Verfahrensstände der Aufarbeitung zu Panama-, Paradise- und Pandora Papers
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Verfahrensstände der Aufarbeitung zu Panama-, Paradise- und Pandora Papers
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2438
21. Wahlperiode 28.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Kay Gottschalk, Jan Wenzel Schmidt, Hauke Finger, Christian
Douglas, Rainer Groß, Jörn König, Reinhard Mixl, Iris Nieland, Diana Zimmer und
der Fraktion der AfD
Verfahrensstände der Aufarbeitung zu Panama-, Paradise- und Pandora Papers
Im April 2016 wurden die sogenannten Panama Papers veröffentlicht, im
November 2017 die sogenannten Paradise Papers und zuletzt im Oktober 2021 die
sogenannten Pandora Papers.
Die Papiere offenbarten weltweite Offshore-Geschäfte,
Steuervermeidungsstrategien und legten Fälle von Steuerhinterziehung offen. Diese Enthüllungen
betrafen auch deutsche Staatsbürger, Unternehmen und Banken.
Die Panama Papers umfassen etwa 11,5 Millionen Dokumente der
panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die am 3. April 2016 veröffentlicht
wurden (https://panamapapers.sueddeutsche.de/articles/56ff9a28a1bb8d3c3495
ae13/). Sie decken den Zeitraum von 1977 bis 2015 ab.
Die Dokumente enthüllten, wie Politiker, Prominente, Unternehmen und
Privatpersonen weltweit Briefkastenfirmen in Steueroasen nutzten, um Steuern zu
vermeiden oder zu hinterziehen. Es wurden sowohl legale
Steuervermeidungsstrategien als auch illegale Praktiken wie Steuerhinterziehung aufgedeckt.
Die Unterlagen zeigten, dass Mossack Fonseca in Fälle von Geldwäsche und
Verstöße gegen UN-Sanktionen verwickelt war, indem sie Firmen für Kunden
gründete, die mit illegalen Aktivitäten in Verbindung standen.
Die Paradise Papers bestehen aus etwa 13,4 Millionen Dokumenten, die am
5. November 2017 veröffentlicht wurden (www.sueddeutsche.de/projekte/artik
el/politik/das-ist-das-leak-e229478/). Sie stammen hauptsächlich von der
Offshore-Kanzlei Appleby, mit Sitz auf den Bermudas, sowie von
Unternehmensregistern in 19 Steueroasen.
Die Paradise Papers beleuchteten die Rolle von Steueroasen wie den Bermudas,
den Cayman Islands und Malta bei der Erleichterung globaler
Steuervermeidung.
Die Dokumente ließen erkennen, wie multinationale Unternehmen komplexe
Strukturen nutzten, um Steuerzahlungen in großem Stil zu minimieren, oft
durch legale, aber moralisch fragwürdige Praktiken. Auch hochrangige
Politiker und Prominente wurden mit Offshore-Investitionen in Verbindung gebracht.
Neben legalen Steuervermeidungsstrategien wurden auch Fälle von
mutmaßlicher Steuerhinterziehung und Korruption aufgedeckt, insbesondere in
Verbindung mit politisch exponierten Personen.
So soll auch die staatseigene Bundesdruckerei über die Kanzlei Mossack
Fonseca mindestens zwei Offshore-Firmen zur Verschleierung von
Auslandsgeschäften betrieben haben (www.n-tv.de/politik/Panama-Papers-erreichen-Schae
uble-article17427046.html). Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) wies
zwar Vorwürfe zurück, aber „die erhobenen neuen Vorwürfe gegen das
staatseigene Unternehmen würden derzeit intensiv geprüft“ (ebd.).
Die Pandora Papers betreffen etwa 11,9 Millionen Dokumente von 14
verschiedenen Offshore-Dienstleistern, veröffentlicht am 3. Oktober 2021 (www.suedd
eutsche.de/projekte/artikel/politik/uebersicht-pandora-papers-e195245/). Die
Daten reichen bis ins Jahr 2021.
