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Rede von Jens Koeppen (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN

dip / rede 13.12.2007 · WP 16 · Original ↗

Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6: Aktuelle Stunde: GRÜNEN.

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Text

Rede von Jens Koeppen (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Es ist gar keine Frage: Krebs ist die Geißel der Menschheit. Oft findet die Medizin noch keine ausreichenden Antworten. Viele Menschen sind dem Schicksal hilflos ausgeliefert. Besonders wenn Kinder von der Krankheit betroffen sind, ist das so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann. Darin sind wir uns alle einig. Deswegen ist die Studie zu Krebsfällen bei Kindern im Umfeld von Kernkraftwerken ein zwingender Anlass, sich damit auseinanderzusetzen, und zwar auf der einen Seite ohne Verharmlosung, aber auf der anderen Seite auch ohne Hysterie. Man muss sich vielmehr mit Augen- Jens Koeppenmaß, Sachverstand und der gebotenen Professionalität mit der Studie auseinandersetzen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Denn angesichts der betroffenen Kinder und der unvorstellbaren Sorgen der Eltern verbieten sich praktisch jede Parteitaktik und jedes Wahlkampfgetöse. Wer jetzt bewusst mit den Ängsten der Menschen spielt, um ideologische und parteistrategische Vorteile zu erhaschen, Herr Kelber, und vermeintliche Siege davonzutragen, kann in dieser Debatte nicht ernst genommen werden. Mit den Ängsten der Menschen zu spielen, ist höchst verwerflich. (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sehr richtig! – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Holen Sie doch nicht immer Ihr Zeug aus der Mottenkiste!) – Erwartungsgemäß kommen nämlich die üblichen Reflexe von den Grünen, den Linken und von einigen NGOs, Frau Künast. (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Und von der SPD!) Es stimmen alle in den Chor ein: Als Erstes wird der sofortige Ausstieg aus der Kernenergie gefordert und als Zweites die gesamte Atomtechnologie verteufelt. (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Als Drittes auch noch die Kohlekraftwerke!) Ich finde das unglaubwürdig und zutiefst unseriös. (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Dann ziehen Sie doch nach Tschernobyl! – Gegenruf von der CDU/CSU: Das ist zynisch, Frau Künast!) Ich hoffe nicht, dass das zutrifft, aber ich glaube manchmal, dass Ihnen ein Störfall im Kernkraftwerk gerade recht kommt. Mal ist es der Wechselrichtereffekt in Forsmark in Schweden, mal ein defekter Dübel in Deutschland. Mal ist es die eine Studie und dann wieder eine andere. Schon wird – wie gestern – im Ausschuss wieder der alte, verstaubte Antrag vorgelegt, in dem der sofortige Ausstieg gefordert wird. (Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Der ist nicht verstaubt, sondern hochaktuell!) Ich finde das unseriös; das ist nicht in Ordnung. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Wie Frau Reiche!) Sie schaffen schließlich auch nicht die Autos ab, weil 130 Kinder im Jahr im Straßenverkehr sterben. Sie schaffen auch nicht die Autos ab, weil 34 000 Kinder verletzt werden. Wenn Menschen durch Rußpartikel an Lungenkrebs erkranken, dann schaffen wir ebenfalls nicht die Autos ab, sondern bauen Rußpartikelfilter ein. Wir wollen keine Hysterie; wir wollen vielmehr Antworten geben. Wir wollen Lösungen statt Aktionismus. Das ist der richtige Weg. Ich hoffe, dass sich die Kollegen von der SPD jetzt nicht treiben lassen, sondern verantwortungsvoll an die Auswertung der Studie herangehen und diese ernst nehmen, wie es unser Umweltminister vorgeschlagen hat. Wir alle nehmen die Studie ernst. (Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Da habe ich aber Zweifel!) Sie stellt einen Zusammenhang zwischen der Nähe zu einem Atommeiler und dem Risiko, an Leukämie zu erkranken, fest, der 0,8 Fällen pro Jahr entspricht. Das ist zwar ernst zu nehmen, aber die Studie trifft keine Aussagen über die Ursache. Die Strahlung müsste nach bisherigen Erkenntnissen 1 000- bis 10 000-fach höher sein, um diesen Effekt zu bewirken. An dieser Stelle muss angesetzt werden, Herr Hill, und zwar wissenschaftlich korrekt. Dafür ist entsprechende Forschung notwendig. Wenn die Ursachen wasserdicht erforscht sind und die Kausalität hergestellt ist, dann muss gehandelt werden – das ist völlig klar –, aber schnell, unbürokratisch und ohne Ideologie, Parteitaktik und vor allen Dingen ohne Schaum vor dem Mund. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Angelika Brunkhorst [FDP])

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