Unterstützung der Gesundheitsversorgung in der Ukraine und für ukrainische Geflüchtete in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/370)
Text
Unterstützung der Gesundheitsversorgung in der Ukraine und für ukrainische Geflüchtete in Deutschland (Antwort zu Drs. 21/370)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/608
21. Wahlperiode 19.06.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther,
Dr. Janosch Dahmen, Robin Wagener, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/370 –
Unterstützung der Gesundheitsversorgung in der Ukraine und für ukrainische
Geflüchtete in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Seit dem Großangriff Russlands auf die gesamte Ukraine im Jahr 2022 sind
schätzungsweise etwa 400 000 ukrainische Soldaten und Soldatinnen sowie
Zivilisten und Zivilistinnen verwundet worden (vgl. www.fr.de/politik/im-ukr
aine-krieg-kiew-und-moskau-unter-druck-hohe-verluste-zr-93697762.html,
abgerufen am 29. April 2025). Die Gesundheitsversorgung stellt für die
Ukraine, sowohl im Bereich somatischer Erkrankungen und Wundversorgung als
auch psychischer Erkrankungen, im Kriegszustand eine große
Herausforderung dar. Viele vom Krieg betroffene Menschen entwickelten
posttraumatische Belastungsstörungen.
Um die Ukraine in dieser Notlage zu unterstützen, etablierte der
Gesundheitsausschuss des 20. Deutschen Bundestages einen intensiven Austausch mit
dem Ausschuss für Gesundheit des ukrainischen Parlaments, bei dem auch die
psychiatrischen und psychosozialen Hilfen im Vordergrund standen.
Die Bundesregierung hat in der 20. Wahlperiode auf verschiedenen Wegen
Unterstützung ermöglicht. Die Zusammenarbeit umfasste in der Ukraine den
Aufbau von Trauma- und Rehabilitationszentren, die Versorgung mit
Prothesen, den Einsatz deutscher Ärzte und Ärztinnen sowie die Hospitation
ukrainischer Ärzte und Ärztinnen in Deutschland. Zudem wurden im Rahmen des
Kleeblattsystems Verletzte in Deutschland behandelt. Seit Februar 2022 hat
das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Ukraine mit Hilfen im
Gesamtwert von 107 Mio. Euro im Gesundheitsbereich unterstützt (www.bundes
gesundheitsministerium.de/unterstuetzungsleistungen-fuer-die-ukraine.html,
abgerufen am 29. April 2025). Auch das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die Unterstützung
ausgeweitet. Beispielsweise ermöglichen die vom BMZ geförderten
Klinikpartnerschaften einen direkten Austausch und Unterstützung zwischen Fachkräften
aus der Ukraine und Deutschland.
Die Ukraine ist ein im europäischen Vergleich besonders stark von HIV-
Erkrankungen betroffenes Land. Das Gemeinsame Programm der Vereinten
Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) warnte im April 2025 davor, dass aufgrund
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit
vom 19. Juni 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
der ausgesetzten US-Hilfen bereits im zweiten Quartal 2025 kritische Lücken
für Patientinnen und Patienten in antiretroviraler Therapie (ART) entstehen
könnten (www.unaids.org/en/resources/presscentre/featurestories/2025/april/2
0250422_ukraine).
Ukrainische Geflüchtete haben in Deutschland Zugang zur gesetzlichen
Krankenversicherung und damit Anspruch auf die regulären Gesundheitsleistungen
(www.bundesgesundheitsministerium.de/faq-medizinische-hilfe-ukraine.html,
abgerufen am 29. April 2025). Am 4. Mai 2022 wurde eine Kontaktstelle für
geflüchtete Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf aus der Ukraine
geschaffen (www.bundesgesundheitsministerium.de/medizinische-versorgun
g-der-menschen-aus-ukraine.html, abgerufen am 29. April 2025). Das vom
BMG unterstützte Projekt HYKIST ermöglicht eine KI-basierte (KI =
Künstliche Intelligenz) Übersetzung ins Ukrainische für die medizinischen
Einrichtungen (www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/ressortforschun
g/handlungsfelder/forschungsschwerpunkte/digitale-innovation/modul-4-smar
te-kommunikation/hykist.html, abgerufen am 29. April 2025).
Derzeit ist die Unterstützung der Ukraine im Bereich der
Gesundheitsversorgung von wesentlicher Bedeutung und die Zusammenarbeit muss nach
Ansicht der Anfragestellerinnen und Anfragesteller auch bei sich ändernden
Rahmenbedingungen weiter gefördert werden. Insbesondere posttraumatische
Belastungsstörungen treten häufig infolge von Krieg auf (155-001l_S3_Posttrau
matische_Belastungsstoerung_2020-02_1.pdf, abgerufen am 29. April 2025).
Es muss eine nachhaltige kollektive Traumatisierung einer ganzen
Gesellschaft befürchtet werden. Das ukrainische Gesundheitssystem kann die
Versorgung der Betroffenen absehbar allein nicht bewältigen (vgl. www.bpb.de/th
emen/europa/ukraine-analysen/nr-290/542561/analyse-mentale-gesundheit-
inzeiten-des-krieges/, abgerufen am 29. April 2025).
1. Welche finanziellen Summen umfassen die bisherigen Hilfen für die
Ukraine im Gesundheitsbereich, und wofür werden sie konkret eingesetzt
(bitte Vorhaben titelscharf nach Ressorts auflisten)?
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar
2022 bis zum Stichtag 10. Juni 2025 wurden durch das Bundesministerium für
Gesundheit Hilfen für die Ukraine im Gesundheitsbereich in Höhe von rund
110 Mio. Euro geleistet. Eine detaillierte Auflistung der Vorhaben ist der
Anlage 1* zu entnehmen.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 bis zum
Stichtag 10. Juni 2025 wurden durch das Auswärtige Amt Projekte mit
Gesundheitskomponenten in Höhe von rund 174 Mio. Euro umgesetzt. Eine detaillierte
Auflistung der Vorhaben ist der Anlage 2* zu entnehmen; wo es sich um
Gesundheitskomponenten handelt, wurden diese so genau wie anhand der
Projektunterlagen möglich beziffert.
Darüber hinaus fördert das Auswärtige Amt humanitäre Gesundheitsdienste
über flexible Förderprogramme, wie zum Beispiel das Programm der WHO
Contingency Fund for Emergencies (CFE). Die Bundesregierung ist zwischen
den Jahren 2019 und 2024 der größte Geber des CFE gewesen, der allein im
Jahr 2024 über 1,5 Mio. USD für lebensrettende humanitäre
Gesundheitsdienste in der Ukraine ausgeschüttet hat.
Seit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskriegs am 24. Februar
2022 wurden durch das BMZ Projekte mit Gesundheitskomponenten in Höhe
von rund 150 Mio. Euro umgesetzt. Darunter fallen u. a. Beiträge zum
Wiederaufbau und Rehabilitierung zerstörter Gesundheitseinrichtungen,
Rehabilitationsmaßnahmen, die Bereitstellung von medizinischen Ausrüstungsgegenstän-
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/608 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
den, Trainings und Fortbildungen für Gesundheitspersonal sowie psychosoziale
Unterstützung. Für detaillierte Informationen zu den Projekten und
Programmen der Entwicklungszusammenarbeit mit der Ukraine wird auf das
Transparenzportal verwiesen (www.transparenzportal.bund.de).
2. In welchem Umfang sollen diese Hilfen fortgesetzt werden?
Die Unterstützung der Ukraine hat weiterhin eine hohe Priorität für die
Bundesregierung. Sie orientiert sich an den Bedarfen und Prioritäten der Ukraine und
wird entsprechend ausgerichtet. Zudem unterliegt sie der Mittelverfügbarkeit,
so dass zur zukünftigen Unterstützung in diesem Bereich zum gegenwärtigen
Zeitpunkt keine Aussagen gemacht werden können.
Aus Mitteln der Internationalen Katastrophenhilfe sind deshalb grundsätzlich
weitere Hilfslieferungen über den EU-Katastrophenschutzmechanismus
geplant.
Im Rahmen der humanitären Hilfe wurden der Ukraine im Jahr 2025 allein im
Gesundheitsbereich über 19 Mio. Euro bereitgestellt.
Und auch für die Behandlung und Versorgung von militärischen Patientinnen
und Patienten aus der Ukraine in Deutschland stehen für das Jahr 2025
insgesamt Mittel von bis zu 30 Mio. Euro zur Verfügung. Die Frage zur Fortsetzung
ist Gegenstand des regierungsinternen Verfahrens zur Haushaltsaufstellung und
auch weitere multi- sowie bilaterale Vorhaben und Mittelallokationen stehen
aktuell unter Haushaltsvorbehalt.
3. Wie viele verwundete Ukrainerinnen und Ukrainer wurden in
Deutschland im Rahmen des Kleeblattsystems behandelt (bitte tabellarisch nach
Anzahl, Art der Verwundung oder Erkrankung sowie nach Monat
aufschlüsseln)?
Bis zum 11. Juni 2025 wurden insgesamt 1 525 ukrainische Patientinnen und
Patienten über das Kleeblattverfahren nach Deutschland zum Zwecke einer
medizinischen Behandlung evakuiert. Die Art der Verwundung oder Erkrankung,
aufgeschlüsselt nach Monaten, kann den nachfolgenden Tabellen entnommen
werden.
Jahr 2022:
Monat Trauma Onkologisch Sonstige
Februar 1 - -
März - 1 -
April 62 2 10
Mai 106 - 6
Juni 139 - 1
Juli 36 3 5
August 72 5 4
September 47 4 1
Oktober 25 12 2
November 35 7 1
Dezember 16 1 -
Jahr 2023:
Monat Trauma Onkologisch Sonstige
Januar 26 3 -
Februar 20 9 -
März 16 6 -
April 18 13 -
Mai 24 11 2
Juni 14 9 -
Juli 28 8 2
August 20 5 -
September 28 4 -
Oktober 39 3 -
November 26 5 -
Dezember 24 4 -
Jahr 2024:
Monat Trauma Onkologisch Sonstige
Januar 23 3 -
Februar 15 2 -
März 29 3 -
April 18 3 -
Mai 14 3 -
Juni 30 1 -
Juli 20 7 3
August 37 5 -
September 25 - -
Oktober 35 - -
November 39 - -
Dezember 39 1 -
Jahr 2025:
Monat Trauma Onkologisch Sonstige
Januar 30 - -
Februar 33 1 1
März 36 - 1
April 48 1 2
Mai 24 - -
Juni 21 1 -
Gesamt 1 338 146 41
4. Wann wurden das letzte Mal Verwundete mit Flugzeugen im Rahmen des
Kleeblattsystems oder mit Helikoptern in deutsche Krankenhäuser
transportiert, in welchen Versorgungseinrichtungen wurden diese behandelt
(überregionale Traumazentren, regionale Traumazentren, lokale
Traumazentren), plant die Bundesregierung, die Versorgung von ukrainischen
Verwundeten im Rahmen des Kleeblattsystems fortzuführen bzw. zu
intensivieren, und wenn nein, warum nicht?
