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Berufsbildungsbericht 2025

dip / drucksache 06.11.2025 · WP 21 · 21/2750 · Unterrichtung · Original ↗

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Berufsbildungsbericht 2025 [Deutscher Bundestag Drucksache 21/2750 21. Wahlperiode 06.11.2025 Unterrichtung durch die Bundesregierung Berufsbildungsbericht 2025 Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 5. November 2025 gemäß § 86 des Berufsbildungsgesetzes. Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, ob Industriemechaniker, Sozialversicherungsfachangestellte oder Fachkraft im Gesundheitswesen – eine gute Ausbildung bietet jungen Menschen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen eine gute Perspektive. Sie ist ein individuelles und gesellschaftliches Zukunftsversprechen. Und sie stärkt die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft. Darum sollte uns der Berufsbildungsbericht 2025 motivieren, noch stärker für die berufliche Bildung zu werben. Aus ihm erfahren wir, dass im Ausbildungsjahr 2023/24 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zurückgegangen ist. Auch das Ausbildungsangebot fiel niedriger aus als im Vorjahr. Angestiegen ist dagegen die Zahl der Ausbildungssuchenden und unversorgten Bewerberinnen und Bewerber. Die Gründe sind ganz unterschiedlich. Sei es, dass zum Teil die Unternehmen wegen der wirtschaftlichen Lage weniger Ausbildungsplätze anbieten, sei es, dass Betriebe und Ausbildungsinteressierte nicht zueinanderfinden. Dabei brauchen wir dringend mehr beruflich quali fizierte Fachkräfte! Deshalb hat sich die Bundesregierung  vorgenommen, die berufliche Bildung attraktiver zu machen. Darum freue ich mich, dass wir mit dem neuen beruflichen Feststellungsverfahren seit dem 1. Januar 2025 auch berufserfahrenen Menschen ohne Abschluss  Bildungs­ und Karrierechancen ermöglichen. So kann die Küchenhilfe, die seit Jahren wie ein Koch in der Gastronomie arbeitet, ihre beruflichen Erfahrungen nachweisen lassen und damit adäquate Beschäftigung und Bezahlung finden. Daneben müssen wir auch die höherqualifizierende Berufsbildung weiter stärken, denn sie lohnt sich für den Einzelnen wie für die Gesellschaft. So steht es im vorliegenden Bericht. Sie stellt die Grundlage für Fachkräftekarrieren und Führungspositionen dar. Dabei muss klar sein: Es gibt nicht den einen Start in eine erfolgreiche Berufslaufbahn. Die Wege sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Wichtig ist, dass wir alle Berufswege wertschätzen. Ob Ausbildung, Fachschule oder Studium – alle sind gleichwertig und bieten viele Chancen. Ich bitte darum alle Beteiligten: Betriebe, allgemein­ und berufsbildende Schulen, die Kammern und die Familien – es kommt auf jeden an. Lassen Sie uns noch mehr für die Berufsausbildung werben, um junge Menschen für die vorhandenen vielfältigen Chancen zu begeistern. Mit freundlichen Grüßen Karin Prien Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – II – KAPITEL 1 Inhaltsverzeichnis Hinweis! 3 Das Wichtigste kompakt 5 1 Der Ausbildungsmarkt 2024 und seine Herausforderungen 6 2 Die Ausbildungsmarktsituation 2024 22 2.1 Die Bewerbersituation ......................................................................................................................................... 22 2.1.1 Entwicklung der Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger und Ausblick bis 2030 ................... 22 2.1.2 Nachfrage nach einer dualen Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG)/Handwerksordnung (HwO) ............................................................................... 23 2.1.3 Entwicklung des Übergangsbereichs/Übergang in Ausbildung ...................................................................... 26 2.2 Das Ausbildungsangebot ..................................................................................................................................... 30 2.2.1 Angebotene Ausbildungsstellen nach BBiG/HwO ............................................................................................. 30 2.2.2 Betriebliche Ausbildungsbeteiligung ..................................................................................................................... 32 2.2.3 Ausbildung und duales Studium ............................................................................................................................. 34 2.3 Neue Ausbildungsverhältnisse und Ausbildungsbilanz 2024 ....................................................................... 35 2.3.1 Integrierte Ausbildungsberichterstattung ............................................................................................................ 35 2.3.2 Ausbildung in Berufen nach BBiG/HwO ............................................................................................................... 41 2.3.2.1 Neu abgeschlossene Ausbildungs verträge 2024 ................................................................................................. 44 2.3.2.2 Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge nach strukturellen Merkmalen ................................................. 50 2.3.2.3 Schulische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag .................. 60 2.3.3 Berufe außerhalb des dualen Systems: Anfängerinnen und Anfänger in Berufen des Gesundheitswesens ............................................................................................................................................ 62 2.3.4 Berufe außerhalb des dualen Systems: Anfängerinnen und Anfänger in Sozial- und Bildungsberufen ............................................................................................................................... 66 2.3.5 Berufe außerhalb des dualen Systems: Ausbildung in Berufen des Öffentlichen Dienstes ..................... 67 2.3.6 Prognose zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt 2025 .............................. 68 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 1 – 2 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 2.4 Entwicklung nach Ausbildungsstart ................................................................................................................. 69 2.4.1 Unversorgte Bewerberinnen und Bewerber und unbesetzte Stellen............................................................. 69 2.4.2 Verbleib der bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern gemeldeten Bewerbe rinnen und Bewerber .............................................................................................................................................................. 77 2.4.3 Nachvermittlung ......................................................................................................................................................... 82 2.4.4 Junge Menschen in Teilzeitberufs ausbildung ...................................................................................................... 84 2.4.5 Integration von jungen Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Ausbildung ..................................... 86 2.4.6 Vertragslösungen ........................................................................................................................................................ 91 2.4.7 Prüfungserfolg............................................................................................................................................................. 95 2.5 Übergang in den Arbeitsmarkt ........................................................................................................................... 96 2.5.1 Übernahmeverhalten der Betriebe/Übergang in Beschäftigung .................................................................... 96 2.5.2 Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss............................................................................................................. 96 2.5.3 Anerkennung ausländischer Berufs qualifikationen ........................................................................................... 98 2.6 Höherqualifizierende Berufs bildung und berufliche Weiter bildung ........................................................100 3 Gesamtüberblick der berufsbildungspolitischen Aktivitäten und Programme der Bundesregierung 106 4 Stellungnahme des Hauptausschusses im Bundesinstitut für Berufsbildung zum Entwurf des Berufsbildungsberichts 2025 138 4.1 Gemeinsame Stellungnahme von Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Länderbank ................................138 4.2 Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ..........................139 4.3 Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Arbeit nehmerinnen und Arbeitnehmer .................141 4.4 Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Länder ..........................................................................142 Verzeichnis der Schaubilder ............................................................................................................................................145 Verzeichnis der Tabellen ..................................................................................................................................................146 Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................................................................................147 Stichwortverzeichnis ........................................................................................................................................................148 Impressum 151 Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 2 – Hinweis! Der vorliegende Bericht gibt den inhaltlichen Stand vom April 2025 wieder. Angepasst wurden lediglich die enthaltenen Ressortbezeichnungen und Zuständigkeiten an den Stand der 21. Wahlperiode des Deutschen Bundestages. Gesetzlich ist durch den Berichtszeitraum, die Jährlichkeit des Berichts und den gesetzlichen Vorlagezeitpunkt (15. Mai) keine inhaltliche Aktualisierung möglich. Entwicklungen seit dem April 2025 werden in den Berufsbildungsbericht 2026 eingehen. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 3 – Das Wichtigste kompakt Anfängerinnen und Anfänger im (Aus-)Bildungsgeschehen Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Sektor „Berufsausbildung“ blieb gegenüber dem Vorjahr stabil. Sowohl die duale Berufsausbildung nach BBiG/HwO (–1,1 %) als auch die sogenannte sonstige schulische Berufsausbildung (–1,5 %) verzeichneten einen Rückgang, die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in der Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen stieg an (+2,1 %). Im „Übergangsbereich“ nahm die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger um 3,3 % zu. Im Sektor „Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung“ gab es einen Zuwachs von 13,9 %. Dieser geht insbesondere auf die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zurück. Im Sektor „Studium“ gab es 2024 einen leichten Anstieg (1,9 %). Leichtes Minus bei der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung Die aktuelle wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch in der Ausbildungsbilanz des Jahres 2024 wider. Nachdem sich der Ausbildungsmarkt zuletzt etwas von den Einbußen im Zuge der Covid-19-Pandemie erholt hatte, ist für 2024 eine Stagnation zu verzeichnen. Zum 30. September 2024 wurden 486.700  Ausbildungsverträge gezählt, 2.500 (–0,5 %) weniger als 2023. Die Zahl der betrieblichen Verträge lag mit 473.400 minimal (–0,3 % oder 1.500 Verträge) unter dem Vorjahresniveau. Die Zahl der außer betrieblichen Verträge ging um 7,1 % oder 1.000 auf 13.300 zurück. Rückgänge auch beim Ausbildungsangebot Bundesweit wurden 556.100 Ausbildungsstellen angeboten. Das Ausbildungsangebot (neu abgeschlossene Ausbildungsverträge plus unbesetzte Berufsausbildungsstellen) fiel somit 6.500 Stellen (–1,2 %) niedriger aus als im Vorjahr. Das betriebliche Ausbildungsangebot (ohne überwiegend öffentlich finanzierte Ausbildungsstellen) lag bei 542.800. Somit haben Betriebe und Unternehmen in Deutsch land 5.500 (–1,0 %) Ausbildungsplätze weniger zur Verfügung gestellt als im Vorjahr. Anstieg der Nachfrage nach dualer Berufsausbildung Nach Rückgängen in den Vorjahren ist die Nachfrage der jungen Menschen nach Ausbildung zum zweiten Mal in Folge leicht gestiegen. Die Nachfrage nach Ausbildung errechnet sich aus der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (realisierte Nachfrage) zuzüglich der Zahl der in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Personen, die noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind. Nach der traditionellen Nachfragedefinition lag die Nachfrage 2024 bei 517.900. Das sind 2.300 (+0,4 %) mehr als 2023. Die Nachfrage nach der erweiterten Definition ist auf 557.100 gestiegen (+4.200 bzw. +0,8 % zu 2023). Weiterhin Schwierigkeiten bei der Passfähigkeit von Angebot und Nachfrage Zum Stichtag 30. September waren noch 31.200 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt. Das ist ein neuer Höchststand bezogen auf die Zeitreihe seit 2009. Verglichen mit dem Vorjahr ist die Zahl der Unversorgten um 4.800 (+18,1 %) gestiegen. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative und weiterem Vermittlungswunsch in Ausbildung lag mit 39.200 ebenfalls über dem Vorjahresniveau (+1.900 bzw. +5,1 %). Insgesamt waren somit 70.400 Bewerberinnen und Bewerber noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle und wünschten eine entsprechende Vermittlung durch die BA. Das sind knapp 7.000 mehr als im Vorjahr (2023: 63.700). Bezogen auf alle gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber betrug ihr Anteil 16,3 % (2023: 15,1 %). Anders als in den Vorjahren ist die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen 2024 nicht weiter  gestiegen. Sie sank um 4.000 (–5,5 %) auf 69.400. Somit wies die Statistik der BA zum Stichtag 30. September (anders als in den beiden Vorjahren) mehr noch suchende Bewerberinnen und Bewerber als unbesetzte Stellen aus. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 5 – 6 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 1 Der Ausbildungsmarkt 2024 und seine Herausforderungen Ob demografischer Wandel, zunehmende gesellschaftliche Heterogenität oder Digitalisierung: Um die großen Herausforderungen bewältigen zu können, bedarf es unter anderem gut qualifizierter Fachkräfte und entsprechend ausgezeichnet ausgebildeten  Nachwuchses. Die Basis hierfür bildet eine verlässliche berufliche Bildung. Sie muss jungen Menschen die Fähigkeiten vermitteln, auf die es vor allem auch in Zukunft ankommen wird. Gleichzeitig muss die Ausbildung den jungen Menschen auch Chancen für eine erfolgreiche Karriere sowie individuelle Entfaltungs­ und Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten, um weiterhin attraktiv zu sein. Aus Perspektive junger Menschen ist eine gute berufliche Bildung die Basis für einen erfolgreichen Berufsweg und damit Voraussetzung, um die eigene wirtschaftliche Eigenständigkeit im Lebensverlauf zu erreichen und zu sichern. Auch die berufliche Weiterbildung sowie Karrierechancen spielen eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Eigenständigkeit. Zwischen den Geschlechtern zeigen sich z. T. noch deutliche Unterschiede u. a. in der Wahl der Ausbildungsberufe oder der Ausbildung in Teilzeit. Eine klischeefreie und geschlechtersensible Berufsorientierung sowie Personalentwicklung bleiben deshalb wichtig, um die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Berufsleben, aber auch die Fachkräftesicherung zu erreichen. Die schwache Wirtschaftslage macht sich am Arbeitsmarkt bemerkbar. 2024 sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung deutlich gestiegen. Die Arbeitskräftenachfrage ließ nach. Trotz dieser Entwicklungen bestanden in vielen Berufen weiterhin – teils starke – Fachkräfteengpässe. Diese Fachkräfteengpässe werden sich in Zukunft noch verstärken: In den nächsten zehn Jahren werden bis zu 4,5 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigte Fachkräfte den Arbeitsmarkt verlassen, was sich besonders stark im Bestand der Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung bemerkbar machen wird.1 Hinzu 1 Vergleiche Arndt, Franziska; Tiedemann, Jurek; Werner, Dirk (2024): Ältere Beschäftigte am Arbeitsmarkt – wertvolle Erfahrung stärker als Potenzial nutzen, Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftekommt, dass diese Entwicklung nicht durch den  Eintritt junger Fachkräfte ausgeglichen werden kann, da demografisch bedingt die Anzahl angehender Fachkräfte ebenfalls rückläufig ist. Vor diesem Hintergrund gilt es, die vorhandenen Potenziale der beruflichen Bildung bestmöglich zu nutzen. Dies ist auch aufgrund der tiefgreifenden Transformation, vor der die deutsche Wirtschaft infolge von Dekarbonisierung, Digitalisierung und Klimawandel steht, unerlässlich. Die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt wirkt sich auch auf den Ausbildungsmarkt aus. So ging die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen (betrieblich und außerbetrieblich) im Vergleich zum Jahr 2023 um 1,2 % auf 556.100 zurück. Die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge ist mit 486.700 ebenfalls leicht rückläufig (–0,5 %). Die traditionelle Ausbildungsnachfrage ist dagegen um 0,4 % auf 517.900 gestiegen, die erweiterte Nachfrage nahm um 0,8 % (557.100) zu.2 Der leichte Anstieg lässt darauf schließen, dass die Chancen einer Ausbildung zunehmend erkannt werden. Die Marktlage zum Berichtsende hat sich damit aus Sicht der nachfragenden jungen Menschen durch den Anstieg der noch suchenden Bewerber auf 70.400 (+10,5 %) und die Abnahme der noch unbesetzten Stellen auf 69.400 (–5,5 %) geringfügig verschlechtert.3 Wirft man einen genaueren Blick auf die unbesetzten Ausbildungsstellen, zeigt sich, dass mögliche Bildungskarrieren 2024 nicht realisiert wurden. So blieben im Handwerk rund 19.000 und damit 18 % aller betrieblich gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt. Absolut betrachtet war der Großteil der unbesetzten sicherung (KOFA) Köln (kofa.de/daten-und-fakten/studien/ aelterebeschaeftigte-am-arbeitsmarkt). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025; Fachkräftemonitoring für das BMAS – Mittelfrist prognose bis 2028 – BMAS (dort: Abbildung 12). 2 Hinweis: Der Vollständigkeit halber muss an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass nicht alle Nachfragen auch zu einem abgeschlossenen Ausbildungsvertrag führen. 3 Vergleiche Weller, Sabrina Inez; Christ, Alexander; Milde, Bettina; Granath, Ralf-Olaf (2024): Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2024. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September. Bonn. Fassung vom 12. Dezember 2024 (bibb.de/de/201811.php). Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 6 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 7 Ausbildungsplätze mit rund 42.000 dem Bereich Industrie und Handel zuzuordnen. Dies zeigt, dass in der beruflichen Bildung nicht nachgelassen werden darf, die Angebote zu optimieren. Eine der größten Herausforderungen des Jahres 2024 war es wie bereits im Vorjahr, Betriebe und junge Menschen zusammenzuführen. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage hat sich 2024 weiter geöffnet. Besetzungs­ und Versorgungsschwierigkeiten nehmen aufgrund regionaler, beruflicher und qualifikatorischer Disparitäten zu: Ausbildungsbewerberinnen und ­bewerber suchen zum Teil nicht in der Region, in der die Stellen ausgeschrieben sind. Berufliche Interessen und individuelle Fähigkeiten passen häufig nicht zu den angebotenen Ausbildungsstellen.4 Daher gilt es, Betriebe und junge Menschen entsprechend ihrer Interessen und Bedarfe zusammenzubringen. Um ihre Fachkräftebasis zu sichern, bilden Unternehmen mittlerweile immer mehr ausländische junge Menschen aus. Laut einer Unternehmensbefragung der Deutschen Industrie­ und Handelskammer (DIHK) hat im Jahr 2024 bereits jeder zweite Betrieb Auszubildende aus anderen Herkunftsländern ausgebildet oder sich darum bemüht, ausländische Auszubildende zu gewinnen (2024: 48 %; 2019: 41 %). Vor allem Betriebe, die 2023 Schwierigkeiten hatten, alle Ausbildungsplätze zu besetzen, haben sich dafür entschieden, Auszubildende aus anderen Herkunftsländern auszubilden. 42 % der kleineren Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitenden haben 2024  ausländische junge Menschen ausgebildet (2019: 33 %). Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden setzen auch weiterhin auf Auszubildende aus anderen Herkunftsländern (2024: 74 %; 2019: 71 %). Spitzenreiter bei der Ausbildung von ausländischen jungen Menschen ist das Gastgewerbe (74 %). Damit konnten im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Stellen besetzt werden. Ähnliche Entwicklungen gab es in der Verkehrsbranche (Transport/Logistik). Deutsche Betriebe beschränken sich dabei nicht auf das EUAusland: Mehr als ein Drittel der Unternehmen geben an, schon einmal Auszubildende aus Drittstaaten ausgebildet zu haben (35 %); ein Anstieg von 5 Prozentpunkten gegenüber 2019 (30 %). Dabei setzen 17 % 4 Vergleiche Risius, Paula; Herzer, Philip; Arndt, Franziska (2024): Unternehmen gehen Kompromisse bei der Azubi-Rekrutierung ein. IW-Kurzbericht, Nr. 58, Köln (https://www.iwkoeln.de/fileadmin/ user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2024/IW-Kurzbericht_ 2024-Azubi-Rekrutierung.pdf). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025. sowohl auf junge Menschen aus der EU als auch aus Drittstaaten. 18 % setzen sogar spezifisch auf Auszubildende aus Drittstaaten.5 2023/24 zeigt sich das erste Mal seit 2012/2013 ein Anstieg von gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern. Fast jede fünfte gemeldete Person besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit ist 2024 die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 94.000 gestiegen (+15,5 %) und macht 22 % des gesamten Bewerbermarktes aus, während die Zahl von deutschen  Bewerberinnen und Bewerbern gesunken ist (–1 %). Gleichzeitig sind ausländische Bewerberinnen und Bewerber am Ausbildungsmarkt weniger erfolgreich als deutsche Bewerberinnen und Bewerber, so haben 2024 nur 35 % der ausländischen Bewerberinnen und Bewerber eine Ausbildungsstelle gefunden (Deutsche 49 %).6 Betriebe, die an der DIHK­Unternehmens befragung 2024  teilgenommen haben, gaben als Hindernisse bei der Einstellung von Auszubildenden aus Drittstaaten Sprachbarrieren, Bürokratie sowie fehlenden Wohnraum in Betriebsnähe als Hauptgründe an.7 Wie in den Vorjahren werden in Kapitel 1 ausgewählte berufsbildungspolitische Maßnahmen der Bundesregierung in „Boxen“ dargestellt. Kapitel 3 beinhaltet einen tabellarischen Überblick über berufsbildungspolitische Aktivitäten und Programme der Bundesregierung. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Aktivitäten in der originären Zuständigkeit der Länder und anderer Partner. 5 Vergleiche Deutsche Industrie- und Handelskammer: Ausbildung 2024. Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung. Berlin (https://www.dihk.de/resource/blob/120726/b94f7c2e2aafd1d 6f67338f5dccd21dc/fachkraefte-dihk-ausbildungsumfrage- 2024-data.pdf). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025. 6 Vergleiche Statistik der BA, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024 (https:// statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/ Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/Generische-Publikationen/ AM-kompakt-Situation-Ausbildungsmarkt.pdf?__blob= publicationFile); Anmerkung: Der bis vor zwei Jahren rückläufige Trend der Bewerberzahlen dürfte vor allem mit der zunehmenden Digitalisierung und einer dadurch verbesserten Transparenz über die vorhandenen Ausbildungsangebote zusammenhängen. Immer mehr Unternehmen bieten ihre Ausbildungsstellen über Internetbörsen oder die eigene Internetpräsenz an. Auch die Online-Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit beinhaltet Ausbildungsstellenangebote. Auch die für Bewerberinnen und Bewerber bessere Ausbildungsmarktlage begünstigt prinzipiell die eigenständige Stellensuche. Die Meldequote ist deshalb in den letzten zehn Jahren von rund 70 % auf zuletzt rund 60 % zurückgegangen. 7 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 7 – 8 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Für Kapitel 1 und 2 ist darauf hinzuweisen, dass sich durch unterschiedliche Erhebungszeiträume sowie Datenverfügbarkeiten die Bezugsjahre einzelner Kennwerte unterscheiden (z. B. neu abgeschlossene Ausbildungsverträge Bezugsjahr 2024; Vertragslösungsquote Bezugsjahr 2023). I. Das Ausbildungsgeschehen 2024 (integrierte Ausbildungsberichterstattung) Bereits seit 2005 liefert die integrierte Ausbildungsberichterstattung (iABE) jährlich detaillierte Daten über das Ausbildungsgeschehen im Anschluss an die Sekundarstufe I. Die Daten gliedern sich nach folgenden vier Sektoren: „Berufsausbildung“, „Integration in Ausbildung (Übergangsbereich)“, „Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung (HZB)“ und „Studium“. Bei der Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im gesamten (Aus­)Bildungsgeschehen ist ein Anstieg von 3,9 % zu verzeichnen, der Zuwachs dürfte wie bereits in den Vorjahren auch auf mehr Anfängerinnen und Anfänger mit ausländischer Staatsangehörigkeit in allen vier Sektoren zurückzuführen sein. Traditionell stellt die „Berufsausbildung“ auch 2024 den größten Sektor dar. Hierzu zählen die duale Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO), die Berufsausbildung in Gesundheits­, Erziehungs­ und SozialwesenBerufen sowie die sonstige schulische Berufsausbildung inkl. Beamtenausbildung für den mittleren Dienst. Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Sektor Berufsausbildung belief sich 2024 auf insgesamt 691.165 (darunter 48,1 % Frauen) und blieb damit im Vorjahresvergleich stabil (–0,3 % zu 2023). Die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer, die eine Berufsausbildung begannen, stieg im Vergleich zu 2023 um 12 % auf 114.100.8 Innerhalb des Sektors Berufsausbildung ist die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer Ausbildung im dualen System um 1,1 % bzw. 5.000 gesunken. Sie lag 2024 bei 450.120, darunter 36,8 % Frauen. Auch die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer sonstigen schulischen Ausbildung (darunter auch die Beamten­ 8 Die Zahlen in Kapitel 1 wurden jeweils auf volle Hundert gerundet. Die absoluten Zahlen sind in Kapitel 2 ersichtlich. laufbahn mittlerer Dienst) ist 2024 mit 48.339 um 1,5 % gesunken, darunter 46,8 % Frauen. Für die Berufsausbildung im Gesundheits­, Erziehungs­ und Sozialwesen9 ergab sich nach den vorläufigen Daten der iABE 2024 ein Anstieg um 2,1 % bzw. 3.900, darunter 74,7 % Frauen.10 Damit ist die Zahl zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Der Sektor „Übergangsbereich“ beinhaltet Bildungsgänge, in denen junge Menschen auf eine Teilnahme an der Berufsausbildung vorbereitet werden. Hierzu zählen teilqualifizierende Bildungsgänge, aber auch Bildungsgänge mit dem Ziel, einen allgemeinbildenden Abschluss der Sekundarstufe I nachzuholen oder einen höheren Schulabschluss zu erwerben, sowie verpflichtende Praktika vor Aufnahme einer Berufsausbildung. Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangssektor lag 2024 bei 259.400, darunter 38,3 % Frauen. Dies ist ein Anstieg um 3,3 % bzw. 8.200 im Vergleich zu 2023. Die Zahl ist damit zum dritten Mal in Folge gestiegen. Diese Entwicklung beruht laut Statistischem Bundesamt (StBA) auf der sukzessiven Einmündung zugewanderter junger Menschen. So stieg die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer, die 2024 ein Bildungsprogramm zum Erwerb beruflicher Grundkenntnisse, zum Erlernen der deutschen Sprache oder zum  Nachholen eines Schulabschlusses anfingen, gegenüber 2023 um 11 % oder 11.300 Personen auf insgesamt 109.600.11 Bildungsgänge des Sekundarbereichs II, die junge Menschen an beruflichen oder allgemeinbildenden Schulen zur Fachhochschulreife oder allgemeinen Hochschulreife führen, zählen zum sogenannten Sektor „Erwerb der HZB“. Dieser Sektor zeigte 2024 im Vergleich zu 2023 einen deutlichen Anstieg um 13,9 % bzw. 56.900 Personen auf 467.300, darunter 53,4 % Frauen. Dieser geht insbesondere auf die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums 9 In der iABE wird hier der Begriff „schulische Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen“ (kurz: GES-Berufe) verwendet. Vergleiche auch Kapitel 2.3.1. 10 Zu beachten ist, dass die Daten der iABE im Konto I 05 („Schulische Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen“; „GES-Konto“) seit dem Berichtsjahr 2020 für einige Länder um die Daten zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann auf Basis der neuen Pflegeausbildungsstatistik (PfleA) ergänzt wurden. Vergleiche hierzu ausführlich Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 4. 11 Vergleiche StBA (2025): 4 % mehr junge Menschen beginnen 2024 einen Bildungsgang im Anschluss an die Sekundarstufe I oder ein Studium (Pressemitteilung Nr. 106 vom 20. März 2025) (https:// www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/ PD25_106_212.html). Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 8 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 9 (G9) in Nordrhein­Westfalen und Schleswig­Holstein zurück. Bereinigt um diesen G9­Effekt ist die Entwicklung im Sektor „Erwerb der HZB“ gegenüber dem Vorjahr jedoch stabil (± 0,0 %). In den Programmen zum Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung gab es im Jahr 2024 46.500 ausländische Anfängerinnen und Anfänger und damit 16 % mehr als 2023.12 Der vierte Sektor weist die Anzahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger an Hochschulen aus. Für diesen Sektor konnte im Jahr 2024 ein leichter Zuwachs der Anfängerzahlen um 1,9 % bzw. 9.441 auf 495.800 verzeichnet werden, darunter 52,0 % Frauen. Fast ein Drittel (29,3 %) sind ausländische Studienanfängerinnen und ­anfänger, auch aufgrund eines hohen Anteils an Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern. Der Zuwachs von ausländischen Studienanfängerinnen und ­anfängern betrug 10 % im Vergleich zum Vorjahr. Betrachtet man das (Aus­)Bildungsgeschehen 2024 im längeren Zeitverlauf (im Vergleich zum Jahr 2005), lassen sich wie bereits in den vergangenen Berichtsjahren Verschiebungen aus der dualen Berufsausbildung hin zu Berufsausbildungen im Gesundheits­, Erziehungs­ und Sozialwesen, ein Trend zu höheren Schulabschlüssen sowie eine gestiegene Studierneigung feststellen. 12 Vergleiche StBA (2025): 4 % mehr junge Menschen beginnen 2024 einen Bildungsgang im Anschluss an die Sekundarstufe I oder ein Studium (Pressemitteilung Nr. 106 vom 20. März 2025) (https:// www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/ PD25_106_212.html). Öffnung der Begabtenförderungswerke für die berufliche Bildung und Stipendien für Auszubildende Mit Stipendien unterstützt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt seit mehreren Jahrzehnten akademische und berufliche Talente. Seit 2024 hat das BMFTR dieses Angebot mit der  Pilotförderung Begabte Auszubildende und Fachkräfte in der Förderung der Begabtenförderungswerke (BAFF) strukturell in zweifacher Form erweitert: Zum einen umfasst die Stipendienförderung beruflich Begabter erstmals auch die Erstausbildung. Zum anderen öffnen sich die akademischen Begabtenförderungswerke für die berufliche Bildung. Dieses neue Angebot trägt dazu bei, die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung zu stärken und die Durchlässigkeit im Bildungssystem zu erhöhen. Zunächst sollen rund 1.000 Auszubildende aus drei Aufnahmejahrgängen 2024, 2025 und 2026 gefördert werden. Die Werke bieten den Auszubildenden eine Bildungspauschale von 300 Euro monatlich sowie ideelle Förderung zur Kompetenzstärkung, Persönlichkeitsentwicklung und Vernetzung. Zudem öffnen die Werke und die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) ihre ideellen Förderangebote für die jeweils andere Stipendiatenschaft. II. Leichter Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und leichter Rückgang beim Ausbildungsangebot, dafür etwas gestiegene Nachfrage nach dualer Ausbildung Die wirtschaftliche Lage spiegelt sich in der Ausbildungsbilanz des Jahres 2024 wider. Nachdem sich der Ausbildungsmarkt zuletzt etwas von den Einbußen im Zuge der Covid­19­Pandemie erholt hatte, ist für das Jahr 2024 eine Stagnation zu verzeichnen. So hat die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gemäß der Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum 30. September 2024 um 0,5 % (2.500 Verträge) im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Die Zahl der neu geschlossenen  Ausbildungsverträge lag 2024 somit bei 486.700. Mit Blick auf den strukturell und perspektivisch weiter großen Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften bleibt die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ein zentrales berufsbildungspolitisches Handlungsfeld. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 9 – 10 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Der Rückgang betrifft die außerbetrieblichen Aus bildungsverträge mit 7,1 % stärker (2023: 14.300; 2024: 13.300) als die betrieblichen Ausbildungsverträge, die nur um 0,3 % zurückgingen (2023: 489.200; 2024: 486.700). Während im Jahr 2023 in nahezu allen Zuständigkeitsbereichen die Neuabschlüsse zunahmen (Ausnahme Freie Berufe und Hauswirtschaft), zeigt sich im Jahr 2024 ein uneinheitlicheres Bild: Seeschifffahrt +7,1 %, Freie Berufe +3,5 %, Öffentlicher Dienst +1,6 %13 und Handwerk +0,2 %, Hauswirtschaft –5,8 %, Industrie und Handel –1,6 %, Landwirtschaft –0,7 %.14 Im Jahr 2020 gingen das Ausbildungsangebot und die Ausbildungsnachfrage junger Erwachsener noch nahezu parallel zurück und das Gesamtsystem schrumpfte, in den Folgejahren zeigten sich dagegen unterschiedliche Entwicklungen für Angebot und Nachfrage. Das seit 2021 kontinuierlich gestiegene Ausbildungsangebot ist im Jahr 2024 das erste Mal wieder geringfügig rückläufig. Dagegen ist die (erweiterte) Nachfrage nach Ausbildung im Jahr 2024 weiter gestiegen. Das Angebot an Ausbildungsstellen, das sich aus den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sowie den noch unbesetzten Ausbildungsstellen zusammensetzt, ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 6.500 (–1,2 %) auf 556.100 gesunken. Dabei ist der Rückgang des Ausbildungsangebots sowohl auf den Rückgang betrieblicher Ausbildungsangebote (Angebote von Betrieben, Unternehmen und Behörden) als auch außerbetrieblicher Angebote zurückzuführen. Betrachtet man die Entwicklungen der unbesetzten Ausbildungsstellen im dualen Ausbildungssystem, blieben im Vergleich zu den Vorjahren etwas weniger Ausbildungsstellen unbesetzt. Gemäß der Statistik der BA waren Ende September 2024 noch 69.000 Aus­ 13 Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Zuständigkeitsbereich Öffentlicher Dienst (BIBB-Erhebung zum 30. September) ist nicht mit den Angaben zur Ausbildungsleistung im Öffentlichen Dienst basierend auf der Personalstandstatistik des StBA vergleichbar (siehe Kapitel 2.3.5). Denn die Ausbildungsleistungen des Öffentlichen Dienstes in Ausbildungsberufen der gewerblichen Wirtschaft (z. B. Handwerk oder Industrie und Handel) werden bei der BIBB-Erhebung zum 30. September unter dem jeweiligen Zuständigkeitsbereich erfasst. Das Merkmal der Zugehörigkeit der Ausbildungsstätte zum Öffentlichen Dienst wird im Rahmen der BIBB-Erhebung zum 30. September nicht erhoben. 14 Die absoluten Zahlen finden sich in Kapitel 2.3.2.2. bildungsstellen unbesetzt. Das bedeutet einen Rückgang um 4.000 Stellen (–5,5 %) im Vergleich zum Vorjahr. Auch im Berichtsjahr 2024 ist die Ausbildungsnachfrage angestiegen. Für die traditionelle Nachfrage nach Ausbildungsstellen, die sich aus den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sowie den noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern ergibt, zeigte sich ein leichter Anstieg um 2.300 (+0,4 %) auf 517.900. Nachdem die Zahl der gänzlich unversorgten Bewerberinnen und Bewerber zum Stichtag 30. September in den Jahren 2021 und 2022 gesunken war, nimmt diese Zahl wie auch bereits im Vorjahr zu. So waren im Berichtsjahr 2024 31.200 Bewerberinnen und Bewerber als unversorgt gemeldet. Dies sind 4.800 bzw. 18,1 % mehr als 2023. Dies ist der höchste Wert für die Zahl der gänzlich unversorgten Bewerberinnen und Bewerber seit dem Jahr 2008 und liegt sogar über dem Wert von 2020 (29.300). Innerhalb der Gruppe der noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber zeigten sich über alle Altersgruppen sowie Schulabschlüsse kaum Unterschiede zum Jahr 2023. Betrachtet man die Zusammensetzung der Gruppe der Bewerberinnen und Bewerber, die überproportional unversorgt bleiben, sind hier unter anderem ältere Bewerberinnen und Bewerber, Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Staatsangehörigkeit, schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber, Bewerberinnen und Bewerber ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss und Bewerberinnen und Bewerber, die wiederholt einen Ausbildungsplatz suchen, vertreten. Gut jede und jeder vierte Unversorgte besitzt die (Fach­)Hochschulreife. Hier wird deutlich, dass sich in der Gruppe der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber sowohl junge Menschen mit einer niedrigen schulischen Qualifikation als auch mit hoher schulischer Qualifikation finden lassen. Junge Menschen mit Abitur streben dabei häufiger beliebte Ausbildungsberufe an, bei denen das Angebot geringer als die Nachfrage ist (wie z. B. künstlerisch­kreative Berufe oder IT­Berufe).15 Es ist zu vermuten, dass bei Nicht­Einmündung in den 15 Vergleiche Statistik der BA, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024. Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 10 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 11 gewünschten Ausbildungsberuf unversorgte Bewerberinnen und Bewerber mit (Fach­)Hochschulreife sich häufig zu einem Studium umorientieren. Der hohe Anteil der Unversorgten mit (Fach­) Hochschulreife könnte im kommenden Jahr im Flächenland NRW, wo der Anteil unversorgter Bewerberinnen oder Bewerber über dem bundesweiten Durchschnitt liegt, abnehmen, da es dort durch die Umstellung zum Schuljahr 2019/20 von G8 auf G9 zu einer „AbiturLücke“ kommen wird. Gleichzeitig könnte sich dadurch die Stellenbesetzung für die Betriebe noch schwieriger gestalten. Auch für die Ausbildungsnachfrage nach der erweiterten Definition wurde im Jahr 2024 ein Anstieg verzeichnet. Diese bezieht Personen ein, die zwar noch eine Ausbildungsstelle suchen, aber bereits über eine Alternative wie einen weiteren Schulbesuch, einen Studienplatz oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme verfügen. Die erweiterte Nachfrage stieg um 4.200 Personen auf 557.100. Dies stellt ein Plus von 0,8 % dar. Gegenüber dem Berichtsjahr 2019 verbleibt ein Abstand von –7,0 %. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative ist 2024 um 1.900 Personen (+5,1 %) auf 39.200 gestiegen. 2024 überstieg die Ausbildungsnachfrage (557.100) das erste Mal seit 2019 das Ausbildungsangebot (556.100 Stellen, davon 542.800 betrieblich), allerdings nur minimal und auch nur unter Berücksichtigung der erweiterten Definition (die traditionelle Ausbildungsnachfrage lag 2024 bei 517.900). Fasst man die dargestellten Kennwerte zusammen, so ergibt sich für das Jahr 2024 eine Angebots­ NachfrageRelation (ANR) von 107,4 (2023: 109,1). Dies bedeutet, dass rechnerisch 100 ausbildungsplatznachfragenden Personen 107,4 angebotene Ausbildungsstellen  gegenüberstanden. Damit war die ANR im Jahr 2024 erneut rückläufig, aber weiterhin positiv für die  Nachfragenden. Zurückzuführen ist dies auf den Anstieg der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber und den Rückgang des Ausbildungsangebotes. Die erweiterte ANR liegt mit 99,8 im Jahr 2024 nach zwei Jahren erstmalig wieder unter dem Wert 100. Zwischen 2009 und 2023 ist die eANR stetig gestiegen. Der Trend, dass dem gegebenen Ausbildungsangebot immer weniger Nachfragende gegenüberstehen, setzt sich 2024 damit erstmalig nicht mehr fort. Die Einmündungsquote der ausbildungsinteressierten jungen Menschen (EQI) war mit 67,6 wieder etwas niedriger als in den Vorjahren (2022: 68,0; 2023: 68,9). Bezogen auf die Zeitreihe seit 2009 ist es der vierthöchste Wert. EANR und EQI geben somit Hinweise darauf, dass sich die Marktlage aus Sicht der eine Ausbildung suchenden jungen Menschen im Jahr 2024 rechnerisch geringfügig verschlechtert hat. III. Ausbildung in Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens Die Ausbildung in den Berufen des Gesundheits­, Erziehungs­ und Sozialwesens stellt neben der dualen Ausbildung die zweite Säule der Berufsausbildung in Deutschland dar. Bei der Berufsausbildung in den Berufen des Gesundheits­, Erziehungs­ und Sozialwesens handelt es sich um Ausbildungsgänge außerhalb von BBiG und HwO, die sich nach bundes­ oder landesrechtlichen Bestimmungen regeln. Durchgeführt werden sie an Berufsfachschulen, Schulen des Gesundheitswesens und Fachschulen. Ein Teil dieser Ausbildungen ist dual strukturiert.16 Dieser Ausbildungsbereich hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Er hebt sich damit von den anderen schulischen Ausbildungsberufen ab. Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer Ausbildung in den Gesundheits­, Erziehungs­ und Sozialberufen stieg zwischen 2005 und 2024 um 35,0 % an. Nach den vorläufigen Daten der iABE 2024 lag die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in einem Ausbildungsberuf des Gesundheits­, Erziehungsund Sozialwesens bei 192.713 (darunter 74,7 % Frauen). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 2,1 %. Auf den Bereich der Gesundheitsberufe (ohne die bundes gesetzlich geregelte Pflegeausbildung17), 16 Viele der bundes- sowie landesrechtlich geregelten Gesundheits-, Sozial- und Bildungsberufe werden sowohl im Betrieb (z. B.  Krankenhaus) als auch am Lernort Schule (z. B. Pflegeschule) ausgebildet. Dennoch ist der Begriff „schulische“ Berufsausbildung für diese dual strukturierten Bildungsgänge bislang etabliert. Dabei treffen die Begrifflichkeiten keine Aussage über die Wertigkeit dieser Säule der Berufsausbildung in Deutschland. 17 Daten über Auszubildende nach dem Pflegeberufegesetz werden seit dem 1. Januar 2020 im Rahmen der „Statistik nach der Pflegeberufe- Ausbildungsfinanzierungsverordnung“ erhoben und veröffentlicht. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 11 – 12 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 welcher die Ausbildungen in den bundesrechtlich geregelten anderen Heilberufen umfasst, wie beispielsweise Ergotherapeutin bzw. Ergotherapeut sowie die landesrechtlich geregelten Ausbildungen in den Berufen der Pflegefachassistenz sowie die Assistenzund Helferberufe in der Pflege, entfielen gemäß dem Statistischen Bericht „Berufliche Schulen und Schulen des Gesundheitswesens – Berufsbezeichnungen – Schul jahr 2023/24“ des StBA insgesamt rund 51.400 Schülerinnen und Schüler im ersten Ausbildungs jahr (darunter 70,6 % Frauen). Dies stellt  insgesamt einen Anstieg von 15,7 % bzw. rund 7.000  Personen im Vergleich zum Vorjahr dar (vgl. auch dies bezügliche Ausführungen in Kapitel 2.3.3). Der Bereich der Sozial­ und Bildungsberufe umfasst u. a. die Ausbildungsberufe Erzieherin und Erzieher, Kinderpflegerin und Kinderpfleger, Heilerziehungspflegerin und Heilerziehungspfleger sowie die Ausbildung zur Sozialassistentin bzw. zum Sozial assistenten. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler im ersten Ausbildungsjahr lag im Schuljahr 2023/2024 bei rund 77.600 Personen (darunter 79,0 % Frauen). Das bedeutet einen Anstieg um 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr. IV. Herausforderungen bei der Zusammenführung von Angebot und Nachfrage haben auf beiden Seiten zugenommen Das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage (Passung) auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin eins der zentralen berufsbildungspolitischen Handlungsfelder, da sowohl die Zahl der erfolglos angebotenen Ausbildungsplätze (Besetzungsprobleme) als auch die Zahl der erfolglosen Ausbildungsplatznachfragerinnen und ­nachfrager (Versorgungsprobleme) signifikant ist. Dabei können vielfältige Gründe zu einer geringeren Passung von Angebot und Nachfrage beitragen (z. B.: Berufswünsche der jungen Menschen decken sich nicht mit dem Bedarf der Betriebe, eingeschränkte Passung von regionaler Nachfrage und regionalem Angebot, fehlende Übereinstimmung der Qualifikationen von Bewerbenden und der Anforderungsprofile der Betriebe). Auf der einen Seite hat zwar die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze (69.400) etwas abgenommen (–5,5 %), was aber auch mit der allgemein gesunkenen Zahl (502.000) der im Jahr 2024 gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen zusammenhängen kann. Auf der anderen Seite ist die Zahl der gänzlich unversorgten Bewerberinnen und Bewerber 2024 weiterhin gestiegen. Die Zahl der noch suchenden Bewerber (gänzlich unversorgte plus Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative) belief sich 2024 auf 70.400, was eine Zunahme um 10,5 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. So übersteigt die Zahl der noch suchenden Bewerberinnen und Bewerber minimal die unbesetzten Stellen. Der Anteil noch suchender Bewerberinnen und Bewerber ist im aktuellen Berichtsjahr leicht angestiegen auf 12,6 % gegenüber 11,5 % im Vorjahr. Der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen am betrieblichen Gesamtangebot ist von 13,4 % auf 12,8 % gesunken. Dennoch bleiben die Herausforderungen für Betriebe bei der Stellenbesetzung in vielen Ausbildungsberufen weiterhin bestehen. Bei der Passung von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt gibt es wie in den Vorjahren weiterhin deutliche berufliche und regionale Unterschiede. So sind manche Ausbildungsberufe bereits seit einigen Jahren durch besondere Stellenbesetzungs probleme gekennzeichnet (siehe auch Kapitel 2.4.1). Je nach Ausbildungsberuf kann das Interesse junger Menschen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit zum Beratungsjahr 2023/2024 fiel die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen insbesondere in Berufen im Bereich Lebensmittelherstellung und ­verkauf, im Hoch­ und Tiefbau oder auch im Verkauf sehr viel höher aus als die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber. In diesen Berufen stehen die Chancen für junge Menschen gut, einen Ausbildungsplatz zu finden. Deutlich weniger gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber gab es beispielsweise im Friseur handwerk, in der Softwareentwicklung, in der Tischlerei, in Kfz­Berufen sowie in Büro­ und Verwaltungsberufen oder auch in künstlerisch­kreativen Berufen. Neben Unterschieden nach Zuständigkeitsbereichen lassen sich auch regionale Unterschiede  feststellen. Betrachtet man die Bewerber­Stellen­Relation, hatten Bewerberinnen und Bewerber aus Berlin die größten Heraus forderungen, einen Ausbildungsplatz zu finden – gefolgt von Hessen, Nordrhein­Westfalen, Bremen, Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg. Die besten Chancen auf einen Ausbildungsplatz hatten dagegen Bewerberinnen und Bewerber aus Thüringen Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 12 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 13 und Bayern, gefolgt von Hamburg, Baden­Württemberg und Mecklenburg­Vorpommern.18 Ausbildungsgarantie Um allen jungen Menschen ohne Berufsabschluss den Zugang zu einer vollqualifizierenden, möglichst betrieblichen Berufsausbildung zu eröffnen, wurde eine Ausbildungsgarantie eingeführt. Zum Gesamtkonzept zur Ausbildungsgarantie gehören verschiedene Handlungsfelder, u. a. die Stärkung der beruflichen Orientierung, die Förderung von Mobilität und die Flexibilisierung der Einstiegsqualifizierung. Auch Jugendberufsagenturen werden als zentrale Akteure am Übergang von der Schule in den Beruf weiterentwickelt. Wer trotz eigener Bemühungen und Unterstützungsangebote keinen betrieblichen  Ausbildungsplatz findet und in einer Region mit zu wenigen Ausbildungsplätzen wohnt, hat zudem einen Anspruch auf außerbetriebliche Berufsausbildung. Assistierte Ausbildung (AsA) Die Assistierte Ausbildung (§§ 74 und 75a SGB III) unterstützt ausbildungsreife junge Menschen bei der Aufnahme und dem erfolgreichen Abschluss einer betrieblichen Berufsausbildung. Das Unterstützungsangebot richtet sich auch an Ausbildungsbetriebe. Um dem individuellen Bedarf der Ausbildungssuchenden und Auszubildenden Rechnung zu tragen, ist das Instrument sehr flexibel gestaltet. Es beinhaltet neben Hilfen zum Abbau von Sprachdefiziten und „Stützunterricht“ zum Abbau von Bildungsdefiziten auch die Förderung der Fachpraxis und Fachtheorie, bietet aber auch Angebote zur sozialpädagogischen Begleitung. Den Teilnehmenden steht beim Träger der Assistierten Ausbildung eine feste Person zur Ausbildungsbegleitung zur Verfügung. Auch Teilnehmende an einer Einstiegsqualifizierung sowie der jeweilige Betrieb können durch die begleitende Phase der Assistierten Ausbildung unterstützt werden. Aktuell geht es  insbesondere darum, die Inanspruchnahme des Instrumentes zu erhöhen, indem die Möglichkeiten der Assistierten Ausbildung bekannter gemacht und diese in gezielten Aktionen beworben werden. 18 Vergleiche Statistik der BA, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024. Auch qualifikatorische Eigenschaften der Bewerberinnen und Bewerber (z. B. Art des Schulabschlusses, Schulnoten, soziale und sprachliche Kompetenzen) haben einen Einfluss auf die Vermittlungswahrscheinlichkeit. Obwohl im Jahr 2024 fast zwei Drittel (65,5 %) der unbesetzten Ausbildungsstellen (rund 45.500) für Personen mit Hauptschulabschluss zur Verfügung standen, blieben rund 20.700 junge Menschen mit Hauptschulabschluss erfolglos bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.19 Dies macht deutlich, dass Betriebe und Ausbildungsinteressierte besser geografisch und beruflich zusammenfinden müssen.20 Zudem kann eine noch größere Offenheit gegenüber jungen Menschen mit und ohne Behinderungen mit voraussichtlich höherem Unterstützungsbedarf seitens der Betriebe sowohl bei der Rekrutierung als auch während der Berufsausbildung eine Chance bieten. 80 % der von der DIHK befragten deutschen Ausbildungsunternehmen erkennen bereits die  Herausforderungen und zugleich Potenziale „unzu reichend gebildeter“ Schulabgängerinnen und Schul abgänger und setzen dort an. So bietet mehr als jeder dritte Betrieb (37 %) firmeninterne Nach hilfe an.21 Studien zufolge bilden bisher weniger als 23 % der ausbildenden Betriebe Menschen mit Behinderungen aus, obwohl die Ausbildung von Menschen mit Behinderungen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine Möglichkeit bieten kann, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und die Betriebsvielfalt zu fördern.22 Nach den Daten der BIBB­Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09.2024 19 Ergänzung: Erfolglos blieben auch weitere 44.800 andere ehemalige Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss, die sich bereits vor dem 30.9. abgemeldet hatten. 20 Vergleiche Weller, Sabrina Inez; Christ, Alexander; Milde, Bettina; Granath, Ralf-Olaf (2024): Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2024. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September. Bonn. Fassung vom 12.12.2024. 21 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin. 22 Vergleiche Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Artikel vom 26. November 2024 (https://www.kofa.de/mitarbeiter-finden/zielgruppen/menschen- mit-behinderung/ausbildung/). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025; Metzler, Christoph; Seyda, Susanne; Wallossek, Luisa; Werner, Dirk (2017): Menschen mit Behinderung in der betrieblichen Ausbildung. IW-Analysen Nr. 114. Institut der deutschen Wirtschaft. Köln (https://www.iwkoeln.de/studien/christoph-metzler-susanne- seyda-dirk-werner-menschen-mit-behinderung-in-der- betrieblichen-ausbildung.html). Zuletzt aufgerufen am 29.01.2025. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 13 – 14 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 wurden 6.035 Ausbildungsverträge über Ausbildungsregelungen der zuständigen Stelle für Menschen mit Behinderungen (§ 66 BBiG und § 42r HwO) neu abgeschlossen. Dies entsprach einem Anteil von 1,2 % an allen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Die große Mehrheit von 5.206 Verträgen wurden dabei überwiegend öffentlich finanziert, 829 Verträge sind überwiegend betrieblich finanziert.23 Bei der Rekrutierung von Auszubildenden sollten Lernschwierigkeiten (knapp 30 % der Förderschülerinnen und Förderschüler) und andere Förderbedarfe wie Sehen, Hören oder körperliche Einschränkungen (knapp 70 % der Förderschülerinnen und Förderschüler) stärker von Betrieben berücksichtigt werden, indem beispielsweise bei Stellenanzeigen auf Barrierefreiheit geachtet wird und Menschen mit Behinderungen gezielt angesprochen werden.24 Die Gründe, dass Betriebe und junge Menschen sich nicht finden (können), sind vielfältig. Eine Ursache der Schwierigkeiten beim Zusammenführen von Angebot und Nachfrage kann – neben den bereits bekannten – auch in der unterschiedlichen Kommunikation zwischen Ausbildungsinteressierten und Unternehmen liegen. So zeigt eine kombinierte Jugend­ und Unternehmensbefragung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2024, dass sich Betriebe und junge Menschen zwar überwiegend einig über die notwendigen Informationswege (Online­Stellenausschreibungen, Vermittlung durch die BA und Social Media) sind, allerdings beim Thema Social Media eine Diskrepanz besteht. Hier finden Angebot und Nachfrage eher seltener zueinander. Instagram ist sowohl bei Unternehmen als auch bei jungen Menschen am beliebtesten. Während Facebook von 71 % der Unternehmen genutzt wird, um über ihre Ausbildungsplätze zu informieren, nutzt es nur ein Viertel der jungen Menschen bei der Suche nach Ausbildungsangeboten. Junge Menschen nutzen häufiger YouTube (47 %), WhatsApp (38 %) und TikTok (30 %), die wiederum von den Unternehmen deutlich seltener bespielt werden 23 Vergleiche Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (2024); Hinweis: Werden Menschen mit Behinderungen in anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet (vgl. § 64 BBiG), wird dies nicht gesondert erfasst und kann daher nicht gesondert ausgewiesen werden. 24 Vergleiche Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Artikel vom 26. November 2024 (https://www.kofa.de/mitarbeiter-finden/zielgruppen/menschen- mit-behinderung/ausbildung/). Zuletzt aufgerufen am 29.01.2025. (z. B. YouTube nur von 18 %).25 Von den von der DIHK befragten Betrieben nutzt gut die Hälfte Social Media (ohne Instagram)26, Instagram nutzen 45 % der Betriebe. Sie bewerten den Einsatz von Social Media inkl.  Instagram mehrheitlich positiv bei der Rekrutierung von Auszubildenden. TikTok, YouTube und WhatsApp werden dagegen seltener genutzt und nur bedingt effektiv von den Betrieben eingeschätzt, da die Bewerbung auf den Ausbildungsplatz nicht unmittelbar erfolgt.27 Eine stärkere Orientierung am Medienverhalten von jungen Menschen könnte von Vorteil sein, um mehr potenzielle Bewerberinnen und Bewerber zu erreichen. Auch die analoge Kommunikation kann sich laut der Studie bei bestimmten Zielgruppen bewähren, so nutzen vor allem junge Menschen mit niedriger Schulbildung Stellenanzeigen in Zeitungen oder den Aushang an „schwarzen Brettern“ in Schulen häufiger, als Unternehmen es bisher tun.28 Schlussendlich kommt es nicht nur darauf an, die genutzten Rekrutierungswege an das Medienverhalten der jungen Menschen anzupassen, sondern über sie auch die Informationen zu transportieren, die für die jungen Menschen relevant sind und sich an ihren Interessen und Bedarfen orientieren. Auch die (nicht vorhandenen) Informationen in Stellenanzeigen können einen Einfluss auf potenzielle Auszubildende haben. 