Unterstützung der Bundesregierung bei der Beseitigung von Kriegsschäden und explosiven Kampfmitteln in ehemaligen Kriegsgebieten seit 2015 (Antwort zu Drs. 21/833)
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Unterstützung der Bundesregierung bei der Beseitigung von Kriegsschäden und explosiven Kampfmitteln in ehemaligen Kriegsgebieten seit 2015 (Antwort zu Drs. 21/833)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/990
21. Wahlperiode 23.07.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt, Gerold Otten,
Stefan Keuter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/833 –
Unterstützung der Bundesregierung bei der Beseitigung von Kriegsschäden und
explosiven Kampfmitteln in ehemaligen Kriegsgebieten seit 2015
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesregierung beteiligt sich regelmäßig an internationalen
Hilfeprogrammen zur Stabilisierung von Nachkriegsregionen (www.auswaertiges-am
t.de/resource/blob/2538922/bf34be008dd3f1a9f36c3b02f89b3307/vierjahresb
ericht-humanitaere-hilfe-2018---2021-data.pdf). Insbesondere Maßnahmen zur
Beseitigung von Kriegsschäden, Blindgängern, Landminen und anderen
explosiven Kampfmitteln gelten als humanitäre Notwendigkeit. Die Transparenz
über Art, Umfang und regionale Schwerpunkte deutscher
Unterstützungsmaßnahmen in den vergangenen zehn Jahren ist nach Auffassung der Fragesteller
von erheblichem öffentlichen Interesse.
1. In welchen Ländern bzw. ehemaligen Kriegsgebieten hat die
Bundesregierung in den Jahren von 2015 bis 2025 Programme oder Projekte zur
Beseitigung von Kriegsschäden, Minen, Blindgängern oder ähnlichen
Explosivmitteln finanziell, technisch oder logistisch unterstützt?
2. In welcher Form erfolgte diese Unterstützung jeweils (bitte nach Ländern,
Zeitraum, Durchführungsorganisation, Art der Unterstützung und
Fördervolumen aufschlüsseln)?
Die Fragen 1 und 2 werden gemeinsam beantwortet.
Eine Übersicht der Projekte oder Programme zur Beseitigung von
Kriegsschäden, Minen, Blindgängern oder ähnlichen Explosivmitteln in den Jahren 2015
bis 2024 mit Informationen zu den Ländern, den Durchführungsorganisationen,
der Art der Unterstützung und des Fördervolumens findet sich in den
jeweiligen Jahresabrüstungsberichten (Bericht der Bundesregierung zum Stand der
Bemühungen um Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung sowie
über die Entwicklung der Streitkräftepotenziale). In den jeweiligen
Übersichten 2 sind Projekte und Konferenzen im Bereich der konventionellen
Abrüstung, Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung und in Übersichten 3 Projekte
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 23. Juli 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
des Minen- und Kampfmittelräumens im Rahmen der humanitären Hilfe, von
Stabilisierung und Entwicklungszusammenarbeit aufgeführt.
Jahresabrüstungsbericht 2015 Bundestagsdrucksache 18/8065
Jahresabrüstungsbericht 2016 Bundestagsdrucksache 18/11968
Jahresabrüstungsbericht 2017 Bundestagsdrucksache 19/1380
Jahresabrüstungsbericht 2018 Bundestagsdrucksache 19/9815
Jahresabrüstungsbericht 2019 Bundestagsdrucksache 19/19000
Jahresabrüstungsbericht 2020 Bundestagsdrucksache 19/29400
Jahresabrüstungsbericht 2021 Bundestagsdrucksache 20/1657
Jahresabrüstungsbericht 2022 Bundestagsdrucksache 20/6600
Jahresabrüstungsbericht 2023 (Zusätzlich zu den Projekten im
Jahresabrüstungsbericht 2023 sind zwei weitere Kleinprojekte in Anlage 1*
aufgeführt.)
Bundestagsdrucksache 20/11110
Jahresabrüstungsbericht 2024 Bundestagsdrucksache 21/115
Der Jahresabrüstungsbericht für 2025 liegt noch nicht vor. Für das Jahr 2025
wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.
3. Welche Ressorts (z. B. Auswärtiges Amt, Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bundesministerium der
Verteidigung, vgl. Frage 1) waren jeweils federführend beteiligt?
In den jeweiligen Jahresabrüstungsberichten sind die Projekte oder Programme
den einzelnen Ressorts zugeordnet.
4. Welche konkreten Ziele wurden in den jeweiligen Projekten verfolgt (z. B.
Anzahl geräumter Minen, gesicherte Flächen, geschultes Personal etc.,
vgl. Frage 1)?
