Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und internationales Potential der Digitalen Automatischen Kupplung (Antwort zu Drs. 21/7537)
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Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und internationales Potential der Digitalen Automatischen Kupplung (Antwort zu Drs. 21/7537)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7661
21. Wahlperiode 19.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Lars Haise, Wolfgang Wiehle, René
Bochmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/7537 –
Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und internationales Potenzial der Digitalen
Automatischen Kupplung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Schienengüterverkehr soll bis 2030 einen Marktanteil von 25 Prozent
erreichen (vgl. Antwort zu Frage 1 auf Bundestagsdrucksache 21/3155). Ein
zentraler Baustein hierfür könnte die Einführung der Digitalen Automatischen
Kupplung (DAK) sein, auf die das mittelbar in Bundesbesitz stehende
Unternehmen DB Cargo AG setzt (vgl. www.dbcargo.com/rail-de-de/gruen-und-inn
ovativ/dbcargo-lab/digitale-automatische-kupplung). Während die technische
Machbarkeit erprobt wird, bleiben für die Fragesteller Fragen zur
wirtschaftlichen Tragfähigkeit, zur Finanzierung der Umrüstung von bis zu 500 000
Güterwagen in Europa und zum globalen Marktpotenzial offen.
1. Wie hoch ist der Betrag der bis zum 30. Juni 2026 ausgereichten
Fördermittel aus dem im Bundeshaushaltsgesetz 2026, die im Titel 1210 683 51
bereitgestellt werden?
Es wird auf die im Internet frei verfügbare Information auf der Internetseite des
Bundesministeriums für Verkehr verwiesen (vgl. www.bmv.de/SharedDocs/D
E/Artikel/E/schiene-innovationen-forschung/foerderung-digitalen-automatische
n-kupplung-dak.html)
2. Wie hoch sind die seitens der Bundesregierung seit dem Projektstart
von DAC4EU (Digital Automatic Coupling for Europe) im Jahr 2020 bis
einschließlich 2025 ausgereichten Fördermittel (vgl. www.dac4.eu/dac)?
Das Projekt lief in mehreren Phasen von Juni 2020 bis Juni 2026. Mit
Abschluss des Projekts am 30. Juni 2026 sind durch das Bundesministerium für
Verkehr (BMV) Kosten von rund 30 Mio. Euro durch Fördermittel erstattet
worden, wobei die Prüfung der Abschlussdokumente noch erfolgt.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr vom 18. August 2026
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
3. Wurden Fördermittel für die Arbeitsgemeinschaft DAC4EU nur an die
Konsortialführerin DB AG ausgereicht oder auch an die in der
Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Güterbahnen DB Cargo AG, Rail
Cargo Austria AG und SBB Cargo AG sowie den Wagenhaltern
Ermewa SA, GATX Rail Europe GmbH und VTG Rail Europe GmbH (vgl.
www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/E/dak-demonstrator-phase-2-zwis
chenbericht.pdf?__blob=publicationFile)?
Die Aufwände für die Erprobung wurden vom Konsortium an das BMV in
Rechnung gestellt. Die Auszahlung erfolgte vom BMV an die
Konsortialführerin DB AG (federführend). Die Aufwände der Konsortialpartner wurden
innerhalb des Konsortiums verrechnet. Dabei wurden Personal- und Sachaufwände
im Rahmen der Erprobung erstattet. Investitionen in die Komponenten wie
z. B. die Kupplungen wurden durch das DAC4EU-Konsortium aus eigenen
Mitteln geleistet.
4. Gab und gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine Kofinanzierung
seitens der EU, und wenn ja, in welcher Höhe?
Für das Projekt DAC4EU gab es keine Ko-Finanzierung durch die EU.
5. Welche Abwägungen gab es seitens des Bundesministeriums für Verkehr
(BMV), den Schienengüterverkehr auf bestehende und erprobte
automatische Kupplungssysteme umzurüsten, und welche Kupplungstypen
wurden aus welchen Gründen verworfen?