Der jüngste Transport fand am 11. Juni 2025 statt. Die Patientinnen und
Patienten wurden in überregionale und regionale Traumazentren verlegt. Im Übrigen
wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 2 verwiesen.
5. Wird die Bundesregierung sicherstellen, dass auch zukünftig die
Versorgung verwundeter Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland erfolgt,
und plant sie, Verletzte in der postakuten Versorgungsphase noch
systematischer aufzunehmen, um das ukrainische Gesundheitssystem zu
entlasten?
Bund und Länder haben sich dazu bereit erklärt, Erkrankte und Verletzte aus
der Ukraine zur Behandlung in Deutschland aufzunehmen. Das Bundesamt für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) koordiniert mit dem
Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum (GMLZ) von Bund und Ländern und dem
Auswärtigen Amt Hilfeersuchen aus der Ukraine und den Anrainerstaaten.
Nach der Landung bzw. Ankunft in Deutschland greift der bestehende
sogenannte Kleeblatt-Mechanismus zur Verteilung der Patientinnen und Patienten
auf Krankenhäuser in Deutschland. Für die medizinische Versorgung
ukrainischer Soldatinnen und Soldaten in Deutschland, die über diesen Mechanismus
evakuiert wurden, stellt die Bundesregierung bis Ende 2025 weitere
Haushaltsmittel zur Verfügung, aus denen alle medizinisch notwendigen Behandlungs-
und Unterbringungskosten finanziert werden können. Im europäischen
Vergleich hat Deutschland die meisten Patientinnen und Patienten aufgenommen.
(www.bundesgesundheitsministerium.de/unterstuetzungsleistungen-fuer-die-uk
raine.html#collapse-control-6419). Die Bundesregierung plant die Ukraine
auch weiterhin zu unterstützen und steht weiterhin fest an der Seite der
Ukraine. Mit der Fortsetzung ihres Engagements bei der Versorgung kriegsverletzter
ukrainischer Patientinnen und Patienten möchte die Bundesregierung auch in
Zukunft zur Entlastung des ukrainischen Gesundheitssystems beitragen.
6. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Auswirkungen der
durch russische Angriffe zerstörten Energieinfrastruktur auf
Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen, und inwiefern zielen
Unterstützungsleistungen darauf ab, die Energieversorgung von Krankenhäusern und
Gesundheitseinrichtungen zu gewährleisten?
Für eine Übersicht zu den Schäden und Zerstörungen in der Ukraine wird auf
das öffentlich zugängliche Fourth Rapid Damage and Needs Assessment
Ukraine (RDNA4) verwiesen (https://ukraine.un.org/en/224376-ukraine-rapid-damag
e-and-needs-assessment). Die Bundesregierung unterstützt die
Energieversorgung von Gesundheitszentren über verschiedene Instrumente. Krankenhäuser,
insbesondere mit intensivmedizinischer Versorgung, sind in besonderem Maße
auf eine stabile und verlässliche Energieversorgung angewiesen. Kriegsbedingt
kommt es regional wie lokal in der Ukraine wiederholt zu Stromausfällen bzw.
-abschaltungen. Die Versorgung kritischer Infrastrukturen – darunter auch
Krankenhäuser – erfolgt vorrangig. Für die Notstromversorgung stehen in der
Regel Dieselgeneratoren zur Verfügung, die häufig nicht dem Stand der
Technik entsprechen. Diese gewährleisten nicht in allen Fällen eine
unterbrechungsfreie und bedarfsgerechte Notstromzufuhr. Zur Verbesserung der
Versorgungssicherheit fördert das BMZ die Installation von Photovoltaikanlagen mit
Batteriespeichern. Diese tragen zur unterbrechungsfreien Strom- und
Gesundheitsversorgung bei und schützen empfindliche medizinische Geräte. Ergänzend
wird – wo erforderlich – die Grundversorgung mit Strom und Wärme durch
z. B. Blockheizkraftwerke und Kesselanlagen unterstützt.
Mit Mitteln der humanitären Hilfe hat die Bundesregierung die Basis-
Gesundheitsversorgung in der Ukraine vielfältig unterstützt, u. a. nach dem russischen
Raketenangriff auf das Ochmatdyt-Kinderkrankenhaus im Juli 2024. Dazu
zählten u. a. die Lieferung von Blutkonserven, Verbandmaterial und
medizinischem Gerät an benachbarte Krankenhäuser.
Im Rahmen des Ukraine Energy Support Fund (UESF), einem Multigeberfonds
der Europäischen Energiegemeinschaft, fördert die Ray of Hope Initiative
dezentrale Solaranlagen mit integrierten Batteriespeichern im Gesundheitssektor,
wobei die KfW den BMWE-Beitrag abwickelt und an der Vorbereitung der
Initiative beteiligt war. Bis Ende des Jahres 2024 haben bereits 46 Krankenhäuser
Solaranlagenanträge eingereicht und zwei Krankenhäuser haben mit der
Stromproduktion begonnen. Während bisher Mittel anderer UESF-Geber für die
Finanzierung verwendet wurden, könnte der BMWE-Beitrag künftig ebenfalls für
diese Initiative eingesetzt werden.
7. Welche Hilfen bei psychischen Belastungen und zur Versorgung
psychisch erkrankter Menschen, insbesondere zur Traumaversorgung,
sind in der Ukraine nach Kenntnis der Bundesregierung vorhanden,
und wie tragen deutsche Hilfen dazu bei, das Angebot zu stärken?
Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung in der Ukraine ist groß und weiter
steigend. Die Bundesregierung unterstützt die psychosoziale Versorgung in der
Ukraine für durch den Krieg besonders betroffene Gruppen wie z. B.
rückkehrende Soldatinnen und Soldaten, deren Familien, Kinder und Jugendliche und
Binnenvertriebene. Dies beinhaltet sowohl dezentrale Angebote in Kommunen,
niedrigschwellige digitale Angebote als auch Trainings und Fortbildungen für
Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie die Etablierung von Schulungen
und neuen Therapiemethoden.
Mit Projekten der humanitären Hilfe knüpft die Bundesregierung nahtlos an
vorhandene Angebote an, stärkt den Aufbau lokaler Kapazitäten in der
Traumabehandlung und schließt Versorgungslücken z. B. in frontnahen Gebieten.
8. Welche niedrigschwelligen Hilfen bei psychischen Belastungen und zur
Versorgung psychisch erkrankter Menschen, insbesondere zur
Traumaversorgung, sind nach Kenntnis der Bundesregierung für ukrainische
Geflüchtete in Deutschland vorhanden?
12. Wie wird in Deutschland sichergestellt, dass geflüchtete Ukrainer und
Ukrainerinnen Zugang zu psychosozialen Hilfen einschließlich
Sprachmittlung erhalten?
13. Wie werden die besonderen gesundheitlichen Bedarfe von geflüchteten
Ukrainern und Ukrainerinnen identifiziert, und wie viele Menschen
werden aufgrund somatischer und psychischer Erkrankungen als besonders
schutzbedürftig eingeschätzt?
Die Fragen 8, 12 und 13 werden gemeinsam beantwortet.
Seit dem 1. Juni 2022 haben hilfebedürftige geflüchtete Menschen aus der
Ukraine Anspruch auf Leistungen nach dem Zweiten oder Zwölften Buch
Sozialgesetzbuch (SGB II oder SGB XII), sofern die weiteren
Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind. SGB-II-Leistungsempfängerinnen und -empfänger erhalten
auf diese Weise Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). SGB-
XII-Leistungsempfängerinnen und -empfänger werden leistungsrechtlich den
GKV-Versicherten gleichgestellt. Personen, die aus der Ukraine geflüchtet sind,
jedoch nicht nach dem SGB II oder SGB XII hilfebedürftig sind, erhalten das
Recht zum freiwilligen Beitritt zur GKV. Dementsprechend besteht für alle
geflüchteten Ukrainer und Ukrainerinnen Zugang zum vollen Leistungskatalog
der GKV, einschließlich psychosozialer Versorgung.
Für die Versorgung von Geflüchteten – und somit auch der Bereitstellung eines
ausreichenden Angebots wohnortnaher Beratungsstellen – tragen die Länder
Sorge. Der Bund unterstützt die Länder dabei finanziell und hat in den
vergangenen Jahren verschiedene Modellprojekte zur Erfassung, Versorgung und
Behandlung psychischer Erkrankungen von Schutzsuchenden gefördert. Derzeit
fördert das Bundesgesundheitsministerium das Projekt „Sprache öffnet Türen“
(„SIMPLE“) zur modellhaften Implementierung von Sprachmittlung im
Gesundheitswesen. Hinsichtlich des Zugangs zu bestehenden
Gesundheitsleistungen und -versorgung führt das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit eine
Liste mit Anlaufstellen und Angeboten der Gesundheitsversorgung für
Geflüchtete.
So steht beispielsweise das Hilfetelefon „Schwangere in Not“ Schwangeren in
psychosozialen Konfliktlagen und Menschen aus ihrem Umfeld kostenlos zur
Verfügung. Dolmetscherinnen und Dolmetscher in ukrainischer Sprache
können dabei zu den Telefonaten hinzugeschaltet werden. Zudem werden auch die
Informationsmaterialien zum Hilfetelefon in ukrainischer Sprache angeboten.
Auch das Angebot der Schwangerschaftsberatungsstellen können ukrainische
Geflüchtete in Anspruch nehmen und sich unter Hinzuziehung von
entsprechenden Dolmetscherinnen und Dolmetschern beraten lassen.
Auch das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ berät seit dem Jahr 2022 von
Gewalt betroffene Frauen und Mädchen auf Ukrainisch.
9. Wie wird sichergestellt, dass geschlechtsspezifische Aspekte –
insbesondere im medizinischen Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt –
systematisch berücksichtigt werden?
Die humanitäre Hilfe muss den besonderen Bedürfnissen von Frauen, Mädchen
und marginalisierten Gruppen Rechnung tragen. Hierzu hat das Auswärtige
Amt die Strategie „Gender in der deutschen humanitären Hilfe“ im Jahr 2024
veröffentlicht. Sie zeigt auf, wie Leitlinien im Kontext der bedarfsorientierten
humanitären Hilfe anwendbar sind. Die deutsche humanitäre Hilfe soll zu
100 Prozent gendersensibel, und wo angezeigt, gender-targeted umgesetzt
werden. Von Partnern fordert das Auswärtige Amt, dass der geschlechtsspezifische
Bedarf in ihrer Arbeit systematisch berücksichtigt wird. Durch den vom
Auswärtigen Amt eingefügten Gender-Age-Disability-Maker (GAD-Maker) kann
konsequent von der Stellung eines Projektantrages bis zum Abschließen eines
Projektes nachvollzogen werden, wie Projekte den Schutz vor sexualisierter
und geschlechtsspezifischer Gewalt (SGBV) berücksichtigen und fördern. Über
die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnerinnen und Partnern sowie
frauengeführten Organisationen ermöglicht die Bundesregierung Betroffenen von
SGBV eine medizinische Versorgung.
