Umsetzung digitaler EU-Programme in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/2745)
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Umsetzung digitaler EU-Programme in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/2745)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3186
21. Wahlperiode 10.12.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Tobias Teich, Peter Boehringer,
Micha Fehre, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/2745 –
Umsetzung digitaler EU-Programme in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Digitalisierung ist ein zentraler Bestandteil der strategischen Agenda der
Europäischen Union (EU), insbesondere im Hinblick auf die Ziele der
„Digitalen Dekade“ bis 2030 (www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/64/digita
le-agenda-fur-europa).
Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren verschiedene
Programme mit dem Ziel aufgelegt, die digitale Transformation innerhalb der
Mitgliedstaaten zu fördern. Hierzu zählen unter anderem das Programm
„Digitales Europa“ (2021– bis 2027; https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/
?uri=CELEX:32021R0694), NextGenerationEU (https://next-generation-eu.eu
ropa.eu/index_de) sowie digitale Aspekte innerhalb des EU-
Wiederaufbauplans und des EU-Haushaltsrahmens (Mehrjähriger Finanzrahmen [MFR],
https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/activities/funding-digital).
Diese Programme sollen die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien
wie Künstliche Intelligenz (KI), Cloud-Infrastrukturen, Cybersicherheit,
digitale Kompetenzen und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung
beschleunigen.
Deutschland liegt bei der Mittelabfrage für den Bereich Digitales im Vergleich
zu anderen EU-Mitgliedstaaten nur im Mittelfeld (www.faz.net/aktuell/wirtsc
haft/warum-bleibt-deutschland-bei-der-digitalisierung-nur-digitales-mittelmas
s-110630762.html) und spielt bei der Umsetzung digitaler Projekte im
europäischen Vergleich bisher nur eine mittelmäßige Rolle. Insbesondere die
schleppende Digitalisierung der Verwaltung und der Infrastruktur wirft bei den
Fragestellern Fragen zur nationalen Umsetzung auf.
1. Welche digitalen EU-Programme sind derzeit in Deutschland aktiv, und
welche Bundesministerien oder Bundesbehörden sind jeweils für deren
Umsetzung zuständig?
• Digital Europe Programme (DEP), BMDS, BMWE;
• Connecting Europe Facility 2 – Digital (CEF Digital), BMDS.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Digitales und
Staatsmodernisierung vom 9. Dezember 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. In welcher Höhe wurden Deutschland im Rahmen folgender Programme
Mittel zugesagt und bislang abgerufen
a) „Digitales Europa“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller),
Digital Europe Programme: Die Mittel werden nicht an einzelne EU-
Mitgliedstaaten, sondern in einem offenen Wettbewerbsverfahren der Europäischen
Kommission über Ausschreibungen, sogenannte „Calls“, vergeben. Insofern
verfügen die Mitgliedstaaten über kein zugewiesenes Budget, das sie
eigenständig verwalten können. Die Europäische Kommission stellt ein Dashboard für
Digital Europe Programme bereit, auf dem unter folgendem Link die
Vergabemittel an deutsche Bewerber einsehbar sind: https://dashboard.tech.ec.europ
a.eu/qs_digit_dashboard_mt/public/sense/app/f356598a-66bb-4040-957b-a96b
b4b57f03/sheet/0c8af38b-b73c-4da2-ba41-73ea34ab7ac4/state/analysis, zuletzt
abgerufen am 8. Dezember 2025)
Im Rahmen des Digital Europe Programms wurden z. B. deutschen
Zuwendungsempfängern im Rahmen der Förderung für die „European Digital
Innovation Hubs“ (EDIHs) folgende Mittel jeweils zur Verfügung gestellt. 13 EDIHs
wurden für eine Verlängerung ausgewählt, die zurzeit schrittweise bewilligt
werden.
