Protokoll der 219. Sitzung des 7. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 219. Sitzung des 7. Deutschen Bundestages
[Deutscher Bundestag
Stenographischer Bericht
219. Sitzung
Bonn, Freitag, den 30. Januar 1976
Inhalt:
Erweiterung der Tagesordnung 15219 A
Absetzung eines Punktes von der
Tagesordnung 15224 C
Amtliche Mitteilungen ohne Verlesung . 15219 A
Beratung des Dritten Sportberichts der
Bundesregierung — Drucksache 7/4609 —
in Verbindung mit
Beratung des Berichts und des Antrags des
Sportausschusses zum Entschließungsantrag
der Fraktionen der SPD, FDP zur Großen
Anfrage der Fraktionen der SPD, FDP betr.
Sportpolitik, Entschließungsantrag der
Abgeordneten Dr. Evers, Dr. Schäuble, Vogel
(Ennepetal), Tillmann, Frau Hürland,
Spilker, Dr. Müller (München), Weber
(Heidelberg), Biehle, Dr. Kraske, Eilers
(Wilhelmshaven) und der Fraktion der CDU/CSU zur
Großen Anfrage der Fraktionen der SPD,
FDP betr. Sportpolitik — Drucksachen
7/2790, 7/2800, 7/3902 —
Tillmann CDU/CSU 15220 B
Dr. Dr. h. c. Maihofer, Bundesminister BMI 15221 D
Dr. Schäuble CDU/CSU
15224 D, 15240 B
Wende SPD 15226 D
Hoffie FDP 15230 B
Spilker CDU/CSU 15234 A
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD 15235 C
Mischnick FDP 15236 D
Dr. Evers CDU/CSU 15237 D
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes über die Entschädigung für
Opfer von Gewalttaten — Drucksache
7/2506 —, Bericht des Haushaltsausschusses
gemäß § 96 der Geschäftsordnung —
Drucksache 7/4615 —, Bericht und Antrag des
Rechtsausschusses — Drucksache 7/4614 —
Dr. Stark (Nürtingen) CDU/CSU 15241 A
Gnädinger SPD 15242 B
Dr. Wendig FDP 15243 D
Dr. Vogel, Bundesminister BMJ 15244 B
Wahl des Abg. Vogel (Ennepetal) zum
Mitglied des Vermittlungsausschusses 15245 C
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des
Gesetzes über das Kreditwesen —
Drucksache 7/3657 —, Bericht des
Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
— Drucksache 7/4633 —, Bericht und Antrag
des Finanzausschusses — Drucksache
7/4631 —
Dr. Sprung CDU/CSU 15245 D
Rapp (Göppingen) SPD 15248 A
Dr. Zeitel CDU/CSU 15250 D
Dr. Graf Lambsdorff FDP 15251 D
Dr. Apel, Bundesminister BMF 15255 A
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Zweiten Gesetzes zur Änderung der
Höfeordnung — Drucksache 7/1443 —,
Bericht und Antrag des Rechtsausschusses —
Drucksache 7/4545 —
Frau Dr. Rehlen SPD 15256 A
Schröder (Wilhelminenhof) CDU/CSU 15258 B
Logemann, Parl. Staatssekretär BML 15259 C
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs
eines Gesetzes zur Änderung des
Kapitalverkehrsteuergesetzes — Drucksache 7/4374
—, Bericht des Haushaltsausschusses gemäß
§ 96 der Geschäftsordnung — Drucksache
7/4658 —, Bericht und Antrag des
Finanzausschusses — Drucksache 7/4612 —
Wehner SPD (zur GO)
15260 D
Feststellung der Beschlußunfähigkeit 15261 A
Nächste Sitzung 15261 C
Anlagen
Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten 15263* A
Anlage 2
Ermöglichung der Einbeziehung
sogenannter Auslandstöchter in die Rechnungslegung
von Unternehmen und Konzernen durch
Einbringung entsprechender Gesetzentwürfe
MdlAnfr A14 23.01.76 Drs 07/4632
Schmidhuber CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ 15263* D
Anlage 3
Maßnahmen der Bundesregierung gegen die
Folgelasten der Aufhebung der
Zinsnachlässe für Bundesdarlehen für Soldaten
MdlAnfr A17 23.01.76 Drs 07/4632
Biehle CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau 15264* B
Anlage 4
Maßnahmen zur Sicherung eines
Höchstmaßes an richtigen Postzustellungen
MdlAnfr A35 23.01.76 Drs 07/4632
Schirmer SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMP 15264* C
Anlage 5
Auffassung der Bundesregierung über die
Rechtfertigung der Erhöhung des
Benzinpreises mit steigenden Produktionskosten
auf Grund des Benzinbleigesetzes durch
Mineralölunternehmen
MdlAnfr A43 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Holtz SPD
MdlAnfr A44 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Holtz SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15264* D
Anlage 6
Mitfinanzierung von Prämien auf Kosten
der Steuerzahler bei der Investitionszulage
an die Werftindustrie
MdlAnfr A48 23.01.76 Drs 07/4632
Höcherl CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15265* B
Anlage 7
Überprüfung der Antwort der
Bundesregierung über die Arbeitslosigkeit in
Ostfriesland
MdlAnfr A49 23.01.76 Drs 07/4632
Nordlohne CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15265* B
Anlage 8
Flexible Handhabung der Neufassung des
Arbeitsförderungsgesetzes bei der
Förderung von Aussiedlern aus osteuropäischen
Ländern
MdlAnfr A50 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Wagner (Trier) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15265* C
Anlage 9
Anzahl der unbearbeiteten Anträge auf
Kindergeld bei den Arbeitsämtern
MdlAnfr A52 23.01.76 Drs 07/4632
Frau Grützmann SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15265*D
Anlage 10
Meldungen über die Einstellung von über
3 000 ausländischen Arbeitnehmern bei der
Opel AG im Jahr 1975 und Maßnahmen zur
Vermittlung deutscher Arbeitsloser statt
dessen; finanzieller Aufwand durch die
Schaffung neuer Planstellen bei den
Landesarbeitsämtern durch die Bundesanstalt für
Arbeit zur Durchsetzung ihres
Monopolanspruchs auch bei der Vermittlung von
Führungskräften
MdlAnfr A53 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Franz CDU/CSU
MdlAnfr A54 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Franz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA
15266* A
Anlage 11
Meldungen über den Druck von Reden aus
der verteidigungspolitischen Debatte des
Bundestages zur Verteilung an die Truppe
sowie Kosten für Druck und Versand der
Broschüre
MdlAnfr A58 23.01.76 Drs 07/4632
de Terra CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Schmidt BMVg 15266* C
Anlage 12
Verlegung von zwei Bundeswehreinheiten
nach Emden als Ersatz für das aufgelöste
Amphibische Transport- und
Umschlagbataillon sowie Verlegung der Küstendienst
-
schule Großenbrode und der
Marinekraftfahrausbildung Bremerhaven nach Emden
MdlAnfr A59 23.01.76 Drs 07/4632
Schröder (Wilhelminenhof) CDU/CSU
MdlAnfr A60 23.01.76 Drs 07/4632
Schröder (Wilhelminenhof) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Schmidt BMVg 15266* D
Anlage 13
Anwendung des neuen Mustermietvertrags
im Bereich der gemeinnützigen Baugesell
schaften
MdlAnfr A65 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Jens SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau 15267* B
Anlage 14
Erhöhung des Erstattungshöchstbetrags für
Aufwendungen baulicher
Schallschutzmaßnahmen nach § 9 Abs. 4 des
Fluglärmgesetzes
MdlAnfr A66 23.01.76 Drs 07/4632
Schäfer (Appenweier) SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau 15267* C
Anlage 15
Erhöhung des Erstattungshöchstbetrags nach
§ 9 Abs. 4 des Fluglärmgesetzes
MdlAnfr A67 23.01.76 Drs 07/4632
Pensky SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau 15267* D
Anlage 16
Veröffentlichung des im Zusammenhang mit
der Öffnung des Teltowkanals vom Chef
der Tiefbauabteilung beim Senator für das
Bau- und Wohnungswesen an das
Verkehrsministerium der DDR gerichteten Briefes im
Bulletin
MdlAnfr A73 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Abelein
SchrAntw PStSekr Herold BMB 15268* A
Anlage 17
Reaktion des Bundesministers für
wirtschaftliche Zusammenarbeit auf die
Verletzung von Menschenrechten in Staaten
der Dritten Welt
MdlAnfr A89 23.01.76 Drs 07/4632
Roser CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Brück BMZ 15268* B
Anlage 18
Äußerung von Bundesminister Bahr in
einem Interview im „Sozialdemokrat
Magazin" über die Voraussetzungen für die
Leistung von Entwicklungshilfe
MdlAnfr A90 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Todenhöfer CDU/CSU
MdlAnfr A91 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Todenhöfer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Brück BMZ 15268* C
Anlage 19
Bereitschaft der Bundesregierung zum
Verzicht auf Anzeigen und sonstige für den
Wahlkampf relevanten Publikationen sechs
Wochen vor der Landtagswahl in Baden
Württemberg
SchrAnfr B1 23.01.76 Drs 07/4632
Pfeifer CDU/CSU
SchrAntw StSekr Bölling BPA 15269* A
Anlage 20
Wertung der Ausladung des Ständigen
Vertreters der DDR wegen der
Zwangsadoptionen in der DDR seitens des bayerischen
Ministerpräsidenten Goppel durch
Bundeskanzler Schmidt und Bundesminister
Genscher
SchrAnfr B2 23.01.76 Drs 07/4632
Engelsberger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Frau Schlei BKA
15269* B
Anlage 21
Belieferung der deutschen
Auslandsvertretungen mit der „Referatezeitschrift zur
politischen Bildung in der Bundesrepublik
Deutschland — DDR-Report" aus dem
Verlag Neue Gesellschaft GmbH
SchrAnfr B3 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU
SchrAntw StMin Moersch AA 15269* B
Anlage 22
Pressemeldung über den Kontrolldienst an
der Zonengrenze
SchrAnfr B4 23.01.76 Drs 07/4632
Ey CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 15269* D
Die Frage B 5 (Drucksache 7/4632) des
Abgeordneten Ey (CDU/CSU) ist nach Nr. 2
Abs. 2 der Richtlinien für die Fragestunde
unzulässig.
Anlage 23
Fahrkostenzuschuß für Angehörige des
öffentlichen Dienstes bei Versetzungen
SchrAnfr B6 23.01.76 Drs 07/4632
Braun CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 15270* A
Anlage 24
Mittel für den Deutschen Musikrat in den
Jahren 1975/76 sowie Kriterien für die
Verteilung dieser Mittel
SchrAnfr B7 23.01.76 Drs 07/4632
Wüster SPD
SchrAnfr B8 23.01.76 Drs 07/4632
Wüster SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 15270* C
Anlage 25
Ergebnisse einer Untersuchung über
organische Fremdstoffe aus Mülldeponien im
Grundwasser sowie Entwicklung
umweltfreundlicher Schmiermittel für
Zweitaktmotoren, vor allem für den Sportverkehr auf
Seen
SchrAnfr B9 23.01.76 Drs 07/4632
Biechele CDU/CSU
SchrAnfr B10 23.01.76 Drs 07/4632
Biechele CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 15271* B
Anlage 26
Einstufung der Fachleiter an Grund- und
Hauptschulen nach dem 2. BesVNG
SchrAnfr B11 23.01.76 Drs 07/4632
Köster CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Baum BMI 15272* A
Die Frage B12 (Drucksache 7/4632) des
Abgeordneten Gansel (SPD) ist vom
Fragesteller zurückgezogen.
Anlage 27
Zahl der seit dem Tod des Staatspräsidenten
Allende in der Bundesrepublik Deutschland
aufgenommenen und wieder ausgereisten
chilenischen Flüchtlinge
SchrAnfr B13 23.01.76 Drs 07/4632
Sauer (Salzgitter) CDU/CSU
SchrAnfr B14 23.01.76 Drs 07/4632
Sauer (Salzgitter) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Schmude BMI 15272* B
Anlage 28
Unterscheidung des in der DDR und in der
Bundesrepublik Deutschland im Bereich der
Adoption und elterlichen Sorge geltenden
Rechts
SchrAnfr B15 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Wittmann (München) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ 15272* D
Anlage 29
Befugnisse eines Gerichtsvollziehers gemäß
§ 758 ZPO
SchrAnfr B16 23.01.76 Drs 07/4632
Frau Dr. Walz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ 15273* C
Anlage 30
Erhaltung der Arbeitsplätze deutscher Be
-
diensteter in der US-Garnison Baumholder
SchrAnfr B17 23.01.76 Drs 07/4632
Pieroth CDU/CSU
SchrAnfr B18 23.01.76 Drs 07/4632
Pieroth CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF 15274* A
Anlage 31
Diskriminierung landwirtschaftlicher
Kooperationen durch die Besteuerung der
einzelbetrieblichen Viehhaltung der beteiligten
Gesellschafter
SchrAnfr B19 23.01.76 Drs 07/4632
Frau Dr. Orth SPD
Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode -- 219. Sitzung. Bonn, Freitag, den 30. Januar 1976 V
SchrAnfr B20 23.01.76 Drs 07/4632
Frau Dr. Orth SPD
SchrAntw PStSekr Offergeld BMF
15274* B
Anlage 32
Verteilung der begünstigten Investitionen
auf Unternehmensgrößenklassen und
Branchen; Konjunkturaufschwung infolge
Investitionszulagen
SchrAnfr B21 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAnfr B22 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Offergeld BMF 15274* D
Anlage 33
Zubilligung der Branntweinherstellung aus
intervenierten Äpfeln deutscher
Obsterzeuger
SchrAnfr B23 23.01.76 Drs 07/4632
Eigen CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Haehser BMF 15275* C
Anlage 34
Gewährung vermögenswirksamer
Leistungen aus einem Tarifvertrag an
außertariflich Angestellte mit den entsprechenden
steuerlichen Vorteilen
SchrAnfr B24 23.01.76 Drs 07/4632
Zink CDU/CSU
SchrAnfr B25 23.01.76 Drs 07/4632
Zink CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15275* D
Anlage 35
Steuerrückstände bei der Kfz-Steuer in den
Jahren 1969 bis 1975
SchrAnfr B26 23.01.76 Drs 07/4632
Biehle CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Offergeld BMF 15276* C
Anlage 36
Abgaben der Verbraucher auf Grund des
Verstromungsgesetzes für das Jahr 1975;
direkte und indirekte Hilfen des Staates;
Einsatz der Kohle im Wärmesektor
SchrAnfr B27 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAnfr B28 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAnfr B29 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Zeitel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15276* D
Anlage 37
Schaffung neuer Arbeitsplätze in den
Gemeinden und Kreisen der Nordeifel im
Zusammenhang mit dem 5. Rahmenplan zur
Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur; Einbeziehung des Schwerpunkts
Blankenheim in die Förderungsmaßnahmen
als Schwerpunktort bei der Aufstellung des
6. Rahmenplanes zur Verbesserung der
regionalen Wirtschaftsstruktur
SchrAnfr B30 23.01.76 Drs 07/4632
Milz CDU/CSU
SchrAnfr B31 23.01.76 Drs 07/4632
Milz CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15277* D
Anlage 38
Verhinderung des Todes von Vögeln durch
Stromleitungsmasten
SchrAnfr B32 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15278* A
Anlage 39
Zahl der von der Bundesregierung und
von deutschen Industriebetrieben
abgeschlossenen Kooperationsverträge mit den
Ostblockstaaten
SchrAnfr B33 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU
SchrAnfr B34 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15278* B
Anlage 40
Befolgung der eingegangenen
Abnahmeverpflichtungen bundes- oder landeseigener
Unternehmen gegenüber kleinen und
mittleren Betrieben
SchrAnfr B35 23.01.76 Drs 07/4632
Tillmann CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15278* D
Anlage 41
Rücknahme der Förderung des
Saarbergbaus wegen der ungünstigen Entwicklung
der Nachfrage bei der Steinkohle
SchrAnfr B36 23.01.76 Drs 07/4632
Peter SPD
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15279* A
Anlage 42
Entwicklung der Fremdenverkehrsbilanz
SchrAnfr B37 23.01.76 Drs 07/4632
Engelsberger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi 15279* B
Anlage 43
Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit der
marktfernen Produktion im
Zonenrandgebiet insbesondere bei voluminösen Gütern,
die hohe Transportkosten verursachen
SchrAnfr B38 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Grüner BMWi
15279* D
Anlage 44
Haushaltsmittel für die Anlegung und
Ersatzbeschaffung von Lebensmittelvorräten
für den Verteidigungsfall
SchrAnfr B39 23.01.76 Drs 07/4632
Handlos CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Logemann BML 15280* B
Anlage 45
Bestände an Milchpulver in der
Europäischen Gemeinschaft
SchrAnfr B40 23.01.76 Drs 07/4632
Eigen CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Logemann BML 15280* B
Anlage 46
Nachteilige Auswirkung der Steuer- und
der Sozialversicherungsfreiheit bei
Zuschlägen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit
auf die Höhe der Rente
SchrAnfr B41 23.01.76 Drs 07/4632
Vogt CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15280* C
Anlage 47
Erleichterung der Verfahrensmaßnahmen
bei der Rückkehr ausländischer
Arbeitnehmer, die in ihrer Heimat zum Wehrdienst
einberufen waren
SchrAnfr B42 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15281* A
Anlage 48
Kündigung von Belegbetten-Verträgen in
Bayern und im Zonenrandgebiet durch die
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
SchrAnfr B43 23.01.76 Drs 07/4632
Handlos CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15281* B
Anlage 49
Krankenversicherungsschutz der Kinder
bei landwirtschaftlichen Krankenkassen
nach dem Tod beider Eltern
SchrAnfr B44 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Wernitz SPD
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15281* C
Anlage 50
Beurteilung der internationalen Tagung
„Stäube und Gase am Arbeitsplatz"
SchrAnfr B45 23.01.76 Drs 07/4632
Biechele CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15281* D
Anlage 51
Datenunterlagen über die Festsetzung der
Lärmschutzbereiche der Flugplätze der RAF
in Wildenrath und Brüggen/Elmpt
SchrAnfr B46 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Freiherr Spies von Büllesheim CDU/CSU
SchrAnfr B47 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Freiherr Spies von Büllesheim CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Schmidt BMVg 15282* C
Anlage 52
Nutzung der Garnisonsanlage in der Stadt
Bohmte durch die Bundeswehr
SchrAnfr B48 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schwencke (Nienburg) SPD
SchrAntw PStSekr Schmidt BMVg 15282* D
Anlage 53
Ungleichbehandlung von Beschäftigten der
Bundeswehrverwaltung und von zivilen
Angehörigen der sogenannten gemischten
Dienststellen im Bereich der
Personalvertretung
SchrAnfr B49 23.01.76 Drs 07/4632
Schmidt (Wuppertal) CDU/CSU
SchrAnfr B50 23.01.76 Drs 07/4632
Schmidt (Wuppertal) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Schmidt BMVg 15283* A
Anlage 54
Beseitung des Gefahrenpunktes an der
Bahnunterführung Dornberger Bahnhof im
Zuge der B 42
SchrAnfr B51 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15283* C
Anlage 55
Finanzielle Mittel für die Errichtung eines
Schnellbahnnetzes in Europa sowie
Koordinierung der Schnellverbindungen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und
Frankreich
SchrAnfr B52 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAnfr B53 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schwörer CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15283* D
Anlage 56
Befestigung von Reflektoren auf den