Bei den Projektmaßnahmen des Auswärtigen Amts wird grundsätzlich die
Kategorisierung des Gender Budgetings erfasst.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verfolgt einen ganzheitlichen,
geschlechtergerechten Ansatz, um einen gleichberechtigten Zugang zu
Unterstützungsmaßnahmen zu gewährleisten – angepasst an die spezifischen Bedürfnisse
von Frauen und Männern. Geschlechteraspekte werden systematisch von der
Projektplanung über die Umsetzung bis hin zur Evaluierung berücksichtigt, um
die unterschiedlichen Bedürfnisse, Herausforderungen und Risiken für
verschiedene Gruppen zu identifizieren.
Dies umfasst z. B. für weibliche Veteraninnen unter anderem die Bewältigung
der Doppelbelastung durch familiäre und gesellschaftliche Rollen sowie den
Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung. Männliche
Veteranen erhalten Unterstützung bei der Reintegration in das zivile Leben, im
Umgang mit traditionellen Männlichkeitsnormen und bei der Verarbeitung
kriegsbedingter Verletzungen oder Traumata – auch hier spielt
geschlechtsspezifische Gewalt eine Rolle.
10. Ergreift die Bundesregierung Maßnahmen, um dazu beitragen, dass die
Bedarfe von Schwangeren in der Ukraine angemessen und ausreichend
berücksichtigt werden, und wenn ja, welche?
Die humanitäre Genderstrategie ergänzt die Strategie des Auswärtigen Amtes
zur humanitären Hilfe im Ausland. Eine gendersensible humanitäre Hilfe
ermöglicht es, geschlechtsspezifische Unterschiede und Ungleichheiten zu
berücksichtigen. Im Jahr 2024 hat das Auswärtige Amt rund 95 Prozent der
Fördermittel für gender-sensible Projekte in der Ukraine aufgewendet. Durch den
Gender-Targeted-Ansatz ist es möglich gezielt Maßnahmen zu fördern, welche
geschlechtsspezifische Bedrohungen und Herausforderungen zum Inhalt haben.
Für solche Maßnahmen hat das Auswärtige Amt mindestens 15 Mio. Euro in
der Ukraine im Jahr 2024 bereitgestellt. Die Strategie des Auswärtigen Amtes
für die Humanitäre Hilfe sieht eine medizinische Erst- und Basisversorgung als
prioritäres Handlungsfeld vor, welches auch die Gesundheitsversorgung für
schwangere Frauen und Mütter und ihrer Kinder in bewaffneten Konflikten
miteinschließt.
Über die KfW unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
Maßnahmen zur Stärkung der perinatalen Versorgung in Entbindungskliniken und
Perinatalzentren sowie zur Verbesserung dazugehöriger Richtlinien. Diese
Maßnahmen fördern das Recht der Frauen auf Gesundheit und tragen zu einer sicheren
Entbindung der schwangeren Frauen in ausgewählten Projektgebieten bei.
11. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die im
Kriegszusammenhang verübte sexualisierte Gewalt vor, und welche Kenntnisse
hat die Bundesregierung darüber, ob Überlebende sexualisierter Gewalt
in der Ukraine Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen haben?
Der Bundesregierung liegen Berichte von internationalen Organisationen und
Nichtregierungsorganisationen vor, wonach sexualisierte Gewalt gegen
ukrainische Kriegsgefangene und zivile Gefangene Teil der russischen Kriegsführung
ist. Darüber hinaus dokumentieren die Berichte Fälle der sexuellen Gewalt
durch Angehörige der russischen Streitkräfte sowie Strafverfolgungsbehörden
und Strafvollzugsbehörden.* In der Ukraine sind Schwangerschaftsabbrüche
im Rahmen einer Fristenlösung zulässig und in den unter ukrainischer
Kontrolle stehenden Gebieten, soweit bekannt, grundsätzlich auch möglich.
Hinweise auf Schwierigkeiten beim Zugang zu einer Abtreibung liegen nicht vor.
Über die Möglichkeiten in den russisch besetzten Gebieten kann die
Bundesregierung keine Aussage treffen.
Die Bundesregierung verweist darüber hinaus auf die Rapid Gender Analysis
von 2024 von CARE (das BMZ finanziert ein Projekt von CARE).
Das von BMZ finanzierte Projekt von Ärzte der Welt betreut Überlebende
geschlechtsspezifischer Gewalt meist in individuellen psychologischen
Beratungen oder als Patientinnen und Patienten von Ärztinnen und Ärzten, die als
kommunale Ansprechpartnerinnen und -partner für geschlechtsspezifische Gewalt
fungieren.
* www.ohchr.org/sites/default/files/documents/countries/ukraine/2024-12-31-pr41-ukraine-en.pdf, ebenso hier: www.osce.org/files/f/documents/6/9/582835_0.pdf
14. Welche Mittel werden für die Unterstützung von Mental Health and
Psychosocial Support (MHPSS) bereitgestellt, und welche konkreten
Vorhaben und Projekte wurden mit diesen Mitteln bereits umgesetzt?
Aktuell werden insbesondere folgende „Mental Health and Psychosocial
Support (MHPSS)“-spezifische Projekte umgesetzt.
Titel Maßnahmen Gesamtsumme
in T Euro
0501/68732
Humanitäre Hilfe
Integrierte Hilfe für Binnenvertriebene, nicht vertriebene
kriegsbetroffene Personen und Rückkehrende durch Schutz-
Dienstleistungen, Bargeldunterstützung, Unterkünfte und Hygiene- und
Sanitärmaßnahmen über Hoffnungszeichen/Sign of Hope
3 036
Verbesserung des körperlichen und psychischen
Gesundheitszustandes von Binnenvertriebenen, Rückkehrern/-innen und
kriegsbetroffener vulnerabler lokalen Bevölkerung über Humedica
2 340
Unterstützung beim Zugang zu kritischen Schutzleistungen durch
Stärkung der Rolle lokaler frauengeführter Organisationen über
HIAS
1 937
0501/68734
Krisenprävention,
Stabilisierung und
Friedensförderung,
Klima- und
Sicherheitspolitik
Stärkung der Widerstandsfähigkeit ukrainischer Kriegsveteranen
durch maßgeschneiderte psychische und psychosoziale Betreuung
über die International Organisation for Migration (IOM)
4 583
Umfassende psychologische und soziale Unterstützung für
entführte ukrainische Kinder (Hope and Healing Center) über Save
Ukraine
600
Psychosoziale Unterstützung der betroffenen Bevölkerung in den
Kriegsgebieten der Ukraine über East SOS
1 600
Im Jahr 2022 stellte zudem der Contingency Fund for Emergencies (CFE) der
Weltgesundheitsorganisation allein für MHPSS-Maßnahmen für von dem
russischen Angriffskrieg auf die Ukraine betroffene Bevölkerungsgruppen über
10 Mio. US-Dollar zur Verfügung. Im Jahr 2024 wurden über 1,5 Mio. US-
Dollar für die Ukraine aufgewendet u. a. für die Schulung von
Gesundheitsdienstleistern in psychologischer Erster Hilfe und den Einsatz von neun Teams
für psychologische und soziale Unterstützung, um mehr als 16 000 Menschen
psychologische Unterstützung zukommen zu lassen.
Das vom BMZ finanzierte GIZ-Projekt „Gender-responsive Ansätze für
mentale Gesundheit und psychosoziale Unterstützung (MHPSS) in der Ukraine“ hat
ein Auftragsvolumen von 8,6 Mio. Euro und zielt darauf ab, die psychosoziale
Versorgung für durch den Krieg besonders betroffene Gruppen wie
rückkehrende Soldatinnen und Soldaten, deren Familien und Binnenvertriebene zu
verbessern. Durch einen ganzheitlichen, geschlechtersensiblen Ansatz werden
Fachkräfte wie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und Psychologinnen und
Psychologen gezielt geschult, um traumatisierte Menschen besser unterstützen zu
können. Das Projekt bietet neben Veteraninnen und Veteranen insbesondere für
deren Familien außerklinische psychosoziale Programme zur Stärkung der
Resilienz an und fördert die Zusammenarbeit relevanter Akteure im Bereich
psychosozialer Dienste.
Das BMZ finanziert ein Projekt von Malteser International zum „Wiederaufbau
und Stärkung spezialisierter MHPSS-Dienste und Förderung des friedlichen
Zusammenlebens der vom Krieg betroffenen Bevölkerung in der Ukraine“ im
Auftragswert von 2 Mio. Euro.
Darüber hinaus wird auf die Antworten zu den Fragen 1 und 7 verwiesen.
15. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den Erfahrungen der
Ukraine, um im Falle einer Katastrophe in Bezug auf Mental Health and
Psychosocial Support auch in Deutschland besser vorbereitet zu sein, so
wie es in einer WHO-Resolution von Mai 2024 vorgesehen ist (apps.wh
o.int/gb/ebwha/pdf_files/WHA77/A77_ACONF11-en.pdf, abgerufen am
29. Februar 2025)?
Die Bundesregierung vertritt die Ansicht, dass der Aufbau und die
Aufrechterhaltung eines resilienten Gesundheitssystems in Friedenszeiten die beste
Vorbereitung auf Krisenzeiten sind. Dies betrifft auch die Stärkung der mentalen
Gesundheit der Bevölkerung.
16. Welche und wie viele Klinikpartnerschaften werden im Rahmen des vom
BMZ geförderten Programms in der Ukraine umgesetzt, und welche
Schwerpunkte und Kooperationspartner haben die einzelnen
Partnerschaften?
Seit Februar 2022 wurden insgesamt 31 Klinikpartnerschaften unterstützt.
15 Klinikpartnerschaften werden aktuell umgesetzt. Vier weitere
Klinikpartnerschaften beginnen zeitnah mit der Umsetzung. Weitere Details können der
Anlage 3* entnommen werden.
17. Mit welchen Mitteln und in welcher Höhe wurden die
Klinikpartnerschaften finanziell unterstützt?
Seit Februar 2022 haben Klinikpartnerschaften Mittel in Höhe von 42,7 Mio.
Euro für die Finanzierung von deutsch-ukrainischen Klinikpartnerschaften vom
BMZ erhalten.
18. Welche weiteren Projekte sollen im Rahmen der Klinikpartnerschaften
zwischen Deutschland und der Ukraine umgesetzt werden?
Aktuell liegen 15 Anträge auf Förderung vor, die in enger Abstimmung mit
dem Gesundheitsministerium der Ukraine geprüft und abgestimmt werden.
19. Wie bewertet die Bundesregierung die bisherige Einbindung
zivilgesellschaftlicher Organisationen in die Klinikpartnerschaften in der Ukraine,
und plant sie, diese Kooperationen auszubauen – insbesondere mit Blick
auf deren Potenzial zur Stärkung lokaler Gesundheitsstrukturen?
