Berufsbildungsbericht 2025
Text
Berufsbildungsbericht 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2750
21. Wahlperiode 06.11.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Berufsbildungsbericht 2025
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom
5. November 2025 gemäß § 86 des Berufsbildungsgesetzes.
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
ob Industriemechaniker,
Sozialversicherungsfachangestellte oder Fachkraft im Gesundheitswesen – eine gute
Ausbildung bietet jungen Menschen mit
unterschiedlichen Bildungshintergründen eine gute Perspektive.
Sie ist ein individuelles und gesellschaftliches
Zukunftsversprechen. Und sie stärkt die Innovationskraft der
deutschen Wirtschaft. Darum sollte uns der
Berufsbildungsbericht 2025 motivieren, noch stärker für die
berufliche Bildung zu werben.
Aus ihm erfahren wir, dass im Ausbildungsjahr 2023/24
die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge
zurückgegangen ist. Auch das Ausbildungsangebot fiel
niedriger aus als im Vorjahr. Angestiegen ist dagegen
die Zahl der Ausbildungssuchenden und unversorgten
Bewerberinnen und Bewerber. Die Gründe sind ganz
unterschiedlich. Sei es, dass zum Teil die Unternehmen
wegen der wirtschaftlichen Lage weniger
Ausbildungsplätze anbieten, sei es, dass Betriebe und
Ausbildungsinteressierte nicht zueinanderfinden.
Dabei brauchen wir dringend mehr beruflich quali fizierte
Fachkräfte! Deshalb hat sich die Bundesregierung
vorgenommen, die berufliche Bildung attraktiver zu machen.
Darum freue ich mich, dass wir mit dem neuen
beruflichen Feststellungsverfahren seit dem 1. Januar 2025
auch berufserfahrenen Menschen ohne Abschluss
Bildungs und Karrierechancen ermöglichen. So kann die
Küchenhilfe, die seit Jahren wie ein Koch in der
Gastronomie arbeitet, ihre beruflichen Erfahrungen nachweisen
lassen und damit adäquate Beschäftigung und Bezahlung
finden.
Daneben müssen wir auch die höherqualifizierende
Berufsbildung weiter stärken, denn sie lohnt sich für
den Einzelnen wie für die Gesellschaft. So steht es
im vorliegenden Bericht. Sie stellt die Grundlage für
Fachkräftekarrieren und Führungspositionen dar.
Dabei muss klar sein: Es gibt nicht den einen Start in eine
erfolgreiche Berufslaufbahn. Die Wege sind so
unterschiedlich wie die Menschen selbst. Wichtig ist, dass wir
alle Berufswege wertschätzen. Ob Ausbildung,
Fachschule oder Studium – alle sind gleichwertig und bieten
viele Chancen.
Ich bitte darum alle Beteiligten: Betriebe, allgemein und
berufsbildende Schulen, die Kammern und die
Familien – es kommt auf jeden an. Lassen Sie uns noch
mehr für die Berufsausbildung werben, um junge
Menschen für die vorhandenen vielfältigen Chancen
zu begeistern.
Mit freundlichen Grüßen
Karin Prien
Bundesministerin für Bildung,
Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – II –
KAPITEL 1
Inhaltsverzeichnis
Hinweis! 3
Das Wichtigste kompakt 5
1 Der Ausbildungsmarkt 2024 und seine Herausforderungen 6
2 Die Ausbildungsmarktsituation 2024 22
2.1 Die Bewerbersituation ......................................................................................................................................... 22
2.1.1 Entwicklung der Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger und Ausblick bis 2030 ................... 22
2.1.2 Nachfrage nach einer dualen Ausbildung nach
Berufsbildungsgesetz (BBiG)/Handwerksordnung (HwO) ............................................................................... 23
2.1.3 Entwicklung des Übergangsbereichs/Übergang in Ausbildung ...................................................................... 26
2.2 Das Ausbildungsangebot ..................................................................................................................................... 30
2.2.1 Angebotene Ausbildungsstellen nach BBiG/HwO ............................................................................................. 30
2.2.2 Betriebliche Ausbildungsbeteiligung ..................................................................................................................... 32
2.2.3 Ausbildung und duales Studium ............................................................................................................................. 34
2.3 Neue Ausbildungsverhältnisse und Ausbildungsbilanz 2024 ....................................................................... 35
2.3.1 Integrierte Ausbildungsberichterstattung ............................................................................................................ 35
2.3.2 Ausbildung in Berufen nach BBiG/HwO ............................................................................................................... 41
2.3.2.1 Neu abgeschlossene Ausbildungs verträge 2024 ................................................................................................. 44
2.3.2.2 Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge nach strukturellen Merkmalen ................................................. 50
2.3.2.3 Schulische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag .................. 60
2.3.3 Berufe außerhalb des dualen Systems: Anfängerinnen und Anfänger in Berufen
des Gesundheitswesens ............................................................................................................................................ 62
2.3.4 Berufe außerhalb des dualen Systems: Anfängerinnen und Anfänger
in Sozial- und Bildungsberufen ............................................................................................................................... 66
2.3.5 Berufe außerhalb des dualen Systems: Ausbildung in Berufen des Öffentlichen Dienstes ..................... 67
2.3.6 Prognose zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt 2025 .............................. 68
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 1 –
2 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
2.4 Entwicklung nach Ausbildungsstart ................................................................................................................. 69
2.4.1 Unversorgte Bewerberinnen und Bewerber und unbesetzte Stellen............................................................. 69
2.4.2 Verbleib der bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern gemeldeten Bewerbe rinnen
und Bewerber .............................................................................................................................................................. 77
2.4.3 Nachvermittlung ......................................................................................................................................................... 82
2.4.4 Junge Menschen in Teilzeitberufs ausbildung ...................................................................................................... 84
2.4.5 Integration von jungen Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Ausbildung ..................................... 86
2.4.6 Vertragslösungen ........................................................................................................................................................ 91
2.4.7 Prüfungserfolg............................................................................................................................................................. 95
2.5 Übergang in den Arbeitsmarkt ........................................................................................................................... 96
2.5.1 Übernahmeverhalten der Betriebe/Übergang in Beschäftigung .................................................................... 96
2.5.2 Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss............................................................................................................. 96
2.5.3 Anerkennung ausländischer Berufs qualifikationen ........................................................................................... 98
2.6 Höherqualifizierende Berufs bildung und berufliche Weiter bildung ........................................................100
3 Gesamtüberblick der berufsbildungspolitischen Aktivitäten
und Programme der Bundesregierung 106
4 Stellungnahme des Hauptausschusses im Bundesinstitut
für Berufsbildung zum Entwurf des Berufsbildungsberichts 2025 138
4.1 Gemeinsame Stellungnahme von Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Länderbank ................................138
4.2 Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ..........................139
4.3 Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Arbeit nehmerinnen und Arbeitnehmer .................141
4.4 Stellungnahme der Gruppe der Beauftragten der Länder ..........................................................................142
Verzeichnis der Schaubilder ............................................................................................................................................145
Verzeichnis der Tabellen ..................................................................................................................................................146
Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................................................................................147
Stichwortverzeichnis ........................................................................................................................................................148
Impressum 151
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 2 –
Hinweis!
Der vorliegende Bericht gibt den inhaltlichen Stand vom April 2025 wieder. Angepasst wurden lediglich
die enthaltenen Ressortbezeichnungen und Zuständigkeiten an den Stand der 21. Wahlperiode des
Deutschen Bundestages. Gesetzlich ist durch den Berichtszeitraum, die Jährlichkeit des Berichts und
den gesetzlichen Vorlagezeitpunkt (15. Mai) keine inhaltliche Aktualisierung möglich. Entwicklungen
seit dem April 2025 werden in den Berufsbildungsbericht 2026 eingehen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 3 –
Das Wichtigste kompakt
Anfängerinnen und Anfänger im (Aus-)Bildungsgeschehen
Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im Sektor „Berufsausbildung“ blieb gegenüber dem Vorjahr
stabil. Sowohl die duale Berufsausbildung nach BBiG/HwO (–1,1 %) als auch die sogenannte sonstige
schulische Berufsausbildung (–1,5 %) verzeichneten einen Rückgang, die Zahl der Anfängerinnen und
Anfänger in der Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen stieg an (+2,1 %). Im
„Übergangsbereich“ nahm die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger um 3,3 % zu. Im Sektor „Erwerb der
Hochschulzugangsberechtigung“ gab es einen Zuwachs von 13,9 %. Dieser geht insbesondere auf die
Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein
zurück. Im Sektor „Studium“ gab es 2024 einen leichten Anstieg (1,9 %).
Leichtes Minus bei der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nach dem
Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung
Die aktuelle wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch in der Ausbildungsbilanz des Jahres 2024 wider.
Nachdem sich der Ausbildungsmarkt zuletzt etwas von den Einbußen im Zuge der Covid-19-Pandemie
erholt hatte, ist für 2024 eine Stagnation zu verzeichnen. Zum 30. September 2024 wurden 486.700
Ausbildungsverträge gezählt, 2.500 (–0,5 %) weniger als 2023. Die Zahl der betrieblichen Verträge lag mit
473.400 minimal (–0,3 % oder 1.500 Verträge) unter dem Vorjahresniveau. Die Zahl der außer
betrieblichen Verträge ging um 7,1 % oder 1.000 auf 13.300 zurück.
Rückgänge auch beim Ausbildungsangebot
Bundesweit wurden 556.100 Ausbildungsstellen angeboten. Das Ausbildungsangebot (neu abgeschlossene
Ausbildungsverträge plus unbesetzte Berufsausbildungsstellen) fiel somit 6.500 Stellen (–1,2 %)
niedriger aus als im Vorjahr. Das betriebliche Ausbildungsangebot (ohne überwiegend öffentlich
finanzierte Ausbildungsstellen) lag bei 542.800. Somit haben Betriebe und Unternehmen in
Deutsch land 5.500 (–1,0 %) Ausbildungsplätze weniger zur Verfügung gestellt als im Vorjahr.
Anstieg der Nachfrage nach dualer Berufsausbildung
Nach Rückgängen in den Vorjahren ist die Nachfrage der jungen Menschen nach Ausbildung zum
zweiten Mal in Folge leicht gestiegen. Die Nachfrage nach Ausbildung errechnet sich aus der Zahl der
neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (realisierte Nachfrage) zuzüglich der Zahl der in der Statistik
der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Personen, die noch auf der Suche nach einer
Ausbildungsstelle sind. Nach der traditionellen Nachfragedefinition lag die Nachfrage 2024 bei 517.900. Das
sind 2.300 (+0,4 %) mehr als 2023. Die Nachfrage nach der erweiterten Definition ist auf 557.100 gestiegen
(+4.200 bzw. +0,8 % zu 2023).
Weiterhin Schwierigkeiten bei der Passfähigkeit von Angebot und Nachfrage
Zum Stichtag 30. September waren noch 31.200 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt. Das ist ein
neuer Höchststand bezogen auf die Zeitreihe seit 2009. Verglichen mit dem Vorjahr ist die Zahl der
Unversorgten um 4.800 (+18,1 %) gestiegen. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative
und weiterem Vermittlungswunsch in Ausbildung lag mit 39.200 ebenfalls über dem Vorjahresniveau
(+1.900 bzw. +5,1 %). Insgesamt waren somit 70.400 Bewerberinnen und Bewerber noch auf der Suche
nach einer Ausbildungsstelle und wünschten eine entsprechende Vermittlung durch die BA. Das sind
knapp 7.000 mehr als im Vorjahr (2023: 63.700). Bezogen auf alle gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerber betrug ihr Anteil 16,3 % (2023: 15,1 %).
Anders als in den Vorjahren ist die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen 2024 nicht
weiter gestiegen. Sie sank um 4.000 (–5,5 %) auf 69.400. Somit wies die Statistik der BA zum Stichtag
30. September (anders als in den beiden Vorjahren) mehr noch suchende Bewerberinnen und
Bewerber als unbesetzte Stellen aus.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 5 –
6 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
1 Der Ausbildungsmarkt 2024 und seine
Herausforderungen
Ob demografischer Wandel, zunehmende
gesellschaftliche Heterogenität oder Digitalisierung: Um
die großen Herausforderungen bewältigen zu können,
bedarf es unter anderem gut qualifizierter Fachkräfte
und entsprechend ausgezeichnet ausgebildeten
Nachwuchses. Die Basis hierfür bildet eine verlässliche
berufliche Bildung. Sie muss jungen Menschen die
Fähigkeiten vermitteln, auf die es vor allem auch in
Zukunft ankommen wird. Gleichzeitig muss die
Ausbildung den jungen Menschen auch Chancen für
eine erfolgreiche Karriere sowie individuelle
Entfaltungs und Weiterentwicklungsmöglichkeiten
bieten, um weiterhin attraktiv zu sein.
Aus Perspektive junger Menschen ist eine gute
berufliche Bildung die Basis für einen erfolgreichen
Berufsweg und damit Voraussetzung, um die eigene
wirtschaftliche Eigenständigkeit im Lebensverlauf zu
erreichen und zu sichern. Auch die berufliche
Weiterbildung sowie Karrierechancen spielen eine zentrale
Rolle für die wirtschaftliche Eigenständigkeit.
Zwischen den Geschlechtern zeigen sich z. T. noch
deutliche Unterschiede u. a. in der Wahl der
Ausbildungsberufe oder der Ausbildung in Teilzeit. Eine
klischeefreie und geschlechtersensible
Berufsorientierung sowie Personalentwicklung bleiben deshalb
wichtig, um die Chancengleichheit von Frauen und
Männern im Berufsleben, aber auch die
Fachkräftesicherung zu erreichen.
Die schwache Wirtschaftslage macht sich am
Arbeitsmarkt bemerkbar. 2024 sind Arbeitslosigkeit und
Unterbeschäftigung deutlich gestiegen. Die
Arbeitskräftenachfrage ließ nach. Trotz dieser
Entwicklungen bestanden in vielen Berufen weiterhin – teils
starke – Fachkräfteengpässe. Diese Fachkräfteengpässe
werden sich in Zukunft noch verstärken: In den
nächsten zehn Jahren werden bis zu 4,5 Millionen
sozialversicherungspflichtig beschäftigte Fachkräfte
den Arbeitsmarkt verlassen, was sich besonders stark
im Bestand der Fachkräfte mit abgeschlossener
Berufsausbildung bemerkbar machen wird.1 Hinzu
1 Vergleiche Arndt, Franziska; Tiedemann, Jurek; Werner, Dirk (2024):
Ältere Beschäftigte am Arbeitsmarkt – wertvolle Erfahrung stärker
als Potenzial nutzen, Studie des Kompetenzzentrums
Fachkräftekommt, dass diese Entwicklung nicht durch den
Eintritt junger Fachkräfte ausgeglichen werden kann,
da demografisch bedingt die Anzahl angehender
Fachkräfte ebenfalls rückläufig ist. Vor diesem
Hintergrund gilt es, die vorhandenen Potenziale der
beruflichen Bildung bestmöglich zu nutzen. Dies ist auch
aufgrund der tiefgreifenden Transformation, vor
der die deutsche Wirtschaft infolge von
Dekarbonisierung, Digitalisierung und Klimawandel steht,
unerlässlich.
Die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt wirkt sich
auch auf den Ausbildungsmarkt aus. So ging die Zahl
der gemeldeten Ausbildungsstellen (betrieblich und
außerbetrieblich) im Vergleich zum Jahr 2023 um 1,2 %
auf 556.100 zurück. Die Zahl der neu geschlossenen
Ausbildungsverträge ist mit 486.700 ebenfalls leicht
rückläufig (–0,5 %). Die traditionelle
Ausbildungsnachfrage ist dagegen um 0,4 % auf 517.900 gestiegen,
die erweiterte Nachfrage nahm um 0,8 % (557.100) zu.2
Der leichte Anstieg lässt darauf schließen, dass die
Chancen einer Ausbildung zunehmend erkannt
werden. Die Marktlage zum Berichtsende hat sich
damit aus Sicht der nachfragenden jungen Menschen
durch den Anstieg der noch suchenden Bewerber auf
70.400 (+10,5 %) und die Abnahme der noch unbesetzten
Stellen auf 69.400 (–5,5 %) geringfügig verschlechtert.3
Wirft man einen genaueren Blick auf die unbesetzten
Ausbildungsstellen, zeigt sich, dass mögliche
Bildungskarrieren 2024 nicht realisiert wurden. So blieben im
Handwerk rund 19.000 und damit 18 % aller
betrieblich gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt.
Absolut betrachtet war der Großteil der unbesetzten
sicherung (KOFA) Köln (kofa.de/daten-und-fakten/studien/
aelterebeschaeftigte-am-arbeitsmarkt). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025;
Fachkräftemonitoring für das BMAS – Mittelfrist prognose bis 2028
– BMAS (dort: Abbildung 12).
2 Hinweis: Der Vollständigkeit halber muss an dieser Stelle darauf
verwiesen werden, dass nicht alle Nachfragen auch zu einem
abgeschlossenen Ausbildungsvertrag führen.
3 Vergleiche Weller, Sabrina Inez; Christ, Alexander; Milde, Bettina;
Granath, Ralf-Olaf (2024): Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes
im Jahr 2024. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu
abgeschlossene Ausbildungsverträge und der
Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September.
Bonn. Fassung vom 12. Dezember 2024 (bibb.de/de/201811.php).
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 6 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 7
Ausbildungsplätze mit rund 42.000 dem Bereich
Industrie und Handel zuzuordnen. Dies zeigt, dass in
der beruflichen Bildung nicht nachgelassen werden
darf, die Angebote zu optimieren.
Eine der größten Herausforderungen des Jahres 2024
war es wie bereits im Vorjahr, Betriebe und junge
Menschen zusammenzuführen. Die Schere zwischen
Angebot und Nachfrage hat sich 2024 weiter geöffnet.
Besetzungs und Versorgungsschwierigkeiten nehmen
aufgrund regionaler, beruflicher und qualifikatorischer
Disparitäten zu: Ausbildungsbewerberinnen und
bewerber suchen zum Teil nicht in der Region, in der
die Stellen ausgeschrieben sind. Berufliche Interessen
und individuelle Fähigkeiten passen häufig nicht zu
den angebotenen Ausbildungsstellen.4 Daher gilt es,
Betriebe und junge Menschen entsprechend ihrer
Interessen und Bedarfe zusammenzubringen.
Um ihre Fachkräftebasis zu sichern, bilden
Unternehmen mittlerweile immer mehr ausländische junge
Menschen aus. Laut einer Unternehmensbefragung
der Deutschen Industrie und Handelskammer
(DIHK) hat im Jahr 2024 bereits jeder zweite Betrieb
Auszubildende aus anderen Herkunftsländern
ausgebildet oder sich darum bemüht, ausländische
Auszubildende zu gewinnen (2024: 48 %; 2019: 41 %).
Vor allem Betriebe, die 2023 Schwierigkeiten hatten,
alle Ausbildungsplätze zu besetzen, haben sich dafür
entschieden, Auszubildende aus anderen
Herkunftsländern auszubilden. 42 % der kleineren Unternehmen
mit weniger als 200 Mitarbeitenden haben 2024
ausländische junge Menschen ausgebildet (2019: 33 %).
Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden
setzen auch weiterhin auf Auszubildende aus anderen
Herkunftsländern (2024: 74 %; 2019: 71 %).
Spitzenreiter bei der Ausbildung von ausländischen jungen
Menschen ist das Gastgewerbe (74 %). Damit konnten
im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Stellen
besetzt werden. Ähnliche Entwicklungen gab es in
der Verkehrsbranche (Transport/Logistik). Deutsche
Betriebe beschränken sich dabei nicht auf das
EUAusland: Mehr als ein Drittel der Unternehmen geben
an, schon einmal Auszubildende aus Drittstaaten
ausgebildet zu haben (35 %); ein Anstieg von 5
Prozentpunkten gegenüber 2019 (30 %). Dabei setzen 17 %
4 Vergleiche Risius, Paula; Herzer, Philip; Arndt, Franziska (2024):
Unternehmen gehen Kompromisse bei der Azubi-Rekrutierung ein.
