Rede von Jens Koeppen (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 6: Aktuelle Stunde: GRÜNEN.
Text
Rede von Jens Koeppen (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: GRÜNEN
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe
Kollegen! Es ist gar keine Frage: Krebs ist die Geißel der
Menschheit. Oft findet die Medizin noch keine
ausreichenden Antworten. Viele Menschen sind dem Schicksal
hilflos ausgeliefert. Besonders wenn Kinder von der
Krankheit betroffen sind, ist das so ziemlich das
Schlimmste, was passieren kann. Darin sind wir uns alle
einig.
Deswegen ist die Studie zu Krebsfällen bei Kindern
im Umfeld von Kernkraftwerken ein zwingender Anlass,
sich damit auseinanderzusetzen, und zwar auf der einen
Seite ohne Verharmlosung, aber auf der anderen Seite
auch ohne Hysterie. Man muss sich vielmehr mit Augen-
Jens Koeppenmaß, Sachverstand und der gebotenen Professionalität
mit der Studie auseinandersetzen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Denn angesichts der betroffenen Kinder und der
unvorstellbaren Sorgen der Eltern verbieten sich praktisch jede
Parteitaktik und jedes Wahlkampfgetöse.
Wer jetzt bewusst mit den Ängsten der Menschen
spielt, um ideologische und parteistrategische Vorteile
zu erhaschen, Herr Kelber, und vermeintliche Siege
davonzutragen, kann in dieser Debatte nicht ernst
genommen werden.
Mit den Ängsten der Menschen zu spielen, ist höchst
verwerflich.
(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sehr richtig! –
Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Holen Sie doch nicht immer Ihr Zeug
aus der Mottenkiste!)
– Erwartungsgemäß kommen nämlich die üblichen
Reflexe von den Grünen, den Linken und von einigen
NGOs, Frau Künast.
(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Und von der
SPD!)
Es stimmen alle in den Chor ein: Als Erstes wird der
sofortige Ausstieg aus der Kernenergie gefordert und als
Zweites die gesamte Atomtechnologie verteufelt.
(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Als Drittes auch
noch die Kohlekraftwerke!)
Ich finde das unglaubwürdig und zutiefst unseriös.
(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Dann ziehen Sie doch nach
Tschernobyl! – Gegenruf von der CDU/CSU: Das ist
zynisch, Frau Künast!)
Ich hoffe nicht, dass das zutrifft, aber ich glaube
manchmal, dass Ihnen ein Störfall im Kernkraftwerk
gerade recht kommt. Mal ist es der Wechselrichtereffekt in
Forsmark in Schweden, mal ein defekter Dübel in
Deutschland. Mal ist es die eine Studie und dann wieder
eine andere. Schon wird – wie gestern – im Ausschuss
wieder der alte, verstaubte Antrag vorgelegt, in dem der
sofortige Ausstieg gefordert wird.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Der ist nicht verstaubt, sondern
hochaktuell!)
Ich finde das unseriös; das ist nicht in Ordnung.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU –
Ulrich Kelber [SPD]: Wie Frau Reiche!)
Sie schaffen schließlich auch nicht die Autos ab, weil
130 Kinder im Jahr im Straßenverkehr sterben. Sie
schaffen auch nicht die Autos ab, weil 34 000 Kinder
verletzt werden. Wenn Menschen durch Rußpartikel an
Lungenkrebs erkranken, dann schaffen wir ebenfalls
nicht die Autos ab, sondern bauen Rußpartikelfilter ein. Wir wollen keine Hysterie; wir wollen vielmehr
Antworten geben. Wir wollen Lösungen statt Aktionismus.
Das ist der richtige Weg. Ich hoffe, dass sich die Kollegen
von der SPD jetzt nicht treiben lassen, sondern
verantwortungsvoll an die Auswertung der Studie herangehen
und diese ernst nehmen, wie es unser Umweltminister
vorgeschlagen hat.
Wir alle nehmen die Studie ernst.
(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Da habe ich aber Zweifel!)
Sie stellt einen Zusammenhang zwischen der Nähe zu
einem Atommeiler und dem Risiko, an Leukämie zu
erkranken, fest, der 0,8 Fällen pro Jahr entspricht. Das ist
zwar ernst zu nehmen, aber die Studie trifft keine
Aussagen über die Ursache. Die Strahlung müsste nach
bisherigen Erkenntnissen 1 000- bis 10 000-fach höher sein,
um diesen Effekt zu bewirken. An dieser Stelle muss
angesetzt werden, Herr Hill, und zwar wissenschaftlich
korrekt. Dafür ist entsprechende Forschung notwendig.
Wenn die Ursachen wasserdicht erforscht sind und
die Kausalität hergestellt ist, dann muss gehandelt
werden – das ist völlig klar –, aber schnell, unbürokratisch
und ohne Ideologie, Parteitaktik und vor allen Dingen
ohne Schaum vor dem Mund.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg.
Angelika Brunkhorst [FDP])