Bisher haben sich elf deutsche sowie sechs ukrainische zivilgesellschaftliche
Organisationen in Klinikpartnerschaften eingebracht. An 14 von bisher 31
geförderten Klinikpartnerschaften in der Ukraine sind zivilgesellschaftliche
Organisationen beteiligt. Generell können sich zivilgesellschaftliche Organisationen
mit entsprechender Ausrichtung auf Gesundheit und nachgewiesener Expertise
auf eine Förderung im Rahmen der Sonderförderung Ukraine bewerben oder
sich in bestehende Klinikpartnerschaften einbringen. Zivilgesellschaftliche
Organisationen ergänzen die Kompetenzen, die Kliniken in die Partnerschaften
bringen, tragen über ihre breite Verankerung in der Bevölkerung zur
Sensibilisierung für wichtige Gesundheitsthemen bei und mobilisieren zusätzliche
Ressourcen, die den Zielen der Partnerschaften zugutekommen.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/608 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
20. Wie bewertet die Bundesregierung die bisherige Einbindung privater und
wirtschaftlicher Organisationen in die Klinikpartnerschaften in der
Ukraine, und plant sie, diese Kooperationen auszubauen – insbesondere mit
Blick auf deren Potenzial zur künftigen Finanzierung?
Deutsche Gesundheitsunternehmen zeigen großes Interesse an
Klinikpartnerschaften in der Ukraine und werden in die Zusammenarbeit eingebunden. Auch
privatwirtschaftliche Gesundheitseinrichtungen aus Deutschland unterstützen
Klinikpartnerschaften u. a. durch das Einbringen von Fachexpertise, Mentoring
und Hospitationsmöglichkeiten.
21. Ist die Finanzierung der weiteren Projekte im Rahmen der
Klinikpartnerschaften, insbesondere der Projekte Solomiya, Superhumans, Aurora und
Navchannya, zukünftig gesichert, und wie?
Die Finanzierung der weiteren Projekte im Rahmen der Klinikpartnerschaften
wird zurzeit geprüft.
22. Welchen Beitrag leistet die Bundesregierung, um Rückschritte in der
HIV-Prävention und HIV-Behandlung in der Ukraine zu verhindern oder
abzumildern?
Im Rahmen der humanitären Hilfe setzt sich die Bundesregierung für eine
Verbesserung der Basis-Gesundheitsversorgung ein, die auch der HIV-Behandlung
und Prävention zugutekommt.
Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung u. a. über die
Klinikpartnerschaften und über ein vom BMZ finanziertes Projekt von Ärzte der Welt den
Aus- und Aufbau von Diagnostik- und Laborkapazitäten und die Bekämpfung
von Infektionskrankheiten, u. a. auch von HIV. Dies beinhaltet auch Trainings
für ukrainische HIV-Spezialistinnen und -Spezialisten sowie die direkte
Unterstützung von Menschen mit HIV/AIDS durch medizinische Grundversorgung,
psychologische Unterstützung und Beratung durch Sozialarbeiter.
23. Welche weiteren entwicklungspolitischen Beiträge leistet die
Bundesregierung im Bereich Gesundheit in der Ukraine (SDG)?
Die vom BMZ beauftragten und geförderten Vorhaben im Gesundheitsbereich
tragen v. a. zu SDG 3 dadurch bei, dass sie einen verbesserten Zugang zu
Basisgesundheitsdienstleistungen in ländlichen und schwer zugänglichen
Regionen herstellen, die Gesundheitsversorgung in vom Krieg besonders betroffenen
Gebieten aufrechterhalten und das Gesundheitssystems, u. a. durch Begleitung
von Reformprozessen im Rahmen des EU-Beitritts, stärken.
24. Wie viele Prothesen hat Deutschland an die Ukraine geliefert?
Die Bundesregierung hat die Ukraine in dem Bereich Prothetik vorwiegend
durch den Aufbau von Versorgungsstrukturen in der Ukraine und der
Ausbildung von Fachpersonal unterstützt. Im Rahmen dieser Unterstützung wurde
Mitte September 2022 ein Werkstatt-Container (inklusive Fertigungsmaterial)
in Lwiw in Betrieb genommen. Ukrainische Orthopädie-Techniker wurden
zuvor in Deutschland an den Geräten und Materialien geschult. Die Prothesen
wurden sowohl mittels 3-D-Scanner in Deutschland als auch direkt im
Werkstatt-Container gefertigt, um möglichst viele Patientinnen und Patienten zu
versorgen.
Dies beinhaltet des Weiteren auch den Bau und die Ausstattung eines
Prothesen- und Orthesenzentrums in Lwiw sowie modulare
Qualifizierungsprogramme für Orthesen- und Prothesenfertigung nach Standards der Internationalen
Gesellschaft für Prothesen und Orthesen (ISPO) durch ein vom BMZ
finanziertes GIZ-Projekt. Das UNBROKEN-Rehabilitationszentrum für Orthesen und
Prothesen hat eine Produktionskapazität von bis zu 1 000 Prothesen pro Jahr.
Prothesenlieferungen von Deutschland in die Ukraine erfolgen in diesem
Rahmen nicht.
Darüber hinaus wurden über ein BMZ-finanziertes Projekt von Malteser
International 244 Prothesen von Deutschland in die Ukraine geliefert, vor Ort
erfolgte die Anpassung und Modellierung der Prothesen auf Basis der Anprobe
mit den Patientinnen und Patienten.
25. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über das Ausmaß der
Zerstörung ukrainischer Krankenhäuser und ambulanter
Gesundheitsversorgung, und inwieweit betrifft die Zerstörung psychiatrische
Krankenhäuser und ambulante Versorgungseinrichtung zur Behandlung psychisch
erkrankter Menschen?
Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (Ukraine Emergency Appeal,
Januar 2025) sind in der Ukraine 12,7 Millionen Menschen dringend auf
humanitäre Hilfe angewiesen, von denen 9,2 Millionen in irgendeiner Weise
medizinische Hilfe benötigen. Dabei sorgen u. a. Kriegsschäden, mangelnde
Instandhaltung von Gesundheitseinrichtungen und medizinischer Ausrüstung, Mangel
an Medikamenten sowie personelle Unterbesetzung für einen erheblich
beeinträchtigten Zugang zu Gesundheitsangeboten (www.who.int/europe/de/news/ite
m/04-02-2025-who-sets-out-to-assist-3-million-ukrainians-with-critical-
healthneeds-this-year).
Zu den Schäden und Zerstörungen wird auf das öffentlich zugängliche Fourth
Rapid Damage and Needs Assessment Ukraine (RDNA4) verwiesen (https://uk
raine.un.org/en/224376-ukraine-rapid-damage-and-needs-assessment).
26. Wie wird der Wiederaufbau von Krankenhäusern und ambulanter
Versorgung unterstützt?
Die Bundesregierung unterstützt den Wiederaufbau kritischer Infrastruktur in
der Ukraine, darunter auch Krankenhäuser. Auf die Antwort zu Frage 6 wird
verwiesen. Neben der materiellen Unterstützung beim Wiederaufbau wird
medizinisches Personal in Rahmen von zahlreichen Schulungs- und
Fortbildungsprogrammen durch Wissenstransfer unterstützt.
Über verschiedene Projekte werden Maßnahmen zur Unterstützung des
Wiederaufbaus und der Stärkung von Krankenhäusern sowie ambulanter Versorgung
umgesetzt; dazu gehören Instandsetzungsarbeiten/energieeffiziente
Rehabilitierungen, Lieferung medizinischer Güter und Ausstattungsgegenstände sowie die
Bereitstellung von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien.
27. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über getötete und verletzte
Ärztinnen und Ärzte sowie Beschäftigte des Gesundheitswesens in der
Ukraine?
Laut WHO-Überwachung (SSA Home | Index) forderten die Angriffe auf
Gesundheitseinrichtungen vom 24. Februar 2022 bis zum 5. Juni 2025 210
Todesopfer und 745 Verletzte in über 2 184 Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen.
28. Wie viele Kontaktstellen für geflüchtete Menschen mit Behinderungen
und Pflegebedarf gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland, wie werden diese für Menschen aus der Ukraine zugänglich
gemacht, und wie wird sichergestellt, dass Bedarfe besonders vulnerabler
Gruppen, wie Menschen mit Behinderung und bzw. oder Pflegebedarf,
systematisch berücksichtigt werden?
Die (medizinische) Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten in
Deutschland richtet sich nach dem Aufenthaltstitel und dem damit jeweils
anwendbaren Mindestsicherungssystem.
Das Deutsche Rote Kreuz betrieb von Mai 2022 bis Juni 2024 federführend
und in enger Abstimmung mit Bund und Ländern die Bundeskontaktstelle für
geflüchtete Menschen mit Behinderungen und/oder Pflegebedarf. Die
Bundeskontaktstelle stellte grundlegende Informationen rund um das Thema Flucht
und Behinderung/Pflegebedarf über einen Internetauftritt sowie eine Hotline
zur Verfügung. Sie fungierte als Schaltstelle der zahlreichen in das
Fluchtgeschehen involvierten Akteure, an der wichtige Informationen zusammenlaufen
und zügig weitergeleitet wurden. Die Informationen stehen weiterhin gebündelt
zur Verfügung.
29. Wie viele Ärztinnen und Ärzte haben nach Kenntnis der
Bundesregierung an den von der Bundesregierung unterstützten Schulungskursen zur
Diagnostik und zu Behandlungsmaßnahmen von kindlichen bzw.
jugendlichen Schlafstörungen teilgenommen?
An einer Schulung (über drei Tage) nehmen durchschnittlich ca. 150
überwiegend Kinder-Ärztinnen und -Ärzte sowie Kinderpsychologen und
Kinderpflegepersonal teil. Seit Projektbeginn haben drei Schulungen stattgefunden.
Weitere mehrtägige Schulungen sind in Vorbereitung.
30. Wie viele Hospitationen ukrainischer Ärztinnen und Ärzte in
Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung erfolgt?
Die Bundesregierung hat kein abschließendes Bild über alle Hospitationen aller
ukrainischen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Hospitation fanden im
Rahmen unterschiedlicher bundesgeförderter Projekte statt. Beispielsweise wurden
im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekts
zur Versorgung von Schwerverletzten mit Verbrennungen zwischen den Jahren
2022 und 2023 allein 61 Hospitationen von ukrainischen Ärztinnen und Ärzten
an spezialisierten deutschen Verbrennungszentren durchgeführt.
Im Rahmen von Klinikpartnerschaften haben bis Januar 2024 253 Ärztinnen
und Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Pflegefachkräfte und
Laborantinnen und Laboranten an Kliniken in Deutschland hospitiert.
31. Wie viele deutsche Ärzte und Ärztinnen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung gerade im Einsatz in der Ukraine?
