Rede von Robin Jünger (AfD) – Plenarprotokoll 21/100
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Robin Jünger (AfD) – Plenarprotokoll 21/100
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe
Kollegen! Es ist schon amüsant, zu sehen, wie sich Ihre
Koalition seit Beginn dieser Legislatur daran festhält,
dass man in den ersten Tagen der Regierungsübernahme
schon so eine großartige Novelle gestartet habe.
An der Wahrheit, die ich Ihnen damals bei meiner
ersten Rede von diesem Pult aus gesagt habe, hat sich
aber auch fast zwei Jahre nach Ihrer Übernahme der
Regierungsgeschäfte nichts geändert. Da ist immer noch
nichts für Sie drin, liebe Bürger, im Gegenteil. Liebe
Kollegen, Sie verkaufen den Bürgern dieses Landes –
den Steuerzahlern, denen, die Ihre üppigen Gehälter
bezahlen – mit Augenwischerei und aufgeblasenen Phrasen
einen leeren Eimer als Topf voller Gold.
Es begann damit, dass Ihr erster großer Aufschlag aus
der Ergänzung eines ganzen Wortes bestand: aus
„öffentlichem Interesse“ wurde „überragendes öffentliches
Interesse“. Nun sieht die Realität bei vielen
Genehmigungsverfahren weiterhin so aus: Statt schneller zu
genehmigen, wird einfach ausgesessen, was nicht per
Verfügung eingeklagt werden kann. Sie können also so
viele Superlative in Gesetze schreiben, wie Sie wollen:
Wenn bei den Behörden vor Ort niemand entscheidet,
liegt deshalb noch kein Meter Glasfaser früher im Boden.
Nun muss Ihre Regierung, die sich außer um das
eigene Personal vorwiegend um die Interessen fremder
Länder kümmert, aber irgendetwas liefern. Da passt es
natürlich gerade gar nicht ins Bild, wenn ausgerechnet
die Länder umfangreiche Kritik und
Änderungsforderungen vorlegen. Ihre Antwort lautet darauf im
Wesentlichen: „Nein. Das brauchen wir nicht. Das haben wir
schon. Das können wir eh besser.“ Mit Blick auf diese
Verhandlungs- und Diskussionskultur wünsche ich Ihnen
viel Spaß bei der Umsetzung des NOOTS-
Staatsvertrages, nämlich jener Utopie, bei der Sie uns weismachen
wollen, Sie könnten 16 Länder und Tausende kommunale
Stellen auf Basis von Freiwilligkeit digital
synchronisieren. – Sie können ja nicht mal Ihre Fraktion
synchronisieren, liebe Kollegen von der Union!
Selbst bei Ihren eigenen gesetzlichen Regelungen
müssen Ihnen die Länder erklären, wo die Dinge nicht sauber
ineinandergreifen. Der Bundesrat etwa weist
ausdrücklich darauf hin, dass landesrechtliche Befugnisse bei
Änderungen des § 170 TKG nicht vollständig berücksichtigt
wurden und dadurch Auslegungs- und
Vollzugsunsicherheiten entstehen.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Tja, so geht das
eben!)
Aber wirklich gefährlich wird Ihre Arbeitsweise dort,
wo es nicht nur um schleppenden Netzausbau geht,
sondern um die Funktionsfähigkeit unserer
Kommunikationsnetze im Krisenfall. Der Bundesrat fordert
verbindliche Mindeststandards für Resilienz und Basisversorgung.
Die Bundesregierung will das nicht. Keine verbindlichen
Mindestbetriebsdauern, keine klaren Anforderungen an
die Notstromversorgung, keine eindeutigen Vorgaben
für Redundanzen zentraler Netzkomponenten.
Wozu fehlende Notfallprozesse und unklare
Verantwortlichkeiten führen können, haben wir aber bei der
Ahrtal-Katastrophe gesehen: Hilfs- und Rettungskräfte
standen stunden-, teils tagelang ohne klare Aufträge da,
weil Kommunikationsnetze, aber auch Handlungsketten
nicht definiert waren, während Freiwillige,
Bauunternehmer und Landwirte längst selbst angepackt haben und
damit den Job machten, den Ihr Krisenmanagement nicht
einmal definieren konnte.
Oder nehmen Sie den linksextremen Terroranschlag
auf die Energieinfrastruktur in Berlin – ein gezielter
Angriff auf kritische Infrastruktur. Und wieder sehen wir,
wie abhängig ein moderner Staat von funktionierender
Energie- und Kommunikationsinfrastruktur ist.
Der Bundesrat empfiehlt deshalb ausdrücklich
Anforderungen zur Absicherung gegen Stromausfälle, zur
Notstromversorgung von Mobilfunkstandorten und zur
Redundanz zentraler Netzkomponenten. Sie lehnen das ab;
die Bundesnetzagentur werde es schon regeln. Das haben
wir ja in Berlin gesehen, liebe Kollegen, wie die
Bundesnetzagentur es geregelt hat.
Ihre Ignoranz ist Ihr größtes Problem. Bei Ihnen ist
immer alles theoretisch möglich. Aber im Ernstfall, liebe
Kollegen, interessiert es doch niemanden, was
theoretisch möglich wäre,
(Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU]: Nehmen Sie
mal den Schaum vom Mund! Ist ja furchtbar! –
Gegenruf des Abg. Enrico Komning [AfD]: Da
ist kein Schaum! Damit werden Sie schon
leben müssen!)
dann zählen harte und belastbare Fakten, die Ihnen
fehlen, weil Sie nicht willens und imstande sind, diese zu
definieren und einzuhalten. Da ein Mobilfunkmast ohne
Strom aber für nicht mehr dienen kann als vielleicht noch
als Mast für eine Ihrer priorisierten Pride-Flaggen,
müssen Sie dringend klären, wie Sie eine
Notstromversorgung, die ein grundlegendes Kommunikationsnetz
absichern kann, umsetzen wollen. Sie müssen klären, welche
Standorte zuerst versorgt werden müssen, um einen
flächendeckenden Ausfall zu verhindern. Solange Sie das
nicht umsetzen wollen, müssen Sie sich auch die Frage
gefallen lassen, warum es für Ihre Koalition anscheinend
keine Relevanz hat, welche Netzknoten redundant
abgesichert sind. Sie lernen offenbar nicht einmal aus den
dramatischsten Krisen der jüngsten Vergangenheit.
Ihr Telekommunikationsgesetz wird am Ende daran
gemessen werden, ob schneller gebaut wird und ob
unsere Netze auch dann funktionieren, wenn es darauf
ankommt. Davon ist Ihr Flickenteppich TKG noch immer
meilenweit entfernt. Sie können „überragendes
öffentliches Interesse“ in jedes zweite Gesetz schreiben.
Überragend wäre es aber schon, wenn zur Abwechslung mal
etwas in Ihrer Regierung funktionieren würde.
Herzlichen Dank.
Relationen
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