Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und internationales Potential der Digitalen Automatischen Kupplung
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Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und internationales Potential der Digitalen Automatischen Kupplung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7537
21. Wahlperiode 10.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lars Haise, Wolfgang Wiehle, René Bochmann, Alexis L.
Giersch, Stefan Henze, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons, Carsten Becker,
Hans-Jürgen Goßner, Leif-Erik Holm, Dr. Rainer Kraft, Andreas Mayer, Volker
Scheurell, Otto Strauß und der Fraktion der AfD
Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und internationales Potenzial der Digitalen
Automatischen Kupplung
Der Schienengüterverkehr soll bis 2030 einen Marktanteil von 25 Prozent
erreichen (vgl. Antwort zu Frage 1 auf Bundestagsdrucksache 21/3155). Ein
zentraler Baustein hierfür könnte die Einführung der Digitalen Automatischen
Kupplung (DAK) sein, auf die das mittelbar in Bundesbesitz stehende
Unternehmen DB Cargo AG setzt (vgl. www.dbcargo.com/rail-de-de/gruen-und-inno
vativ/dbcargo-lab/digitale-automatische-kupplung). Während die technische
Machbarkeit erprobt wird, bleiben für die Fragesteller Fragen zur
wirtschaftlichen Tragfähigkeit, zur Finanzierung der Umrüstung von bis zu 500 000
Güterwagen in Europa und zum globalen Marktpotenzial offen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch ist der Betrag der bis zum 30. Juni 2026 ausgereichten
Fördermittel aus dem im Bundeshaushaltsgesetz 2026, die im Titel 1210 683 51
bereitgestellt werden?
2. Wie hoch sind die seitens der Bundesregierung seit dem Projektstart
von DAC4EU (Digital Automatic Coupling for Europe) im Jahr 2020 bis
einschließlich 2025 ausgereichten Fördermittel (vgl. www.dac4.eu/dac)?
3. Wurden Fördermittel für die Arbeitsgemeinschaft DAC4EU nur an die
Konsortialführerin DB AG ausgereicht oder auch an die in der
Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Güterbahnen DB Cargo AG, Rail
Cargo Austria AG und SBB Cargo AG sowie den Wagenhaltern
Ermewa SA, GATX Rail Europe GmbH und VTG Rail Europe GmbH (vgl.
www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/E/dak-demonstrator-phase-2-zwisc
henbericht.pdf?__blob=publicationFile)?
4. Gab und gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine Kofinanzierung
seitens der EU, und wenn ja, in welcher Höhe?
5. Welche Abwägungen gab es seitens des Bundesministeriums für Verkehr
(BMV), den Schienengüterverkehr auf bestehende und erprobte
automatische Kupplungssysteme umzurüsten, und welche Kupplungstypen wurden
aus welchen Gründen verworfen?
6. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Business Case
(Anschaffungskosten, Instandhaltungskosten und Einsparpotenziale gegenüber der
Schraubenkupplung) der DAK angesichts steigender Zinsen und
Materialkosten?
7. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Kosten pro Umrüstung eines
Güterwaggons ein, und wie verändern sich diese Kosten schätzungsweise
durch Skaleneffekte bei einer kumulierten Anzahl von
a) 5 000 Wagen,
b) 50 000 Wagen,
c) 500 000 Wagen?
8. Wie viele der in Deutschland registrierten Güterwagen sind nach Kenntnis
der Bundesregierung derzeit aktiv im Einzelwagenverkehr (EWV) im
Einsatz, und für wie viele dieser Wagen ist eine Umrüstung technisch
zwingend erforderlich oder wirtschaftlich geboten?
9. Welches konkrete Kostensenkungspotenzial (in Prozent der
Betriebskosten) pro gefahrenem Trassenkilometer erwartet die Bundesregierung durch
den Wegfall manueller Kuppelvorgänge?
10. Welche Zeiteinsparung (in Minuten) ergibt sich nach Berechnungen der
Bundesregierung durchschnittlich bei der Zugbildung eines 740‑m-
Standardgüterzugs durch die DAK im Vergleich zur Schraubenkupplung?
11. Welcher jährlicher Instandhaltungsaufwand wird für das aktuell modernste
DAK-Modell (Generation 4) prognostiziert, insbesondere im Vergleich
zum jährlichen Instandhaltungsaufwand konventioneller
Kupplungsmodelle wie der Schraubenkupplung?
12. Für welche Temperaturbereiche und Witterungsbedingungen ist das
Lastenheft des DAK-Modells (Generation 4) vorgesehen gewesen?
13. Liegen der Bundesregierung Einschätzungen zum Marktpotenzial der
DAK-Technologie außerhalb der Europäischen Union vor, oder hat sie
selbst solche vorgenommen, wenn ja, welche, und gibt es
Transportunternehmen oder staatlichen Bahnen außerhalb der EU, die nach Kenntnis der
Bundesregierung bereits konkretes Interesse an der in Europa
entwickelten DAK (Typ Scharfenberg) angemeldet haben, und gibt es bereits
Schätzungen zum möglichen Auftragsvolumen?
14. Hat sich an der Schätzung der Bundesregierung von Gesamtkosten für die
europaweite Migration einer DAK von 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro etwas
verändert, da aufgrund der EU-weiten Vernetzung des Schienengüterverkehrs
eine Umrüstung nur im gesamteuropäischen Kontext sinnvoll und
realisierbar ist (vgl. Antwort zu Frage 40 auf Bundestagsdrucksache
19/31824), und wenn ja, in welcher Höhe?
15. Welche konkurrierenden Forschungsprojekte zur Effizienzsteigerung des
Einzelwagenverkehrs (z. B. vollautomatisierte Rangierloks, alternative
Kupplungssysteme oder digitale Begleitzertifikate) sind der
Bundesregierung bekannt, und wie werden diese im Vergleich zur DAK priorisiert?
16. Gibt es ergänzende Projekte im Bereich des Kombinierten Verkehrs (KV),
die unabhängig von der DAK die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene
steigern sollen, und wie werden diese koordiniert und in welchem Umfang
gefördert?
17. Welcher weitere Investitions- bzw. Förderungsbedarf ist der
Bundesregierung gegebenenfalls bekannt, um die DAK zu Level 5, also mit
automatischer Entkupplung weiterzuentwickeln?
18. Auf wie hoch beziffert die Bundesregierung den Investitionsaufwand an
Güter- und Rangierbahnhöfen im Zusammenhang mit der
flächendeckenden Einführung der DAK?
19. Welche Migrationsstrategien zum Markthochlauf der DAK sind der
Bundesregierung bekannt und werden gegebenenfalls aus welchen Gründen
favorisiert?
20. Sind der Bundesregierung Konzepte für Schienenfahrzeuge bekannt, die
die bereits in den USA, China und anderen Staaten eingesetzten
Technologien für fahrerlos fahrende Straßenfahrzeuge (Robotaxis) nutzen, um
Einzelwagen zukünftig autonom im Schienennetz fahren zu lassen, und wenn
ja, wäre dies aus Sicht der Bundesregierung eine alternative und
zukunftsträchtige Technologie für den Einzelwagenverkehr, die aus Sicht der
Bundesregierung eine kostenintensive Nachrüstung mit der DAK vermeiden
könnte?
Berlin, den 3. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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