Unzureichende Erfassung und Analyse linksextremistischer Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche
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Unzureichende Erfassung und Analyse linksextremistischer Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3922
21. Wahlperiode 28.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Sascha Lensing, Martin Hess,
Dr. Christoph Birghan, Rainer Galla, Peter Bonhof, Knuth Meyer-Soltau, Lukas
Rehm, Raimond Scheirich, Stefan Keuter, Birgit Bessin, Kay-Uwe Ziegler,
Dr. Malte Kaufmann, Joachim Bloch, Dr. Christina Baum, Rocco Kever, Thomas
Korell, Hauke Finger, Jan Wenzel Schmidt, Adam Balten, Thomas Dietz, Jörg
Zirwes, Otto Strauß, Sven Wendorf, Stefan Henze, Udo Theodor Hemmelgarn,
Dr. Michael Blos, Claudia Weiss, Alexis L. Giersch, Edgar Naujok, Erhard Brucker,
René Bochmann, Kurt Kleinschmidt und der Fraktion der AfD
Unzureichende Erfassung und Analyse linksextremistischer Einflussnahme auf
Kinder und Jugendliche
Die mögliche Einflussnahme linksextremistischer Gruppierungen auf Kinder
und Jugendliche ist seit Jahren Gegenstand vereinzelter fachlicher und
politischer Hinweise. Trotz dieser wiederkehrenden Diskussionen existiert auf
Bundesebene bis heute keine systematische Erfassung von Einfluss- oder
Rekrutierungsprozessen Minderjähriger im linksextremistischen Spektrum. Auf
Bundesebene bestehen bislang keine eigenständigen Verfahren oder systematischen
Ansätze, die eine differenzierte Unterscheidung zwischen jugendtypischer
politischer Protestsozialisation einerseits und gezielter extremistischer
Einflussnahme andererseits vorsehen.
Zwar werden politisch motivierte Straftaten im Bereich „PMK-links“ (Politisch
motivierte Kriminalität-links) nach Alter der Tatverdächtigen statistisch erfasst,
jedoch bildet diese Datenlage ausschließlich strafrechtlich relevante
Sachverhalte ab und erlaubt keine Rückschlüsse auf strukturelle Ansprachen,
ideologische Einflussprozesse, gruppendynamische Bindungsmechanismen oder frühe
Kontaktwege Minderjähriger in linksextremistische Milieus.
Im Jahr 2025 kam es in Gießen im Zusammenhang mit Protesten gegen die
Gründung der Jugendorganisation der AfD zu gewalttätigen Ausschreitungen.
Eine investigative Recherche (www.nius.de/nius-originals/news/giessen-krawal
le-undercover-bei-der-antifa/00ece74a-b6dd-4563-aa41-5af87867c1d0) ordnete
beteiligte Gruppen eindeutig dem linksextremistischen Spektrum zu und
beschreibt Strukturen sowie Kommunikationsmuster, die für jugendaffine Milieus
erreichbar erscheinen. Derartige öffentlich dokumentierte Ereignisse werfen bei
den Fragestellern die Frage auf, ob Minderjährige im Kontext dynamischer
Protestlagen, subkultureller Szenen oder digitaler Mobilisierungsräume in
Kontakt mit linksextremistischen Strukturen geraten können und ob solche
Kontaktwege bislang unzureichend erfasst werden.
Hinweise auf mögliche Berührungspunkte junger Menschen mit
linksextremistischen Ideologien finden sich darüber hinaus in einzelnen Medienberichten,
gesellschaftlichen Einschätzungen oder Beobachtungen kommunaler
Präventionsstellen (https://kultus.hessen.de/schulsystem/politische-bildung/extremismu
spraevention/praevention-linksextremismus; www.dji.de/fileadmin/user_uploa
d/bulletin/d_bull_d/bull109_d/DJI_1_15_Web.pdf). Es handelt sich hierbei
jedoch um nicht systematisch erhobene Einzelhinweise, die in Umfang oder
Struktur wissenschaftlich belastbar ausgewertet werden könnten. Ein
eigenständiges, strukturiertes bundesweites Analyse- oder Monitoringverfahren ist
bislang nicht eingerichtet. Somit bleibt unklar, ob Minderjährige lediglich in
Einzelfällen in linksextremistische Szenen hineinsozialisiert werden oder ob
strukturelle Einflussmechanismen bestehen, die bislang statistisch nicht sichtbar
sind.