2024 wurde die Analyse von Mindest­Schulabschlüssen von 2,4 Millionen OnlineStellenausschreibungen für Ausbildungsplätze der Bewerbungsjahre 2018/19 bis 2022/23 veröffentlicht. Aus der Analyse der Bertelsmann Stiftung geht hervor, dass immer mehr Online­ Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze keine Angaben zum geforderten Schulabschluss enthalten (58 % im Bewerbungsjahr 2022/23; 50,8 % in 2018/19). Dieser Befund kann darauf hindeuten, dass Betriebe damit den individuellen Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber mehr Bedeutung zumessen wollen 25 Vergleiche Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft (2024): Vom Mismatch zum Match: Wie sich Jugendliche und Unternehmen auf dem Ausbildungsmarkt suchen und finden (können). Eine kombinierte Jugend- und Unternehmensbefragung. Gütersloh und Köln (https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/ publikation/did/vom-mismatch-zum-match-wie-sich- jugendlicheund-unternehmen-auf-dem-ausbildungsmarkt-suchen-und- findenkoennen). Zuletzt aufgerufen am 13. Januar 2025. 26 Aufteilung nach folgenden Kategorien: Instagram, Social Media, TikTok/YouTube/WhatsApp und LinkedIn/Xing/Facebook. 27 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin. 28 Vergleiche Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft (2024). Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 14 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 15 und/oder, dass sich Betriebe mit diesem Vorgehen mehr Bewerbungen erwarten. Dabei adressiert nur ein kleiner Anteil (15,3 %) der Online­ Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze junge Menschen mit niedriger Schulbildung. Ausbildungsbetriebe, die Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, adressieren ihre Online­ Stellenausschreibungen mittlerweile allerdings schon häufiger an junge Menschen mit niedriger Schulbildung.29 Angesichts der zunehmenden Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt wurde für die BA­BIBB­ IABBewerberstudie 2024 das Thema Berufsorientierung als Schwerpunktthema festgelegt. Da die Befragung noch bis Frühjahr 2025 im Feld ist, können die Ergebnisse erst im Berufsbildungsbericht 2026 aufgegriffen werden. V. Im Fokus: Steigende Zahl von Ukrainerinnen und Ukrainern in dualer Berufsausbildung Das duale Ausbildungssystem spielt im Kontext von Fluchtmigration nach Deutschland eine wichtige Rolle: Es ist eine Säule bei der Integration geflüchteter Menschen sowohl im Alltag als auch am Arbeitsmarkt und trägt so gleichzeitig zur Minderung der in Deutschland in vielen Berufen herrschenden Fachkräfte engpässe bei. Dies zeigte sich bereits im Kontext der Fluchtmigration nach Deutschland in den Jahren 2015 und 2016. Ab 2022 kam aufgrund des Krieges in der Ukraine erneut eine große Zahl junger Geflüchteter nach Deutschland. Als Folge war die ukrainische Wohnbevölkerung in Deutschland von 155.310  Personen im Jahr 2021 auf 1.164.200 Personen im Jahr 2022 extrem stark gewachsen (ein Zuwachs von über einer Million bzw. +649,6 %). Bei denjenigen im ausbildungsrelevanten Alter zwischen 15 und 30 Jahren fiel der Zuwachs 2022 mit +661,5 % im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls sehr stark aus (Anstieg von knapp 32.000  Personen im Jahr 2021 auf knapp 243.000 im Jahr 2022). Viele der jungen Ukrainerinnen und Ukrainer möchten längerfristig in Deutschland bleiben. Eine duale Ausbildung bietet ihnen die Möglichkeit, sich gute Voraussetzungen für die Zukunft am Arbeits­ 29 Vergleiche Schnelle, Caroline (2024). Big-Data-Einblicke in den Ausbildungsmarkt. Eine Analyse von Mindest-Schulabschlüssen in Online-Stellenanzeigen für Ausbildungsplätze. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Gütersloh./(https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ publikationen/publikation/did/big-data-einblicke-in- denausbildungsmarkt).Zuletzt aufgerufen am 14.01.2025. markt zu schaffen. Eine Auswertung30 des BIBB anhand der Daten der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.)31 zeigt, dass sich die Zahl der ukrainischen Menschen, die 2023 einen Ausbildungsvertrag im dualen System der Berufsausbildung abschlossen, im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat.32 Mit einem Anstieg von 111,6 % (von 882 auf 1.866, ein Plus von knapp 1.000 Neuabschlüssen) fiel dieser prozentual zwar noch deutlich geringer aus als der Bevölkerungsanstieg im Vorjahr, die Entwicklung nach der Fluchtbewegung 2015 hat allerdings gezeigt, dass das Einmünden geflüchteter Menschen in das duale System meist rund zwei Jahre in Anspruch nimmt. Daher ist ein weiterer Anstieg für das Jahr 2024 zu erwarten. Mehr als die Hälfte (53,3 %) der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge innerhalb der Gruppe der ukrainischen Auszubildenden wurde 2023 mit Frauen geschlossen. Damit liegt der Frauenanteil in dieser Gruppe sowohl deutlich über dem der Auszubildenden mit deutscher Staatsangehörigkeit (35,5 %) als auch über dem der ausländischen Auszubildenden insgesamt (40,2 %). Am häufigsten schlossen ukrainische Auszubildende 2023 einen neuen Ausbildungsvertrag im Beruf „Zahnmedizinische Fachangestellte/ Zahnmedizinischer Fachangestellter“ ab, gefolgt von „Fachinformatikerin/Fachinformatiker“, „Kraftfahrzeugmechatronikerin/Kraftfahrzeugmechatroniker“, „Koch/Köchin“, „Steuerfachangestellter/ Steuerfachangestellte“ und „Hotelfachfrau/Hotelfachmann“.33 30 Vergleiche Schmidt, Robyn; Kroll, Stephan (2024): Integration junger Geflüchteter in das duale System der Berufsausbildung als wichtige Säule zur Fachkräftesicherung: Wie gut gelingt sie? Deskriptive Auswertungen auf Basis der Berufsbildungsstatistik. Bonn. URL: https://res.bibb.de/vet-repository_782970 31 Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bereitet die Auszubildenden-, Vertrags- und Prüfungsdaten (duale Berufsausbildung nach BBiG bzw. HwO) der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) im „Datensystem Auszubildende“ (DAZUBI) auf. Abzurufen unter: https://www.bibb. de/de/1864.php 32 Eine Gesamtübersicht zur Entwicklung des Auszubildendenbestands, der Neuabschlüsse und verschiedener Indikatoren des Ausbildungsverlaufs (Prüfungsteilnehmerinnen/Prüfungsteilnehmer, Absolventinnen/Absolventen, vorzeitige Vertragslösungen) bei den  ausländischen Auszubildenden in der dualen Berufsausbildung nach Staatsangehörigkeiten findet sich unter: https://www.bibb.de/ dokumente/xls/dazubi_zusatztabellen_auslaendische-azubis_ staatsangehoerigkeiten_ab2008.xlsx 33 In welche Ausbildungsberufe sowohl die ausländischen Auszubildenden insgesamt als auch einzelne Staatsangehörigkeitsgruppierungen am häufigsten einmünden, zeigt die nachfolgend verlinkte Zusatztabelle auf DAZUBI: https://www.bibb.de/dokumente/xls/dazubi_ zusatztabellen_auslaendische-azubis_berufe_2022-2023.xlsx Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 15 – 16 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Viele der unter Ukrainerinnen und Ukrainern am stärksten besetzten Berufe sind Berufe, die von der Bundesagentur für Arbeit als Engpassberufe (also Berufe, bei denen Unternehmen größere Besetzungsschwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben) identifiziert werden. Dazu gehören neben dem Beruf Zahnmedizinische Fachangestellte/Zahnmedizinischer Fach angestellter auch Berufe im Hotelservice, Berufe in der  System gastronomie, Berufe in der Kraftfahrzeug technik, Berufe in der Mechatronik, Köchinnen/Köche (o. S.34), Medizinische Fachangestellte/Medizinischer Fachangestellter (o. S.) sowie Berufe im Bereich der Sanitär­, Heizungs­, Klimatechnik).35 Die Zahl der ukrainischen Prüfungsabsolventinnen/ Prüfungsabsolventen (erfolgreiche Prüfungsteilnehmerinnen/Prüfungsteilnehmer) ist bis einschließlich 2023 – wie zu erwarten – noch nicht auffällig gestiegen, da sie zunächst ihre Ausbildung beginnen und erfolg reich durchlaufen müssen. Ähnlich wie im Anschluss an die Fluchtbewegung 2015 ist zu erwarten, dass die Absolventenzahlen etwa vier bis fünf Jahre nach den Bevölkerungsanstiegen bzw. drei bis vier Jahre nach den Neuabschlussanstiegen ein starkes Wachstum zeigen. Ab 2026 dürfte sich die aktuell bereits zu beobachtende Zunahme bei den Neuabschlusszahlen schließlich auch in der Zahl der erfolgreichen Ausbildungsabsolventinnen und Absolventen widerspiegeln. Die Absolventinnen und Absolventen können anschließend als qualifizierte Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt übergehen – wovon sowohl sie selbst als auch Betriebe auf der Suche nach passenden Mitarbeitenden profitieren. Dies unterstreicht die wichtige Rolle, die die Integration der Geflüchteten in das duale System bei der Minderung von Fachkräfteengpässen einnimmt. VI. Betriebliche Beteiligung an dualer Ausbildung Nach Analysen des Bundesinstituts für Berufs bildung (BIBB) anhand der Daten der Beschäftigungsstatistik der BA beteiligten sich im Berichtsjahr 2023 402.800 Betriebe an der beruflichen Ausbildung von 34 ohne Spezialisierung 35 Vergleiche Bundesagentur für Arbeit (2024): Statistik/ Arbeitsmarktberichterstattung, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Juni 2024. Fachkräfteengpassanalyse 2023. Nürnberg. URL: https://statistik. arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_ Formular.html?topic_f=fachkraefte-engpassanalyse (Stand 09.01.2025). jungen Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Ausbildungsbetriebe um 5.900 (–1,4 %) gesunken. Die Ausbildungsbetriebsquote lag bei 18,8 % und ist damit im Vorjahresvergleich nahezu unverändert geblieben (2022: 18,9 %). Der Rückgang ist auf sinkende Bestände an Ausbildungsbetrieben bei Kleinst­ und Kleinbetrieben zurückzuführen. Bei mittleren Betrieben und Großbetrieben entwickelten sich die Bestandszahlen der Ausbildungsbetriebe leicht positiv. Das Ergebnis ist auch mit Bezug auf die ausgeprägten Stellenbesetzungsschwierigkeiten von kleineren Betrieben zu sehen. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund eines immer stärkeren Auseinanderdriftens des Ausbildungsangebots der Betriebe und der Zahl der nachfragenden jungen Erwachsenen zu sehen. Der aktuellen Unternehmensbefragung der DIHK ist zu entnehmen, dass fast jeder zweite IHK­Ausbildungsbetrieb (49 %) im Jahr 2023 nicht all seine angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnte. Im Zehnjahresvergleich (2013) entspricht dies einem Anstieg um 20 Prozentpunkte. Wie in den Vorjahren erhielt über ein Drittel der befragten Ausbildungsbetriebe mit unbesetzten  Ausbildungsplätzen im Jahr 2023 keine Bewerbung (35 %). 69 % der Betriebe, die nicht alle Ausbildungsstellen besetzen konnten, gaben als Grund für die Nichtbesetzung an, keine geeignete Bewerbung erhalten zu haben. Gleichzeitig gaben 80 % der befragten IHK­Ausbildungsbetriebe an, ihr Engagement in der beruflichen Orientierung in Zukunft weiter zu verstärken, um den Herausforderungen bei der Rekrutierung von Auszubildenden zu begegnen (z. B. Betriebspraktika für Schülerinnen und Schüler erhöhen). 13 % der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten waren vom „Azubi­Ghosting“ (d. h. potenzielle Auszubildende erscheinen trotz Abschluss eines Ausbildungsvertrags bei Ausbildungsbeginn nicht, ohne dies vorher anzukündigen) betroffen. Da zu diesem Zeitpunkt das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, ist in diesen Fällen eine Neubesetzung des Ausbildungsplatzes für Betriebe meist nicht mehr möglich. Rund 14 % der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten geben Vertragslösungen nach Ausbildungsbeginn durch den Auszubildenden an und 12 % der Betriebe haben selbst den Vertrag mit Auszubildenden gelöst. Damit gingen die Vertragslösungen in diesem Bereich jeweils um ein Prozent im Vorjahresvergleich zurück. Im Zehnjahresvergleich sind diese Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 16 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 17 Entwicklungen positiv: 2013 haben 20 % der Betriebe berichtet, dass Auszubildende ihre Stelle nicht antraten und bei 17 % der Betriebe wurde der Ausbildungsvertrag nach Ausbildungsbeginn gelöst. Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass die Berufsorientierung besser greift als noch vor zehn Jahren. Dennoch ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Besetzungsschwierigkeiten eine gezielte Berufsorientierung und eine vermehrte Nutzung sozialer Medien bei der Rekrutierung junger Auszubildender36 unerlässlich.37 VII. Übernahmeverhalten von Betrieben und Behörden Das Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt­ und Berufsforschung (IAB) liefert regelmäßig Ergebnisse zum Übernahmeverhalten von Ausbildungsbetrieben. Daten zur Übernahmequote der Auszubildenden (Anteil der übernommenen Auszubildenden mit erfolgreichem Berufsabschluss an allen Auszubildenden mit erfolgreichem Berufsabschluss) liegen aktuell für das Jahr 2023 vor. Eine BIBB­Untersuchung zu Kosten und Nutzen der dualen Ausbildung aus dem Jahr 2022 zeigt, dass sich die Ausbildung für viele Betriebe erst durch die Übernahme der Auszubildenden nach der Ausbildung auch betriebswirtschaftlich lohnt. Im Vergleich zur Einstellung neuer Fachkräfte sind die Auszubildenden dem Betrieb zum einen bereits bekannt und haben zum anderen bereits firmenspezifisches Humankapital erworben.38 Im Jahr 2023 wurden über drei Viertel (76 %) aller Absolventinnen und Absolventen von ihrem Ausbildungsbetrieb oder einem anderen Betrieb des Unternehmens übernommen. Für die restlichen 24 % liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob sie kein  Übernahmeangebot erhalten oder den Betrieb freiwillig verlassen haben. Grundsätzlich gilt: Je größer der Ausbildungsbetrieb, umso besser stehen die Chancen für Auszubildende, übernommen zu werden. So wurden Auszubildende in Betrieben mit 500 und mehr Beschäftigten im Jahr 2023 zu 90 % übernommen, während in Betrieben mit ein bis neun Beschäftigten nur 59 % der Auszubildenden übernommen wurden. Es gibt allerdings auch deutliche Branchenunterschiede. So werden am meisten Auszubildende in der öffentlichen Verwaltung (91 %) und in den Bereichen 36 Vergleiche Kapitel 1, IV. 37 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin. 38 Vergleiche Wenzelmann, Felix; Schönfeld, Gudrun (2022): Kosten und Nutzen der dualen Ausbildung aus Sicht der Betriebe. Ergebnisse der sechsten BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung. Bonn. Bergbau/Energie­/Wasserversorgung (88 %) sowie Information und Kommunikation (87 %) übernommen, in der Land­ und Forstwirtschaft dagegen nur 39 %. Die Übernahmequote hat sich gegenüber 2022 (77 %) nur unwesentlich verändert. Gegenüber dem Jahr 2010 ist sie jedoch mit einem Plus von 15 Prozentpunkten deutlich gestiegen.39 VIII. Weiterer Anstieg der Vertragslösungsquote vor dem Hintergrund einer günstigen Ausbildungsmarktlage für  junge Menschen Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung erfolgen in der Regel durch einen Aufhebungsvertrag oder durch Kündigung. Zur Einordnung der folgenden Ergebnisse ist es wichtig, zu ergänzen, dass nicht jede vorzeitige Vertragslösung einen  Abbruch der dualen Berufsausbildung darstellt und nicht jeder Abbruch eine Vertragslösung nach sich zieht. 40 In der Berufsbildungsstatistik liegen keine Verlaufsdaten vor, die eine Analyse des Verbleibs nach Vertrags lösungen erlauben würden. Nachdem im Jahr 2022 die Vertragslösungsquote41 im Bundesdurchschnitt auf 29,5 % deutlich anstieg, betrug sie im Jahr 2023 29,7 %. Sie hat sich somit im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Im längerfristigen Zeitvergleich schwankte die Lösungsquote im Bundesdurchschnitt viele Jahre zwischen 20 % und 25 %. 2016 zeigte sich mit 25,8 % erstmals ein Wert leicht oberhalb dieses Schwankungsbereichs. Seit 2008 stieg die Lösungsquote in den meisten Jahren an. 2020 ging die Lösungsquote deutlich zurück, 2021 und 39 Vergleiche Fitzenberger, Bernd; Leber, Ute; Schwengler, Barbara (2024): IAB-Betriebspanel: Rekordhoch beim Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen. IAB-Kurzbericht Nr. 16. Nürnberg (doku.iab.de/ kurzber/2024/kb2024-16.pdf), zuletzt aufgerufen am 24.01.2025; Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2024): Kennzahlen zur betrieblichen Ausbildung in Deutschland 2023 (iab.de/daten/ kennzahlen-zur-betrieblichen-ausbildung-in-deutschland-2023), zuletzt aufgerufen am 27.01.2025. 40 Vergleiche BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A5.6 Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen. Ergänzung: In der Berufsbildungsstatistik wird nicht erhoben, ob eine vorzeitige Vertragslösung einen kompletten Abbruch der dualen Berufsausbildung bedeutet, da sie keine personenbezogenen Verlaufsdaten liefert, auch der Verbleib nach einer Vertragslösung wird nicht erfasst. Da die Berufsbildungsstatistik nur Daten zu Verträgen bzw. Ausbildungsverhältnissen erhebt, die tatsächlich angetreten wurden, werden Vertragslösungen, die vor Antritt der Ausbildung erfolgen, nicht erfasst. 41 Es handelt sich hierbei nicht um eine personenbezogene Quote. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 17 – 18 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 2022 stieg sie dagegen wieder an (2021 um 1,6 Prozentpunkte und 2022 um 2,8 Prozentpunkte).42 2023 wurden Ausbildungsverträge von Frauen minimal häufiger vorzeitig gelöst als die von Männern (30,1 % zu 29,5 %). Ausbildungsverträge von ausländischen Auszubildenden wurden häufiger vorzeitig gelöst als diejenigen von Auszubildenden mit deutschem Pass (39,5 % zu 28,4 %). In den Ländern variieren die Lösungsquoten deutlich. Während die Lösungsquote in Baden­Württemberg durchschnittlich 26,3 % sowie 27,0 % in Bayern betrug, war sie mit 36,6 % in Berlin deutlich höher. Zwischen den Zuständigkeitsbereichen43 gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. In den Berufen des Handwerks zeigte sich mit 36,5 % im Bundesdurchschnitt die höchste Lösungsquote, auch bei den Freien Berufen (33,0 %) lag die Lösungsquote deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Eine sehr niedrige Lösungsquote von nur 9,2 % ergab sich lediglich für die Berufe des Zuständigkeitsbereichs Öffentlicher Dienst. Im Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel fiel sie mit 26,8 % unterdurchschnittlich aus. In den Berufen der Landwirtschaft fiel sie im Jahr 2023 aufgrund einer Änderung im Meldeverhalten überdurchschnittlich hoch aus.44 Betrachtet man die Vertragslösungsquote nach Schulabschlüssen, gilt: Je höher der Schulabschluss, desto niedriger die Lösungsquote (mit Studienberechtigung: 18,1 %, mit mittlerem Schulabschluss: 28,0 %, mit Hauptschulabschluss: 42,8 %, ohne Hauptschulabschluss: 44,1 %).45 Die Ursachen für Vertragslösungen sind sehr vielfältig und können von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Diese können von nicht­linearen (Aus­) Bildungsverläufen (z. B. Wechsel innerhalb des dualen 42 Vergleiche Uhly, Alexandra; Neises, Frank (2023): Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung und BIBB- Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025 (Kapitel A5.6). 