EDIH Laufzeit EU-Mittel (gerundet)
EDIH Saxony 01.10.2022-30.09.2025
(3-jährige Verlängerung seit
01.10.2025)
2,3 Mio. €
(2,6 Mio. € in Verlängerung)
EDIH4UrbanSAVE 01.12.2022-30.11.2025
(3-jährige Verlängerung seit
01.12.2025)
3 Mio. €
(2,85 Mio. € in Verlängerung)
EDIH-SH 01.01.2023-31.12.2025 3 Mio. €
EDIH DAISEC 01.01.2023-31.12.2025 3 Mio. €
EDIH pro_digital 01.01.2023-31.12.2025 2,3 Mio. €
EDIH Suedwestfalen 01.11.2022-31.12.2025 2,5 Mio. €
EDIH-DO 01.11.2022-31.12.2025 2 Mio. €
EDIH Rheinland 01.01.2023-31.12.2025 2,9 Mio. €
EDIH Saarland 01.01.2023-31.12.2025 2,5 Mio. €
EDIH Suedwest 01.10.2022-31.12.2025 2,6 Mio. €
EDIH EDITH 01.02.2023-31.01.2026 2,2 Mio. €
EDIH-AICS 01.02.2023-31.01.2026 3 Mio. €
EDIH CITAH 01.01.2023-28.02.2026 2,4 Mio. €
EDIH DiNO 01.06.2023-31.05.2026 2,4 Mio. €
EDIH DIGICARE 01.06.2023-31.05.2026 1,6 Mio. €
EDIH Thuringia 01.07.2023-30.06.2026 2,8 Mio. €
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) koordiniert die
Umsetzung der EU-Strukturfonds in Deutschland und ist für die Positionierung
auf EU-Ebene, insbesondere im Rat der Europäischen Union und im Verhältnis
zur Europäischen Kommission zuständig. Die Bundesländer sind für die
Programmierung, Umsetzung und Projektauswahl der EU-Strukturfonds zuständig
(sowie BMAS für ESF+ Bundesprogramm). Digitale Projekte sind dabei in der
Förderperiode von 2021 bis 2027 schwerpunktmäßig unter dem spezifischen
Ziel 1.2 der EFRE-Verordnung (Verordnung (EU) 2021/1058) „Nutzung der
Vorteile der Digitalisierung für Bürger, Unternehmen, Forschungseinrichtungen
und Behörden“ möglich. In diesem spezifischen Ziel sind deutschlandweit
in der Förderperiode von 2021 bis 2027 von den Bundesländern rund
196 Mio. Euro an EU-Mitteln mit Gesamtinvestitionen von rund 377 Mio. Euro
programmiert (Stand: Ende Juni 2025).
Weitere allgemeine Informationen zur europäischen Kohäsions- und
Strukturpolitik stehen zur Verfügung auf: www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redak
tion/DE/Artikel/Europa/eu-kohaesions-und-strukturpolitik.html.
b) „NextGenerationEU“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller),
NextGenerationEU: Die bereitgestellten und abgerufenen Mittel im Rahmen
des deutschen Aufbau und Resilienzplans sind unter folgendem Link einsehbar:
https://ec.europa.eu/economy_finance/recovery-and-resilience-scoreboard/coun
try_overview.html?country=Germany, zuletzt abgerufen am 8. Dezember 2025.
c) Digitale Projekte im Rahmen des MFR 2021 bis 2027,
Das Digital Europe Programme ist Teil des MFR 2021 bis 2027, siehe daher
Antwort zu Frage 2a.
d) weitere einschlägige Programme (z. B. Connecting Europe Facility
[CEF] Digital, Horizon Europe)
(bitte nach Programmen, Jahren und Zuständigkeitsbereichen
aufschlüsseln)?
CEF Digital: Die Mittel werden nicht an einzelne Mitgliedstaaten, sondern in
einem offenen Wettbewerbsverfahren der Europäischen Kommission über
Ausschreibungen, sogenannte „Calls“, vergeben. Insofern verfügen die
Mitgliedstaaten über kein zugewiesenes Budget, das sie eigenständig verwalten können.
Die Europäische Kommission stellt eine Webseite für Connecting Europe
Digital (CEF Digital) öffentlich bereit, auf dem u. a auch die an deutsche Bewerber
vergebenen Mittel einsehbar sind (https://hadea.ec.europa.eu/news/56-projects-
selected-eu389-million-under-4th-cef-digital-calls-2025-11-20_en, zuletzt
abgerufen am 5. Dezember 2025).