IW-Kurzbericht, Nr. 58, Köln (https://www.iwkoeln.de/fileadmin/
user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2024/IW-Kurzbericht_
2024-Azubi-Rekrutierung.pdf). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025.
sowohl auf junge Menschen aus der EU als auch aus
Drittstaaten. 18 % setzen sogar spezifisch auf
Auszubildende aus Drittstaaten.5
2023/24 zeigt sich das erste Mal seit 2012/2013 ein
Anstieg von gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerbern. Fast jede fünfte gemeldete Person besitzt eine
ausländische Staatsangehörigkeit. Damit ist 2024 die
Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber
mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 94.000 gestiegen
(+15,5 %) und macht 22 % des gesamten
Bewerbermarktes aus, während die Zahl von deutschen
Bewerberinnen und Bewerbern gesunken ist (–1 %).
Gleichzeitig sind ausländische Bewerberinnen und Bewerber
am Ausbildungsmarkt weniger erfolgreich als deutsche
Bewerberinnen und Bewerber, so haben 2024 nur 35 %
der ausländischen Bewerberinnen und Bewerber eine
Ausbildungsstelle gefunden (Deutsche 49 %).6 Betriebe,
die an der DIHKUnternehmens befragung 2024
teilgenommen haben, gaben als Hindernisse bei der
Einstellung von Auszubildenden aus Drittstaaten
Sprachbarrieren, Bürokratie sowie fehlenden
Wohnraum in Betriebsnähe als Hauptgründe an.7
Wie in den Vorjahren werden in Kapitel 1 ausgewählte
berufsbildungspolitische Maßnahmen der
Bundesregierung in „Boxen“ dargestellt. Kapitel 3 beinhaltet
einen tabellarischen Überblick über
berufsbildungspolitische Aktivitäten und Programme der
Bundesregierung. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere
Aktivitäten in der originären Zuständigkeit der
Länder und anderer Partner.
5 Vergleiche Deutsche Industrie- und Handelskammer: Ausbildung 2024.
Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung. Berlin
(https://www.dihk.de/resource/blob/120726/b94f7c2e2aafd1d
6f67338f5dccd21dc/fachkraefte-dihk-ausbildungsumfrage-
2024-data.pdf). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025.
6 Vergleiche Statistik der BA, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation
am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024 (https://
statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/
Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/Generische-Publikationen/
AM-kompakt-Situation-Ausbildungsmarkt.pdf?__blob=
publicationFile); Anmerkung: Der bis vor zwei Jahren rückläufige
Trend der Bewerberzahlen dürfte vor allem mit der zunehmenden
Digitalisierung und einer dadurch verbesserten Transparenz über die
vorhandenen Ausbildungsangebote zusammenhängen. Immer mehr
Unternehmen bieten ihre Ausbildungsstellen über Internetbörsen
oder die eigene Internetpräsenz an. Auch die Online-Jobsuche der
Bundesagentur für Arbeit beinhaltet Ausbildungsstellenangebote.
Auch die für Bewerberinnen und Bewerber bessere
Ausbildungsmarktlage begünstigt prinzipiell die eigenständige Stellensuche. Die
Meldequote ist deshalb in den letzten zehn Jahren von rund 70 % auf
zuletzt rund 60 % zurückgegangen.
7 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 7 –
8 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Für Kapitel 1 und 2 ist darauf hinzuweisen, dass sich
durch unterschiedliche Erhebungszeiträume sowie
Datenverfügbarkeiten die Bezugsjahre einzelner
Kennwerte unterscheiden (z. B. neu abgeschlossene
Ausbildungsverträge Bezugsjahr 2024;
Vertragslösungsquote Bezugsjahr 2023).
I. Das Ausbildungsgeschehen 2024 (integrierte
Ausbildungsberichterstattung)
Bereits seit 2005 liefert die integrierte
Ausbildungsberichterstattung (iABE) jährlich detaillierte Daten
über das Ausbildungsgeschehen im Anschluss an
die Sekundarstufe I. Die Daten gliedern sich nach
folgenden vier Sektoren: „Berufsausbildung“,
„Integration in Ausbildung (Übergangsbereich)“, „Erwerb
der Hochschulzugangsberechtigung (HZB)“ und
„Studium“.
Bei der Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im
gesamten (Aus)Bildungsgeschehen ist ein Anstieg von
3,9 % zu verzeichnen, der Zuwachs dürfte wie bereits
in den Vorjahren auch auf mehr Anfängerinnen und
Anfänger mit ausländischer Staatsangehörigkeit in
allen vier Sektoren zurückzuführen sein.
Traditionell stellt die „Berufsausbildung“ auch 2024
den größten Sektor dar. Hierzu zählen die duale
Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG)
und der Handwerksordnung (HwO), die
Berufsausbildung in Gesundheits, Erziehungs und
SozialwesenBerufen sowie die sonstige schulische
Berufsausbildung inkl. Beamtenausbildung für den mittleren
Dienst. Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im
Sektor Berufsausbildung belief sich 2024 auf
insgesamt 691.165 (darunter 48,1 % Frauen) und blieb damit
im Vorjahresvergleich stabil (–0,3 % zu 2023). Die Zahl
der Ausländerinnen und Ausländer, die eine
Berufsausbildung begannen, stieg im Vergleich zu 2023 um
12 % auf 114.100.8
Innerhalb des Sektors Berufsausbildung ist die Zahl
der Anfängerinnen und Anfänger einer Ausbildung
im dualen System um 1,1 % bzw. 5.000 gesunken. Sie
lag 2024 bei 450.120, darunter 36,8 % Frauen. Auch die
Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer sonstigen
schulischen Ausbildung (darunter auch die Beamten
8 Die Zahlen in Kapitel 1 wurden jeweils auf volle Hundert gerundet.
Die absoluten Zahlen sind in Kapitel 2 ersichtlich.
laufbahn mittlerer Dienst) ist 2024 mit 48.339 um
1,5 % gesunken, darunter 46,8 % Frauen. Für die
Berufsausbildung im Gesundheits, Erziehungs und
Sozialwesen9 ergab sich nach den vorläufigen Daten
der iABE 2024 ein Anstieg um 2,1 % bzw. 3.900,
darunter 74,7 % Frauen.10 Damit ist die Zahl zum
zweiten Mal in Folge gestiegen.
Der Sektor „Übergangsbereich“ beinhaltet
Bildungsgänge, in denen junge Menschen auf eine Teilnahme
an der Berufsausbildung vorbereitet werden. Hierzu
zählen teilqualifizierende Bildungsgänge, aber auch
Bildungsgänge mit dem Ziel, einen allgemeinbildenden
Abschluss der Sekundarstufe I nachzuholen oder einen
höheren Schulabschluss zu erwerben, sowie
verpflichtende Praktika vor Aufnahme einer Berufsausbildung.
Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger im
Übergangssektor lag 2024 bei 259.400, darunter 38,3 % Frauen.
Dies ist ein Anstieg um 3,3 % bzw. 8.200 im Vergleich
zu 2023. Die Zahl ist damit zum dritten Mal in Folge
gestiegen. Diese Entwicklung beruht laut Statistischem
Bundesamt (StBA) auf der sukzessiven Einmündung
zugewanderter junger Menschen. So stieg die Zahl der
Ausländerinnen und Ausländer, die 2024 ein
Bildungsprogramm zum Erwerb beruflicher Grundkenntnisse,
zum Erlernen der deutschen Sprache oder zum
Nachholen eines Schulabschlusses anfingen, gegenüber 2023
um 11 % oder 11.300 Personen auf insgesamt 109.600.11
Bildungsgänge des Sekundarbereichs II, die junge
Menschen an beruflichen oder allgemeinbildenden
Schulen zur Fachhochschulreife oder allgemeinen
Hochschulreife führen, zählen zum sogenannten
Sektor „Erwerb der HZB“. Dieser Sektor zeigte 2024 im
Vergleich zu 2023 einen deutlichen Anstieg um
13,9 % bzw. 56.900 Personen auf 467.300, darunter
53,4 % Frauen. Dieser geht insbesondere auf die
Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums
9 In der iABE wird hier der Begriff „schulische Berufsausbildung im
Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen“ (kurz: GES-Berufe)
verwendet. Vergleiche auch Kapitel 2.3.1.
10 Zu beachten ist, dass die Daten der iABE im Konto I 05 („Schulische
Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen“;
„GES-Konto“) seit dem Berichtsjahr 2020 für einige Länder um die
Daten zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann auf Basis der
neuen Pflegeausbildungsstatistik (PfleA) ergänzt wurden. Vergleiche
hierzu ausführlich Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025,
Kapitel A 4.
11 Vergleiche StBA (2025): 4 % mehr junge Menschen beginnen 2024
einen Bildungsgang im Anschluss an die Sekundarstufe I oder ein
Studium (Pressemitteilung Nr. 106 vom 20. März 2025) (https://
www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/
PD25_106_212.html).
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 8 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 9
(G9) in NordrheinWestfalen und SchleswigHolstein
zurück. Bereinigt um diesen G9Effekt ist die
Entwicklung im Sektor „Erwerb der HZB“ gegenüber
dem Vorjahr jedoch stabil (± 0,0 %). In den Programmen
zum Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung gab
es im Jahr 2024 46.500 ausländische Anfängerinnen
und Anfänger und damit 16 % mehr als 2023.12
Der vierte Sektor weist die Anzahl der
Studienanfängerinnen und Studienanfänger an Hochschulen aus.
Für diesen Sektor konnte im Jahr 2024 ein leichter
Zuwachs der Anfängerzahlen um 1,9 % bzw. 9.441 auf
495.800 verzeichnet werden, darunter 52,0 % Frauen.
Fast ein Drittel (29,3 %) sind ausländische
Studienanfängerinnen und anfänger, auch aufgrund eines
hohen Anteils an Bildungsausländerinnen und
Bildungsausländern. Der Zuwachs von ausländischen
Studienanfängerinnen und anfängern betrug
10 % im Vergleich zum Vorjahr.
Betrachtet man das (Aus)Bildungsgeschehen 2024
im längeren Zeitverlauf (im Vergleich zum Jahr 2005),
lassen sich wie bereits in den vergangenen
Berichtsjahren Verschiebungen aus der dualen
Berufsausbildung hin zu Berufsausbildungen im Gesundheits,
Erziehungs und Sozialwesen, ein Trend zu höheren
Schulabschlüssen sowie eine gestiegene
Studierneigung feststellen.
12 Vergleiche StBA (2025): 4 % mehr junge Menschen beginnen 2024
einen Bildungsgang im Anschluss an die Sekundarstufe I oder ein
Studium (Pressemitteilung Nr. 106 vom 20. März 2025) (https://
www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/
PD25_106_212.html).
Öffnung der Begabtenförderungswerke für die
berufliche Bildung und Stipendien für Auszubildende
Mit Stipendien unterstützt das Bundesministerium für
Forschung, Technologie und Raumfahrt seit mehreren
Jahrzehnten akademische und berufliche Talente.
Seit 2024 hat das BMFTR dieses Angebot mit der
Pilotförderung Begabte Auszubildende und Fachkräfte in
der Förderung der Begabtenförderungswerke (BAFF)
strukturell in zweifacher Form erweitert: Zum einen
umfasst die Stipendienförderung beruflich Begabter
erstmals auch die Erstausbildung. Zum anderen öffnen
sich die akademischen Begabtenförderungswerke für
die berufliche Bildung. Dieses neue Angebot trägt dazu
bei, die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer
Bildung zu stärken und die Durchlässigkeit im
Bildungssystem zu erhöhen. Zunächst sollen rund
1.000 Auszubildende aus drei Aufnahmejahrgängen
2024, 2025 und 2026 gefördert werden. Die Werke
bieten den Auszubildenden eine Bildungspauschale
von 300 Euro monatlich sowie ideelle Förderung zur
Kompetenzstärkung, Persönlichkeitsentwicklung und
Vernetzung. Zudem öffnen die Werke und die Stiftung
Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) ihre
ideellen Förderangebote für die jeweils andere
Stipendiatenschaft.
II. Leichter Rückgang der neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge und leichter Rückgang
beim Ausbildungsangebot, dafür etwas
gestiegene Nachfrage nach dualer Ausbildung
Die wirtschaftliche Lage spiegelt sich in der
Ausbildungsbilanz des Jahres 2024 wider. Nachdem sich der
Ausbildungsmarkt zuletzt etwas von den Einbußen
im Zuge der Covid19Pandemie erholt hatte, ist für
das Jahr 2024 eine Stagnation zu verzeichnen.
So hat die Zahl der neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge gemäß der Erhebung des Bundesinstituts
für Berufsbildung (BIBB) zum 30. September 2024
um 0,5 % (2.500 Verträge) im Vergleich zum Vorjahr
abgenommen. Die Zahl der neu geschlossenen
Ausbildungsverträge lag 2024 somit bei 486.700. Mit
Blick auf den strukturell und perspektivisch weiter
großen Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften
bleibt die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ein
zentrales berufsbildungspolitisches Handlungsfeld.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 9 –
10 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Der Rückgang betrifft die außerbetrieblichen
Aus bildungsverträge mit 7,1 % stärker (2023: 14.300;
2024: 13.300) als die betrieblichen Ausbildungsverträge,
die nur um 0,3 % zurückgingen (2023: 489.200;
2024: 486.700).
Während im Jahr 2023 in nahezu allen
Zuständigkeitsbereichen die Neuabschlüsse zunahmen
(Ausnahme Freie Berufe und Hauswirtschaft), zeigt sich
im Jahr 2024 ein uneinheitlicheres Bild: Seeschifffahrt
+7,1 %, Freie Berufe +3,5 %, Öffentlicher Dienst +1,6 %13
und Handwerk +0,2 %, Hauswirtschaft –5,8 %, Industrie
und Handel –1,6 %, Landwirtschaft –0,7 %.14
Im Jahr 2020 gingen das Ausbildungsangebot und
die Ausbildungsnachfrage junger Erwachsener noch
nahezu parallel zurück und das Gesamtsystem
schrumpfte, in den Folgejahren zeigten sich dagegen
unterschiedliche Entwicklungen für Angebot und
Nachfrage. Das seit 2021 kontinuierlich gestiegene
Ausbildungsangebot ist im Jahr 2024 das erste
Mal wieder geringfügig rückläufig. Dagegen ist die
(erweiterte) Nachfrage nach Ausbildung im Jahr 2024
weiter gestiegen.
Das Angebot an Ausbildungsstellen, das sich aus den
neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sowie den
noch unbesetzten Ausbildungsstellen zusammensetzt,
ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 6.500 (–1,2 %)
auf 556.100 gesunken. Dabei ist der Rückgang des
Ausbildungsangebots sowohl auf den Rückgang
betrieblicher Ausbildungsangebote (Angebote von
Betrieben, Unternehmen und Behörden) als auch
außerbetrieblicher Angebote zurückzuführen.
Betrachtet man die Entwicklungen der unbesetzten
Ausbildungsstellen im dualen Ausbildungssystem,
blieben im Vergleich zu den Vorjahren etwas weniger
Ausbildungsstellen unbesetzt. Gemäß der Statistik der
BA waren Ende September 2024 noch 69.000 Aus
13 Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im
Zuständigkeitsbereich Öffentlicher Dienst (BIBB-Erhebung zum
30. September) ist nicht mit den Angaben zur Ausbildungsleistung
im Öffentlichen Dienst basierend auf der Personalstandstatistik des
StBA vergleichbar (siehe Kapitel 2.3.5). Denn die Ausbildungsleistungen
des Öffentlichen Dienstes in Ausbildungsberufen der gewerblichen
Wirtschaft (z. B. Handwerk oder Industrie und Handel) werden
bei der BIBB-Erhebung zum 30. September unter dem jeweiligen
Zuständigkeitsbereich erfasst. Das Merkmal der Zugehörigkeit der
Ausbildungsstätte zum Öffentlichen Dienst wird im Rahmen der
BIBB-Erhebung zum 30. September nicht erhoben.
14 Die absoluten Zahlen finden sich in Kapitel 2.3.2.2.
bildungsstellen unbesetzt. Das bedeutet einen Rückgang
um 4.000 Stellen (–5,5 %) im Vergleich zum Vorjahr.
Auch im Berichtsjahr 2024 ist die
Ausbildungsnachfrage angestiegen. Für die traditionelle Nachfrage
nach Ausbildungsstellen, die sich aus den neu
abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sowie den noch
unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern ergibt,
zeigte sich ein leichter Anstieg um 2.300 (+0,4 %)
auf 517.900.
Nachdem die Zahl der gänzlich unversorgten
Bewerberinnen und Bewerber zum Stichtag 30. September
in den Jahren 2021 und 2022 gesunken war, nimmt
diese Zahl wie auch bereits im Vorjahr zu. So waren
im Berichtsjahr 2024 31.200 Bewerberinnen und
Bewerber als unversorgt gemeldet. Dies sind 4.800 bzw.
18,1 % mehr als 2023. Dies ist der höchste Wert für die
Zahl der gänzlich unversorgten Bewerberinnen und
Bewerber seit dem Jahr 2008 und liegt sogar über dem
Wert von 2020 (29.300).
Innerhalb der Gruppe der noch unversorgten
Bewerberinnen und Bewerber zeigten sich über alle
Altersgruppen sowie Schulabschlüsse kaum Unterschiede
zum Jahr 2023.
Betrachtet man die Zusammensetzung der Gruppe der
Bewerberinnen und Bewerber, die überproportional
unversorgt bleiben, sind hier unter anderem ältere
Bewerberinnen und Bewerber, Bewerberinnen und
Bewerber mit ausländischer Staatsangehörigkeit,
schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber,
Bewerberinnen und Bewerber ohne Schulabschluss
oder mit Hauptschulabschluss und Bewerberinnen
und Bewerber, die wiederholt einen Ausbildungsplatz
suchen, vertreten. Gut jede und jeder vierte
Unversorgte besitzt die (Fach)Hochschulreife. Hier wird
deutlich, dass sich in der Gruppe der unversorgten
Bewerberinnen und Bewerber sowohl junge
Menschen mit einer niedrigen schulischen Qualifikation
als auch mit hoher schulischer Qualifikation finden
lassen. Junge Menschen mit Abitur streben dabei
häufiger beliebte Ausbildungsberufe an, bei denen
das Angebot geringer als die Nachfrage ist (wie z. B.
künstlerischkreative Berufe oder ITBerufe).15 Es ist
zu vermuten, dass bei NichtEinmündung in den
15 Vergleiche Statistik der BA, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation
am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024.
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 10 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 11
gewünschten Ausbildungsberuf unversorgte
Bewerberinnen und Bewerber mit (Fach)Hochschulreife
sich häufig zu einem Studium umorientieren. Der
hohe Anteil der Unversorgten mit (Fach)
Hochschulreife könnte im kommenden Jahr im Flächenland
NRW, wo der Anteil unversorgter Bewerberinnen oder
Bewerber über dem bundesweiten Durchschnitt liegt,
abnehmen, da es dort durch die Umstellung zum
Schuljahr 2019/20 von G8 auf G9 zu einer
„AbiturLücke“ kommen wird. Gleichzeitig könnte sich
dadurch die Stellenbesetzung für die Betriebe noch
schwieriger gestalten.
Auch für die Ausbildungsnachfrage nach der
erweiterten Definition wurde im Jahr 2024 ein
Anstieg verzeichnet. Diese bezieht Personen ein, die
zwar noch eine Ausbildungsstelle suchen, aber bereits
über eine Alternative wie einen weiteren Schulbesuch,
einen Studienplatz oder eine berufsvorbereitende
Bildungsmaßnahme verfügen. Die erweiterte
Nachfrage stieg um 4.200 Personen auf 557.100. Dies stellt
ein Plus von 0,8 % dar. Gegenüber dem Berichtsjahr
2019 verbleibt ein Abstand von –7,0 %. Die Zahl der
Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative ist
2024 um 1.900 Personen (+5,1 %) auf 39.200 gestiegen.
