Hintergründe des Scheiterns der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
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Hintergründe des Scheiterns der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7490
21. Wahlperiode 06.08.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Keuter, Dr. Alexander Gauland, Dr. Rainer Rothfuß, Uwe
Schulz, Udo Theodor Hemmelgarn, Dr. Malte Kaufmann, Dr. Anna Rathert, Gerold
Otten und der Fraktion der AfD
Hintergründe des Scheiterns der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen
Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
Deutschland zählt seit vielen Jahren zu den größten finanziellen Unterstützern
des Systems der Vereinten Nationen. Im Jahr 2025 leistete die Bundesrepublik
Deutschland erhebliche Zahlungen an das UN‑System, darunter einen
Pflichtbeitrag von rund 5,7 Prozent zum regulären Haushalt der Vereinten Nationen
sowie einen gleich hohen Anteil an den globalen Kosten der
UN‑Friedensmissionen (vgl. https://rom-io.diplo.de/fao-de/deutschland-und-di
e-vereinten-nationen/2680892-2680892). Hinzu kamen umfangreiche
freiwillige Beiträge im hohen dreistelligen Millionenbereich, die insbesondere
humanitäre, entwicklungspolitische und menschenrechtliche Programme der
UN‑Organisationen unterstützten. Deutschland gehörte damit im Jahr 2025
sowohl absolut als auch relativ zu den international führenden Beitragszahlern
innerhalb des UN‑Systems (vgl. https://new-york-un.diplo.de/un-de/deutschlan
d-un-381468?isLocal=false&isPreview=false).
Parallel dazu stellte Deutschland im selben Jahr rund 26 Mrd. Euro für die
internationale Entwicklungszusammenarbeit bereit und war damit weltweit
größter Geber (vgl. www.bmz.de/de/aktuelles/aktuelle-meldungen/oecd-bilanz-202
5-298358). Diese außergewöhnlich hohen Leistungen erfolgten in einer Phase,
in der die Bundesrepublik Deutschland zugleich mit einer anhaltenden
Haushalts‑ und Wirtschaftskrise konfrontiert ist und zahlreiche Ressorts
deutliche Einsparungen vornehmen müssen (vgl. www.br.de/nachrichten/deutschla
nd-welt/klingbeil-mahnt-ministerien-zu-einsparungen,Ulct1va). Vor diesem
Hintergrund wiegt in den Augen der Fragesteller das Scheitern der deutschen
Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat besonders schwer.
Dass Deutschland trotz seiner herausragenden finanziellen Beiträge und seines
langjährigen Engagements im multilateralen System nicht die notwendige
Unterstützung durch die UN‑Mitgliedstaaten erhielt, wirft bei den Fragestellern
grundlegende Fragen nach der Wirksamkeit deutscher Außen‑ und
Entwicklungspolitik auf. Es stellt sich ihnen die Frage, ob strategische
Fehleinschätzungen, unzureichende diplomatische Abstimmung oder kommunikative Fehltritte
zu dem unerwartet schlechten Abschneiden beigetragen haben könnten.
Darüber hinaus ist nach Auffassung der Fragesteller zu klären, ob die
Bundesregierung mit der aktiven Unterstützung der Wahl von Annalena Baerbock zur
Präsidentin der UN‑Generalversammlung – trotz ihrer im Vergleich zu langjährigen
Berufsdiplomaten begrenzten diplomatischen Kompetenzen – eine
Personalentscheidung begünstigt hat, die sich im internationalen Umfeld als nachteilig
erwiesen haben könnte (vgl. www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/baerbock-u
n-new-york-100.html).
Angesichts der erheblichen finanziellen und politischen Investitionen
Deutschlands in das UN‑System besteht in den Augen der Fragesteller ein erhebliches
parlamentarisches Interesse an einer umfassenden Aufklärung der Ursachen
dieses Misserfolgs sowie an der Frage, welche Schlussfolgerungen die
Bundesregierung daraus für die zukünftige Ausrichtung deutscher Außen‑ und
Entwicklungspolitik zieht.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wann hat die Bundesregierung den Wahlkampf für die Bewerbung
Deutschlands um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat offiziell
begonnen, und welche strategischen Planungsunterlagen lagen diesem
Zeitpunkt zugrunde?
2. Welche finanziellen, projektbezogenen oder politischen Zusagen wurden
im Rahmen der Bewerbung einzelnen Staaten oder Staatengruppen in
Aussicht gestellt oder gewährt?
3. Welche Gesamtkosten sind im Zusammenhang mit der Bewerbung
entstanden (bitte nach Personal‑, Reise‑, Kommunikations‑, Projekt‑ und
Beratungskosten aufschlüsseln)?
4. Welche externen Beratungs‑, Kommunikations‑ oder Lobbyagenturen
wurden beauftragt, und welche Honorare wurden jeweils gezahlt?
5. Welche Rückmeldungen haben Staaten, die Deutschland nicht unterstützt
haben, gegenüber der Bundesregierung geäußert?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung gegebenenfalls darüber
vor, ob öffentliche Äußerungen oder diplomatische Initiativen deutscher
Repräsentantinnen und Repräsentanten das Abstimmungsverhalten
einzelner Staaten beeinflusst haben könnten?
7. Warum hat die Bundesregierung bei der Unterstützung der Kandidatur von
Annalena Baerbock zur Präsidentin der UN‑Generalversammlung eine
Kandidatin mit ministerieller, aber nicht langjähriger berufsdiplomatischer
Laufbahn einer erfahrenen Berufsdiplomatin vorgezogen, und wie
bewertet sie diese Personalentscheidung rückblickend im Lichte des Scheiterns
der deutschen Sicherheitsratskandidatur (vgl. www.tagesschau.de/inland/i
nnenpolitik/baerbock-un-new-york-100.html)?
8. Wie bewertet die Bundesregierung, dass Deutschland trotz hoher ODA
(Official Development Assistance)‑Leistungen und erheblicher Pflicht‑
und freiwilliger Beiträge an die UN nicht die erwartete Unterstützung
erhielt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
9. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung daraus, dass bedeutende
Empfänger deutscher Entwicklungshilfe, wie Indien, Vietnam und
Südafrika, in den Vereinten Nationen regelmäßig gegen oder nicht für die
deutsche Position zur Verurteilung des russischen Angriffskriegs in der
Ukraine stimmen, und inwieweit wird das Abstimmungsverhalten künftig
als zwingendes Kriterium für die Vergabe dieser Leistungen herangezogen
(vgl. https://digitallibrary.un.org/record/3959039, sowie https://dserver.bu
ndestag.de/btd/19/007/1900782.pdf) ?
10. Plant die Bundesregierung, die Höhe und Zusammensetzung der
deutschen Pflicht‑ und freiwilligen Beiträge an die UN vor dem Hintergrund
des Wahlergebnisses zu überprüfen?
11. Plant die Bundesregierung, die geografische und thematische Ausrichtung
der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu überprüfen, insbesondere
im Hinblick auf Staaten, die Deutschland trotz umfangreicher
Unterstützung nicht politisch unterstützen?
12. Welche Lehren zieht die Bundesregierung für zukünftige Kandidaturen
Deutschlands in internationalen Organisationen?
Berlin, den 3. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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