Im Rahmen der Klinikpartnerschaften sind deutsche Medizinerinnen und
Mediziner immer wieder vor allem für kürzere Einsätze in der Ukraine. Die
Klinikpartner entscheiden in Abhängigkeit der Sicherheitslage, inwiefern Reisen in
die Ukraine möglich sind. Der Bundesregierung ist nicht bekannt, wie viele
deutsche Ärztinnen und Ärzte sich aktuell im Einsatz in der Ukraine befinden.
32. Welche Ansätze verfolgt die Bundesregierung, um die Qualifizierung
lokalen Gesundheitspersonals systematisch und längerfristig zu fördern?
Es werden über verschiedene BMZ-finanzierte Projekte systematische und
längerfristige Qualifizierungsmaßnahmen für ukrainisches Gesundheitspersonal
bereitgestellt. Dies beinhaltet z. B. modulare Qualifizierungsprogramme für
Orthesen- und Prothesenfertigung, berufsbegleitende Fortbildungen bei
Gesundheitsfachkräften sowie Maßnahmen zur Förderung der fachlichen
Weiterbildung und Weiterentwicklung der universitären Ausbildung. Bei der Lieferung
von medizinischen Geräten werden begleitend Schulungsmaßnahmen für deren
Nutzung durchgeführt.
Auch über die Klinikpartnerschaften wird die Qualifikation von ukrainischen
Gesundheitsfachkräften systematisch unterstützt. In einem Netzwerk mit über
30 deutschen und mehr als 80 ukrainischen Gesundheitseinrichtungen und
medizinischen Nichtregierungsorganisationen kooperieren Ärztinnen und Ärzte,
Pflegefachkräfte, Psychologinnen und Psychologen, Therapeutinnen und
Therapeuten und Laborantinnen und Laboranten. Dieses Netzwerk stellt die
zentrale Schnittstelle zwischen dem deutschen und ukrainischen
Gesundheitssystem dar, fördert den beidseitigen Austausch von Wissen und ermöglicht die
bedarfsorientierte Weiterbildung von ukrainischem Fachpersonal. Die
Partnerschaften fungieren als langfristiges Vehikel, über welches eine kontinuierliche,
enge Zusammenarbeit gefördert wird.
Die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekte haben den
Wissenstransfer im Fokus. In verschiedenen Formaten zu verschiedenen
Fachthemen werden Gesundheitsfachkräfte geschult oder bei ihrer Arbeit
unterstützt. Beispielhaft wurden an drei ukrainischen Kliniken Simulationszentren
zur Aus- und Fortbildung im Bereich Kindergesundheit errichtet. In diesen
können Gesundheitsfachkräfte zu Übungszwecken mittels externer Video- und
Audioschulungen diagnostische und therapeutische Maßnahmen unter
realitätsnahen Bedingungen trainieren. Die Schulungen des ukrainischen ärztlichen und
pflegerischen Personals erfolgten internetbasiert durch deutsche Spezialistinnen
und Spezialisten. Das Projekt verfolgte einen „Train-the-Trainer“-Ansatz sowie
das Ziel einer kurzfristigen und qualitativ besseren sowie umfangreicheren
Qualifikation von Fachpersonal in der pädiatrischen Versorgung.
Im Rahmen eines Projektes des Programms des Bundesministeriums für
Gesundheit für globale Gesundheitssicherheit (Global Health Protection
Programme, GHPP) wurden verschiedene Kliniken in der Ukraine durch Experten
aus der Charité und dem RKI telemedizinisch unterstützt. Dazu zählte auch die
Ausarbeitung und Bereitstellung von Web-basierten Lehrinhalten,
beispielsweise in den Bereichen Intensivmedizin und Infektiologie.
33. Wie viele Rettungsbusse und Fahrzeuge zum Transport von Verletzen
wurden bisher in die Ukraine geliefert, und welche weiteren Lieferungen
sind geplant?
Bisher wurden durch die Bundesregierung 69 Fahrzeuge zum Transport von
Verletzten bereitgestellt. Im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens
(UCPM) wurden bislang vier Krankentransportwagen an die Ukraine
gespendet. Darüber hinaus wurden im Rahmen einer Maßnahme zur Finanzierung des
Transportes gespendeter Fahrzeuge im Jahr 2023 fünf gebrauchte
Rettungsfahrzeuge sowie ein „Medibus“ in die Ukraine überführt. Weitere Lieferungen
durch die Bundesregierung sind derzeit nicht in Bearbeitung oder geplant.
34. Welche Lieferungen von Sanitätsmaterial und medizinischem Equipment
(Beatmungsgeräte, Geräte zum Monitoring von Vitalparametern,
Absaugpumpen etc.) sind aktuell geplant?
Über das EU-Katastrophenschutzverfahren (UCPM) sind derzeit keine
Lieferungen von Sanitätsmaterial oder medizinischem Equipment in Bearbeitung
oder geplant. Über BMZ-finanzierte Vorhaben sind Lieferungen von
medizinischem Equipment für eine pathologisch-anatomische Abteilung (u. a. OP-
Tische, Instrumente und Laborgeräte) sowie Ausrüstung für
Gesundheitseinrichtungen wie gynäkologische Stühle, Ultraschall, Defibrillatoren,
Videoendoskopie-Instrumente, hämatologische Analysegeräte etc. vorgesehen.
35. Welche telemedizinischen Kooperationen existieren zwischen der
Ukraine und Deutschland, mit welchen Mitteln werden diese unterstützt, und
wird dies auch zukünftig gewährleistet?
Es wird auf die Antworten zu Frage 1 (Anlage 1*: Maßnahme im Titel
1505/68601) sowie zu Frage 21 verwiesen. Ein weiteres durch das
Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Projekt ermöglichte die Inbetriebnahme
einer digitalen E-Learning-Plattform für Rehabilitation nach Amputation.
Im Rahmen von Klinikpartnerschaften wird Telemedizin standardmäßig
eingesetzt, um über Distanz diagnostische Ergebnisse zu bewerten, akute Fälle zu
besprechen und gemeinsam Therapieentscheidungen zu treffen.
Zudem unterstützt das BMZ über ein GIZ-Projekt die ukrainische NGO
„Casers“ im Rahmen eines örtlichen Zuschusses in Höhe von 95 522,26 Euro
bei der Errichtung von fünf Telemedizin-Zentren in Cherson. Eine Ausweitung
der Partnerschaft, inklusive finanzieller Aufstockung, ist in Planung.
36. Wie und mit welchen Mitteln unterstützt die Bundesregierung die
Ukraine beim Aufbau eigener telemedizinischer Kapazitäten, um die
Unabhängigkeit langfristig zu sichern?
Das BMZ unterstützt aktuell mit Mitteln der technischen Zusammenarbeit eine
Studie zur „Definition rechtlicher Rahmenbedingungen für telemedizinische
Anwendungen in der Ukraine“.
Zudem sollen im Rahmen der Klinikpartnerschaft „Groundwork“ zwischen
dem Verband der ukrainischen Ärzte in Deutschland e. V., dem Hamburg
Center for Health Economics, der Universität Hamburg und der Bogomolets
National Medical University in Kyjiw die Kapazitäten ukrainischer Ärztinnen und
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/608 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Ärzten sowie Krankenhausmanagerinnen und -manager in der Nutzung von
Telemedizin gestärkt werden.
Die in der Maßnahme im Haushaltstitel 1505/68601 verwendeten Telemedizin-
Geräte sind für die eigenständige weitere Verwendung durch die Ukraine
vorgesehen.
Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 35 verwiesen.
37. Wie und mit welchen Mitteln werden die rehabilitativen
Versorgungsstrukturen für Menschen mit Gliedmaßenamputationen in der Ukraine
unterstützt?
Die rehabilitativen Versorgungsstrukturen für Menschen mit
Gliedmaßenamputationen wurden durch Kapazitätsaufbau sowie durch telemedizinischen
Wissenstransfer und die Schulung von Gesundheitspersonal im Bereich der Reha
unterstützt.
Beispielhaft wurde das E-Learning-Tool der Medizinischen Hochschule
Hannover für ukrainische User zugänglich gemacht (https://digitale-lehre-mhh.de/g
oto.php?target=root_1&client_id=weiterbilden-online&lang=de).
Darüber hinaus haben bisher sieben Klinikpartnerschaften die Verbesserung der
Rehabilitationsstrukturen in der Ukraine zum Ziel. Im Rahmen der
Kooperationen erfolgen u. a. Hospitationen an Kliniken in Deutschland, es werden
Online-Fortbildungen und Fallbesprechungen durchgeführt,
Standardarbeitsanweisungen erarbeitet und die Weiterentwicklung von Rehabilitationszentren, auch
durch eine verbesserte Ausstattung, intensiv begleitet.
Die vom BMZ finanzierten Projekte des DRK, von Ärzte der Welt und von
Malteser unterstützen u. a. Krankenhäuser, die als Teil ihrer
Versorgungsleistung auch Patienten mit Gliedmaßamputationen behandeln, die rehabilitative
Versorgungsstruktur durch mobile Rehabilitations-Teams sowie durch einen
ganzheitlichen Rehabilitationsansatz, der neben der Prothesenversorgung auch
physiotherapeutische und psychologische Betreuung umfasst.
Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 23 verwiesen.
38. In welchem Umfang unterstützt die Bundesregierung die Organisationen
Cadus e. V. und Artesans ResQ finanziell und logistisch?
Die Hilfsorganisationen Cadus e. V. und Artesans ResQ sind im Rahmen von
bilateralen Unterstützungsleistungen mit Ärztinnen und Ärzten und
Pflegekräften in der Ukraine im Einsatz. CADUS e. V., welches auch Teil der Emergency
Medical Teams (EMT) Initiative der WHO ist, unterstützt das
Gesundheitswesen im Bereich medizinischer Evakuierungen und durch Training in der
Ostukraine. Außerdem besteht eine Kooperation zwischen CADUS e. V. und dem
Rettungsdienst im Lwiw zum Aufbau von EMT-Kapazitäten. Das Robert Koch-
Institut ist, in seiner Funktion als EMT National Focal Point, hier beratend tätig
(www.bundesgesundheitsministerium.de/unterstuetzungsleistungen-fuer-die-uk
raine.html#collapse-control-6419).
In den Jahren 2022 bis 2024 wurde der Einsatz von CADUS e. V. aus Mitteln
der Internationalen Katastrophenhilfe in Höhe von 6,7 Mio. Euro gefördert.
Ziel des Projekts war die Etablierung eines Systems zur medizinischen
Evakuierung von Patientinnen und Patienten innerhalb der Ukraine als
Zuführungsstruktur für den europäischen MEDEVAC-Mechanismus. Außerdem wurden
Beatmungsgeräte und Röntgengeräte für die Versorgung von Patientinnen und
Patienten beschafft. Seit dem Jahr 2025 wird das Projekt aus Titel -687 32
weitergeführt, worüber bisher 1,6 Mio. Euro bereitgestellt worden sind.