2024 überstieg die Ausbildungsnachfrage (557.100)
das erste Mal seit 2019 das Ausbildungsangebot
(556.100 Stellen, davon 542.800 betrieblich), allerdings
nur minimal und auch nur unter Berücksichtigung
der erweiterten Definition (die traditionelle
Ausbildungsnachfrage lag 2024 bei 517.900).
Fasst man die dargestellten Kennwerte zusammen, so
ergibt sich für das Jahr 2024 eine Angebots
NachfrageRelation (ANR) von 107,4 (2023: 109,1). Dies bedeutet,
dass rechnerisch 100 ausbildungsplatznachfragenden
Personen 107,4 angebotene Ausbildungsstellen
gegenüberstanden. Damit war die ANR im Jahr 2024 erneut
rückläufig, aber weiterhin positiv für die
Nachfragenden. Zurückzuführen ist dies auf den Anstieg der
unversorgten Bewerberinnen und Bewerber und
den Rückgang des Ausbildungsangebotes.
Die erweiterte ANR liegt mit 99,8 im Jahr 2024 nach
zwei Jahren erstmalig wieder unter dem Wert 100.
Zwischen 2009 und 2023 ist die eANR stetig gestiegen.
Der Trend, dass dem gegebenen Ausbildungsangebot
immer weniger Nachfragende gegenüberstehen, setzt
sich 2024 damit erstmalig nicht mehr fort.
Die Einmündungsquote der ausbildungsinteressierten
jungen Menschen (EQI) war mit 67,6 wieder etwas
niedriger als in den Vorjahren (2022: 68,0; 2023: 68,9).
Bezogen auf die Zeitreihe seit 2009 ist es der
vierthöchste Wert.
EANR und EQI geben somit Hinweise darauf, dass sich
die Marktlage aus Sicht der eine Ausbildung suchenden
jungen Menschen im Jahr 2024 rechnerisch
geringfügig verschlechtert hat.
III. Ausbildung in Berufen des Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialwesens
Die Ausbildung in den Berufen des Gesundheits,
Erziehungs und Sozialwesens stellt neben der dualen
Ausbildung die zweite Säule der Berufsausbildung in
Deutschland dar. Bei der Berufsausbildung in den
Berufen des Gesundheits, Erziehungs und
Sozialwesens handelt es sich um Ausbildungsgänge
außerhalb von BBiG und HwO, die sich nach bundes oder
landesrechtlichen Bestimmungen regeln.
Durchgeführt werden sie an Berufsfachschulen, Schulen des
Gesundheitswesens und Fachschulen. Ein Teil dieser
Ausbildungen ist dual strukturiert.16
Dieser Ausbildungsbereich hat in den letzten Jahren
stark zugenommen. Er hebt sich damit von den
anderen schulischen Ausbildungsberufen ab. Die Zahl
der Anfängerinnen und Anfänger einer Ausbildung
in den Gesundheits, Erziehungs und Sozialberufen
stieg zwischen 2005 und 2024 um 35,0 % an.
Nach den vorläufigen Daten der iABE 2024 lag die
Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in einem
Ausbildungsberuf des Gesundheits,
Erziehungsund Sozialwesens bei 192.713 (darunter 74,7 % Frauen).
Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem
Zuwachs von 2,1 %.
Auf den Bereich der Gesundheitsberufe (ohne die
bundes gesetzlich geregelte Pflegeausbildung17),
16 Viele der bundes- sowie landesrechtlich geregelten Gesundheits-,
Sozial- und Bildungsberufe werden sowohl im Betrieb (z. B.
Krankenhaus) als auch am Lernort Schule (z. B. Pflegeschule) ausgebildet.
Dennoch ist der Begriff „schulische“ Berufsausbildung für diese
dual strukturierten Bildungsgänge bislang etabliert. Dabei treffen
die Begrifflichkeiten keine Aussage über die Wertigkeit dieser Säule
der Berufsausbildung in Deutschland.
17 Daten über Auszubildende nach dem Pflegeberufegesetz werden seit
dem 1. Januar 2020 im Rahmen der „Statistik nach der Pflegeberufe-
Ausbildungsfinanzierungsverordnung“ erhoben und veröffentlicht.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 11 –
12 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
welcher die Ausbildungen in den bundesrechtlich
geregelten anderen Heilberufen umfasst, wie
beispielsweise Ergotherapeutin bzw. Ergotherapeut sowie
die landesrechtlich geregelten Ausbildungen in den
Berufen der Pflegefachassistenz sowie die
Assistenzund Helferberufe in der Pflege, entfielen gemäß
dem Statistischen Bericht „Berufliche Schulen und
Schulen des Gesundheitswesens –
Berufsbezeichnungen – Schul jahr 2023/24“ des StBA insgesamt rund
51.400 Schülerinnen und Schüler im ersten
Ausbildungs jahr (darunter 70,6 % Frauen). Dies stellt
insgesamt einen Anstieg von 15,7 % bzw. rund 7.000
Personen im Vergleich zum Vorjahr dar (vgl. auch
dies bezügliche Ausführungen in Kapitel 2.3.3).
Der Bereich der Sozial und Bildungsberufe umfasst
u. a. die Ausbildungsberufe Erzieherin und Erzieher,
Kinderpflegerin und Kinderpfleger,
Heilerziehungspflegerin und Heilerziehungspfleger sowie die
Ausbildung zur Sozialassistentin bzw. zum Sozial assistenten.
Die Zahl der Schülerinnen und Schüler im ersten
Ausbildungsjahr lag im Schuljahr 2023/2024 bei rund
77.600 Personen (darunter 79,0 % Frauen). Das bedeutet
einen Anstieg um 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr.
IV. Herausforderungen bei der
Zusammenführung von Angebot und Nachfrage haben
auf beiden Seiten zugenommen
Das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage
(Passung) auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin
eins der zentralen berufsbildungspolitischen
Handlungsfelder, da sowohl die Zahl der erfolglos
angebotenen Ausbildungsplätze (Besetzungsprobleme) als
auch die Zahl der erfolglosen
Ausbildungsplatznachfragerinnen und nachfrager (Versorgungsprobleme)
signifikant ist. Dabei können vielfältige Gründe zu
einer geringeren Passung von Angebot und Nachfrage
beitragen (z. B.: Berufswünsche der jungen Menschen
decken sich nicht mit dem Bedarf der Betriebe,
eingeschränkte Passung von regionaler Nachfrage
und regionalem Angebot, fehlende Übereinstimmung
der Qualifikationen von Bewerbenden und der
Anforderungsprofile der Betriebe).
Auf der einen Seite hat zwar die Zahl der unbesetzten
Ausbildungsplätze (69.400) etwas abgenommen (–5,5 %),
was aber auch mit der allgemein gesunkenen
Zahl (502.000) der im Jahr 2024 gemeldeten
betrieblichen Ausbildungsstellen zusammenhängen kann.
Auf der anderen Seite ist die Zahl der gänzlich
unversorgten Bewerberinnen und Bewerber 2024 weiterhin
gestiegen. Die Zahl der noch suchenden Bewerber
(gänzlich unversorgte plus Bewerberinnen und
Bewerber mit Alternative) belief sich 2024 auf 70.400,
was eine Zunahme um 10,5 % im Vergleich zum Vorjahr
bedeutet. So übersteigt die Zahl der noch suchenden
Bewerberinnen und Bewerber minimal die unbesetzten
Stellen. Der Anteil noch suchender Bewerberinnen und
Bewerber ist im aktuellen Berichtsjahr leicht angestiegen
auf 12,6 % gegenüber 11,5 % im Vorjahr. Der Anteil
unbesetzter Ausbildungsstellen am betrieblichen
Gesamtangebot ist von 13,4 % auf 12,8 % gesunken.
Dennoch bleiben die Herausforderungen für Betriebe
bei der Stellenbesetzung in vielen Ausbildungsberufen
weiterhin bestehen.
Bei der Passung von Angebot und Nachfrage auf
dem Ausbildungsmarkt gibt es wie in den Vorjahren
weiterhin deutliche berufliche und regionale
Unterschiede. So sind manche Ausbildungsberufe
bereits seit einigen Jahren durch besondere
Stellenbesetzungs probleme gekennzeichnet (siehe auch
Kapitel 2.4.1). Je nach Ausbildungsberuf kann das
Interesse junger Menschen sehr unterschiedlich
ausgeprägt sein. Laut Statistik der Bundesagentur für
Arbeit zum Beratungsjahr 2023/2024 fiel die Zahl der
gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen
insbesondere in Berufen im Bereich
Lebensmittelherstellung und verkauf, im Hoch und Tiefbau oder
auch im Verkauf sehr viel höher aus als die Zahl der
gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber. In diesen
Berufen stehen die Chancen für junge Menschen gut,
einen Ausbildungsplatz zu finden. Deutlich weniger
gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als
Bewerberinnen und Bewerber gab es beispielsweise im
Friseur handwerk, in der Softwareentwicklung, in der
Tischlerei, in KfzBerufen sowie in Büro und
Verwaltungsberufen oder auch in künstlerischkreativen
Berufen. Neben Unterschieden nach
Zuständigkeitsbereichen lassen sich auch regionale Unterschiede
feststellen. Betrachtet man die BewerberStellenRelation,
hatten Bewerberinnen und Bewerber aus Berlin die
größten Heraus forderungen, einen Ausbildungsplatz
zu finden – gefolgt von Hessen, NordrheinWestfalen,
Bremen, Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg.
Die besten Chancen auf einen Ausbildungsplatz hatten
dagegen Bewerberinnen und Bewerber aus Thüringen
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 12 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 13
und Bayern, gefolgt von Hamburg, BadenWürttemberg
und MecklenburgVorpommern.18
Ausbildungsgarantie
Um allen jungen Menschen ohne Berufsabschluss
den Zugang zu einer vollqualifizierenden, möglichst
betrieblichen Berufsausbildung zu eröffnen, wurde
eine Ausbildungsgarantie eingeführt. Zum
Gesamtkonzept zur Ausbildungsgarantie gehören verschiedene
Handlungsfelder, u. a. die Stärkung der beruflichen
Orientierung, die Förderung von Mobilität und die
Flexibilisierung der Einstiegsqualifizierung. Auch
Jugendberufsagenturen werden als zentrale Akteure
am Übergang von der Schule in den Beruf
weiterentwickelt. Wer trotz eigener Bemühungen und
Unterstützungsangebote keinen betrieblichen
Ausbildungsplatz findet und in einer Region mit zu wenigen
Ausbildungsplätzen wohnt, hat zudem einen Anspruch
auf außerbetriebliche Berufsausbildung.
Assistierte Ausbildung (AsA)
Die Assistierte Ausbildung (§§ 74 und 75a SGB III)
unterstützt ausbildungsreife junge Menschen bei der
Aufnahme und dem erfolgreichen Abschluss einer
betrieblichen Berufsausbildung. Das
Unterstützungsangebot richtet sich auch an Ausbildungsbetriebe.
Um dem individuellen Bedarf der
Ausbildungssuchenden und Auszubildenden Rechnung zu tragen, ist das
Instrument sehr flexibel gestaltet. Es beinhaltet neben
Hilfen zum Abbau von Sprachdefiziten und
„Stützunterricht“ zum Abbau von Bildungsdefiziten auch die
Förderung der Fachpraxis und Fachtheorie, bietet aber
auch Angebote zur sozialpädagogischen Begleitung.
Den Teilnehmenden steht beim Träger der Assistierten
Ausbildung eine feste Person zur
Ausbildungsbegleitung zur Verfügung. Auch Teilnehmende an einer
Einstiegsqualifizierung sowie der jeweilige Betrieb
können durch die begleitende Phase der Assistierten
Ausbildung unterstützt werden. Aktuell geht es
insbesondere darum, die Inanspruchnahme des Instrumentes
zu erhöhen, indem die Möglichkeiten der Assistierten
Ausbildung bekannter gemacht und diese in gezielten
Aktionen beworben werden.
18 Vergleiche Statistik der BA, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation
am Ausbildungsmarkt 2023/24. Nürnberg. Oktober 2024.
Auch qualifikatorische Eigenschaften der
Bewerberinnen und Bewerber (z. B. Art des Schulabschlusses,
Schulnoten, soziale und sprachliche Kompetenzen)
haben einen Einfluss auf die
Vermittlungswahrscheinlichkeit. Obwohl im Jahr 2024 fast zwei
Drittel (65,5 %) der unbesetzten Ausbildungsstellen
(rund 45.500) für Personen mit Hauptschulabschluss
zur Verfügung standen, blieben rund 20.700 junge
Menschen mit Hauptschulabschluss erfolglos bei der
Suche nach einem Ausbildungsplatz.19 Dies macht
deutlich, dass Betriebe und Ausbildungsinteressierte
besser geografisch und beruflich zusammenfinden
müssen.20 Zudem kann eine noch größere Offenheit
gegenüber jungen Menschen mit und ohne
Behinderungen mit voraussichtlich höherem
Unterstützungsbedarf seitens der Betriebe sowohl bei der Rekrutierung
als auch während der Berufsausbildung eine Chance
bieten. 80 % der von der DIHK befragten deutschen
Ausbildungsunternehmen erkennen bereits die
Herausforderungen und zugleich Potenziale „unzu reichend
gebildeter“ Schulabgängerinnen und Schul abgänger
und setzen dort an. So bietet mehr als jeder dritte
Betrieb (37 %) firmeninterne Nach hilfe an.21
Studien zufolge bilden bisher weniger als 23 % der
ausbildenden Betriebe Menschen mit Behinderungen
aus, obwohl die Ausbildung von Menschen mit
Behinderungen vor allem für kleine und mittlere
Unternehmen (KMU) eine Möglichkeit bieten kann,
qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und die
Betriebsvielfalt zu fördern.22
Nach den Daten der BIBBErhebung über neu
abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09.2024
19 Ergänzung: Erfolglos blieben auch weitere 44.800 andere ehemalige
Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss, die sich
bereits vor dem 30.9. abgemeldet hatten.
20 Vergleiche Weller, Sabrina Inez; Christ, Alexander; Milde, Bettina;
Granath, Ralf-Olaf (2024): Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes
im Jahr 2024. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu
abgeschlossene Ausbildungsverträge und der
Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September.
Bonn. Fassung vom 12.12.2024.
21 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin.
22 Vergleiche Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: Ausbildung
von Menschen mit Behinderung. Artikel vom 26. November 2024
(https://www.kofa.de/mitarbeiter-finden/zielgruppen/menschen-
mit-behinderung/ausbildung/). Zuletzt aufgerufen am 31.01.2025;
Metzler, Christoph; Seyda, Susanne; Wallossek, Luisa; Werner, Dirk
(2017): Menschen mit Behinderung in der betrieblichen Ausbildung.
IW-Analysen Nr. 114. Institut der deutschen Wirtschaft. Köln
(https://www.iwkoeln.de/studien/christoph-metzler-susanne-
seyda-dirk-werner-menschen-mit-behinderung-in-der-
betrieblichen-ausbildung.html). Zuletzt aufgerufen am 29.01.2025.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 13 –
14 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
wurden 6.035 Ausbildungsverträge über
Ausbildungsregelungen der zuständigen Stelle für Menschen
mit Behinderungen (§ 66 BBiG und § 42r HwO) neu
abgeschlossen. Dies entsprach einem Anteil von 1,2 %
an allen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.
Die große Mehrheit von 5.206 Verträgen wurden dabei
überwiegend öffentlich finanziert, 829 Verträge sind
überwiegend betrieblich finanziert.23
Bei der Rekrutierung von Auszubildenden sollten
Lernschwierigkeiten (knapp 30 % der
Förderschülerinnen und Förderschüler) und andere Förderbedarfe wie
Sehen, Hören oder körperliche Einschränkungen
(knapp 70 % der Förderschülerinnen und Förderschüler)
stärker von Betrieben berücksichtigt werden, indem
beispielsweise bei Stellenanzeigen auf Barrierefreiheit
geachtet wird und Menschen mit Behinderungen
gezielt angesprochen werden.24
Die Gründe, dass Betriebe und junge Menschen sich
nicht finden (können), sind vielfältig. Eine Ursache der
Schwierigkeiten beim Zusammenführen von Angebot
und Nachfrage kann – neben den bereits bekannten –
auch in der unterschiedlichen Kommunikation
zwischen Ausbildungsinteressierten und Unternehmen
liegen. So zeigt eine kombinierte Jugend und
Unternehmensbefragung der Bertelsmann Stiftung und
des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem
Jahr 2024, dass sich Betriebe und junge Menschen
zwar überwiegend einig über die notwendigen
Informationswege (OnlineStellenausschreibungen,
Vermittlung durch die BA und Social Media) sind,
allerdings beim Thema Social Media eine Diskrepanz
besteht. Hier finden Angebot und Nachfrage eher
seltener zueinander. Instagram ist sowohl bei
Unternehmen als auch bei jungen Menschen am beliebtesten.
Während Facebook von 71 % der Unternehmen
genutzt wird, um über ihre Ausbildungsplätze zu
informieren, nutzt es nur ein Viertel der jungen
Menschen bei der Suche nach Ausbildungsangeboten.
Junge Menschen nutzen häufiger YouTube (47 %),
WhatsApp (38 %) und TikTok (30 %), die wiederum von
den Unternehmen deutlich seltener bespielt werden
23 Vergleiche Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)
über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge (2024); Hinweis:
Werden Menschen mit Behinderungen in anerkannten
Ausbildungsberufen ausgebildet (vgl. § 64 BBiG), wird dies nicht gesondert erfasst
und kann daher nicht gesondert ausgewiesen werden.
24 Vergleiche Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: Ausbildung
von Menschen mit Behinderung. Artikel vom 26. November 2024
(https://www.kofa.de/mitarbeiter-finden/zielgruppen/menschen-
mit-behinderung/ausbildung/). Zuletzt aufgerufen am 29.01.2025.
(z. B. YouTube nur von 18 %).25 Von den von der DIHK
befragten Betrieben nutzt gut die Hälfte Social Media
(ohne Instagram)26, Instagram nutzen 45 % der Betriebe.
Sie bewerten den Einsatz von Social Media inkl.
Instagram mehrheitlich positiv bei der Rekrutierung von
Auszubildenden. TikTok, YouTube und WhatsApp
werden dagegen seltener genutzt und nur bedingt
effektiv von den Betrieben eingeschätzt, da die
Bewerbung auf den Ausbildungsplatz nicht
unmittelbar erfolgt.27 Eine stärkere Orientierung am
Medienverhalten von jungen Menschen könnte von Vorteil
sein, um mehr potenzielle Bewerberinnen und
Bewerber zu erreichen. Auch die analoge
Kommunikation kann sich laut der Studie bei bestimmten
Zielgruppen bewähren, so nutzen vor allem junge
Menschen mit niedriger Schulbildung Stellenanzeigen
in Zeitungen oder den Aushang an „schwarzen
Brettern“ in Schulen häufiger, als Unternehmen es
bisher tun.28 Schlussendlich kommt es nicht nur
darauf an, die genutzten Rekrutierungswege an das
Medienverhalten der jungen Menschen anzupassen,
sondern über sie auch die Informationen zu
transportieren, die für die jungen Menschen relevant sind und
sich an ihren Interessen und Bedarfen orientieren.
Auch die (nicht vorhandenen) Informationen in
Stellenanzeigen können einen Einfluss auf potenzielle
Auszubildende haben. 2024 wurde die Analyse von
MindestSchulabschlüssen von 2,4 Millionen
OnlineStellenausschreibungen für Ausbildungsplätze der
Bewerbungsjahre 2018/19 bis 2022/23 veröffentlicht.
