Abschiebungen und Ausreisen im Jahr 2025
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Abschiebungen und Ausreisen im Jahr 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3625
21. Wahlperiode 14.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Mandy Eißing, Katrin
Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Cem Ince, Ferat Koçak, Jan Köstering, Sonja
Lemke, Tamara Mazzi, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Abschiebungen und Ausreisen im Jahr 2025
Die Zahl der Abschiebungen ist in den letzten Jahren stark angestiegen, von
knapp 13 000 im Jahr 2022 über 16 430 im Jahr 2023 auf über 20 000 im Jahr
2024. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2025 deuten auf einen weiteren
Anstieg hin (vgl. dazu die regelmäßigen Kleinen Anfragen der Fraktion Die Linke
im Deutschen Bundestag, zuletzt auf den Bundestagsdrucksachen 20/1239,
20/14946 und 21/196). Die wichtigsten Zielstaaten der Abschiebungen waren
2024 Georgien, Nordmazedonien, die Türkei, Albanien und Serbien. Auffällig
ist der Anstieg der Abschiebungen in die Türkei: Deren Zahl hat sich 2024
gegenüber 2022 mehr als verdoppelt (2022: 515 Abschiebungen, 2024: 1 087
Abschiebungen). Ebenfalls stark angestiegen ist die Zahl der Abschiebungen in
den Irak, von denen immer wieder auch Überlebende des Völkermords an den
Jesidinnen und Jesiden betroffen sind (www.nds-fluerat.org/61750/aktuelles/3
0-jaehrigem-eziden-aus-dem-shingal-droht-abschiebung-aus-niedersachsen-
inden-irak/). In den Iran wurden 2024 trotz der verheerenden Menschenrechtslage
14 Personen abgeschoben. Erstmals seit der Machtübernahme der Taliban
wurden außerdem 28 Menschen nach Afghanistan abgeschoben.
Zusätzlich kehrten 2024 10 225 Personen mit einer finanziellen Förderung des
Bund-Länder-Programms Reintegration and Emigration Programme for
Asylum Seekers in Germany/Government Assisted Repatriation Programme (RE-
AG/GARP) in ihr Herkunftsland zurück (2023: 10 763). Die wichtigsten
Zielstaaten dieser Ausreisen waren die Türkei, Georgien und die Russische
Föderation. Außerdem reisten 2024 laut Ausländerzentralregister 10 176 Menschen
mit einer finanziellen Förderung der Bundesländer aus Deutschland aus, am
häufigsten in die Türkei, nach Georgien und nach Nordmazedonien. Die mit
Ländermitteln geförderten Ausreisen können nach Angaben der
Bundesregierung nicht zu den mit REAG/GARP geförderten Ausreisen hinzuaddiert
werden, weil es möglich ist, beide Förderungen gleichzeitig zu erhalten. Als
Näherungswert für „freiwillige Ausreisen“ kann zudem die Zahl der Personen
herangezogen werden, die bei der Ausreise von der Bundespolizei mit einer
Grenzübertrittsbescheinigung erfasst wurden. Das betraf im Jahr 2024 33 419
Personen (2023: 29 949).
Wie etwa die Initiative „Abschiebungsreporting NRW“ (NRW = Nordrhein-
Westfalen) dokumentiert, kommt es im Abschiebealltag häufig zu
Familientrennungen, zu Abschiebungen von (psychisch) kranken Menschen, oder die
Abschiebungen richten sich gegen Personen, die im Herkunftsland direkt
festgenommen und inhaftiert werden (wie im Fall mehrerer tadschikischer
Oppositioneller, vgl. www.abschiebungsreporting.de/). Nach Einschätzung der
Fragestellenden sind diese Härten Folgen der Gesetzesverschärfungen der letzten
Jahre.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Abschiebungen gab es im Jahr 2025?
a) Wie viele Abschiebungen gab es im Jahr 2025, differenziert nach
Zielländern?
b) Wie viele Abschiebungen gab es im Jahr 2025, differenziert nach
Luft-, Land- und Seeweg?
2. Wie viele Frauen wurden im Jahr 2025 abgeschoben (bitte nach den
15 wichtigsten Zielländern und den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten
differenzieren)?
3. Wie viele Minderjährige wurden im Jahr 2025 abgeschoben (bitte nach
den 15 wichtigsten Zielländern und den 15 wichtigsten
Staatsangehörigkeiten differenzieren)?
4. Wie viele Abschiebungen auf dem Luftweg gab es im Jahr 2025,
differenziert nach Abflughäfen und Fluggesellschaften?