Seitenwänden von Großfahrzeugen zur
Verhinderung von Unfällen
SchrAnfr B54 23.01.76 Drs 07/4632
Seefeld SPD
SchrAnfr B55 23.01.76 Drs 07/4632
Seefeld SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15284* B
Anlage 57
Einführung einer Sach- und
Fachkundeprüfung für Unternehmer des Taxi- und
Mietwagengewerbes
SchrAnfr B56 23.01.76 Drs 07/4632
Geiger SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15284* C
Anlage 58
Umwertung des Teilabschnitts des
Autobahnringes München vom Autobahnkreuz
Langwied bis zur Einmündung in die
Bundesstraße 12 sowie des streitigen Ausbaus
der Autobahn München—Stuttgart zwischen
der Anschlußstelle Dachau und dem
künftigen Autobahnkreuz Langwied zugunsten
der geplanten Autobahn Würzburg—Ulm
auf der ersten Fahrbahn von Biebelried bis
Gollhofen in die Dringlichkeitsstufe I a;
Kosten für die deutsche Landwirtschaft
durch die Neuausstattung der Schlepper
mit Überrollbügeln ab 1. Januar 1977
wegen der dadurch bedingten neuen Abnahme
durch den TÜV und der Gebühren für eine
Änderung des Kraftfahrzeugbriefes
SchrAnfr B57 23.01.76 Drs 07/4632
Spranger CDU/CSU
SchrAnfr B58 23.01.76 Drs 07/4632
Spranger CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15285* A
Anlage 59
Höhe der Aufwendungen für
Schallschutzmaßnahmen nach dem Gesetz zum Schutz
gegen Fluglärm
SchrAnfr B59 23.01.76 Drs 07/4632
Pensky SPD
SchrAntw PStSekr Baum BMI 15285* D
Anlage 60
Stillegung der Bundesbahnstrecke Kempen-
Grefrath—Kaldenkirchen
SchrAnfr B60 23.01.76 Drs 07/4632
Stahl (Kempen) SPD
SchrAnfr B61 23.01.76 Drs 07/4632
Stahl (Kempen) SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15286* A
Anlage 61
Aufstockung der Bundesautobahn Aalen—
Würzburg
SchrAnfr B62 23.01.76 Drs 07/4632
Niegel CDU/CSU
SchrAnfr B63 23.01.76 Drs 07/4632
Niegel CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15286* B
Anlage 62
Elektrifizierung der Bahnstrecke Simbach/
Inn—München
SchrAnfr B64 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Müller (München) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Jung BMV
15286* D
Anlage 63
Kennzeichnung der Trägerschaft des
Landschaftsverbandes Rheinland im Entwurf
eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes
über den Ausbau der Bundesfernstraßen
SchrAnfr B65 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Bußmann SPD
SchrAnfr B66 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Bußmann SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMV 15286* D
Anlage 64
Neubau des Hauptpostgebäudes in
Mülheim a. d. Ruhr
SchrAnfr B67 23.01.76 Drs 07/4632
Müller (Mülheim) SPD
SchrAnfr B68 23.01.76 Drs 07/4632
Müller (Mülheim) SPD
SchrAntw PStSekr Jung BMP 15287* A
Anlage 65
Auswirkungen der „Ämterorganisation
Post" hinsichtlich der Zahl der
eingesparten Arbeitsposten
SchrAnfr B69 23.01.76 Drs 07/4632
Schröder (Wilhelminenhof) CDU/CSU
SchrAnfr B70 23.01.76 Drs 07/4632
Schröder (Wilhelminenhof) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Jung BMP 15287* B
Anlage 66
Nachteile durch die Neuordnung der
Nahverkehrsbereiche der Bundespost im
Fernsprechwesen
SchrAnfr B71 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Müller (München) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Jung BMP 15287* D
Anlage 67
Erstattungsbetrag für Aufwendungen
baulicher Schallschutzmaßnahmen nach dem
Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm
SchrAnfr B72 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Schmitt-Vockenhausen SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Haack BMBau
15288* A
Anlage 68
Verhandlungen mit der DDR über einen
Ausbau der Autobahn Obersuhl–Eisenach
und einen weiteren Übergang über die
Zonengrenze bei Herleshausen
SchrAnfr B73 23.01.76 Drs 07/4632
Böhm (Melsungen) CDU/CSU
SchrAnfr B74 23.01.76 Drs 07/4632
Böhm (Melsungen) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Herold BMB 15288* B
Anlage 69
Prüfung niedersächsischer Standorte für
die Errichtung einer Mülldeponie in
Verbindung mit einer
Wiederaufbereitungsanlage
SchrAnfr B75 23.01.76 Drs 07/4632
Seiters CDU/CSU
SchrAnfr B76 23.01.76 Drs 07/4632
Seiters CDU/CSU
SchrAntw BMin Matthöfer BMFT 15288* D
Anlage 70
Möglichkeiten des Erwerbs der
Fachprogramme des Bundesministers für Forschung
und Technologie; Zahl und Auswahl der im
Forschungsministerium tätigen Berater in
Fachausschüssen, Ad-hoc-Ausschüssen und
sonstigen Gremien
SchrAnfr B77 23.01.76 Drs 07/4632
Pfeffermann CDU/CSU
SchrAnfr B78 23.01.76 Drs 07/4632
Pfeffermann CDU/CSU
SchrAntw BMin Matthöfer BMFT 15289* A
Anlage 71
Kürzung des Förderungsbetrages bei vier
nach dem
Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) geförderten Kindern um
jeweils 60 DM bei einer Gehaltserhöhung
von netto 120 DM
SchrAnfr B79 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Klein (Stolberg) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW 15289* B
Anlage 72
Förderungsmittel des Bundes in den Jahren
1974, 1975 und 1976 für den Schulversuch
Kooperative Gesamtschule Altenkirchen
SchrAntw B80 23.01.76 Drs 07/4632
Immer (Altenkirchen) SPD
SchrAnfr B81 23.01.76 Drs 07/4632
Immer (Altenkirchen) SPD
SchrAntw PStSekr Dr. Glotz BMBW 15289* D
Anlage 73
Möglichkeiten einer beruflichen
Ausbildung geistig Behinderter
SchrAnfr B82 23.01.76 Drs 07/4632
Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU
SchrAntw PStSekr Buschfort BMA 15290* B
219. Sitzung
Bonn, den 30. Januar 1976
Beginn: 9.00 Uhr
Vizepräsident von Hassel: Die Sitzung ist eröffnet.
Meine Damen und Herren, nach einer
interfraktionellen Vereinbarung soll die heutige Tagesordnung
um die
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die
Kaufmannseigenschaft von Land- und Forstwirten (Drucksache 7/3918)
ergänzt werden.
—Das Haus ist einverstanden. Es ist so beschlossen.
Die folgenden amtlichen Mitteilungen werden
ohne Verlesung in den Stenographischen Bericht
aufgenommen:
Der Bundesminister für Wirtschaft hat mit Schreiben vom 29.
Januar 1976 die Kleine Anfrage der Abgeordneten Strauß, Leicht,
Höcherl, Dr. Althammer, Dr. Müller-Hermann, Dr. Narjes, Dr.
Häfele und der Fraktion der CDU/CSU betr. „Projektion der
mittelfristigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in der Bundes
-
republik Deutschland bis zum Jahre 1979" — Drucksache 7/4573 —
beantwortet. Sein Schreiben wird als Drucksache 7/4673 verteilt.
Der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft hat mit
Schreiben vom 29. Januar 1976 die Kleine Anfrage der
Abgeordneten Pfeifer, Dr. Gölter, Frau Benedix, Frau Hürland, Dr.
Fuchs, Geisenhofer, Dr. Hornhues, Dr.-Ing. Oldenstädt, Dr. Probst,
Dr. Schäuble, Schmidt (Wuppertal) und der Fraktion der CDU/CSU
betr. Vorbereitung von Hochschuleingangsverfahren im
Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft — Drucksache 7/4593 —
beantwortet. Sein Schreiben wird als Drucksache 7/4671 verteilt.
Überweisung von EG-Vorlagen
Der Präsident des Bundestages hat entsprechend dem
Beschluß des Bundestages vom 25. Juni 1959 die nachstehenden
Vorlagen überwiesen:
Verordnung (EWG) des Rates zur Ergänzung von Anhang I
der Verordnung (EWG) Nr. 1035/72 über eine gemeinsame
Marktorganisation für Obst und Gemüse (Drucksache 7/4625)
überwiesen an den Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig vor
der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften
der Mitgliedstaaten betreffend Kontrollwaagen (Drucksache
7/4626)
überwiesen an den Ausschuß für Wirtschaft mit der Bitte um
Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der endgültigen
Beschlußfassung im Rat
Verordnung (EWG) des Rates zur Änderung der Verordnung
(EWG) Nr. 2824/72 über die allgemeinen Regeln für die
Finanzierung der Interventionen durch den Europäischen
Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft,
Abteilung Garantie (Drucksache 7/4627)
überwiesen an den Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig vor
der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Verordnung (EWG) des Rates
zur Änderung der Verordnungen (EWG) Nr. 2764/75 und
2766/75 hinsichtlich des Bezugszeitraums der
Futtergetreidepreise zur Berechnung der Abschöpfungen und der
Einschleusungspreise auf dem Schweinefleischsektor
zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 2773/75 und
2778/75 hinsichtlich des Bezugszeitraums der
Futtergetreidepreise zur Berechnung der Abschöpfungen und der
Einschleusungspreise für Eier und Geflügelfleisch (Drucksache 7/4628)
überwiesen an den Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig vor
der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Mitteilung der Kommission an den Rat über die
Verhandlungen zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
und der Republik Malta im Hinblick auf den Abschluß eines
Protokolls zur Festlegung bestimmter Vorschriften
betreffend das Abkommen zur Gründung einer Assoziation
zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und Malta
und eines Finanzprotokolls (Drucksache 7/4638)
überwiesen an den Ausschuß für Wirtschaft mit der Bitte uni
Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der endgültigen
Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates über die Versenkung von Abfällen im
Meer (Drucksache 7/4639)
überwiesen an den Innenausschuß (federführend), Ausschuß für
Wirtschaft mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig
vor der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Verordnung (EWG) des Rates zur Einführung einer
Beihilferegelung für Bienenzüchterverbände (Drucksache 7/4640)
überwiesen an den Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der
endgültigen Beschlußfassung im Rat
Verordnung des Rates über den Erlaß oder die Erstattung
von Ein- und Ausfuhrausgaben (Drucksache 7/4641)
überwiesen an den Finanzausschuß mit der Bitte um Vorlage des
Berichts rechtzeitig vor der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates betreffend das Gemeinschaftsverzeichnis
der benachteiligten landwirtschaftlichen Gebiete im Sinne der
Richtlinien 75/268/EWG (Frankreich — überseeische Gebiete)
(Drucksache 7/4642)
überwiesen an den Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten (federführend), Haushaltsausschuß mit der Bitte um
Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der endgültigen Beschlußfassung
im Rat
Verordnung (EWG) des Rates betreffend Informationen über
die Energieversorgungslage der Gemeinschaft (Drucksache
7/4643)
überwiesen an den Ausschuß für Wirtschaft (federführend),
Ausschuß für Forschung und Technologie mit der Bitte um Vorlage
des Berichts rechtzeitig vor der endgültigen Beschlußfassung im
Rat
Verordnung (EWG) des Rates zur Eröffnung, Aufteilung
und Verwaltung eines Gemeinschaftszollkontingents für
bestimmte Weine der Tarifstelle ex 22.05 des Gemeinsamen
Zolltarifs mit Ursprung in Zypern (1976) (Drucksache 7/4644)
überwiesen an den Ausschuß für Wirtschaft mit der Bitte um
Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der endgültigen
Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates zur Anwendung der Richtlinie des Rates
vom 4. März 1969 hinsichtlich der Bewilligung aktiver
Veredelungsverkehre mit bestimmten Ursprungserzeugnissen der
EFTA-Staaten und der Färöer (Drucksache 7/4645)
überwiesen an den Ausschuß für Wirtschaft mit der Bitte um
Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der endgültigen
Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates über eine Ausnahmeregelung für das
Königreich Dänemark bei der im grenzüberschreitenden
Reiseverkehr geltenden Regelung für die Umsatzsteuern und
Sonderverbrauchsteuern (Drucksache 7/4646)
überwiesen an den Finanzausschuß mit der Bitte um Vorlage des
Berichts rechtzeitig vor der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates über die Verwendung von Heizölen mit
dem Ziel der Verringerung von Schwefelemissionen
(Drucksache 7/4647)
überwiesen an den Innenausschuß (federführend), Ausschuß für
Wirtschaft mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig vor
der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Vorschlag der Kommission an den Rat zur Festsetzung der
Preise für verschiedene landwirtschaftliche Erzeugnisse und
betreffend einige flankierende Maßnahmen (Drucksache 7/4648)
überwiesen an den Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten mit der Bitte um Vorlage des Berichts rechtzeitig vor der
endgültigen Beschlußfassung im Rat
Zweite Richtlinie des Rates zur Koordinierung der die direkte
Schadenversicherung betreffenden Rechts- und
Verwaltungsvorschriften und zur Erleichterung des freien
Dienstleistungsverkehrs im Versicherungswesen (Drucksache 7/4649)
überwiesen an den Finanzausschuß mit der Bitte um Vorlage des
Berichts rechtzeitig vor der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Richtlinie des Rates
zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten
betreffend den zulässigen Geräuschemissionspegel von
Turmdrehkränen
zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten
betreffend den zulässigen Geräuschemissionspegel von
Schweißstromerzeugern
zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten
betreffend den zulässigen Geräuschemissionspegel von
Kraftstromerzeugern (Drucksache 7/4650)
überwiesen an den Innenausschuß (federführend), Ausschuß für
Arbeit und Sozialordnung mit der Bitte um Vorlage des Berichts
rechtzeitig vor der endgültigen Beschlußfassung im Rat
Ich rufe den Punkt 9 der Tagesordnung:
Beratung des Dritten Sportberichts der
Bundesregierung
— Drucksache 7/4609 —
Überweisungsvorschlag des Ältestenrates:
Sportausschuß (federführend)
Ausschuß für Jugend, Familie und Gesundheit
Haushaltsausschuß
und verbunden damit den Punkt 10 der
Tagesordnung auf:
Beratung des Berichts und des Antrags des
Sportausschusses (5. Ausschuß) zum
Entschließungsantrag der Fraktionen der
SPD, FDP zur Großen Anfrage der Fraktionen
der SPD, FDP
betr. Sportpolitik
Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr.
Evers, Dr. Schäuble, Vogel (Ennepetal),
Tillmann, Frau Hürland, Spilker, Dr. Müller
(München), Weber (Heidelberg), Biehle, Dr.
Kraske, Eilers (Wilhelmshaven) und der
Fraktion der CDU/CSU zur Großen Anfrage der
Fraktionen der SPD, FDP
betr. Sportpolitik
— Drucksachen 7/2790, 7/2800, 7/3902 —
Berichterstatter:
Abgeordneter Wende
Abgeordneter Tillmann
Ich danke den Berichterstattern. Ich frage, ob die
Berichterstatter das Wort zur Ergänzung wünschen.
— Bitte schön, Herr Abgeordneter Tillmann!
Tillmann (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen, meine Herren! Offensichtlich
befinden sich die sportfreundlichen Kollegen noch
auf dem Anmarsch. Aber ich bin davon überzeugt,
meine Damen und Herren, daß sich während der
Zeit, in der ich hier als Berichterstatter einen
kurzen Auftritt habe, die Reihen des Hohen Hauses
so weit füllen werden, wie es dem wichtigen
Sportereignis im Bundestag heute angemessen ist.
(Scheffler [SPD] : Sind Sie so sicher?)
— Ich hoffe es, Herr Kollege Scheffler.
Der Sportausschuß des Deutschen Bundestages
hat in seiner Sitzung am 18. Juni 1975 die
Beratungen zu den Entschließungsanträgen der
Fraktionen der SPD und FDP auf Drucksache 7/2790 und
der Fraktion der CDU/CSU auf Drucksache 7/2800 —
beide vom 14. November 1974, dem Tag der letzten
Sportdebatte in diesem Hohen Hause —
abgeschlossen. Als Beratungsergebnis ist mit Drucksache
7/3902 am 24. Juli 1975 ein gemeinsamer Antrag
des Sportausschusses vorgelegt worden, der dem
Hohen Hause leider erst heute, fast auf den Tag
ein halbes Jahr später — wobei ich allerdings gern
anmerke, daß es noch vor den Olympischen Spielen
in Innsbruck geschieht — zur Diskussion und
Beschlußfassung unterbreitet wird, mit der Folge, daß
der Antrag inzwischen in wenigstens zwei Punkten
als überholt gelten kann, nachdem die
Bundesregierung inzwischen vor wenigen Tagen den
bereits im Herbst fälligen Sportbericht erstattet hat.
Insofern ist also selbst die Bundesregierung kaum
in der Lage, im Sportbericht 1975, der hier heute
zur Beratung ansteht, noch über die Ergebnisse
von Maßnahmen zu berichten, die der Bundestag
erst heute beschließen will. Dieser Tatsache, meine
Damen und Herren, trägt der interfraktionelle
Antrag auf Drucksache 7/4669 Rechnung, nämlich den
Punkt 9 der Drucksache 7/3902 dahin gehend zu
modifizieren, daß die Bundesregierung bis zum
15. Juni 1976 eigens um einen Ergebnisbericht
gebeten wird.
Gestatten Sie mir zu dem Ihnen schriftlich
vorliegenden Bericht einige ergänzende Anmerkungen
zu machen, die der Verdeutlichung und
Präzisierung dienen sollen. So hat, was den Punkt 5 des
vorliegenden Antrags angeht, der Sportausschuß
sehr nachdrücklich und einmütig darauf gedrängt,
daß möglichst schnell, wenn nicht sofort, eine
Lösung gefunden werden soll, die Spitzensportlern
und natürlich auch Spitzentalenten, z. B. im
musischen Bereich den Hochschulzugang in
Ausnahmefällen erlaubt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Demnach kann mit Befriedigung und Hoffnung
zugleich, andererseits aber auch nicht ohne eine auf
Erfahrung beruhende Skepsis, zur Kenntnis
genommen werden, daß sich die Ständige Konferenz der
Kultusminister am 20. und 21. November 1975 zu
diesem Anliegen positiv geäußert und den
Verwaltungsausschuß der Zentralen Vergabestelle
gebeten hat, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Damit harrt das Problem allerdings immer noch einer
endgültigen Lösung, die wohl auch aus technischen
Gründen erst im Laufe des Jahres 1977 zu erwarten
sein wird. Nicht unerwähnt sollte bleiben, daß die
Minderheit im Ausschuß klargemacht hat, daß sie
im übrigen für Spitzensportler generell das
Sportstudium ermöglicht sehen möchte, soweit diese
Spitzensportler die allgemeine Studienberechtigung
besitzen.
Meine Damen und Herren, nach sehr
ausführlichen, sehr schwierigen und sorgfältigen
Beratungen ist der Ausschuß zu einem positiven Votum
über die Herausgabe einer Sportsondermarke
zugunsten der sozialen Aufgaben der Deutschen
Sporthilfe gekommen. Der Beschluß geht auf einen
Antrag der CDU/CSU auf Drucksache 7/2800
zurück. Inzwischen ist bekannt, daß die
Olympiazuschlagsbriefmarken am 6. April dieses Jahres
ausgegeben werden sollen. Damit dürfte die
unverzichtbare Arbeit der Sporthilfe für das Olympiajahr
1976 finanziell weitgehend abgesichert sein.
