Abschiebungen und Ausreisen im ersten Halbjahr 2025
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Abschiebungen und Ausreisen im ersten Halbjahr 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/936
21. Wahlperiode 21.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Mandy Eißing, Katrin Fey,
Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan Köstering, Sonja Lemke, Tamara
Mazzi, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt,
Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Abschiebungen und Ausreisen im ersten Halbjahr 2025
Die Zahl der Abschiebungen ist in den letzten Jahren stark angestiegen, von
knapp 13 000 im Jahr 2022 über 16 430 im Jahr 2023 auf über 20 000 im
vergangenen Jahr. Die Zahlen für das erste Quartal 2025 deuten auf einen weiteren
Anstieg hin (vgl. dazu die regelmäßigen Kleinen Anfragen der Linken im
Deutschen Bundestag, zuletzt auf den Bundestagsdrucksachen 20/14946 und
21/196). Die wichtigsten Zielstaaten der Abschiebungen waren 2024 Georgien,
Nordmazedonien, die Türkei, Albanien und Serbien. Auffällig ist der Anstieg
der Abschiebungen in die Türkei: Deren Zahl hat sich 2024 gegenüber 2022
mehr als verdoppelt (2022: 515 Abschiebungen, 2024: 1 087 Abschiebungen).
Ebenfalls stark angestiegen ist die Zahl der Abschiebungen in den Irak, von
denen immer wieder auch Überlebende des Völkermords an den Jesidinnen und
Jesiden betroffen sind (www.nds-fluerat.org/61750/aktuelles/30-jaehrigem-ezid
en-aus-dem-shingal-droht-abschiebung-aus-niedersachsen-in-den-irak/). In den
Iran wurden 2024 trotz der verheerenden Menschenrechtslage 14 Personen
abgeschoben. Erstmals seit der Machtübernahme der Taliban wurden außerdem
28 Menschen nach Afghanistan abgeschoben.
Zusätzlich kehrten im Jahr 2024 10 225 Personen mit einer finanziellen
Förderung des Bund-Länder-Programms REAG/GARP (Reintegration and
Emigration Programme for Asylum-Seekers in Germany/Government Assisted
Repatriation Programme) in ihr Herkunftsland zurück (2023: 10 763). Die wichtigsten
Zielstaaten dieser Ausreisen waren die Türkei, Georgien und die Russische
Föderation. Außerdem reisten 2024 laut Ausländerzentralregister 10 176
Menschen mit einer finanziellen Förderung der Bundesländer aus Deutschland aus,
am häufigsten in die Türkei, nach Georgien und nach Nordmazedonien. Die mit
Ländermitteln geförderten Ausreisen können nach Angaben der
Bundesregierung nicht zu den mit REAG/GARP geförderten Ausreisen hinzuaddiert
werden, weil es möglich ist, beide Förderungen gleichzeitig zu erhalten. Als
Näherungswert für „freiwillige Ausreisen“ kann zudem die Zahl der Personen
herangezogen werden, die bei der Ausreise von der Bundespolizei mit einer
Grenzübertrittsbescheinigung erfasst wurden. Das betraf im Jahr 2024 33 419
Personen (2023: 29 949).
Wie etwa die Initiative „Abschiebungsreporting NRW“ (NRW = Nordrhein-
Westfalen) dokumentiert, kommt es im Abschiebealltag häufig zu
Familientrennungen, zu Abschiebungen von (psychisch) kranken Menschen, oder die
Abschiebungen richten sich gegen Personen, die im Herkunftsland direkt
festgenommen und inhaftiert werden (wie im Fall mehrerer tadschikischer
Oppositioneller; vgl. www.abschiebungsreporting.de/). Nach Einschätzung der
Fragestellenden sind diese Härten Folgen der Gesetzesverschärfungen der letzten
Jahre, die sowohl unter der Koalition der Fraktionen SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN und FDP als auch unter deren Vorgängerregierungen erfolgten. Auch
CDU, CSU und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag für die kommenden
Jahre auf eine „Rückführungsoffensive“ verständigt. Die Fragestellenden
befürchten, dass es in der Folge zu einem noch rücksichtsloseren Vorgehen der
Behörden gegenüber Personen mit prekärem Aufenthaltsstatus kommen wird.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Abschiebungen gab es im ersten Halbjahr 2025?
a) Wie viele Abschiebungen gab es im ersten Halbjahr 2025,
differenziert nach Zielländern?
b) Wie viele Abschiebungen gab es im ersten Halbjahr 2025,
differenziert nach Luft-, Land- und Seeweg?