5. Wie viele Überstellungen im Rahmen der Dublin-Verordnung gab es im
Jahr 2025 (bitte nach Zielstaaten und Staatsangehörigkeiten
differenzieren)?
6. Wie viele Zurückschiebungen fanden im Jahr 2025 statt (bitte nach
Flughäfen, Land- und Seegrenzen differenzieren und nach den 15 wichtigsten
Staatsangehörigkeiten der Betroffenen aufschlüsseln)?
7. Wie viele begleitete und unbegleitete Minderjährige (bitte differenzieren)
waren im Jahr 2025 von Zurückschiebungen betroffen?
8. In welcher Zuständigkeit erfolgten die Abschiebungen und
Zurückschiebungen im Jahr 2025 (bitte jeweils nach Bund und den einzelnen
Bundesländern differenzieren)?
9. In wie vielen Fällen wurden im Jahr 2025 Zwangsgelder gegen
Beförderungsunternehmen nach § 63 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG)
verhängt, wie hoch war die Gesamtsumme und wie hoch die
durchschnittliche Summe pro Beförderungsunternehmen (bitte auch nach
Fluggesellschaft, Bus- und Bahnunternehmen, Taxi usw. differenzieren)?
10. Wie viele Personen wurden im Jahr 2025 im Zuge von
Sammelabschiebungen entweder direkt in ihr Herkunftsland oder über Flughäfen anderer
EU-Mitgliedstaaten in ihr Herkunftsland abgeschoben, und wie viele
Personen wurden im Jahr 2025 im Zuge von Sammelüberstellungen in andere
EU-Staaten überstellt (bitte zwischen Sammelabschiebungen in nationaler
Zuständigkeit, Sammelabschiebungen der EU – national und
Sammelabschiebungen der EU – gemeinsame Maßnahme mit anderen EU-Staaten
differenzieren, die jeweiligen Gesamtjahreszahlen nennen und darüber
hinaus die Abschiebungen einzeln mit Datum und Zielland auflisten)?
a) Bei welchem Staat (für Deutschland: welcher Behörde) lag jeweils die
Federführung für die Abschiebemaßnahme, und welche Bundesländer
waren von deutscher Seite beteiligt?
b) Welche Fluggesellschaften wurden mit der Durchführung der Flüge
beauftragt?
c) Von welchen deutschen Flughäfen starteten die Flüge, bzw. wo
machten sie eine Zwischenlandung?
d) Wie hoch waren die Kosten der Flüge jeweils, und wer hat die Kosten
getragen (bitte auch die Gesamtkosten angeben)?
e) Wie viele Personen aus welchen Herkunftsstaaten wurden bei den
Abschiebemaßnahmen aus Deutschland jeweils abgeschoben (bitte auch
die Gesamtzahl der abgeschobenen Personen angeben)?
f) Wie viele Bundesbeamte wurden als Begleitpersonal auf den
jeweiligen Flügen eingesetzt?
11. Wie viele Personen wurden im Jahr 2025 mit sogenannten Mini-
Charterflügen für maximal vier Personen entweder direkt in ihr
Herkunftsland oder über Flughäfen anderer EU-Mitgliedstaaten in ihr
Herkunftsland abgeschoben, wie viele Personen wurden im Jahr 2025 mit
sogenannten Mini-Charterflügen in andere EU-Staaten überstellt (bitte die
Gesamtzahlen nennen und die Abschiebeflüge zusätzlich einzeln mit
Datum, Abflughafen, Zielstaat, Fluggesellschaft, Zahl der
Begleitbeamten, Zahl der abgeschobenen Personen und Flugkosten auflisten), und in
welchem Umfang hat Frontex die Kosten für Mini-Charterabschiebungen
im Jahr 2025 übernommen?
12. Wie viele der Abschiebungen erfolgten im Jahr 2025
a) unbegleitet,
b) in Begleitung von Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei,
c) in Begleitung von Beamtinnen und Beamten der Länderpolizeien oder
anderer Länderbehörden,
d) in Begleitung von Sicherheitskräften der Zielstaaten (bitte nach
Zielstaaten aufschlüsseln),
e) in Begleitung von Sicherheitskräften der Luftverkehrsgesellschaften
(bitte nach Fluggesellschaften und nach Zielstaaten aufschlüsseln und
auch die Namen der von den Fluggesellschaften beauftragten
Sicherheitsunternehmen nennen), und
f) wie viele Beamte der Bundespolizei und der Polizeien der Länder
wurden im Jahr 2025 insgesamt zur Begleitung von Abschiebungen
eingesetzt (bitte differenzieren)?
13. Welche Kosten sind dem Bund im Jahr 2025 durch die
Sicherheitsbegleitung bei Abschiebungen entstanden?
