Abschiebungen im ersten Quartal 2025
Text
Abschiebungen im ersten Quartal 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/53
21. Wahlperiode 17.04.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger und der Fraktion Die Linke
Abschiebungen im ersten Quartal 2025
Die Zahl der Abschiebungen ist in den letzten Jahren stark angestiegen, von
knapp 13 000 im Jahr 2022 über 16 430 im Jahr 2023 auf über 20 000 im
vergangenen Jahr (vgl. dazu die regelmäßigen Anfragen der Linken im Deutschen
Bundestag, zuletzt auf Bundestagsdrucksache 20/14946). Die wichtigsten
Zielstaaten der Abschiebungen waren 2024 Georgien, Nordmazedonien, die Türkei,
Albanien und Serbien. Auffällig ist der Anstieg der Abschiebungen in die
Türkei: Deren Zahl hat sich 2024 gegenüber 2022 mehr als verdoppelt (2022:
515 Abschiebungen, 2024: 1 087 Abschiebungen). Ebenfalls stark angestiegen
ist die Zahl der Abschiebungen in den Irak, davon sind immer wieder auch
Überlebende des Völkermords an den Jesidinnen und Jesiden betroffen (www.n
ds-fluerat.org/61750/aktuelles/30-jaehrigem-eziden-aus-dem-shingal-droht-abs
chiebung-aus-niedersachsen-in-den-irak/). In den Iran wurden 2024 trotz der
verheerenden Menschenrechtslage 14 Personen abgeschoben. Erstmals seit der
Machtübernahme der Taliban wurden außerdem 28 Menschen nach
Afghanistan abgeschoben.
Wie etwa die Initiative „Abschiebungsreporting NRW“ (NRW = Nordrhein-
Westfalen) dokumentiert, kommt es im Abschiebealltag häufig zu
Familientrennungen, zu Abschiebungen von (psychisch) kranken Menschen oder die
Abschiebungen richten sich gegen Personen, die im Herkunftsland direkt
festgenommen und inhaftiert werden (wie im Fall mehrerer tadschikischer
Oppositioneller; vgl. www.abschiebungsreporting.de/). Nach Einschätzung der
Fragestellenden sind diese Härten Folgen der Gesetzesverschärfungen der letzten
Jahre, die sowohl unter der Koalition der Fraktionen von SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und FDP als auch unter deren Vorgängerregierungen
erfolgten. Auch CDU, CSU und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag für
die kommenden Jahre auf eine „Rückführungsoffensive“ verständigt. Die
Fragestellenden befürchten, dass es in der Folge zu einem noch rücksichtsloseren
Vorgehen der Behörden gegenüber Personen mit prekärem Aufenthaltsstatus
kommen wird.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Abschiebungen gab es im ersten Quartal 2025 (bitte nach
Zielstaaten sowie nach Luft-, Land- und Seeweg differenzieren)?
2. Wie viele Frauen wurden im ersten Quartal 2025 abgeschoben (bitte nach
den 15 wichtigsten Zielstaaten differenzieren)?
3. Wie viele Minderjährige wurden im ersten Quartal 2025 abgeschoben
(bitte nach den 15 wichtigsten Zielstaaten differenzieren)?
4. Wie viele Überstellungen im Rahmen der Dublin-Verordnung gab es im
ersten Quartal 2025 (bitte nach Zielstaaten und Staatsangehörigkeiten
differenzieren)?
5. Wie viele Personen wurden im ersten Quartal 2025 im Zuge von
Sammelabschiebungen entweder direkt in ihr Herkunftsland oder über Flughäfen
anderer EU-Mitgliedstaaten in ihr Herkunftsland abgeschoben, und wie
viele Personen wurden im ersten Quartal 2025 im Zuge von
Sammelüberstellungen in andere EU-Staaten überstellt (bitte zwischen
Sammelabschiebungen in nationaler Zuständigkeit, Sammelabschiebungen der EU –
national – und Sammelabschiebungen der EU – gemeinsame Maßnahme
mit anderen EU-Staaten – differenzieren, die jeweiligen
Gesamtjahreszahlen nennen und darüber hinaus die Abschiebungen einzeln mit Datum und
Zielland auflisten)?
a) Bei welchem Staat (für Deutschland: bei welcher Behörde) lag jeweils
die Federführung für die Abschiebemaßnahme, und welche
Bundesländer waren von deutscher Seite beteiligt?
b) Von welchen deutschen Flughäfen starteten die Flüge jeweils bzw. wo
machten sie eine Zwischenlandung?
c) Wie hoch waren die Kosten der Flüge jeweils, und wer hat die Kosten
getragen (bitte auch die Gesamtkosten aller Sammelabschiebungen im
ersten Quartal 2025 angeben)?
d) Wie viele Personen aus welchen Herkunftsstaaten wurden bei den
Abschiebemaßnahmen aus Deutschland jeweils abgeschoben (bitte auch
die Gesamtzahl der abgeschobenen Personen angeben)?
e) Wie viele Bundesbeamte wurden als Begleitpersonal auf den
jeweiligen Flügen eingesetzt?
