstaaten. Die Einbindung lokaler Wirtschaftsakteure und lokale
Wertschöpfung sind dabei integraler Bestandteil der Initiative. Über alle
Zielregionen hinweg gilt: deutsche und europäische Unternehmen stehen bei
Infrastrukturinvestitionen in Drittländern in einem globalen Wettbewerb. Ziel von Global
Gateway ist die Förderung nachhaltiger, gleichberechtigter Partnerschaften zu
beidseitigem Nutzen. Global Gateway zielt nicht darauf ab, Partnerländer in
ihrer Entscheidungsfreiheit zu begrenzen, sondern bietet diesen vielmehr die
Möglichkeit, ihre Handels- und Investitionsbeziehungen zu diversifizieren und
einseitige Abhängigkeiten zu verringern. Auf die Antwort Bundesregierung zu
Frage 25 der Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache
20/5189 wird verwiesen.
Das Engagement europäischer Firmen im Rahmen von Global Gateway bietet
zentralasiatischen Staaten insbesondere in den Bereichen kritische Rohstoffe,
Wasserkraft, digitale Konnektivität und Transportinfrastruktur eine Alternative
zu möglichen einseitigen Abhängigkeiten, z. B. von China, das mit der BRI in
der Region aktiv ist. Mit diesem Engagement unterstützt die EU die Staaten
Zentralasiens in ihrem Bestreben nach Stärkung ihrer heimischen Wirtschaft,
politischer Stabilisierung und sicherheitspolitischer Unabhängigkeit.
Die Bundesregierung ist an der stärkeren wirtschaftlichen, politischen und
sicherheitspolitischen Anbindung des Südlichen Kaukasus an die EU
interessiert. Die Global-Gateway-Initiative trägt dazu insbesondere über
Konnektivitätsprojekte in den Bereichen Energie und Digitalisierung (Strom- und
Datenkabel) in der Schwarzmeerregion bei.
7. Welche konkreten Global-Gateway-Projekte mit deutscher Beteiligung
befinden sich derzeit in Planung, im Beschlussverfahren oder in der
Umsetzung, und wie hoch sind jeweils die zugesagten oder bereits
bereitgestellten finanziellen Mittel pro Projekt?
Zurzeit befinden sich keine neuen Projekte im Sinne der Fragestellung in
Planung oder im Beschlussverfahren. Eine erneute Auswahl strategischer Projekte
als Global Gateway Leuchtturmprojekte ist bis jetzt von der derzeitigen
zypriotischen Ratspräsidentschaft nach Kenntnis der Bundesregierung nicht geplant.
Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 15 verwiesen.
8. Wie bewertet die Bundesregierung das Verhältnis zwischen den
finanziellen Aufwendungen im Rahmen von Global Gateway und dem
erwarteten geopolitischen und wirtschaftlichen Nutzen?
Aus Sicht der Bundesregierung ist die Global Gateway Initiative von wichtiger
geopolitischer, wirtschafts- und entwicklungspolitischer Bedeutung. Global
Gateway leistet einen konkreten Beitrag zur Erreichung globaler Nachhaltigkeits-,
Klima- und Biodiversitätsziele sowie zur Umsetzung der Partner-Säule der
Europäischen Wirtschaftssicherheitsstrategie. Ziel ist hierbei die Stärkung der
Resilienz der EU über die Verringerung von Abhängigkeiten und
Diversifizierung bei kritischen Lieferketten, Technologien und Infrastruktur. Außerdem
dient Global Gateway dem Aufbau langfristiger und verlässlicher Wirtschafts-
und Handelsbeziehungen mit Drittstaaten unter enger Einbindung der
deutschen und europäischen Privatwirtschaft.
9. Welche Auswirkungen sieht die Bundesregierung ggf. auf die
deutschchinesischen Beziehungen, sofern Global Gateway in Drittstaaten (z. B.
Serbien, Kenia) als explizites Konkurrenzmodell zur Belt and Road
Initiative wahrgenommen wird?
Auf die Antwort zu den Fragen 4, 5 und 6 wird verwiesen.
10. In welchem Umfang wurden und werden durch Global Gateway ggf.
außenpolitische oder außenwirtschaftliche Entscheidungskompetenzen
von der nationalen Ebene auf EU-Institutionen übertragen?
Es werden im Rahmen von Global Gateway keine außenpolitischen und/oder
außenwirtschaftlichen Entscheidungskompetenzen von der nationalen Ebene
auf EU-Institutionen übertragen.
11. Welche Rolle hat Deutschland bei der Auswahl, Priorisierung und
Verteilung der Projekte im Rahmen von Global Gateway?
Die Bundesregierung steht zur Global-Gateway-Initiative in ständigem
Austausch mit den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. Der
Austausch findet in den zuständigen Ratsarbeitsgruppen und im Ausschuss der
Ständigen Vertreter statt, wo regionale und sektorale Prioritäten erörtert werden
und die Liste der Leuchtturmprojekte einstimmig angenommen wird.
Verwiesen wird zudem auf die Vorbemerkung der Bundesregierung.
