Rede von Dorothee Bär (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Dorothee Bär (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/133
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe
Sachverständige! Zunächst geht mein ganz herzlicher Dank
an Sie, Herr Präsident, zum einen für Ihre
Vorbemerkungen heute Morgen zu Beginn der Debatte, zum anderen
für die Ermöglichung dieser Debatte in der Kernzeit.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der
SPD, der FDP und der LINKEN)
Es ist sehr schön, eine Kulturdebatte erleben zu können,
während es draußen noch hell ist. Das würden wir uns
wesentlich öfter wünschen. Dafür noch einmal ganz
herzlichen Dank!
Dorothee BärIch möchte mich auch ganz herzlich bei allen
Sachverständigen bedanken. Sie gestehen es mir sicherlich
zu, wenn ich unserem CSU-Sachverständigen, Hans
Zehetmair, besonders herzlich danke, der sich durch
seine Kompetenz und seinen Sachverstand in den letzten
vier Jahren über alle Fraktionsgrenzen hinweg in unser
aller Herzen „hineinsachverständigt“ hat.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)
Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch einmal der
Kommissionsvorsitzenden ganz herzlich danken. Liebe
Gitta Connemann, Sie haben in den letzten Jahren eine
Mammutaufgabe erfüllt. Es ist keine
Selbstverständlichkeit, dass eine Enquete-Kommission über zwei
Legislaturperioden besteht. Es war auch keine
Selbstverständlichkeit, dass diese Enquete-Kommission in dieser
Legislaturperiode so ohne Weiteres fortgeführt werden
konnte. Sie haben nicht nur mit sehr vielen
verschiedenen Persönlichkeiten aus den Fraktionen sowie mit den
Sachverständigen zu kämpfen gehabt, sondern – das
möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen – hatten
auch ganz neue Herausforderungen dadurch zu
bewältigen, dass die Regierung gewechselt hat und es in dieser
Legislaturperiode eine Fraktion mehr im Bundestag gibt
als in der letzten. Diese Herausforderungen haben Sie
ganz herausragend gemeistert. Dafür noch einmal ganz
herzlichen Dank, und zwar nicht nur von unserer
Gesamtfraktion, sondern insbesondere von der CSU.
Das positive Signal, das davon für uns alle ausgeht, ist,
dass man Kultur nicht an Wahlterminen und
Farbkonstellationen ausrichten kann. Vielmehr wurde in den
letzten vier Jahren eine sehr kontinuierliche Arbeit
geleistet. Ich denke, darauf können wir alle stolz sein.
Ich möchte mich auch bei den Mitarbeitern des
Sekretariats bedanken, ganz besonders bei allen, die an der
Endredaktion beteiligt waren. Ich glaube, dass die
Endredaktion mit die schwierigste Arbeit war, weil es galt,
alles unter einen Hut zu bekommen. Die
Bestandsaufnahme war wirklich ein Mammutprojekt. Der Bericht
der Enquete-Kommission umfasst mehr als 500 Seiten.
Ich denke, es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass man
ihn mit Stolz unter den Weihnachtsbaum legen kann.
Oder man kann ihn sich im Anschluss an diese Debatte
von der Vorsitzenden signieren lassen und ihn
verschenken.
(Heiterkeit der Abg. Gitta Connemann [CDU/
CSU] – Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/
CSU]: Guter Vorschlag!)
Der Schlussbericht beschränkt sich nicht auf
Feststellungen, sondern gibt auch Empfehlungen. Da wir in
einem föderalen Staat leben, richten sich diese
Empfehlungen an viele Adressaten, auch an uns. Natürlich
müssen auch wir Bundestagsabgeordnete uns an die
Empfehlungen, die wir geben, halten. Aber ebenso sind
die Länder und die Kommunen angesprochen. Alle
gesellschaftlichen Bereiche in diesem Land leisten
unglaubliche Arbeit, um die Kultur in Deutschland
lebendig zu halten, um sie für alle erlebbar und erfahrbar, abernatürlich auch erschwinglich zu machen. Ich möchte
fünf Punkte aus dem Bericht der Enquete-Kommission
herausgreifen: das Ehrenamt, die ländlichen Regionen,
die Kinder – sie wurden heute leider Gottes schon in
einem nicht so schönen Zusammenhang angesprochen,
Herr Kollege Otto –,
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU
sowie der Abg. Monika Griefahn [SPD])
die Bibliotheken und den Spracherwerb.
Zunächst zum Ehrenamt. Ich glaube, das Ehrenamt
ist für die Kultur in Deutschland die zentrale Stütze.
Wenn wir uns umschauen – die meisten von uns arbeiten
ja auch in ländlich geprägten Regionen –, müssen wir
doch feststellen: Wenn wir das Ehrenamt, den
unentgeltlichen, uneigennützigen Einsatz nicht hätten, wäre es
nicht möglich, die kulturellen Angebote, die unsere
Kulturlandschaft ausmachen, so am Leben zu erhalten.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
bei Abgeordneten der SPD)
Die ländlichen Regionen werden oft übergangen,
wenn es um Kultur geht. Oft wird etwas spöttisch auf
diese Regionen geschaut, wird gedacht, die Hochkultur
gebe es nur in Großstädten. Doch das ist mitnichten der
Fall. Die meisten Menschen leben in ländlichen
Regionen. Ich komme selber aus einem sehr ländlich
geprägten Bereich. Auch in meinem Heimatwahlkreis leben
Künstler, die man dort nicht vermuten würde;
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Sehr richtig!)
man denkt ja oft, die Künstler leben nur in Großstädten.
