Rede von Dr. Anna Rathert (AfD) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Teil von Protokoll der 98. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew –.
Text
Rede von Dr. Anna Rathert (AfD) – Aktuelle Stunde: Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und
Herren! Sehr geehrter Herr Kollege Mayer, ich kann
Ihnen ganz genau sagen, was an der Reise von Merz am
3. Oktober schlecht war: Das war zum einen das Timing,
und das waren zum anderen die Umstände. Wer am
Nationalfeiertag in ein anderes Land reist, der zeigt einfach,
dass der Nationalfeiertag für ihn ein Pflichttermin ist, den
man abreißen kann.
Und wenn er mit 1 Milliarde Euro für militärische
Unterstützung
(Dr. Anton Hofreiter [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Agenten Russlands haben nicht
über unser Land zu sprechen!)
und 350 Millionen Euro für Stromversorgung, für
Energieversorgung in die Ukraine fährt,
(Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Der Kanzler war in
Bremen!)
obwohl es den Deutschen hier an allem mangelt, dann
sind es einfach die Umstände, die falsch sind. Und die
machen den Besuch des Kanzlers in der Ukraine so
desaströs, auch für Ihre Fraktion.
Ich sage es noch mal: Insgesamt hat Deutschland
102 Milliarden Euro an die Ukraine geleistet. Abgesehen
davon, dass dieses Geld in der Tat das Sterben verlängert:
Wissen Sie eigentlich, was man mit dem ganzen Geld hier
in Deutschland alles machen könnte?
(Zuruf der Abg. Agnieszka Brugger [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Ich sage Ihnen das gern. Man könnte zum Beispiel die
Krankenversorgung auch ohne die gerade beschlossenen
Belastungen und Kürzungen für die Bürger bezahlbar und
verfügbar halten. Man könnte Hunderte Schulen und
Krankenhäuser bauen oder sanieren, Zehntausende
kommunale Wohnungen mitfinanzieren.
(Deborah Düring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Was passiert in vier Jahren dann?)
Und man könnte Milliarden – benötigte Milliarden! – in
die marode Bahn, in die maroden Brücken, in Straßen,
ÖPNV sowie Zivil- und Katastrophenschutz investieren.
All das hätte Deutschland bitter nötig.
Da darf man doch mal fragen: Was reitet diesen Mann
eigentlich? Was ist sein Ziel? Warum erklärt er den
Deutschen immerzu, dass gespart werden müsse, wenn er
ständig noch irgendwelche Milliarden für die Ukraine
auftreiben kann? Merz hat darauf immer wieder eine
Antwort: die russische Kriegsgefahr. – Er warnt so
eindringlich, dass man meinen könnte, die Russen stünden mit
ihren Panzern schon hinter Frankfurt (Oder). Und
trotzdem ist die Landesverteidigung nach seiner eigenen
Aussage für ihn eine „Black Box“. Er hat sie sich also
offensichtlich in den letzten Jahren nicht zur Chefsache
gemacht.
Vergleicht man also seine Worte mit seinem Handeln,
muss man sich doch fragen: Glaubt Merz eigentlich selbst
an diese Kriegsgefahr, oder inszeniert er sich umso
stärker als Bollwerk gegen Russland, je schwächer er
innenpolitisch wird?
Ich weiß nicht, was Merz glaubt. Es ist mir, ehrlich
gesagt, auch herzlich egal. Mir reicht, zu sehen, wie er sich
verhält. Es kommen immer dramatischere Worte und
immer weniger Politik, die auf die Bedürfnisse der
Deutschen und die Interessen Deutschlands ausgerichtet ist.
Innenpolitisch hat er doch schon auf allen Feldern
verloren: Seine Reformpläne sind zur Lachnummer
geworden. Die Wirtschaftswende bleibt aus. Das Vertrauen ist
eingebrochen. Die Union verliert an Zustimmung. Und
ausgerechnet jetzt macht er gerade Russland zu einem
immer größeren Thema.
(Zuruf der Abg. Sara Nanni [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
Da könnte man doch glatt meinen, Russland sei das letzte
Feld, auf dem Merz noch glaubt seine vielleicht nicht
ganz so glückliche Kanzlerschaft retten zu können.
Liebe Kollegen von der Union, Sie schauen gerade
Ihrem eigenen Niedergang zu: 17,5 Prozent.
(Knut Abraham [CDU/CSU]: Abwarten!
Abwarten! – Gegenruf des Abg. Gerold Otten
[AfD]: Da ist noch Luft nach unten!)
Ich habe Ihnen das mal ausgerechnet: Das sind ungefähr
120 Abgeordnete, mit denen Sie bei 17,5 Prozent im
Bundestag vertreten wären, ungefähr 90 weniger, als
Sie jetzt haben. In Sachsen-Anhalt hat genau diese Politik
Ihres Kanzlers dazu geführt, dass Tobias Rausch gestern
mit 48 Stimmen zum ersten AfD-Landtagspräsidenten
gewählt wurde.
(Beifall bei der AfD – Jörg Zirwes [AfD]:
Bravo!)
AfD und BSW haben zusammen 44 Stimmen; den Rest
können Sie sich selbst ausrechnen. Die sogenannte
Brandmauer bekommt also immer mehr Risse, wo Ihre
Parteiführung sie noch mit aller Kraft aufrechterhalten
will.
Aber es interessiert mich eigentlich nicht, was aus
Merz wird, und es interessiert mich, ehrlich gesagt,
auch nicht, was aus Ihnen persönlich wird.
(Agnieszka Brugger [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Und die Menschen in der Ukraine
interessieren Sie offensichtlich auch nicht!)
Was mich interessiert, ist mein Land und mein Volk, das
Sie gewählt hat, weil Sie ihm eine konservative Politik
versprochen haben.
Und jetzt nehmen Sie das Volk schon seit 18 Monaten in
Geiselhaft und verweigern ihm die Politik, für die es Sie
gewählt hat. Sie sind keine Untergebenen des Kanzlers;
Sie sind gewählte Abgeordnete des Deutschen
Bundestages, Sie sind Vertreter des Volkes, und Sie sind Ihrem
Gewissen unterworfen. Handeln Sie doch auch so! Wenn
Sie Ihren Politikkurs jetzt nicht ändern, dann begleiten
Sie Ihre Partei, Ihren Kanzler und sich selbst in den
Untergang. Das ist Ihr Problem; das ist ganz allein Ihr
Problem.
Deutschlands Problem ist allerdings, dass wir täglich
mehr Substanz verlieren,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Genau! – Dr. Ralf
Stegner [SPD]: Das sieht man ja an Ihrer
Rede!)
dass die Deindustrialisierung voranschreitet,
dass die Familien verarmen
und dass vielleicht ein Krieg eskaliert – dass wir also jetzt
handeln müssen. Was Deutschland jetzt braucht, ist eine
Bundesregierung, die weiß, wozu sie verpflichtet ist: den
Wohlstand des deutschen Volkes zu erhalten, Familien zu
entlasten, verteidigungsfähig zu sein – das ist richtig –
und vor allem Frieden zu bewahren.
(Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Die Freiheit des
deutschen Volkes zu verteidigen!)
Wenn Sie ausnahmsweise mal nicht an sich denken, dann
denken Sie wenigstens an Deutschland und sein Volk.
In zweieinhalb Jahren setzen wir gute Politik für
Deutschland sowieso durch, und dann machen wir das
eben ohne Sie.
Vielen Dank.
Relationen
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