Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau des Gazastreifens - Kontrolle, Transparenz und Risikoabwägung
Text
Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau des Gazastreifens - Kontrolle, Transparenz und Risikoabwägung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3017
21. Wahlperiode 02.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten der Abgeordneten Uwe Schulz, Gerold Otten, Jan Wenzel
Schmidt, Dr. Alexander Wolf, Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Keuter, Heinrich
Koch und der Fraktion der AfD
Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau des Gazastreifens – Kontrolle,
Transparenz und Risikoabwägung
Die Bundesregierung hat nach Medienberichten und öffentlichen Äußerungen
zugesagt, sich am Wiederaufbau des Gazastreifens beteiligen zu wollen. Die
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem
Alabali Radovan, hat laut Medienberichten einen dreistelligen Millionenbetrag
in Aussicht gestellt (www.zdfheute.de/politik/gaza-wiederaufbau-deutschland-
merz-israel-geiseln-100.html; www.deutschlandfunk.de/deutsche-perspektive-a
uf-gaza-plan-100.html).
Die Fragesteller erkennen die Notwendigkeit humanitärer Unterstützung für die
Zivilbevölkerung in Gaza an, sehen jedoch gleichzeitig die Verpflichtung des
Deutschen Bundestages zur Haushaltskontrolle und Überwachung der
Mittelverwendung.
Angesichts der nach Auffassung der Fragesteller instabilen Sicherheitslage, der
weiterhin unklaren Verwaltungsstrukturen im Gazastreifen und des Risikos
eines Missbrauchs internationaler Hilfsgelder besteht in den Augen der
Fragesteller ein berechtigtes Interesse, die geplanten finanziellen Zusagen der
Bundesregierung auf ihre Transparenz, Zweckbindung und Wirksamkeit hin zu
prüfen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchen konkreten Haushaltslinien oder Programmen stammen die
von der Bundesregierung angekündigten Mittel für den Wiederaufbau des
Gazastreifens, und in welchem Zeitraum ist die Auszahlung vorgesehen?
2. Bestehen institutionelle, vertragliche oder technische
Kontrollmechanismen, um sicherzustellen, dass die möglichen bereitgestellten Mittel
ausschließlich für humanitäre, zivile und infrastrukturelle Zwecke eingesetzt
werden, und wenn ja, welche?
3. Beabsichtigt die Bundesregierung, über internationale oder nichtstaatliche
Organisationen (z. B. United Nations Relief and Works Agency for
Palestine Refugees in the Near East (UNRWA), United Nations Development
Programme (UNDP), EU-Programme, Nichtregierungsorganisationen
(NGOs)) Mittel für den Wiederaufbau abzuwickeln, und nach welchen
Kriterien würde dann deren Auswahl erfolgen?
4. Welche Rolle misst die Bundesregierung der Palästinensischen
Autonomiebehörde zu bei der Planung, Steuerung und Umsetzung der
Wiederaufbauprogramme, und hat die Bundesregierung gegebenenfalls eine
Bewertung zu deren institutioneller und finanzieller Kontrollfähigkeit
vorgenommen, und wenn ja, wie lautet diese?
5. Beabsichtigt die Bundesregierung, sich mit der israelischen Regierung
abzustimmen hinsichtlich der Kontrolle von möglichen Hilfsgütern,
Baumaterialien und Zufahrtswegen, und wie sollen mögliche Sicherheitsrisiken
minimiert werden, damit keine Infrastruktur für militärische Zwecke
missbraucht werden kann?
6. Hat die Bundesregierung Pläne dazu, welche konkreten Sektoren (z. B.
Wohnungsbau, Energie, Trinkwasser, Gesundheitswesen, Bildung) durch
die möglichen deutschen Mittel gefördert werden sollen, und auf welchen
Datengrundlagen beruhen diese möglichen Pläne?
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, die deutsche Beteiligung mit der EU,
den Vereinten Nationen und anderen Geberstaaten zu koordinieren, um
mögliche Überschneidungen, Doppelstrukturen und Ineffizienz zu
vermeiden?
8. Plant die Bundesregierung, die mögliche Mittelverwendung regelmäßig zu
überprüfen, die Ergebnisse zu evaluieren und dem Deutschen Bundestag
über Fortschritte und eventuelle Risiken zu berichten, und wenn ja, wie?
9. Hat die Bundesregierung Einschätzungen vorgenommen zu den
möglichen Risiken von Korruption, Vetternwirtschaft oder missbräuchlicher
Verwendung von Hilfsgeldern in den bestehenden Verwaltungsstrukturen
im Gazastreifen, und welche Gegenmaßnahmen hat die Bundesregierung
gegebenenfalls vorgesehen?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die politischen, sicherheitspolitischen
und humanitären Rahmenbedingungen für den Wiederaufbau des
Gazastreifens, und sieht sie in der aktuellen Situation Voraussetzungen für einen
nachhaltigen Friedens- und Stabilitätsprozess in der Region?
11. Zieht die Bundesregierung Schlussfolgerungen aus den früheren
Wiederaufbauprogrammen für Gaza seitens Deutschlands und der EU, und wenn
ja, welche (bitte begründen)?
12. Sieht sich die Bundesregierung in einer herausragenden
Geldgeberposition für Gaza, und wenn ja, weshalb (bitte begründen)?
Berlin, den 3. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Alexander Wolf (Kleine Anfrage)
- asked ← Gerold Otten (Kleine Anfrage)
- asked ← Heinrich Koch (Kleine Anfrage)
- asked ← Jan Wenzel Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Keuter (Kleine Anfrage)
- asked ← Udo Theodor Hemmelgarn (Kleine Anfrage)
- asked ← Uwe Schulz (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Gerold Otten
- authored ← Uwe Schulz
- part_of_vorgang → Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau des Gazastreifens - Kontrolle, Transparenz und Risikoabwägung (Kleine Anfrage)