Die Auswahl eines Kupplungstyps wurde auf EU-Ebene im Rahmen des sog.
European DAC Delivery Programms (EDDP) getroffen. Im EDDP waren mehr
als 100 Unternehmen sowie die europäischen Eisenbahnverbände vertreten. Die
Auswahl des Kupplungskopfes erfolgte im Herbst 2021. Zur Auswahl standen
drei Kupplungstypen: SA3, Schwab- und Scharfenberg Typ 10-Kupplung. Die
technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Kriterien wurden in
Arbeitsgruppen des EDDP mit Experten aus den verschiedenen EU-Ländern
entwickelt.
6. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Business Case
(Anschaffungskosten, Instandhaltungskosten und Einsparpotenziale
gegenüber der Schraubenkupplung) der DAK angesichts steigender Zinsen und
Materialkosten?
7. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Kosten pro Umrüstung eines
Güterwaggons ein, und wie verändern sich diese Kosten schätzungsweise
durch Skaleneffekte bei einer kumulierten Anzahl von
a) 5 000 Wagen,
b) 50 000 Wagen,
c) 500 000 Wagen?
8. Wie viele der in Deutschland registrierten Güterwagen sind nach
Kenntnis der Bundesregierung derzeit aktiv im Einzelwagenverkehr (EWV) im
Einsatz, und für wie viele dieser Wagen ist eine Umrüstung technisch
zwingend erforderlich oder wirtschaftlich geboten?
14. Hat sich an der Schätzung der Bundesregierung von Gesamtkosten für
die europaweite Migration einer DAK von 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro etwas
verändert, da aufgrund der EU-weiten Vernetzung des
Schienengüterverkehrs eine Umrüstung nur im gesamteuropäischen Kontext sinnvoll und
realisierbar ist (vgl. Antwort zu Frage 40 auf Bundestagsdrucksache
19/31824), und wenn ja, in welcher Höhe?
Die Fragen 6 bis 8 und 14 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die „Studie über die nationalen Möglichkeiten zur finanziellen
Förderung der Digitalen Automatischen Kupplung“ des BMV verwiesen (vgl.
www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/E/dak-studie-2024-zusammenfassung.pd
f?__blob=publicationFile).
Darüber hinaus wird auf das laufende EU-Programm verwiesen („Europe's Rail
„DAC Fleet Retrofitting and Retrofit Capacity Plan“). Skaleneffekte der
Umrüstkosten wirken eher über Beschaffung der Komponenten als über die
Fixkostendegression der Fertigung und Umrüstung.
9. Welches konkrete Kostensenkungspotenzial (in Prozent der
Betriebskosten) pro gefahrenem Trassenkilometer erwartet die Bundesregierung
durch den Wegfall manueller Kuppelvorgänge?
Durch das DAK-Basispaket wird insbesondere die Vorbereitungszeit bei der
Zugbildung und -zerlegung reduziert, da der manuelle Aufwand für Kuppeln/
Entkuppeln, Erfassung der Wagenreihung sowie Durchführung der Bremsprobe
entfällt. Eine Kennzahl für das konkrete Kostensenkungspotenzial in Prozent
der Betriebskosten pro gefahrenem Trassenkilometer liegt der Bundesregierung
nicht vor. Für eine belastbare, trassenkilometerbezogene Prozentangabe wird
auf laufende bzw. künftige vertiefende Untersuchungen im Rahmen des
Europe’s Rail Programm für Forschung und Innovation im Schienenverkehr
verwiesen.
10. Welche Zeiteinsparung (in Minuten) ergibt sich nach Berechnungen der
Bundesregierung durchschnittlich bei der Zugbildung eines 740‑m-
Standardgüterzugs durch die DAK im Vergleich zur Schraubenkupplung?