Diese Frage der Erkenntnislage betrifft sowohl den Kinderschutz als auch die
Grundlagen einer wirksamen Präventionspolitik. Ohne belastbare
Informationen über mögliche Einstiegswege, ideologische Bindungsmechanismen oder
die Rolle jugendaffiner Szenen sind belastbare Gefährdungsabschätzungen und
eine evidenzbasierte Planung präventiver Maßnahmen auf Bundesebene nur
eingeschränkt möglich. Die Fragesteller halten daher eine umfassende
Bewertung der bestehenden Analyse- und Erfassungsstrukturen für erforderlich.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem bisherigen
Erkenntnisstand, dass auf Bundesebene bislang keine gesonderten
Erkenntnisse zu Einfluss- oder Anwerbeprozessen linksextremistischer
Gruppierungen gegenüber Minderjährigen vorliegen, und wie bewertet sie
diese fehlende Wissensgrundlage im Hinblick auf eine sachgerechte
Gefahreneinschätzung?
2. Aus welchen Gründen hat die Bundesregierung nach Kenntnis der
Fragesteller bislang keine eigenständigen Verfahren, Studien oder
Analyseinstrumente eingeführt, um mögliche Einfluss- oder
Radikalisierungsprozesse Minderjähriger im linksextremistischen Spektrum systematisch zu
untersuchen, und sieht sie einen politischen oder fachlichen Bedarf, dies
künftig zu ändern?
3. Welche Erwägungen bestehen innerhalb der Bundesregierung ggf., ein
strukturiertes bundesweites Monitoring oder eine wissenschaftliche
Untersuchung zu veranlassen, um Informationen über potenzielle
Einstiegswege, ideologische Bindungsmechanismen und Ansprechformen
linksextremistischer Gruppierungen gegenüber Minderjährigen zu erheben?
4. Hat die Bundesregierung geprüft, ob bestehende Datenquellen – etwa aus
Landesbehörden, Jugendhilfe, Schulen oder Beratungsstrukturen –
Hinweise auf Kontaktpunkte oder Einflussversuche linksextremistischer
Gruppierungen gegenüber Minderjährigen enthalten könnten, und wenn
ja, welche Erkenntnisse liegen hierzu vor?
5. Wie erklärt die Bundesregierung, dass in anderen Extremismusbereichen
(z. B. im islamistischen Extremismus; vgl. www.bpb.de/themen/infodiens
t/543290/forschungsbefunde-zur-radikalisierung-junger-menschen-zum-is
lamistischen-extremismus/) detaillierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu
jugendbezogenen Rekrutierungs- und Einflussprozessen vorliegen,
während für den linksextremistischen Bereich keinerlei vergleichbare
Untersuchungen oder systematischen Analysen vorgenommen werden?
6. Welche möglichen Risiken sieht die Bundesregierung ggf. darin, dass
mangels belastbarer Erkenntnisse unklar bleibt, ob Minderjährige in
bestimmten sozialen, schulischen oder digitalen Kontexten anfällig für
linksextremistische Einflussversuche sein könnten, und welche Konsequenzen
zieht sie daraus ggf. für die strategische Prävention?
7. Welche Schritte prüft die Bundesregierung ggf., um künftig zielgerichtet
Informationen darüber zu gewinnen, in welchen Zusammenhängen
Minderjährige mit linksextremistischen Ideologien konfrontiert werden, hat
sie sich mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, Forschungsinstitutionen
oder unabhängige Einrichtungen mit entsprechenden Untersuchungen zu
beauftragen, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
8. Hat die Bundesregierung mit Blick auf Ereignisse wie die nach
Presseberichten linksextremistisch geprägten Ausschreitungen in Gießen im Jahr
2025 (www.nius.de/nius-originals/news/giessen-krawalle-undercover-
beider-antifa/00ece74a-b6dd-4563-aa41-5af87867c1d0) bewertet, ob
dynamische Protestlagen potenziell Anlaufstellen oder Kontaktfelder für
Minderjährige darstellen können, wenn ja, mit welchem Ergebnis, und welche
Schlüsse zieht sie daraus für die Feststellung des Informationsdefizits auf
Bundesebene?
9. Welche Hindernisse sieht die Bundesregierung ggf., ein differenziertes
Analyseinstrumentarium aufzubauen, das zwischen jugendtypischen
Protesthaltungen und tatsächlicher Annäherung an linksextremistische
Strukturen bei Minderjährigen unterscheidet, und welche Optionen bestehen
aus ihrer Sicht möglicherweise, diese Hindernisse zu überwinden?
10. Beabsichtigt die Bundesregierung, den Umfang und die Ausrichtung der
bisherigen Forschung zum möglichen Einfluss linksextremistischer
Gruppierungen auf Minderjährige politisch oder organisatorisch neu zu
bewerten, und wenn ja, in welcher Form könnte sie entsprechende Initiativen
anstoßen?
Berlin, 5. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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