Neben Politikern waren auch Prominente, Unternehmer und Kriminelle in die
Strukturen involviert, die von den Dienstleistern in Steueroasen wie Panama
oder den britischen Jungferninseln eingerichtet wurden.
Die Pandora Papers verdeutlichten, dass trotz früherer Enthüllungen (Panama-
und Paradise Papers) und darauffolgender Reformen das System der Offshore-
Finanzen weiterhin florierte und von vielen genutzt wurde.
Alle drei Leaks zeigen nach Auffassung der Fragesteller, dass Steueroasen ein
zentraler Bestandteil des globalen Finanzsystems sind und von Einzelpersonen
aber auch Unternehmen genutzt werden, um Steuerlasten zu reduzieren oder
Vermögen zu verschleiern.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Ermittlungen haben die Bundesregierung bzw. nach
Kenntnis der Bundesregierung die zuständigen Behörden seit der
Veröffentlichung der Panama Papers im Jahr 2016, der Paradise Papers im
Jahre 2017 und der Pandora Papers im Jahre 2021 gegen deutsche
Personen oder Unternehmen eingeleitet, die in den Dokumenten genannt
wurden?
2. Wurden die Gelder der Bundesdruckerei, die sich auf den Konten der
Briefkastenfirmen „Billingsley Global Corporation“ und „Billingsley
Global Investments“ befanden, in Gänze zurückgeführt (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
3. Welche Konsequenzen hat es hinsichtlich der Beteiligungsführung
innerhalb des BMF gegeben?
4. Gibt es zu dem genannten Vorgang „Bundesdruckerei“ (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller) nach Kenntnis der Bundesregierung Bemerkungen
des Bundesrechnungshofes, und wenn ja, welche?
5. Wie viele Strafverfahren wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung oder
anderer Straftaten im Zusammenhang mit den Panama Papers, Paradise
Papers und Pandora Papers wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
bisher eingeleitet, und wie viele davon haben zu Verurteilungen geführt?
6. Welche deutschen Banken haben nach Kenntnis der Bundesregierung
Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet und sind verurteilt worden?
7. In welcher Höhe bewegen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Mehreinnahmen
a) durch die steuerliche Nachverfolgung (bitte einzeln nach Jahren
getrennt aufschlüsseln),
b) aufgrund von Selbstanzeigen (bitte einzeln nach Jahren getrennt
aufschlüsseln),
c) aufgrund von Verfahren (bitte einzeln nach Jahren getrennt
aufschlüsseln)?
8. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um
Steuervermeidung und Steuerhinterziehung durch Offshore-Konstruktionen, wie sie in
den Panama Papers, Paradise Papers und Pandora Papers offengelegt
wurden, zukünftig zu verhindern (bitte die Ergebnisse der Maßnahmen
einzeln aufschlüsseln)?
9. In welchem Umfang entgehen dem deutschen Staat nach Schätzungen der
Bundesregierung jährlich Steuereinnahmen durch
Steuervermeidungspraktiken, wie sie in den Panama Papers, Paradise Papers und Pandora
Papers dokumentiert sind, und welche Schritte wurden unternommen, um
diese Verluste zu minimieren?
10. Hat sich die Bundesregierung zur Rolle deutscher Banken und
Finanzinstitute, die in den Panama Papers, Paradise Papers und Pandora Papers
genannt wurden, eine eigene Auffassung gebildet, wenn ja, wie lautet diese,
und welche Konsequenzen zog sie daraus für ihr eigenes Handeln?
11. Plant die Bundesregierung, auf nationaler oder internationaler Ebene
weitere Initiativen zur Bekämpfung von Steueroasen und Briefkastenfirmen
voranzutreiben, und wenn ja, welche konkreten Vorschläge werden
unterstützt oder geplant?
12. Welche Fortschritte wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den
Ermittlungen zu den Panama Papers, Paradise Papers und Pandora Papers
auf nationaler und internationaler Ebene erzielt?
13. Welche bedeutenden Urteile oder Entwicklungen gab es nach Kenntnis
der Bundesregierung in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren
(insbesondere 2024 und 2025, bitte einzeln benennen und nach Jahren
getrennt angeben)?
Berlin, den 22. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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