Ein Antrag der Minderheit im Ausschuß, wie in
Drucksache 7/2800 vorgeschlagen, einen Satz
Zuschlagsmarken jährlich wiederkehrend zugunsten
der Stiftung Deutsche Sporthilfe herauszugeben,
fand keine Mehrheit. Der Sprecher der Minderheit
brachte allerdings zum Ausdruck, daß es sich seine
Fraktion vorbehalte, den Antrag auf jährliche
Herausgabe einer Sportbriefmarke erneut im Plenum
einzubringen. Nur der Jahr für Jahr erfolgende
Verkauf solcher Zuschlagsmarken stelle sicher, daß
durch eine nicht aus Steuermitteln, sondern mit
Hilfe freiwilliger Spenden kontinuierlich gespeiste
Finanzierung die langfristig angelegte Arbeit der
Sporthilfe erfolgreich fortgesetzt werden könne. Da
dessenungeachtet die Marke für 1976 inzwischen
beschlossene Sache ist, kann zunächst Punkt 8 des
Ausschußantrages auf Drucksache 7/3902 als
erledigt betrachtet werden. Punkt 1 des
Änderungsantrags auf Drucksache 7'4669 ist die
entsprechende Konsequenz.
Unter dem Eindruck des Beschlusses der
Finanzministerkonferenz vom 6. Februar 1975, dem auch
der Bundesfinanzminister beigetreten ist, nämlich
Sportvereinen grundsätzlich keine
Spendenbescheinigungskompetenz einzuräumen, hat der Ausschuß
sehr deutlich und bestimmt den Herrn
Bundesfinanzminister gebeten, bei seinen Kollegen in den
Ländern auf eine Verbesserung hinzuwirken, zumal
— und das sollte hier ausdrücklich betont werden —
einer entsprechenden Empfehlung der Deutschen
Sportkonferenz vom 23. Juni 1972 für die
Spendenbescheinigungskompetenz sowohl der Vertreter der
Bundesregierung als auch die Vertreter der Länder
zugestimmt haben.
Natürlich möchte auch und gerade der
Sportausschuß möglichst von vornherein jeden Mißbrauch
verhindert sehen. Wenn bezweifelt wird, daß eine
Begrenzung der Spendenhöhe bei einer Zahl von
mehr als 40 000 Sportvereinen nicht ausreicht, jeden
Mißbrauch auszuschließen, sollte das die Suche nach
anderen Lösungsmöglichkeiten nicht blockieren. Zu
denken wäre als Kompromiß z. B. an eine
Einschaltung der Kreissportbünde oder
Stadtsportverbände, um das angestrebte Ziel zu erreichen,
nämlich überflüssigen Verwaltungsaufwand abzubauen
und das Spendenaufkommen zu verbessern.
Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, ein
Wort ist noch zu einem Thema zu sagen, das im
Ausschuß sehr ausführlich diskutiert wurde. Es
handelt sich um einen Punkt aus dem Antrag der CDU/
CSU-Fraktion auf Drucksache 7/2800, der in den
Forderungen des heute vorliegenden Antrags
allerdings nicht mehr auftaucht, weil man ihn im
Ausschuß als bereits befriedigend erledigt glaubte
abhaken zu können. Es geht um geeignete Schritte zur
Wahrung der Belange des Sports insbesondere bei
Gesetzgebungsvorhaben des Bundes, im Rahmen der
Vorbereitung von Gesetzen. Die rechtzeitige
Einschaltung der Spitzenorganisationen des Sports in
sportrelevante Gesetzgebungsvorhaben soll
gewährleistet sein. Die Bundesregierung hat im Ausschuß
erklärt, einerseits stelle die gemeinsame
Geschäftsordnung der Bundesministerien die rechtzeitige
Einschaltung der Sportorganisationen sicher.
Zusätzlich aber schaffe die inzwischen erfolgte
Einrichtung einer „Arbeitsgruppe Sportverträglichkeit"
— man muß sich dieses Wort auf der Zunge
zergehen lassen —, bestehend aus Vertretern des
Bundesministeriums des Innern und des Deutschen
Sportbundes, geradezu eine entsprechende Garantie.
Daraufhin sah der Ausschuß das Anliegen in der
30. Sitzung am 18. Juni 1975 als zufriedenstellend
geklärt an.
Jedoch zeigte sich schon in der nächsten Sitzung
des Ausschusses, in der 31. am 18. September 1975,
daß die „Arbeitsgruppe Sportverträglichkeit" bei
ihren Aktivitäten offensichtlich noch sehr große
Anlaufschwierigkeiten hat. Das Beispiel aus
jüngster Zeit veranlaßt den Berichterstatter, das Thema
aufzugreifen; denn in dieser 31. Sitzung am 18.
September 1975 mußte sich der Sportausschuß mit der
Novelle zum Jugendarbeitsschutzgesetz befassen,
um quasi noch im Endspurt zu versuchen, dieser
Novelle ihre sportfeindlichen Zähne zu ziehen.
Wären nicht Vertreter der Sportverbände mehr oder
weniger zufällig noch rechtzeitig aufmerksam
geworden, kein Balljunge hätte in Zukunft mehr die
Chance gehabt, vielleicht später einmal Wimbledon
-
Sieger zu werden,
(Dr. Carstens [Fehmarn] [CDU/CSU] : Sehr
gut!)
und manche Schülermannschaften hätten, weil man
ihren jugendlichen Schiedsrichtern die Pfeife
weggenommen hätte, ihre Meisterschaftsspiele und
Wettbewerbe abblasen müssen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Der Ausschuß geht davon aus, daß in Zukunft
gleichartige Pannen vermieden werden können. Er
ist — um zusammenzufassen — davon überzeugt,
daß eine weitgehende Verwirklichung und
Durchsetzung der in dem Antrag auf Drucksache 7/3902
gestellten Forderungen dem Sport in der
Bundesrepublik Deutschland in allen seinen Bereichen
weitere entscheidende Impulse geben wird. Ich nehme
an, daß der Bundestag diesem Antrag zustimmen
wird.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vizepräsident von Hassel: Ich danke dem Herrn
Berichterstatter.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Herr
Bundesminister des Innern, Herr Maihofer.
Dr. Dr. h. c. Maihofer, Bundesminister des Innern:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der
Dritte Sportbericht der Bundesregierung, über den
das Parlament heute debattiert, gibt eine
Leistungsbilanz der Sportförderung des Bundes für die Jahre
1974 und 1975, im Breiten- und Freizeitsport wie im
Hochleistungs- und Spitzensport. Die Sportförde-
Bundesminister Dr. Dr. h. c. Maihofer
rung weist für die Jahre 1974 und 1975
Sportförderungsmittel des Bundes von insgesamt 216 Millionen
DM und 229 Millionen DM und somit gegenüber
dem Förderungsbetrag von 150 Millionen DM 1969
eine Steigerung von insgesamt rund 50 % auf.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Wie hoch ist die
Inflationsrate? Das muß man dann wieder
abziehen!)
Das ist doch einfach lächerlich. — Das sind selbst
dann beachtliche Zahlen, wenn man bedenkt, daß
beim Breiten- und Freizeitsport der
Förderungsschwerpunkt mit über 2 Milliarden DM bei Ländern
und Gemeinden liegt.
Entscheidend ist, wie ich meine, daß in allen
diesen äußerlichen Ziffern — nur deshalb nenne ich
sie — sichtbar wird, welchen hohen Rang der Staat
dem Sport heute in unserem Lande zuerkennt. Das
gilt nicht zuletzt auch für die Förderung des
Hochleistungs- und Spitzensports, die im Mittelpunkt der
Sportförderung des Bundes steht. Lassen Sie mich
das beispielhaft an den im Haushalt meines Ressorts
veranschlagten Förderungsmitteln für sogenannte
zentrale Maßnahmen auf dem Gebiete des Sports
verdeutlichen, die vor allem dem Hochleistungs-
und Spitzensport zugute kommen. Sie haben sich
von 1969 bis 1975 nahezu verdreifacht. 1969 standen
noch 11,2 Millionen DM zur Verfügung. 1975 waren
es bereits knapp 33 Millionen DM. Bezieht man
darin die Mittel ein, die seit 1971 gesondert für das
Bundesinstitut für Sportwissenschaft im eigenen
Haushaltstitel veranschlagt sind, so steht der
Förderungssumme des Jahres 1969 im Jahre 1975 ein
Förderungsbetrag von fast 40 Millionen, also rund
250 % mehr als im Vergleichsjahr, gegenüber. Im
Jahre 1976 sind für zentrale Maßnahmen sogar rund
37,7 Millionen DM in Aussicht genommen. Für das
Bundesinstitut für Sportwissenschaft sind rund
8 Millionen DM vorgesehen. Dies zusammen ergibt
ein Mehr von über 300 % gegenüber den
entsprechenden Ansätzen im Jahre 1969.
Auch bei allen diesen beachtlichen Zahlen und
Steigerungen muß man sich bewußt bleiben, daß es
sich hier nur um die Spitzenförderung des Bundes
handelt, der eine erhebliche Breitenförderung von
Ländern und Gemeinden vorausgeht — ich nannte
schon die 2 Milliarden DM —, vor allem aber die
Eigenförderung des Sports selbst zugrunde liegt,
mit über 14 Millionen Mitgliedern der größten
Bürgerinitiative, die wir in unserem Lande überhaupt
kennen. Auch bei einer Debatte des Parlaments
über die Sportpolitik der Bundesregierung dürfen
wir nie aus dem Auge verlieren: Der Sport ist vor
allem anderen eine Sache des Sports selbst. Das
heißt, prinzipiell formuliert: Die Bundesregierung
geht bei ihrer Sportpolitik aus von dem Prinzip der
Autonomie des Sports und damit zugleich vom
Prinzip der Subsidiarität bei der Sportförderung des
Staates.
Diese grundsätzliche Haltung des Staates schließt
jede Art von Dirigismus und Reglementierung des
Sports durch den Staat aus. Förderungsmaßnahmen
der öffentlichen Hände in Gemeinden, Ländern und
Bund greifen nur da ein, wo die eigenen Kräfte der
Selbstorganisation des Sports in den Vereinen, den
Landesverbänden oder den Bundesverbänden nicht
ausreichen.
Autonomie des Sports und Subsidiarität der
Sportförderung durch den Staat schließen andererseits
die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen
Sport und Staat ein. Sie hat nicht nur bei jeder Art
von Gesetzgebung mit Auswirkung auf den Sport
durch verantwortliche Beteiligung der
Sportorganisationen schon im Beratungsstadium in Regierung
und Parlament zu erfolgen; das soeben berührte
Thema der Sportverträglichkeit aller Gesetzgebung.
Sie hat ebenso aber auch bei der Planung und
Durchführung von Förderungsmaßnahmen in enger
Zusammenarbeit zwischen Sport und Staat zu
erfolgen, wie dies inzwischen in den sogenannten
Planungs- und Realisierungsgesprächen mit den
Bundesfachverbänden des Sports auch von seiten der
Bundesregierung laufend geschieht.
Diese partnerschaftliche Zusammenarbeit hat
nicht zuletzt aber auch in der Deutschen
Sportkonferenz eine alle Ebenen des Staates wie des Sports,
der Parteien wie der Verbände umfassende
Gesprächsebene gefunden, die mit ihren zwischen
Regierung und Opposition, zwischen Bund und
Ländern und zwischen Sport und Staat
abgestimmten Konferenzempfehlungen einen verantwortlichen
Beitrag zur Formulierung der Politik auf dem Feld
des Sports in unserem Staate zu leisten vermag, wie
die Erfahrungen der letzten Jahre, vor allem der
letzten Monate, zeigen. Das gilt für den Bereich des
Breitensports wie des Leistungssports, aber auch
für alle diejenigen Rechtsfragen, die
Sportorganisationen und Sportaktive betreffen, vom
Steuerfreibetrag bis zum Numerus clausus. Hier werden die
vor kurzem eingesetzten Fachkommissionen der
Deutschen Sportkonferenz mit dem aus Staat und
Sport versammelten Sachverstand wichtige
Entscheidungshilfe auch für Regierung und Parlament
leisten können.
Alle diese konzertierten Aktivitäten von Sport
und Staat vermögen jedoch nur mehr oder weniger
günstige Verhältnisse für den Sport in unserem
Lande zu schaffen. Ob diese Gelegenheiten durch
einen wachsenden Breiten- und Freizeitsport
ergriffen werden oder ob sie hier und dort zum
Hochleistungs- und Spitzensport auf internationalem
Niveau führen, hängt von vielen Unwägbarkeiten ab,
wie jeder Sachkenner weiß. Gerade im Spitzensport
erleben wir dies alle Tage.
Was wir hier im Zusammenwirken von Sport und
Staat schaffen können und, wie ich meine, auch
schaffen müssen, sind optimale
Trainingskonditionen, die jedem Athleten unseres Landes, der das
Talent und die Energie mitbringt, eine faire Chance in
der internationalen Konkurrenz geben. Das sagt sich
leicht und ist doch schwer getan. Denn das heißt
nicht weniger und nicht mehr, als daß wir einem
Sportler auch in unserem Lande, der in den edlen
Wettstreit mit der Weltspitze eintreten kann und
will, mit den unserem politischen System adäquaten
Methoden die gleichen Möglichkeiten persönlicher
Leistung geben, wie sie für vergleichbare sportliche
Talente in den Universitätsamateurländern auf der
Bundesminister Dr. Dr. h. c. Maihofer
einen und in den Staatsamateurländern auf der
anderen Seite des Weltballs gegeben sind.
Hierzu haben wir hier in der Bundesrepublik
Deutschland in den vergangenen sechs Jahren ein
Verbundsystem von Leistungszentren aufgebaut mit
inzwischen 25 Bundesleistungszentren, 30
Landesleistungszentren mit Bundesnutzung und 142
sogenannten Stützpunkten. Bundesleistungszentren
dienen dabei nicht nur dem zentralen Training der
ABC-Kader zur Wettkampfvorbereitung und der
notwendigen sportfachlichen Betreuung und
sportmedizinischen Kontrolle der Spitzensportler: In
günstigen Fällen, aber auch nur dann, sind sie, ebenso
wie manche der Landesleistungszentren, auch
ständige Trainingsorte unserer Spitzenathleten.
Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren —
das war die entscheidende Schwäche des bisherigen
Förderungssystems — gezeigt, daß dieses
vergleichsweise rigide System der Bundes- und
Landesleistungszentren allein nicht ausreicht, daß wir
darüber hinaus mit weiteren Stützpunkten dorthin
gehen müssen, wo vor Ort, sei es aus lokalen
Traditionen, die Sie alle kennen, sei es aus einer
sonstigen optimalen Konstellation, besonders
leistungsstarke Sportler versammelt sind oder gar ständig
heranwachsen. Wir kennen das ja, die Handballer
hier, die Ringer dort; ich brauche Ihnen das als
Kennern der Sache nicht im einzelnen auszuführen.
Ein solcher lokaler Schwerpunkt des
Hochleistungssports kann bei besonders leistungsstarken
Vereinen, aber auch bei Sportinternaten der höheren
Schulen liegen,
(Zuruf von der CDU/CSU: Das hören wir
gern!)
ohne die ein wissenschaftlich ausgerichtetes und
medizinisch kontrolliertes Hochleistungstraining mit
einem dem besonderen Trainingsrhythmus
angepaßten Schulpensum für bestimmte Sportarten mit
Leistungshöhepunkten in der Schulzeit überhaupt
nurmehr schwer durchführbar ist. Ein solcher lokaler
Schwerpunkt kann ebenso aber auch bei
Sportinstituten der Hochschulen liegen, könnte jedenfalls
liegen; ja, selbst in Sportkompanien, wie sie die
Bundeswehr seit einiger Zeit mit bewundernswerten
Anstrengungen und sichtlichem Erfolg aufgebaut
hat — wie ja auch alle unsere vergleichbaren
Nachbarländer, wenn Sie an die Zöllner hier und die
Alpini dort denken, die ja das Feld in bestimmten
Sportdisziplinen in aller Welt dominieren.
Entscheidend bei alledem ist, daß wir,
ungeachtet struktureller Unterschiede in den
Trainingserfordernissen der Verbände — und die sind ganz
erheblich —, ein Stützpunktsystem zur Verfügung
unserer Hochleistungssportler halten, das bundesweit
alle Standorte des Spitzensports umfaßt.
Um dies zu gewährleisten, hat der Bund gerade
im Berichtszeitraum eine Reihe von Maßnahmen
durchgeführt und eingeleitet. So wurden Mittel
bereitgestellt, — um hier nur einiges beispielhaft
herauszugreifen — für die Honorare von
Stütztpunkttrainern, für die ergänzende Geräteausstattung der
Stützpunkte, für die Anmietung
unterhaltsintensiver Sportanlagen, für ergänzende Baumaßnahmen
und für Fahrt-, Verpflegungs- und Massagekosten
der Spitzensportler selbst. Dabei stellen wir, wie
aus den unserem Bericht beigefügten Grundsätzen
für die Anerkennung von Stützpunkten zu
entnehmen ist, an die Stützpunkte bestimmte
Anforderungen, die den Notwendigkeiten entsprechen, die sich
aus dem jeweiligen Stand der Entwicklung im
internationalen Hochleistungssport ergeben.
Da danach Stützpunkte nach Ablauf von ein bis
zwei Jahren regelmäßig neu anerkannt werden
müssen, eröffnet sich hierdurch die Möglichkeit einer
kontinuierlichen Erfolgskontrolle der
Stützpunktarbeit. Gerade darin zeigt sich, wie ich meine, die
Flexibilität dieses Systems der Stützpunkte. Wo
nichts mehr an Spitzenathleten heranwächst oder
das Leistungsniveau absinkt, kann die Konsequenz
nur heißen, daß anderen Trägern die Chance
geboten werden muß, als Stützpunkt gefördert zu
werden. Solche ständige Konkurrenz zwischen
möglichen Trägern von Stützpunkten fördert auch hier,
ohne daß es dazu dirigistischer Reglementierungen
bedarf, die Leistung und kann so der Sache des
Sports nur nützlich sein.
Die damit geschaffene Elastizität und Flexibilität
des Stützpunktsystems und damit der
Sportförderung insgesamt verdeutlichen im übrigen einmal
mehr, daß der von der CDU/CSU angeregte
Bundessportplan
(Dr. Schäuble [CDU/CSU]: Der eine sehr
gute Sache wäre!)
demgegenüber starre Festschreibungen zur Folge
hätte, die der Sportwirklichkeit nicht gerecht
werden könnten.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Deshalb wollt
ihr ihn nicht haben!)
Um dem Spitzensportler, der im Interesse der
gesamtstaatlichen Vertretung unseres Sports Opfer
bringt und, wie ich einmal gesagt habe, auf einige
Jahre buchstäblich Lebensverzicht leistet, eine faire
Chance auch im beruflichen Leben zu geben, bedarf
es zugleich seiner sozialen Betreuung. Sie ist ein
entscheidender Faktor seiner Motivation heute
überhaupt. Ich meine die Förderung am Mann, die
von der sozialen Absicherung während der
Ausübung des Leistungssports bis hin zur schulischen
und beruflichen Förderung während, aber auch nach
der sportlichen Laufbahn reichen muß. Wenn wir
hier nicht den Staatsamateur östlicher Prägung,
sondern eine unserer freiheitlichen Gesellschaft
angemessene Regelung haben wollen, so kann diese
Aufgabe nur durch private Bürgerinitiative gelöst
werden, wie sie die Stiftung Deutsche Sporthilfe
übernommen hat.