Der Bundesregierung liegen keine spezifisch auf einen 740‑Meter‑
Standardgüterzug bezogenen Berechnungen zur Zeiteinsparung in Minuten vor.
11. Welcher jährlicher Instandhaltungsaufwand wird für das aktuell
modernste DAK-Modell (Generation 4) prognostiziert, insbesondere im
Vergleich zum jährlichen Instandhaltungsaufwand konventioneller
Kupplungsmodelle wie der Schraubenkupplung?
In der „Studie über die nationalen Möglichkeiten zur finanziellen Förderung
der Digitalen Automatischen Kupplung“ wurden Annahmen für die jährlichen
Instandhaltungskosten für das DAK-Basispaket für Güterwagen getroffen.
Dieser wurde mit 817 Euro pro Jahr und Güterwagen angesetzt (vgl. www.bmv.de/
SharedDocs/DE/Anlage/E/dak-studie-2024-abschlussbericht.pdf?__blob=publi
cationFile).
12. Für welche Temperaturbereiche und Witterungsbedingungen ist das
Lastenheft des DAK-Modells (Generation 4) vorgesehen gewesen?
Die DAK ist im Temperaturbereich von +45 °C bis −45 °C einsatzfähig.
13. Liegen der Bundesregierung Einschätzungen zum Marktpotenzial der
DAK-Technologie außerhalb der Europäischen Union vor, oder hat sie
selbst solche vorgenommen, wenn ja, welche, und gibt es
Transportunternehmen oder staatlichen Bahnen außerhalb der EU, die nach Kenntnis
der Bundesregierung bereits konkretes Interesse an der in Europa
entwickelten DAK (Typ Scharfenberg) angemeldet haben, und gibt es
bereits Schätzungen zum möglichen Auftragsvolumen?
Nein
15. Welche konkurrierenden Forschungsprojekte zur Effizienzsteigerung des
Einzelwagenverkehrs (z. B. vollautomatisierte Rangierloks, alternative
Kupplungssysteme oder digitale Begleitzertifikate) sind der
Bundesregierung bekannt, und wie werden diese im Vergleich zur DAK
priorisiert?
Die Bundesregierung unterstützt die Effizienzsteigerung im SGV und fördert
diese u. a. mit dem „Bundesprogramm (Z-SGV. Im Rahmen von Z-SGV
werden Innovationsvorhaben in den Bereichen Digitalisierung, Automatisierung
und innovative Fahrzeugtechnik gefördert, die zur Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz des SGV beitragen können. Dabei werden Vorhaben
gefördert, die der Effizienzsteigerung des Einzelwagenverkehrs dienen. Diese
Vorhaben stehen nicht in Konkurrenz zur Einführung der DAK. Alternative
Kupplungssysteme oder Verfahren zur Automatisierung des Kuppel- und
Entkuppelvorgangs unter Beibehaltung der Schraubenkupplung bei Güterzügen
wurden und werden bisher im Rahmen des Bundesprogramms Z-SGV nicht
gefördert.
Darüber hinaus hat das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung
(DZSF) zahlreiche Auftragsforschungsprojekte im Themenbereich SGV
ausgeschrieben, die u. a. zur Effizienzsteigerung im Einzelwagenverkehr forschen.
Diese werden unabhängig von der DAK-Entwicklung betreut und beschäftigen
sich ebenso nicht mit Entwicklung einer Kupplung. Eine Priorisierung findet
daher nicht statt.
16. Gibt es ergänzende Projekte im Bereich des Kombinierten Verkehrs
(KV), die unabhängig von der DAK die Wettbewerbsfähigkeit der
Schiene steigern sollen, und wie werden diese koordiniert und in welchem
Umfang gefördert?
Die folgenden Vorhaben im Bereich des Kombinierten Verkehrs (KV) werden
im Rahmen des Bundesprogramms Z-SGV gefördert:
• KV-Hub: Pilotierung neuer KV-Produkte durch die Verknüpfung von
Zugverbindungen unter Einbeziehung der MegaHub Schnellumschlaganlage in
Lehrte. Für das Projekt wurden insgesamt Bundesmittel in Höhe von
11.757.439,50 Euro bewilligt.