6. Aus welchem Grund wurde auf Bundestagsdrucksache 20/14946 in der
Tabelle zu den Fragen 10a bis 10e in Anlage 1 hinsichtlich einer
Abschiebung nach Nigeria und Ghana am 18. Dezember 2024 nicht angegeben,
dass mit dem Flug auch eine Person mit kamerunischer und zwei
Personen mit sierra-leonischer Staatsbürgerschaft abgeschoben wurden (vgl.
Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter
auf die Schriftliche Frage 12 der Abgeordneten Clara Bünger auf
Bundestagsdrucksache 21/42)?
a) Ist es ein übliches Vorgehen, dass Personen zunächst mit einem
Charterflug in ihre „Herkunftsregion“ und anschließend von dort mit einem
Linienflug weiter in ihr Herkunftsland geflogen werden, wie dies
offenbar im Fall der drei genannten Personen geschehen ist (vgl. ebd.)?
b) Unter welchen Umständen wird auf diese Vorgehensweise
zurückgegriffen, und welche internen Regelungen oder Vorgaben gibt es dazu
ggf.?
c) In wie vielen Fällen wurde im Jahr 2024 und im ersten Quartal 2025
von dieser Vorgehensweise Gebrauch gemacht (bitte die Fälle einzeln
auflisten und jeweils das Datum, die Staatsbürgerschaft der
Betroffenen, den Zielort der Sammelabschiebung, den Zielort der
anschließenden Abschiebung per Linienflug und die Anzahl der Begleitbeamten
auf beiden Flügen angeben)?
7. Wie viele Personen wurden im ersten Quartal 2025 mit sogenannten Mini-
Charterflügen für maximal vier Personen entweder direkt in ihr
Herkunftsland oder über Flughäfen anderer EU-Mitgliedstaaten in ihr
Herkunftsland abgeschoben, wie viele Personen wurden im ersten Quartal
2025 mit sogenannten Mini-Charterflügen in andere EU-Staaten überstellt
(bitte die Gesamtzahlen nennen und die Abschiebeflüge zusätzlich einzeln
mit Datum, Abflughafen, Zielstaat, Fluggesellschaft, Zahl der
Begleitbeamten, Zahl der abgeschobenen Personen und Flugkosten auflisten), und
in welchem Umfang hat Frontex die Kosten für Mini-
Charterabschiebungen im ersten Quartal 2025 übernommen?
8. Wie viele Abschiebungen und wie viele Dublin-Überstellungen (bitte
differenzieren) mussten im ersten Quartal 2025 nach Übergabe an die
Bundespolizei abgebrochen werden, was waren die wichtigsten Gründe
hierfür (bitte so darstellen wie in der Tabelle zu Frage 19 auf
Bundestagsdrucksache 20/3130), was waren die wichtigsten Zielstaaten der
abgebrochenen Abschiebungen und Dublin-Überstellungen, und was waren die
wichtigsten Staatsangehörigkeiten der Betroffenen (bitte jeweils die
15 wichtigsten auflisten)?
9. Welche Angaben kann die Bundespolizei dazu machen, wie oft im ersten
Quartal 2025 im Rahmen von Dublin-Überstellungen und Abschiebungen
(bitte differenzieren) sogenannte Hilfsmittel der körperlichen Gewalt zum
Einsatz kamen (bitte auch nach den 15 wichtigsten Staatsangehörigkeiten
der Betroffenen und den 15 wichtigsten Zielstaaten der Abschiebungen
aufschlüsseln)?
10. Welche aktuellen Angaben kann die Bundesregierung dazu machen, wie
Abschiebungen in die Russische Föderation umgesetzt werden, ist es
weiterhin zutreffend, dass diese nur über Drittstaaten möglich sind (www.tage
sschau.de/investigativ/ndr-wdr/abschiebungen-russland-krieg-100.html),
und über welche Drittstaaten genau erfolgten die 66 Abschiebungen in die
Russische Föderation im Jahr 2024 (vgl. die Antwort zu Frage 1 auf
Bundestagsdrucksache 20/14946)?
11. Wie viele Personen wurden im Jahr 2024 und im ersten Quartal 2025 aus
Deutschland nach Griechenland abgeschoben bzw. überstellt (bitte nach
Staatsangehörigkeiten aufschlüsseln und zusätzlich nach Jahren und für
das erste Quartal 2025 auch nach Monaten differenzieren)?
a) In wie vielen Fällen handelte es sich um Dublin-Überstellungen (bitte
nach Staatsangehörigkeiten aufschlüsseln und zusätzlich nach Jahren
und für das erste Quartal 2025 auch nach Monaten differenzieren)?
b) In wie vielen Fällen waren nach Kenntnis der Bundesregierung
Geflüchtete mit Schutzstatus in Griechenland von den Abschiebungen
betroffen (bitte auch hier nach Staatsangehörigkeiten und Jahren bzw.
für das erste Quartal 2025 nach Monaten differenzieren)?
c) In wie vielen Fällen waren Personen mit griechischer
Staatsbürgerschaft von den Abschiebungen betroffen (bitte nach Jahren bzw. für
das erste Quartal 2025 nach Monaten differenzieren)?
Berlin, den 15. April 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Clara Bünger (Kleine Anfrage)
- authored ← Clara Bünger
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- part_of_vorgang → Abschiebungen im ersten Quartal 2025 (Kleine Anfrage)