Aus der Analyse der Bertelsmann Stiftung geht
hervor, dass immer mehr Online
Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze keine Angaben zum
geforderten Schulabschluss enthalten (58 % im
Bewerbungsjahr 2022/23; 50,8 % in 2018/19). Dieser
Befund kann darauf hindeuten, dass Betriebe damit
den individuellen Kompetenzen der Bewerberinnen
und Bewerber mehr Bedeutung zumessen wollen
25 Vergleiche Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft
(2024): Vom Mismatch zum Match: Wie sich Jugendliche und
Unternehmen auf dem Ausbildungsmarkt suchen und finden (können).
Eine kombinierte Jugend- und Unternehmensbefragung. Gütersloh
und Köln (https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/
publikation/did/vom-mismatch-zum-match-wie-sich-
jugendlicheund-unternehmen-auf-dem-ausbildungsmarkt-suchen-und-
findenkoennen). Zuletzt aufgerufen am 13. Januar 2025.
26 Aufteilung nach folgenden Kategorien: Instagram, Social Media,
TikTok/YouTube/WhatsApp und LinkedIn/Xing/Facebook.
27 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin.
28 Vergleiche Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen
Wirtschaft (2024).
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 14 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 15
und/oder, dass sich Betriebe mit diesem Vorgehen
mehr Bewerbungen erwarten. Dabei adressiert nur
ein kleiner Anteil (15,3 %) der Online
Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze junge Menschen
mit niedriger Schulbildung. Ausbildungsbetriebe, die
Schwierigkeiten bei der Besetzung von
Ausbildungsplätzen haben, adressieren ihre Online
Stellenausschreibungen mittlerweile allerdings schon häufiger
an junge Menschen mit niedriger Schulbildung.29
Angesichts der zunehmenden Passungsprobleme
am Ausbildungsmarkt wurde für die BABIBB
IABBewerberstudie 2024 das Thema Berufsorientierung als
Schwerpunktthema festgelegt. Da die Befragung noch
bis Frühjahr 2025 im Feld ist, können die Ergebnisse erst
im Berufsbildungsbericht 2026 aufgegriffen werden.
V. Im Fokus: Steigende Zahl von Ukrainerinnen
und Ukrainern in dualer Berufsausbildung
Das duale Ausbildungssystem spielt im Kontext von
Fluchtmigration nach Deutschland eine wichtige
Rolle: Es ist eine Säule bei der Integration geflüchteter
Menschen sowohl im Alltag als auch am Arbeitsmarkt
und trägt so gleichzeitig zur Minderung der in
Deutschland in vielen Berufen herrschenden Fachkräfte
engpässe bei. Dies zeigte sich bereits im Kontext der
Fluchtmigration nach Deutschland in den Jahren 2015
und 2016. Ab 2022 kam aufgrund des Krieges in der
Ukraine erneut eine große Zahl junger Geflüchteter
nach Deutschland. Als Folge war die ukrainische
Wohnbevölkerung in Deutschland von 155.310
Personen im Jahr 2021 auf 1.164.200 Personen im Jahr 2022
extrem stark gewachsen (ein Zuwachs von über einer
Million bzw. +649,6 %). Bei denjenigen im
ausbildungsrelevanten Alter zwischen 15 und 30 Jahren fiel der
Zuwachs 2022 mit +661,5 % im Vergleich zum Vorjahr
ebenfalls sehr stark aus (Anstieg von knapp 32.000
Personen im Jahr 2021 auf knapp 243.000 im Jahr 2022).
Viele der jungen Ukrainerinnen und Ukrainer
möchten längerfristig in Deutschland bleiben. Eine
duale Ausbildung bietet ihnen die Möglichkeit, sich
gute Voraussetzungen für die Zukunft am Arbeits
29 Vergleiche Schnelle, Caroline (2024). Big-Data-Einblicke in den
Ausbildungsmarkt. Eine Analyse von Mindest-Schulabschlüssen in
Online-Stellenanzeigen für Ausbildungsplätze. Bertelsmann Stiftung
(Hrsg.). Gütersloh./(https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/
publikationen/publikation/did/big-data-einblicke-in-
denausbildungsmarkt).Zuletzt aufgerufen am 14.01.2025.
markt zu schaffen. Eine Auswertung30 des BIBB
anhand der Daten der Berufsbildungsstatistik der
Statistischen Ämter des Bundes und der Länder
(Erhebung zum 31.12.)31 zeigt, dass sich die Zahl der
ukrainischen Menschen, die 2023 einen
Ausbildungsvertrag im dualen System der Berufsausbildung
abschlossen, im Vergleich zum Vorjahr mehr als
verdoppelt hat.32 Mit einem Anstieg von 111,6 % (von
882 auf 1.866, ein Plus von knapp 1.000 Neuabschlüssen)
fiel dieser prozentual zwar noch deutlich geringer aus
als der Bevölkerungsanstieg im Vorjahr, die
Entwicklung nach der Fluchtbewegung 2015 hat allerdings
gezeigt, dass das Einmünden geflüchteter Menschen
in das duale System meist rund zwei Jahre in Anspruch
nimmt. Daher ist ein weiterer Anstieg für das
Jahr 2024 zu erwarten.
Mehr als die Hälfte (53,3 %) der neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge innerhalb der Gruppe der
ukrainischen Auszubildenden wurde 2023 mit Frauen
geschlossen. Damit liegt der Frauenanteil in dieser
Gruppe sowohl deutlich über dem der
Auszubildenden mit deutscher Staatsangehörigkeit (35,5 %) als
auch über dem der ausländischen Auszubildenden
insgesamt (40,2 %). Am häufigsten schlossen ukrainische
Auszubildende 2023 einen neuen Ausbildungsvertrag
im Beruf „Zahnmedizinische Fachangestellte/
Zahnmedizinischer Fachangestellter“ ab, gefolgt von
„Fachinformatikerin/Fachinformatiker“,
„Kraftfahrzeugmechatronikerin/Kraftfahrzeugmechatroniker“,
„Koch/Köchin“, „Steuerfachangestellter/
Steuerfachangestellte“ und „Hotelfachfrau/Hotelfachmann“.33
30 Vergleiche Schmidt, Robyn; Kroll, Stephan (2024): Integration junger
Geflüchteter in das duale System der Berufsausbildung als wichtige
Säule zur Fachkräftesicherung: Wie gut gelingt sie? Deskriptive
Auswertungen auf Basis der Berufsbildungsstatistik. Bonn.
URL: https://res.bibb.de/vet-repository_782970
31 Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bereitet die
Auszubildenden-, Vertrags- und Prüfungsdaten (duale Berufsausbildung nach
BBiG bzw. HwO) der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter
des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) im „Datensystem
Auszubildende“ (DAZUBI) auf. Abzurufen unter: https://www.bibb.
de/de/1864.php
32 Eine Gesamtübersicht zur Entwicklung des Auszubildendenbestands,
der Neuabschlüsse und verschiedener Indikatoren des
Ausbildungsverlaufs (Prüfungsteilnehmerinnen/Prüfungsteilnehmer,
Absolventinnen/Absolventen, vorzeitige Vertragslösungen) bei den
ausländischen Auszubildenden in der dualen Berufsausbildung nach
Staatsangehörigkeiten findet sich unter: https://www.bibb.de/
dokumente/xls/dazubi_zusatztabellen_auslaendische-azubis_
staatsangehoerigkeiten_ab2008.xlsx
33 In welche Ausbildungsberufe sowohl die ausländischen
Auszubildenden insgesamt als auch einzelne Staatsangehörigkeitsgruppierungen
am häufigsten einmünden, zeigt die nachfolgend verlinkte
Zusatztabelle auf DAZUBI: https://www.bibb.de/dokumente/xls/dazubi_
zusatztabellen_auslaendische-azubis_berufe_2022-2023.xlsx
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 15 –
16 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Viele der unter Ukrainerinnen und Ukrainern am
stärksten besetzten Berufe sind Berufe, die von der
Bundesagentur für Arbeit als Engpassberufe (also
Berufe, bei denen Unternehmen größere
Besetzungsschwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben) identifiziert
werden. Dazu gehören neben dem Beruf
Zahnmedizinische Fachangestellte/Zahnmedizinischer Fach
angestellter auch Berufe im Hotelservice, Berufe in der
System gastronomie, Berufe in der Kraftfahrzeug technik,
Berufe in der Mechatronik, Köchinnen/Köche (o. S.34),
Medizinische Fachangestellte/Medizinischer
Fachangestellter (o. S.) sowie Berufe im Bereich der Sanitär,
Heizungs, Klimatechnik).35
Die Zahl der ukrainischen Prüfungsabsolventinnen/
Prüfungsabsolventen (erfolgreiche
Prüfungsteilnehmerinnen/Prüfungsteilnehmer) ist bis einschließlich
2023 – wie zu erwarten – noch nicht auffällig gestiegen,
da sie zunächst ihre Ausbildung beginnen und
erfolg reich durchlaufen müssen. Ähnlich wie im
Anschluss an die Fluchtbewegung 2015 ist zu erwarten,
dass die Absolventenzahlen etwa vier bis fünf Jahre
nach den Bevölkerungsanstiegen bzw. drei bis vier Jahre
nach den Neuabschlussanstiegen ein starkes Wachstum
zeigen. Ab 2026 dürfte sich die aktuell bereits zu
beobachtende Zunahme bei den Neuabschlusszahlen
schließlich auch in der Zahl der erfolgreichen
Ausbildungsabsolventinnen und Absolventen widerspiegeln.
Die Absolventinnen und Absolventen können
anschließend als qualifizierte Fachkräfte in den
deutschen Arbeitsmarkt übergehen – wovon sowohl
sie selbst als auch Betriebe auf der Suche nach
passenden Mitarbeitenden profitieren. Dies unterstreicht die
wichtige Rolle, die die Integration der Geflüchteten in
das duale System bei der Minderung von
Fachkräfteengpässen einnimmt.
VI. Betriebliche Beteiligung an dualer
Ausbildung
Nach Analysen des Bundesinstituts für Berufs
bildung (BIBB) anhand der Daten der
Beschäftigungsstatistik der BA beteiligten sich im Berichtsjahr 2023
402.800 Betriebe an der beruflichen Ausbildung von
34 ohne Spezialisierung
35 Vergleiche Bundesagentur für Arbeit (2024): Statistik/
Arbeitsmarktberichterstattung, Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Juni 2024.
Fachkräfteengpassanalyse 2023. Nürnberg. URL: https://statistik.
arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_
Formular.html?topic_f=fachkraefte-engpassanalyse
(Stand 09.01.2025).
jungen Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die
Anzahl der Ausbildungsbetriebe um 5.900 (–1,4 %)
gesunken. Die Ausbildungsbetriebsquote lag bei 18,8 %
und ist damit im Vorjahresvergleich nahezu
unverändert geblieben (2022: 18,9 %). Der Rückgang ist auf
sinkende Bestände an Ausbildungsbetrieben bei
Kleinst und Kleinbetrieben zurückzuführen. Bei
mittleren Betrieben und Großbetrieben entwickelten
sich die Bestandszahlen der Ausbildungsbetriebe
leicht positiv. Das Ergebnis ist auch mit Bezug auf die
ausgeprägten Stellenbesetzungsschwierigkeiten von
kleineren Betrieben zu sehen.
Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund eines
immer stärkeren Auseinanderdriftens des
Ausbildungsangebots der Betriebe und der Zahl der nachfragenden
jungen Erwachsenen zu sehen. Der aktuellen
Unternehmensbefragung der DIHK ist zu entnehmen, dass
fast jeder zweite IHKAusbildungsbetrieb (49 %) im
Jahr 2023 nicht all seine angebotenen
Ausbildungsplätze besetzen konnte. Im Zehnjahresvergleich (2013)
entspricht dies einem Anstieg um 20 Prozentpunkte.
Wie in den Vorjahren erhielt über ein Drittel der
befragten Ausbildungsbetriebe mit unbesetzten
Ausbildungsplätzen im Jahr 2023 keine Bewerbung (35 %).
69 % der Betriebe, die nicht alle Ausbildungsstellen
besetzen konnten, gaben als Grund für die
Nichtbesetzung an, keine geeignete Bewerbung erhalten
zu haben. Gleichzeitig gaben 80 % der befragten
IHKAusbildungsbetriebe an, ihr Engagement in
der beruflichen Orientierung in Zukunft weiter
zu verstärken, um den Herausforderungen bei der
Rekrutierung von Auszubildenden zu begegnen
(z. B. Betriebspraktika für Schülerinnen und Schüler
erhöhen). 13 % der Betriebe mit
Besetzungsschwierigkeiten waren vom „AzubiGhosting“ (d. h. potenzielle
Auszubildende erscheinen trotz Abschluss eines
Ausbildungsvertrags bei Ausbildungsbeginn nicht,
ohne dies vorher anzukündigen) betroffen. Da zu
diesem Zeitpunkt das Ausbildungsjahr bereits
begonnen hat, ist in diesen Fällen eine Neubesetzung
des Ausbildungsplatzes für Betriebe meist nicht mehr
möglich. Rund 14 % der Betriebe mit
Besetzungsschwierigkeiten geben Vertragslösungen nach
Ausbildungsbeginn durch den Auszubildenden an und 12 %
der Betriebe haben selbst den Vertrag mit
Auszubildenden gelöst. Damit gingen die Vertragslösungen in
diesem Bereich jeweils um ein Prozent im
Vorjahresvergleich zurück. Im Zehnjahresvergleich sind diese
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 16 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 17
Entwicklungen positiv: 2013 haben 20 % der Betriebe
berichtet, dass Auszubildende ihre Stelle nicht
antraten und bei 17 % der Betriebe wurde der
Ausbildungsvertrag nach Ausbildungsbeginn gelöst. Dies
kann ein Zeichen dafür sein, dass die
Berufsorientierung besser greift als noch vor zehn Jahren. Dennoch
ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der
Besetzungsschwierigkeiten eine gezielte Berufsorientierung und
eine vermehrte Nutzung sozialer Medien bei der
Rekrutierung junger Auszubildender36 unerlässlich.37
VII. Übernahmeverhalten von Betrieben und
Behörden
Das Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt und
Berufsforschung (IAB) liefert regelmäßig Ergebnisse
zum Übernahmeverhalten von Ausbildungsbetrieben.
Daten zur Übernahmequote der Auszubildenden (Anteil
der übernommenen Auszubildenden mit erfolgreichem
Berufsabschluss an allen Auszubildenden mit
erfolgreichem Berufsabschluss) liegen aktuell für das Jahr 2023
vor. Eine BIBBUntersuchung zu Kosten und Nutzen
der dualen Ausbildung aus dem Jahr 2022 zeigt, dass
sich die Ausbildung für viele Betriebe erst durch die
Übernahme der Auszubildenden nach der Ausbildung
auch betriebswirtschaftlich lohnt. Im Vergleich zur
Einstellung neuer Fachkräfte sind die Auszubildenden
dem Betrieb zum einen bereits bekannt und haben
zum anderen bereits firmenspezifisches Humankapital
erworben.38 Im Jahr 2023 wurden über drei Viertel (76 %)
aller Absolventinnen und Absolventen von ihrem
Ausbildungsbetrieb oder einem anderen Betrieb des
Unternehmens übernommen. Für die restlichen 24 %
liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob sie kein
Übernahmeangebot erhalten oder den Betrieb freiwillig
verlassen haben. Grundsätzlich gilt: Je größer der
Ausbildungsbetrieb, umso besser stehen die Chancen
für Auszubildende, übernommen zu werden. So
wurden Auszubildende in Betrieben mit 500 und mehr
Beschäftigten im Jahr 2023 zu 90 % übernommen,
während in Betrieben mit ein bis neun Beschäftigten
nur 59 % der Auszubildenden übernommen wurden.
Es gibt allerdings auch deutliche Branchenunterschiede.
So werden am meisten Auszubildende in der
öffentlichen Verwaltung (91 %) und in den Bereichen
36 Vergleiche Kapitel 1, IV.
37 Vergleiche DIHK-Ausbildungsumfrage 2024. Berlin.
38 Vergleiche Wenzelmann, Felix; Schönfeld, Gudrun (2022): Kosten
und Nutzen der dualen Ausbildung aus Sicht der Betriebe. Ergebnisse
der sechsten BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung. Bonn.
Bergbau/Energie/Wasserversorgung (88 %) sowie
Information und Kommunikation (87 %)
übernommen, in der Land und Forstwirtschaft dagegen nur
39 %. Die Übernahmequote hat sich gegenüber 2022
(77 %) nur unwesentlich verändert. Gegenüber dem
Jahr 2010 ist sie jedoch mit einem Plus von 15
Prozentpunkten deutlich gestiegen.39
VIII. Weiterer Anstieg der
Vertragslösungsquote vor dem Hintergrund einer
günstigen Ausbildungsmarktlage
für junge Menschen
Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen
Berufsausbildung erfolgen in der Regel durch einen
Aufhebungsvertrag oder durch Kündigung. Zur Einordnung
der folgenden Ergebnisse ist es wichtig, zu ergänzen,
dass nicht jede vorzeitige Vertragslösung einen
Abbruch der dualen Berufsausbildung darstellt und nicht
jeder Abbruch eine Vertragslösung nach sich zieht. 40
In der Berufsbildungsstatistik liegen keine
Verlaufsdaten vor, die eine Analyse des Verbleibs nach
Vertrags lösungen erlauben würden.
Nachdem im Jahr 2022 die Vertragslösungsquote41
im Bundesdurchschnitt auf 29,5 % deutlich anstieg,
betrug sie im Jahr 2023 29,7 %. Sie hat sich somit im
Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Im
längerfristigen Zeitvergleich schwankte die Lösungsquote
im Bundesdurchschnitt viele Jahre zwischen 20 %
und 25 %. 2016 zeigte sich mit 25,8 % erstmals ein Wert
leicht oberhalb dieses Schwankungsbereichs. Seit 2008
stieg die Lösungsquote in den meisten Jahren an.
2020 ging die Lösungsquote deutlich zurück, 2021 und
39 Vergleiche Fitzenberger, Bernd; Leber, Ute; Schwengler, Barbara
(2024): IAB-Betriebspanel: Rekordhoch beim Anteil der unbesetzten
Ausbildungsstellen. IAB-Kurzbericht Nr. 16. Nürnberg (doku.iab.de/
kurzber/2024/kb2024-16.pdf), zuletzt aufgerufen am 24.01.2025;
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2024): Kennzahlen
zur betrieblichen Ausbildung in Deutschland 2023 (iab.de/daten/
kennzahlen-zur-betrieblichen-ausbildung-in-deutschland-2023),
zuletzt aufgerufen am 27.01.2025.
40 Vergleiche BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025,
Kapitel A5.6 Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen.
Ergänzung: In der Berufsbildungsstatistik wird nicht erhoben, ob
eine vorzeitige Vertragslösung einen kompletten Abbruch der dualen
Berufsausbildung bedeutet, da sie keine personenbezogenen
Verlaufsdaten liefert, auch der Verbleib nach einer Vertragslösung
wird nicht erfasst. Da die Berufsbildungsstatistik nur Daten zu Verträgen
bzw. Ausbildungsverhältnissen erhebt, die tatsächlich angetreten
wurden, werden Vertragslösungen, die vor Antritt der Ausbildung
erfolgen, nicht erfasst.
41 Es handelt sich hierbei nicht um eine personenbezogene Quote.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 17 –
18 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
2022 stieg sie dagegen wieder an (2021 um 1,6
Prozentpunkte und 2022 um 2,8 Prozentpunkte).42
2023 wurden Ausbildungsverträge von Frauen minimal
häufiger vorzeitig gelöst als die von Männern (30,1 %
zu 29,5 %). Ausbildungsverträge von ausländischen
Auszubildenden wurden häufiger vorzeitig gelöst
als diejenigen von Auszubildenden mit deutschem
Pass (39,5 % zu 28,4 %). In den Ländern variieren die
Lösungsquoten deutlich. Während die Lösungsquote
in BadenWürttemberg durchschnittlich 26,3 % sowie
27,0 % in Bayern betrug, war sie mit 36,6 % in Berlin
deutlich höher. Zwischen den Zuständigkeitsbereichen43
gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. In den Berufen
des Handwerks zeigte sich mit 36,5 % im
Bundesdurchschnitt die höchste Lösungsquote, auch bei den
Freien Berufen (33,0 %) lag die Lösungsquote deutlich
über dem Gesamtdurchschnitt. Eine sehr niedrige
Lösungsquote von nur 9,2 % ergab sich lediglich für
die Berufe des Zuständigkeitsbereichs Öffentlicher
Dienst. Im Zuständigkeitsbereich Industrie und
Handel fiel sie mit 26,8 % unterdurchschnittlich aus.