Horizon Europe: Die Forschungs- und Innovationsprojekte, die im Rahmen von
Horizon Europe gefördert werden, werden wie bei Digitales Europa im offenen
Wettbewerbsverfahren der Europäischen Kommission über Ausschreibungen
vergeben. Die an Deutschland vergebenen Mittel sind über das von der
Europäischen Kommission zur Verfügung gestellte Horizon Dashboard öffentlich
abrufbar (https://dashboard.tech.ec.europa.eu/qs_digit_dashboard_mt/public/sens
e/app/1213b8cd-3ebe-4730-b0f5-fa4e326df2e2/sheet/0c8af38b-b73c-4da2-ba4
1-73ea34ab7ac4/state/analysis, zuletzt abgerufen am 5. Dezember 2025).
3. Welche konkreten Projekte wurden in Deutschland mit Mitteln aus dem
Programm „Digitales Europa“ bislang gefördert (bitte nach Projektname,
Laufzeit, Fördersumme, Umsetzungspartner und Zielstellung
aufschlüsseln)?
Diese Daten sind gesammelt öffentlich einsehbar:
Country Profile:
https://dashboard.tech.ec.europa.eu/qs_digit_dashboard_mt/public/sense/app/f3
56598a-66bb-4040-957b-a96bb4b57f03/sheet/0c8af38b-b73c-4da2-ba41-73ea3
4ab7ac4/state/analysis.
Projects Profile:
https://dashboard.tech.ec.europa.eu/qs_digit_dashboard_mt/public/extensions/
CNECT_DIGITAL_dashboard/CNECT_DIGITAL_dashboard.html#projects.
Gesamte Liste der Projekte, gefiltert nach Programm (DEP) und Contributor
Country:
https://ec.europa.eu/info/funding-tenders/opportunities/portal/screen/opportunit
ies/projects-results?order=DESC&pageNumber=1&pageSize=10&sortBy=stat
us&frameworkProgramme=43152860&countries=20000873.
4. Welche Herausforderungen sieht die Bundesregierung bei der nationalen
Umsetzung digitaler EU-Programme (z. B. bei Antragstellung,
Mittelabruf, nationaler Kofinanzierung, Verwaltungsprozessen)?
Digital Europe Programme und CEF Digital: Die Europäische Kommission hat
ein Netzwerk der nationalen Kontaktpunkte und unterstützt mit
Informationsveranstaltungen, auch spezifisch zu einzelnen Calls, sowie mit Leitfäden.
Herausforderungen bestehen teilweise bei der nationalen Kofinanzierung, da diese
in Deutschland nicht zentral organisiert ist.
5. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass Kommunen und kleinere
Akteure Zugang zu Mitteln aus digitalen EU-Förderprogrammen erhalten?
Die Bundesregierung informiert über digitale EU-Förderprogramme und
konkrete Förderaufrufe, nimmt aber keine Beratungsleistungen für Antragsteller
wahr.
6. Inwieweit beteiligt sich Deutschland an europäischen Digitalprojekten
wie dem Aufbau gemeinsamer Dateninfrastrukturen (z. B. Gaia-X),
europäischer Kompetenzzentren für Cybersicherheit oder KI-Testzentren?
Es gibt nur ein europäisches Kompetenzzentrum für Cybersicherheit und
begleitend (ECCC) ein Netzwerk aus nationalen Koordinierungszentren (NCC) in
den EU-Mitgliedsaaten.
Mit der Verordnung (EU) 2021/887 haben das Europäische Parlament und der
Europäische Rat die Einrichtung eines europäischen Kompetenzzentrums für
Cybersicherheit in Industrie, Technologie und Forschung (ECCC) sowie ein
Netz von nationalen Koordinierungszentren (NCC) in allen Mitgliedstaaten
beschlossen. Das deutsche nationale Koordinierungszentrum für Cybersicherheit
in Industrie, Technologie und Forschung (NKCS) ist eine gemeinsame virtuelle
Einrichtung des BMI, BMFTR, BMDS und des BMVg. Die
Gesamtkoordinierung liegt beim BMI. Die Kopfstelle des NKCS ist im BSI angesiedelt. Das
NKCS ist Teil des Europäischen Cybersicherheitskompetenznetzwerks und
fungiert als Vermittler zwischen der Forschungscommunity, Kompetenzen und
Fördermitteln. Es berät, gibt Hilfestellungen und vernetzt Akteure im Bereich
Cybersicherheit. Auch werden die Interessen und Bedarfe der deutschen
Stakeholder explizit ermittelt und in europäischen Gremien vertreten, um die
Fördermittelstruktur optimal im Sinne der deutschen Innovationslandschaft
auszurichten.