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe versucht hierzu
die private Spendenbereitschaft zu mobilisieren.
Unbefriedigend ist freilich — auch das muß man
nüchtern feststellen —, daß inzwischen die finanzielle
Basis der Stiftung nur noch zu einem geringeren
Teil auf eingeworbenen privaten Mitteln beruht und
die öffentliche Hand in immer stärkerem Maß
durch Umschichtung der finanziellen Lasten der
Stiftung auf den eigenen Haushalt sowie mittelbar
durch andere Initiativen für die Lebensfähigkeit der
Bundesminister Dr. Dr. h. c. Maihofer
Stiftung Deutsche Sporthilfe Sorge tragen muß. Die
Bundesregierung wird die Stiftung allein im Jahre
1976 deshalb um rund 2 Millionen DM von
bestimmten von ihr zunächst übernommenen Aufgaben
entlasten.
Dennoch, die zu erwartenden Erlöse aus der
„Glücksspirale" und den
„Olympiazuschlagsmarken", um die auch ich mich bemüht habe, werden
hier sicherlich — und das ist eine erfreuliche
Feststellung — entscheidende Hilfe nicht nur für das
Jahr 1976, sondern auch für den Start in jene Periode
bis 1980 bringen.
Nun, ich will nicht den Eindruck hervorrufen, als
ob wir Grund hätten, mit Sport und Sportförderung
in unserem Lande restlos zufrieden zu sein, so schön
die Zahlen glänzen, auch einige, die ich Ihnen hier
vorgeführt habe. Hierbei meine ich weniger den
allseits zu Recht beklagten Nachholbedarf in der
Sportwissenschaft als vielmehr die beklagenswerte
Situation im Schul- und Hochschulsport.
Die Überintellektualisierung unseres
Bildungssystems hat in dieser Hinsicht — im Unterschied
etwa zu den USA und zu Großbritannien — ein
Vakuum entstehen lassen, durch das die Chance
verlorengeht, den Sport auch als Bildungsfaktor
wirklich zum Tragen zu bringen, in der Schule
ebenso wie in der Hochschule. Darüber hinaus — und
dies möchte ich als der für den Spitzensport
zuständige Minister des Bundes besonders beklagen —
bedeutet die Misere vor allem des Schulsports zugleich
die entscheidende Kalamität auch in der Talentsuche
und Talentförderung überhaupt. Manches
hoffnungsvolle Talent muß so einfach verkümmern, weil es
nicht rechtzeitig entdeckt oder gar gefördert werden
kann.
Hierunter leidet auch die an sich sehr
erfolgversprechende Aktion „Jugend trainiert für Olympia",
denn wie eine Umfrage ergeben hat, kommen die
Spitzentalente selbst in der Schulzeit fast
ausschließlich aus den Vereinen und nicht aus den Schulen.
Auf diesem Gebiet des Sports an Schule und
Hochschule müssen wir weiter ansetzen, um
grundlegende Wandlungen herbeizuführen. Deshalb
sollten alle, die für diesen Bereich verantwortlich sind,
sich an einem Tisch zusammenfinden, um
gemeinsam einen Weg aus der gegenwärtigen Misere
unseres Schul- und Hochschulsports zu suchen. Aus der
Sicht des Bundes könnten für die hier gebotenen
Schritte nach der heute noch unbefriedigenden Lage
des Breitensports wie des Spitzensports in unserem
Lande der Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für
Olympia", die Bundesjugendspiele, die Förderung
wissenschaftlicher Kooperationsmodelle zur
Integration von Schul- und Vereinssport sowie
schließlich eine Fortschreibung des „Aktionsprogramms für
den Schulsport" Ansatzpunkte bieten. Ein
Diskussionsforum für alle diese Initiativen wäre sicher
auch die Deutsche Sportkonferenz, in der alle
Sachverständigen aus Staat und Sport in Bund und
Ländern zusammenwirken.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU]: Und sich dann
auch an das halten, was sie beschließen!)
— Das kann ich Ihnen buchstäblich vorführen und
abhaken, wenn Sie daran Interesse haben. Aber ich
möchte hier nicht allzuviel an Erfolgsbilanzen
vortragen; auch als derzeitiger Präsident der Deutschen
Sportkonferenz möchte ich das nicht tun.
Wie ich zu verdeutlichen versucht habe, sind wir
erst auf dem Wege zu einer angemessenen
Förderung des Sports in unserem Lande. Wir sollten
nüchtern genug sein, einzugestehen, daß wir unsere Ziele
auch weiterhin nur Schritt für Schritt, das ist sicher
ein mühseliger und langwieriger Weg, erreichen
können. Wir sehen deshalb — dieses abschließende
Wort sei mir gestattet — der bevorstehenden großen
Herausforderung der Olympischen Spiele nur mit
skeptischem Optimismus entgegen. Sollten sich
jedoch auch nur unsere gedämpften Erwartungen
erfüllen, wird auch dies uns in unserer
Entschlossenheit nur bestärken, auf dem bisher eingeschlagenen
Weg der Sportförderung in einem freiheitlichen
Staat in dem Geist partnerschaftlichen
Zusammenwirkens mit dem freien Sport tatkräftig
weiterzugehen. Schon in seinen ersten Anfängen erweist er
sich als ein erfolgversprechender Weg.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Vizepräsident von Hassel: Bevor wir in der
Aussprache fortfahren, teile ich folgendes mit. Wir haben
zu Beginn der Sitzung auf Grund einer
interfraktionellen Vereinbarung einen weiteren Punkt auf die
Tagesordnung gesetzt, der die
Kaufmannseigenschaft von Land- und Forstwirten betrifft.
Inzwischen ist eine interfraktionelle Vereinbarung
getroffen worden, wonach dieser Punkt heute wieder
abgesetzt, also nicht verhandelt wird.
(Heiterkeit)
Wir fahren in der Aussprache fort. Das Wort hat
der Herr Abgeordnete Dr. Schäuble.
Dr. Schäuble (CDU/CSU): Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Wenige Tage vor Beginn der
Olympischen Winterspiele versucht die
Bundesregierung mit der Vorlage ihres Sportberichts die
Aufmerksamkeit auf ihre angeblich so großen
Leistungen in der Sportförderung zu lenken. Natürlich sind
die Sportförderungsmittel in den den letzten Jahren
erheblich gestiegen, Herr Bundesminister, obwohl
die realen Beträge — Sie haben die Steigerung von
50 % seit dem Jahre 1969 genannt — unter
Berücksichtigung der von Ihnen verschuldeten
Inflationsraten — rechnen Sie das einmal nach — sehr
stark an Glanz verlieren. Aber das Entscheidende
ist doch, daß die Effizienz dieses Mitteleinsatzes
nach wie vor außerordentlich kritisch zu beurteilen
ist. Der Sportbericht zeigt, daß der
Kompetenzwirrwarr innerhalb der Bundesregierung mit elf
zuständigen Ressorts für die Sportförderung nach wie vor
nicht überwunden ist.
Wie schwerfällig und bürokratisch die
Bundesregierung auch auf diesem Gebiet arbeitet, wird
schon durch die Tatsache bewiesen, daß dieser
Sportbericht im September 1975 dem Parlament hätte
vorgelegt werden müssen. Wenn der deutsche Sport,
Herr Minister, mit derselben Verspätung wie die
Bundesregierung arbeiten würde, dann wären die
Olympiateilnehmer für Innsbruck etwa zum
Zeitpunkt der Spiele in Montreal fit.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Mit einer rechtzeitigen Vorlage des Berichts wäre
dem Sport und dem Parlament mehr gedient
gewesen als mit dieser vorolympischen Schau. Im übrigen
ist die Frage des internationalen Standards unserer
Spitzensportler aber keineswegs nur ein Problem,
wieviel Steuergelder dafür ausgegeben werden. Die
entscheidende Frage ist vielmehr, ob in unserem
Staat und in unserer Gesellschaft eine
Grundeinstellung vorhanden ist, die Leistungen, auch
Höchstleistungen, im Sport bejaht, begünstigt und
unterstützt. So lange wir zu unseren Olympiateilnehmern
ein Verhältnis haben, das nur in der kurzfristigen
Hingabe von Steuergroschen zum Erwerb
olympischer Medaillen besteht, so lange verstehen wir die
Probleme und Bedürfnisse unserer Leistungssportler
nicht. Sie brauchen eine grundsätzliche
Leistungsbereitschaft in unserer Bevölkerung, die sich mit
dem individuellen Leistungsstreben der
Spitzensportler solidarisiert, und zwar auch und gerade bei
jenen Sportlern, denen der erhoffte Erfolg — etwa in
Innsbruck oder Montreal — versagt bleibt.
Auf diesem Feld der allgemeinen Einstellung zur
Leistung liegen die entscheidenden Mängel, für die
diese Bundesregierung die Verantwortung trägt.
Wir anerkennen das persönliche Engagement des
zuständigen Ministers durchaus, und wir haben, Herr
Minister, Wort gehalten mit unserem Versprechen,
Sie auf diesem Wege zu unterstützen. Aber wenn ich
an viele Äußerungen insbesondere aus dem Bereich
Ihres Koalitionspartners zum Leistungssport denke,
habe ich bei Ihrem Eintreten für den Leistungssport
in dieser Regierung den Eindruck, daß Sie
kunstvolle Pirouetten auf sehr brüchigem Eis drehen.
Wenn ich nur an das jahrelange Tauziehen um
die Sportbriefmarke und die Glücksspirale erinnere,
so wird deutlich, welch hinhaltender Widerstand
gegen eine langfristige, kontinuierliche
Finanzausstattung der Stiftung Deutsche Sporthilfe und damit
gegen eine soziale Sicherung unserer
Spitzensportler geleistet wird. Diese Probleme, Herr Minister,
sind noch immer nicht gelöst; denn eine
Zuschlagmarke nur für 1976 reicht nicht aus, wenn wie schon
an die Spiele von 1980 denken müssen. Sie haben
hier der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß wir diese
Briefmarke in den kommenden Jahren bekommen.
Ich würde meinen: Stimmen Sie unserem Antrag
nachher zu! Im übrigen teile ich die Hoffnung, daß
eine neue Regierung ab Herbst dieses Jahres diese
Briefmarke verwirklichen wird.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Herr Minister, das Gerangel um die Glücksspirale
geht offensichtlich weiter. Alle diese Fragen
verschweigt Ihr Sportbericht, der insbesondere seiner
Aufgabe nicht gerecht wird, auch über Pläne und
Absichten der Bundesregierung auf dem Gebiet der
Sportförderung Rechenschaft zu legen. Ihr Bericht
zeigt keinerlei Konzeption und
Zukunftsperspektiven auf, und er vermag deshalb nicht jene
Transparenz in der Sportförderung für die Beteiligten, für
den Sport zu schaffen, deretwegen wir einen
Bundessportplan gefordert haben.
Wenn Sie jetzt im Bericht „Leitlinien eines
Leistungssportprogramms" vorlegen, so kann das den
von uns geforderten Leistungssportplan überhaupt
nicht ersetzen; denn — von allen Einzelfragen
abgesehen — eine solche Planung kann dem
partnerschaftlichen Verhältnis von Staat und Sport nur
gerecht werden, wenn sie eben verbindlich und offen
erfolgt. Sie aber ziehen es vor, Ihre Richtlinien unter
Ausschaltung des Parlaments und hinter
verschlossenen Türen aufzustellen. Wir lesen die Worte
„Partnerschaft" und „Subsidiarität" in dem Bericht
mit großem Vergnügen — allein, es fehlt der
Glaube, wenn wir an die manchmal schon grotesken
Exzesse denken, die Sie in der Praxis mit der
institutionellen Förderung, insbesondere des Deutschen
Sportbundes, treiben.
Was eigentlich vermag der Deutsche Sportbund
mit seinen über 13 Millionen Mitgliedern noch in
eigener Zuständigkeit zu entscheiden, wenn er über
jede Position seines Haushalts mit den Beamten des
Bundesinnenministeriums hinter verschlossenen
Türen feilschen muß — mit all den Rücksichtnahmen,
die ein so kleinlicher Zahlmeister gebietet?! Nur ein
vom Parlament zu beschließender Rahmenplan, wie
ihn die CDU/CSU fordert, ermöglicht den freien
Sportorganisationen eine langfristige
eigenverantwortliche Planung ihrer Arbeit und wird damit den
Prinzipien von Partnerschaft und Subsidiarität
gerecht. Nur so wird Freiheit und Eigenverantwortung
für den Sport gesichert.
Wir anerkennen, daß in den zurückliegenden
Monaten einige unserer Forderungen — nicht zuletzt
auf Grund unseres Drängens — zumindest teilweise
verwirklicht worden sind. Die Sportbriefmarke für
1976 stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar.
Das gilt auch für die Glücksspirale — wenn sie
endlich kommt. Der Weg, daß Spitzensportler beim
Hochschulzugang als Härtefälle anerkannt werden
können, scheint freigeräumt. Die Förderung des
Leistungssports in der Bundeswehr verdient große
Anerkennung.
Entscheidende Probleme aber bleiben weiter
ungelöst. Ich nenne nur einige Beispiele:
Zusätzliche Kapazitäten zur Trainerausbildung
reichen nicht aus, solange es nicht gelingt, eine
vernünftige Berufslaufbahn mit Übergängen etwa auch
zum Sportlehrer zu schaffen, die soziale Sicherheit
gibt und Flexibilität ermöglicht.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Die soziale Sicherung für Leistungssportler, heute
wohl das entscheidende Problem, bleibt
unbefriedigend, und der Sportbericht zeigt kaum
weiterführende Perspektiven auf. An die Stiftung Deutsche
Sporthilfe darf man sich eben nicht nur in Olympia
-
Jahren erinnern, sondern man muß ihr, etwa durch
eine jährlich wiederkehrende Sportbriefmarke, einen
dauernden Zugang nicht zu öffentlichen Mitteln,
Herr Minister, sondern zur Spendenbereitschaft
breiter Bevölkerungskreise sichern.
Die bürokratische Schwerfälligkeit bei der
Erstattung von Kosten, die die Deutsche Sporthilfe für die
öffentliche Hand, etwa bei den Sportinternaten,
übernimmt, muß endlich aufhören.
Für Spitzensportler muß nicht nur beim
Hochschulzugang, sondern auch in der beruflichen
Bildung und in der Arbeitsplatzsicherung ein Ausgleich
für Nachteile gefunden werden, die durch die
Konzentration auf den Leistungssport entstehen.
Zur Frage einer besseren Auslastung mancher
Bundesleistungszentren vermissen wir jeden
Hinweis im Sportbericht.
Die Probleme des innerdeutschen Sportverkehrs
und der Einbeziehung Berlins übergeht der
Sportbericht schamhaft.
Für die Führungs- und Verwaltungsschule des
Deutschen Sportbundes in Berlin ist nach
jahrelangem Hin und Her ein Baubeginn auch in diesem
Jahr erneut fraglich, und wenn jetzt die Folgekosten
als Vorwand dafür genommen werden, dann stellt
sich die Frage, warum dieses Problem nicht ebenso
gelöst werden kann wie bei der Trainer-Akademie.
Überprüft man beim Katalog der Empfehlungen
der Deutschen Sportkonferenz, den Sie im Anhang
zum Sportbericht aufführen, den Stand der
Verwirklichung, dann kommt man zu einem ganz
anderen Ergebnis, Herr Minister, als Sie dies hier
vorgetragen haben. Denn man findet, daß gerade die
wichtigsten Empfehlungen der Deutschen
Sportkonferenz nicht oder nicht vollständig verwirklicht
worden sind. Dies gilt vor allem für die Beschlüsse auf
steuerlichem Gebiet, mit denen den Sportvereinen
der nötige finanzielle Spielraum für ihr bedeutendes
Engagement geschaffen werden soll. Die
Spendenbescheinigungskompetenz steht nach wie vor aus,
und bei der Verabschiedung der Abgabenordnung
vor wenigen Wochen haben Sie das abgelehnt, was
Sie in der Deutschen Sportkonferenz mit
beschlossen hatten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir haben die Sorge, daß die Gängelung der
Sportvereine, denen man den nötigen finanziellen
Freiraum nicht gönnt, weiter zunimmt. Nicht, daß
der Forschungsauftrag zur Soziologie des
Sportvereins, über den der Sportbericht auffallend
ausführlich berichtet, am Ende dazu dient, daß die
Bundesregierung Vereinsstrukturen vor- oder
festschreiben will! Wir werden solchen Versuchen
entschieden wehren. Wir wollen die Freiheit im Sport, und
wir wissen, daß die großen Aufgaben des Sports
durch das ehrenamtliche und eigenverantwortliche
Engagement unzähliger Bürger in den Sportvereinen
besser gelöst werden können als durch
bürokratische oder ideologische Bevormundung.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir hören mit großer Besorgnis die zunehmenden
Aufforderungen aus der SPD, etwa durch ihren
Fraktionsvorsitzenden, an ihre Mitglieder,
sozialdemokratische Politik auch in den Sportvereinen
durchzusetzen. Die sozialistische Nostalgie des
Arbeitersportvereins, die hier und da Mode wird —
wenn ich nur an die Reden der Kollegen Schirmer
und Wende bei Akademietagungen erinnern darf —,
zielt offensichtlich in dieselbe Richtung. Wir wollen,
meine Damen und Herren, keine überwundenen
Klassenschranken ausgerechnet im Sport
wiederaufbauen.
(Beifall bei der CDU/CSU — Dr. Carstens
[Fehmarn] [CDU/CSU] : Sehr gut! — Vogel
[Ennepetal] [CDU/CSU]: Überall dieser
Klassenkampf! — Zurufe von der SPD)
— Ich weiß, daß Sie, das trifft. Ihre Unruhe bestätigt
dies ja sehr deutlich. Sie können nachlesen, was in
Ihrem Handbuch zur Wahlkampfstrategie abgedruckt
ist: „Dokumente zur praktischen Parteiarbeit", 5/75,
A 1 bis 15. Ich habe es hier. Wenn Sie wollen, bin
ich gern bereit, Ihnen das einmal vorzutragen.
(Vogel [Ennepetal] [CDU/CSU] : Kann man
das mal vorlesen? — Dr. Jenninger [CDU/
CSU]: Was stehen da für Märchen darin?)
Meine Damen und Herren, für uns hat der Sport
eine eminent politische Funktion. Aber wir wollen
keine Parteipolitisierung der Sportvereine.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Für die CDU/CSU ist der Sport — wir stimmen den
grundsätzlichen Ausführungen im Sportbericht
insoweit zu — eine hervorragende Möglichkeit der
Selbstverwirklichung des Menschen in Freiheit,
wobei sich Leistungs- und Breitensport ergänzen und
gegenseitig befruchten. Die Chance individuellen,
freien Leistungsstrebens für Behinderte und
Gesunde, für Männer und Frauen, für alt und jung, für
Spitzen- und Freizeitsportler ist das faszinierend
Großartige am Sport.
Die CDU/CSU trägt dazu bei, diese Chance zu
erhalten und weiterzuentwickeln. In diesem Sinne
fühlen wir uns auch mit den Teilnehmern aus der
Bundesrepublik Deutschland an den Olympischen
Spielen in Innsbruck und Montreal solidarisch,
(Beifall bei der CDU/CSU)
und zwar bei Erfolgen ebenso wie bei etwaigen
Mißerfolgen.
(Dr. Carstens [Fehmarn] [CDU/CSU] : Sehr
gut!)
