Islamistische Radikalisierung von Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland
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Islamistische Radikalisierung von Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1245
21. Wahlperiode 15.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Sascha Lensing, Dr. Christoph
Birghan, Pierre Lamely, Birgit Bessin, Tobias Teich, Manfred Schiller, Carina
Schießl, Andreas Paul, Alexis L. Giersch, Martina Uhr, Iris Nieland, Kay-Uwe
Ziegler, Bernd Schattner, Thomas Korell, Lukas Rehm, Achim Köhler, Dr. Malte
Kaufmann, Dr. Michael Blos, Dr. Maximilian Krah, Bernd Schuhmann, Marcel
Queckemeyer, Mirco Hanker, Joachim Bloch, Christian Reck, Jan Wenzel
Schmidt, Maximilian Kneller, Thomas Ladzinski, Andreas Mayer, Edgar Naujok,
Renè Bochmann, Volker Scheurell, Jörg Zirwes, Dr. Christina Baum, Hauke
Finger, Rainhard Mixl und der Fraktion der AfD
Islamistische Radikalisierung von Jugendlichen und Heranwachsenden in
Deutschland
Im Verfassungsschutzbericht 2024 wurde eine Zunahme der Radikalisierung
junger Menschen im Bereich Islamistischer Terror festgestellt: „Europaweit
sind in den letzten Jahren zunehmend radikalisierte Minderjährige in
jihadistische Aktivitäten verwickelt. Auch in Deutschland spielt diese Zielgruppe eine
immer größere Rolle bei der Bearbeitung des Islamismus und islamistischen
Terrorismus. Im Berichtszeitraum konnten mehrere Anschlagsvorhaben
Minderjähriger im Vorfeld verhindert werden: Vier Jugendliche im Alter von 15
und 16 Jahren aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wurden
zwischen dem 28. März 2024 und dem 1. April 2024 festgenommen, da sie sich
online zu Anschlägen auf christliche und jüdische Einrichtungen im Raum
Iserlohn (Nordrhein-Westfalen) verabredet hatten (vgl. Kap. V). Bei zwei der
Gruppenmitglieder handelte es sich um Mädchen. Insgesamt ist zu beobachten,
dass weibliche Jugendliche auch bei gewaltorientierten Planungen verstärkt in
Erscheinung treten. Weitere Festnahmen Minderjähriger wegen des Verdachts
der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gab es unter
anderem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.
Außerdem wurden zwei Jugendliche, die im November 2023 wegen der
Planung eines Anschlags auf einen Weihnachtsmarkt in Leverkusen (Nordrhein-
Westfalen) festgenommen worden waren, im Sommer 2024 zu mehrjährigen
Haftstrafen verurteilt (vgl. Kap. V)“ (Verfassungsschutzbericht 2024, S. 205,
www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherhei
t/BMI25029-vsb2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4, zuletzt abgerufen am
1. August 2025).
Die Gefahr, dass junge Menschen in salafistische oder dschihadistische Milieus
abrutschen oder über sogenannte Islam-Fluencer über die sozialen Medien mit
islamistischer Propaganda in Kontakt kommen, hat in den letzten Jahren stark
zugenommen. Die Sicherheitsbehörden – auch in den Bundesländern – weisen
hierauf verstärkt hin (www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/radikalisier
ung-islam-jugendliche-ostfildern-100.html).
Es gibt zwar viele staatliche Präventionsprogramme und Maßnahmen der
politischen Bildung, aber der Erfolg dieser Maßnahmen scheint den Fragestellern
zweifelhaft. Jedenfalls ist in ihren Augen deutlich zu erkennen, dass die
islamistische Indoktrination für viele junge Menschen, insbesondere bei jungen
Männern mit Migrationshintergrund, an Wirkung nicht verliert. Das Problem
wird durch die Bildung von Parallelgesellschaften, in denen religiös-
extremistische Narrative ungestört verbreitet werden können, nach Auffassung der
Fragesteller noch verstärkt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Personen unter 21 Jahren wurden in den Jahren von 2020 bis
2024 als islamistische Gefährder oder Relevante Personen im Bereich
Islamismus bzw. Islamistischer Terrorismus vom Bundesamt für
Verfassungsschutz (BfV) erfasst (bitte nach Jahren und Alter aufschlüsseln)?
2. Wie viele Minderjährige wurden in den Jahren von 2020 bis 2024 wegen
Straftaten im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität – religiöse
Ideologie – mit islamistischem Hintergrund (z. B. Propagandadelikte,
Gewalttaten, Vorbereitungshandlungen) polizeilich registriert (bitte nach
Jahren, Alter, Straftat aufschlüsseln)?
3. In wie vielen Fällen ermittelten die Strafverfolgungsbehörden zwischen
2020 und 2024 wegen versuchter Ausreise von Jugendlichen und
Heranwachsenden in islamistische Kampfgebiete (§ 89a Absatz 2a des
Strafgesetzbuchs –StGB; bitte nach Anzahl, Jahren, Alter aufschlüsseln)?
4. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob und in welchem
Umfang Moscheevereine (z. B. DITIB, ATIB, IGMG) in Deutschland an
der Verbreitung radikalislamischer Inhalte unter Jugendlichen und
Heranwachsenden beteiligt sind, und wenn nein, warum nicht, und wenn ja, um
welche Moscheevereine und Erkenntnisse handelt es sich?
5. Welche präventiven und repressiven Maßnahmen wurden bzw. werden
gegen Vereine oder Gruppierungen ergriffen, bei denen eine gezielte
Ansprache von Jugendlichen und Heranwachsenden im islamistischen
Kontext bekannt wurde?
6. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung gebildet zu
religiösen Jugendangeboten (z. B. Koranunterricht, Einrichtung von
Gebetsräumen für muslimische Schüler an öffentlichen Schulen, www.abendblat
t.de/hamburg/harburg/article406762582/harburg-schulen-richten-gebetsra
um-ein-fanden-es-unwuerdig.html) im Hinblick auf mögliche
islamistische Radikalisierungen, und wenn ja, wie lautet diese?
7. Wie viele Projekte zur Islamismusprävention bei Jugendlichen bzw.
Heranwachsenden wurden in den Jahren von 2020 bis 2024 aus
Bundesmitteln gefördert (bitte nach Jahren, Höhe der Fördersumme, Name des
Projekts und des Trägers, Gegenstand der Förderung aufschlüsseln)?
8. Nach welchen wissenschaftlichen Kriterien werden die in Frage 7
genannten Projekte ggf. evaluiert, und welche messbaren Erfolge wurden
festgestellt (bitte auch Angabe, wo die Evaluierungen veröffentlicht wurden)?
9. In wie vielen Fällen konnten nach Kenntnis der Bundesregierung
tatsächliche Radikalisierungsverläufe durch staatlich finanzierte Programme
verhindert oder abgebrochen werden?
10. Plant die Bundesregierung, eine Studie oder Analyse zur islamistischen
Radikalisierung unter Jugendlichen in Auftrag zu geben oder
durchzuführen, und wenn ja, wann, mit welchem konkreten Auftrag, und wer soll die
Studie bzw. Analyse durchführen?
11. Sieht die Bundesregierung gesetzgeberischen Handlungsbedarf, um
jugendliche islamistische Gefährder frühzeitiger und effektiver zu
identifizieren und ggf. zu sanktionieren?
Berlin, den 12. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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