In den Berufen der Landwirtschaft fiel sie im Jahr 2023
aufgrund einer Änderung im Meldeverhalten
überdurchschnittlich hoch aus.44
Betrachtet man die Vertragslösungsquote nach
Schulabschlüssen, gilt: Je höher der Schulabschluss,
desto niedriger die Lösungsquote (mit
Studienberechtigung: 18,1 %, mit mittlerem Schulabschluss: 28,0 %,
mit Hauptschulabschluss: 42,8 %, ohne
Hauptschulabschluss: 44,1 %).45
Die Ursachen für Vertragslösungen sind sehr vielfältig
und können von verschiedenen Faktoren beeinflusst
werden. Diese können von nichtlinearen (Aus)
Bildungsverläufen (z. B. Wechsel innerhalb des dualen
42 Vergleiche Uhly, Alexandra; Neises, Frank (2023): Vorzeitige
Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung und BIBB-
Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025 (Kapitel A5.6).
43 Durchschnitt über alle Berufe im Zuständigkeitsbereich.
44 In Niedersachsens Landwirtschaft hat sich das Meldeverhalten
geändert. Dort wurden – abweichend von anderen meldenden
Stellen – erstmals auch von Beginn an vereinbarte Vertragslösungen
(bei planmäßigen Berufsausbildungen in mehreren
Ausbildungsbetrieben) als solche gemeldet, vergleiche auch Uhly, Alexandra;
Kroll, Stephan; Schmidt, Robyn (2024): Erläuterungen zum
Datensystem Auszubildende (DAZUBI) – Hinweise zu den einzelnen
Berichtsjahren. Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des
Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember). Datenstand
2023. Bonn 2024 und BIBB-Datenreport zum
Berufsbildungsbericht 2025 (Kapitel A5.6).
45 BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025 (Kapitel A5.6).
Systems, Wechsel hin zum Hochschulbereich,
kompletter Abbruch) über mangelnde
Berufsorientierung, persönliche Gründe, weniger attraktive
Ausbildungsberufe bis hin zu geringer Ausbildungsqualität,
ungünstigen Ausbildungsbedingungen und
unzureichenden Ausbildungsleistungen reichen.46
Der Berufsorientierung kommt somit sowohl als
Entscheidungsgrundlage für die Berufswahl als auch
für den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung eine
immer wichtigere Rolle zu. In einer Befragung im
Auftrag der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2024
gab über die Hälfte aller befragten jungen Menschen an
(56 %), dass es aus ihrer Sicht zwar ausreichend
Informationen zur Berufsorientierung gibt, es aber schwierig
ist, sich darin zurechtzufinden. Die größten
Schwierigkeiten haben dabei junge Menschen mit hoher
Schulbildung (62 %), so wünschen sich vor allem Jugendliche
mit hoher Schulbildung (41 %) mehr Unterstützung bei
der Ausbildungsplatzsuche (im Vergleich zu 34 % aller
Befragten). Die größte Unterstützung erfahren dabei
alle Jugendlichen von ihren Eltern (75 %), und zwar fast
unabhängig von ihrer Schulbildung, was die
Wichtigkeit einer noch stärkeren Einbindung der Eltern bei der
Berufsorientierung verdeutlicht. Junge Menschen mit
niedriger Schulbildung setzen vergleichsweise häufig
(56 %) auf die Unterstützung durch die Berufsberatung
der Agenturen für Arbeit.47
44 % der befragten jungen Menschen mit hoher
Schulbildung gehören zu den Unentschlossenen,
die sich unter Umständen eine Ausbildung als
nachschulischen Bildungsweg vorstellen könnten. Diese
Erkenntnis deutet darauf hin, dass bei der
Berufsorientierung an Gymnasien noch weiterer
Entwicklungsbedarf besteht. Junge Menschen mit niedriger
46 Vergleiche Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung Bildung
in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit Analyse
zu beruflicher Bildung. Bielefeld 2024; Uhly, Alexandra (2015):
Vorzeitige Vertragslösungen und Ausbildungsverlauf in der dualen
Berufsausbildung. Forschungsstand, Datenlage und Analysemöglichkeiten auf
Basis der Berufsbildungsstatistik. Bonn 2015; Krötz, Maximilian;
Deutscher, Viola (2022): Drop-out in dual VET: why we should consider
the drop-out direction when analysing drop-out. In: Empirical Research
in Vocational Education and Training 14 (2022) (researchgate.net/
publication/357898458_Drop-out_in_dual_VET_why_we_should_
consider_the_drop-out_direction_when_analysing_drop-out). Zuletzt
aufgerufen am 28.01.2025; Uhly/Neises 2023.
47 Vergleiche Barlovic, Ingo; Ullrich, Denise, Wieland, Clemens (2024):
Ausbildungsperspektiven 2024. Eine repräsentative Befragung von
jungen Menschen. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Gütersloh. Online
verfügbar unter bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/
publikation/did/ausbildungsperspektiven-2024-1. Zuletzt
aufgerufen am 20.01.2025.
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 18 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 19
Schulbildung dagegen sind größtenteils zufrieden mit
den Informations und Unterstützungsangeboten,
dafür sorgt sich über ein Fünftel dieser Gruppe um
ihre tatsächlichen Chancen auf dem
Ausbildungsmarkt.48 Daher sollten die Maßnahmen der Betriebe
für diese Zielgruppe sowohl bei der Rekrutierung als
auch nach Beginn der Ausbildung
(Unterstützungsangebote) verstärkt werden.
Im Ausbildungsreport 2024 des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) gab die Mehrheit der rund
10.000 befragten Auszubildenden an, mit ihrer
Ausbildung und mit ihren Ausbilderinnen und
Ausbildern in den Betrieben zufrieden zu sein. So
erlernt fast ein Drittel (30,7 %) der befragten
Auszubildenden seinen Wunschberuf und weitere 39,9 %
werden zumindest in einem von mehreren für sie
interessanten Beruf ausgebildet. Über ein Fünftel der
Auszubildenden (22,1 %) absolvierte seine Ausbildung
allerdings in einem Beruf, der nicht geplant war. 7,3 %
bezeichneten ihren Ausbildungsberuf als „Notlösung“.
Die Auszubildenden in den von ihnen „ungeplanten
Berufen“ sind deutlich seltener (sehr) zufrieden mit
ihrer Ausbildung (54,9 %) als diejenigen in ihren
Wunschberufen (83,8 %). Von den Auszubildenden, die
ihren Ausbildungsberuf als „Notlösung“
bezeichneten, ist nur jede/r Dritte (33 %) mit der Ausbildung
zufrieden. Gerade bei diesen Auszubildenden ist die
Gefahr einer Vertragslösung oder sogar eines
Ausbildungsabbruchs entsprechend deutlich erhöht.49
IX. Junge Erwachsene ohne abgeschlossene
Berufsausbildung
In den letzten Jahren, insbesondere ab dem Jahr 2020,
ist die Zahl junger Erwachsener ohne formalen
Berufsabschluss im Alter von 20 bis 34 Jahren
angestiegen. Nach Analysen des BIBB anhand der vorläufigen
Daten des Mikrozensus50 lag die Quote der 20 bis
34Jährigen ohne formalen Berufsabschluss (nicht
formal Qualifizierte [nfQ]; Ungelerntenquote) im
Jahr 2023 bei 19,0 % (2022: 19,1 %). Hochgerechnet
waren dies 2,86 Mio. nicht formal qualifizierte junge
48 Vergleiche Barlovic/Ullrich/Wieland (2024).
49 Vergleiche Ausbildungsreport der DGB-Jugend (2024). (https://
jugend.dgb.de/materialien/++co++4ff6c73e-4a78-11ef-9641-
55217e5128c5) und Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung
Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit
Analyse zu beruflicher Bildung. Bielefeld 2024.
50 Aufgrund einer Umstellung des Mikrozensus werden die endgültigen
Zahlen vrsl. erst im Sommer 2025 vorliegen.
Erwachsene und damit genauso viele wie im Jahr 2022.
Bei den 20 bis 24Jährigen betrug die Quote der
Ungelernten 2023 16,8 % (2022: 16,6 %), bei den 25 bis
34Jährigen belief sie sich auf 19,9 % (2022: 20,1 %).
Die um 3,1 Prozentpunkte höhere Quote der 25 bis
34Jährigen lässt sich damit erklären, dass Personen
der jüngeren Kohorten sich noch zu größeren Teilen
im Bildungswesen befinden.
Betrachtet man die Quote nach Schulabschlüssen, gibt
es große Unterschiede. Personen zwischen 20 und
34 Jahren mit einer Studienzugangsberechtigung
hatten 2023 mit 7,9 % eine sehr geringe nfQQuote. Von
den 20 bis 34Jährigen, die über keinen Schulabschluss
verfügten bzw. keine Angaben machten, besaßen mehr
als drei Viertel (77,5 %) keinen Berufsabschluss.51
Die hohe Zahl ungelernter junger Menschen zeigt, wie
wichtig es ist, dass Betriebe weiterhin alle Potenziale
nutzen und alle interessierten jungen Menschen
bestmöglich dabei unterstützen, den Einstieg in die
Berufsausbildung zu finden und einen beruflichen
Abschluss zu erlangen. Hier gilt es vor allem auch
bestimmte Gruppen verstärkt in den Blick zu nehmen,
beispielweise Hauptschülerinnen und Hauptschüler
sowie junge Menschen mit Einwanderungs geschichte,
für die sich der Einstieg oftmals schwieriger gestaltet.52
Zugewanderte mit Ausbildungsabschluss sind zudem
seltener erwerbstätig und gehen häufiger einer
Tätigkeit auf Helferniveau nach als Personen ohne
Zuwanderungserfahrung.53
Eine abgeschlossene Ausbildung fördert die
wirtschaftliche Eigenständigkeit im Lebensverlauf und
senkt das Risiko, (langzeit)arbeitslos zu werden.
So waren Männer, die eine im Jahr 2000 begonnene
duale Berufsausbildung abgeschlossen haben, in
den 20 Jahren nach Ausbildungsbeginn 4.540 Tage
sozial versicherungspflichtig beschäftigt. Das ist
51 Vergleiche Kapitel A 11.2 im Datenreport zum
Berufsbildungsbericht 2025.
52 Vergleiche Krug von Nidda, Sophie; Söhn, Janina (2022):
Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Benachteiligung in betrieblichen Rekrutierungsprozessen vermeiden.
Anregungen für Personalverantwortliche, Working Paper
Forschungsförderung, Nr. 258, Düsseldorf (https://www.boeckler.de/fpdf/
HBS-008467/p_fofoe_WP_258_2022.pdf). Zuletzt aufgerufen
am 22.01.2025.
53 Vergleiche Anger, Christina; Betz, Julia; Plünnecke, Axel (2024):
INSM-Bildungsmonitor 2024. Potenziale der Zuwanderung im
Bildungssystem heben. Institut der deutschen Wirtschaft, Köln.
(https://files.insm.de/uploads/2024/07/Bildungsmonitor-
2024_08_28-1.pdf). Zuletzt aufgerufen am 17.01.2025.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 19 –
20 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
ungefähr 1,5 Mal länger als bei Männern, die ihre
Ausbildung abgebrochen haben und auch danach
keinen Berufsabschluss erworben haben (3.100 Tage).
Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung
(4.170 Tage) sind gegenüber denen ohne
Berufsausbildung (2.600 Tage) 1,6 Mal länger beschäftigt. Auch im
Hinblick auf die Dauer der Arbeitslosigkeit zeigt sich,
dass Personen mit Berufsabschluss deutlich kürzer
arbeitslos sind als Personen ohne Abschluss.54 Daher
sollte bei der Berufsorientierung bzw. bei der
Berufsberatung vermehrt sowohl auf die guten
Arbeitsmarktchancen als auch auf die finanziellen
Verdienstperspektiven nach einer Ausbildung hingewiesen
werden,55 da eine abgeschlossene Berufsausbildung
mit einem deutlich höheren Lebenseinkommen als
bei Helfertätigkeiten einhergeht sowie auch zu einem
höheren Einkommen im Vergleich zu einem Studium
führen kann56, auch wenn dies vom erlernten und
ausgeübten Beruf abhängt.57
54 Vergleiche Kotte, Volker (2024): Eine abgeschlossene Ausbildung
lohnt sich. In: IAB-Forum – Grafik aktuell H. 10.05.2024 (https://iab.
de/publikationen/publikation/?id=2228128). Zuletzt aufgerufen am
28.012025.
55 Vergleiche Anger, Silke; Goßner, Laura; Heß, Pascal; Jaschke, Philipp;
Leber, Ute; Schels, Brigitte; Schreyer, Franziska, Toussaint (2024):
Chancengleichheit und berufliche Bildung. IAB-Stellungnahme
2/2024: (https://doku.iab.de/stellungnahme/2024/sn0224.pdf).
Zuletzt aufgerufen am 23.01.2025.
56 Vergleiche Stüber, Heiko (2022): Berufsspezifische Lebensentgelte.
Ein Studium garantiert nicht immer das höchste Lebensentgelt, in:
IAB-Kurzbericht, Nr. 18. Nürnberg (https://doku.iab.de/kurzber/
2022/kb2022-18.pdf). Zuletzt aufgerufen am 27.01.2025.
57 Vergleiche Tiedmann, Jurek; Werner, Dirk (2024): Ausbildung lohnt
sich: Die 20 lukrativsten Ausbildungsberufe. IW-Kurzbericht Nr. 64,
Köln (https://www.iwkoeln.de/studien/jurek-tiedemann-dirk-
werner-die-20-lukrativsten-ausbildungsberufe.html). Zuletzt
aufgerufen am 30. Januar 2025.
Feststellungsverfahren im Rahmen des
Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetzes
(BVaDiG)
Mit dem neuen Feststellungsverfahren (greift seit dem
01.01.2025) können berufserfahrene Personen über
25 Jahren ohne einen dualen Ausbildungsabschluss
auf Antrag bei der nach BBiG zuständigen Stelle
(zum Beispiel Handwerkskammer oder IHK) ihre im
Arbeitsleben erworbene berufliche Handlungsfähigkeit
bewerten und den Umfang ihrer individuellen
beruflichen Handlungsfähigkeit am Maßstab eines dualen
Ausbildungsberufs feststellen und bescheinigen lassen.
Voraussetzung ist insbesondere eine berufliche
Tätigkeit in dem Referenzberuf von mindestens der
1,5 fachen regulären Dauer einer Ausbildung in dem
Referenzberuf. Ist die individuelle berufliche
Handlungsfähigkeit vollständig vergleichbar mit derjenigen,
die Absolventinnen und Absolventen des
Referenzberufs haben müssen, stellt die zuständige Stelle ein
öffentlich-rechtliches Zeugnis über die vollständige
Vergleichbarkeit aus. Bei lediglich überwiegender
Vergleichbarkeit der beruflichen Handlungsfähigkeit
wird eine öffentlich-rechtliche Bescheinigung hierüber
ausgestellt. Ausnahmen gelten für Menschen mit
Behinderungen. Die Altersgrenze von 25 Jahren gilt
für sie nicht. Bei ihnen kann individuelle berufliche
Handlungsfähigkeit am Maßstab eines Referenzberufs
auch dann festgestellt und bescheinigt werden, wenn
diese nicht überwiegend oder vollständig, sondern nur
teilweise vergleichbar ist mit der für die Ausübung des
Referenzberufs erforderlichen beruflichen
Handlungsfähigkeit. Zudem kann auf Antrag der Bescheid
zusätzlich zur Vergleichbarkeit mit dem Referenzberuf
eine überwiegende oder vollständige Vergleichbarkeit
mit einer Referenzberufsausbildungsregelung nach
§ 66 BBiG ausweisen.
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 20 –
DER AUSBILDUNGSMARKT 2024 UND SEINE HERAUSFORDERUNGEN 21
Teilqualifikationen
Die Bundesregierung unterstützt durch Projekte den
Ansatz, mit Teilqualifikationen (TQ) in transparenten,
strukturierten Schritten und aufbauend auf
vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten auch nachträglich
berufliche Qualifikationen zu erhalten bis hin zu
einer vollständigen beruflichen Handlungsfähigkeit.
TQ, abgeleitet aus dem dualen Ausbildungsberuf,
bieten für An- und Ungelernte im Alter über 25 Jahren
so häufig auch die Möglichkeit, über das Absolvieren
einer Gesellen- oder Abschlussprüfung einen
anerkannten Berufsabschluss zu erwerben. Sie stellen die
grundsätzliche berufsbildungspolitische Präferenz
für eine grundständige duale Ausbildung nicht infrage.
Im Fokus der Projekte stehen die Weiterentwicklung
einheitlicher struktureller Grundlagen sowie die
Unterstützung von TQ-Angeboten für Beschäftigte
und Arbeitsuchende in Transformationsbereichen.
Ihre Erkenntnisse fließen u. a. in die Arbeitsgruppe des
Hauptausschusses des BIBB ein, die eine Empfehlung
zur Erarbeitung und Anwendung bundesweit
einheitlicher Teilqualifikationen für die dualen Referenzberufe
erarbeitet.
X. Höherqualifizierende Berufsbildung
Gemäß Berufsbildungsstatistik der Statistischen
Ämter des Bundes und der Länder haben 2023 rund
80.937 Prüfungsteilnehmerinnen und teilnehmer
eine Fortbildungsprüfung nach BBiG oder HwO
erfolgreich bestanden, darunter 27.153 Frauen.58 Dies
ist ein leichter Rückgang von 3,1 % im Vergleich zum
Vorjahr. Die Prüfungserfolgsquote lag im Jahr 2023
bei 80,9 % (2022: 81,8 %).
Wie in Kapitel 2.6 genauer ausgeführt wird, lohnt
sich eine berufliche Höherqualifizierung sowohl im
Hinblick auf die beruflichen
Entwicklungsmöglichkeiten (z. B. Fachkarrieren, Personalverantwortung)
als auch finanziell.
58 Die Daten beziehen sich auf die bei den im Sinne des
Berufsbildungsgesetzes zuständigen Stellen abgelegten Fortbildungsprüfungen
nach §§ 53 und 54 BBiG.
Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS)
Mit der NWS ist 2019 ein langfristig angelegter,
übergreifender und sozialpartnerschaftlicher
Austauschprozess zur Weiterbildungspolitik gelungen.
Unter gemeinsamer Federführung von BMAS und
BMBFSFJ verständigen sich die 17 NWS-Partner auf
konkrete Maßnahmen und Aktivitäten mit dem Ziel,
Weiterbildung in Deutschland weiter zu stärken und
das Weiterbildungssystem zukunftsfest aufzustellen.
Der zweite Umsetzungsbericht der NWS wurde im
März 2025 veröffentlicht.
Nationales Onlineportal für berufliche
Weiterbildung „mein NOW“
Seit Januar 2024 ist eine erste Version von „mein NOW“
online verfügbar (mein-now.de) und bietet für
Unternehmen und Menschen im Erwerbsleben Informationen
rund um das Thema berufliche Weiterbildung wie
z. B. Förder- und Beratungsmöglichkeiten von Bund
und Ländern sowie Weiterbildungsangebote.