In der Strategie des Auswärtigen Amtes für humanitäres Minen- und
Kampfmittelräumen im Rahmen der humanitären Hilfe der Bundesregierung von 2024
sind neun Ziele gesetzt (strategisch sowie operativ; www.auswaertiges-amt.de/r
esource/blob/2520774/9926612aa038578189829e806e8709da/minenraeumstrat
egie2024-data.pdf).
Projekte, die vom Auswärtigen Amt gefördert werden, verfolgen grundsätzlich
diese strategischen und operativen Ziele. Bei den einzelnen Projekten im
humanitären Minen- und Kampfmittelräumen gibt es je nach Projektmaßnahme
zudem zusätzliche konkrete Ziele (wie z. B. die Anzahl der Begünstigten, Anzahl
der geräumten Minen, m² der geräumten Flächen), die nach
Projektdurchführung erreicht werden sollen.
5. Wie bewertet die Bundesregierung die Wirksamkeit der von ihr
unterstützten Maßnahmen, und gibt es Evaluierungen oder Erfolgskennziffern?
Die Bundesregierung fördert Projekte des humanitären Minen- und
Kampfmittelräumens im Einklang mit der Strategie vorrangig in Schwerpunktländern,
deren Auswahl maßgeblich auf humanitären Bedarfen und der zu erwartenden
humanitären Wirkung des deutschen Engagements basiert. Die Strategie mit
ihren Zielen wurde 2022 und 2023 evaluiert sowie 2024 aktualisiert. Die
nächste Evaluierung der Strategie wird 2027 durchgeführt.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/990 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Umsetzungspartner unterliegen nach Haushaltsrecht Berichtspflichten. Auf
Grundlage von Monitoring- und Evaluierungsplänen geben Partner regelmäßig
Auskunft zum Stand der Projektumsetzung. In Projektabschlussberichten
analysieren sie die Wirkung der von ihnen durchgeführten Maßnahmen. Das
Auswärtige Amt unternimmt zudem Projektmonitoringreisen, in denen
Projektaktivitäten der Partner vor Ort begutachtet und auf ihre Wirksamkeit hin bewertet
werden.
6. Wurden in diesem Kontext auch deutsche Sicherheits- oder
Rüstungsunternehmen eingebunden bzw. beauftragt, und wenn ja, welche (vgl.
Frage 1)?
Das Auswärtige Amt hat im Bereich des humanitären Minen- und
Kampfmittelräumens keine deutschen Sicherheits- oder Rüstungsunternehmen
eingebunden oder beauftragt.
7. In welchen Ländern laufen derzeit (Stand: Juni 2025) noch Maßnahmen
zur Beseitigung von Kriegsschäden oder explosiven Kampfmitteln mit
deutscher Beteiligung?
In folgenden Ländern und Gebieten werden zurzeit (Stand: Juni 2025)
Maßnahmen im Bereich des humanitären Minen- und Kampfmittelräumens vom
Auswärtigen Amt gefördert: Afghanistan, Äthiopien, Irak, Kambodscha,
Kolumbien, Laos, Libanon, Palästinensische Gebiete, Sri Lanka, Somalia, Südsudan,
Syrien, Simbabwe und Ukraine. Eine Liste der Länder mit weiteren
Informationen zu den einzelnen Projekten ist in der Anlage 2* im Anhang zu finden.
8. Hat die Bundesregierung Pläne, Armenien und Aserbaidschan bei der
Minenräumung in den ehemaligen Konfliktgebieten des Südkaukasus künftig
zu unterstützen (wenn ja, wie konkret)?
Die Bundesregierung hat zurzeit keine konkreten Pläne, Armenien und
Aserbaidschan beim humanitären Minen- und Kampfmittelräumen künftig zu
unterstützen.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/990 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Anlage 1 zu Fragen 1 und 2
Land Zeitraum Durchführungsorganisation Art der Unterstützung Fördervolumen in Euro
Ukraine 2023 Stadt Hannover Zuschuss aus SKEW-Kleinprojektefonds für ein Projekt der Stadt
Hannover mit Mykolajiw für die Beschaffung eines Kipplasters u.a. zur
Beseitigung von Trümmern und Schutt.
50.000
Ukraine 2023 Stadt Pullach Zuschuss aus SKEW-Kleinprojektefonds für ein Projekt Pullachs mit
Baryschiwka für die Beschaffung eines Multifunktionsfahrzeugs zur
Beseitigung von Kriegsschäden.