43 Durchschnitt über alle Berufe im Zuständigkeitsbereich. 44 In Niedersachsens Landwirtschaft hat sich das Meldeverhalten geändert. Dort wurden – abweichend von anderen meldenden Stellen – erstmals auch von Beginn an vereinbarte Vertragslösungen (bei planmäßigen Berufsausbildungen in mehreren Ausbildungsbetrieben) als solche gemeldet, vergleiche auch Uhly, Alexandra; Kroll, Stephan; Schmidt, Robyn (2024): Erläuterungen zum  Datensystem Auszubildende (DAZUBI) – Hinweise zu den einzelnen Berichtsjahren. Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember). Datenstand 2023. Bonn 2024 und BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025 (Kapitel A5.6). 45 BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025 (Kapitel A5.6). Systems, Wechsel hin zum Hochschulbereich, kompletter Abbruch) über mangelnde Berufsorientierung, persönliche Gründe, weniger attraktive Ausbildungsberufe bis hin zu geringer Ausbildungsqualität, ungünstigen Ausbildungsbedingungen und unzureichenden Ausbildungsleistungen reichen.46 Der Berufsorientierung kommt somit sowohl als Entscheidungsgrundlage für die Berufswahl als auch für den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung eine immer wichtigere Rolle zu. In einer Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2024 gab über die Hälfte aller befragten jungen Menschen an (56 %), dass es aus ihrer Sicht zwar ausreichend Informationen zur Berufsorientierung gibt, es aber schwierig ist, sich darin zurechtzufinden. Die größten Schwierigkeiten haben dabei junge Menschen mit hoher Schulbildung (62 %), so wünschen sich vor allem Jugendliche mit hoher Schulbildung (41 %) mehr Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche (im Vergleich zu 34 % aller Befragten). Die größte Unterstützung erfahren dabei alle Jugendlichen von ihren Eltern (75 %), und zwar fast unabhängig von ihrer Schulbildung, was die Wichtigkeit einer noch stärkeren Einbindung der Eltern bei der Berufsorientierung verdeutlicht. Junge Menschen mit niedriger Schulbildung setzen vergleichsweise häufig (56 %) auf die Unterstützung durch die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit.47 44 % der befragten jungen Menschen mit hoher Schulbildung gehören zu den Unentschlossenen, die sich unter Umständen eine Ausbildung als  nachschulischen Bildungsweg vorstellen könnten. Diese Erkenntnis deutet darauf hin, dass bei der Berufsorientierung an Gymnasien noch weiterer Entwicklungsbedarf besteht. Junge Menschen mit niedriger 46 Vergleiche Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit Analyse zu beruflicher Bildung. Bielefeld 2024; Uhly, Alexandra (2015):  Vorzeitige Vertragslösungen und Ausbildungsverlauf in der dualen  Berufsausbildung. Forschungsstand, Datenlage und Analysemöglichkeiten auf Basis der Berufsbildungsstatistik. Bonn 2015; Krötz, Maximilian; Deutscher, Viola (2022): Drop-out in dual VET: why we should consider the drop-out direction when analysing drop-out. In: Empirical Research in Vocational Education and Training 14 (2022) (researchgate.net/ publication/357898458_Drop-out_in_dual_VET_why_we_should_ consider_the_drop-out_direction_when_analysing_drop-out). Zuletzt aufgerufen am 28.01.2025; Uhly/Neises 2023. 47 Vergleiche Barlovic, Ingo; Ullrich, Denise, Wieland, Clemens (2024): Ausbildungsperspektiven 2024. Eine repräsentative Befragung von jungen Menschen. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Gütersloh. Online verfügbar unter bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/ publikation/did/ausbildungsperspektiven-2024-1. Zuletzt aufgerufen am 20.01.2025. Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 18 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 19 Schulbildung dagegen sind größtenteils zufrieden mit den Informations­ und Unterstützungsangeboten, dafür sorgt sich über ein Fünftel dieser Gruppe um ihre tatsächlichen Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.48 Daher sollten die Maßnahmen der Betriebe für diese Zielgruppe sowohl bei der Rekrutierung als auch nach Beginn der Ausbildung (Unterstützungsangebote) verstärkt werden. Im Ausbildungsreport 2024 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gab die Mehrheit der rund 10.000 befragten Auszubildenden an, mit ihrer Ausbildung und mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern in den Betrieben zufrieden zu sein. So erlernt fast ein Drittel (30,7 %) der befragten Auszubildenden seinen Wunschberuf und weitere 39,9 % werden zumindest in einem von mehreren für sie interessanten Beruf ausgebildet. Über ein Fünftel der Auszubildenden (22,1 %) absolvierte seine Ausbildung allerdings in einem Beruf, der nicht geplant war. 7,3 % bezeichneten ihren Ausbildungsberuf als „Notlösung“. Die Auszubildenden in den von ihnen „ungeplanten Berufen“ sind deutlich seltener (sehr) zufrieden mit ihrer Ausbildung (54,9 %) als diejenigen in ihren Wunschberufen (83,8 %). Von den Auszubildenden, die ihren Ausbildungsberuf als „Notlösung“ bezeichneten, ist nur jede/r Dritte (33 %) mit der Ausbildung zufrieden. Gerade bei diesen Auszubildenden ist die Gefahr einer Vertragslösung oder sogar eines Ausbildungsabbruchs entsprechend deutlich erhöht.49 IX. Junge Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung In den letzten Jahren, insbesondere ab dem Jahr 2020, ist die Zahl junger Erwachsener ohne formalen Berufsabschluss im Alter von 20 bis 34 Jahren angestiegen. Nach Analysen des BIBB anhand der vorläufigen Daten des Mikrozensus50 lag die Quote der 20­ bis 34­Jährigen ohne formalen Berufsabschluss (nicht formal Qualifizierte [nfQ]; Ungelerntenquote) im Jahr 2023 bei 19,0 % (2022: 19,1 %). Hochgerechnet waren dies 2,86 Mio. nicht formal qualifizierte junge 48 Vergleiche Barlovic/Ullrich/Wieland (2024). 49 Vergleiche Ausbildungsreport der DGB-Jugend (2024). (https:// jugend.dgb.de/materialien/++co++4ff6c73e-4a78-11ef-9641- 55217e5128c5) und Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit Analyse zu beruflicher Bildung. Bielefeld 2024. 50 Aufgrund einer Umstellung des Mikrozensus werden die endgültigen Zahlen vrsl. erst im Sommer 2025 vorliegen. Erwachsene und damit genauso viele wie im Jahr 2022. Bei den 20­ bis 24­Jährigen betrug die Quote der Ungelernten 2023 16,8 % (2022: 16,6 %), bei den 25­ bis 34­Jährigen belief sie sich auf 19,9 % (2022: 20,1 %). Die um 3,1 Prozentpunkte höhere Quote der 25­ bis 34­Jährigen lässt sich damit erklären, dass Personen der jüngeren Kohorten sich noch zu größeren Teilen im Bildungswesen befinden. Betrachtet man die Quote nach Schulabschlüssen, gibt es große Unterschiede. Personen zwischen 20 und 34 Jahren mit einer Studienzugangsberechtigung hatten 2023 mit 7,9 % eine sehr geringe nfQ­Quote. Von den 20­ bis 34­Jährigen, die über keinen Schulabschluss verfügten bzw. keine Angaben machten, besaßen mehr als drei Viertel (77,5 %) keinen Berufsabschluss.51 Die hohe Zahl ungelernter junger Menschen zeigt, wie wichtig es ist, dass Betriebe weiterhin alle Potenziale nutzen und alle interessierten jungen Menschen bestmöglich dabei unterstützen, den Einstieg in die Berufsausbildung zu finden und einen beruflichen Abschluss zu erlangen. Hier gilt es vor allem auch bestimmte Gruppen verstärkt in den Blick zu nehmen, beispielweise Hauptschülerinnen und Hauptschüler sowie junge Menschen mit Einwanderungs geschichte, für die sich der Einstieg oftmals schwieriger gestaltet.52 Zugewanderte mit Ausbildungsabschluss sind zudem seltener erwerbstätig und gehen häufiger einer Tätigkeit auf Helferniveau nach als Personen ohne Zuwanderungserfahrung.53 Eine abgeschlossene Ausbildung fördert die wirtschaftliche Eigenständigkeit im Lebensverlauf und senkt das Risiko, (langzeit­)arbeitslos zu werden. So waren Männer, die eine im Jahr 2000 begonnene duale Berufsausbildung abgeschlossen haben, in den 20 Jahren nach Ausbildungsbeginn 4.540 Tage sozial versicherungspflichtig beschäftigt. Das ist 51 Vergleiche Kapitel A 11.2 im Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025. 52 Vergleiche Krug von Nidda, Sophie; Söhn, Janina (2022): Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Benachteiligung in betrieblichen Rekrutierungsprozessen vermeiden. Anregungen für Personalverantwortliche, Working Paper Forschungsförderung, Nr. 258, Düsseldorf (https://www.boeckler.de/fpdf/ HBS-008467/p_fofoe_WP_258_2022.pdf). Zuletzt aufgerufen am 22.01.2025. 53 Vergleiche Anger, Christina; Betz, Julia; Plünnecke, Axel (2024): INSM-Bildungsmonitor 2024. Potenziale der Zuwanderung im Bildungssystem heben. Institut der deutschen Wirtschaft, Köln. (https://files.insm.de/uploads/2024/07/Bildungsmonitor- 2024_08_28-1.pdf). Zuletzt aufgerufen am 17.01.2025. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 19 – 20 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 ungefähr 1,5 Mal länger als bei Männern, die ihre Ausbildung abgebrochen haben und auch danach keinen Berufsabschluss erworben haben (3.100 Tage). Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung (4.170 Tage) sind gegenüber denen ohne Berufsausbildung (2.600 Tage) 1,6 Mal länger beschäftigt. Auch im Hinblick auf die Dauer der Arbeitslosigkeit zeigt sich, dass Personen mit Berufsabschluss deutlich kürzer arbeitslos sind als Personen ohne Abschluss.54 Daher sollte bei der Berufsorientierung bzw. bei der Berufsberatung vermehrt sowohl auf die guten Arbeitsmarktchancen als auch auf die finanziellen Verdienstperspektiven nach einer Ausbildung hingewiesen werden,55 da eine abgeschlossene Berufsausbildung mit einem deutlich höheren Lebenseinkommen als bei Helfertätigkeiten einhergeht sowie auch zu einem höheren Einkommen im Vergleich zu einem Studium führen kann56, auch wenn dies vom erlernten und ausgeübten Beruf abhängt.57 54 Vergleiche Kotte, Volker (2024): Eine abgeschlossene Ausbildung lohnt sich. In: IAB-Forum – Grafik aktuell H. 10.05.2024 (https://iab. de/publikationen/publikation/?id=2228128). Zuletzt aufgerufen am 28.012025. 55 Vergleiche Anger, Silke; Goßner, Laura; Heß, Pascal; Jaschke, Philipp; Leber, Ute; Schels, Brigitte; Schreyer, Franziska, Toussaint (2024): Chancengleichheit und berufliche Bildung. IAB-Stellungnahme 2/2024: (https://doku.iab.de/stellungnahme/2024/sn0224.pdf). Zuletzt aufgerufen am 23.01.2025. 56 Vergleiche Stüber, Heiko (2022): Berufsspezifische Lebensentgelte. Ein Studium garantiert nicht immer das höchste Lebensentgelt, in: IAB-Kurzbericht, Nr. 18. Nürnberg (https://doku.iab.de/kurzber/ 2022/kb2022-18.pdf). Zuletzt aufgerufen am 27.01.2025. 57 Vergleiche Tiedmann, Jurek; Werner, Dirk (2024): Ausbildung lohnt sich: Die 20 lukrativsten Ausbildungsberufe. IW-Kurzbericht Nr. 64, Köln (https://www.iwkoeln.de/studien/jurek-tiedemann-dirk- werner-die-20-lukrativsten-ausbildungsberufe.html). Zuletzt aufgerufen am 30. Januar 2025. Feststellungsverfahren im Rahmen des Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetzes (BVaDiG) Mit dem neuen Feststellungsverfahren (greift seit dem 01.01.2025) können berufserfahrene Personen über 25 Jahren ohne einen dualen Ausbildungsabschluss auf Antrag bei der nach BBiG zuständigen Stelle (zum Beispiel Handwerkskammer oder IHK) ihre im Arbeitsleben erworbene berufliche Handlungsfähigkeit bewerten und den Umfang ihrer individuellen beruflichen Handlungsfähigkeit am Maßstab eines dualen Ausbildungsberufs feststellen und bescheinigen lassen. Voraussetzung ist insbesondere eine berufliche Tätigkeit in dem Referenzberuf von mindestens der 1,5 fachen regulären Dauer einer Ausbildung in dem Referenzberuf. Ist die individuelle berufliche Handlungsfähigkeit vollständig vergleichbar mit derjenigen, die Absolventinnen und Absolventen des Referenzberufs haben müssen, stellt die zuständige Stelle ein öffentlich-rechtliches Zeugnis über die vollständige Vergleichbarkeit aus. Bei lediglich überwiegender Vergleichbarkeit der beruflichen Handlungsfähigkeit wird eine öffentlich-rechtliche Bescheinigung hierüber ausgestellt. Ausnahmen gelten für Menschen mit Behinderungen. Die Altersgrenze von 25 Jahren gilt für sie nicht. Bei ihnen kann individuelle berufliche Handlungsfähigkeit am Maßstab eines Referenzberufs auch dann festgestellt und bescheinigt werden, wenn diese nicht überwiegend oder vollständig, sondern nur teilweise vergleichbar ist mit der für die Ausübung des Referenzberufs erforderlichen beruflichen Handlungsfähigkeit. Zudem kann auf Antrag der Bescheid zusätzlich zur Vergleichbarkeit mit dem Referenzberuf eine überwiegende oder vollständige Vergleichbarkeit mit einer Referenzberufsausbildungsregelung nach § 66 BBiG ausweisen. Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 20 – DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 21 Teilqualifikationen Die Bundesregierung unterstützt durch Projekte den Ansatz, mit Teilqualifikationen (TQ) in transparenten, strukturierten Schritten und aufbauend auf vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten auch nachträglich berufliche Qualifikationen zu erhalten bis hin zu einer vollständigen beruflichen Handlungsfähigkeit. TQ, abgeleitet aus dem dualen Ausbildungsberuf, bieten für An- und Ungelernte im Alter über 25 Jahren so häufig auch die Möglichkeit, über das Absolvieren einer Gesellen- oder Abschlussprüfung einen anerkannten Berufsabschluss zu erwerben. Sie stellen die grundsätzliche berufsbildungspolitische Präferenz für eine grundständige duale Ausbildung nicht infrage. Im Fokus der Projekte stehen die Weiterentwicklung einheitlicher struktureller Grundlagen sowie die Unterstützung von TQ-Angeboten für Beschäftigte und Arbeitsuchende in Transformationsbereichen. Ihre Erkenntnisse fließen u. a. in die Arbeitsgruppe des Hauptausschusses des BIBB ein, die eine Empfehlung zur Erarbeitung und Anwendung bundesweit einheitlicher Teilqualifikationen für die dualen Referenzberufe erarbeitet. X. Höherqualifizierende Berufsbildung Gemäß Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder haben 2023 rund 80.937 Prüfungsteilnehmerinnen und ­teilnehmer eine Fortbildungsprüfung nach BBiG oder HwO erfolgreich bestanden, darunter 27.153 Frauen.58 Dies ist ein leichter Rückgang von 3,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Prüfungserfolgsquote lag im Jahr 2023 bei 80,9 % (2022: 81,8 %). Wie in Kapitel 2.6 genauer ausgeführt wird, lohnt sich eine berufliche Höherqualifizierung sowohl im Hinblick auf die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten (z. B. Fachkarrieren, Personalverantwortung) als auch finanziell. 58 Die Daten beziehen sich auf die bei den im Sinne des Berufsbildungsgesetzes zuständigen Stellen abgelegten Fortbildungsprüfungen nach §§ 53 und 54 BBiG. Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS) Mit der NWS ist 2019 ein langfristig angelegter, übergreifender und sozialpartnerschaftlicher Austauschprozess zur Weiterbildungspolitik gelungen. Unter gemeinsamer Federführung von BMAS und BMBFSFJ verständigen sich die 17 NWS-Partner auf konkrete Maßnahmen und Aktivitäten mit dem Ziel, Weiterbildung in Deutschland weiter zu stärken und das Weiterbildungssystem zukunftsfest aufzustellen. Der zweite Umsetzungsbericht der NWS wurde im März 2025 veröffentlicht. Nationales Onlineportal für berufliche Weiterbildung „mein NOW“ Seit Januar 2024 ist eine erste Version von „mein NOW“ online verfügbar (mein-now.de) und bietet für  Unternehmen und Menschen im Erwerbsleben Informationen rund um das Thema berufliche Weiterbildung wie z. B. Förder- und Beratungsmöglichkeiten von Bund und Ländern sowie Weiterbildungsangebote. Das Portal wird fortlaufend weiterentwickelt und kann als digitale, selbstbestimmte Erstberatung unterstützen bei der Erschließung beruflicher Ent wicklungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 21 – 22 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 2 Die Ausbildungsmarktsituation 2024 2.1 Die Bewerbersituation 2.1.1 Entwicklung der Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger und Ausblick bis 2030 Demografiebedingt ist die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen in den letzten Jahren deutlich gesunken. 2023 verließen rund 82.900 Personen weniger die allgemeinbildenden Schulen als im Jahr 2010 (2010: 865.300; 2023: 782.400). Die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger mit Hauptschulabschluss fiel 2023 um 49.400 Personen niedriger aus als 2010 (2010: 179.800; 2023: 130.300).59 Ohne einen Hauptschulabschluss verließen 2.700  Personen mehr die allgemeinbildenden Schulen (2010: 53.100; 2023: 55.700). Die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger mit mittlerem Abschluss verzeichnete einen Rückgang um 14.500 (2010: 350.900; 2023: 336.400). Bei den studienberechtigten Abgängerinnen und Abgängern betrug das Minus 21.600 (2010: 281.600; 2023: 260.000). Insgesamt ist im langfristigen Vergleich ein Trend zu höheren Schulabschlüssen zu beobachten. Der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss an allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern sank von 20,8 % im Jahr 2010 auf 16,7 % im Jahr 2023. Zuwächse waren bei den Personen mit mittleren Abschlüssen (2010: 40,5 %; 2023: 43,0 %) und den Studienberechtigten zu verzeichnen (2010: 32,5 %; 2023: 33,2 %). Noch deutlicher wird diese Entwicklung, wenn das Jahr 2000 für den Vergleich herangezogen wird (2000: Hauptschulabschluss: 25,1 %, mittlerer Abschluss: 39,9 %, Studienberechtigung: 25,7 %). Auch Umstrukturierungen in der Schullandschaft spielen bei diesen Entwicklungen eine Rolle. 59 Alle Zahlen wurden auf ein Vielfaches von 100 gerundet. Dies gilt auch für die absolute Veränderung zum Vergleichsjahr. Hier wurde erst der Wert berechnet und dann gerundet. Insofern kann es zu Abweichungen zwischen diesem Wert und dem Wert kommen, der sich ergibt, wenn man die Differenz der hier ausgewiesenen gerundeten Werte der beiden Jahre bildet. Zu beachten ist, dass allgemeinbildende Schulabschlüsse nicht nur an allgemeinbildenden Schulen erworben werden, sondern auch an beruflichen Schulen. Nach der Vorausberechnung der Schüler­ und Absolventenzahlen der Kultusministerkonferenz (KMK)60 unterliegt die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in den nächsten Jahren einigen Schwankungen. 