Das Portal wird fortlaufend weiterentwickelt und
kann als digitale, selbstbestimmte Erstberatung
unterstützen bei der Erschließung beruflicher
Ent wicklungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 21 –
22 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
2 Die Ausbildungsmarktsituation 2024
2.1 Die Bewerbersituation
2.1.1 Entwicklung der Zahl der
Schulabgängerinnen und Schulabgänger und Ausblick
bis 2030
Demografiebedingt ist die Zahl der Abgängerinnen
und Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen in den
letzten Jahren deutlich gesunken. 2023 verließen rund
82.900 Personen weniger die allgemeinbildenden
Schulen als im Jahr 2010 (2010: 865.300; 2023: 782.400).
Die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger mit
Hauptschulabschluss fiel 2023 um 49.400 Personen
niedriger aus als 2010 (2010: 179.800; 2023: 130.300).59
Ohne einen Hauptschulabschluss verließen 2.700
Personen mehr die allgemeinbildenden Schulen
(2010: 53.100; 2023: 55.700). Die Zahl der Abgängerinnen
und Abgänger mit mittlerem Abschluss verzeichnete
einen Rückgang um 14.500 (2010: 350.900; 2023: 336.400).
Bei den studienberechtigten Abgängerinnen und
Abgängern betrug das Minus 21.600 (2010: 281.600;
2023: 260.000).
Insgesamt ist im langfristigen Vergleich ein Trend
zu höheren Schulabschlüssen zu beobachten. Der
Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss an allen
Schulabgängerinnen und Schulabgängern sank von
20,8 % im Jahr 2010 auf 16,7 % im Jahr 2023. Zuwächse
waren bei den Personen mit mittleren Abschlüssen
(2010: 40,5 %; 2023: 43,0 %) und den
Studienberechtigten zu verzeichnen (2010: 32,5 %; 2023: 33,2 %).
Noch deutlicher wird diese Entwicklung, wenn
das Jahr 2000 für den Vergleich herangezogen wird
(2000: Hauptschulabschluss: 25,1 %, mittlerer
Abschluss: 39,9 %, Studienberechtigung: 25,7 %).
Auch Umstrukturierungen in der Schullandschaft
spielen bei diesen Entwicklungen eine Rolle.
59 Alle Zahlen wurden auf ein Vielfaches von 100 gerundet. Dies gilt
auch für die absolute Veränderung zum Vergleichsjahr. Hier wurde
erst der Wert berechnet und dann gerundet. Insofern kann es zu
Abweichungen zwischen diesem Wert und dem Wert kommen,
der sich ergibt, wenn man die Differenz der hier ausgewiesenen
gerundeten Werte der beiden Jahre bildet.
Zu beachten ist, dass allgemeinbildende
Schulabschlüsse nicht nur an allgemeinbildenden Schulen
erworben werden, sondern auch an beruflichen
Schulen.
Nach der Vorausberechnung der Schüler und
Absolventenzahlen der Kultusministerkonferenz (KMK)60
unterliegt die Zahl der Schulabgängerinnen und
Schulabgänger in den nächsten Jahren einigen
Schwankungen. 2024 dürfte sie geringfügig niedriger
ausgefallen sein. In den Jahren 2025 und 2026 wird
sie voraussichtlich merklich sinken (Tiefstand
2026: 743.400). Dieser Rückgang wird in erster Linie
auf die rückläufige Zahl der studienberechtigten
Schulabgängerinnen und Schulabgänger
zurückzuführen sein (vergleiche Schaubild 1). Hier ist ein
Zusammenhang mit der Rückkehr zum neunjährigen
Abitur in Bayern, NordrheinWestfalen und
SchleswigHolstein zu sehen.61
Bis 2030 steigen die Zahlen wieder auf 827.200 an.
Die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger
liegt dann zwar über dem Wert von 2023 (782.400),
aber noch deutlich unter den Abgängerzahlen
früherer Jahre. Die Prognose zeigt, dass die Sicherung
des künftigen Fachkräftebedarfs eine
Herausforderung darstellt.
60 Vergleiche KMK (2024): Vorausberechnung der Zahlen der
Schülerinnen/Schüler und Absolvierenden 2022 bis 2035
(Dokumentation Nr. 242 vom 8. November 2024 Berlin (https://www.kmk.org/
fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_242_
Vorausberechnung_Schueler_Abs_2023_2035.pdf).
61 Eine Übersicht zu G8/G9 nach Ländern kann dem Internetangebot
der KMK entnommen werden (kmk.org/themen/
allgemeinbildendeschulen/bildungswege-und-abschluesse/sekundarstufe-ii-
gymnasiale-oberstufe-und-abitur.html).
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 22 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 23
62
62 Für geschlechtersegregierte Daten zu diesem wie auch zu weiteren
Schaubildern bzw. Tabellen wird, sofern nicht aufgeführt, auf den
Datenreport zum Berufsbildungsbericht bzw. die Veröffentlichungen
der KMK verwiesen.
Schaubild 1: Entwicklung der Zahl der Abgängerinnen und Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen
1992 bis 203061
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
1.000.000
0
ohne Hauptschulabschluss
mit Hauptschulabschluss
A
B mittlerer AbschlussD
C Studienberechtigung E Insgesamt
203020252020201520102005200019951992
782.423
827.231
130.322 135.531
260.032 278.497
336.361
357.166
55.708 56.037
A
B
C
D
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2.1.2 Nachfrage nach einer dualen Ausbildung
nach Berufsbildungsgesetz (BBiG)/
Handwerksordnung (HwO)
Im Berichtsjahr 2023/2024 haben bundesweit
431.552 Bewerberinnen und Bewerber die Agenturen
für Arbeit und Jobcenter bei der Suche nach einer
Ausbildungsstelle eingeschaltet. Das waren 9.493 (+2,2 %)
mehr als im Vorjahr. Damit sind die
Bewerbermeldungen erstmals seit 2012/2013 wieder gestiegen.63
Auch 2024 waren deutlich mehr Männer (269.765 bzw.
62,5 %) als Frauen (161.787 bzw. 37,5 %) als Bewerber
bzw. Bewerberin gemeldet.
63 Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte:
Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24.
Nürnberg. Oktober 2024 (statistik.arbeitsagentur.de/DE/
Navigation/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/
Produkte/Produkte-Nav.html).
Tabelle 1 weist die gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerber nach den Merkmalen Geschlecht, Alter,
Nationalität, Schulabschluss und besuchte Schule aus.
Ausführliche Informationen (einschließlich Zeitreihen)
zum Verbleib der bei der BA gemeldeten Bewerberinnen
und Bewerber können Kapitel 2.4.2 entnommen werden.
Quellen: StBA (2024): Allgemeinbildende Schulen. Schuljahr 2023/2024. Statistischer Bericht. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt. – KMK (2024): Vor
ausberechnung der Zahlen der Schülerinnen/Schüler und Absolvierenden 2023 bis 2035 (Dokumentation Nr. 242). Berlin: KMK.
Gemäß § 86 Absatz 2 BBiG errechnet sich die
Nachfrage nach Ausbildung aus der Zahl der zum
Stichtag 30. September neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge (realisierte Nachfrage) zuzüglich der Zahl
der in der Statistik der BA gemeldeten Personen, die
noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind.
Nach Rückgängen in den Vorjahren verzeichnete die
Nachfrage der jungen Menschen nach einer dualen
Berufsausbildung zum zweiten Mal in Folge einen
Zuwachs.
Nach der traditionellen Definition lag die Nachfrage
2024 bei 517.862 (+2.299 bzw. +0,4 % zu 2023). Mit
der traditionellen Nachfragedefinition wird die Zahl
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 23 –
24 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
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Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 24 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 25
der ausbildungssuchenden jungen Menschen nicht
vollständig abgebildet. Berufsbildungsbericht,
Datenreport und Nationaler Bildungsbericht64 weisen
deshalb auch die erweiterte Nachfrage aus, die neben
den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen
(2024: 486.711) und den unversorgten Bewerberinnen
und Bewerbern (2024: 31.151) auch Bewerberinnen
und Bewerber mit Alternative zum 30. September
und weiterem Vermittlungswunsch in Ausbildung
(2024: 39.234) einbezieht. Nach dieser erweiterten
Definition ergibt sich für 2024 eine Nachfrage in
Höhe von 557.096. Das entspricht einem Zuwachs um
4.217 (+0,8 %) gegenüber dem Vorjahr. Verglichen mit
2019, als die Nachfrage nach der erweiterten Definition
mit 598.759 erstmals unter 600.000 gefallen war, ist
ein Rückgang um 41.663 (–7,0 %) zu verzeichnen.
In den Jahren 2017 und 2018 war die Nachfrage65
nach einer dualen Berufsausbildung vorübergehend
gestiegen. Diese Entwicklung war auch darauf
zurückzuführen, dass Bewerberinnen und Bewerber
mit Fluchthintergrund zunehmend auf den
Ausbildungsstellenmarkt gelangten. Dadurch konnte der
demografisch bedingte Rückgang der Nachfrage
kompensiert werden. 2024 wurden 36.137
Bewerberinnen und Bewerber mit Fluchthintergrund registriert.
22.799 waren Männer, 13.338 Frauen. 2024 entsprach
der Frauenanteil bei den gemeldeten Bewerberinnen
und Bewerbern mit Fluchthintergrund nahezu dem
Anteil unter den deutschen Bewerberinnen und
Bewerbern (36,9 % zu 37,3 %). Der Frauenanteil ist im
Vergleich zu früheren Jahren gestiegen, weil im Zuge
des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mehr
Frauen nach Deutschland gekommen sind. Für das
Jahr 2023 konnte ein erster deutlicher Anstieg der
Zahl der Ukrainerinnen und Ukrainer beobachtet
werden, die einen Ausbildungsvertrag im dualen
Berufsbildungssystem abgeschlossen haben
(vergleiche auch Kapitel 1 „Im Fokus“).66
64 Vergleiche Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024):
Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit
einer Analyse zu beruflicher Bildung. wbv Publikation.
65 Dies trifft sowohl auf die Nachfrage nach der traditionellen als auch
nach der erweiterten Definition zu.
66 Vergleiche Schmidt, Robyn; Kroll, Stephan (2024): Integration junger
Geflüchteter in das duale System der Berufsausbildung als wichtige
Säule zur Fachkräftesicherung: Wie gut gelingt sie? Deskriptive
Auswertungen auf Basis der Berufsbildungsstatistik. Bonn (res.bibb.
de/vet-repository_782970).
Für die Entwicklung der Ausbildungsplatznachfrage
spielt neben der wahrgenommenen Attraktivität einer
dualen Berufsausbildung aus Sicht junger Menschen
die demografische Entwicklung eine zentrale Rolle.67
Daher ist bei den hier dargestellten Entwicklungen
auch zu beachten, dass die Zahl der Abgängerinnen
und Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen
zwischen 2019 und 2023 um 2,3 % zurückgegangen
ist.68 Hinzu kommt das im längeren Zeitvergleich
rückläufige Meldeverhalten junger Menschen. So ist
die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerber von 2019 bis 2024 um 15,7 % zurückgegangen.
Hierbei spielen neben der zunehmenden
Digitalisierung (Ausbildungsangebote können online selbst
gefunden werden) auch die verbesserte
Ausbildungsmarktlage für junge Menschen eine Rolle, die es ihnen
erleichtert, auch ohne die Vermittlungsdienste der BA
einen Ausbildungsplatz zu finden. Durch die Covid19
Pandemie wurde dieser seit Langem andauernde
Trend weiter verstärkt.
Berechnungen der BA für das Jahr 2024 ergeben eine
rechnerische Meldequote von 60 % der institutionell
erfassten Ausbildungssuchenden.69 Zehn Jahre zuvor
hatte die Quote noch bei 69 % gelegen. Bei den
gemeldeten Ausbildungsstellen betrug die Meldequote 2024
76 % (zum Vergleich 2014: 79 %).70 Da die Meldequoten
so weit auseinanderliegen, wird die Nachfrageseite auf
dem Ausbildungsmarkt durch die Zahl der gemeldeten
Bewerberinnen und Bewerber sehr viel unvollständiger
abgebildet als die Angebotsseite durch die Zahl der
gemeldeten Berufsausbildungsstellen.71
67 Vergleiche Weller, Sabrina Inez; Christ, Alexander; Milde, Bettina;
Granath, Ralf-Olaf (2024): Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes
im Jahr 2024. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu
abgeschlossene Ausbildungsverträge und der
Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September
(bibb.de/de/201811.php).
68 Vergleiche Kapitel 2.1.1.
69 Diese Größe ist identisch mit dem vom BIBB berechneten Anteil der
gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber an allen institutionell
erfassten Ausbildungsinteressierten, wie sie auch schon frühere
Berufsbildungsberichte ausgewiesen haben (vergleiche
Berufsbildungsbericht 2022, Kapitel 2.1.2). Die Berechnung der Meldequote
der gemeldeten Berufsausbildungsstellen ist neu.
70 Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte:
Blickpunkt Arbeitsmarkt: Monatsbericht zum Arbeits- und
Ausbildungsmarkt. Nürnberg, Dezember 2024 (statistik.arbeits
agentur.de/Statistikdaten/Detail/202412/arbeitsmarktberichte/
monatsbericht-monatsbericht/monatsbericht-d-0-202412-pdf).
71 Vergleiche Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte:
Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt 2023/24.
Nürnberg. Oktober 2024 (statistik.arbeitsagentur.de/DE/
Navigation/Statistiken/Fachstatistiken/Ausbildungsmarkt/
Produkte/Produkte-Nav.html).
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 25 –
26 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Altbewerberinnen und Altbewerber
Von den bundesweit 431.552 gemeldeten Bewerberinnen
und Bewerbern 2024 hatten sich 151.007 Personen auch
schon in mindestens einem der letzten fünf
Berichtsjahre für eine Ausbildungsstelle beworben. Das sind
3.548 (–2,3 %) weniger als 2023. Damit ist der Anteil der
Bewerberinnen und Bewerber aus früheren
Berichtsjahren an allen gemeldeten Bewerberinnen und
Bewerbern nach Anstiegen in den Vorjahren zum
dritten Mal in Folge gesunken. Dies gilt für das
Bundesgebiet, Ost und Westdeutschland gleichermaßen.72
Tabelle 2, S. 27, zeigt die Entwicklung der Zahl der
Bewerberinnen und Bewerber aus früheren
Berichtsjahren im Bundesgebiet sowie für Ost und
Westdeutschland.
72 Für eine längere Zeitreihe der Altbewerberanteile sei auf den
Berufsbildungsbericht 2020 verwiesen.
Anhand der Daten der BA/BIBBBewerberbefragungen
2006 bis 2016 hat das BIBB die Ausbildungschancen
von Altbewerberinnen und Altbewerbern im
Zeitvergleich untersucht. Demnach hat sich der Anteil der
Altbewerberinnen und Altbewerber an allen
gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern zwischen 2006
und 2016 erheblich verringert (2006: 40 %; 2016: 27 %).
Auch 2018 war ihr Anteil weiter gesunken (2018: 25 %).74
Im Rahmen der BA/BIBBBewerberbefragung 2020
wurde ein leichter Anstieg des Anteils der
Altbewerberinnen und Altbewerber auf 26 % ermittelt.
2021 blieb dieser Anteil mit 26 % konstant.75
Die Ergebnisse der BA/BIBBBewerberbefragungen
zeigen, dass die Gruppe der Altbewerberinnen und
Altbewerber sehr heterogen ist mit teils guten, aber
auch zum Teil sehr schlechten Voraussetzungen. Je
länger der Schulentlassungszeitpunkt zurückliegt, je
schlechter das Zeugnis ausfällt, je älter die Bewerberin
oder der Bewerber ist, desto geringer sind die Chancen
auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz.
2.1.3 Entwicklung des Übergangsbereichs/
Übergang in Ausbildung
Nicht allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern
gelingt unmittelbar im Anschluss an die
allgemeinbildende Schule der Übergang in eine Ausbildung.
Neben dem Erwerb der Ausbildungsreife und der
Überbrückung von Ausbildungslosigkeit bieten Maßnahmen
im Übergangsbereich jungen Menschen die
Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen oder
vorhandene Schulabschlüsse zu verbessern. Durch die
verstärkte Zuwanderung junger Geflüchteter,
insbesondere seit dem Jahr 2015, dient der
Übergangsbereich zunehmend auch dem Spracherwerb und
der Integration dieser Gruppe.
Die Einmündungen in den Übergangsbereich sind
nach vorläufigen Ergebnissen der iABE76 zum
74 Vergleiche ausführlicher Berufsbildungsbericht 2019, Kapitel 2.4.2
sowie Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2019, Kapitel A 8.1.3.
75 Vergleiche Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2023,
Kapitel A 8.1.3.
76 Vergleiche StBA (2025): Statistischer Bericht: Integrierte
Ausbildungsberichterstattung – Vorläufige Ergebnisse, Berichtsjahr 2024.
Wiesbaden (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-
Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Schulen/Publikationen/
Downloads-Schulen/statistischer-bericht-
integrierteausbildungsberichterstattung-vorlaeufig-5211002247005.html)
Bei der Interpretation der Daten ist zu beachten, dass
die BA die Zuordnung zu den Jahreskategorien danach
vornimmt, wann die Person zuletzt als Bewerberin
oder Bewerber gemeldet war. Es sind also keine
Aussagen darüber möglich, ob eine Person, die zum
letzten Mal ein Jahr vor dem Berichtsjahr gemeldet
war, auch schon in früheren Jahren mit Unterstützung
einer Agentur für Arbeit oder eines Jobcenters eine
Ausbildungsstelle gesucht hatte. Entsprechend darf
aus dem längeren Zurückliegen der letzten Erfassung
als Bewerberin oder Bewerber nicht geschlossen
werden, dass die Person sich während des gesamten
Zeitraums vergebens um eine Ausbildungsstelle
bemüht hat.
Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung
zu Altbewerberinnen und Altbewerbern
Im Rahmen der BA/BIBBBewerberbefragung73
werden junge Erwachsene dann als Altbewerberinnen
oder Altbewerber ausgewiesen, wenn sie angeben, sich
schon einmal zu einem früheren Zeitpunkt um eine
Ausbildungsstelle bemüht zu haben. Dabei ist es
unerheblich, ob sie zu diesem früheren Zeitpunkt bei
einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter als
Ausbildungsstellenbewerberinnen oder bewerber
registriert waren.
73 Hinweis: Die Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2024
werden in den Berufsbildungsbericht 2026 einfließen.
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 26 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 27
Tabelle 2: Bewerberinnen und Bewerber früherer Berichtsjahre
Insgesamt
darunter in den letzten
5 Berichtsjahren
darunter
1 oder 2 Jahre
vor Berichtsjahr
davon
in den letzten 5 Jahren
vor dem Berichtsjahr
im Vergleich zum Vorjahr
1 Jahr vor
Berichtsjahr
2 Jahre vor
Berichtsjahr
absolut relativ in %
Bundesgebiet
2019 511.799 186.820 36,5 % 170.074 143.424 26.650 –2.414 –1,3
2020 472.981 183.898 38,9 % 162.807 135.817 26.990 –2.922 –1,6
2021 433.543 183.239 42,3 % 159.758 134.341 25.417 –659 –0,4
2022 422.400 165.491 39,2 % 142.237 119.940 22.297 –17.748 –9,7
2023 422.059 154.555 36,6 % 131.494 110.812 20.682 –10.936 –6,6
2024 431.552 151.007 35,0 % 133.027 112.560 20.467 –3.548 –2,3
Westdeutschland
2019 425.089 154.856 36,4 % 141.505 119.229 22.276 –3.239 –2,0
2020 392.382 152.368 38,8 % 135.052 112.455 22.597 –2.488 –1,6
2021 356.201 151.028 42,4 % 132.003 110.810 21.193 –1.340 –0,9
2022 345.595 135.184 39,1 % 116.300 97.647 18.653 –15.844 –10,5
2023 345.163 125.990 36,5 % 107.124 90.029 17.095 –9.194 –6,8
2024 353.213 122.723 34,7 % 108.075 91.021 17.054 –3.267 –2,6
Ostdeutschland
2019 86.224 31.899 37,0 % 28.514 24.146 4.368 828 2,7
2020 80.068 31.396 39,2 % 27.627 23.242 4.385 –503 –1,6
2021 76.789 31.949 41,6 % 27.501 23.286 4.215 553 1,8
2022 76.186 30.117 39,5 % 25.757 22.121 3.636 –1.832 –5,7
2023 75.808 28.311 37,3 % 24.127 20.551 3.576 –1.806 –6,0
2024 76.435 27.729 36,3 % 24.410 21.009 3.401 –582 –2,1
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Sonderauswertung zur Vorbereitung des Berufsbildungsberichts.
dritten Mal in Folge gestiegen. Im Jahr 2024 begannen
259.430 Anfängerinnen und Anfänger eine Maßnahme
im Übergangsbereich. Dies waren 8.170 junge Menschen
mehr als im Vorjahr (+3,3 %; vergleiche Tabelle 3, S. 29).77
Der erneute Zuwachs des Übergangsbereichs ist
weiterhin stark durch Zuwanderung geprägt, insbesondere
durch junge Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor
allem in Programme zum Erlernen der deutschen
Sprache einmünden.78 Diese Programme werden in
der Regel dem Konto „Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
77 Aufgrund von Datenrevisionen kommt es zu Abweichungen von
früheren Darstellungen im Berufsbildungsbericht.