2. Wie viele Frauen wurden im ersten Halbjahr 2025 abgeschoben (bitte
nach den 15 wichtigsten Zielländern und den 15 wichtigsten
Staatsangehörigkeiten differenzieren)?
3. Wie viele Minderjährige wurden im ersten Halbjahr 2025 abgeschoben
(bitte nach den 15 wichtigsten Zielländern und den 15 wichtigsten
Staatsangehörigkeiten differenzieren)?
4. Wie viele Abschiebungen auf dem Luftweg gab es im ersten Halbjahr
2025, differenziert nach Abflughäfen und Fluggesellschaften?
5. Wie viele Überstellungen im Rahmen der Dublin-Verordnung gab es im
ersten Halbjahr 2025 (bitte nach Zielstaaten und Staatsangehörigkeiten
differenzieren)?
6. Wie viele Zurückschiebungen fanden im ersten Halbjahr 2025 statt (bitte
nach Flughäfen, Land- und Seegrenzen differenzieren und nach den
15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten der Betroffenen aufschlüsseln)?
7. Wie viele begleitete und unbegleitete Minderjährige (bitte differenzieren)
waren im ersten Halbjahr 2025 von Zurückschiebungen betroffen?
8. In welcher Zuständigkeit erfolgten die Abschiebungen und
Zurückschiebungen im ersten Halbjahr 2025 (bitte jeweils nach Bund und den
einzelnen Bundesländern differenzieren)?
9. In wie vielen Fällen wurden im ersten Halbjahr 2025 Zwangsgelder gegen
Beförderungsunternehmen nach § 63 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG)
verhängt, wie hoch war die Gesamtsumme, und wie hoch war die
durchschnittliche Summe pro Beförderungsunternehmen (bitte auch nach
Fluggesellschaft, Bus- und Bahnunternehmen, Taxis usw. differenzieren)?
10. Wie viele Personen wurden im ersten Halbjahr 2025 aus Deutschland
nach Griechenland abgeschoben bzw. überstellt (bitte nach
Staatsangehörigkeiten aufschlüsseln und für das zweite Quartal 2025 auch nach
Monaten differenzieren)?
a) In wie vielen Fällen handelte es sich um Dublin-Überstellungen (bitte
nach Staatsangehörigkeiten aufschlüsseln und für das zweite Quartal
2025 auch nach Monaten differenzieren)?
b) In wie vielen Fällen waren nach Kenntnis der Bundesregierung
Geflüchtete mit Schutzstatus in Griechenland von den Abschiebungen
betroffen (bitte auch hier nach Staatsangehörigkeiten und für das
zweite Quartal 2025 auch nach Monaten differenzieren)?
11. Wie viele Personen wurden im ersten Halbjahr 2025 im Zuge von
Sammelabschiebungen entweder direkt in ihr Herkunftsland oder über
Flughäfen anderer EU-Mitgliedstaaten in ihr Herkunftsland abgeschoben, und
wie viele Personen wurden im ersten Halbjahr 2025 im Zuge von
Sammelüberstellungen in andere EU-Staaten überstellt (bitte zwischen
Sammelabschiebungen in nationaler Zuständigkeit, Sammelabschiebungen der
EU – national und Sammelabschiebungen der EU – gemeinsame
Maßnahme mit anderen EU-Staaten differenzieren, die jeweiligen
Gesamtjahreszahlen nennen und darüber hinaus die Abschiebungen einzeln mit Datum
und Zielland auflisten)?
