Auswirkungen der US-Finanzierungskürzungen auf globale HIV/AIDS-Programme und die Rolle der Bundesregierung
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Auswirkungen der US-Finanzierungskürzungen auf globale HIV/AIDS-Programme und die Rolle der Bundesregierung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/484
21. Wahlperiode 13.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Maren Kaminski, Maik Brückner, Gökay Akbulut, Desiree
Becker, Janina Böttger, Mirze Edis, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Vinzenz Glaser, Jan
Köstering, Stella Merendino, Charlotte Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner,
Julia-Christina Stange und der Fraktion Die Linke
Auswirkungen der US-Finanzierungskürzungen auf globale HIV/AIDS-Programme
und die Rolle der Bundesregierung
Seit Anfang 2025 haben die Vereinigten Staaten von Amerika im Rahmen ihrer
außenpolitischen Neuausrichtung weitreichende Kürzungen der Finanzierung
von HIV/AIDS-Programmen vorgenommen. Diese Maßnahmen betreffen vor
allem Programme, die bisher im Rahmen des „President’s Emergency Plan for
AIDS Relief“ (PEPFAR) und über die United States Agency for International
Development (USAID) in über 50 Ländern weltweit gefördert wurden. Laut
dem Gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS
(UNAIDS) drohen dadurch massive Versorgungsabbrüche in der HIV-
Prävention, HIV-Diagnostik und HIV-Behandlung, insbesondere in Ländern
des Globalen Südens wie Äthiopien, Mosambik, Namibia, Guatemala und
Südafrika. Erste von UNAIDS veröffentlichte Modellierungen errechnen bis 2029
4,2 Millionen zusätzliche Tote und bis 2040 ohne Mitigation bis zu 28
Millionen Tote (Quelle: UN AIDS, Estimating the potential impact of HIV Response
disruption, www.unaids.org/en/impact-US-funding-cuts Genf, Mai 2025).
Diese Entwicklung gefährdet nicht nur Jahrzehnte an Fortschritten im Kampf
gegen die HIV-Epidemie, sondern auch den internationalen Konsens zur
Erreichung der UNAIDS-Ziele („95-95-95“) bis 2025. Deutschland ist im Rahmen
multilateraler Organisationen wie dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von
AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM) sowie über bilaterale
Entwicklungszusammenarbeit in der globalen HIV-Bekämpfung aktiv.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Umfang und
geografische Verteilung der Kürzungen durch die US-Regierung bei HIV/AIDS-
Programmen (insbesondere PEPFAR und USAID)?
2. Welche konkreten Länder und Zielgruppen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung am stärksten betroffen?
3. Welche Folgen erwartet die Bundesregierung hinsichtlich der globalen
HIV-Neuinfektionen und AIDS-bedingten Todesfälle durch die
Kürzungen?
4. Kennt die Bundesregierung die Prognose von UNAIDS, wonach zwischen
2025 und 2029 bis zu 6,6 Millionen zusätzliche HIV-Infektionen und
4,2 Millionen AIDS-Tote entstehen könnten, und hat sie eine eigene
Bewertung dazu?
5. Welche diplomatischen Schritte hat die Bundesregierung unternommen,
um die US-Regierung auf die Konsequenzen der Kürzungen hinzuweisen?
6. Plant die Bundesregierung, gemeinsam mit EU-Partnern oder im Rahmen
multilateraler Gremien (z. B. World Health Organisation (WHO),
UNAIDS, GFATM) auf eine Kompensation der Kürzungen hinzuwirken?
7. Inwiefern plant die Bundesregierung, durch eigene finanzielle Mittel oder
Programmumsteuerung besonders betroffene Länder oder
Bevölkerungsgruppen zu unterstützen?
8. Inwieweit wird das Thema der Finanzierung globaler
Gesundheitsprogramme, insbesondere HIV/AIDS, im Rahmen des G7/G20-Prozesses
derzeit behandelt?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Rolle des Globalen Fonds zur
Stabilisierung der Versorgung in betroffenen Ländern?
10. Plant die Bundesregierung, ihre Beiträge an den Globalen Fonds oder an
UNAIDS im Lichte der US-Kürzungen zu erhöhen?
11. Plant die Bundesregierung auch, das Instrument der
Schuldenumwandlung, insbesondere die Initiative Debt2Health, einzusetzen, und wenn ja,
in welcher Höhe?
12. Welche bilateralen HIV/AIDS-bezogenen Programme fördert die
Bundesregierung aktuell (bitte nach Ländern und Volumen aufschlüsseln)?
13. Welche Anpassungen in der strategischen Ausrichtung der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit im Bereich globale Gesundheit sind angesichts
der US-Kürzungen geplant?
14. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass marginalisierte Gruppen (z. B.
LGBTIQ+, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Drogengebraucherinnen
und Drogengebraucher), die besonders von Kürzungen betroffen sind,
weiterhin Zugang zu lebenswichtigen HIV-Diensten erhalten?
Berlin, den 11. Juni 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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