In meinem Landkreis wohnt ein weltweit bekannter
Künstler: Herman de Vries. Er schätzt besonders die
ländliche Ruhe, die Idylle. Wenn Ausstellungen von ihm
in Paris stattfinden, denkt man nicht, dass er aus einem
Ort kommt, der nur ein paar Hundert Einwohner hat. An
diesem Beispiel kann man sehen, was für Schätze bei
uns in den Regionen versteckt sind.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und der FDP)
Ein weiteres Ziel, das uns sehr wichtig ist, besteht
darin, die Kinder für die Kultur zu gewinnen.
Wir haben dazu sehr viele Veranstaltungen durchgeführt.
Wir haben nämlich festgestellt, dass Kinder gerade im
kulturellen Bereich begeisterungsfähig und wissbegierig
sind. Ich möchte noch ein Projekt aus meiner Heimat
herausgreifen. Dort werden Kinder-Kultur-Abos verkauft
zu einem Preis, der unter dem von vier Kinobesuchen
liegt. Unsere Bundesministerin Ursula von der Leyen hat
dieses inzwischen bayernweite Projekt bereits
ausgezeichnet. Dass der Bericht der Enquete-Kommission der
Bedeutung der Kinder Rechnung trägt, ist auch daran zu
sehen, dass die Kinder 388-mal erwähnt werden. Auch
dafür noch einmal ganz herzlichen Dank!
(Beifall des Abg. Wolfgang Börnsen
[Bönstrup] [CDU/CSU])
Dorothee BärWir haben ein besonderes Kapitel zum Thema
Bibliotheken eingerichtet. Denn das Lesen gehört ja sehr stark
zu unserer Kultur. Bücher vermitteln unsere Sprache,
unsere Kultur. Bibliotheken sind der zentrale Ort, um
möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. Sie
bieten Lesungen und Veranstaltungen an, die
insbesondere die Kinder ansprechen sollen.
Jetzt komme ich zu einem weiteren Schwerpunkt, der
eines meiner Herzensanliegen in dieser Enquete-
Kommission war: Auch für Migrantenkinder sind
Bibliotheken eine gute Anlaufstelle, um unsere Sprache zu
erlernen. Wie wichtig der Spracherwerb ist, wurde
insbesondere in meiner Berichterstattung zu Interkultur und
Migrantenkultur deutlich. Sie können sich sicherlich
vorstellen, dass es nicht selbstverständlich war, dass wir
bei dem Thema „Interkultur und Migrantenkultur“ zu
einem einstimmigen Votum kamen. Dafür, dass es
dennoch gelungen ist, möchte ich mich an dieser Stelle bei
allen Mitgliedern meiner Berichterstattergruppe
bedanken. Denn der Spracherwerb ist nun einmal zentral für
eine gelungene Integration.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
der Abg. Markus Meckel [SPD] und
Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE])
Daraus ergibt sich auch unsere
Handlungsempfehlung, aus der ich kurz zitieren möchte:
Die Enquete-Kommission empfiehlt … die
Rahmenbedingungen für das Erlernen der deutschen Sprache,
die zentral für eine Integration von Migranten ist, zu
verbessern. Sprachförderung ab dem frühen
Kindesalter muss deshalb auch in Zukunft verstärkt
unterstützt werden. Dabei muss sichergestellt werden,
dass die ganze Familie die deutsche Sprache
erlernen kann. Sie empfiehlt die Förderung
situationsangemessener Formen des Sprachenerwerbs. Neben
der Sprachförderung sollten auch die deutsche
Verfassung mit ihren Grundrechten und die
Grundregeln der Rechtsordnung vermittelt werden.
Ich denke, wir konnten hier einen wirklichen
Meilenstein erreichen. Deswegen bin ich sehr dankbar und froh,
dass wir diese Handlungsempfehlungen und diesen
Bericht zum Thema Sprachenerwerb interfraktionell, mit
allen Fraktionen gemeinsam, so vorlegen konnten.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Zum Schluss bleibt zu sagen: Vielen herzlichen Dank
für die vergangenen vier Jahre. Ich habe dem
Vorsitzenden der Blasmusik versprochen, das Wort „Blasmusik“
hier zu erwähnen, damit es heute auch einmal genannt
wurde.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Auch das ist Kultur!)
Da freut sich auch der direkt gewählte Abgeordnete des
Berchtesgadener Landes.
Ich denke, in diesem Sinne haben wir noch sehr viel zu
tun. Ich freue mich, dass wir unsere Kultur im Anschlussan diese Debatte noch gemeinsam feiern können. Nehmen
Sie das Angebot an: Nehmen Sie den Schlussbericht mit,
und lassen Sie ihn von der Vorsitzenden signieren! Dann
haben Sie ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für zu
Hause.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie
der Abg. Lydia Westrich [SPD])
Relationen
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