2024 dürfte sie geringfügig niedriger ausgefallen sein. In den Jahren 2025 und 2026 wird sie voraussichtlich merklich sinken (Tiefstand 2026: 743.400). Dieser Rückgang wird in erster Linie auf die rückläufige Zahl der studienberechtigten Schulabgängerinnen und Schulabgänger zurückzuführen sein (vergleiche Schaubild 1). Hier ist ein Zusammenhang mit der Rückkehr zum neunjährigen Abitur in Bayern, Nordrhein­Westfalen und Schleswig­Holstein zu sehen.61 Bis 2030 steigen die Zahlen wieder auf 827.200 an. Die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger liegt dann zwar über dem Wert von 2023 (782.400), aber noch deutlich unter den Abgängerzahlen früherer Jahre. Die Prognose zeigt, dass die Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs eine Herausforderung darstellt. 60 Vergleiche KMK (2024): Vorausberechnung der Zahlen der Schülerinnen/Schüler und Absolvierenden 2022 bis 2035 (Dokumentation Nr. 242 vom 8. November 2024 Berlin (https://www.kmk.org/ fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_242_ Vorausberechnung_Schueler_Abs_2023_2035.pdf). 61 Eine Übersicht zu G8/G9 nach Ländern kann dem Internetangebot der KMK entnommen werden (kmk.org/themen/ allgemeinbildendeschulen/bildungswege-und-abschluesse/sekundarstufe-ii- gymnasiale-oberstufe-und-abitur.html). Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 22 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 23 62 62 Für geschlechtersegregierte Daten zu diesem wie auch zu weiteren Schaubildern bzw. Tabellen wird, sofern nicht aufgeführt, auf den Datenreport zum Berufsbildungsbericht bzw. die Veröffentlichungen der KMK verwiesen. Schaubild 1: Entwicklung der Zahl der Abgängerinnen und Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen 1992 bis 203061 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 0 ohne Hauptschulabschluss mit Hauptschulabschluss A B mittlerer AbschlussD C Studienberechtigung E Insgesamt 203020252020201520102005200019951992 782.423 827.231 130.322 135.531 260.032 278.497 336.361 357.166 55.708 56.037 A B C D E 2.1.2 Nachfrage nach einer dualen Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG)/ Handwerksordnung (HwO) Im Berichtsjahr 2023/2024 haben bundesweit 431.552 Bewerberinnen und Bewerber die Agenturen für Arbeit und Jobcenter bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle eingeschaltet. Das waren 9.493 (+2,2 %) mehr als im Vorjahr. Damit sind die Bewerbermeldungen erstmals seit 2012/2013 wieder gestiegen.63 Auch 2024 waren deutlich mehr Männer (269.765 bzw. 62,5 %) als Frauen (161.787 bzw. 37,5 %) als Bewerber bzw. Bewerberin gemeldet. 63 Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024 (statistik.arbeitsagentur.de/DE/ Navigation/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/ Produkte/Produkte-Nav.html). Tabelle 1 weist die gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber nach den Merkmalen Geschlecht, Alter, Nationalität, Schulabschluss und besuchte Schule aus. Ausführliche Informationen (einschließlich Zeitreihen) zum Verbleib der bei der BA gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber können Kapitel 2.4.2 entnommen werden. Quellen: StBA (2024): Allgemeinbildende Schulen. Schuljahr 2023/2024. Statistischer Bericht. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt. – KMK (2024): Vor ausberechnung der Zahlen der Schülerinnen/Schüler und Absolvierenden 2023 bis 2035 (Dokumentation Nr. 242). Berlin: KMK. Gemäß § 86 Absatz 2 BBiG errechnet sich die  Nachfrage nach Ausbildung aus der Zahl der zum Stichtag 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (realisierte Nachfrage) zuzüglich der Zahl der in der Statistik der BA gemeldeten Personen, die noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind. Nach Rückgängen in den Vorjahren verzeichnete die Nachfrage der jungen Menschen nach einer dualen Berufsausbildung zum zweiten Mal in Folge einen Zuwachs. Nach der traditionellen Definition lag die Nachfrage 2024 bei 517.862 (+2.299 bzw. +0,4 % zu 2023). Mit der traditionellen Nachfragedefinition wird die Zahl Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 23 – 24 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Ta be ll e 1: G em el de te B ew er be ri nn en u nd B ew er be r f ür e in e du al e B er uf sa us bi ld un g na ch a us ge w äh lt en M er km al en 20 19 20 20 ... 20 23 20 24 V er än de ru ng 2 02 4 zu 2 02 3 A nt ei le a n al le n ge m el de te n B ew er be ri nn en u nd B ew er be rn ab so lu t in % 20 19 20 20 ... 20 23 20 24 B ew er be ri nn en u nd B ew er be r in sg es am t 51 1. 79 9 47 2. 98 1 42 2. 05 9 43 1. 55 2 9. 49 3 2, 2 10 0, 0 % 10 0, 0 % 10 0, 0 % 10 0, 0 % G es ch le ch t M än ne r 31 3. 04 4 29 0. 69 1 26 2. 43 1 26 9. 76 5 7. 33 4 2, 8 61 ,2 % 61 ,5 % 62 ,2 % 62 ,5 % Fr au en 19 8. 74 2 18 2. 27 2 15 9. 62 8 16 1. 78 7 2. 15 9 1, 4 38 ,8 % 38 ,5 % 37 ,8 % 37 ,5 % A lt er U nt er 2 0 Ja hr e 32 9. 94 3 30 2. 40 2 27 9. 89 6 28 6. 47 0 6. 57 4 2, 3 64 ,5 % 63 ,9 % 66 ,3 % 66 ,4 % 20 b is u nt er 2 5 Ja hr e 14 4. 24 7 11 0. 62 0 11 0. 05 9 –5 61 –0 ,5 28 ,2 % 28 ,6 % 28 ,6 % 26 ,2 % 25 ,5 % 25 Ja hr e un d äl te r 37 .5 99 31 .5 38 35 .0 21 3. 48 3 11 ,0 7, 3 % 7, 5 % 7, 5 % 7, 5 % 8, 1 % N at io na lit ät D eu ts ch e 42 0. 84 1 39 0. 20 5 34 0. 53 4 33 7. 42 4 –3 .1 10 –0 ,9 82 ,2 % 82 ,5 % 80 ,7 % 78 ,2 % A us lä nd er 90 .9 56 82 .7 75 81 .5 24 94 .1 27 12 .6 03 15 ,5 17 ,8 % 17 ,5 % 19 ,3 % 21 ,8 % da ru nt er m it Fl uc ht hi nt er gr un d1) 36 .1 37 8, 4 % Sc hu la bs ch lu ss K ei n H au pt sc hu la bs ch lu ss 8. 53 2 7. 58 9 6. 25 9 6. 52 9 27 0 4, 3 1, 7 % 1, 6 % 1, 5 % 1, 5 % M it H au pt sc hu la bs ch lu ss 13 8. 23 4 12 7. 44 5 11 7. 14 1 11 9. 38 3 2. 24 2 1, 9 27 ,0 % 26 ,9 % 27 ,8 % 27 ,7 % R ea ls ch ul ab sc hl us s 20 4. 08 9 19 1. 65 6 17 3. 86 7 17 8. 29 8 4. 43 1 2, 5 39 ,9 % 40 ,5 % 41 ,2 % 41 ,3 % Fa ch ho ch sc hu lr ei fe 67 .9 62 61 .6 74 51 .9 35 51 .9 82 47 0, 1 13 ,3 % 13 ,0 % 12 ,3 % 12 ,0 % A llg em ei ne H oc hs ch ul re ife 68 .2 56 59 .4 05 48 .6 81 50 .0 97 1. 41 6 2, 9 13 ,3 % 12 ,6 % 11 ,5 % 11 ,6 % K ei ne A ng ab e 24 .7 26 25 .2 12 24 .1 76 25 .2 63 1. 08 7 4, 5 4, 8 % 5, 3 % 5, 7 % 5, 9 % B es uc ht e Sc hu le A llg em ei nb ild en de S ch ul e 24 0. 61 2 22 4. 67 1 21 1. 80 9 21 7. 98 7 6. 17 8 2, 9 47 ,0 % 47 ,5 % 50 ,2 % 50 ,5 % B er uf sb ild en de S ch ul e 19 9. 28 5 18 9. 74 9 16 9. 48 8 17 0. 36 0 87 2 0, 5 38 ,9 % 40 ,1 % 40 ,2 % 39 ,5 % H oc hs ch ul en u nd A ka de m ie n 27 .9 18 23 .7 39 18 .9 71 20 .7 18 1. 74 7 9, 2 5, 5 % 5, 0 % 4, 5 % 4, 8 % So ns tig e Sc hu le n 36 .8 42 28 .3 16 16 .5 00 16 .6 34 13 4 0, 8 7, 2 % 6, 0 % 3, 9 % 3, 9 % K ei ne A ng ab e 7. 14 2 6. 50 6 5. 29 1 5. 85 3 56 2 10 ,6 1, 4 % 1, 4 % 1, 3 % 1, 4 % 1) F ür u kr ai ni sc he S ta at sa ng eh ör ig e w ar en d ie a uf en th al ts re ch tl ic he n In fo rm at io ne n zu m F lu ch th in te rg ru nd in d en B er ic ht sm on at en M är z 20 22 b is e in sc hl . M är z 20 24 s ta rk u nt er er fa ss t. D es ha lb h at d ie B A a lle st at is tis ch en G rö ße n zu m „ A uf en th al ts st at us “ in d ie se m Z ei tr au m n ur u nt er A us sc hl us s vo n uk ra in is ch en S ta at sa ng eh ör ig en a us ge w ie se n. E nt sp re ch en d w ur de a uc h im le tz te n B er uf sb ild un gs be ric ht v er fa hr en . D er hi er f ür 2 02 4 be ric ht et e W er t s ch lie ßt w ie de r P er so ne n m it uk ra in is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it ei n. Z u be ac ht en is t d er H in w ei s de r B A : „D ie A nz ah l d er P er so ne n m it ei ne m A uf en th al ts st at us F lu ch t i st te ilw ei se z u ni ed rig in F ol ge te ils n oc h un vo lls tä nd ig er E rf as su ng fü r u kr ai ni sc he S ta at sa ng eh ör ig e. V er gl ei ch e m it de m Z ei tr au m M är z 20 22 b is M är z 20 24 s in d ni ch t a us sa ge kr äf tig . V or ja hr es ve rg le ic he s in d da he r n ic ht m ög lic h“ . Ve rg le ic he S ta tis tik d er B un de sa ge nt ur fü r A rb ei t, B er ic ht e: A rb ei ts m ar kt k om pa kt – S itu at io n am A us bi ld un gs m ar kt 2 02 3/ 24 . Q ue lle : S ta tis tik d er B A ; B er ec hn un ge n de s B IB B . Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 24 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 25 der ausbildungssuchenden jungen Menschen nicht vollständig abgebildet. Berufsbildungsbericht,  Datenreport und Nationaler Bildungsbericht64 weisen deshalb auch die erweiterte Nachfrage aus, die neben den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen (2024: 486.711) und den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern (2024: 31.151) auch Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative zum 30. September und weiterem Vermittlungswunsch in Ausbildung (2024: 39.234) einbezieht. Nach dieser erweiterten Definition ergibt sich für 2024 eine Nachfrage in Höhe von 557.096. Das entspricht einem Zuwachs um 4.217 (+0,8 %) gegenüber dem Vorjahr. Verglichen mit 2019, als die Nachfrage nach der erweiterten Definition mit 598.759 erstmals unter 600.000 gefallen war, ist ein Rückgang um 41.663 (–7,0 %) zu verzeichnen. In den Jahren 2017 und 2018 war die Nachfrage65 nach einer dualen Berufsausbildung vorübergehend gestiegen. Diese Entwicklung war auch darauf zurückzuführen, dass Bewerberinnen und Bewerber mit Fluchthintergrund zunehmend auf den Ausbildungsstellenmarkt gelangten. Dadurch konnte der demografisch bedingte Rückgang der Nachfrage kompensiert werden. 2024 wurden 36.137 Bewerberinnen und Bewerber mit Fluchthintergrund registriert. 22.799 waren Männer, 13.338 Frauen. 2024 entsprach der Frauenanteil bei den gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern mit Fluchthintergrund nahezu dem Anteil unter den deutschen Bewerberinnen und Bewerbern (36,9 % zu 37,3 %). Der Frauenanteil ist im Vergleich zu früheren Jahren gestiegen, weil im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mehr Frauen nach Deutschland gekommen sind. Für das Jahr 2023 konnte ein erster deutlicher Anstieg der Zahl der Ukrainerinnen und Ukrainer beobachtet werden, die einen Ausbildungsvertrag im dualen Berufsbildungssystem abgeschlossen haben (vergleiche auch Kapitel 1 „Im Fokus“).66 64 Vergleiche Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu beruflicher Bildung. wbv Publikation. 65 Dies trifft sowohl auf die Nachfrage nach der traditionellen als auch nach der erweiterten Definition zu. 66 Vergleiche Schmidt, Robyn; Kroll, Stephan (2024): Integration junger Geflüchteter in das duale System der Berufsausbildung als wichtige Säule zur Fachkräftesicherung: Wie gut gelingt sie? Deskriptive Auswertungen auf Basis der Berufsbildungsstatistik. Bonn (res.bibb. de/vet-repository_782970). Für die Entwicklung der Ausbildungsplatznachfrage spielt neben der wahrgenommenen Attraktivität einer dualen Berufsausbildung aus Sicht junger Menschen die demografische Entwicklung eine zentrale Rolle.67 Daher ist bei den hier dargestellten Entwicklungen auch zu beachten, dass die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen zwischen 2019 und 2023 um 2,3 % zurückgegangen ist.68 Hinzu kommt das im längeren Zeitvergleich rückläufige Meldeverhalten junger Menschen. So ist die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber von 2019 bis 2024 um 15,7 % zurückgegangen. Hierbei spielen neben der zunehmenden Digitalisierung (Ausbildungsangebote können online selbst gefunden werden) auch die verbesserte Ausbildungsmarktlage für junge Menschen eine Rolle, die es ihnen erleichtert, auch ohne die Vermittlungsdienste der BA einen Ausbildungsplatz zu finden. Durch die Covid­19­ Pandemie wurde dieser seit Langem andauernde Trend weiter verstärkt. Berechnungen der BA für das Jahr 2024 ergeben eine rechnerische Meldequote von 60 % der institutionell erfassten Ausbildungssuchenden.69 Zehn Jahre zuvor hatte die Quote noch bei 69 % gelegen. Bei den gemeldeten Ausbildungsstellen betrug die Meldequote 2024 76 % (zum Vergleich 2014: 79 %).70 Da die Meldequoten so weit auseinanderliegen, wird die Nachfrageseite auf dem Ausbildungsmarkt durch die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber sehr viel unvollständiger abgebildet als die Angebotsseite durch die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen.71 67 Vergleiche Weller, Sabrina Inez; Christ, Alexander; Milde, Bettina; Granath, Ralf-Olaf (2024): Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2024. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September (bibb.de/de/201811.php). 68 Vergleiche Kapitel 2.1.1. 69 Diese Größe ist identisch mit dem vom BIBB berechneten Anteil der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber an allen institutionell erfassten Ausbildungsinteressierten, wie sie auch schon frühere Berufsbildungsberichte ausgewiesen haben (vergleiche Berufsbildungsbericht 2022, Kapitel 2.1.2). Die Berechnung der Meldequote der gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist neu. 70 Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt: Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Nürnberg, Dezember 2024 (statistik.arbeits agentur.de/Statistikdaten/Detail/202412/arbeitsmarktberichte/ monatsbericht-monatsbericht/monatsbericht-d-0-202412-pdf). 71 Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024 (statistik.arbeitsagentur.de/DE/ Navigation/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/ Produkte/Produkte-Nav.html). Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 25 – 26 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Altbewerberinnen und Altbewerber Von den bundesweit 431.552 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern 2024 hatten sich 151.007 Personen auch schon in mindestens einem der letzten fünf Berichtsjahre für eine Ausbildungsstelle beworben. Das sind 3.548 (–2,3 %) weniger als 2023. Damit ist der Anteil der Bewerberinnen und Bewerber aus früheren Berichtsjahren an allen gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern nach Anstiegen in den Vorjahren zum dritten Mal in Folge gesunken. Dies gilt für das Bundesgebiet, Ost­ und Westdeutschland gleichermaßen.72 Tabelle 2, S. 27, zeigt die Entwicklung der Zahl der Bewerberinnen und Bewerber aus früheren Berichtsjahren im Bundesgebiet sowie für Ost­ und Westdeutschland. 72 Für eine längere Zeitreihe der Altbewerberanteile sei auf den Berufsbildungsbericht 2020 verwiesen. Anhand der Daten der BA/BIBB­Bewerberbefragungen 2006 bis 2016 hat das BIBB die Ausbildungschancen von Altbewerberinnen und Altbewerbern im Zeitvergleich untersucht. Demnach hat sich der Anteil der Altbewerberinnen und Altbewerber an allen gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern zwischen 2006 und 2016 erheblich verringert (2006: 40 %; 2016: 27 %). Auch 2018 war ihr Anteil weiter gesunken (2018: 25 %).74 Im Rahmen der BA/BIBB­Bewerberbefragung 2020 wurde ein leichter Anstieg des Anteils der Altbewerberinnen und Altbewerber auf 26 % ermittelt. 2021 blieb dieser Anteil mit 26 % konstant.75 Die Ergebnisse der BA/BIBB­Bewerberbefragungen zeigen, dass die Gruppe der Altbewerberinnen und Altbewerber sehr heterogen ist mit teils guten, aber auch zum Teil sehr schlechten Voraussetzungen. Je länger der Schulentlassungszeitpunkt zurückliegt, je schlechter das Zeugnis ausfällt, je älter die Bewerberin oder der Bewerber ist, desto geringer sind die Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz. 2.1.3 Entwicklung des Übergangsbereichs/ Übergang in Ausbildung Nicht allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern gelingt unmittelbar im Anschluss an die allgemeinbildende Schule der Übergang in eine Ausbildung. Neben dem Erwerb der Ausbildungsreife und der  Überbrückung von Ausbildungslosigkeit bieten Maßnahmen im Übergangsbereich jungen Menschen die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen oder vorhandene Schulabschlüsse zu verbessern. Durch die verstärkte Zuwanderung junger Geflüchteter, insbesondere seit dem Jahr 2015, dient der Übergangsbereich zunehmend auch dem Spracherwerb und der Integration dieser Gruppe. Die Einmündungen in den Übergangsbereich sind nach vorläufigen Ergebnissen der iABE76 zum 74 Vergleiche ausführlicher Berufsbildungsbericht 2019, Kapitel 2.4.2 sowie Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2019, Kapitel A 8.1.3. 75 Vergleiche Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2023, Kapitel A 8.1.3. 76 Vergleiche StBA (2025): Statistischer Bericht: Integrierte Ausbildungsberichterstattung – Vorläufige Ergebnisse, Berichtsjahr 2024. Wiesbaden (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft- Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Schulen/Publikationen/ Downloads-Schulen/statistischer-bericht- integrierteausbildungsberichterstattung-vorlaeufig-5211002247005.html) Bei der Interpretation der Daten ist zu beachten, dass die BA die Zuordnung zu den Jahreskategorien danach vornimmt, wann die Person zuletzt als Bewerberin oder Bewerber gemeldet war. Es sind also keine  Aussagen darüber möglich, ob eine Person, die zum letzten Mal ein Jahr vor dem Berichtsjahr gemeldet war, auch schon in früheren Jahren mit Unterstützung einer Agentur für Arbeit oder eines Jobcenters eine Ausbildungsstelle gesucht hatte. Entsprechend darf aus dem längeren Zurückliegen der letzten Erfassung als Bewerberin oder Bewerber nicht geschlossen werden, dass die Person sich während des gesamten Zeitraums vergebens um eine Ausbildungsstelle bemüht hat. Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung zu Altbewerberinnen und Altbewerbern Im Rahmen der BA/BIBB­Bewerberbefragung73 werden junge Erwachsene dann als Altbewerberinnen oder Altbewerber ausgewiesen, wenn sie angeben, sich schon einmal zu einem früheren Zeitpunkt um eine Ausbildungsstelle bemüht zu haben. Dabei ist es unerheblich, ob sie zu diesem früheren Zeitpunkt bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter als Ausbildungsstellenbewerberinnen oder ­bewerber registriert waren. 73 Hinweis: Die Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2024 werden in den Berufsbildungsbericht 2026 einfließen. Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 26 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 27 Tabelle 2: Bewerberinnen und Bewerber früherer Berichtsjahre Insgesamt darunter in den letzten 5 Berichtsjahren darunter 1 oder 2 Jahre vor Berichtsjahr davon in den letzten 5 Jahren vor dem  Berichtsjahr im  Vergleich zum Vorjahr 1 Jahr vor Berichtsjahr 2 Jahre vor  Berichtsjahr absolut relativ in % Bundesgebiet 2019 511.799 186.820 36,5 % 170.074 143.424 26.650 –2.414 –1,3 2020 472.981 183.898 38,9 % 162.807 135.817 26.990 –2.922 –1,6 2021 433.543 183.239 42,3 % 159.758 134.341 25.417 –659 –0,4 2022 422.400 165.491 39,2 % 142.237 119.940 22.297 –17.748 –9,7 2023 422.059 154.555 36,6 % 131.494 110.812 20.682 –10.936 –6,6 2024 431.552 151.007 35,0 % 133.027 112.560 20.467 –3.548 –2,3 Westdeutschland 2019 425.089 154.856 36,4 % 141.505 119.229 22.276 –3.239 –2,0 2020 392.382 152.368 38,8 % 135.052 112.455 22.597 –2.488 –1,6 2021 356.201 151.028 42,4 % 132.003 110.810 21.193 –1.340 –0,9 2022 345.595 135.184 39,1 % 116.300 97.647 18.653 –15.844 –10,5 2023 345.163 125.990 36,5 % 107.124 90.029 17.095 –9.194 –6,8 2024 353.213 122.723 34,7 % 108.075 91.021 17.054 –3.267 –2,6 Ostdeutschland 2019 86.224 31.899 37,0 % 28.514 24.146 4.368 828 2,7 2020 80.068 31.396 39,2 % 27.627 23.242 4.385 –503 –1,6 2021 76.789 31.949 41,6 % 27.501 23.286 4.215 553 1,8 2022 76.186 30.117 39,5 % 25.757 22.121 3.636 –1.832 –5,7 2023 75.808 28.311 37,3 % 24.127 20.551 3.576 –1.806 –6,0 2024 76.435 27.729 36,3 % 24.410 21.009 3.401 –582 –2,1 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts. dritten Mal in Folge gestiegen. Im Jahr 2024 begannen 259.430 Anfängerinnen und Anfänger eine Maßnahme im Übergangsbereich. Dies waren 8.170 junge Menschen mehr als im Vorjahr (+3,3 %; vergleiche Tabelle 3, S. 29).77 Der erneute Zuwachs des Übergangsbereichs ist  weiterhin stark durch Zuwanderung geprägt, insbesondere durch junge Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor allem in Programme zum Erlernen der deutschen Sprache einmünden.78 Diese Programme werden in der Regel dem Konto „Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) 77 Aufgrund von Datenrevisionen kommt es zu Abweichungen von früheren Darstellungen im Berufsbildungsbericht. 78 Vergleiche StBA (2024): Anfängerzahl in Bildungsprogrammen zwischen Schule und Ausbildung im Jahr 2023 erneut gestiegen. Pressemitteilung Nr. 113 vom 21. März 2024 (destatis.de/DE/ Presse/Pressemitteilungen/2024/03/PD24_113_212). inklusive einjähriger Berufseinstiegsklassen“ (II 03b) zugeordnet, welches mit 111.356 Anfängerinnen und Anfängern (43 % des Übergangsbereichs) das größte Konto im Übergangsbereich darstellt. Seit zehn Jahren verzeichnet dieses Bildungskonto den stärksten Anstieg aller Übergangskonten. Auch gegenüber dem Vorjahr zeigte sich ein erneuter Anstieg mit einem Plus von 14.132 Anfängerinnen und Anfängern (+14,5 %), dieser fällt jedoch durch eine veränderte Zuordnung von Bildungsgängen rund 8 Prozentpunkte höher aus.79 Der Zuwachs ohne die veränderte Zuordnung liegt bei rund 5 %. 79 Veränderte Zuordnung eines Bildungsgangs in Baden-Württemberg von Konto II 03a nach II 03b. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 27 – 28 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Weitere Bildungskonten im Übergangsbereich  verzeichneten ebenfalls Zuwächse: Die Konten „Einstiegsqualifizierung (EQ) der BA“ (II 06) (+520 bzw. +12,3 %), „Berufsvorbereitende Maßnahmen (BvB) der BA“ (II 05) (+1.290 bzw. +4,2 %), „Allgemeinbildende Programme an Berufsfachschulen“ (II 01) (+556 bzw. +2,8 %) und „Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine  berufliche Grundbildung vermitteln, die angerechnet werden kann“ (II 02a) (+1.053 bzw. 2,2 %). Demgegenüber zeigten alle anderen Bildungskonten rückläufige Entwicklungen, insbesondere das Konto „Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine  berufliche Grundbildung vermitteln, ohne Anrechnung“ (II 03a) (–8.988 bzw. –26,0 %). Auch hier fällt der  Rückgang aufgrund der veränderten Zuordnung eines Bildungsgangs wesentlich höher aus als in den  Vorjahren. Der Rückgang ohne die veränderte Zuordnung liegt bei rund 5 %. Betrachtet man die Entwicklung des Übergangsbereichs seit 2005, so zeigt die Entwicklungskurve (vergleiche auch 2.3.1) zwischen den Jahren 2005 und 2014 zunächst einen kontinuierlichen Rückgang der Einmündungszahlen. In den Jahren 2015 und 2016 stiegen die Zahlen der Anfängerinnen und Anfänger jedoch wieder an. Dieser Anstieg war im Wesentlichen auf die zunehmende Zahl Geflüchteter aus den syrischen Kriegsgebieten zurückzuführen. Bevor im Jahr 2022 die ukrainischen Geflüchteten in den Übergangsbereich eingemündet sind, hatte sich die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger zwischenzeitlich um rund ein Viertel reduziert. Diese Entwicklung war das Ergebnis verschiedener Faktoren: Zum einen ging die Zahl der jungen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Übergangsbereich um rund 40 % zurück (2021 zu 2016), da in diesem Zeitraum weniger Jugendliche nach Deutschland zugewandert sind und zusätzlich vermehrt junge Geflüchtete in Ausbildung eingemündet sind.80 Zum anderen ist auch die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in diesem Zeitraum gesunken. Dies und die verbesserte Situation auf dem Ausbildungsmarkt haben zusätzlich dazu geführt, dass insgesamt weniger junge Menschen nach der Schule eine Übergangsmaßnahme begonnen haben. Seit dem Jahr 2021 münden, wie oben erwähnt, jedoch wieder vermehrt Geflüchtete (insbesondere aus 80 Vergleiche Kapitel 2.4.5 sowie ausführlich Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 5.8 und A 12. der Ukraine) in den Übergangsbereich ein, weshalb die Anfängerzahlen seither wieder ansteigen (+15,4 % 2024 zu 2021). Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich nach ausgewählten Merkmalen Unter den Personen, die eine Maßnahme des Übergangsbereichs begannen, waren im Jahr 2024 junge Frauen mit einem Anteil von 38,3 % (2023: 38,7 %) seltener vertreten als junge Männer. Hohe Frauenanteile verzeichneten insbesondere die „Pflichtpraktika vor der Erzieherausbildung an beruflichen Schulen“ (II 04) (84,7 %) sowie die „Allgemeinbildenden Bildungsgänge an Berufsfachschulen zur Erfüllung der  Schulpflicht bzw. Nachholen von Abschlüssen der  Sekundarstufe I“ (II 01) (48,1 %). Den höchsten Männeranteil wies das „Berufsgrundbildungsjahr“ (II 02b) (75,8 %) auf, gefolgt von der „Einstiegsqualifizierung“ (II 06) (67,1 %). Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer im  Übergangsbereich lag im Jahr 2024 bei 42,3 % (2023: 39,2 %). Der Ausländeranteil fiel mit 45,2 % bei jungen Männern, die in eine Maßnahme im Übergangsbereich einmündeten, höher aus als bei jungen Frauen (37,6 %). Am häufigsten vertreten waren Anfängerinnen und Anfänger ohne deutsche Staatsangehörigkeit im „Berufsvorbereitungsjahr inklusive einjähriger Berufseinstiegsklassen“ (II 03b) (67,9 %) sowie in der „Einstiegsqualifizierung der BA“ (II 06) (34,4 %). Der Übergangsbereich bietet jungen Menschen die Möglichkeit, ihre individuelle Chance auf die Aufnahme einer Ausbildung zu verbessern. Insofern ist es  naheliegend, dass der überwiegende Teil der jungen  Menschen im Übergangsbereich über vergleichs weise niedrige bzw. keine Schulabschlüsse verfügt. Im Jahr 202381 stellten junge Menschen mit Hauptschulabschluss (mit Erstem Schulabschluss) mit 37,5 % den größten Anteil im Übergangsbereich (2022: 39,5 %). 32,9 % hatten keinen Hauptschulabschluss (ohne Ersten Schulabschluss) (2022: 30,4 %). Allerdings verfügten auch 18,3 % der jungen Menschen über einen mittleren Abschluss (2022: 19,2 %). Der Anteil der jungen Menschen mit Studienberechtigung im Übergangsbereich ist mit 1,4 % sehr gering (2022: 1,5 %). Der Anteil der Kategorie „Sonstige 81 Differenzierte Daten zur schulischen Vorbildung liegen für 2024 noch nicht vor. Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 28 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 29 Ta be ll e 3: E nt w ic kl un g de r A nf än ge rz ah le n im Ü be rg an gs be re ic h* 20 05 20 10 20 14 20 15 20 16 20 17 20 18 20 19 20 20 20 21 20 22 20 23 20 24 * V er än de ru ng zu 2 02 3 ab so lu t in % Se kt or : I nt eg ra ti on in  A us bi ld un g ( Ü be rg an gs be re ic h) 1 41 7. 64 9 31 6. 49 0 25 2. 82 0 26 6. 82 0 30 2. 88 0 28 3. 14 0 26 3. 93 0 24 9. 98 0 23 4. 62 0 22 4. 85 0 24 2. 02 0 25 1. 26 0 25 9. 43 0 8. 17 0 3, 3 A llg em ei nb ild en de P ro gr am m e an B er uf sfa ch sc hu le n (E rf ül lu ng d er S ch ul pfl ic ht b zw . A bs ch lü ss e de r S ek un da rs tu fe I) 68 .0 95 54 .1 80 44 .9 64 22 .3 12 25 .9 19 20 .1 08 20 .1 42 20 .0 01 21 .2 07 21 .4 02 20 .3 70 19 .6 14 20 .1 70 55 6 2, 8 B ild un gs gä ng e an B er uf sf ac hs ch ul en , d ie e in e be ru fl ic he G ru nd bi ld un g ve rm itt el n, d ie an ge re ch ne t w er de n ka nn 58 .7 06 47 .4 79 35 .5 81 47 .3 55 47 .0 17 47 .8 89 47 .5 86 47 .6 10 50 .4 05 48 .6 90 46 .8 71 46 .9 84 48 .0 37 1. 05 3 2, 2 B er uf sg ru nd bi ld un gs ja hr (V ol lz ei t/ sc hu lis ch ) 48 .5 81 30 .6 20 28 .4 08 6. 28 5 5. 95 7 5. 86 8 5. 71 5 5. 63 4 4. 55 0 4. 54 3 4. 36 3 4. 41 9 4. 35 3 –6 6 –1 ,5 B ild un gs gä ng e an B er uf s f ac h s ch ul en , d ie e in e be ru fl ic he G ru nd bi ld un g ve rm itt el n, o hn e A nr ec hn un g3 29 .1 06 24 .7 90 21 .4 90 41 .3 55 41 .6 52 43 .6 63 42 .5 52 39 .7 71 39 .3 33 36 .9 16 35 .8 97 34 .5 20 25 .5 32 –8 .9 88 –2 6, 0 B er uf sv or be re itu ng sj ah r ( B V J) in kl . e in jä hr ig er B er uf s ei ns tie gs kl as se n3 58 .4 32 40 .6 61 45 .4 60 73 .3 16 10 8. 49 4 94 .1 23 80 .8 56 75 .7 98 64 .3 60 64 .4 91 85 .3 56 97 .2 24 11 1. 35 6 14 .1 32 14 ,5 B ild un gs gä ng e an B er uf s s ch ul en fü r e rw er bs ­ tä tig e/ er w er bs lo se S ch ül er in ne n/ Sc hü le r o hn e A us bi ld un gs ve rt ra g 27 .0 35 19 .1 86 14 .3 93 17 .3 70 13 .7 81 12 .8 00 12 .4 47 12 .1 47 9. 43 5 7. 72 1 7. 72 0 7. 08 0 6. 86 6 –2 14 –3 ,0 B ild un gs gä ng e an B er uf s s ch ul en fü r S ch ül er ­ in ne n/ Sc hü le r o hn e A us bi ld un gs ve rt ra g, d ie al lg em ei nb ild en de A b sc hl üs se d er S ek un da rst uf e  I an st re be n 13 .4 77 6. 80 8 2. 32 4 40 0 28 0 31 2 47 4 51 0 42 7 39 4 39 3 40 4 32 6 –7 8 –1 9, 3 P fl ic ht pr ak tik a vo r d er E rz ie he ra us bi ld un g an be ru fl ic he n Sc hu le n2 3. 52 5 3. 85 4 3. 84 1 3. 82 9 3. 59 4 3. 66 5 3. 61 5 3. 32 1 3. 20 0 2. 99 1 5. 31 7 6. 13 1 6. 05 0 –8 1 –1 ,3 B er uf sv or be re ite nd e M aß na hm en (B vB ) d er  B A 91 .8 11 69 .9 30 46 .1 50 44 .7 60 44 .0 20 41 .5 60 39 .6 20 36 .4 50 34 .8 20 32 .4 40 31 .3 10 30 .6 80 31 .9 70 1. 29 0 4, 2 Ei ns tie gs qu al ifi zi er un g (E Q ) d er B A 18 .8 81 18 .9 80 10 .2 10 9. 84 0 12 .1 70 13 .1 50 10 .9 30 8. 73 0 6. 90 0 5. 27 0 4. 45 0 4. 22 0 4. 74 0 52 0 12 ,3 * Vo rl äu fig e D at en d er iA B ESc hn el lm el du ng 2 02 4. 1 Z u Zw ec ke n de r G eh ei m ha lt un g w er de n di e D at en (A bs ol ut w er te ) t ei lw ei se g er un de t a us ge w ie se n. D er In sg es am tw er t k an n de sh al b vo n de r S um m e de r E in ze lw er te a bw ei ch en . 2 S ta rk er A ns tie g im B er ic ht sj ah r 2 02 2 ge ge nü be r d em V or ja hr d ur ch e in e ve rä nd er te Z uo rd nu ng d es „ So zi al pä da go gi sc he n Ei nf üh ru ng sj ah re s (S EJ )“ in B ay er n (v on K on to I 05 in K on to II 0 4) . 3 V er än de rt e Zu or dn un g ei ne s B ild un gs ga ng s in B ad en ­W ür tt em be rg v on K on to II 0 3a n ac h II 0 3b im B er ic ht sj ah r 2 02 4. H in w ei s: F ür d ie M aß na hm en d er B A (F ör de rs ta tis tik ) w ird in d er iA B E st el lv er tr et en d de r B es ta nd a m Ja hr es en de g en ut zt . D a da s A us bi ld un gs ja hr im S ep te m be r b eg in nt u nd b is D ez em be r a uc h di e un ve rm itt el te n A us bi ld un gs pl at zb ew er be rin ne n/ A us bi ld un gs pl at zb ew er be r a lt er na tiv e in ge m ün de t s ei n so llt en , w ur de d er S tic ht ag fü r M aß na hm en d er B A a m Ja hr es en de g ew äh lt . Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 29 – 30 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Vorbildung/Ohne Angabe“ betrug 9,9 % (2022: 9,4 %). Dieser vergleichsweise hohe Anteil ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Schulabschlüsse von Zugewanderten häufig nicht eindeutig statistisch erfasst oder zugeordnet werden können (vgl. Schaubild 2). Überdurchschnittlich stark vertreten waren junge Menschen mit Studienberechtigung im „Berufsgrundbildungsjahr“ (10,6 %) sowie in der „Einstiegsqualifizierung“ (6,9 %). Junge Menschen ohne Hauptschulabschluss (ohne Ersten Schulabschluss) befanden sich besonders häufig im „Berufsvorbereitungsjahr inklusive einjähriger Berufseinstiegsklassen“ (63,9 %) sowie in „Bildungsgängen an Berufsschulen für erwerbstätige/erwerbslose Schülerinnen und Schüler ohne Ausbildungsvertrag“ (39,5 %). 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % Sektor: Integration in Ausbildung (Übergangsbereich) Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine berufliche Grundbildung vermitteln, die angerechnet werden kann Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine berufliche Grundbildung vermitteln, ohne Anrechnung Berufsvorbereitungsjahr inkl. einjähriger Berufseinstiegsklassen Bildungsgänge an Berufsschulen für erwerbstätige/ erwerbslose Schülerinnen/Schüler ohne Ausbildungsvertrag Berufsvorbereitende Bildungsgänge (BA) Einstiegsqualifizierung (BA) Pflichtpraktika vor der Erzieherausbildung an beruflichen Schulen Bildungsgänge an Berufsschulen für Schülerinnen/Schüler ohne Ausbildungsvertrag, die allgemeinbildende Abschlüsse der Sekundarstufe I anstreben Berufsgrundbildungsjahr (Vollzeit/schulisch) Allgemeinbildende Programme an Berufsfachschulen (Erfüllung der Schulpflicht bzw. Abschlüsse der Sekundarstufe I) ohne Hauptschulabschluss Hauptschulabschluss Realschul- oder gleichwertiger Abschluss sonstige Vorbildung/ohne Angaben Studienberechtigung A B C D E A B C ED 2.2 Das Ausbildungsangebot 2.2.1 Angebotene Ausbildungsstellen nach BBiG/HwO Für das Berichtsjahr 2023/2024 weist die Statistik der BA insgesamt 519.399 gemeldete Berufsausbildungsstellen aus. Das waren 25.640 (–4,7 %) weniger als im Vorjahreszeitraum.82 502.320 der gemeldeten Stellen 82 Die BA hat die Daten zu den gemeldeten Berufsausbildungsstellen ab dem Berichtsjahr 2006/2007 revidiert. Vor der rückwirkenden Korrektur wurde ihre Zahl etwas zu gering ausgewiesen. Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Grundlagen: Methodenbericht – Revision der Statistik über Berufsausbildungsstellen 2022. Optimierte Messung der Anwesenheitsgesamtheit. Nürnberg. Juni 2022 (statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Grundlagen/ Methodik-Qualitaet/Methodenberichte/Ausbildungsstellen markt/Methodenberichte-Ausbildungsstellenmarkt-Nav.html). Schaubild 2: Schulische Vorbildung der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich 2023 Quelle: StBA, iABE 2023 (Datenstand 13. Dezember 2024) Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 30 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 31 waren betriebliche Stellen. Ihre Zahl ist um 26.346 (–5,0 %) gesunken (vergleiche Tabelle 4). örtlichen Arbeitsagentur für die Suche nach Auszubildenden in Anspruch genommen zu haben.84 In einer früheren Befragung 2013 traf dies auf 71 % der Betriebe zu.85 Das Gesamtangebot an Ausbildungsstellen am Ausbildungsmarkt errechnet sich in Anlehnung an § 86 BBiG aus der Summe der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (= erfolgreich besetzte Ausbildungsangebote) aus der BIBB­Erhebung zum 30.  September (2024: 486.711) und den bei der BA gemeldeten noch unbesetzten Ausbildungsstellen (2024: 69.405). Demnach wurden 2024 bundesweit insgesamt 556.116 Ausbildungsangebote registriert. Das entspricht einem Rückgang um 6.510 (–1,2 %) im Vergleich zum Vorjahr. 84 Vergleiche Ebbinghaus, Margit; Gerhards, Christian; Heyer, Philipp; Mohr, Sabine (2023): Viel hilft viel?! – Welche Wege Betriebe nutzen, um Ausbildungsplatzbewerberinnen/Ausbildungsplatz bewerber zu finden und wie erfolgreich sie damit sind. BIBB Report 3/2023 (bibb.de/dienst/publikationen/de/19359). Die von der BA anhand ihrer Statistik berechnete Meldequote für 2023 bewegt sich mit 77 % auch etwa in dieser Größenordnung (vergleiche Kapitel 2.1.2). 85 Vergleiche Gerhards, Christian; Ebbinghaus, Margit (2014): Betriebe auf der Suche nach Ausbildungsplatzbewerberinnen und - bewerbern: Instrumente und Strategien. Ergebnisse aus dem BIBB- Qualifizierungspanel 2013. BIBB Report 3/2014 (bibb.de/ veroeffentlichungen/de/publication/show/7458). Tabelle 4: Gemeldete Berufsausbildungsstellen Bundesgebiet Westdeutschland Ostdeutschland gemeldete Berufsausbildungsstellen insgesamt davon betrieblich insgesamt davon betrieblich insgesamt davon betrieblich 2009 487.034 429.552 390.133 358.048 95.951 70.614 … 2017 548.909 531.472 459.816 446.798 88.949 84.530 2018 569.915 551.148 478.383 464.036 91.366 86.946 2019 576.980 561.036 484.925 473.513 91.897 87.365 2020 535.914 520.220 450.678 439.108 85.072 80.948 2021 522.867 508.420 436.976 426.558 85.752 81.723 2022 545.960 528.297 455.436 442.333 90.347 85.788 2023 545.039 528.666 453.424 441.143 91.531 87.439 2024 519.399 502.320 433.532 420.467 85.825 81.811 Veränderung 2024 zu 2023 absolut –25.640 –26.346 –19.892 –20.676 –5.706 –5.628 in % –4,7 –5,0 –4,4 –4,7 –6,2 –6,4 Aufgrund einer Datenrevision Abweichung zu früheren Darstellungen. Quelle: Statistik der BA. Bei der Hälfte der gemeldeten Stellen wurde 2024 ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt (262.857 Stellen bzw. 50,6 %). Bei 167.103 Stellen (32,2 %) wurde mindestens ein mittlerer Abschluss erwartet. Mindestens Fachhochschulreife sollte bei 30.938 (6,0 %) gemeldeten Stellen vorliegen. Die allgemeine Hochschulreife war Voraussetzung für 3.600 (0,7 %) der gemeldeten Stellen. Bei 991 (0,2 %) Stellen gab der Arbeitgeber an, keinen Hauptschulabschluss zu erwarten. „Nicht relevant“ oder „keine Angabe“ galt für 53.910 (10,4 %) der gemeldeten Stellen.83 Im Zusammenhang mit den gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist ebenso wie bei den gemeldeten Bewerberinnnen und Bewerbern zu beachten, dass die Inanspruchnahme der Dienste der Agenturen für Arbeit und Jobcenter für junge Menschen und für Betriebe freiwillig ist. Im Rahmen einer Befragung des BIBB­Qualifizierungspanels 2022 gaben 75 % der befragten Betriebe an, die Vermittlungsdienste der 83 Für eine Gegenüberstellung der erwarteten Schulabschlüsse bei unbesetzten Ausbildungsstellen und der Schulabschlüsse der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, vergleiche Kapitel 2.4.1. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 31 – 32 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Im ersten Jahr der Covid­19­Pandemie (2020) war das Angebot an Ausbildungsstellen im Vorjahresvergleich stark gesunken (–50.742 bzw. –8,8 % zu 2019).86 In den Folgejahren wurden, verglichen mit den jeweiligen Vorjahren, wieder mehr Ausbildungsplätze angeboten (2021: +8.806 bzw. +1,7 %; 2022: +7.773 bzw. +1,4 %; 2023: +18.614 bzw. +3,4 %). Diese Entwicklung hat sich 2024 nicht fortgesetzt. Die stagnierende wirtschaftliche Lage spiegelt sich somit auch auf dem Ausbildungsmarkt wider. Über die Entwicklung des Ausbildungsangebots wird ausführlicher im Zusammenhang mit den Ergebnissen der BIBB­Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September in Kapitel 2.3.2 berichtet. 