Die GIZ hatte über ein BMZ-finanziertes Projekt im Jahr 2022 einen
Zuschussvertrag mit der Organisation MitOst e. V. Im Rahmen dessen war ein
sogenannter Weiterleitungsvertrag mit CADUS e. V. in Höhe von 78 751,20 Euro zur
Finanzierung des Betriebs einer mobilen Werkstatt geschlossen worden.
Das Vorhaben „Stärkung der urbanen Resilienz in den Bereichen
Versorgungsinfrastruktur und Wohnraum in der Ukraine (SUR)“ hat einen
Finanzierungsvertrag mit CADUS e. V. in Höhe von 107 560 Euro geschlossen.
39. Welche Ergebnisse wurden bisher bei der Einführung der MedeVac-
Verfahren in der Ukraine erreicht?
Bis zum 11. Juni 2025 konnten im Rahmen des MEDEVAC-Verfahrens über
den Europäischen Katastrophenschutzmechanismus (UCPM) die Übernahme
von 1 525 Patientinnen und Patienten zur Behandlung in Deutschland
abgeschlossen werden. Dank der engen Zusammenarbeit mit nationalen und
internationalen Partnern bei der Übernahme von Verwundeten und Erkrankten
konnte das Gesundheitssystem in der Ukraine entlastet werden.
40. Wie viele der Patientinnen und Patienten, die über das Kleeblattsystem in
Deutschland versorgt wurden oder werden, haben bisher die
Unterstützung durch Patientenlotsen und Patientenlotsinnen wahrgenommen?
Im Rahmen des EU-geförderten Projekts „Ergänzende soziale Betreuung und
Rücktransporte für MEDEVAC-Patientinnen und -Patienten aus der Ukraine“
leisten derzeit bundesweit 11 regional zuständige Patientenlotsen und 4
Assistenten ergänzende Unterstützung bei der Regelung der Angelegenheit der
MEDEVAC-Patientinnen und Patienten aus der Ukraine. Das Projekt wird seit
Februar 2023 gemeinsam von den fünf anerkannten Hilfsorganisationen unter
Federführung der Johanniter-Unfall-Hilfe durchgeführt. Stand 11. Juni 2025
wurden über das Kleeblattsystem 1 525 Patientinnen und Patienten für eine
medizinische Behandlung in Deutschland aus der Ukraine evakuiert. Von diesen
haben bislang 691 Patienteninnen und Patienten eine Betreuung durch die
Patientenlotsen in Anspruch genommen. Grundlage der ergänzenden
Sozialbetreuung ist die schriftliche Einwilligung der Patienteninnen und Patienten sowie
eine Schweigepflichtsentbindungserklärung.
41. Wie bewertet die Bundesregierung die Unterstützung der Patientinnen
und Patienten und der Sozialdienste in den Krankenhäusern durch die
Patientenlotsen und Patientenlotsinnen?
Die Unterstützungsleistungen der Patientenlotsen erleichtern die
Versorgungssteuerung und unterstützen die Patientinnen und Patienten bei verschiedenen
Aspekten während des Aufenthalts in Deutschland.
Lotsinnen und Lotsen unterstützen beispielsweise bei der Registrierung und
Antragstellung nach dem Aufenthaltsgesetz. Darüber hinaus helfen sie bei der
Antragstellung von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder
dem Sozialgesetzbuch sowie von Gesundheitsleistungen. Sie unterstützen bei
der Suche nach einer Unterkunft im Anschluss an die Behandlung im
Krankenhaus und ggf. einer geeigneten Rehabilitationseinrichtung. Des Weiteren stellen
sie einen Kontakt zu den für die Sozialbetreuung zuständigen
Regelsozialdiensten in den Unterkünften und Kommunen her und koordinieren ihre
Unterstützung mit Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Bei Bedarf und medizinischer
Notwendigkeit unterstützen sie ebenfalls bei der Vermittlung eines freiwilligen
Rücktransportes in die Ukraine. Die Zusammenarbeit zwischen den
Krankenhaussozialdiensten und den Patientenlotsinnen und Patientenlotsen beruht dabei
auf kooperativen Absprachen. In vielen Regionen erfolgt auch eine
Zusammenarbeit mit den ukrainischen Freiwilligengruppen.
Die Patientenlotsen leisten damit aus Sicht der Bundesregierung eine wertvolle
Unterstützung der ukrainischen Patientinnen und Patienten und der
sozialmedizinischen Dienste der Krankenhäuser.
42. Welche Probleme bestehen aktuell in der Regelversorgung der
„Kleeblatt-Patientinnen und Kleeblatt-Patienten“ nach der stationären
Versorgung im Krankenhaus (u. a. Anmeldung, Versicherungsstatus,
Hilfsmittelversorgung), und welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung
dagegen, auch in Zusammenarbeit mit der Krankenhausgesellschaft und
den Ländern?
Aufgrund der besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe ist ein erhöhter
Betreuungs- und Unterstützungsbedarf zu verzeichnen. Die oft langwierige und
kostenintensive Behandlung sowie die sich anschließende Unterbringung
(insbesondere aufgrund der oftmals hochkomplexen Fälle bei den ukrainischen
Kriegsverwundeten) haben zu einer Reihe von administrativen
Herausforderungen sowohl für Betroffene als auch für die behandelnden Krankenhäuser und
Kommunen geführt. Durch die Bereitstellung von Sondermitteln des Bundes in
Höhe von bis zu 30 Mio. Euro für die Finanzierung der Behandlungskosten
ukrainischer Soldatinnen und Soldaten im Jahr 2025 konnten der Zugang zu
Gesundheitsleistungen erleichtert und administrative Hürden reduziert werden.
Zivile Kleeblatt-Patientinnen und Patienten aus der Ukraine erhalten aktuell
Leistungen nach SGB II oder SGB XII und somit Zugang zum vollen
Leistungskatalog der GKV, sofern diese bedürftig sind und die weiteren
Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind.
Alle Leistungserbringer und beteiligten Behörden von Bund und Ländern
wurden umfassend über Fragen der Leistungserbringung und Anmeldung
informiert. Zudem erhalten MEDEVAC-Patientinnen und -Patienten im Rahmen der
Evakuierung umfassende Information sowie Unterstützung durch die eigens
dafür geschaffenen Patientenlotsen.
43. Welche Probleme bestehen aktuell bei der Finanzierung von komplexen
Leistungen in der stationären Versorgung, die über die Vergütung im
DRG-System hinausgehen (beispielsweise Bekämpfung multiresistenter
Keime, mehrfache Operationen, Isolation etc.), und inwiefern ist der
eingerichtete Sonderfonds hierfür ausreichend?
Viele der evakuierten ukrainischen Soldatinnen und Soldaten sind mit mehrfach
multiresistenten Keimen besiedelt. Zudem ist oftmals der Einsatz von
Sonderimplantaten nötig. Da die Entgelte für allgemeine Krankenhausleistungen für
alle Benutzerinnen und Benutzer des Krankenhauses einheitlich zu berechnen
sind, werden auch die Fälle ukrainischer Patientinnen und Patienten nach dem
Fallpauschalen-System (DRG) abgerechnet. Dabei werden die durchschnittlich
entstandenen Kosten vergütet.
Hochkostenfälle sind im DRG-System und durch zahlreiche Zusatzentgelte
abgebildet: In Fällen, in denen dies für eine sachgerechte Vergütung erforderlich
ist, können ergänzend zu einer Fallpauschale Zusatzentgelte berechnet werden,
insbesondere für aufwändige Arzneimittel, einzelne Leistungen und
Leistungskomplexe.
Das Vergütungssystem wird von den Vertragsparteien auf Bundesebene (DKG,
GKV-Spitzenverband, PKV-Verband) vereinbart. Die Kalkulation der DRGs
findet jedes Jahr auf Basis der aktuell vorliegenden Kostendaten statt. Damit
gehen Veränderungen der Kostenhöhe und -strukturen jeweils in die Entgelte
ein. Die Pflegepersonalkosten werden zudem seit dem Jahr 2020
vollumfänglich über das Pflegebudget finanziert. Über die bedarfsgerechte
Weiterentwicklung des DRG-Systems fand ein Austausch zwischen dem Bundesministerium
für Gesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) statt.
Selbstverwaltungspartner und Verbände können Vorschläge zur
Weiterentwicklung des DRG-Systems jährlich im Rahmen des durch das Institut für das
Entgeltsystem im Krankenhaus durchgeführten Vorschlagsverfahrens einbringen.
Zusätzlich wurde durch die Sondermittel des Bundes die Möglichkeit
geschaffen, neben der Finanzierung der Versorgung bei ganz erheblichen Belastungen
einzelne Kliniken zu unterstützen. Für das Jahr 2025 stehen insgesamt
Sondermittel in Höhe von bis zu 30 Mio. Euro zur Verfügung. Die Frage zur
Fortsetzung ist Gegenstand des regierungsinternen Verfahrens zur
Haushaltsaufstellung.
44. Welche Vorteile hätte nach Einschätzung der Bundesregierung die
Konzentration der Versorgung von Verletzten aus der Ukraine auf ein
einziges oder auf wenige Krankenhäuser, um die bestehenden Probleme in der
postakuten Regelversorgung (u. a. bei Anmeldung, Versicherungsstatus,
Hilfsmittelversorgung etc.) besser adressieren zu können?
Durch die Steuerung der Fachgruppe COVRIIN+ können Patientinnen und
Patienten zielgerichtet in die Kliniken verlegt werden, in denen entsprechende
Behandlungsmöglichkeiten und Kapazitäten vorhanden sind. Dadurch kann eine
bedarfsgerechte Behandlung ermöglicht werden und der Überlastung von
Versorgungseinrichtungen vorgebeugt werden. Die Verlegung erfolgt aktuell im
Rahmen des Kleeblattkonzeptes (Zuteilung über die Single Point of Contact
(SPoCs) der einzelnen Kleeblätter).
45. In wie vielen und in welchen medizinischen Einrichtungen wird die KI-
basierte Übersetzung erfolgreich eingesetzt?
Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt HYKIST+
wurde nach Projektende 2023 nicht weiter in der Praxis eingesetzt.
46. Wie werden nach Kenntnis der Bundesregierung die Patientendaten beim
Einsatz von KI-Sprachtechnologie in den medizinischen Einrichtungen,
insbesondere in besonders sensiblen Bereichen wie der
psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung, geschützt?
Im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekts
HYKIST+ wurden die Daten durch eine pseudonymisierte Verarbeitung
geschützt und die Gespräche erfolgten ohne Nennung von Vollnamen. Da das
Projekt in erster Linie Notaufnahmedaten verarbeitete, handelte es sich jedoch
nicht um Daten aus der psychotherapeutischen bzw. psychiatrischen
Versorgung. Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Informationen über
den Schutz von Patientendaten beim Einsatz von KI-Sprachtechnologie vor.
47. Plant die Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken in diesem Jahr
eine Reise in die Ukraine?