Die Zahl der zu erringenden Medaillen wird für uns
bei dieser Sicht des freiheitlichen Leistungsstrebens
von untergeordneter Bedeutung bleiben. Natürlich
werden wir uns mit unseren Athleten über Erfolge
freuen, aber wir werden sie auch bei Niederlagen
nicht allein lassen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vizepräsident von Hassel: Das Wort hat der Herr
Abgeordnete Wende.
Wende (SPD) : Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Der Sportbericht 1975
stellt in seiner Gesamtheit ein Beweisstück
erfolgreicher Sportpolitik der Bundesregierung und der
Koalitionsfraktionen dar, auch wenn er etwas
verspätet eingegangen ist, wie ich gern einräume.
Dies aber, Herr Kollege Dr. Schäuble, ist auch nicht
ganz ohne Ihr Zutun geschehen — das sollten Sie
der Fairneß halber auch erwähnen—, denn es war
Ihre Fraktion, die im Sportausschuß dafür plädierte,
daß man, was den Ausschußbericht anbelangt, erst
die Ergebnisse der Plenardebatte abwarten solle, die
dann eventuell noch in den Sportbericht hätten
einfließen können. Sie sind also auch ein wenig
mit beteiligt. Das sollten Sie, weil wir hier vom
Sport reden, auch in Fairneß eingestehen.
Nur die Opposition also vertritt die Auffassung,
der Bund erfülle seine sportpolitischen
Verpflichtungen unzureichend. Wie sehr sich die CDU/CSU
in Spekulationen begibt und von der Wirklichkeit
der Sportförderung entfernt ist, beweist in diesen
Tagen die Abgabe der seltsamsten Prognosen über
die Erfolge der Sportler aus der Bundesrepublik
Deutschland bei den bevorstehenden Olympischen
Spielen. Damit sollen offenbar offizielle
Einschätzungen des Bundesausschusses zur Förderung des
Leistungssports und des Nationalen Olympischen
Komitees übertüncht werden,
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Können Sie nicht
konkreter werden?!)
daß die Vorbereitungsmöglichkeiten für die
Leistungssportler der Bundesrepublik Deutschland noch
nie so umfassend und zufriedenstellend waren wie
in dieser vorolympischen Phase. Auf Grund des
bisherigen, einem kreuzworträtselartigen Verhalten
gleichkommenden Verhaltens der CDU/CSU ist
kaum zu erwarten, daß die Opposition in
absehbarer Zeit eine nüchterne Betrachtung einseitigen
Thesen vorzieht, wie wir sie auch jetzt wieder von
Herrn Kollegen Dr. Schäuble gehört haben.
Ich möchte deshalb nur einmal einen
Gesichtspunkt beispielhaft herausgreifen, der für die
Qualität einer sogenannten christdemokratischen
Sportpolitik kennzeichnend ist. Als die CDU/CSU den
für die Sportpolitik verantwortlichen
Ressortminister stellte, waren für den ganz überwiegenden Teil
der deutschen Sportler an den Olympischen
Spielen 1968 die Voraussetzungen für eine
sportmedizinische Vorsorge nicht gegeben. Die
Unverantwortlichkeit dieser Haltung und die sich daraus
ergebenden Resultate sind bekannt. Inzwischen stehen den
Sportorganisationen ein Netz von 16
sportmedizinischen Zentren und entsprechende Einrichtungen in
den Leistungszentren zur Verfügung,
(Tillmann [CDU/CSU] : Das haben Sie doch
nicht allein gemacht!)
die sicherstellen, daß alle leistungssportlich
erfaßten Sportler eine umfassende medizinische
Betreuung erhalten können. Es muß deshalb
überraschen — lassen Sie mich auch das ganz offen
aussprechen , wenn das Bundesinstitut für
Sportwissenschaft und der Bundesausschuß Leistungssport
des Deutschen Sportbundes Erkenntnisse gewonnen
haben, daß die Auslastung dieser Zentren durch
die Verbände und die geschlossene computermäßige
Speicherung und Auswertung der
Untersuchungsergebnisse eine intensive Überprüfung erfordern.
Dieser Aufgabe sollte sich der Sportausschuß des
Deutschen Bundestages im Zusammenwirken mit
der Bundesregierung und den Sportorganisationen
baldmöglichst widmen.
Was nun die Sportpolitik der Opposition angeht,
so besteht dort offensichtlich eine extreme Neigung,
die sportliche Entwicklung eines Landes fast
ausschließlich an einer Medaillensammlung zu messen,
auch wenn Sie in Ihrem Vortrag, Herr Dr. Schäuble,
vorhin gleich nach der anderen Seite hin verbal
Vorkehrungen getroffen haben.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Das ist immer
Pech, wenn das Manuskript nicht stimmt!
Das ist immer schlecht!)
Sie kaschieren damit Ihr eigenes Unvermögen mit
großen Sprüchen und versuchen sich einen
parteipolitischen Tummelplatz durch unerfüllbare
Versprechungen und rigorose Anbiederungsversuche
im Bereich der Sportorganisationen zu schaffen.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Den wollen Sie
doch schaffen!)
Ich erinnere nur an Ihre Agitationswelle bis in die
Vereine hinein im Zusammenhang mit der Reform
der Abgabenordnung.
(Vogel [Ennepetal] [CDU/CSU] : Herr
Wende, wenn der Wehner Sie hörte, wäre
er aber böse! Sie erfüllen nicht die Auf
-
gabe, die er Ihnen gestellt hat!)
CDU/CSU-Vertreter beschuldigen zwar permanent
die Koalitionsfraktionen und die Bundesregierung
unzureichender Sportförderungsleistungen,
operieren dann allerdings in der Öffentlichkeit nach der
Taktik: entweder ist alles unzureichend oder das,
was sich leider nicht verschweigen läßt, hat die
CDU/CSU als selbsternannter Schutzpatron des
deutschen Sports durchgesetzt. Da die
Oppositionsparteien keine geschlossene und
gesellschaftspolitisch ernst zu nehmende Konzeption für die
Sportförderung in unserem Lande vorweisen können,
bemühen sie sich in erster Linie, andere
demokratische Parteien bei Sportvereinen und
Sportverbänden madig zu machen, allerdings ohne Erfolg.
(Dr. Evers [CDU/CSU] : Das macht Ihr doch
auch!)
Wenn sie sich dabei vorrangig der deutschen
Sozialdemokraten als eines Schreckgespenstes
bedienen, wie das soeben wieder in puncto
leistungssportlicher Einstellung zu hören war, so spricht das
nach meiner Auffassung durchaus für uns. Wäre es
anders, müßten wir ja berechtigte Zweifel an dem
Vorhandensein einer eigenständigen
sozialdemokratischen Sportpolitik haben, die sich eben im
Gegensatz zu den Unionsparteien vor allem — und
dazu stehen wir — auf die Traditionen und Werte
der Arbeitersportbewegung in Deutschland stützt,
auf das Godesberger Programm der SPD, auf die
sportpolitischen Leitsätze unserer Partei sowie auf
das soeben auf dem Mannheimer Parteitag
verabschiedete kommunalpolitische Grundsatzprogramm
und den Orientierungsrahmen `85.
Wir haben in dieser Debatte vom Sprecher der
CDU/CSU wieder diese Finesse gehört, nur die
Vertreter der CDU/CSU seien die Wächter der
Interessen des Leistungssports. Die Antwort darauf hat
Ihnen der Vorsitzende unserer Fraktion kürzlich in
einer analytisch klaren Feststellung gegeben.
(Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Treibt der auch
Sport?)
Die CDU/CSU ist offensichtlich bemüht, so etwas
wie eine „neue soziale Frage" im Leistungsport
zu konstruieren. Nachdem sich allerdings auch in
den Bemühungen um eine sinnvolle Einbeziehung
von Leistungssportlern bei der Anerkennung als
Härtefall für die Zulassung zum Hochschulstudium
in Numerus-clausus-Fächern durch die
Bundesländer ein Erfolg abzeichnet, wie Sie selbst
eingestehen, müssen Sie sich, meine Damen und Herren
von der CDU/CSU, baldmöglichst eine neue
Hauptfrage in dieser Richtung einfallen lassen.
(Tillmann [CDU/CSU] : Es gibt Probleme
genug!)
Deshalb möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um
für meine Partei und für die sozialdemokratische
Bundestagsfraktion dies zu unterstreichen: Die SPD
hat und hatte niemals ein gestörtes Verhältnis zur
Leistung und damit auch nicht zum humanen
Leistungssport. In diese Ecke lassen wir uns auch durch
konservative Kraftakte nicht drängen.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Ihr Verhältnis
zur Leistung ist so schlecht, wie Ihre Lei
-
stungen sind!)
Hingegen sind in der CDU/CSU Tendenzen
erkennbar, die auch im Sport das egoistische
Gruppendenken begünstigen und Exzesse mit
nationalistischen und chauvinistischen Untertönen
hinnehmen oder ihnen nicht deutlich entgegentreten.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Der Minister
Maihofer! — Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Er
läuft zur Hochform auf! — Vogel (Ennepe
tal] [CDU/CSU] : Wer hat Ihnen denn den
Blödsinn aufgeschrieben?)
Dazu gehören auch Verhaltensweisen, die den
Weltsport zu einem Hilfsmittel im sogenannten
Wettkampf der Systeme degradieren.
(Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Das glaubt er
ja selber nicht!)
Wir haben es deshalb als wohltuend und richtig
empfunden — dies wurde durch das nationale und
internationale Echo bestätigt -, daß der
sozialdemokratische Bundeskanzler Helmut Schmidt in
seiner Rede aus Anlaß der 25-Jahr-Feier des
Deutschen Sportbunds im Dezember letzten Jahres
erklärte, daß die Zahl von Medaillen im Sport nichts
über die Freiheit in einer Gesellschaft, nichts über
die Gerechtigkeit in einer Gesellschaft und auch
nichts über den Wohlstand in einer Gesellschaft
aussagt. Das Gegenteil sollten wir uns nicht
einreden lassen, auch von der CDU/CSU nicht.
Wenn wir diese Sportler nur noch als Mittel
einer unversöhnlichen Konkurrenz der Systeme
ansehen, werden der Weltsport und damit auch die
Olympischen Spiele der noch vorhandenen
humanen, kulturellen und moralischen Werte rigoros
beraubt.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Schattenboxen!
— Tillmann [CDU/CSU] : Gegen wen reden
Sie eigentlich?)
Deshalb sagen wir: eigenes sportliches Engagement
der Bevölkerung — ja, übertriebene nationalistische
Gefühle im Sport nein.
Es entspricht dem Selbstverständnis
sozialdemokratischer Sportpolitik, daß wir den Verein, sein
Wirken und die freiwillige Tätigkeit seiner
Mitarbeiter in das Zentrum unserer
Förderungsbemühungen stellen. Deshalb blieb es wohl auch der
CDU/CSU überlassen, im Zusammenhang mit dem
verdienstvollen Beitrag der Vereine für die Bürger
in unserem Lande von einem „schlafenden Riesen"
zu sprechen.
Vor diesem Hintergrund begrüßen wir
nachdrücklich die im vorliegenden Sportbericht deutlich
gewordene Tendenz, den Sport als gesamtstaatliche
Aufgabe zu behandeln und die umfassenden
Förderungsmöglichkeiten des Bundes bis hin zu
vereinsfördernden Maßnahmen extensiv zu nutzen.
Wie wenig die CDU/CSU bereit und fähig ist, die
Aufgaben der rund 43 000 Sportvereine in der
Bundesrepublik Deutschland richtig einzuschätzen,
haben die Beratungen zur Reform der
Abgabenordnung gründlich bewiesen, bei denen Sie
bekanntermaßen mehr den Großverein und weniger die
Vielzahl der mittleren und kleineren Vereine im Auge
hatten.
(Zustimmung bei der SPD — Dr. Schäuble
[CDU/CSU] : Sie kennen wohl die Interessen
der Sportvereine besser als die Sportver
eine selbst! — Tillmann [CDU/CSU] : Da
sind Sie aber auf dem Holzweg! — Weiterer
Zuruf von der CDU/CSU: Das ist eine völ
lige Verdrehung!)
Inzwischen kann die Opposition eigentlich selbst
nicht mehr bestreiten, daß es sich hierbei um die
umfassendsten steuerlichen Regelungen für den
Amateursport handelt, die es jemals in unserem
Lande gegeben hat.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Aber nicht die
besten! Der Würgegriff wird immer här
ter! — Tillmann [CDU/CSU] : Völlig unzu
reichend!)
— Verbesserungen sind immer noch möglich. Von
Ihnen werden wir allerdings Ratschläge dafür nicht
erwarten können; das hat ja auch die heutige
Debatte gezeigt.
(Beifall bei der SPD)
Falls Sie aber — hiermit möchte ich die CDU/
CSU-Mitglieder des Sportausschusses, die aus
Baden-Württemberg stammen, ansprechen — immer
noch das Gegenteil behaupten sollten, darf ich
Ihnen eine Nachhilfe durch den Herrn
Finanzminister von Baden-Württemberg empfehlen.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Ein vorzüglicher
Finanzminister! Wenn Sie einen so guten
Mann hätten, dann hätten wir nicht 40 Mil
liarden DM Schulden!)
— Er ist ein guter Mann; er ist in Stuttgart
möglicherweise in der falschen Fraktion. Das gebe ich
gern zu.
Sie können es aber auch zeitsparender und
einfacher haben, wenn Sie die Stellungnahme von
Herrn Finanzminister Gleichauf vom 9. Januar
dieses Jahres zu einem Antrag der CDU-Fraktion des
Landtags von Baden-Württemberg — Drucksache
6/8699 — nachlesen. Sie hätten das vor Ihrer Rede
tun sollen, Herr Dr. Schäuble.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU]: Sie werden doch
noch einmal Landtagsabgeordneter!)
Sie werden dort eine Bestätigung für die
Richtigkeit unserer Auffassung finden. Es dürfte Ihnen
auch nicht entgangen sein, daß Sie mit Ihren
utopischen Vorstellungen auch bei den CDU/CSU-
regierten Bundesländern im Bundesrat keine Zustimmung
gefunden haben. Von den steuerpolitischen
Scheingefechten aus Ihren Reihen blieb lediglich das
Resümee: viel Lärm uni nichts.
(Beifall bei der SPD)
Es liegt also an den Oppositionsparteien, ihr
gestörtes sportpolitisches Verständnis wieder zu
ordnen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Sie haben über
-
haupt kein Verständnis!)
Wir begrüßen es, daß die Bundesregierung im
Sportbericht auch der Deutschen Sportkonferenz
eine ausführliche Betrachtung gewidmet hat. Eine
vorurteilslose Überprüfung kann dazu beitragen,
die auch in vielen Bereichen der
Sportorganisationen nur grundsätzlich negative Beurteilung etwas
zu korrigieren. Wesentliche Gründe dafür, daß der
Arbeit der Deutschen Sportkonferenz überwiegend
der Stempel der Abwertung aufgedrückt wird, sehen
wir in folgendem: erstens in den zu hohen
Erwartungen, die an dieses Gremium gestellt worden sind;
zweitens in der offenbar noch nicht überall deutlich
gewordenen Selbstverständlichkeit, daß ein solches
Forum vor allem der Diskussion und Information
dienen soll und daß auf das faire Streiten um
Tendenzen, Ziele, Möglichkeiten und Zeiträume unter
demokratischen Gesichtspunkten nicht verzichtet
werden darf; drittens in der Tatsache, daß vielfach
immer noch der Eindruck vorherrscht, die Deutsche
Sportkonferenz sei lediglich ein Ort für die
Übergabe von wohlfeilen Wünschen und Forderungen
der Vertreter der Sportorganisationen an die
Verantwortlichen der Parlamente und Regierungen in
Bund und Ländern, die diese dann tunlichst so
schnell wie möglich in die Wirklichkeit
umzusetzen hätten. Da aber alle sportpolitisch tätigen
Kräfte dieses Gremium in guter Absicht gemeinsam
geschaffen haben, möchte ich diese Gelegenheit
nutzen, auch an die zuständigen Kollegen der CDU/
CSU und der FDP zu appellieren, daß wir nunmehr
auch gemeinsam — noch mehr als bisher — bemüht
sind, die Möglichkeiten und Chancen der Deutschen
Sportkonferenz realistisch und zukunftweisend zu
überprüfen und zu nutzen.
(Vogel [Ennepetal] [CDU/CSU] : Erst ist er
gegen uns, dann will er, daß wir es gemein
sam machen!)
Lassen Sie mich abschließend einige
Anmerkungen zu dem vorliegenden Antrag des
Sportausschusses machen. Der Inhalt des Antrages ist ganz
wesentlich ein Ergebnis der Großen Anfrage zur
Sportpolitik, die die Koalitionsfraktionen im Februar
1974 eingebracht haben. Dieser Antrag ist dazu
geeignet, neue Entwicklungen in der Sportpolitik
frühzeitig zu erkennen und die erforderlichen
organisatorischen und finanziellen Notwendigkeiten
einzuleiten. Der Bund hat seine
Sportförderungsmöglichkeiten in den letzten Jahren in einer bisher nicht
gekannten Weise genutzt. Das Förderungsvolumen
liegt gegenwärtig bei weit mehr als 200 Millionen
DM. Angesichts der dynamisch sich entwickelnden
Funktion des Sports im Leben unserer Bürger und
in den internationalen Beziehungen muß sich auch
der Sport aus gesamtstaatlichen Gründen in seiner
Zuständigkeit und für das Zusammenwirken mit den
Bundesländern und den Organisationen des Sports
den veränderten Gegebenheiten frühzeitig anpassen.
Dazu gibt dieser Antrag eine wesentliche
Hilfestellung. Ich darf Sie deshalb für die
sozialdemokratische Bundestagsfraktion bitten, dem Antrag des
Sportausschusses zuzustimmen.
Lassen Sie mich noch eine kurze Bemerkung zu
dem vorliegenden Änderungsantrag der CDU/CSU-
Fraktion machen. Wir werden diesen Antrag
ablehnen.
(Tillmann [CDU/CSU]: Bedauerlich!)
Er ist nach unserer Auffassung sachlich nicht
begründet.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Natürlich nicht!)
Hinsichtlich der Frage der Anerkennung von
Leistungssportlern als Härtefall bei der Zulassung zum
Hochschulstudium in Numerus-clausus-Fächern
haben die Kultusminister der Länder eine Regelung
zugesagt, die sowohl dem Wunsch der Deutschen
Sportkonferenz als auch der Auffassung des
Sportausschusses des Deutschen Bundestages entspricht.
Wir sehen nicht ein, weshalb bei dem derzeitigen
Sachstand das wiederholt werden soll, was allseits
bekannt und auch akzeptiert worden ist.
In Punkt 2 des Änderungsantrages der Opposition
wird völlig ignoriert, daß der Punkt 2 des
gemeinsamen Ausschußantrages die Interessen der
Stiftung Deutsche Sporthilfe bereits hinreichend
berücksichtigt.
(Dr. Evers [CDU/CSU] : Das stimmt aber
nicht!)
Da die Bundesregierung mit den beteiligten
Organisationen ohnehin eine generelle Erörterung über
die künftige Herausgabe von Sonderpostwertzeichen
mit Zuschlagserlösen führen wird, erscheint es mir
wenig sinnvoll, dem Ergebnis vorzugreifen.
Unbestritten ist aber auch, daß der Finanzbedarf der
Stiftung Deutsche Sporthilfe für 1976 und 1977 auch
durch die Zuschlagserlöse der Sportsondermarke
1976 und der im Herbst wieder einsetzenden
Fernsehlotterie „Glücksspirale" gedeckt werden kann. Da
allein die Erlöse aus der diesjährigen
Sportsondermarke wahrscheinlich bei mindestens 8 Millionen
DM liegen werden, kann damit gerechnet werden,
daß nicht unerhebliche Beträge Rücklagen zugeführt
werden können.