a) Bei welchem Staat (für Deutschland: Behörde) lag jeweils die
Federführung für die Abschiebemaßnahme, und welche Bundesländer
waren von deutscher Seite beteiligt?
b) Welche Fluggesellschaften wurden mit der Durchführung der Flüge
beauftragt?
c) Von welchen deutschen Flughäfen starteten die Flüge bzw. wo
machten sie eine Zwischenlandung?
d) Wie hoch waren die Kosten der Flüge jeweils, und wer hat die Kosten
getragen (bitte auch die Gesamtkosten angeben)?
e) Wie viele Personen aus welchen Herkunftsstaaten wurden bei den
Abschiebemaßnahmen aus Deutschland jeweils abgeschoben (bitte auch
die Gesamtzahl der abgeschobenen Personen angeben)?
f) Wie viele Bundesbeamte wurden als Begleitpersonal auf den
jeweiligen Flügen eingesetzt?
12. Wie viele Personen wurden im ersten Halbjahr 2025 mit sogenannten
Mini-Charterflügen für maximal vier Personen entweder direkt in ihr
Herkunftsland oder über Flughäfen anderer EU-Mitgliedstaaten in ihr
Herkunftsland abgeschoben, wie viele Personen wurden im ersten Halbjahr
2025 mit sogenannten Mini-Charterflügen in andere EU-Staaten überstellt
(bitte die Gesamtzahlen nennen und die Abschiebeflüge zusätzlich einzeln
mit Datum, Abflughafen, Zielstaat, Fluggesellschaft, Zahl der
Begleitbeamten, Zahl der abgeschobenen Personen und Flugkosten auflisten), und
in welchem Umfang hat Frontex die Kosten für Mini-
Charterabschiebungen im ersten Halbjahr 2025 übernommen?
13. Wie viele der Abschiebungen erfolgten im ersten Halbjahr 2025
a) unbegleitet,
b) in Begleitung von Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei,
c) in Begleitung von Beamtinnen und Beamten der Länderpolizeien oder
anderer Länderbehörden,
d) in Begleitung von Sicherheitskräften der Zielstaaten (bitte nach
Zielstaaten aufschlüsseln),
e) in Begleitung von Sicherheitskräften der Luftverkehrsgesellschaften
(bitte nach Fluggesellschaften und nach Zielstaaten aufschlüsseln und
auch die Namen der von den Fluggesellschaften beauftragten
Sicherheitsunternehmen nennen),
f) und wie viele Beamte der Bundespolizei und der Polizeien der Länder
wurden im ersten Halbjahr 2025 insgesamt zur Begleitung von
Abschiebungen eingesetzt (bitte differenzieren)?
14. Welche Kosten sind dem Bund im ersten Halbjahr 2025 durch die
Sicherheitsbegleitung bei Abschiebungen entstanden?
15. Wie viele Abschiebungen und wie viele Dublin-Überstellungen (bitte
differenzieren) mussten im ersten Halbjahr 2025 nach Übergabe an die
Bundespolizei abgebrochen werden, was waren die wichtigsten Gründe
hierfür (bitte so darstellen wie in der Tabelle zu Frage 19 auf
Bundestagsdrucksache 20/3130), welche waren die wichtigsten Zielstaaten der
abgebrochenen Abschiebungen und Dublin-Überstellungen, und welche waren
die wichtigsten Staatsangehörigkeiten der Betroffenen (bitte jeweils die
15 wichtigsten auflisten)?
16. Gab es im ersten Halbjahr 2025 Abschiebungen trotz laufenden
Asyloder Gerichtsverfahrens oder entgegen einer anders lautenden
Gerichtsentscheidung, wenn ja, durch welche Behörde wurden diese
Abschiebungen veranlasst, welche Staatsangehörigkeit hatten die Betroffenen, in
welches Land wurden sie abgeschoben, und wurden sie bereits nach
Deutschland zurückgeholt?
