Einkommensentwicklung der Landwirtschaft und Höfesterben
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Einkommensentwicklung der Landwirtschaft und Höfesterben
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/279
21. Wahlperiode 27.05.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian
Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan
Schröder und der Fraktion der AfD
Einkommensentwicklung der Landwirtschaft und Höfesterben
In Deutschland gibt es derzeit noch rund 255 000 landwirtschaftliche Betriebe,
die gemeinsam etwa 16,6 Millionen Hektar Fläche bewirtschaften. Seit dem
Jahr 2010 mussten über 44 000 Höfe dauerhaft aufgeben. Diese Entwicklung
verstärkt den seit Jahrzehnten andauernden Strukturwandel in der
Landwirtschaft (www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-F
orstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftliche-Betriebe/Tabellen/betriebsgroesse
nstruktur-landwirtschaftliche-betriebe.html).
Besonders betroffen sind kleinere und mittlere Familienbetriebe mit weniger
als 100 Hektar Fläche. Während deren Zahl kontinuierlich sinkt, steigt die Zahl
größerer Betriebe über 100 Hektar. Inzwischen bewirtschaften 14 Prozent der
Betriebe bereits 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in
Deutschland (www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/landwirtsch
aftszaehlung-hoefesterben-geht-577405). Dieser Wandel wird häufig als
„Höfesterben“ bezeichnet, ein Begriff, der den tiefgreifenden Verlust
landwirtschaftlicher Vielfalt und familiärer Betriebsformen beschreibt (www.bpb.de/gesellscha
ft/umwelt/landwirtschaft/325872/strukturwandel).
Die Ursachen für das Höfesterben sind vielfältig. Im Mittelpunkt stehen die
zunehmend schwierige wirtschaftliche Lage mit dauerhaft niedrigen
Erzeugerpreisen, stetig steigenden Betriebskosten und einem wachsenden
Investitionsdruck. Hinzu kommen immer neue gesetzliche Auflagen und Anforderungen,
die Betriebe in immer kürzeren Abständen erfüllen müssen. Besonders kleine
und mittlere Familienbetriebe geraten dadurch unter wachsenden Druck.
Zusätzlich wird das Höfesterben durch agrarpolitische Rahmenbedingungen
verstärkt, etwa durch die an Fläche geknüpfte Verteilung der EU-
Agrarsubventionen oder durch bestimmte Marktregulierungen. Diese
begünstigen vor allem größere und wirtschaftlich besser ausgestattete Betriebe, während
kleinere Höfe zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Kritiker sprechen daher von
einer politischen Mitverantwortung, da viele politische Maßnahmen dem
öffentlich betonten Ziel, bäuerliche Strukturen zu erhalten, in der Praxis
widersprechen (www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/heuchelei-hoefe
sterben-559691).
Eine Studie der DZ-Bank geht davon aus, dass bis zum Jahr 2040 nur noch
rund 100 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland existieren werden.
Die durchschnittliche Betriebsgröße wird weiter zunehmen, während das
traditionelle Modell des selbstständig wirtschaftenden bäuerlichen Familienbetriebs
zunehmend an Bedeutung verliert (www.agrarheute.com/management/betriebsf
uehrung/studie-hoefesterben-noch-lange-ende-565027).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt
(bitte für jedes Jahr angeben, nach bio und konventionell unterscheiden
und vergleichbare Daten verwenden)?
a) Wie viele davon wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Haupterwerb und wie viele davon wurden im Nebenerwerb geführt?
b) Wie viele Höfe davon haben nach Kenntnis der Bundesregierung ihren
Betrieb von Haupt- auf Nebenerwerb umgestellt, wie viele von
Nebenauf Haupterwerb?
c) Wie viele davon waren nach Kenntnis der Bundesregierung
familiengeführt?