78 Vergleiche StBA (2024): Anfängerzahl in Bildungsprogrammen
zwischen Schule und Ausbildung im Jahr 2023 erneut gestiegen.
Pressemitteilung Nr. 113 vom 21. März 2024 (destatis.de/DE/
Presse/Pressemitteilungen/2024/03/PD24_113_212).
inklusive einjähriger Berufseinstiegsklassen“ (II 03b)
zugeordnet, welches mit 111.356 Anfängerinnen und
Anfängern (43 % des Übergangsbereichs) das größte
Konto im Übergangsbereich darstellt. Seit zehn Jahren
verzeichnet dieses Bildungskonto den stärksten
Anstieg aller Übergangskonten. Auch gegenüber dem
Vorjahr zeigte sich ein erneuter Anstieg mit einem
Plus von 14.132 Anfängerinnen und Anfängern
(+14,5 %), dieser fällt jedoch durch eine veränderte
Zuordnung von Bildungsgängen rund 8 Prozentpunkte
höher aus.79 Der Zuwachs ohne die veränderte
Zuordnung liegt bei rund 5 %.
79 Veränderte Zuordnung eines Bildungsgangs in Baden-Württemberg
von Konto II 03a nach II 03b.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 27 –
28 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Weitere Bildungskonten im Übergangsbereich
verzeichneten ebenfalls Zuwächse: Die Konten
„Einstiegsqualifizierung (EQ) der BA“ (II 06) (+520 bzw. +12,3 %),
„Berufsvorbereitende Maßnahmen (BvB) der BA“ (II 05)
(+1.290 bzw. +4,2 %), „Allgemeinbildende Programme
an Berufsfachschulen“ (II 01) (+556 bzw. +2,8 %) und
„Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine
berufliche Grundbildung vermitteln, die angerechnet
werden kann“ (II 02a) (+1.053 bzw. 2,2 %).
Demgegenüber zeigten alle anderen Bildungskonten
rückläufige Entwicklungen, insbesondere das Konto
„Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine
berufliche Grundbildung vermitteln, ohne Anrechnung“
(II 03a) (–8.988 bzw. –26,0 %). Auch hier fällt der
Rückgang aufgrund der veränderten Zuordnung eines
Bildungsgangs wesentlich höher aus als in den
Vorjahren. Der Rückgang ohne die veränderte Zuordnung
liegt bei rund 5 %.
Betrachtet man die Entwicklung des
Übergangsbereichs seit 2005, so zeigt die Entwicklungskurve
(vergleiche auch 2.3.1) zwischen den Jahren 2005 und
2014 zunächst einen kontinuierlichen Rückgang der
Einmündungszahlen. In den Jahren 2015 und 2016
stiegen die Zahlen der Anfängerinnen und Anfänger
jedoch wieder an. Dieser Anstieg war im Wesentlichen
auf die zunehmende Zahl Geflüchteter aus den
syrischen Kriegsgebieten zurückzuführen. Bevor
im Jahr 2022 die ukrainischen Geflüchteten in den
Übergangsbereich eingemündet sind, hatte sich die
Zahl der Anfängerinnen und Anfänger
zwischenzeitlich um rund ein Viertel reduziert. Diese Entwicklung
war das Ergebnis verschiedener Faktoren: Zum einen
ging die Zahl der jungen Menschen mit ausländischer
Staatsangehörigkeit im Übergangsbereich um rund
40 % zurück (2021 zu 2016), da in diesem Zeitraum
weniger Jugendliche nach Deutschland zugewandert
sind und zusätzlich vermehrt junge Geflüchtete in
Ausbildung eingemündet sind.80 Zum anderen ist auch
die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger
in diesem Zeitraum gesunken. Dies und die verbesserte
Situation auf dem Ausbildungsmarkt haben zusätzlich
dazu geführt, dass insgesamt weniger junge Menschen
nach der Schule eine Übergangsmaßnahme begonnen
haben. Seit dem Jahr 2021 münden, wie oben erwähnt,
jedoch wieder vermehrt Geflüchtete (insbesondere aus
80 Vergleiche Kapitel 2.4.5 sowie ausführlich Datenreport zum
Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 5.8 und A 12.
der Ukraine) in den Übergangsbereich ein, weshalb
die Anfängerzahlen seither wieder ansteigen (+15,4 %
2024 zu 2021).
Anfängerinnen und Anfänger im
Übergangsbereich nach ausgewählten Merkmalen
Unter den Personen, die eine Maßnahme des
Übergangsbereichs begannen, waren im Jahr 2024 junge
Frauen mit einem Anteil von 38,3 % (2023: 38,7 %)
seltener vertreten als junge Männer. Hohe
Frauenanteile verzeichneten insbesondere die „Pflichtpraktika
vor der Erzieherausbildung an beruflichen Schulen“
(II 04) (84,7 %) sowie die „Allgemeinbildenden
Bildungsgänge an Berufsfachschulen zur Erfüllung der
Schulpflicht bzw. Nachholen von Abschlüssen der
Sekundarstufe I“ (II 01) (48,1 %). Den höchsten Männeranteil
wies das „Berufsgrundbildungsjahr“ (II 02b) (75,8 %)
auf, gefolgt von der „Einstiegsqualifizierung“ (II 06)
(67,1 %).
Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer im
Übergangsbereich lag im Jahr 2024 bei 42,3 % (2023: 39,2 %).
Der Ausländeranteil fiel mit 45,2 % bei jungen Männern,
die in eine Maßnahme im Übergangsbereich
einmündeten, höher aus als bei jungen Frauen (37,6 %). Am
häufigsten vertreten waren Anfängerinnen und
Anfänger ohne deutsche Staatsangehörigkeit im
„Berufsvorbereitungsjahr inklusive einjähriger
Berufseinstiegsklassen“ (II 03b) (67,9 %) sowie in der
„Einstiegsqualifizierung der BA“ (II 06) (34,4 %).
Der Übergangsbereich bietet jungen Menschen die
Möglichkeit, ihre individuelle Chance auf die Aufnahme
einer Ausbildung zu verbessern. Insofern ist es
naheliegend, dass der überwiegende Teil der jungen
Menschen im Übergangsbereich über vergleichs weise
niedrige bzw. keine Schulabschlüsse verfügt. Im
Jahr 202381 stellten junge Menschen mit
Hauptschulabschluss (mit Erstem Schulabschluss) mit 37,5 % den
größten Anteil im Übergangsbereich (2022: 39,5 %).
32,9 % hatten keinen Hauptschulabschluss (ohne
Ersten Schulabschluss) (2022: 30,4 %). Allerdings
verfügten auch 18,3 % der jungen Menschen über
einen mittleren Abschluss (2022: 19,2 %). Der Anteil
der jungen Menschen mit Studienberechtigung
im Übergangsbereich ist mit 1,4 % sehr gering
(2022: 1,5 %). Der Anteil der Kategorie „Sonstige
81 Differenzierte Daten zur schulischen Vorbildung liegen für 2024 noch
nicht vor.
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 28 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 29
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Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 29 –
30 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Vorbildung/Ohne Angabe“ betrug 9,9 % (2022: 9,4 %).
Dieser vergleichsweise hohe Anteil ist vor allem darauf
zurückzuführen, dass Schulabschlüsse von
Zugewanderten häufig nicht eindeutig statistisch erfasst oder
zugeordnet werden können (vgl. Schaubild 2).
Überdurchschnittlich stark vertreten waren junge
Menschen mit Studienberechtigung im
„Berufsgrundbildungsjahr“ (10,6 %) sowie in der
„Einstiegsqualifizierung“ (6,9 %). Junge Menschen ohne
Hauptschulabschluss (ohne Ersten Schulabschluss) befanden
sich besonders häufig im „Berufsvorbereitungsjahr
inklusive einjähriger Berufseinstiegsklassen“ (63,9 %)
sowie in „Bildungsgängen an Berufsschulen für
erwerbstätige/erwerbslose Schülerinnen und Schüler
ohne Ausbildungsvertrag“ (39,5 %).
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
Sektor: Integration in Ausbildung (Übergangsbereich)
Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine berufliche
Grundbildung vermitteln, die angerechnet werden kann
Bildungsgänge an Berufsfachschulen, die eine berufliche
Grundbildung vermitteln, ohne Anrechnung
Berufsvorbereitungsjahr
inkl. einjähriger Berufseinstiegsklassen
Bildungsgänge an Berufsschulen für erwerbstätige/
erwerbslose Schülerinnen/Schüler ohne Ausbildungsvertrag
Berufsvorbereitende Bildungsgänge (BA)
Einstiegsqualifizierung (BA)
Pflichtpraktika vor der Erzieherausbildung
an beruflichen Schulen
Bildungsgänge an Berufsschulen für Schülerinnen/Schüler
ohne Ausbildungsvertrag, die allgemeinbildende Abschlüsse
der Sekundarstufe I anstreben
Berufsgrundbildungsjahr (Vollzeit/schulisch)
Allgemeinbildende Programme an Berufsfachschulen
(Erfüllung der Schulpflicht bzw. Abschlüsse der Sekundarstufe I)
ohne Hauptschulabschluss
Hauptschulabschluss
Realschul- oder gleichwertiger Abschluss sonstige Vorbildung/ohne Angaben
Studienberechtigung
A
B
C
D
E
A B C ED
2.2 Das Ausbildungsangebot
2.2.1 Angebotene Ausbildungsstellen nach
BBiG/HwO
Für das Berichtsjahr 2023/2024 weist die Statistik der
BA insgesamt 519.399 gemeldete
Berufsausbildungsstellen aus. Das waren 25.640 (–4,7 %) weniger als im
Vorjahreszeitraum.82 502.320 der gemeldeten Stellen
82 Die BA hat die Daten zu den gemeldeten Berufsausbildungsstellen
ab dem Berichtsjahr 2006/2007 revidiert. Vor der rückwirkenden
Korrektur wurde ihre Zahl etwas zu gering ausgewiesen. Vergleiche
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Grundlagen:
Methodenbericht – Revision der Statistik über Berufsausbildungsstellen 2022.
Optimierte Messung der Anwesenheitsgesamtheit. Nürnberg. Juni 2022
(statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Grundlagen/
Methodik-Qualitaet/Methodenberichte/Ausbildungsstellen
markt/Methodenberichte-Ausbildungsstellenmarkt-Nav.html).
Schaubild 2: Schulische Vorbildung der Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich 2023
Quelle: StBA, iABE 2023 (Datenstand 13. Dezember 2024)
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 30 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 31
waren betriebliche Stellen. Ihre Zahl ist um
26.346 (–5,0 %) gesunken (vergleiche Tabelle 4).
örtlichen Arbeitsagentur für die Suche nach
Auszubildenden in Anspruch genommen zu haben.84 In
einer früheren Befragung 2013 traf dies auf 71 % der
Betriebe zu.85
Das Gesamtangebot an Ausbildungsstellen am
Ausbildungsmarkt errechnet sich in Anlehnung an
§ 86 BBiG aus der Summe der neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge (= erfolgreich besetzte
Ausbildungsangebote) aus der BIBBErhebung zum 30.
September (2024: 486.711) und den bei der BA gemeldeten
noch unbesetzten Ausbildungsstellen (2024: 69.405).
Demnach wurden 2024 bundesweit insgesamt
556.116 Ausbildungsangebote registriert. Das
entspricht einem Rückgang um 6.510 (–1,2 %) im
Vergleich zum Vorjahr.
84 Vergleiche Ebbinghaus, Margit; Gerhards, Christian; Heyer, Philipp;
Mohr, Sabine (2023): Viel hilft viel?! – Welche Wege Betriebe nutzen,
um Ausbildungsplatzbewerberinnen/Ausbildungsplatz bewerber
zu finden und wie erfolgreich sie damit sind. BIBB Report 3/2023
(bibb.de/dienst/publikationen/de/19359). Die von der BA anhand
ihrer Statistik berechnete Meldequote für 2023 bewegt sich mit
77 % auch etwa in dieser Größenordnung (vergleiche Kapitel 2.1.2).
85 Vergleiche Gerhards, Christian; Ebbinghaus, Margit (2014):
Betriebe auf der Suche nach Ausbildungsplatzbewerberinnen
und - bewerbern: Instrumente und Strategien. Ergebnisse aus
dem BIBB- Qualifizierungspanel 2013. BIBB Report 3/2014
(bibb.de/ veroeffentlichungen/de/publication/show/7458).
Tabelle 4: Gemeldete Berufsausbildungsstellen
Bundesgebiet Westdeutschland Ostdeutschland
gemeldete Berufsausbildungsstellen
insgesamt davon betrieblich insgesamt davon betrieblich insgesamt davon betrieblich
2009 487.034 429.552 390.133 358.048 95.951 70.614
…
2017 548.909 531.472 459.816 446.798 88.949 84.530
2018 569.915 551.148 478.383 464.036 91.366 86.946
2019 576.980 561.036 484.925 473.513 91.897 87.365
2020 535.914 520.220 450.678 439.108 85.072 80.948
2021 522.867 508.420 436.976 426.558 85.752 81.723
2022 545.960 528.297 455.436 442.333 90.347 85.788
2023 545.039 528.666 453.424 441.143 91.531 87.439
2024 519.399 502.320 433.532 420.467 85.825 81.811
Veränderung 2024 zu 2023
absolut –25.640 –26.346 –19.892 –20.676 –5.706 –5.628
in % –4,7 –5,0 –4,4 –4,7 –6,2 –6,4
Aufgrund einer Datenrevision Abweichung zu früheren Darstellungen.
Quelle: Statistik der BA.
Bei der Hälfte der gemeldeten Stellen wurde 2024 ein
Hauptschulabschluss vorausgesetzt (262.857 Stellen
bzw. 50,6 %). Bei 167.103 Stellen (32,2 %) wurde
mindestens ein mittlerer Abschluss erwartet. Mindestens
Fachhochschulreife sollte bei 30.938 (6,0 %)
gemeldeten Stellen vorliegen. Die allgemeine Hochschulreife
war Voraussetzung für 3.600 (0,7 %) der gemeldeten
Stellen. Bei 991 (0,2 %) Stellen gab der Arbeitgeber an,
keinen Hauptschulabschluss zu erwarten. „Nicht
relevant“ oder „keine Angabe“ galt für 53.910 (10,4 %)
der gemeldeten Stellen.83
Im Zusammenhang mit den gemeldeten
Berufsausbildungsstellen ist ebenso wie bei den gemeldeten
Bewerberinnnen und Bewerbern zu beachten, dass
die Inanspruchnahme der Dienste der Agenturen für
Arbeit und Jobcenter für junge Menschen und für
Betriebe freiwillig ist. Im Rahmen einer Befragung
des BIBBQualifizierungspanels 2022 gaben 75 % der
befragten Betriebe an, die Vermittlungsdienste der
83 Für eine Gegenüberstellung der erwarteten Schulabschlüsse bei
unbesetzten Ausbildungsstellen und der Schulabschlüsse der
gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber, die noch eine
Ausbildungsstelle suchen, vergleiche Kapitel 2.4.1.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 31 –
32 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Im ersten Jahr der Covid19Pandemie (2020) war das
Angebot an Ausbildungsstellen im Vorjahresvergleich
stark gesunken (–50.742 bzw. –8,8 % zu 2019).86 In den
Folgejahren wurden, verglichen mit den jeweiligen
Vorjahren, wieder mehr Ausbildungsplätze angeboten
(2021: +8.806 bzw. +1,7 %; 2022: +7.773 bzw. +1,4 %;
2023: +18.614 bzw. +3,4 %). Diese Entwicklung hat sich
2024 nicht fortgesetzt. Die stagnierende
wirtschaftliche Lage spiegelt sich somit auch auf dem
Ausbildungsmarkt wider.
Über die Entwicklung des Ausbildungsangebots wird
ausführlicher im Zusammenhang mit den Ergebnissen
der BIBBErhebung über neu abgeschlossene
Ausbildungsverträge zum 30. September in Kapitel 2.3.2
berichtet.
2.2.2 Betriebliche Ausbildungsbeteiligung
Im Berichtsjahr 2023 beteiligten sich 402.833 Betriebe
und Behörden an der beruflichen Ausbildung von
jungen Menschen.87 Zu beachten ist, dass nicht jeder
Betrieb ausbildungsberechtigt ist.88
Im Vergleich zu 2022 ist die Anzahl der
Ausbildungsbetriebe bzw. Ausbildungsstätten um 5.857 (–1,4 %)
gesunken. Der Gesamtbestand der Betriebe und
Behörden ging um 25.868 (–1,2 %) auf 2.138.284 zurück.
Die Ausbildungsbetriebsquote89 lag 2023 bei 18,8 %.
86 Zu beachten ist, dass die Rückgänge am Ausbildungsmarkt 2020
nicht ausschließlich auf das Krisengeschehen im Zusammenhang
mit Covid-19 zurückzuführen sind. Schon vor der Pandemie war
ins besondere infolge sinkender Schulabgängerzahlen mit Rückgängen
bei Angebot und Nachfrage und neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträgen gerechnet worden. Vergleiche ausführlicher
Berufsbildungsbericht 2021, Sonderkapitel: Der Ausbildungsmarkt in Zeiten
der Corona-Pandemie sowie Berufsbildungsbericht 2021,
Kapitel 2.3.2.
87 Im Gegensatz zu vielen anderen Angaben liegen aktuelle Daten zur
betrieblichen Ausbildungsbeteiligung nur für 2023 vor. Ergebnisse
für 2024 werden im Berufsbildungsbericht 2026 berichtet.
88 Betriebe, die sich in der Berufsausbildung engagieren wollen,
müssen hierfür gesetzliche Voraussetzungen erfüllen. Ein Betrieb ist
ausbildungsberechtigt, wenn die „[…] Ausbildungsstätte nach Art
und Einrichtung für die Berufsausbildung geeignet ist und die Zahl
der Auszubildenden in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl
der Ausbildungsplätze oder zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte
steht […]“. Zudem müssen sowohl der Arbeitgeber wie auch die/der
Ausbilderin/Ausbilder befähigt bzw. geeignet sein, die
Berufsausbildung inhaltlich und strukturell durchführen zu können. (Siehe § 27
und 28 BBiG sowie Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2022,
Kapitel A 7.2). Im Rahmen des IAB-Betriebspanels wird das Merkmal
„Ausbildungsberechtigung“ als Selbstauskunft der Betriebe erhoben.
89 Die Ausbildungsbetriebsquote misst den Anteil der Betriebe mit
Auszubildenden an allen Betrieben mit sozialversicherungspflichtig
Verglichen mit den Vorjahren ist die Quote weiter
gesunken. Zu diesen Ergebnissen kommen die
Auswertungen des BIBB anhand der Daten der
Beschäftigungsstatistik der BA.