• HTW: Markteinführung des Helrom Trailer Wagens (HTW). Für das
Projekt wurden insgesamt Bundesmittel in Höhe von 15.020.270,00 Euro
bewilligt.
• DIMI: Digital unterstützte Inspektion von Zügen des Kombinierten
Verkehrs. Für das Projekt wurden insgesamt Bundesmittel in Höhe von
1.047.888,12 Euro bewilligt.
Darüber hinaus forscht das DZSF mit Auftragsforschung zu Innovationskraft
und Möglichkeiten zur Implementierung von Modernisierungen im KV. Das
Projekt umfasst ein Projektvolumen von 715.750 Euro über den Zeitraum von
drei Jahren.
17. Welcher weitere Investitions- bzw. Förderungsbedarf ist der
Bundesregierung gegebenenfalls bekannt, um die DAK zu Level 5, also mit
automatischer Entkupplung weiterzuentwickeln?
Durch das European DAC Delivery Programme wurde festgelegt, dass eine
DAK Level 5 im Rahmen des DAK-Basispakets eingeführt werden soll. Im
Rahmen des Projekts EU-Rail FP5-TRANS4M-R wurde eine DAK Level 5
spezifiziert, entwickelt und erprobt.
18. Auf wie hoch beziffert die Bundesregierung den Investitionsaufwand an
Güter- und Rangierbahnhöfen im Zusammenhang mit der
flächendeckenden Einführung der DAK?
Ein gesonderter Gesamtbetrag für den Investitionsaufwand an Güter- und
Rangierbahnhöfen wird in den vorliegenden Studien nicht ausgewiesen. Allerdings
wurden im Rahmen der europäischen Kosten-Nutzen-Analyse des European
DAC Delivery Programme die Umrüstkosten für Prellböcke auf
Mittelpufferkupplung mit einem Kostenaufwand von 5.000 Euro je Prellbock bei einem
EU-weiten Bestand von ca. 83.000 Prellböcken angenommen. Darüber hinaus
wird auf zusätzliche, bislang nicht abschließend quantifizierte Investitionen in
Zugbildungsanlagen, Rangierbahnhöfen und Gleisanschlüssen hingewiesen.
19. Welche Migrationsstrategien zum Markthochlauf der DAK sind der
Bundesregierung bekannt und werden gegebenenfalls aus welchen Gründen
favorisiert?
2022 wurden im European DAC Delivery Programme (EU DAC DELIVERY
PROGRAMME - Europe's Rail) mehrere Migrationsstrategien entwickelt. Es
wurde ein Mix dieser Strategien je nach Verkehrsart, Abgrenzbarkeit der
Fahrzeuge von anderen, Saisonalität, Prozessen auf der „ersten und letzten Meile“
im Gleisanschluss und anderen Rahmenbedingungen empfohlen.
20. Sind der Bundesregierung Konzepte für Schienenfahrzeuge bekannt, die
die bereits in den USA, China und anderen Staaten eingesetzten
Technologien für fahrerlos fahrende Straßenfahrzeuge (Robotaxis) nutzen, um
Einzelwagen zukünftig autonom im Schienennetz fahren zu lassen, und
wenn ja, wäre dies aus Sicht der Bundesregierung eine alternative und
zukunftsträchtige Technologie für den Einzelwagenverkehr, die aus Sicht
der Bundesregierung eine kostenintensive Nachrüstung mit der DAK
vermeiden könnte?
Es sind derzeit keine Konzepte bekannt, die Robotaxi-Technologien aus dem
Straßenverkehr direkt auf autonome Schienenfahrzeuge im
Einzelwagenverkehr übertragen, um die DAK zu ersetzen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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