Irrig ist in dem Änderungsantrag auch die
Feststellung, die Spendenbereitschaft in dem Bereich der
Wirtschaft zugunsten der Stiftung Deutsche
Sporthilfe sei durch die wirtschaftliche Lage gedämpft
worden. Ich weiß nicht, ob der Vorsitzende der
Stiftung diese Behauptung unwidersprochen quittieren
möchte. Letztlich sind die Spenden, von denen hier
die Rede ist, ja nicht unbedingt gönnerhaft
motiviert, sondern sie sind ja auch steuerlich voll
absetzbar.
Eine letzte Bemerkung. Die Kollegen der CDU/
CSU sollten auch bedenken, daß die Gründer der
Stiftung Deutsche Sporthilfe einmal mit der Devise
angetreten sind, ihre Programme durch Spenden aus
Industrie und Wirtschaft
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Der Wirtschaft
geht es dank Ihrer verfehlten Politik immer
schlechter!)
sowie durch freiwillige Aktionen innerhalb der
Bevölkerung zu finanzieren.
(Tillmann [CDU/CSU] : Das ist ja bei der
Briefmarke der Fall!)
Ich halte es nicht für gut, wenn dieser Weg immer
mehr verlassen wird und die Mittel ganz
überwiegend auf direktem oder indirektem Weg aus dem
öffentlichen Bereich kommen.
Unsere Bereitschaft, die Stiftung Deutsche
Sporthilfe in angemessener Weise zu unterstützen, haben
wir im Ausschußantrag ausreichend deutlich
gemacht. Deshalb bitten wir, den Änderungsantrag der
CDU/CSU-Fraktion auf Drucksache 7/4637
abzulehnen.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Vizepräsident von Hassel: Das Wort hat der
Abgeordnete Hoffie.
Hoffie (FDP) : Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Lassen Sie mich nur mit einigen wenigen
Bemerkungen auf das eingehen, was Herr Dr.
Schäuble hier als erster Redner der Opposition
erklärt hat. Ich bedaure eigentlich, daß die Opposition
hier mit ihrer ersten Darstellung anstelle einer
sicher wünschenswerten kritischen
Auseinandersetzung einmal mehr nur auf billige Polemik
ausgewichen ist.
(Vogel [Ennepetal] [CDU/CSU] : Die Wahr
-
heit tut immer weh!)
Das gilt besonders für Ihre Bemerkung, Herr Dr.
Schäuble, das Feilschen zwischen DSB und BMI sei
eine bedauerliche Sache.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Fragen Sie doch
einmal! Sie haben doch keine Ahnung!)
Sie wissen sehr genau, daß sich die Beratungen in
Wirklichkeit in sehr geordneten Formen und
genauso vollzogen haben, wie es der Haushalts- und
Rechnungsprüfungsausschuß verlangt. Ganz übersehen
haben Sie ja offenbar auch, daß die Planungs- und
Realisierungsgespräche das Instrumentarium sind,
das den Finanzbedarf der Spitzenverbände so
gezielt bedient, wie es kein noch so schöner Sportplan,
wie er Ihnen vorschwebt, tun könnte.
Die sehr starken Veränderungen in der
Teilnehmerzahl bei Wettkampf- und Lehrgangsmaßnah
men über das laufende Jahr hinweg ist auch
Ihnen bekannt. Sie wissen genau, daß man dem mit
einer Festschreibung von Förderungsbeträgen im
Jahr davor in der Tat nicht gerecht werden kann.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Das wollte kein
Mensch!)
Zur Sache, meine Damen und Herren: Die
Millionenzahlen im 200 Seiten starken Sportbericht der
Bundesregierung sagen allein sicher noch nichts
über Geist und Ziel aus, die hinter der Förderung
des Sports in der Bundesrepublik Deutschland
stehen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 1976 hat
der Bundesinnenminister, Herr Professor Maihofer,
mit seinen programmatischen Darlegungen die
Partnerschaft zwischen Politik, Staat und Sport umrissen.
Dies war, wie wir meinen, deshalb so wichtig, weil
wir unter diesem Zusammenspiel etwas ganz
anderes verstehen als z. B. die DDR, auf deren
erfolgreiches Sportsystem wir so gerne schielen und deren in
Innsbruck und Montreal zu erwartenden olympischen
Medaillen sicherlich wieder genügend Anlaß für
eine neue Diskussion über den Sport in unserem
Lande geben werden.
Die Sportsysteme in den beiden deutschen Staaten
sind nicht vergleichbar, selbst einzelne Maßnahmen
nicht untereinander übertragbar, weil dahinter
entgegengesetzte politische Grundauffassungen stehen.
Bundeskanzler Schmidt hatte absolut recht, als er
anläßlich der 25-Jahr-Feier des DSB in der
Frankfurter Paulskirche sagte:
Es wäre schlimm, wenn wir im verständlichen
Wunsch, uns sportlich nicht unterbuttern zu
lassen, unseren Sport auf den Weg einer
Ideologie bringen, der uns letztlich von unseren
freiheitlich-demokratischen Prinzipien
wegführen würde.
Meine Damen und Herren, Politik, Staat und Sport
messen das Ergebnis ihrer Partnerschaft nicht allein
an Meistern und Medaillen, Siegen und Rekorden
des Spitzensports, die ein interessantes und
sicherlich auch heiß begehrtes Teilergebnis sind, sie
spielen vielmehr mit dem Ziel des Sports für alle Bürger
in unserem Lande zusammen, das auf den
feinsinnigen Aphorismus von Jean Giraudoux hinausläuft:
Laßt die Greise eines Landes an Euch
vorüberziehen, und Ihr werdet sehen, wie es dort um
den Sport bestellt ist.
Ein freier Sport dieser Vorstellung kann sich eben
nur in einem freiheitlichen Staatswesen entfalten,
das die persönliche Initiative seiner Bürger auf
allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens fördert
und auf jeglichen staatlichen Dirigismus verzichtet.
Diese freiheitlich-rechtsstaatliche Ordnung bietet
auch die Grundlage für unsere plurale
Sportorganisation, in der sich alle weltanschaulichen
Richtungen, alle gesellschaftlichen Schichten,
wirtschaftlichen Interessen und beruflichen Rollen entfalten
können, sofern sie ihrerseits die vorgegebenen
satzungsmäßigen Ordnungen beachten. Im Vergleich zu
allen anderen Sportsystemen ist der so gezogene
Rahmen für das pluralistische Kräftespiel der
denkbar weiteste, der liberalste und sicher auch der
humanste.
Die Sportbewegung nimmt ihre politische Aufgabe
ernst, jedem auf diesem Feld die gleichen Rechte
und Chancen in der Mitbestimmung und in der
Mitverantwortung zu geben. In dieser Gesinnung
begegnen sich Sport und Staat „als gleichberechtigte
Partner; nicht mehr, aber auch nicht weniger"
(Genscher). Der Sport selbst beginnt, hierbei ein neues
politisches Selbstverständnis zu finden und die
alten Komplexe aus einem — angesichts der NS-
Vergangenheit und der Nachbarschaft zum sozialistisch
ausgerichteten Staatssport — mißverstandenen
„unpolitischen Sport" abzuwerfen. „Parteipolitisch
neutral, aber politisch handlungsfähig" — so stellt sich
der Deutsche Sportbund nach seinem Präsidenten
Willi Weyer heute dar.
Der Wiederaufbau dieser Turn- und
Sportbewegung gehört mit zu den großen deutschen
Nachkriegsleistungen. Sport und Staat dürfen stolz
darauf sein. Dabei ist der Sport aus dem nur privaten
Vergnügen einiger weniger herausgetreten und zum
gesellschaftlichen Anliegen vieler Bürger geworden.
Er ist heute alles andere als nebensächlich und
gehört mit zu jenen Kräften, mit denen wir unser
Leben gestalten.
Mit dem Leistungsdenken drängt auch der Sport
stärker nach vorn. Gleichzeitig kommen mit der
größeren Freizeit des Menschen in unserer
industriellen Gesellschaft aber auch veränderte
Anforderungen auf den Sport zu. Wir begrüßen es, wenn
sich die Vereine öffnen und auch weiterhin den
politischen Willen, freiwillig in gemeinschaftlicher
Solidarität zu leben, symbolisieren. Für die Kraft
unserer Demokratie ist diese bürgerliche Leistung gar
nicht hoch genug anzusetzen.
Der Spielraum in des Wortes ursprünglicher
Bedeutung wird zu einem wichtigen Lebensraum,
wobei immer deutlicher wird, daß der Sport in seiner
Spitze und mächtigen Breite kein einheitliches
Phänomen darstellt, sondern sich nach der Art von
Bedürfnissen, die von ihm befriedigt werden sollen,
differenziert. Gelingt es, die sozialen, biologischen
und pädagogischen Funktionen des Sports im
Wandel unserer Gesellschaft mit der Organisation des
Vereins weiterhin zu verbinden, dann müßte auch
das ohne wirklich tiefgreifende Schwierigkeiten
überwunden werden können, was gelegentlich heute
als die Krise des Sports diagnostiziert wird.
Mit dieser grundsätzlichen Vorbemerkung wird
das staatliche Engagement gegenüber dem Sport
erklärt, so wie es die FDP in ihren liberalen
Leitlinien zur Sportpolitik umrissen hat. Es geht um die
weitere Ausgestaltung des Beitrages der 13-
Millionen-Bewegung des Sports für eine bessere
Lebensqualität und um die Entfaltung seiner Bildungs-,
Freizeit-, Erholungs- und Sozialwerte, die — auch
angesichts der ehrenamtlichen Leistung von über
einer Million freiwilliger Helfer — niemals allein
mit staatlicher Förderung, mit Gemeinnützigkeit
oder mit Steuerfreibeträgen abgegolten werden
können.
Der Anteil von Bund, Ländern und Gemeinden an
der bisherigen Entwicklung des Sports wird damit
überhaupt nicht geschmälert, sondern die Eigen
-
leistung des Sports wird nur ins richtige Licht
gerückt werden, eine Eigenleistung des Sports, ohne
die ein demokratisches Staatswesen nicht
auskommt, da der Staat eben nicht alles allein machen
kann und auch nicht alles allein machen soll.
Ich möchte meine Ausführungen nicht dazu
nutzen, die Aufmerksamkeit dieses Hauses und die
der Bundesregierung gegenüber dem Sport noch
weiter zu verdeutlichen. Das wird heute ohnehin
ausgiebig geschehen. Es soll vielmehr der Blick
darauf gelenkt werden, um was es uns politisch geht.
Dabei muß der Sport allerdings auch von dem
Irrtum freigehalten werden, daß er die „preiswerteste
Reparaturwerkstatt für verbeulte Arbeitnehmer" ist,
wie Jürgen Dieckert dies gesagt hat. Dies wäre zu
eng gesehen: Der Sport will mehr für den Menschen,
und der Mensch will mehr vorn Sport!
Lassen Sie mich aber dennoch im Sinne des
Wortes, daß Gesundheit eben nicht alles ist, aber ohne
Gesundheit alles nichts ist, fragen: Was soll aus
unserem Leben werden, wenn immer mehr Menschen
mit 40 Jahren aus dem Arbeitsprozeß ausscheiden?
Was soll aus unserem hart errungenen Wohlstand
werden, wenn wir nicht mehr gesund genug sind,
um uns an ihm zu erfreuen? Und schließlich: Was
soll aus unserer politischen Verantwortung werden,
wenn uns das allgemeine Wohlbefinden unserer
Bürger als Basis für ihre Wahrnehmungen
verlorengeht?
Die Zahlen, meine Damen und Herren, die diese
Fragestellungen belegen können, sind bestürzend:
Sie wissen, daß durch Bewegungsmangel ausgelöste
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems unsere
Volkswirtschaft jährlich mit Folgekosten mit mehr
als 10 Milliarden DM belasten. Krankheiten des
Kreislaufsystems verursachen hierzulande einen
Ausfall von fast 30 Millionen Arbeitstagen. Nur zum
Vergleich: Alle Streiks seit 1959 haben zusammen
weniger als 20 Millionen Arbeitstage gekostet.
Vornehmlich wegen der Folgen des Bewegungsmangels
scheiden heute zwei Drittel unserer Arbeiter und
Angestellten zehn Jahre früher aus dem
Erwerbsleben aus.
Wie lange, so ist zu fragen, wollen wir eigentlich
noch mit ansehen, wie der Fortschritt seine Kinder
frißt?
„Epidemien gleichen Warntafeln", schrieb vor
125 Jahren der berühmte Arzt und liberale Politiker
Rudolf Virchow, „an denen der Staatsmann großen
Stils ablesen kann, daß im Entwicklungsgang seines
Volkes Störungen aufgetreten sind, die selbst eine
sorglose Politik nicht übersehen darf." Diese
Warnung Virchows ist heute aktueller denn je. Den
Herzinfarktgeschädigten wird inzwischen
wohldosierter Sport verordnet. Warum halten wir den
Menschen nicht vorher, in Kindergarten und Schule,
schon gezielt zu einem lebenslangen sportlichen
Training an, das ihm Glück, Freude und persönliche
Entfaltung bringt? Bei der Bundeswehr, die sich
vorbildlich bemüht, ist es oft schon zu spät.
Für die behinderten Menschen, für ältere
Mitbürger kann der Sport Hilfe bei der Rehabilitation
und in der Unterstützung therapeutischer
Maßnahmen geben. Der Sport kann einen Beitrag zur
Resozialisierung straffällig gewordener Bürger leisten.
Die Integration ausländischer Arbeitnehmer in
unserer Gesellschaft kann durch den Sport gefördert
werden. Dieses sind Dinge, die wir oft gehört haben,
deshalb erkennen wir vorbehaltlos alle
Hilfestellungen an, die durch den Sport, insbesondere in seinen
Vereinen, in diesem sozialen Bereich gegeben
werden. Wir unterstützen die im Sportbericht
genannten Maßnahmen der Bundesregierung.
Natürlich, meine Damen und Herren, wir leben
nicht in einer reglementierten Gesellschaft, in der
die Menschen gezwungen sind, ihr Leben im
Interesse des Staates zu gestalten. Wir alle sind frei und
können denken und handeln, wie wir wollen. Doch
wenn wir diese Freiheit behalten wollen, für uns
selbst und für die kommenden Generationen, dann
müssen wir auch gewillt sein, uns jene körperlichen
Kräfte anzueignen, die mit denen des Geistes, des
Willens und des Mutes untrennbar verbunden sind.
Vizepräsident von Hassel: Herr Abgeordneter
Hoffie, gestatten Sie eine Zwischenfrage des
Abgeordneten van Delden?
Hoffie (FDP): Ich möchte jetzt auf Zwischenfragen,
so interessant es wäre, aus Zeitgründen nicht
eingehen, weil mir die Zeit so knapp vorgegeben ist.
Wir werden danach sicher gerne darüber
diskutieren.
Wenn wir den Schulsport einmal unter diesem
Aspekt betrachten, so erkennen wir, wie wahr der
Bundeskanzler gesprochen hat, als er sagte, daß die
Lage des Schulsports in unserem Lande „schlechthin
unerträglich" ist. Dies mag nur symptomatisch für die
gesamte Schulwirklichkeit sein. Aber — so müssen
wir fragen — wie lange wollen wir uns damit noch
abfinden?
Wir haben gerade kürzlich, meine Damen und
Herren, die gesetzlichen Voraussetzungen für eine
angemessene Arbeitszeit und Leistung unserer
Jugend geschaffen. In unserem Land gibt es, bis auf
wenige Ausnahmen in künstlerischen und
sportlichen Bereichen, keine Kinderarbeit mehr. Dagegen
haben wir es bis heute nicht erreicht, in der Schule
einen Sportunterricht anzubieten, der qualitativ und
quantitativ den Erfordernissen unserer
heranwachsenden Jugend entspricht. Die FDP sieht die von ihr
immer wieder geforderte und in ihren Leitlinien zur
liberalen Sportpolitik verankerte tägliche
Sportstunde in weite Ferne gerückt. Wir richten hiermit
erneut einen eindringlichen Appell an die Länder,
in dieser wirklich wichtigen Frage voranzukommen.
Die FDP-Fraktion wird dem Bundesminister des
Innern jede Unterstützung erteilen, entsprechende
Initiativen gegenüber den Kultusministern der Länder
zu ergreifen.
Bund, Länder und Gemeinden, meine Damen und
Herren, haben insgesamt, wie der Sportbericht
ausweist, für die Entwicklung des Sports wichtige
Voraussetzungen geschaffen und auch in den letzten
Jahren trotz angespannter Finanzlage durchweg
mehr öffentliche Mittel für die Sportförderung
bereitgestellt. Auch wenn Sie, Herr Dr. Schäuble,
Inflationsraten dagegenstellen wollten, sind es
unbestritten mehr Mittel. Was angesichts der
hochbedeutsamen gesellschaftspolitischen Aufgabe des
Sports verhindert werden muß — darin stimmen wir
sicher alle überein —, ist der Rückfall auf ein
Nullwachstum im Sport.
Mit diesem Ziel wird es jetzt darauf ankommen,
die Zuständigkeiten auf allen drei Ebenen zu
überdenken und danach zu trachten, durch klare
Kompetenzregelungen gezielter als bisher zu fördern. Erste
Ansätze sind im Sportbericht der Bundesregierung
zu erkennen. Der Bundesminister des Innern hat
insbesondere mit seinem flexibel angelegten
Leistungssportprogramm die Richtung gewiesen:
Konzentration des Bundes auf den Spitzensport und
Konzentration der Länder und Kommunen auf den Breiten -
und Freizeitsport. Sie, meine Damen und Herren von
der Opposition, sind, so meine ich, mit Ihren
Anregungen für einen Leistungssportplan gar nicht so
weit davon entfernt. Sie werden mir zugeben, daß
eine sehr frühzeitige und eine sehr starre
Festlegung insbesondere der finanziellen Förderung
nicht im Interesse der Sportverbände sein kann. Es
wäre ein falscher Ehrgeiz, wenn jede der
öffentlichen Hände alles machen wollte.
In diesem Sinne ist es zu begrüßen, daß der Bund
den Vereinen mit Forschungsaufträgen
konzeptionelle Hilfestellung zu geben sucht. Ich weiß nicht,
Herr Dr. Schäuble, ob es nicht sehr fragwürdig ist,
wenn Sie sagen, mit diesen Forschungsaufträgen
könnte der Versuch gemacht werden, die Vereine
an die Kandare zu nehmen oder sie zu gängeln.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Haben Sie den
Bericht überhaupt gelesen? Was steht denn
drin? Sagen Sie es doch, wenn Sie ihn ge
-
lesen haben!)
Ich meine, die Forschungsaufträge sind für die
Arbeit der Vereine wichtig und geben ihnen
konzeptionelle Hilfestellung. Die Vereinsförderung sollte
aber ausschließlich Angelegenheit der Länder und
Kommunen sein.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Er hat ihn wirk
lich nicht gelesen!)
Die FDP unterstreicht heute erneut ihre alte und
als richtig, weil sinnvoll, erkannte Auffassung vom
Subsidiaritätsprinzip, wonach der Staat nur dann
hilfreich eingreift, wenn die eigenen Mittel der
Sportorganisation nicht ausreichen.