2.2.2 Betriebliche Ausbildungsbeteiligung Im Berichtsjahr 2023 beteiligten sich 402.833 Betriebe und Behörden an der beruflichen Ausbildung von jungen Menschen.87 Zu beachten ist, dass nicht jeder Betrieb ausbildungsberechtigt ist.88 Im Vergleich zu 2022 ist die Anzahl der Ausbildungsbetriebe bzw. Ausbildungsstätten um 5.857 (–1,4 %) gesunken. Der Gesamtbestand der Betriebe und Behörden ging um 25.868 (–1,2 %) auf 2.138.284 zurück. Die Ausbildungsbetriebsquote89 lag 2023 bei 18,8 %. 86 Zu beachten ist, dass die Rückgänge am Ausbildungsmarkt 2020 nicht ausschließlich auf das Krisengeschehen im Zusammenhang mit Covid-19 zurückzuführen sind. Schon vor der Pandemie war ins besondere infolge sinkender Schulabgängerzahlen mit Rückgängen bei Angebot und Nachfrage und neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gerechnet worden. Vergleiche ausführlicher Berufsbildungsbericht 2021, Sonderkapitel: Der Ausbildungsmarkt in Zeiten der Corona-Pandemie sowie Berufsbildungsbericht 2021, Kapitel 2.3.2. 87 Im Gegensatz zu vielen anderen Angaben liegen aktuelle Daten zur betrieblichen Ausbildungsbeteiligung nur für 2023 vor. Ergebnisse für 2024 werden im Berufsbildungsbericht 2026 berichtet. 88 Betriebe, die sich in der Berufsausbildung engagieren wollen, müssen hierfür gesetzliche Voraussetzungen erfüllen. Ein Betrieb ist ausbildungsberechtigt, wenn die „[…] Ausbildungsstätte nach Art und Einrichtung für die Berufsausbildung geeignet ist und die Zahl der Auszubildenden in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze oder zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte steht […]“. Zudem müssen sowohl der Arbeitgeber wie auch die/der Ausbilderin/Ausbilder befähigt bzw. geeignet sein, die Berufsausbildung inhaltlich und strukturell durchführen zu können. (Siehe § 27 und 28 BBiG sowie Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2022, Kapitel A 7.2). Im Rahmen des IAB-Betriebspanels wird das Merkmal „Ausbildungsberechtigung“ als Selbstauskunft der Betriebe erhoben. 89 Die Ausbildungsbetriebsquote misst den Anteil der Betriebe mit Auszubildenden an allen Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Verglichen mit den Vorjahren ist die Quote weiter gesunken. Zu diesen Ergebnissen kommen die Auswertungen des BIBB anhand der Daten der Beschäftigungsstatistik der BA. Wie schon in den Vorjahren gibt es Unterschiede nach Betriebsgrößenklassen. Vor allem bei den Kleinstbetrieben mit bis zu neun Beschäftigten kam es zu Verlusten bei den ausbildenden Betrieben (–6.002 bzw. –3,6 %). Damit setzt sich der Trend der Vorjahre fort, dass Verluste an Ausbildungsbetrieben im kleinstbetrieblichen Bereich zu finden sind. Diese Entwicklung korrespondiert mit den Stellenbesetzungsschwierigkeiten von Kleinstbetrieben (vergleiche Kapitel 2.4.1). Definitionsgemäß weist die Ausbildungsbetriebsquote den Anteil der Betriebe mit Auszubildenden an allen Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus. Es werden also nur solche Betriebe als Ausbildungsbetriebe gezählt, denen es auch gelungen ist, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Auch bei Kleinbetrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten hat die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe nachgelassen (–407 bzw. –0,2 %). Bei Großbetrieben ab 250  Beschäftigten haben sich die Bestandszahlen der Ausbildungsbetriebe dagegen positiv entwickelt (+233 bzw. +1,6 %). Bei mittleren Betrieben (50 bis 249 Beschäftigte) lag sie ebenfalls über dem Vorjahreswert (+319 bzw. +0,5 %). Bis auf Kleinstbetriebe (–26.375 bzw. –1,6 %) verzeichneten alle übrigen Betriebsgrößenklassen Zuwächse beim Gesamtbestand an Betrieben.90 Die Ausbildungsbetriebsquote fiel bei Kleinstbetrieben und Kleinbetrieben niedriger aus als im Vorjahr. Mittlere Betriebe und Großbetriebe verzeichneten einen Anstieg der Ausbildungsbetriebsquote. Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Zahl der Betriebe, der Ausbildungsbetriebe und der Ausbildungsbetriebsquoten als Zeitreihe. Beschäftigten einschließlich der Ausbildungsbetriebe. Bei der Berechnung der Ausbildungsbetriebsquote wird nicht zwischen Betrieben mit und ohne Ausbildungsberechtigung differenziert. Vergleiche Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 7.1. 90 Kleinbetriebe: +93 (+0,0 %); mittlere Betriebe: +241 (+0,3 %); Großbetriebe: +173 (+1,0 %). Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 32 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 33 In Westdeutschland ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe gesunken (2019: 363.914; 2020: 357.758; 2021: 353.892; 2022: 345.937; 2023: 339.788). Auch die Gesamtzahl der Betriebe lag zuletzt wieder unter dem Vorjahresniveau (2019: 1.735.805; 2020: 1.732.053; 2021: 1.748.453; 2022: 1.736.900; 2023: 1.718.257). Die Ausbildungsbetriebsquote sank auf 19,8 % (2019: 21,0 %; 2020: 20,7 %; 2021: 20,2 %; 2022: 19,9 %). In Ostdeutschland gab es 2023 mehr Ausbildungsbetriebe als im Vorjahr (2019: 61.842; 2020: 61.904; 2021: 62.790; 2022: 62.730; 2023: 63.021). Die Gesamtzahl der Betriebe ging zurück (2019: 435.136; 2020: 431.042; 2021: 432.592; 2022: 426.823; 2023: 419.446). In der Folge fiel die Ausbildungsbetriebsquote höher aus als in den Vorjahren (2019: 14,2 %; 2020: 14,4 %; 2021: 14,5 %; 2022: 14,7 %; 2023: 15,0 %). Sie lag aber weiterhin deutlich unter dem Wert für Westdeutschland. Nach Wirtschaftszweigen betrachtet, ergab sich folgendes Bild: Bundesweit stieg die Ausbildungsbetriebsquote 2023 am stärksten im Bereich „Erziehung, Unterricht“ (+0,7 Prozentpunkte) gefolgt von den Bereichen „Kollektive Dienstleistungen (Verwaltung etc.)“ (+0,3 Prozentpunkte), „Landwirtschaft, Bergbau“, „Beherbergung, Gastronomie“ und „Forschung und Entwicklung“ (jeweils +0,2 Prozentpunkte). Tabelle 5: Betriebe, Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsbetriebsquoten 2009 … 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Kleinstbetriebe (1–9 Beschäftigte) Betriebe insgesamt 1.653.446 1.674.337 1.669.463 1.667.221 1.659.861 1.668.773 1.646.420 1.620.045 Ausbildungsbetriebe 263.294 192.157 187.759 182.981 177.215 172.525 165.519 159.517 Ausbildungsbetriebsquote 15,9 11,5 11,2 11,0 10,7 10,3 10,1 9,8 Kleinbetriebe (10–49 Beschäftigte) Betriebe insgesamt 320.398 379.505 386.673 393.112 392.998 400.300 403.726 403.819 Ausbildungsbetriebe 153.366 161.952 164.742 166.926 166.976 168.067 166.788 166.381 Ausbildungsbetriebsquote 47,9 42,7 42,6 42,5 42,5 42,0 41,3 41,2 mittlere Betriebe (50–249 Beschäftigte) Betriebe insgesamt 76.141 91.162 93.009 94.113 93.751 95.135 96.364 96.605 Ausbildungsbetriebe 52.799 59.880 61.164 61.967 61.676 61.993 62.044 62.363 Ausbildungsbetriebsquote 69,3 65,7 65,8 65,8 65,8 65,2 64,4 64,6 KMU insgesamt (1–249 Beschäftigte) Betriebe insgesamt 2.049.985 2.145.004 2.149.145 2.154.446 2.146.610 2.164.208 2.146.510 2.120.469 Ausbildungsbetriebe 469.459 413.989 413.665 411.874 405.867 402.585 394.351 388.261 Ausbildungsbetriebsquote 22,9 19,3 19,2 19,1 18,9 18,6 18,4 18,3 Großbetriebe (250 und mehr Beschäftigte) Betriebe insgesamt 13.723 16.403 16.759 16.988 16.884 17.309 17.642 17.815 Ausbildungsbetriebe 11.676 13.238 13.622 13.907 13.816 14.108 14.339 14.572 Ausbildungsbetriebsquote 85,1 80,7 81,3 81,9 81,8 81,5 81,3 81,8 Alle Betriebe (insgesamt) Betriebe insgesamt 2.063.708 2.161.407 2.165.904 2.171.434 2.163.494 2.181.517 2.164.152 2.138.284 Ausbildungsbetriebe 481.135 427.227 427.287 425.781 419.683 416.693 408.690 402.833 Ausbildungsbetriebsquote 23,3 19,8 19,7 19,6 19,4 19,1 18,9 18,8 Die Zeitreihe 2010 bis 2016 kann dem Berufsbildungsbericht 2020 entnommen werden. Quelle: Beschäftigungsstatistik der BA (Stichtag 31. Dezember), Berechnungen des BIBB. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 33 – 34 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 Am höchsten waren die Rückgänge der Ausbildungsbetriebsquote im Bereich „Metall­, Elektrogewerbe“ (–0,6 Prozentpunkte). Es folgten die „Sonstigen  persönlichen Dienstleistungen (Friseurin/Friseur etc.)“ sowie die Bereiche „Bauwirtschaft“, „Information, Kommunikation“, „Chemie und Pharmazie“ (jeweils –0,2 Prozentpunkte).91 Nach den Daten des IAB­Betriebspanels 202392 erfüllten 51 % der Betriebe in Deutschland die gesetzlichen Voraussetzungen zur Ausbildung (2019: 54 %; 2020: 52 %; 2021: 52 %; 2022: 52 %).93 In Westdeutschland waren 52 % der Betriebe ausbildungsberechtigt (2019: 56 %; 2020: 54 %; 2021: 53 %; 2022: 53 %). In Ostdeutschland traf dies mit 46 % auf weniger als die Hälfte zu (2019: 48 %; 2020: 47 %; 2021: 44 %; 2022: 47 %). Im längeren Zeitvergleich (2010: 59 %) ist der Anteil ausbildungsberechtigter Betriebe bundesweit gesunken. Ein IAB­Kurzbericht aus dem Jahr 2023 zeigt, dass der längerfristige Rückgang des Anteils ausbildungsberechtigter Betriebe vor allem auf Kleinstbetriebe (1 bis 9 Beschäftigte) und Kleinbetriebe (10 bis 49  Beschäftigte) zurückzuführen ist.94 Gleichwohl machten anteilig mehr Betriebe von ihrer Ausbildungsberechtigung Gebrauch. 59 % der ausbildungsberechtigten Betriebe beteiligten sich 2023 an der Ausbildung (2022: 58 %; 2019 bis 2021: 56 %). Damit wurde ein neuer Höchststand bezogen auf die Zeitreihe seit 2010 (54 %) erreicht. Westdeutschland verzeichnete zuletzt Zuwächse (2019: 56 %; 2020: 57 %; 2021: 56 %; 2022: 59 %; 2023: 60 %). In Ostdeutschland verblieb der Anteil der ausbildenden Betriebe an allen ausbildungsberechtigten Betrieben 91 Detaillierte Analysen zur Entwicklung der Ausbildungsbetriebsquote und der Ausbildungsquote sind dem Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 7.1 zu entnehmen. 92 Vergleiche Fitzenberger, Bernd; Leber, Ute; Schwengler, Barbara (2024): IAB-Betriebspanel: Rekordhoch beim Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen. IAB-Kurzbericht 16/2024. Nürnberg (doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-16.pdf). 93 Dies schließt auch die Betriebe mit ein, welche im Verbund mit anderen Betrieben/Dienststellen oder mit überbetrieblichen Einrichtungen ausbildungsberechtigt sind. 94 Vergleiche Leber, Ute; Roth, Duncan; Schwengler; Barbara (2023): Die betriebliche Ausbildung vor und während der Corona-Krise: Besetzungsprobleme nehmen zu, Anteil der Betriebe mit Ausbildungsberechtigung sinkt. IAB-Kurzbericht 3/2023. Nürnberg (doku.iab.de/kurzber/2023/kb2023-03.pdf). auf dem Niveau der beiden Vorjahre (2019: 54 %; 2020: 51 %; 2021 bis 2023: 54 %). Mit zunehmender Beschäftigtenzahl steigt die  Ausbildungsaktivität. 2023 bildeten 41 % der ausbildungsberechtigten Kleinstbetriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten aus. Bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten waren es 76 % und bei Betrieben mit 50 bis 499 Beschäftigten 90 %. Von Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten bildeten nahezu alle aus (98 %).95 Nicht alle ausbildenden Betriebe bilden kontinuierlich aus. Das gilt insbesondere für Kleinstbetriebe. Die Orientierung am betrieblichen Fachkräftebedarf kann hier einen Grund darstellen, nicht jedes Jahr auszubilden. 2.2.3 Ausbildung und duales Studium Mit dualen Studiengängen hat sich ein Bildungsformat etabliert, das die Vermittlung von wissenschaftlich­theoretischem Wissen mit der Aneignung berufspraktischer Kompetenzen verbindet. Hierzu werden, verteilt auf mindestens zwei Lernorte,  organisatorisch und curricular entweder geregelte  berufliche Ausbildungen mit dem Studium verbunden (sogenannte ausbildungsintegrierende duale Studiengänge) oder längere Praxisphasen in das Studium integriert (sogenannte praxisintegrierende duale Studiengänge). Personen, die ein ausbildungsintegrierendes duales Studium absolvieren, erwerben neben dem Studienabschluss noch einen weiteren berufsqualifizierenden Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Darüber hinaus gibt es auch berufsintegrierende duale Studiengänge für die berufliche Weiterbildung. Nach einer Studie des IAB zu praxisintegrierenden Studiengängen aus dem Jahr 2019 erleichtern diese den Berufseinstieg nach dem Studium. Die Beschäftigungswahrscheinlichkeit liegt in den ersten Jahren nach einem dualen Studium vier Prozentpunkte höher als nach einem Universitätsstudium. Im weiteren Erwerbsverlauf ist dieser Beschäftigungsvorteil aber nicht weiter bemerkbar. Absolventinnen und Absolventen eines dualen Studiums verdienen im 95 Für diese und weitere Kennzahlen zur betrieblichen Ausbildung aus dem IAB-Betriebspanel siehe auch: https://iab.de/daten/ kennzahlen-zur-betrieblichen-ausbildung-in-deutschland-2023/ Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 34 – DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 35 Durchschnitt ähnlich wie Fachhochschulabsolventinnen und ­absolventen und damit weniger als Absolventinnen und Absolventen eines universitären Studiums.96 Analysen des BIBB anhand der Daten der Datenbank AusbildungPlus zeigen einen stetigen Aufwärtstrend bei den dualen Studiengängen.97 Seit Beginn der Auswertungen (2004) hat sich die in der Datenbank erfasste Anzahl dualer Studiengänge (2004: 512; 2024: 1.824) mehr als verdreifacht. Die meisten Angebote dualer Studiengänge wurden 2024 in den Ingenieurwissenschaften mit 869 Angeboten (47,6 %), den Rechts­, Wirtschafts­ und Sozialwissenschaften mit 782 Angeboten (42,9 %) sowie den Gesundheitswissenschaften mit 123 Angeboten (6,7 %) registriert.98 Mit der BBiG­Novelle (2020) wurde die Voraussetzung für eine deutliche Verbesserung der Datenlage zu ausbildungsintegrierenden dualen Studiengängen geschaffen. Das Gesetz sieht vor, dass im Rahmen der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder für die ab 2021 begonnenen Ausbildungsverträge erfasst wird, ob die Berufsausbildung im Rahmen eines ausbildungsintegrierenden dualen Studiums erfolgt. Für den Berufsbildungsbericht 2023 lagen hierzu erstmals Daten vor. Demnach wurden 2021 mit 3.537 Neuabschlüssen vergleichsweise wenige Ausbildungsverträge mit dem Merkmal duales Studium gemeldet. Das entspricht einem Anteil von 0,8 % aller Neuabschlüsse. Für das Jahr 2022 wurden 3.483 Neuabschlüsse (0,7 %) und für das Jahr 2023 3.792 Neuabschlüsse (0,8 %) gemeldet. Das BIBB geht derzeit noch von einer Untererfassung des Merkmals aus.99 96 Vergleiche Ostermann, Kerstin; Patzina, Alexander (2019): Aktuelle Studienformen im Vergleich Ein duales Studium begünstigt den Berufseinstieg. IAB-Kurzbericht 25/2019. Nürnberg (doku.iab.de/ kurzber/2019/kb2519.pdf). 97 Das BIBB stellt mit dem Portal AusbildungPlus (bibb.de/ ausbildungplus) Informationen zum dualen Studium, Hinweise für die Praxis sowie Informationen zu Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung zur Verfügung. In der bundesweiten Datenbank können duale Studiengänge nach Fachbereichen, Regionen,  Hochschul typen oder anderen Kriterien recherchiert werden. Zudem kann nach Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung und Praxisbeispielen gesucht werden. Die Datenbank basiert auf  freiwilligen Eintragungen der Anbieter, daher kann es zu einer  Untererfassung der angebotenen dualen Studiengänge kommen. 98 Vergleiche auch Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 6.3. 99 Diese Einschätzung basiert auf einem Vergleich der Berufsbildungsstatistik mit den Studierendenzahlen aus der Datenbank Ausbildung- Plus des BIBB. Aus der Datenbank AusbildungPlus wurden dabei nur Studierende der ausbildungsintegrierenden Studiengänge Nach Zuständigkeitsbereichen differenziert waren die Anteile der Neuabschlüsse in ausbildungsintegrierenden dualen Studiengängen 2023 in den Ausbildungsberufen der Landwirtschaft (1,3 %) sowie von Industrie und Handel (1,1 %) am höchsten. Bei den Freien Berufen betrug der Anteil 0,7 %, beim Handwerk 0,2 % und bei den Ausbildungsberufen des Öffentlichen Dienstes 0,4 %. Für die Hauswirtschaft wurden im Jahr 2023 – wie auch in den beiden Vorjahren – keine Ausbildungsverhältnisse im Rahmen eines dualen Studiums zur Berufsbildungsstatistik gemeldet. 2.3 Neue Ausbildungsverhältnisse und Ausbildungsbilanz 2024 2.3.1 Integrierte Ausbildungsberichterstattung Eine aktuelle Gesamtschau des (Aus­) Bildungsgeschehens in Deutschland im Anschluss an die Sekundarstufe I lässt sich anhand der Daten der iABE darstellen. Hierbei handelt es sich um ein Berichtssystem, welches verschiedene amtliche Statistiken zu einem Gesamtüberblick über das (Aus­)Bildungsgeschehen zusammenführt, also „integriert“. Neben den Daten zur dualen Berufsausbildung nach BBiG/HwO100 finden sich hier auch Daten zu den Anfängerinnen und Anfängern in anderen vollqualifizierenden Berufsausbildungen außerhalb BBiG/HwO. Hierzu zählen die sogenannte schulische Berufsausbildung im Gesundheits­, Erziehungs­ und Sozialwesen (GES) sowie die sonstige schulische Berufsausbildung.101 Darüber hinaus finden sich in der iABE auch Daten berücksichtigt, die zu einem Berufsabschluss nach BBiG/HwO führen. Siehe dazu die Zusatztabelle „Ausbildungsverträge (BBiG/ HwO) im Rahmen eines dualen Studiums, Berichtsjahr 2023“ in DAZUBI-Online unter bibb.de/dokumente/xls/dazubi_ zusatztabellen_duales-studium_2023.xlsx sowie Daten report zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 5.3. 100 Die in der iABE für die duale Berufsausbildung nach BBiG/ HwO verwendeten Daten entstammen der Statistik Berufliche Schulen und nicht der BIBB-Erhebung zum 30. September oder der Berufsbildungsstatistik zum 31. Dezember. Abweichungen von anderen Darstellungen im Berufsbildungsbericht, u. a. in Kapitel 2.3.2.1, sind auf die unterschiedlichen Statistiken bzw. Erhebungen zurückzuführen (vergleiche ausführlich Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, A 4.1). 101 Zu den sonstigen schulischen Berufsausbildungen werden hier die iABE-Konten „Schulische Berufsausbildung an Berufsfachschulen nach BBiG/HwO“ (I 02), „Schulische Berufsausbildung an Berufsfachschulen außerhalb BBiG/HwO“ (I 03), „Schulische Berufsausbildung mit Erwerb einer HZB (doppelqualifizierend)“ (I 04) sowie „Berufsausbildung in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis (Beamtenausbildung mittlerer Dienst)“ (I 06) gezählt. Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 35 – 36 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025 zum Übergangsbereich, zu Bildungsgängen, die zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung (HZB) führen, und zum Studium. Alle Bildungsgänge werden in der iABE entsprechend ihrem vorrangigen Bildungsziel in sogenannte Bildungssektoren und Bildungskonten gegliedert.102 Auf der obersten Gliederungsebene werden vier Sektoren unterschieden: „Berufsausbil

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