Unterstützung von Katastrophenhilfe in der Ukraine durch die Bundesregierung
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Unterstützung von Katastrophenhilfe in der Ukraine durch die Bundesregierung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4106
21. Wahlperiode 12.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lea Reisner, Gökay Akbulut, Desiree Becker, Janina Böttger,
Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Vinzenz Glaser, Ates Gürpinar, Jan
Köstering, Stella Merendino, Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir,
Zada Salihović, Ulrich Thoden, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und
der Fraktion Die Linke
Unterstützung von Katastrophenhilfe in der Ukraine durch die Bundesregierung
Der anhaltende russische Angriffskrieg setzt die Katastrophenhilfe in der
Ukraine unter extreme Ausnahmebedingungen. Insbesondere gezielte Angriffe auf
die zivile Infrastruktur haben wiederholt zu großflächigen Ausfällen von
Strom, Gas, Wasser und Wärme geführt. Nach Angaben der Armed Conflict
Location and Event Data (ALCED) wurden allein im letzten Quartal des
Vorjahres 2025 511 Angriffe auf Energieanlagen registriert (www.nrz.de/politik/ar
ticle410956357/eiseskaelte-in-kiew-minusgrade-und-stromausfall-machen-men
schen-muerbe.html). In zahlreichen Städten sind Hunderttausende Menschen
zeitweise ohne grundlegende Versorgung, teils bei Temperaturen bis unter
minus 20 Grad Celsius. Notstromlösungen können die Ausfälle nur begrenzt
kompensieren. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Kranke
(www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/der-haerteste-kriegswinter-
trifftkinder-in-der-ukraine/390344). Auch Bildungseinrichtungen sind durch Kälte
und Stromausfälle massiv beeinträchtigt (www.unicef.de/informieren/aktuelles/
presse/-/der-haerteste-kriegswinter-trifft-kinder-in-der-ukraine/390344).
Neben akuten Infrastrukturausfällen belastet die flächendeckende Verminung
weiter Teile des Landes die Katastrophenhilfe erheblich. Nach Angaben des
Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) gilt die Ukraine als
das am stärksten verminte Land weltweit, rund ein Viertel des Staatsgebiets ist
potenziell kontaminiert (www.tagesschau.de/ausland/europa/minenraeumung-u
kraine-100.html). Betroffen sind auch zivile Siedlungen und
landwirtschaftliche Flächen, was Risiken für die Zivilbevölkerung, die
Nahrungsmittelversorgung und den langfristigen Wiederaufbau birgt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur aktuellen Belastung
des ukrainischen Katastrophen-, bzw. Zivilschutzes infolge gezielter
Angriffe auf die zivile Infrastruktur vor, insbesondere im Hinblick auf die
Wintermonate und extreme Witterungsbedingungen?
2. In welchem Umfang unterstützt die Bundesregierung derzeit Maßnahmen
zum Schutz und zur Reparatur der ukrainischen Energieinfrastruktur (bitte
nach Art der Maßnahme, Kosten und Durchführungsorganisation
aufschlüsseln)?
3. Welche konkreten Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung,
um die Energieversorgung der Zivilbevölkerung in der Ukraine kurzfristig
zu unterstützen und zu stabilisieren?
4. Welche Rolle misst die Bundesregierung dem Wiederaufbau einer
resilienten und dezentralen Energieinfrastruktur im Rahmen des langfristigen
Wiederaufbaus der Ukraine bei?
5. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über den Einsatz von
Antipersonenminen durch Russland in der Ukraine vor?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über einen möglichen
Einsatz von Minensystemen durch ukrainische Streitkräfte vor,
insbesondere im Hinblick auf internationale völkerrechtliche Verpflichtungen?
7. Wie schätzt die Bundesregierung den zeitlichen Horizont für eine
vollständige humanitäre Minenräumung in der Ukraine ein, und von welchen
Gesamtkosten geht sie dabei aus?
8. In welchem Umfang unterstützt die Bundesregierung derzeit Maßnahmen
der humanitären Minenräumung und der Aufklärung über Minengefahren
in der Ukraine (bitte nach finanziellen Mitteln,
Durchführungsorganisationen und Projektlaufzeiten aufschlüsseln)?
9. Plant die Bundesregierung, diese Unterstützung in den kommenden Jahren
auszuweiten, insbesondere vor dem Hintergrund der großflächigen
Kontamination ziviler und landwirtschaftlicher Flächen?
10. Welche Rolle spielen nach Auffassung der Bundesregierung Erfahrungen
Deutschlands mit Kampfmittelaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg bei
der Bewertung des langfristigen Bedarfs an Minenräumung und
Gefahrenabwehr in der Ukraine?
11. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche Rüstungsunternehmen
direkt oder indirekt an der Herstellung oder Lieferung von
Minensystemen beteiligt, die im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine
eingesetzt werden oder eingesetzt wurden?
12. In welchem Umfang unterstützt die Bundesregierung Programme zur
medizinischen und psychologischen Hilfe für zivile Opfer von Minen in der
Ukraine?
13. Wie positioniert sich die Bundesregierung zum Ottawa-Übereinkommen
über das Verbot von Antipersonenminen, insbesondere mit Blick auf
dessen internationale Durchsetzung und Stärkung im Kontext des russischen
Angriffskriegs gegen die Ukraine?
14. Wie steht die Bundesregierung zur Einrichtung eines internationalen
Fonds für humanitäre Minenräumung und Opferhilfe in der Ukraine, und
setzt sie sich aktiv für eine solche Initiative ein?
15. In welchem Umfang unterstützt die Bundesregierung zivile
Hilfsorganisationen und Strukturen des Katastrophen- und Zivilschutzes in der Ukraine
(bitte nach Organisation und Finanzvolumen aufschlüsseln)?
Berlin, den 28. Januar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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