17. Welche Angaben kann die Bundespolizei dazu machen, wie oft im ersten
Halbjahr 2025 im Rahmen von Dublin-Überstellungen und
Abschiebungen (bitte differenzieren) sogenannte Hilfsmittel der körperlichen Gewalt
zum Einsatz kamen (bitte auch nach den 15 wichtigsten Zielstaaten der
Abschiebungen aufschlüsseln), und wie häufig kamen die sogenannten
Hilfsmittel der körperlichen Gewalt bei Linienflügen bzw. Charterflügen
zum Einsatz (bitte zusätzlich nach den 15 wichtigsten Zielstaaten
aufschlüsseln)?
18. Wie viele Personen haben Deutschland im ersten Halbjahr 2025 mit einer
finanziellen Förderung des Bundes (REAG/GARP) verlassen (bitte nach
den 15 wichtigsten Herkunftsstaaten, nach Bundesländern und nach
Aufenthaltsstatus der Betreffenden vor der Ausreise differenzieren)?
a) Wie verteilten sich die Personen, die im Besitz einer
Aufenthaltsgestattung waren, bevor sie mit einer finanziellen Förderung des Bundes
ausreisten, in den Jahren 2023, 2024 und im ersten Halbjahr 2025 auf
die Herkunftsländer (bitte nach Jahren differenzieren)?
b) Welche Angaben kann die Bundesregierung dazu machen, wie viele
Personen in dem genannten Zeitraum den „Sonderbetrag bei
frühzeitiger Ausreise“ erhielten, der bis zu zwei Monate nach Erstellung eines
ablehnenden Asylbescheids ausgezahlt werden kann (www.returningfr
omgermany.de/programmes/; bitte nach Jahren und Herkunftsländern
der Betroffenen differenzieren)?
19. Welche Angaben oder ungefähren Einschätzungen kann die
Bundesregierung ergänzend dazu machen, wie viele Personen im ersten Halbjahr 2025
mit finanzieller Förderung der Bundesländer ausgereist sind (bitte die
Gesamtzahlen nennen und nach den 15 wichtigsten Herkunftsstaaten und den
Bundesländern differenzieren), welche Zahlen und Programme welcher
Bundesländer wurden bei diesen Angaben berücksichtigt und welche
nicht, und wie aussagekräftig sind diese Angaben mittlerweile?
20. Wie viele Personen sind nach Angaben der Bundespolizei im ersten
Halbjahr 2025 freiwillig mit einer Grenzübertrittsbescheinigung ausgereist
(bitte nach den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten und zwischen Land-,
Luft- und Seeweg differenzieren)?
21. Wie viele Ausreiseentscheidungen gegenüber Drittstaatsangehörigen, EU-
Bürgern und abgelehnten Asylsuchenden (bitte differenzieren, auch nach
den jeweils 15 wichtigsten Herkunftsländern und den Bundesländern)
wurden nach Kenntnis der Bundesregierung 2024 und im ersten Halbjahr
2025 erlassen?
22. Wie viele Ausreisen von Drittstaatsangehörigen, EU-Bürgern und
abgelehnten Asylsuchenden gab es nach Kenntnis der Bundesregierung 2024
und im ersten Halbjahr 2025 (bitte differenzieren, auch nach den jeweils
15 wichtigsten Herkunftsländern und den Bundesländern, bei abgelehnten
Asylsuchenden auch nach dem Jahr der Asylablehnung)?
23. Wie viele ausreisepflichtige Personen mit und ohne Duldung, wie viele
ausreisepflichtige abgelehnte Asylsuchende (bitte differenzieren und
jeweils nach Bundesländern auflisten) hielten sich nach Kenntnis der
Bundesregierung zum letzten verfügbaren Stand in Deutschland auf, und
welche waren die fünf Hauptherkunftsländer der Ausreisepflichtigen in
den einzelnen Bundesländern (bitte in absoluten und relativen Zahlen für
jedes Bundesland darstellen)?
Berlin, den 9. Juli 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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