Im Oktober 2025 hat die Europäische Kommission die Gründung des Global-
Gateway-Investment Hub bekanntgegeben, über den künftig Projektanträge von
Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der Generaldirektion für Internationale
Partnerschaften (DG INTPA) bearbeitet werden. Damit wird das langjährige
Anliegen der Bundesregierung für die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle
für deutsche und europäische Unternehmen aufgenommen. Die
Bundesregierung koordiniert über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und
das Auswärtige Amt gemeinsam mit weiteren relevanten Akteuren (Agentur für
Wirtschaft und Entwicklung, Deutsche Investitions- und
Entwicklungsgesellschaft, Euler Hermes, Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit, German Trade and Invest, KfW) die nationale Anlaufstelle, die eine
Vorprüfung der Anträge vornimmt.
12. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung für die
Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen gegenüber chinesischen
Unternehmen in globalen Infrastrukturmärkten, insbesondere in Regionen mit
starker BRI-Präsenz?
Die Bundesregierung sieht in Global Gateway eine Chance für die
Außenwirtschaftsförderung. Deutsche Unternehmen sind auch in Ländern mit BRI
Präsenz attraktive Partner. So ist z. B. die Fraport AG maßgeblich am Global-
Gateway-Leuchtturmprojekt zum Ausbau des Flughafens Lima, einem der
bedeutendsten Verkehrsdrehkreuze Südamerikas, beteiligt.
13. Welche regulatorischen Anforderungen der EU im Außenhandel (z. B.
Nachhaltigkeits-, Klima- und Sozialstandards) beeinflussen nach
Einschätzung der Bundesregierung die Konkurrenzfähigkeit deutscher
Unternehmen im Vergleich zu chinesischen Staatsunternehmen (bitte
auflisten)?
Die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen gegenüber chinesischen
(Staats-)Unternehmen wird durch eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren
beeinflusst. Hierzu zählt insbesondere auch die staatliche Subventionspolitik. Die
Bundesregierung verfolgt allgemein das Ziel, Belastungen für die deutsche
Wirtschaft durch eine möglichst effiziente, bürokratiearme Ausgestaltung
regulatorischer Anforderungen gering zu halten.
14. Welche Kriterien nutzt die Bundesregierung ggf. zur Bewertung der
Wirksamkeit und Erfolgsquote von Global-Gateway-Projekten?
Die Auswahl der Global Gateway Leuchtturmprojekte erfolgt auf Basis der
prioritären Sektoren Klima und Energie, Digitales, Verkehr, Gesundheit sowie
Bildung und Forschung (siehe Gemeinsame Mitteilung der Kommission an das
Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschuss, den Ausschuss der Regionen und die Europäische Investitionsbank
„Global Gateway“ vom 1. Dezember 2021). Die Bewertung der Wirksamkeit
basiert auf der Erreichung vorab definierter Ziele und Indikatoren der einzelnen
Projekte, sogenannter Meilensteine. Zusätzlich relevant ist die Sichtbarkeit der
jeweiligen Projekte und die Resonanz in den Partnerländern.
15. Welche Global-Gateway-Projekte wurden seit 2021 angekündigt, welche
davon wurden bereits umgesetzt, welche werden derzeit umgesetzt, und
welche befinden sich nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im
Planungsstadium?
Projektinformationen zu Planungsstadium und Umsetzungsstand zu den 256
Global-Gateway-Leuchtturmprojekten werden durch die Europäische
Kommission erhoben und unter folgender Webadresse veröffentlicht: https://internation
al-partnerships.ec.europa.eu/policies/global-gateway_de. Darüber hinaus wird
auf die in der Vorbemerkung der Bundesregierung referenzierte aktualisierte
Liste der Leuchtturmprojekte verwiesen.
16. Welche Global-Gateway-Projekte wurden nach ursprünglicher
Ankündigung nicht weiterverfolgt oder gestoppt, und nach Kenntnis der
Bundesregierung aus welchen Gründen?
Bisher wurden keine Global-Gateway-Leuchtturmprojekte, die in der
Federführung der Bundesregierung lagen, nicht weiterverfolgt oder gestoppt.
17. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um eine
transparente Bewertung der entstehenden finanziellen, geopolitischen und
diplomatischen Auswirkungen von Global Gateway sicherzustellen?
Auf die Antwort zu Frage 14 wird verwiesen. Die Bundesregierung evaluiert
darüber hinaus auch über bilaterale Gespräche mit den relevanten
Partnerländern und durch Berichterstattung der deutschen Auslandsvertretungen laufend
den Stand der Global-Gateway-Leuchtturmprojekte mit eigener Beteiligung.
Mit dem Global-Gateway-Forum hat die Europäische Kommission zudem ein
Austauschformat mit Staats- und Regierungschefs sowie zuständigen
Ministerinnen und Ministern aus Partnerländern geschaffen, um die Umsetzung von
Global Gateway voranzutreiben. Dabei war bei der zweiten Ausgabe des
Global Gateway Forums am 9./10. Oktober 2025 in Brüssel der Zuspruch aus
Partnerstaaten, insbesondere aus Afrika und Lateinamerika, gleichbleibend hoch.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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