Über die Reiseplanungen der Bundesgesundheitsministerin wird zu gegebener
Zeit informiert.
48. Inwiefern hat der Sanitätsdienst (neu: Kommando
Gesundheitsversorgung) der Bundeswehr bisher mit Personal und Material die
Gesundheitsversorgung in der Ukraine und der ukrainischen Streitkräfte
unterstützt, und ist geplant, diese Unterstützung fortzusetzen bzw.
auszubauen?
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022
unterstützt die Bundeswehr die ukrainischen Streitkräfte. Dies umfasst
sanitätsdienstliche Ausbildung von Nicht-Sanitätspersonal, von qualifiziertem
Sanitätspersonal und Realversorgung der sich in Ausbildung befindlichen ukrainischen
Soldatinnen und Soldaten in Deutschland.
Zusätzlich unterstützt die Bundeswehr bei der Versorgung ukrainischer
Verwundeter in Behandlungseinrichtungen der Bundeswehr.
Materielle Unterstützungsleistungen erfolgten bei der humanitären Hilfe und
wurden darüber hinaus bei Ertüchtigungsinitiativen fortgeführt.
Die Bundesregierung beabsichtigt, das Engagement in diesem Bereich
fortzuführen.
Anlage 1: Unterstützungsleistungen für die Ukraine im Gesundheitsbereich durch das
Bundesministerium für Gesundheit (24.02.2022 – 10.06.2025)
Titel Maßnahmen Gesamtsumme in T
Euro
1505/53204
Internationale
Zusammenarbeit auf dem Gebiet des
Gesundheitswesens
Verbesserung der rehabilitativen
Versorgung von Menschen mit
Gliedmaßenamputationen in der UKR
4.741
Hospitationen zur Versorgung von
Schwerverletzten mit Verbrennungen und
Rettungswesen
Aufbau Mukuviszidose
Versorgungsstruktur
Wissenstranfer durch Podcasts
Aufbau von hybriden Simulationszentren
Schulung zur Diagnostik und Behandlung
kriegsbedingter mentaler Störungen
Patientenlotsen
Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln für
UNAIDS
RehaConnect: Entwicklung eines
Konzeptes zur Rückführung ukrainischer
Patient*innen, welche in Deutschland akut-
medizinisch behandelt wurden, in die Ukraine
zur Durchführung von
Rehabilitationsmaßnahmen
1503/68403
Zuschüsse zur
Bekämpfung des Ausbruchs des
neuen Coronavirus
Spenden Ukraine 75.945
Spenden Anrainerstaaten Ukraine
1505/68601
Stärkung der
internationalen öffentlichen
Gesundheit
Telemedizinische Unterstützung und
Ausstattung von ukrainischen Kliniken mit
Telemedizin Robotern sowie Ausarbeitung
und Bereitstellung von Web-basierten
Lehrinhalten.
2.648
1502/68411
Studien- und
Modellmaßnahmen zur Verbesserung
der Versorgung
pflegebedürftiger Menschen
Koordinierung der Unterbringung von zu
evakuierenden Kindern und jungen
Menschen aus der Ukraine mit palliativ-
pflegerischem Bedarf durch den Projektträger
Bundesverband Kinderhospiz e.V.
1.961
1503/53105
Aspekte der Migration
und Integration im
deutschen Gesundheitswesen
Zuwendung
Im Rahmen des Modellprojektes
"Integration im Gesundheitswesen (INGE)" wurde
in Zusammenarbeit mit Jobcentern und der
Agentur für Arbeit eine Potenzial- und
Kompetenzanalyse speziell unter
ukrainischen Geflüchteten im Saarland
durchgeführt mit dem Ziel, Menschen für einen
76
Pflege- oder Gesundheitsberuf zu
gewinnen.
1504/68605
Projekte und Maßnahmen
zur Erprobung von
Anwendungen mit großen
Datenmengen im
Gesundheitswesen
Projektförderung HYKIST+: Erweiterung
des HYKIST-Systems um eine KI-basierte
Übersetzungslösung für die Sprache
Ukrainisch.
295
1505/68601
Bereitstellung von
zusätzlichen Mitteln für die
Reaktion der
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
auf den Krieg in der
Ukraine
Bereitstellung von zusätzlichen Mittel für
die Reaktion der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf den Krieg in der Ukraine
20.500
6002/67102*
Gesundheitliche
Behandlung und medizinische
Versorgung von
ukrainischen Soldaten sowie in
humanitären
Ausnahmefällen einzelner
ukrainischer Zivilpersonen in
Deutschland
Ausgaben zur Aufnahme und Behandlung
ukrainischer Soldaten mit schwersten
Kriegsverletzungen in Deutschland
3.696
Gesamtsumme
BMG: 109.862
* Hierbei handelt es sich um Bundesmittel (EP60)
Anlage 2: Unterstützungsleistungen für die Ukraine im Gesundheitsbereich durch das
Auswärtige Amt (24.02.2022 – 10.06.2025)
Titel Maßnahmen Gesamtsumme in T
Euro
0501/68732
Humanitäre Hilfe
Lebensrettende psychosoziale Hilfe Unterstützung
für vulnerable Haushalte und kriegsbetroffene
Gemeinden sowie institutionalisierte Stärkung der
ukrainischen Ersthelfenden über Arche Nova und
AWO
2.300
Resilienzstärkung für die vom Krieg betroffene
Bevölkerung und vulnerable Gruppen durch
Dienstleistungen im Bereich mentale Gesundheit
sowie psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen
über Norwegian Refugee Council
10.536
Integrierter humanitärer Ansatz für vom Krieg
betroffene Ukrainer*innen und Drittstaatler*innen
Unterstützungsmaßnahmen der mentalen
Gesundheit und psychosoziale Unterstützung,
Kinderschutz, auch durch Bargeldhilfen über Diakonie
8.820
Basisgesundheitsversorgung, psychosoziale
Betreuung, Winterhilfe und Nahrungsmittel für
Binnenvertriebene über Malteser Hilfsdienst
5.000
Multisektorale humanitäre Hilfe in Form von
Geld-, Sach- und Dienstleistungen und
Gutscheinen in den Bereichen Grundbedarfsdeckung,
Ernährungssicherung, physischer und mentaler
Gesundheit sowie Winterhilfe für Menschen in der
Ostukraine über Caritas-Verband
9.145
Multisektorale humanitäre Hilfe in Form von
Geld-, Sach- und Dienstleistungen in den
Bereichen Grundbedarfsdeckung, Ernährungssicherung,
Hygiene, Winterhilfe und psychosoziale
Unterstützung für Menschen in der Ostukraine über
Arbeiter-Samariter-Bund
15.339
Mentale Gesundheit und psychosoziale
Unterstützung für Menschen in den Regionen Donezk und
Lugansk über Malteser Hilfsdienst
762
Landesweite Verbesserung des Zugangs zu
qualitativ hochwertiger Basisgesundheitsversorgung
über Ärzte der Welt
3.030
Basisgesundheitsversorgung,
Medikamentenlieferungen, psychosoziale Betreuung für
Binnenvertriebene und Flüchtlinge über die
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
23.429
Verbesserung des körperlichen und psychischen
Gesundheitszustandes von Binnenvertriebenen,
Rückkehrern/-innen und kriegsbetroffener
vulnerabler lokaler Bevölkerung über Humedica
2.340
Unterstützung beim Zugang zu kritischen
Schutzleistungen durch Stärkung der Rolle lokaler
frauengeführter Organisationen über HIAS
1.937
Verbesserung des Zugangs zu und der Versorgung
mit Dienstleistungen im Bereich sexuelle und
8.827
reproduktive Gesundheit für Frauen und Mädchen
in Ost- und Südukraine über Care
Integrierte Hilfe für Binnenvertriebene, nicht
vertriebene kriegsbetroffene Personen und
Rückkehrende durch Schutz-Dienstleistungen,
Bargeldunterstützung, Unterkünfte und Hygiene- und
Sanitärmaßnahmen über Hoffnungszeichen/Sign of
Hope
3.036
Lebensrettende multisektorale humanitäre Hilfe
für die konfliktbetroffene Bevölkerung und
Geflüchtete mit besonderem Fokus auf ältere
Menschen, Frauen und Kinder über ADRA Deutschland
4.574
Verbesserung des Zugangs zu einer hochwertigen
medizinischen Grundversorgung für die vom
Konflikt betroffene Bevölkerung in der Ukraine über
Ärzte der Welt
8.500
Nothilfe und Unterstützung der psychischen
Gesundheit für von Konflikten betroffene Gemeinden
in der Ostukraine über Medair
9.432
Projekt zur Verbesserung der Schutz- und
MHPSS-Mechanismen für vom Konflikt
betroffene Kinder und Heranwachsende in der
Ukraine über Plan International
6.080
Notfallhilfeprojekt für Binnenvertriebene und
Flüchtlinge über Hoffnungszeichen/Sign of Hope
7.496
Evakuierungsunterstützung, medizinische und
psychosoziale Betreuung für Binnenvertriebene,
Nahrungsmittel und Winterhilfe über Help e.V.
8.728
Nothilfe durch Bereitstellung von psychosozialer
und medizinischer Versorgung für die
kriegsbetroffene Bevölkerung in Moldau und der Ukraine
über Action Medeor
3.034
Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens
und Ermöglichung eines Lebens in Würde
vulnerabler Gruppen und am schwersten erreichbaren
Bevölkerung über Action Medeor
6.791
Vom Krieg betroffene Menschen und Überlebende
von SGBV erhalten umfassende MHPSS-
Unterstützung über Care
3.036
Opferfürsorge im Rahmen der Projekte des
humanitären Minen- und Kampfmittelräumens, u.a. über
Handicap International und Danish Refugee
Council
3.000
0501/68738
Internationale
Katastrophenhilfe
EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM):
Transportkostenfinanzierung von
Patiententransporten (Medevacs) über den Kleeblatt-
Verteilmechanismus zur medizinischen Behandlung in
Deutschland
1.612
EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM):
Beschaffung von Hilfsgütern durch THW (u.a.