44.982
Anlage 2 zu Antwort auf Frage 7:
Art der Unterstützung Durchführungsorganisation Länder Zuwendungssumme
2025
Humanitäres Minenräumen HALO Trust Afghanistan 3.617.000,00 €
Landfreigabe durch den Einsatz von Drohnen und innovativen
Umsetzungsmethoden
Handicap International Regional 1.040.583,00 €
Umsetzung der Konventionen von Oslo und Lausanne: Forschung,
Interessenvertretung und Stärkung der nationalen Kapazitäten zur
Bekämpfung der Auswirkungen von Antipersonenminen und Streumunition
ICBL-CMC Global 506.092,00 €
Unterstützung bei der Umsetzung der deutschen Strategie zum humanitären
Minen- und Kampfmittelräumen
GICHD Global 1.492.417,81 €
Humanitäres Minenräumen Campaña Colombiana
contra Minas
Kolumbien 1.537.883,71 €
Humanitäres Minenräumen Handicap International Kolumbien 1.350.000,00 €
Humanitäres Minenräumen in Konfliktgebieten Handicap International Äthiopien 2.221.487,00 €
Stärkung von Stabilität durch Reduzierung von waffenbedingter Gewalt Handicap International Irak 2.394.015,89 €
Humanitäres Minenräumen und Kapazitätenstärkung im Irak Norwegian People´s Aid Irak 2.360.609,97 €
Vermessung, Räumung und Risikoaufklärung von Kampfmitteln zur
Unterstützung eines nachhaltigen und landesweit geführten
Minenaktionsprogramms
Mines Advisory Group Irak 1.500.000,00 €
1
Humanitäres Minenräumen im Nordwesten Kambodschas HALO Trust Kambodscha 2.600.274,05 €
Humanitäres Minenräum-projekt im Grenzgebiet Kambodscha-Thailand Norwegian People´s Aid Kambodscha 1.980.630,14 €
Räumung von Blindgängern und Freigabe von Land Handicap International Laos 460.836,32 €
Humanitäres Minen- und Kampfmittelräumen in Sri Lanka Mines Advisory Group Sri Lanka 1.650.000,00 €
Humanitäres Minenräumen im Norden Sri Lankas HALO Trust Sri Lanka 1.733.535,38 €
Notfallmaßnahmen für die von der Krise betroffene Bevölkerung im
Gazastreifen mit Schwerpunkt auf Landfreigabe, Entsorgung explosiver
Kriegsreste, Risikoaufklärung für explosive Kriegsreste und Opferhilfe
einschließlich psychischer Gesundheit und psychosozialer Unterstützung.
Handicap International Palästinensische
Gebiete und
Libanon
200.000,00 €
Verbesserte Sicherheit der vom Konflikt betroffenen Gemeinden in den
palästinensischen Gebieten und im Libanon durch Aufklärung über die Gefahr
explosiver Kampfmittel (EORE)
Danish Refugee Council Palästinensische
Gebiete und
Libanon
200.000,00 €
Humanitäres Minenräumen HALO Trust Äthiopien &
Somalia
2.435.739,69 €
Humanitäres Minenräumen in Südsudan - Räumung von Minenfeldern,
Streumunitionsresten und Beseitigung anderer Reste mit integrierter
Risikoaufklärung
Mines Advisory Group Südsudan 1.881.561,00 €
Humanitäre Minenräumung - Integrierte und mobile Räumungen bzw
Räumungsbemühungen in betroffenen Gemeinden
Danish Refugee Council Südsudan 550.000,00 €
Humanitäres Minenräumen in Nord-Ost-Syrien Handicap International Syrien 1.962.857,99 €
2
Reduzierung des Schadens durch explosive Munition im Nordwesten und
Süden Syriens
HALO Trust Syrien 5.000.000,00 €
Opferversorgung - Integrierter Ansatz zur Unterstützung von Betroffenen
von Unfällen mit explosiven Kriegsmitteln:
Umfassende und nicht diskriminierende Hilfe für Überlebende von Unfällen
mit explosiven Kriegsmitteln und Menschen mit Behinderungen
Danish Refugee Council Ukraine 2.788.100,81 €
Humanitäre Minenräumung HALO Trust Ukraine 1.500.000,00 €
Stärkung der Kapazitäten der betroffenen Bevölkerung und der Akteure der
Minenräumung zur Bewältigung der Kontamination durch Kampfmittel
Handicap International Ukraine 1.614.200,00 €
Freigabe von Flächen von Kampfmitteln zur Unterstützung des Zugangs zu
kritischen Infrastrukturen und deren Instandsetzung
Mines Advisory Group Ukraine 1.280.000,00 €
Minenräumung in mit Kampfmitteln verseuchten Gebieten Norwegian People´s Aid Ukraine 1.500.000,00 €
Untersuchung und Räumung für ein minenfreies Zimbabwe Norwegian People´s Aid Simbabwe 1.178.337,72 €
3
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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