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühner- und
Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für
jedes Jahr angeben, nach bio und konventionell unterscheiden, nach
Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
a) Wie viele davon wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Haupterwerb und wie viele davon wurden im Nebenerwerb geführt?
b) Wie viele Höfe davon haben nach Kenntnis der Bundesregierung ihren
Betrieb von Haupt- auf Nebenerwerb umgestellt, wie viele von
Nebenauf Haupterwerb?
c) Wie viele davon waren nach Kenntnis der Bundesregierung
familiengeführt?
3. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wachstumsschwelle
der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach bio und konventionell
unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wachstumsschwelle
der landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-,
Hühner- und Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach bio und konventionell
unterscheiden, nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten
verwenden)?
5. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland nach der
Fläche entwickelt (bitte für jedes Jahr und in den Schritten <10 ha, 10 bis
50 ha, 50 bis 100 ha, 50 bis 200 ha und >200 ha angeben sowie nach bio
und konventionell unterscheiden)?
6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühner- und
Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland nach der Fläche
entwickelt (bitte für jedes Jahr und in den Schritten <10 ha, 10 bis 50 ha, 50
bis 100 ha, 50 bis 200 ha und >200 ha angeben sowie nach Nutztierart
aufschlüsseln und nach bio und konventionell unterscheiden)?
7. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Fläche landwirtschaftlicher Betriebe in den letzten 20 Jahren in
Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr und in ha angeben, nach bio und
konventionell unterscheiden sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und
vergleichbare Daten verwenden)?
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Fläche landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-,
Hühner- und Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr und in ha angeben, nach bio und
konventionell unterscheiden sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare
Daten verwenden)?
9. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
Tierbestand an Rindern, Milchvieh, Schweinen, Hühnern und Puten in den
letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben,
nach Nutztierart aufschlüsseln, nach bio und konventionell unterscheiden
und vergleichbare Daten verwenden)?
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
Tierbestand pro Hof an Rindern, Milchvieh, Schweinen, Hühnern und
Puten in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr
angeben, nach Nutztierart aufschlüsseln, nach bio und konventionell
unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil an ökologisch
bewirtschaftetem Ackerland in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben und vergleichbare Daten
verwenden)?
12. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Landwirte in den
kommenden fünf Jahren (schätzungsweise) in den Ruhestand gehen
werden, und wenn ja, welchen Einfluss wird das nach Einschätzung der
Bundesregierung auf das „Höfesterben“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)
haben?
13. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Insolvenzen
bei landwirtschaftlichen Betrieben in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform aufschlüsseln
und vergleichbare Daten verwenden)?
14. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Gesamtverschuldung
der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform aufschlüsseln
und vergleichbare Daten verwenden)?
15. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
landwirtschaftlichen Einkommen in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland
entwickelt, und sieht die Bundesregierung diesbezüglich Handlungsbedarf,
und wenn ja, inwiefern (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform
aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
16. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte einkommenswirksame Ausgestaltung der ersten
Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sowie deutlich gesteigerte für die
„Erbringung von Klima-, Umwelt- und Tierwohlleistungen“ umsetzen
(www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/
koalitionsvertrag.pdf, S. 42)?
a) Wenn ja, wie konkret, bis wann, und erwartet die Bundesregierung
dadurch einen positiven Effekt auf die Einkommensentwicklung in der
Landwirtschaft?
b) Wenn nein, warum nicht?
17. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte Evaluierung und Überarbeitung der Umsetzung der
EU-Richtlinie über unfaire Handelspraktiken, um einen Wettbewerb mit
fairen Erzeugerpreisen im Lebensmittelmarkt zu ermöglichen, umsetzen
(www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/
koalitionsvertrag.pdf, S. 43)?
a) Wenn ja, wie konkret, bis wann, und erwartet die Bundesregierung
dadurch einen positiven Effekt auf die Einkommensentwicklung in der
Landwirtschaft?
b) Wenn nein, warum nicht?
18. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte vollständige Einführung der
Agrardieselrückvergütung umsetzen (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertra
g2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 43)?
a) Wenn ja, wie konkret, bis wann, und erwartet die Bundesregierung
dadurch einen positiven Effekt auf die Einkommensentwicklung in der
Landwirtschaft?
b) Wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 21. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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