medizinische Verbrauchsgüter und Erste-Hilfe-Sets)
934
EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM):
Transportkosten-Kofinanzierung Spenden der
Bundesländer (u.a. medizinische Hilfsgüter)
39
EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM):
Transportkosten-Kofinanzierung der Rückreise/
Patiententransporte
354
Etablierung eines Systems zur medizinischen
Evakuierung von Patient*innen innerhalb der Ukraine
als Zuführungsstruktur für den europäischen
MEDEVAC-Mechanismus
6.725
Malteser Hilfsdienst e.V.: Einrichtung einer
Prothesenwerkstatt und Rehabilitation
1.205
0501/89612
Kleinstprojekte
Ausbildung von Krankenhauslehrern;
Sanierung des Warmwassersystems eines
Krankenhauses in Kostopil, Region Riwne;
Installation einer Solarstromanlage auf dem Dach
des Zentralen Dawydow-Krankenhauses für den
Landkreis Konotyp im Verwaltungsgebiet Sumy;
Photovoltaikanlage für das Schazk-Krankenhaus;
PV-Solarstromanlage Jassinja Stadtkrankenhaus;
Sicherstellung der Zugänglichkeit von Ultraschall-
Diagnostik für Patienten mit Herz-Kreislauf-
Erkrankungen in der Stadt Kramatorsk,
Verwaltungsgebiet Donezk;
Ausstattung des neu geschaffenen Regionalen
kardiologischen Zentrums in Charkiw;
Beschaffung medizinischer Ausrüstung für das
Krankenhaus Myrhorod;
Beschaffung eines Laufbandes für die Reha-
Abteilung des Krankenhauses Sokyryany;
Installation einer Solarstromanalage auf dem Dach
des städtischen Krankenhauses Dubno;
Installation einer Solaranlage auf dem Dach der
kommunalen Zahnpoliklinik Riwne;
Beschaffung eines Kolposkops für die
Gynäkologie-Abteilung des Rayon-Krankenhauses
Schydatschiw;
Kauf von Ausstattung für die Reha-Abteilung des
Rayon Krankenhauses Korosten
246
0501/68734
Krisenprävention,
Stabilisierung und
Friedensförderung,
Klima- und
Sicherheitspolitik
Stärkung der Widerstandsfähigkeit ukrainischer
Kriegsveteranen durch maßgeschneiderte
psychische und psychosoziale Betreuung über die
International Organisation for Migration (IOM)
4.583
Einzahlung in den Conflict-Related Sexual
Violence Multi-Partner Trust Fund (CRSV-MPTF)
692
Umfassende psychologische und soziale
Unterstützung für zurückgekehrte, zuvor verschleppte
ukrainische Kinder (Hope and Healing Center) über
Save Ukraine
600
Psychosoziale Unterstützung der betroffenen
Bevölkerung in den Kriegsgebieten der Ukraine über
East SOS
1.600
Integrated Response Hub Ukraine: Lieferung von
Heizgeräten an das Zentrum für öffentliche
Gesundheit des Gesundheitsministeriums der Ukraine
sowie von Stromgeneratoren an die
123
Territoriale Medizinische Vereinigung des
Innenministeriums
Gesamtsumme AA:
173.885
1
Anlage 3: Übersicht Klinikpartnerschaften (Stand: 06.06.20225)
Klinikpartnerschaften, die aktuell umgesetzt werden
Beteiligte Partner in
Deutschland
Beteiligte Partner in der
Ukraine
Schwerpunkt der
Zusammenarbeit
1 Charité - Universitätsmedizin
Berlin
In Kooperation mit:
BG Klinikum
Unfallkrankenhaus Berlin
BG Klinik Frankfurt am Main
BG Klinik Bergmanntrost
Halle
BG Klinik Murnau
BG Klinik Ludwigshafen
Ludwig-Maximilians-
Universität München
Universität Greifswald
Technische Universität
Dresden
ZI Mannheim
Vivo International e.V.
(Konstanz)
P. V. Voloshyn Institute of
Neurology, Psychiatry and
Narcology of the National
Academy of Medical
Sciences of Ukraine
(Kharkiv)
Bogomolets National
Medical University Clinic
(Kyiv)
Ternopil Municipal
Emergency Hospital
Feofaniya Clinical Hospital
(Kyiv)
Superhumans Center (Lviv)
Municipal non-profit
Enterprise “Lviv Territorial
Medical Union
“Multidisciplinary Clinical
Hospital of Emergency and
Intensive Care”
National Children's
Specialized Hospital of the
Ministry of Health of
Ukraine OHMATDYT
(Kyiv)
Kharkiv National Medical
University
State Institution “Sytenko
Institute of Spine and Joint
Pathology NAMS of
Ukraine” (Kharkiv)
Dnipropetrovsk Clinical
Multidisciplinary Hospital
for Psychiatric Care
(Sowie weitere 50 Kliniken
und medizinische NGOs, die
medizinische Güter erhalten
oder deren Mitarbeiter*innen
Stärkung der psychosozialen,
traumatologischen und
integrierten medizinischen
Versorgung u.a. durch die
Beschaffung telemedizinischer
Ausstattung und Durchführung
telemedizinischer
Fallbesprechungen, der
Entwicklung niedrigschwelliger
digitaler Anwendungen zur
Unterstützung im Umgang mit
psychischen Belastungen,
Capacity Building Maßnahmen
u.a. zur Behandlung von
schwerstbrandverletzten
Patient*innen, Psychologischer
Erster Hilfe, Burnout-
Prävention, Müttergesundheit,
Narrativer Expositionstherapie,
Interpersoneller Therapie,
Training von
Schulpsycholog*innen sowie der
Lieferung von dringend
benötigten Medikamenten.
2
an Fortbildungsmaßnahmen
teilgenommen haben)
2 Pius Hospital Oldenburg
Klinikum Oldenburg
Universitätsmedizin
Christliche medizinische Hilfe
Direkt e.V. (Oldenburg)
St. Michael Clinical Hospital
of Kyiv City (old name: Kyiv
City Oleksandrivska Clinical
Hospital)
Verbesserte Versorgung von
Patient*innen mit
Herzerkrankungen
3 ChildFund Deutschland e.V.
(Nürtingen)
Volyn Regional Medical
Centre for Oncology
All-Ukrainian charitable
organisation "Ukrainian
Foundation for the
Wellbeing of Children"
Verbesserung der Krebsvorsorge
4 Ukrainische Ärztevereinigung
Deutschland e.V. (Henstedt-
Ulzburg)
Europäisch-ukrainische
Brustkrebshilfe e.V.
(Hamburg)
Mammazentrum am Jerusalem
Krankenhaus (Hamburg)
Brustzentrum Asklepios Klinik
Barmbek
Diganostisches
Mammazentrum Göttingen
Odessa National Medical
University
National Cancer Institute
Bogomolets National
Medical University (Kyiv)
Shupyk National Healthcare
University of Ukraine,
Department of Oncology
(Kyiv)
Further Oncology Centers all
over Ukraine
Früherkennung von Brustkrebs
5 Blau-Gelbes Kreuz Deutsch-
Ukrainischer Verein e.V.
(Köln)
Kliniken der Stadt Köln
gGmbH
Charitable Fund “Do
Peremohy (To Victory)”
Mechnikov Hospital
(Dnipro)
Dnipro State Medical
University
Optimierung der Rolle von
Krankenhäusern in der
ganzheitlichen Rehabilitation
von Veteranen und Zivilisten
6 Katholische Hochschule
Freiburg
Universitätsklinikum Freiburg,
Klinik für Psychiatrie,
Psychotherapie und
Psychosomatik im Kindes- und
Jugendalter
Catholic University of Lviv
Caritas Ukraine
Communal Noncomercial
Enterprise of Lviv Regional
Council “Clinical Center of
Childrens ́Healthcare” -
Western Ukrainian
Specialized Medical Center
for Children (Lviv)
Ausbildung in
traumafokussierter kognitiver
Verhaltenstherapie für Kinder
und Jugendliche
3
Sheptytskyi Hospital Lviv
Lviv Regional Clinical
Psychiatric Hospital (Center
for Mental Health Kulparkiv)
7 Zentral Institut für Seelische
Gesundheit - ZI Mannheim
Danylo Halytsky Lviv
National Medical University
Kharkiv Medical University
Behandlung von
Posttraumatischen
Belastungsstörungen durch
EMDR-Therapie
(Desensibilisierung und
Verarbeitung durch
Augenbewegungen)
8 Charité - Universitätsmedizin
Berlin
First Lviv Territorial Medical
Union - Unbroken
Ivano-Frankivsk Regional
Clinical Hospital
Stärkung der
Krankenhausversorgung in den
Bereichen Anästhesie,
Intensivmedizin und
Notfallmedizin
9 Universitätsklinikum Essen
AöR
Poltava State Medical
University
Aufbau von Kapazitäten für
Virusdiagnostik, Immunologie
und Psychologie
10 Medizinische Hochschule
Hannover - MHH
Lviv Regional Clinical
Perinatal Center
Stärkung der genetischen
Diagnostik durch Einführung der
Exom-Sequenzierung in die
klinische Praxis
11 Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
Odessa Regional Medical
Center for Mental Health
Evidenzbasierte Behandlung von
Angststörungen und schweren
psychischen Erkrankungen in
der Ukraine
12 Arbeitsgemeinschaft
Notfallmedizin Fürth e.V.
Horbachevsky Ternopil
National Medical University
National Rehabilitation
Center - Unbroken of the
First Lviv Territorial Medical
Union
Implementierung eines
nationalen ESI-Triage-Systems
für die Notfallversorgung
13 Arbeitsgemeinschaft
Notfallmedizin Fürth e.V.
People's Self-Defense Lviv
Ukrainian Scientific and
Practical Center for
Emergency Care and
Disaster Medicine (Kyiv)
Special Training Center
(Kyiv)
First Lviv Territorial Medical
Union
Stärkung der Notfallversorgung
und Erste-Hilfe
14 Charité - Universitätsmedizin
Berlin
Ukrainian Children’s Cardiac
Centre (Kyiv)
Verbesserung der pädiatrischen
Herzversorgung
15 Universitätsklinikum Bonn Kyiv Medical Center Stärkung der onkologischen
Versorgung
4
Klinikpartnerschaften, die zeitnah mit der Umsetzung beginnen
Beteiligte Partner in
Deutschland
Beteiligte Partner in der
Ukraine
Schwerpunkt der
Zusammenarbeit
1 Ukrainische Ärztevereinigung
Deutschland e.V. (Henstedt-
Ulzburg)
Hamburg Center for Health
Economics, Universität
Hamburg
Bogomolets National
Medical University Clinic
(Kyiv)
sowie eine Auswahl weiterer
Kliniken
Gesundheitsmanagement u.a. in
den Bereichen: Entwicklung von
telemedizinischen Diensten,
Patientenkommunikation,
Einführung europäischer
Standards, effektive Nutzung
von Ressourcen und
Krisenmanagement
2
Universitätsklinikum Tübingen
National Cancer Institute
(Kyiv)
Weiterentwicklung der
Krebsdiagnostik und -
behandlung
3
Deutsches Herzzentrum
München - DHM
H.O.P.E. - we help children
e.V. (Raitenbuch)
Communal Noncomercial
Enterprise of Lviv Regional
Council “Clinical Center of
Childrens ́Healthcare” -
Lviv OKHMADYT Hospital
St. Nicolas Children’s
Hospital of the First Lviv
Territorial Medical Union
(Lviv)
Verbesserung der Versorgung
von Kindern mit angeborenen
und erworbenen Herzfehlern.
4
Klinikum Westbrandenburg
(Potsdam)
Kyiv Regional Children’s
Hospital
(Boyarka)
Stärkung der fachlichen
Kompetenz und
Versorgungsqualität in der
Pädiatrie
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
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