Im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms wird durch das BMWE das
Forschungsprojekt „energy-data-X – Energiedatenraum zum Datenaustausch in
Gaia-X“ (https://enargus.de/search/?q=03ei4071) gefördert.
Darüber hinaus hat die Bundesregierung mit Projekten wie „Gaia-X Federation
Services“ und Catena-X die technische Entwicklung und Anwendung
unterstützt. Die BMWE-Förderprojekte im Rahmen der Manufacturing-X-Initiative
greifen die Prinzipien von Gaia-X auf.
7. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung zur Koordinierung
zwischen Bundes-, Länder- und EU-Ebene bei der Umsetzung digitaler
Programme?
Es gibt eine gemeinsame Förderdatenbank von Bund, Ländern und der EU
(www.foerderdatenbank.de/FDB/DE/Home/home.html).
Das Beratungszentrum für KI (BeKI) – dessen Aufbau bereits begonnen hat –
ist die zentrale Stelle für den KI-Einsatz in der Bundesverwaltung und nimmt
eine koordinierende Rolle ein.
8. Gibt es Monitoring- oder Evaluationsberichte zur Wirksamkeit der mit
EU-Mitteln umgesetzten Digitalprojekte in Deutschland, und wenn ja,
welche Ergebnisse liegen vor?
Die Europäische Kommission veröffentlicht regelmäßig den Stand der
wesentlichen Indikatoren für die Erfolgsmessung verschiedener digitaler Programme
(Link: https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/eu-budget/performanc
e-and-reporting/programme-performance-statements_en, zuletzt abgerufen am
8. Dezember 2025).
Mit der Studie „Evaluation der EFRE-Programme in der Förderperiode 2014–
2020 in Deutschland“ wurde die erste umfassende Analyse der Wirkungen des
Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) für eine gesamte
Förderperiode (von 2014 bis 2020) übergreifend in Deutschland vorgenommen.
Die Studie zeigt die vielfältigen positiven Beiträge des EFRE für neun
thematische Förderbereiche und umfasst dabei auch Projekte der Digitalisierung. Die
Studie ist verfügbar unter www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/
DE/Artikel/Europa/eu-kohaesions-und-strukturpolitik.html, zuletzt abgerufen
am 8. Dezember 2025
9. Wie viele zusätzliche Projekte im Bereich Digitalisierung plant die
Bundesregierung im Rahmen der nächsten Förderperiode der EU, und
welche politischen Schwerpunkte sollen dabei gesetzt werden?
Die Europäische Kommission hat am 16. Juli 2025 ihren Vorschlag für einen
mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) vorgelegt. Dieser soll die nächste
Förderperiode der EU für den Zeitraum von 2028 bis 2034 darstellen. Der MFR
befindet sich derzeit noch in der Verhandlungsphase.
10. Wie bewertet die Bundesregierung insgesamt den Stand der
Digitalisierung in Deutschland im europäischen Vergleich – auch mit Blick auf die
Nutzung?
Es ist das Ziel der Bundesregierung, Deutschland digitaler, schneller und
leistungsfähiger zu machen. Der diesjährige Bericht über den Stand der „digitalen
Dekade“ der Europäischen Kommission erfasst die im vergangenen Jahr
gemachten Fortschritte der EU und der Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung
der im Politikprogramm 2030 – Digitale Dekade festgelegten Digitalziele. In
dem Bericht begrüßt die Europäische Kommission ausdrücklich, dass mit dem
Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung ein
eigenständiges Digitalministerium geschaffen wurde. Zudem stellt die Kommission
fest, dass Deutschland in den vergangenen Jahren gute Fortschritte erzielt hat.
Mit der Gründung eines eigenständigen Bundesministeriums hat die
Bundesregierung Fortschritte bei der Digitalisierung priorisiert und steigert das
Ambitionsniveau deutlich. Die Bundesregierung lässt die Hinweise der Kommission
in die weitere digitalpolitische Arbeit einfließen. Ein neuer Bericht zum Stand
der „digitalen Dekade“ wird für das Jahr 2026 erwartet.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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