Wie schon in den Vorjahren gibt es Unterschiede nach
Betriebsgrößenklassen.
Vor allem bei den Kleinstbetrieben mit bis zu neun
Beschäftigten kam es zu Verlusten bei den
ausbildenden Betrieben (–6.002 bzw. –3,6 %). Damit setzt sich
der Trend der Vorjahre fort, dass Verluste an
Ausbildungsbetrieben im kleinstbetrieblichen Bereich zu
finden sind. Diese Entwicklung korrespondiert mit
den Stellenbesetzungsschwierigkeiten von
Kleinstbetrieben (vergleiche Kapitel 2.4.1).
Definitionsgemäß weist die Ausbildungsbetriebsquote
den Anteil der Betriebe mit Auszubildenden an allen
Betrieben mit sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten aus. Es werden also nur solche Betriebe als
Ausbildungsbetriebe gezählt, denen es auch gelungen
ist, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen.
Auch bei Kleinbetrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten hat
die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe nachgelassen
(–407 bzw. –0,2 %). Bei Großbetrieben ab 250
Beschäftigten haben sich die Bestandszahlen der
Ausbildungsbetriebe dagegen positiv entwickelt (+233 bzw. +1,6 %).
Bei mittleren Betrieben (50 bis 249 Beschäftigte) lag sie
ebenfalls über dem Vorjahreswert (+319 bzw. +0,5 %).
Bis auf Kleinstbetriebe (–26.375 bzw. –1,6 %)
verzeichneten alle übrigen Betriebsgrößenklassen Zuwächse
beim Gesamtbestand an Betrieben.90
Die Ausbildungsbetriebsquote fiel bei Kleinstbetrieben
und Kleinbetrieben niedriger aus als im Vorjahr.
Mittlere Betriebe und Großbetriebe verzeichneten
einen Anstieg der Ausbildungsbetriebsquote.
Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Zahl der Betriebe,
der Ausbildungsbetriebe und der
Ausbildungsbetriebsquoten als Zeitreihe.
Beschäftigten einschließlich der Ausbildungsbetriebe. Bei der
Berechnung der Ausbildungsbetriebsquote wird nicht zwischen
Betrieben mit und ohne Ausbildungsberechtigung differenziert.
Vergleiche Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 7.1.
90 Kleinbetriebe: +93 (+0,0 %); mittlere Betriebe: +241 (+0,3 %);
Großbetriebe: +173 (+1,0 %).
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 32 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 33
In Westdeutschland ist die Zahl der
Ausbildungsbetriebe gesunken (2019: 363.914; 2020: 357.758;
2021: 353.892; 2022: 345.937; 2023: 339.788). Auch
die Gesamtzahl der Betriebe lag zuletzt wieder unter
dem Vorjahresniveau (2019: 1.735.805; 2020: 1.732.053;
2021: 1.748.453; 2022: 1.736.900; 2023: 1.718.257). Die
Ausbildungsbetriebsquote sank auf 19,8 % (2019: 21,0 %;
2020: 20,7 %; 2021: 20,2 %; 2022: 19,9 %).
In Ostdeutschland gab es 2023 mehr
Ausbildungsbetriebe als im Vorjahr (2019: 61.842; 2020: 61.904;
2021: 62.790; 2022: 62.730; 2023: 63.021). Die Gesamtzahl
der Betriebe ging zurück (2019: 435.136; 2020: 431.042;
2021: 432.592; 2022: 426.823; 2023: 419.446). In der Folge
fiel die Ausbildungsbetriebsquote höher aus als in den
Vorjahren (2019: 14,2 %; 2020: 14,4 %; 2021: 14,5 %;
2022: 14,7 %; 2023: 15,0 %). Sie lag aber weiterhin
deutlich unter dem Wert für Westdeutschland.
Nach Wirtschaftszweigen betrachtet, ergab sich
folgendes Bild:
Bundesweit stieg die Ausbildungsbetriebsquote 2023
am stärksten im Bereich „Erziehung, Unterricht“
(+0,7 Prozentpunkte) gefolgt von den Bereichen
„Kollektive Dienstleistungen (Verwaltung etc.)“
(+0,3 Prozentpunkte), „Landwirtschaft, Bergbau“,
„Beherbergung, Gastronomie“ und „Forschung und
Entwicklung“ (jeweils +0,2 Prozentpunkte).
Tabelle 5: Betriebe, Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsbetriebsquoten
2009 … 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
Kleinstbetriebe (1–9 Beschäftigte)
Betriebe insgesamt 1.653.446 1.674.337 1.669.463 1.667.221 1.659.861 1.668.773 1.646.420 1.620.045
Ausbildungsbetriebe 263.294 192.157 187.759 182.981 177.215 172.525 165.519 159.517
Ausbildungsbetriebsquote 15,9 11,5 11,2 11,0 10,7 10,3 10,1 9,8
Kleinbetriebe (10–49 Beschäftigte)
Betriebe insgesamt 320.398 379.505 386.673 393.112 392.998 400.300 403.726 403.819
Ausbildungsbetriebe 153.366 161.952 164.742 166.926 166.976 168.067 166.788 166.381
Ausbildungsbetriebsquote 47,9 42,7 42,6 42,5 42,5 42,0 41,3 41,2
mittlere Betriebe (50–249 Beschäftigte)
Betriebe insgesamt 76.141 91.162 93.009 94.113 93.751 95.135 96.364 96.605
Ausbildungsbetriebe 52.799 59.880 61.164 61.967 61.676 61.993 62.044 62.363
Ausbildungsbetriebsquote 69,3 65,7 65,8 65,8 65,8 65,2 64,4 64,6
KMU insgesamt (1–249 Beschäftigte)
Betriebe insgesamt 2.049.985 2.145.004 2.149.145 2.154.446 2.146.610 2.164.208 2.146.510 2.120.469
Ausbildungsbetriebe 469.459 413.989 413.665 411.874 405.867 402.585 394.351 388.261
Ausbildungsbetriebsquote 22,9 19,3 19,2 19,1 18,9 18,6 18,4 18,3
Großbetriebe (250 und mehr Beschäftigte)
Betriebe insgesamt 13.723 16.403 16.759 16.988 16.884 17.309 17.642 17.815
Ausbildungsbetriebe 11.676 13.238 13.622 13.907 13.816 14.108 14.339 14.572
Ausbildungsbetriebsquote 85,1 80,7 81,3 81,9 81,8 81,5 81,3 81,8
Alle Betriebe (insgesamt)
Betriebe insgesamt 2.063.708 2.161.407 2.165.904 2.171.434 2.163.494 2.181.517 2.164.152 2.138.284
Ausbildungsbetriebe 481.135 427.227 427.287 425.781 419.683 416.693 408.690 402.833
Ausbildungsbetriebsquote 23,3 19,8 19,7 19,6 19,4 19,1 18,9 18,8
Die Zeitreihe 2010 bis 2016 kann dem Berufsbildungsbericht 2020 entnommen werden.
Quelle: Beschäftigungsstatistik der BA (Stichtag 31. Dezember), Berechnungen des BIBB.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 33 –
34 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
Am höchsten waren die Rückgänge der
Ausbildungsbetriebsquote im Bereich „Metall, Elektrogewerbe“
(–0,6 Prozentpunkte). Es folgten die „Sonstigen
persönlichen Dienstleistungen (Friseurin/Friseur etc.)“
sowie die Bereiche „Bauwirtschaft“, „Information,
Kommunikation“, „Chemie und Pharmazie“ (jeweils
–0,2 Prozentpunkte).91
Nach den Daten des IABBetriebspanels 202392
erfüllten 51 % der Betriebe in Deutschland die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Ausbildung (2019: 54 %;
2020: 52 %; 2021: 52 %; 2022: 52 %).93 In
Westdeutschland waren 52 % der Betriebe ausbildungsberechtigt
(2019: 56 %; 2020: 54 %; 2021: 53 %; 2022: 53 %). In
Ostdeutschland traf dies mit 46 % auf weniger als
die Hälfte zu (2019: 48 %; 2020: 47 %; 2021: 44 %;
2022: 47 %).
Im längeren Zeitvergleich (2010: 59 %) ist der Anteil
ausbildungsberechtigter Betriebe bundesweit gesunken.
Ein IABKurzbericht aus dem Jahr 2023 zeigt, dass
der längerfristige Rückgang des Anteils
ausbildungsberechtigter Betriebe vor allem auf Kleinstbetriebe
(1 bis 9 Beschäftigte) und Kleinbetriebe (10 bis 49
Beschäftigte) zurückzuführen ist.94
Gleichwohl machten anteilig mehr Betriebe von ihrer
Ausbildungsberechtigung Gebrauch. 59 % der
ausbildungsberechtigten Betriebe beteiligten sich 2023
an der Ausbildung (2022: 58 %; 2019 bis 2021: 56 %).
Damit wurde ein neuer Höchststand bezogen auf die
Zeitreihe seit 2010 (54 %) erreicht.
Westdeutschland verzeichnete zuletzt Zuwächse
(2019: 56 %; 2020: 57 %; 2021: 56 %; 2022: 59 %; 2023: 60 %).
In Ostdeutschland verblieb der Anteil der ausbildenden
Betriebe an allen ausbildungsberechtigten Betrieben
91 Detaillierte Analysen zur Entwicklung der Ausbildungsbetriebsquote
und der Ausbildungsquote sind dem Datenreport zum
Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 7.1 zu entnehmen.
92 Vergleiche Fitzenberger, Bernd; Leber, Ute; Schwengler, Barbara
(2024): IAB-Betriebspanel: Rekordhoch beim Anteil der unbesetzten
Ausbildungsstellen. IAB-Kurzbericht 16/2024. Nürnberg
(doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-16.pdf).
93 Dies schließt auch die Betriebe mit ein, welche im Verbund mit
anderen Betrieben/Dienststellen oder mit überbetrieblichen
Einrichtungen ausbildungsberechtigt sind.
94 Vergleiche Leber, Ute; Roth, Duncan; Schwengler; Barbara (2023):
Die betriebliche Ausbildung vor und während der Corona-Krise:
Besetzungsprobleme nehmen zu, Anteil der Betriebe mit
Ausbildungsberechtigung sinkt. IAB-Kurzbericht 3/2023. Nürnberg
(doku.iab.de/kurzber/2023/kb2023-03.pdf).
auf dem Niveau der beiden Vorjahre (2019: 54 %;
2020: 51 %; 2021 bis 2023: 54 %).
Mit zunehmender Beschäftigtenzahl steigt die
Ausbildungsaktivität. 2023 bildeten 41 % der
ausbildungsberechtigten Kleinstbetriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten
aus. Bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten waren
es 76 % und bei Betrieben mit 50 bis 499 Beschäftigten
90 %. Von Großbetrieben mit 500 und mehr
Beschäftigten bildeten nahezu alle aus (98 %).95
Nicht alle ausbildenden Betriebe bilden kontinuierlich
aus. Das gilt insbesondere für Kleinstbetriebe. Die
Orientierung am betrieblichen Fachkräftebedarf
kann hier einen Grund darstellen, nicht jedes Jahr
auszubilden.
2.2.3 Ausbildung und duales Studium
Mit dualen Studiengängen hat sich ein
Bildungsformat etabliert, das die Vermittlung von
wissenschaftlichtheoretischem Wissen mit der Aneignung
berufspraktischer Kompetenzen verbindet. Hierzu
werden, verteilt auf mindestens zwei Lernorte,
organisatorisch und curricular entweder geregelte
berufliche Ausbildungen mit dem Studium verbunden
(sogenannte ausbildungsintegrierende duale
Studiengänge) oder längere Praxisphasen in das Studium
integriert (sogenannte praxisintegrierende duale
Studiengänge). Personen, die ein
ausbildungsintegrierendes duales Studium absolvieren, erwerben
neben dem Studienabschluss noch einen weiteren
berufsqualifizierenden Abschluss in einem
anerkannten Ausbildungsberuf. Darüber hinaus gibt es auch
berufsintegrierende duale Studiengänge für die
berufliche Weiterbildung.
Nach einer Studie des IAB zu praxisintegrierenden
Studiengängen aus dem Jahr 2019 erleichtern diese
den Berufseinstieg nach dem Studium. Die
Beschäftigungswahrscheinlichkeit liegt in den ersten Jahren
nach einem dualen Studium vier Prozentpunkte
höher als nach einem Universitätsstudium. Im
weiteren Erwerbsverlauf ist dieser
Beschäftigungsvorteil aber nicht weiter bemerkbar. Absolventinnen
und Absolventen eines dualen Studiums verdienen im
95 Für diese und weitere Kennzahlen zur betrieblichen Ausbildung
aus dem IAB-Betriebspanel siehe auch: https://iab.de/daten/
kennzahlen-zur-betrieblichen-ausbildung-in-deutschland-2023/
Drucksache 21/2750 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode – 34 –
DIE AUSBILDUNGSMARKTSITUATION 2024 35
Durchschnitt ähnlich wie
Fachhochschulabsolventinnen und absolventen und damit weniger als
Absolventinnen und Absolventen eines universitären
Studiums.96
Analysen des BIBB anhand der Daten der Datenbank
AusbildungPlus zeigen einen stetigen Aufwärtstrend
bei den dualen Studiengängen.97 Seit Beginn der
Auswertungen (2004) hat sich die in der Datenbank
erfasste Anzahl dualer Studiengänge (2004: 512;
2024: 1.824) mehr als verdreifacht. Die meisten
Angebote dualer Studiengänge wurden 2024 in den
Ingenieurwissenschaften mit 869 Angeboten (47,6 %),
den Rechts, Wirtschafts und Sozialwissenschaften
mit 782 Angeboten (42,9 %) sowie den
Gesundheitswissenschaften mit 123 Angeboten (6,7 %) registriert.98
Mit der BBiGNovelle (2020) wurde die Voraussetzung
für eine deutliche Verbesserung der Datenlage zu
ausbildungsintegrierenden dualen Studiengängen
geschaffen. Das Gesetz sieht vor, dass im Rahmen der
Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des
Bundes und der Länder für die ab 2021 begonnenen
Ausbildungsverträge erfasst wird, ob die
Berufsausbildung im Rahmen eines ausbildungsintegrierenden
dualen Studiums erfolgt. Für den
Berufsbildungsbericht 2023 lagen hierzu erstmals Daten vor. Demnach
wurden 2021 mit 3.537 Neuabschlüssen
vergleichsweise wenige Ausbildungsverträge mit dem Merkmal
duales Studium gemeldet. Das entspricht einem Anteil
von 0,8 % aller Neuabschlüsse. Für das Jahr 2022 wurden
3.483 Neuabschlüsse (0,7 %) und für das Jahr 2023
3.792 Neuabschlüsse (0,8 %) gemeldet. Das BIBB geht
derzeit noch von einer Untererfassung des Merkmals
aus.99
96 Vergleiche Ostermann, Kerstin; Patzina, Alexander (2019): Aktuelle
Studienformen im Vergleich Ein duales Studium begünstigt den
Berufseinstieg. IAB-Kurzbericht 25/2019. Nürnberg (doku.iab.de/
kurzber/2019/kb2519.pdf).
97 Das BIBB stellt mit dem Portal AusbildungPlus (bibb.de/
ausbildungplus) Informationen zum dualen Studium, Hinweise für die Praxis
sowie Informationen zu Zusatzqualifikationen in der beruflichen
Erstausbildung zur Verfügung. In der bundesweiten Datenbank
können duale Studiengänge nach Fachbereichen, Regionen,
Hochschul typen oder anderen Kriterien recherchiert werden. Zudem kann
nach Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung und
Praxisbeispielen gesucht werden. Die Datenbank basiert auf
freiwilligen Eintragungen der Anbieter, daher kann es zu einer
Untererfassung der angebotenen dualen Studiengänge kommen.
98 Vergleiche auch Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025,
Kapitel A 6.3.
99 Diese Einschätzung basiert auf einem Vergleich der
Berufsbildungsstatistik mit den Studierendenzahlen aus der Datenbank Ausbildung-
Plus des BIBB. Aus der Datenbank AusbildungPlus wurden dabei nur
Studierende der ausbildungsintegrierenden Studiengänge
Nach Zuständigkeitsbereichen differenziert waren die
Anteile der Neuabschlüsse in ausbildungsintegrierenden
dualen Studiengängen 2023 in den Ausbildungsberufen
der Landwirtschaft (1,3 %) sowie von Industrie und
Handel (1,1 %) am höchsten. Bei den Freien Berufen
betrug der Anteil 0,7 %, beim Handwerk 0,2 % und bei
den Ausbildungsberufen des Öffentlichen Dienstes 0,4 %.
Für die Hauswirtschaft wurden im Jahr 2023 – wie
auch in den beiden Vorjahren – keine
Ausbildungsverhältnisse im Rahmen eines dualen Studiums zur
Berufsbildungsstatistik gemeldet.
2.3 Neue Ausbildungsverhältnisse
und Ausbildungsbilanz 2024
2.3.1 Integrierte Ausbildungsberichterstattung
Eine aktuelle Gesamtschau des (Aus)
Bildungsgeschehens in Deutschland im Anschluss an die
Sekundarstufe I lässt sich anhand der Daten der iABE darstellen.
Hierbei handelt es sich um ein Berichtssystem,
welches verschiedene amtliche Statistiken zu einem
Gesamtüberblick über das (Aus)Bildungsgeschehen
zusammenführt, also „integriert“. Neben den Daten
zur dualen Berufsausbildung nach BBiG/HwO100
finden sich hier auch Daten zu den Anfängerinnen
und Anfängern in anderen vollqualifizierenden
Berufsausbildungen außerhalb BBiG/HwO. Hierzu
zählen die sogenannte schulische Berufsausbildung
im Gesundheits, Erziehungs und Sozialwesen (GES)
sowie die sonstige schulische Berufsausbildung.101
Darüber hinaus finden sich in der iABE auch Daten
berücksichtigt, die zu einem Berufsabschluss nach BBiG/HwO
führen. Siehe dazu die Zusatztabelle „Ausbildungsverträge
(BBiG/ HwO) im Rahmen eines dualen Studiums, Berichtsjahr 2023“
in DAZUBI-Online unter bibb.de/dokumente/xls/dazubi_
zusatztabellen_duales-studium_2023.xlsx sowie Daten report
zum Berufsbildungsbericht 2025, Kapitel A 5.3.
100 Die in der iABE für die duale Berufsausbildung nach BBiG/
HwO verwendeten Daten entstammen der Statistik Berufliche
Schulen und nicht der BIBB-Erhebung zum 30. September oder
der Berufsbildungsstatistik zum 31. Dezember. Abweichungen
von anderen Darstellungen im Berufsbildungsbericht, u. a. in
Kapitel 2.3.2.1, sind auf die unterschiedlichen Statistiken bzw.
Erhebungen zurückzuführen (vergleiche ausführlich Datenreport
zum Berufsbildungsbericht 2025, A 4.1).
101 Zu den sonstigen schulischen Berufsausbildungen werden hier die
iABE-Konten „Schulische Berufsausbildung an Berufsfachschulen
nach BBiG/HwO“ (I 02), „Schulische Berufsausbildung an
Berufsfachschulen außerhalb BBiG/HwO“ (I 03), „Schulische
Berufsausbildung mit Erwerb einer HZB (doppelqualifizierend)“ (I 04) sowie
„Berufsausbildung in einem öffentlich-rechtlichen
Ausbildungsverhältnis (Beamtenausbildung mittlerer Dienst)“ (I 06) gezählt.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/2750– 35 –
36 BERUFSBILDUNGSBERICHT 2025
zum Übergangsbereich, zu Bildungsgängen, die zum
Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung (HZB)
führen, und zum Studium.
Alle Bildungsgänge werden in der iABE entsprechend
ihrem vorrangigen Bildungsziel in sogenannte
Bildungssektoren und Bildungskonten gegliedert.102
Auf der obersten Gliederungsebene werden vier
Sektoren unterschieden: „Berufsausbil
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
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