14. Wie viele Abschiebungen und wie viele Dublin-Überstellungen (bitte
differenzieren) mussten im Jahr 2025 nach Übergabe an die Bundespolizei
abgebrochen werden, was waren die wichtigsten Gründe hierfür (bitte so
darstellen wie in der Tabelle zu Frage 19 auf Bundestagsdrucksache
20/3130), was waren die wichtigsten Zielstaaten der abgebrochenen
Abschiebungen und Dublin-Überstellungen, und was waren die wichtigsten
Staatsangehörigkeiten der Betroffenen (bitte jeweils die 15 wichtigsten
auflisten)?
15. Gab es im Jahr 2025 Abschiebungen trotz laufenden Asyl- oder
Gerichtsverfahrens oder entgegen einer anders lautenden Gerichtsentscheidung,
wenn ja, durch welche Behörde wurden diese Abschiebungen veranlasst,
welche Staatsangehörigkeit hatten die Betroffenen, in welches Land
wurden sie abgeschoben, und wurden sie bereits nach Deutschland
zurückgeholt?
16. Welche Angaben kann die Bundespolizei dazu machen, wie oft im Jahr
2025 im Rahmen von Dublin-Überstellungen und Abschiebungen (bitte
differenzieren) sogenannte Hilfsmittel der körperlichen Gewalt zum
Einsatz kamen (bitte auch nach den 15 wichtigsten Zielstaaten der
Abschiebungen aufschlüsseln), und wie häufig kamen die sogenannten Hilfsmittel
der körperlichen Gewalt in Linienflügen bzw. Charterflügen zum Einsatz
(bitte zusätzlich nach den 15 wichtigsten Zielstaaten aufschlüsseln)?
17. Wie viele Personen haben Deutschland im Jahr 2025 mit einer
finanziellen Förderung des Bundes (REAG/GARP) verlassen (bitte nach den
15 wichtigsten Herkunftsstaaten, nach Bundesländern und nach
Aufenthaltsstatus der Betreffenden vor der Ausreise differenzieren)?
18. Welche Angaben oder ungefähren Einschätzungen kann die
Bundesregierung ergänzend dazu machen, wie viele Personen im Jahr 2025 mit
finanzieller Förderung der Bundesländer ausgereist sind (bitte die
Gesamtzahlen nennen und nach den 15 wichtigsten Herkunftsstaaten und den
Bundesländern differenzieren), welche Zahlen und Programme welcher
Bundesländer wurden bei diesen Angaben berücksichtigt, und welche nicht,
und wie aussagekräftig sind diese Angaben mittlerweile?
19. Wie viele Personen sind nach Angaben der Bundespolizei im Jahr 2025
freiwillig mit einer Grenzübertrittsbescheinigung ausgereist (bitte nach
den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten und zwischen Land-, Luft- und
Seeweg differenzieren)?
20. Wie viele ausreisepflichtige Personen mit und ohne Duldung, wie viele
ausreisepflichtige abgelehnte Asylsuchende (bitte differenzieren und
jeweils nach Bundesländern auflisten) hielten sich nach Kenntnis der
Bundesregierung zum letzten verfügbaren Stand in Deutschland auf, und was
waren die fünf Hauptherkunftsländer der Ausreisepflichtigen in den
einzelnen Bundesländern (bitte in absoluten und relativen Zahlen für jedes
Bundesland darstellen)?
21. Wie viele der im Jahr 2024 bestands- oder rechtskräftig abgelehnten
Asylsuchenden waren bzw. sind ausreisepflichtig (wenn ein Stichtag
erforderlich ist, bitte den 31. Dezember 2024 wählen), wie viele der im Jahr 2024
bestands- oder rechtskräftig abgelehnten und ausreisepflichtigen
Asylsuchenden lebten zum 30. Juni 2025 bzw. zum 31. Dezember 2025 in
Deutschland (bitte jeweils auch nach den Bundesländern und den 15
wichtigsten Staatsangehörigkeiten differenzieren), über welche Aufenthaltstitel
verfügten sie jeweils (bitte so differenziert wie möglich darstellen und
insbesondere die Kategorie „Sonstiges“ näher auflisten), und welche
Angaben oder Einschätzungen können gegebenenfalls dazu gemacht werden,
inwiefern es sich dabei um Personen handelte bzw. handelt, die als
Asylsuchende oder als anerkannte Flüchtlinge in andere Mitgliedstaaten
überstellt bzw. abgeschoben werden sollten bzw. sollen (bitte ausführen)?
Berlin, den 9. Januar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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