Als der Sport im Jahre 1967 nicht in den Rang
einer Gemeinschaftsaufgabe erhoben wurde, war die
Deutsche Sportkonferenz drei Jahre später der
gemeinschaftliche Versuch, alle wichtigen Fragen der
Förderung des Sports zwischen Bund, Ländern,
Gemeinden und den Sportorganisationen zu
koordinieren. Alle Beteiligten haben sich davon viel
versprochen, die DSK hat aber davon, wie wir
beobachten mußten, nur wenig gehalten. Wir brauchen
eine koordinierte Sportförderung auf allen Ebenen.
Sie ist allerdings mit dem ständigen Verweis auf die
Kompetenzen nicht zu erreichen. Um so mehr sollte
die Struktur der DSK noch einmal überdacht werden,
damit wir mit der Koordination der Sportförderung
weiter vorankommen.
Die im Sportbericht der Bundesregierung
summierten Millionen für den Spitzensport sind imponierend.
Der Bundesinnenminister hat eine überzeugende
Leistungsbilanz vorgelegt und einen ermutigenden
Ausblick auf das weitere sportpolitische
Arbeitsprogramm gegeben, das von der FDP-Fraktion voll
unterstützt wird.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich an
dieser Stelle noch einige notwendige Worte zur
Leistung im Sport und dem sozialen Status des
Spitzensportlers sagen: Keine Frage, es muß Flagge
gezeigt werden! Die Leistung gehört nun einmal zu
den Grundelementen des Sports. Ohne Leistung gibt
es keinen Sport .
Uns geht es um die absolute Höchstleistung
einiger weniger ebenso wie um die persönliche
Bestleistung möglichst vieler Menschen. Je mehr wir im
übrigen über Leben und Leistung nachdenken, meine
Damen und Herren, desto eher kommen wir für den
Sport immer wieder auf die einfache Formel unseres
ersten Bundespräsidenten, Theodor Heuss: „Es gibt
keinen kapitalistischen Klimmzug und keine
sozialistische Bauchwelle — man kann es, oder man
kann es nicht!" Die Leistung im Sport bedarf keiner
besonderen Philosophie. Man kann nicht
eindringlich genug davor warnen, zu glauben, daß die
Aufgabe des Leistungsprinzips im Sport ohne Einfluß
auf andere gesellschaftliche Bereiche bleiben würde.
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe spielt an der
Nahtstelle zwischen Spitzensport und Gesellschaft
eine wichtige Rolle und verdient alle staatlichen
Hilfen für die Selbsthilfe, z. B. durch die
Sportbriefmarke 1976, deren Zuschlagserlös in voller Höhe
dem Sport zufließt, und natürlich auch durch die
Fernsehlotterie „Glücksspirale". Für beides haben
sich insbesondere meine Parteifreunde Werner
Maihofer und Wolfgang Mischnick tatkräftig und mit
Erfolg eingesetzt. Natürlich, meine Damen und
Herren von der Opposition, ist es sehr sportlich, wenn
die CDU/CSU in ihrem Änderungsantrag zu unserer
gemeinsamen Entschließung
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Sie haben wirk
-
lich keine Ahnung!)
nunmehr die jährliche Ausgabe einer Sondermarke
fordert. Ob dieses jedoch in die Realität umgesetzt
werden kann, werden wir gemeinsam zu prüfen
haben, Herr Dr. Schäuble.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Sie haben gar
nicht zugehört, weder gelesen noch gehört!)
Was die „Glücksspirale" angeht, bedauern wir,
daß sie durch die Vorbehalte der ARD und des ZDF
wieder in Schwierigkeiten gekommen zu sein
scheint. Die Rundfunkanstalten sollten sich
verpflichtet fühlen, meine Damen und Herren, gerade weil
sie einen ganz wesentlichen Teil ihres attraktiven
Programms mit dem Sport bestreiten, alles zu tun,
um den Erfolg der „Glücksspirale" sicherzustellen.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Meine Damen und Herren, die moderne
Gesellschaft erwartet heute von ihren Spitzensportlern,
daß sie sich jederzeit zur Verfügung halten. Sie
identifiziert sich mit ihnen und verleiht ihnen ein
ungewöhnliches Maß an Prestige. Unsere
Gesellschaft handelt aber verantwortunglos, wenn sie ihre
Spitzensportler in dem heute üblichen Maß in
Anspruch nimmt, von ihnen verlangt, daß sie der
Jugend mit gutem Beispiel vorangehen, asketisch
leben und Opfer vieler Art bringen, die Lösung der
aufgeworfenen sozialen Probleme in Schule und
Beruf mit dem Numerus clausus und verlorenen
Semestern dagegen dem einzelnen selbst überläßt.
Hier bleibt noch viel zu tun.
Man kann diese Debatte nicht ohne einen Blick
auf die modernen Olympischen Spiele schließen,
die mit denen der alten Griechen nichts mehr zu
tun haben, auch wenn immer wieder an sie
anzuknüpfen versucht wird. Es sind die Spiele unserer
Zeit, so gut und so schlecht wie die Welt, in der wir
leben.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU]: Jedenfalls besser
als Ihre Rede!)
Den Griechen — kein Zweifel — haben die Spiele
Frieden gebracht, ihren Frieden. Unsere Spiele
können nur die Hoffnung auf Frieden bestärken, selbst
Frieden zu stiften, vermögen sie nicht.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Überhaupt nicht
zum Thema!)
Das hat der Anschlag der palästinensischen
Terroristen auf die bis dahin heiteren Spiele von
München am 5. September 1972 weltweit vorgeführt.
Nicht erst seit diesem Tag sind die Olympischen
Spiele von Grund auf politisch. Mit ihren Prinzipien
setzen sie nämlich die politische Aufgabe der
Menschen, Völker und Staaten ins rechte Licht. Nicht
der Wettkampf oder gar der Sieg sind die
Grundlage der Spiele, sondern der Friede, der erst Sieg
und Niederlage vereint und versöhnt: Weil sie
beide zum Frieden, dieser höchsten politischen
Leistung der Menschen, beigetragen haben, kann der
Sieger sich freuen, braucht der Verlierer sich nicht
zu schämen.
Dies alles steht nicht mehr im Sportbericht der
Bundesregierung, meine Damen und Herren, und
es läßt sich auch nicht in Prozentzahlen staatlicher
Sportförderung ausdrücken, so daß man daraus
ableiten könnte, wie abhängig oder unabhängig der
Sport in unserem Lande doch sei. Dies alles hat
eigentlich gar nichts mit Zahlen zu tun, sondern nur
damit, wie wir es mit unserem
Demokratieverständnis halten. Dennoch scheint es mir wichtig zu sein,
daß dies in dieser Stunde ausgesprochen wird, damit
die politische Linie aufgezeigt wird, auf der wir
angetreten sind. Die Entscheidungen in diesem
Hohen Hause und in den beteiligten Bundesministerien
werden schneller und werden sicherer fallen, wenn
alle wissen, was hinter den Zahlen steht: ein großes
Programm bürgerlicher Selbsthilfe nämlich, dessen
freie und freiwillige Leistung ungezählter stiller
Helfer die subsidiäre staatliche Förderung zum
Wohle des einzelnen und der Gesellschaft
vervielfacht, wie wir es sonst kaum noch kennen.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Vizepräsident von Hassel: Das Wort hat Herr
Abgeordneter Spilker.
Spilker (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine Damen
und Herren! Wenn man einmal den Dritten
Sportbericht der Bundesregierung betrachtet, ihn einmal
durchblättert und sich sein ausführliches
Inhaltsverzeichnis ansieht, dann müßten eigentlich alle
Interessierten aus dem Bereich des Sports, der
Politik und von den Regierungsparteien
verstehen, warum die Opposition bereits vor Jahren,
nämlich schon in der letzten Legislaturperiode, einen
Bundessportplan beantragt und vorgelegt hat. Das
tat sie nicht, Herr Minister, wie Sie in der
Sportdebatte des Bundestages am 4. November 1974
meinten, um den Sport zu verplanen oder gar mehr
Bürokratie in den Sport eindringen zu lassen — das
liegt uns fern —, sondern um den Sport und seine
Verbände mit ihren mehr als 40 000 Vereinen freier
und unabhängiger zu machen. Es entspricht nicht
der Politik der CDU/CSU-Fraktion, nach mehr Staat
zu rufen; im Gegenteil! Das gilt auch für den
Deutschen Sportbund angesichts seiner nach unserer
Auffassung noch zu starken Abhängigkeit von der
Bundesregierung, wie der Präsident des Deutschen
Sportbundes, Willy Weyer, vor nicht allzu langer
Zeit einmal kritisch bemerkte.
Unser Bundessportplan, meine Damen und
Herren, sollte mehr Überblick verschaffen, mehr
Gewißheit für den Sport bringen und endlich einmal
den Wirrwarr von Zuständigkeiten beenden, der
für den Außenstehenden, für den Sportler, für die
Vereine kaum noch zu durchschauen ist. Wenn wir
nach dem Durchblättern des Sportberichts — des
„vorolympischen" Sportberichts — dazu
übergehen, ihn zu lesen und seinen Inhalt zu studieren,
werden wir daran gleich erinnert. Über die
Zuständigkeiten heißt es dort:
Innerhalb der Bundesregierung ist der
Bundesminister des Innern für alle Angelegenheiten
des Sports zuständig, soweit nicht
ressortakzessorische Sonderzuständigkeiten anderer
Minister bestehen.
Das ist eigentlich nicht die Sprache des Sports,
meine Damen und Herren. Dieser Satz über
Zuständigkeiten bedarf keines weiteren Kommentars.
In der heutigen Debatte darf ich für unsere
gesamte Fraktion noch einmal betonen, daß es bei
unserer alten, Ihnen bekannten Forderung nach
möglichst großer Unabhängigkeit und
Eigenverantwortlichkeit des Sports bleibt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn wir weniger Staat fordern, meine Damen
und Herren, mögen Sie ruhig wieder einmal einen
Blick auf die Sportförderung in Rheinland-Pfalz oder
im Freistaat Bayern werfen. Dort läßt der Staat dem
Bayerischen Landessportverband bei der Verteilung
der zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel
größtmögliche Freiheit. Das ist nach unserer Auff as
-
sung ein vorbildliches Modell für Sportförderung,
(Dr. Carstens [Fehmarn] [CDU/CSU] : Sehr
gut! — Beifall bei der CDU/CSU)
mit dem der Bayerische Landessportverband mit
seinen vielen tausend Vereinen äußerst zufrieden
ist.
Sie werden mir zugeben müssen, daß eine solche
Praxis nicht mehr, sondern gewiß weniger Staat be
deutet. Und Sie, Herr Minister, werden mir auch als
Jurist bestätigen, daß es sich hier nicht um
Verplanung oder gar um Verstaatlichung des Sports
handelt.
In der kurzen Zeit, die mir zur Verfügung steht,
darf ich noch einen ganz anderen Gedankengang
vortragen, der mir wichtig erscheint. In dem
Sportbericht der Bundesregierung wird auf mehreren
Seiten von der Sportförderung in den
Entwicklungsländern gesprochen, die wir im Grundsatz ebenfalls
begrüßen. Für den innerdeutschen Sportverkehr
haben Sie dagegen nur eine knappe Seite übrig, und
ich muß Ihnen hier ausdrücklich bestätigen, daß Sie
hier auch nichts zu bieten haben. Herr Kollege Dr.
Müller-Emmert erklärte in diesem Zusammenhang in
der bereits erwähnten 131. Sitzung des Deutschen
Bundestages, für die Deutschland- und Ostpolitik der
Bundesregierung seien ganz fraglos Vorbehalte
abgebaut und neue Beziehungen eingeleitet und
entwickelt worden. Ob er das wohl noch glaubt, meine
Damen und Herren? Ob er heute noch zu seinen
damaligen Ausführungen steht, nach denen die
Zugehörigkeit des Westberliner Sports zu den
Sportorganisationen der Bundesrepublik Deutschland für
die Sozialdemokraten eine Selbstverständlichkeit
ist?
Wir können hier ganz aktuell werden und
feststellen, daß es durch eine Vereinbarung zwischen
dem Deutschen Sportbund und dem Deutschen Turn-
und Sportbund der DDR tatsächlich „gelungen" ist,
für 1976 sage und schreibe 62 Wettkampftermine
festzulegen.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Das ist der Er
folg der Ostpolitik!)
Davon sind allerdings 44 internationale
Veranstaltungen mit multilateraler Beteiligung.
Wie steht es nun mit West-Berlin und seinen
Bindungen zum Bund? Wir kennen doch die Versuche
der Sowjetunion, diese auszuhöhlen. Uns ist auch
die Forderung der Sowjetunion bekannt, zu
nichtstaatlichen Veranstaltungen in Berlin nicht nur von
der veranstaltenden Organisation — wie das sonst
üblich ist —, sondern darüber hinaus vom Berliner
Senat eingeladen zu werden.
Das, meine Damen und Herren, ist ein weiterer
Schritt der Sowjetunion — und zwar nach Abschluß
des Viermächteabkommens —, die Bindung
zwischen West-Berlin und dem Bund neu zu
interpretieren und eine Besserung zugunsten der Sowjetunion
zu erreichen.
Sie werden vielleicht fragen, was das mit dem
Sport zu tun hat. Sehr viel! Oder stimmt es etwa
nicht, meine Damen und Herren, daß sich die
Sowjetunion anläßlich der Vorbereitungen zu den im März
dieses Jahres in Berlin stattfindenden
Sprintweltmeisterschaften im Eisschnellauf wiederum so verhalten
hat? Was ist das — um konkret zu sein — für ein
Theater mit der Einladung der Sowjetunion zu
diesen Meisterschaften? Warum verlangt sie eine
besondere Einladung des Senats, nachdem wir uns
hier im privaten, im sportlichen, aber ganz gewiß
nicht im staatlichen Bereich befinden?
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Sehr richtig!)
Meine Damen und Herren, die Sowjetunion
versucht seit langem, entgegen dem
Viermächteabkommen auch für Veranstaltungen nichtstaatlicher
Organisationen in West-Berlin eine Einladungspraxis
durchzusetzen, die eine Trennung West-Berlins vom
Bund dokumentieren soll. Wenn
Regierungssprecher Grünewald von einer zwischen der
Bundesregierung und der Regierung der Sowjetunion
entwikkelten neuen Einladungsformel für nichtstaatliche
Veranstaltungen spricht, durch die es der
Sowjetunion ermöglicht werden soll, in solchen Fällen
Vertreter nach West-Berlin zu schicken, so müssen
wir das wohl glauben, auch wenn diese Äußerungen
im Widerspruch zur Äußerung von Staatsminister
Moersch in der Fragestunde des Deutschen
Bundestages vom 15. Januar dieses Jahres stehen.
Wir wissen, daß über eine solche Formel bereits
seit Jahren verhandelt und gesprochen wurde, und,
meine Damen und Herren, Sie raten sicher nicht
falsch, wenn Sie hier an den damaligen
Sonderminister Bahr denken, der bei solchen Verhandlungen,
die wir nicht kannten, Spezialist war. Es handelt
sich im übrigen um eine Formel, die vom Deutschen
Sportbund nicht anerkannt worden ist, um eine
Formei, die es der Sowjetunion im Augenblick wieder
ratsam und politisch aussichtsreich erscheinen läßt,
neue Forderungen zu stellen, wie jetzt auch bei den
Sprintweltmeisterschaften in Berlin, von denen ich
eben sprach, bei denen ebenfalls eine zusätzliche
Einladung des Berliner Senats gefordert wird.
Fast wäre es ihr gelungen, ihr Ziel zu erreichen,
oder, wie eine bekannte deutsche Zeitung neulich
schrieb, fast hätte der Kreml den Berliner Senat aufs
Eis gelockt, den Senat, von dem Staatsminister
Moersch in der Fragestunde, die ich eben erwähnte,
sagte, er stehe in dieser Frage im ständigen Kontakt
mit der Bundesregierung.
Warum, meine Damen und Herren, erwähne ich
dies alles? Vor Jahren hat es zwischen dem
westlichen und dem östlichen Teil Deutschlands
Sportveranstaltungen in einem Ausmaß gegeben,
von dem man heute nur noch träumen kann. Das
verschlechterte sich zwar — daran kann es keinen
Zweifel geben —, ist aber nach dem
Viermächteabkommen und nach den Verträgen von Moskau und
Warschau gewiß nicht besser geworden. Die wenigen
Sportveranstaltungen im innerdeutschen Verkehr,
die zwischen den Spitzenorganisationen für ein
ganzes Jahr verabredet werden müssen, erfordern
gewiß einen — ich würde fast sagen — bombastischen
Aufwand. Wo gibt es das eigentlich in der
freiheitlichen Welt, wo gibt es das bei vernünftigen
Menschen? Ist das der Erfolg Ihrer Außenpolitik, Herr
Minister? Ist es der Erfolg der Deutschlandpolitik
dieser Bundesregierung? Ist das vielleicht sogar die
Freizügigkeit, von der man bei der KSZE immer
wieder gesprochen hat? Hier — das möchte ich doch
noch einmal mit Nachdruck betonen dürfen — ist die
Politik der Bundesregierung genauso erfolglos
geblieben wie auf anderen Gebieten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
In der gestrigen Debatte über die Lage der Nation
wurde unter anderem vom Bundeskanzler und von
Bundesminister Genscher über Außenpolitik, die
deutsche Nation, den Status von Berlin und
natürlich über Entspannungspolitik gesprochen. Auch und
gerade in dieser Sportdebatte möchte ich dies sagen:
Sicherlich soll der Sport zur Verständigung zwischen
Völkern und Menschen das Seine beitragen, weil er
dafür besonders geeignet ist. In den innerdeutschen
Beziehungen wird jedoch dieser Sport von der
anderen Seite politisch mißbraucht. Er wird mißbraucht,
um die internationale Position der Sowjetunion, der
DDR oder gar des Ostblocks zu verbessern.
(Dr. Carstens [Fehmarn] [CDU/CSU]: Lei
-
der wahr!)
Die Deutschlandpolitik und die Ostpolitik dieser
Bundesregierung waren — wie wir sehen — nicht in
der Lage, das zu verhindern. Dies, meine Damen und
Herren, steht nicht in dem Sportbericht dieser
Bundesregierung, über den wir heute debattieren.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vizepräsident von Hassel: Das Wort hat Herr
Abgeordneter Dr. Schmitt -Vockenhausen.
Dr. Schmitt -Vockenhausen (SPD) : Herr Präsident!
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das, was
hier von der Opposition gesagt wird, hat die
berühmten zwei Gesichter: Gestern ist alles verneint
worden; heute sagt Herr Kollege Spilker — was ja
auch gestern anklang —, man könne ohnehin nicht
mit der anderen Seite reden, und er beklagt dann,
daß die Bundesregierung nicht mehr erreicht habe.
Meine Damen und Herren, in Wirklichkeit —
das wissen Sie genau, Herr Kollege — ist auf den
vielfältigsten Gebieten sehr, sehr viel geschehen
und erreicht worden.
(Zuruf des Abg. Dr. Kraske [CDU/CSU])
— Herr Kollege Kraske, wir sind uns doch alle
einig: Sinn und Ziel aller Sport- und
Jugendbeziehungen muß es sein, daß sie sich unabhängig vom
Staat vollziehen. Wir wissen aber, das geht im
innerdeutschen Bereich, in der Dritten Welt und in
vielen anderen Teilen der Welt nicht ohne Hilfe und
Unterstützung des Staates, des Bundes und auch der
auswärtigen Vertretungen. Diese Hilfe haben wir
geleistet, und sie hat auf vielen Gebieten zu
hervorragenden Verbesserungen und besseren
Voraussetzungen geführt. Ich will noch einmal zum
innerdeutschen Sportverkehr auf das Protokoll des
Deutschen Sportbundes vom 8. Mai als Grundlage
verweisen. Es ist uns gelungen, die
Sportorganisationen von West-Berlin in die innerdeutschen
Beziehungen voll einzubeziehen. Das ist der
entscheidende Punkt.
Es geht um die zahlenmäßige Ausweitung und
einen möglichst unbürokratischen Abschluß
künftiger Begegnungen auf Vereins- und
Verbandsebene. Die Entwicklungen hat Herr Kollege Spilker
noch einmal in die Erinnerung zurückgerufen. Von
19 Begegnungen im Jahre 1970 sind wir immerhin
1975/76 auf 62 gekommen. Ich kann nur sagen: Wir
müssen diese Möglichkeiten ausnutzen und auch die
Organisationshilfen der Gemeinden in Anspruch
nehmen. Vielleicht ergibt sich auch hier ein Schritt
auf dem Wege zu kommunalpolitischen Kontakten.
Die SPD hat in ihrer Deutschlandpolitik den
Sport- und Jugendbeziehungen in diesem Sinne stets
einen hohen politisch-humanitären Rang zuerkannt.
Sie haben das anders gesehen. Ich darf nur daran
erinnern, mit welchen Geschossen Sie damals gegen
die sportpolitischen Leitsätze von 1964
vorgegangen sind, mit denen wir damals aufgefordert haben,
die 1961 unterbrochenen Sportbeziehungen
wiederaufzunehmen. Sie wollten das gar nicht. Heute sind
Sie auch da wieder in der Nachhut.
Meine Damen und Herren, Herbert Wehner hat
das kürzlich noch einmal verdeutlicht, indem er
erklärte:
Auch von den DDR-Verantwortlichen muß
erwartet werden, daß sie die eingegangenen
Verpflichtungen zum Nutzen der Sportler in
beiden deutschen Staaten ohne Klimmzüge und
vollinhaltlich erfüllen. Dies bedeutet zugleich,
daß die positiven Ergebnisse politischer
Vereinbarungen ebenfalls Auswirkungen auf die
Ausweitung der Sport- und Jugendbeziehungen
im innerdeutschen Bereich haben müssen. Die
SPD wird wie bisher als helfende und
beratende Kraft zur Verfügung stehen.
Meine Damen und Herren, wir sollten — nicht,
wie das gestern geschehen ist — dazu beitragen,
daß die zusätzlichen Möglichkeiten aus den
Schlußdokumenten der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa für die jungen Mitbürger
in allen Ländern genutzt werden können. Es wird
in zwei Jahren mit unsere Aufgabe sein, hier
einmal Bilanz zu ziehen.
Meine Damen und Herren, ich habe das Gefühl,
Sie melden sich immer nur dann zu Wort, wenn es
irgendwo im Getriebe knirscht, statt dazu
beizutragen, daß wir die Reibungsflächen vermeiden oder
beseitigen. Bei Ihrer Kritik sollten Sie auch nicht
übersehen, daß wir ohnehin fast 7 Millionen
Kontakte haben, wie das gestern deutlich gemacht
worden ist. Es sind viele Millionen junger Menschen,
die von diesen Kontakten Gebrauch machen. Sie
sind nun einmal in diesen innerdeutschen
Beziehungen kein wegweisender und vertrauenswürdiger
Partner, der Beziehungen ankurbelt, sondern Sie
befinden sich in diesen Fragen in der Nachhut.
Unser sportpolitischer Beistand gehört aber vor
allem den Vereinen und Verbänden in Berlin. Sie
kennen das. Das ist hier auch deutlich gemacht
worden und steht klar im Bericht der Bundesregierung.
Wir haben dem vom Deutschen Sportbund
geäußerten Wunsch entsprochen, die Errichtung einer
Führungs- und Verwaltungsschule für den Deutschen
Sportbund in Berlin zu fördern. Bei diesem
Vertrauensbeweis bleibt es. Trotz aller
Sparmaßnahmen ist der Anteil des Bundes inzwischen auf 2,7
bis 2,8 Millionen DM erhöht worden.
Meine Damen und Herren, daß Herr Wohlrabe
hier natürlich versucht, die zweifelsfreie
Bereitschaft der Bundesregierung in Frage zu stellen, ist
ein Teil seiner täglichen Strategie, in die Zeilen
der Presse zu kommen. Es wertet aber unsere
Bemühungen für Berlin nicht ab. Die sich abzeichnende
Entwicklung zur Ausrichtung der Eisschnellauf-
Weltmeisterschaft in Berlin zeigt erneut, daß es den
selbstverständlichen Bindungen und der
Zusammengehörigkeit der Menschen in Berlin und im
Bundesgebiet wenig dienlich ist, auf jede TASS-Zeile
oder Ostberliner Stimme aufgeregt zu reagieren und
die Aufgeregtheiten auch noch durch eigene
Beiträge anzureichern.
Meine Damen und Herren, noch niemals sind so
viele internationale Sportveranstaltungen auch
unter Beteiligung der DDR und osteuropäischer Länder
in Berlin vor sich gegangen und wird es noch geben
wie zwischen 1974 und 1978, von der
Fußballweltmeisterschaft bis zu den Schwimm-
Weitmeisterschaften des Jahres 1978.
Bei unseren Bemühungen gilt auch hier, das
Zusammenleben mit den Völkern in Ost- und
Südosteuropa durch Sport- und Jugendbeziehungen zu
unterstützen. Sie wissen, daß wir bei der
Normalisierung dieser Beziehungen immer wieder bei den
Kulturabkommen den Sport und die
Sportverbindungen einbezogen haben, um eine Verbesserung
dieser Beziehungen zu erreichen.
Zur Erleichterung der Begegnung von Sportlern
und Mannschaften sowie sportwissenschaftlichen
und sportfachlichen Delegationen standen dem
Auswärtigem Amt zahlreiche Mittel zur Verfügung. Ich
darf nur sagen: mit der Steigerung von 22 auf rund
100 Begegnungen wird die Entwicklung deutlich.
Vizepräsident von Hassel: Herr Kollege Dr.
Schmitt-Vockenhausen, die für Sie gemeldete Zeit ist
schon abgelaufen.
Dr. Schmitt-Vockenhausen (SPD) : Herr Präsident,
ich weiß es.
(Heiterkeit)
Ich darf hier noch einmal sagen: Nehmen Sie den
Sportbericht der Bundesregierung über die
Verbindung zur Dritten Welt noch einmal vor, und nehmen
Sie insbesondere die Erfolge in den Beziehungen zur
Dritten Welt vor, um zu sehen, was die
Bundesrepublik geleistet hat. Dieser Rechenschaftsbericht zeigt
eindeutig: Wir haben unseren Beitrag geleistet und
werden ihn in diesem Sinne auch in der Zukunft für
den Sport und die Verbindung zur Welt leisten.
(Beifall bei der SPD und FDP)
Vizepräsident von Hassel: Das Wort hat Herr
Abgeordneter Mischnick.
(Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Herr Evers hat
-
te sich gemeldet!)
— Verzeihung, jetzt ist Herr Mischnick dran. Er
wird etwa fünf Minuten sprechen. Danach folgt zum
Abschluß die Opposition; ihr stehen 20 Minuten zur
Verfügung.
Mischnick (FDP) : Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Wenn auch die
Sportsprecher unter den Fraktionen zu einer anderen
Lösung gekommen waren, so bin ich selbstverständlich
gern bereit, jetzt die wenigen Minuten in Anspruch
zu nehmen.
Herr Kollege Schäuble, Sie haben von dem
Tauziehen um die Glücksspirale gesprochen. Wir bedauern
das alle; wir sind gemeinsam dieser Meinung. Nur
darf ich darauf hinweisen, daß es in den Gremien
der Rundfunkanstalten der ARD wie beim ZDF
Vertreter aller politischen Richtungen gibt. Vielleicht
wäre es eine gute Aufgabe, auch in diesen Gremien
darauf hinzuweisen, daß es unser gemeinsamer
Wille ist, daß diese Glücksspirale möglichst schnell über
die Bühne geht. Hier sollte man nicht nur die
Forderung aufstellen, sondern überall da, wo man die
Möglichkeit hat, Einfluß zu nehmen, diesen nutzen.
Wenn sich die Herren Intendanten dagegen wehren,
wär es vielleicht gut, darauf aufmerksam zu machen,
welche gesamtpolitische Bedeutung wir der
Glücksspirale beimessen.
Mit Recht ist darauf hingewiesen worden, daß die
Frage der Sportbriefmarke lange Diskussionen
ausgelöst hat. Wir sind zu einem gemeinsamen
Ergebnis gekommen. Wenn Sie allerdings heute in einem
Antrag für die Jahre 1977 ff. schon die Entscheidung
fällen wollen, so bin ich nicht der Meinung, daß das
diesem Unterfangen nützlich ist. Denn Sie wissen
genauso wie wir, daß zur Zeit Gespräche im Gange
sind, um für die nächsten Jahre die verschiedenen
Zuschlagsmarken — Jugendmarke,
Wohlfahrtsmarke, Sportmarke — miteinander in Einklang zu
bringen, um zu vermeiden, daß jährlich eine
Auseinandersetzung geführt wird. Ich würde es deshalb nicht
für richtig halten, diese Bemühungen in diesem
Augenblick durch einen Beschluß zu stören. Wir wissen
ganz genau, wie groß der Widerstand gegen die
Sportmarke von verschiedenen Seiten gewesen ist.
Ich möchte nicht, daß dieser Widerstand erneut
provoziert wird, bevor diese Gespräche geführt worden
sind. Sie können sicher sein, daß wir Freien
Demokraten alle Bemühungen unterstützen werden, auch
in den nächsten Jahren eine solche Sportmarke zu
ermöglichen.
Es ist von Ihnen, Herr Kollege Schäuble, und vom
Kollegen Spilker davon gesprochen worden, daß in
der Frage des Berichtes der Bundesregierung nicht
alle Punkte erwähnt sind. Natürlich ist das nicht
möglich, aber auf eines darf ich doch hinweisen. Sie,
Herr Kollege Schäuble, wissen ganz genau — und
ich bin sicher, daß Sie das genauso sehen wie wir —,
daß wir bespielsweise bei den Bemühungen um
Spendenbescheinigungen für die Sportverbände
oder bei den Bemühungen, die für die
Abgabenordnung beste Lösung zu finden, hier eine gemeinsame
Basis haben. Wenn aber die Landesfinanzminister
anderer Auffassung sind als der
Bundesfinanzminister oder wenn Bundes- und Landesfinanzminister
gemeinsam anderer Auffassung sind
(Dr. Schäuble [CDU/CSU]: So ist es! Bei der
Abgabenordnung hatten wir eine gemein
-
same Basis! Diese haben Sie verlassen!)
— ich habe hier alles erwähnt, keine Sorge! —, dann
ist das eine Frage, die wir nicht nur im Bundestag,
sondern auch über die Landtage behandeln müssen.
Denn Sie wissen ja, daß wir keine
Bundesfinanzverwaltung haben und hier demzufolge auch die
Landesfinanzverwaltungen einzuschalten sind, also auf
beiden Ebenen die entsprechenden Maßnahmen
ergriffen werden müssen.
Herr Kollege Spilker hat die innerdeutschen
Sportbeziehungen angesprochen; Herr Kollege
Schmitt-Vockenhausen hat auch einiges dazu
gesagt. Folgendes darf aber auch nicht unerwähnt
bleiben: Natürlich sind 62 Sportbegegnungen, die
ausgemacht sind, nicht das, was wir uns vorstellen.
Aber wir erwarten, daß die Sportbegegnungen, die
ausgemacht wurden, auch von der Seite des
Deutschen Sportbundes bzw. seiner Verbände und
Vereine voll wahrgenommen werden und nicht
ausfallen, weil man plötzlich auf unserer Seite Bedenken
bekommen hat oder andere Überlegungen anstellt;
denn dadurch geben wir der anderen Seite einen
Vorwand, zu sagen, es werden gar nicht so viele
Begegnungen gebraucht.
Ich möchte nur noch eine Bemerkung machen, da
mir nur fünf Minuten zur Verfügung stehen. Es ist
darauf hingewiesen worden, daß Sport und Politik
in einem positiven Wechselverhältnis stehen sollen
und müssen. Natürlich wird man vom Staat in
bezug auf den Sport immer mehr verlangen, als der
Staat zu geben in der Lage ist. Selbstverständlich
werden wir uns bemühen, dies zu verbessern. Ich
bin der Meinung, daß ein vertiefter Dialog zwischen
Sport und Politik günstig für beide Seiten ist.
Sorgen wir allerdings sowohl dafür, daß die
richtige Würdigung des Einsatzes der Politik für den
Sport erfolgt, als auch dafür, daß umgekehrt nicht
der Fehler gemacht wird, nun zu glauben, daß der
Sport ein besonders günstiges Wahlkampfthema sei.
Wir sollten hier die alte Grundlage beibehalten,
nämlich den Sport als eine gemeinsame Sache
wahrzunehmen, zwar unterschiedlich in der Beurteilung
dieses oder jenes Details, aber wir sollten den Sport
nicht als ein besonders geeignetes Mittel für den
Wahlkampf ansehen.
(Beifall bei der FDP und der SPD)
Vizepräsident von Hassel: Die nächste
Wortmeldung kommt von dem Herrn Abgeordneten Dr.
Evers.
Dr. Evers (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine sehr
geehrten Damen und Herren! Der Sportbericht der
Bundesregierung ist eine Fleißarbeit, die wir als
solche anerkennen. Wir sprechen diese
Anerkennung aus, auch wenn wir in dem Sportbericht die
politische Aussage als eine zukunftsbezogene
Richtlinie über das, was die langfristigen Zielsetzungen
der Bundesregierung sind, gern deutlicher
artikuliert gesehen hätten.
Wir sprechen dem Bundesminister des Innern
auch die Anerkennung für sein persönliches
Engagement für die Sportförderung aus, genauso wie den
Beamten des Bundesministeriums des Innern.
Wir stellen fest, Herr Minister Maihofer, daß die
Sportförderungsmittel im Bundeshaushalt trotz der
Haushaltslage auf 234 Millionen DM in diesem Jahr
gestiegen sind nach 229 und 219 Millionen DM in
den Vorjahren. Das heißt, das, was der Bund für die
Sportförderung 1976 zu tun beabsichtigt, nähert
sich jetzt der Grenze von 250 Millionen DM, die
schon seit einigen Jahren als die Aufwendungen
des Bundes auf diesem Gebiet im Gespräch sind.
Dies anzuerkennen heißt allerdings nicht, daß
234 Millionen DM bei einem Etatvolumen von 168
Milliarden DM mehr sind als ganze 0,14 % der
Gesamtausgaben des Bundes. Wenn wir für diesen
Anteil der Sportförderungsmittel den Vergleich mit den
Ausgaben im Vorjahr und im Jahre 1974 ziehen,
stellen wir fest, daß ein Rückgang dieses
prozentualen Anteils von 0,16 über 0,15 auf 0,14 % in
diesem Jahr zu verzeichnen ist. Das bedeutet einen
relativen Rückgang um 13 % in zwei Jahren.
Trotzdem, meine sehr geehrten Damen und
Herren, ruft die Opposition angesichts der
Haushaltslage des Bundes heute nicht nach mehr finanziellen
Mitteln für den Sport. Wir sprechen Sie nicht von
der Verantwortung für diese Entwicklung der
Haushaltslage frei, aber wir werfen angesichts der
weitgehenden Lähmung der öffentlichen Haushalte die
Frage auf, welche anderen Wege wir bei dieser
Situation verstärkt beschreiten müssen, um für
den Sport das zu tun, was notwendig ist.
Und wir verbinden damit eine weitere Frage,
meine Damen und Herren: Helfen wir denn dem
Sport mit immer höheren staalichen
Finanzzuweisungen eigentlich so, wie wir alle es möchten? Wäre
es nicht besser, Herr Bundesminister Maihofer, daß
wir gemeinsam unsere Anstrengungen verstärkten,
an Stelle der nicht verfügbaren finanziellen Mittel
die eigenen Bemühungen des Sportes zu
unterstützen, sich aus eigener Kraft zu helfen? Wir von der
CDU/CSU glauben, daß wir die Unabhängigkeit des
Sports in höherem Maße fördern, wenn wir alle
Möglichkeiten des Staates nützen, den Sport durch
administrative Hilfestellungen in die Lage zu
versetzen, sich mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung
stehen, aus eigener Kraft selbst zu helfen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir meinen, daß hier viel zu tun ist.
Ich darf in diesem Zusammenhang an die hier
schon mehrfach zitierte Sportbriefmarke erinnern,
deren Verkauf noch in allerletzter Minute für das
Jahr 1976 beschlossen werden konnte. Aber ich
stehe nicht an, zu sagen, meine sehr geehrten
Damen und Herren: Das Tauziehen, das Hin und Her
und das Hickhack um diese Sportbriefmarke waren
ein beschämender Vorgang,
(Dr. Schäuble [CDU/CSU]: Sehr richtig!)
weil die Bundesregierung hier trotz einstimmiger
Beschlüsse der Deutschen Sportkonferenz und trotz
eines einstimmigen Beschlusses des
Sportausschusses des Deutschen Bundestages nicht in der Lage
gewesen ist, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß die
notwendige Hilfestellung gegeben worden ist, damit
sich die Deutsche Sporthilfe die erforderlichen Finan
-
zierungsmittel nicht aus öffentlichen Mitteln
beschaffen muß, sondern dies aus privaten Mitteln tun
kann.
Ich glaube auch nicht, Herr Kollege Mischnick, daß
wir heute dieses Faktum der Sportbriefmarke 1976
mit vier Postwertzeichen mit Zuschlag ohne die
entsprechende Beschlußfassung auch im Sportausschuß
des Deutschen Bundestages hätten.
(Zustimmung des Abg. Mischnick [FDP])
— Wenn Sie mir hierin freundlicherweise
zustimmen, dann möchte ich sagen: Genau in diese
Richtung zielt auch der Antrag, den wir heute hier
einzubringen haben und bei dem wir Sie um Ihre
Zustimmung bitten.
Vizepräsident Dr. Jaeger: Gestatten Sie eine
Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Mischnick? —
Bitte schön!
Mischnick (FDP) : Herr Kollege Evers, darf ich Sie
aber auch daran erinnern, daß ein anderer
Ausschuß dieses Hauses genauso einstimmig einen
anderen Beschluß gefaßt hatte und daß ich mit meinem
Hinweis vermeiden wollte, daß wir in eine
Gegenüberstellung zweier Ausschüsse dieses Hauses
kommen und damit das Ganze gefährden.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Wir haben einen
klaren, einstimmigen Fraktionsantrag!)
Dr. Evers (CDU/CSU) : Die Sache, um die es geht,
Herr Kollege Mischnick — und das ist das
Entscheidende —, ist die langfristige Konsolidierung der
Deutschen Sporthilfe aus eigener Kraft mit der Hilfe
des Bundes.
(Dr. Carstens [Fehmarn] [CDU/CSU] : Sehr
gut!)
Das ist das Ziel unseres Antrages, wie wir ihn auf
Drucksache 7/4637 formuliert haben. Diesem Antrag
sollten Sie zustimmen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ich glaube, meine Damen und Herren, wir
müssen auch alle miteinander dafür sorgen, daß die
Bundesregierung die Deutsche Sporthilfe endlich
von den Ausgaben entlastet, die die Deutsche
Sporthilfe übernimmt, obwohl die Zuständigkeit des
Bundes für diese Ausgaben ganz eindeutig gegeben ist,
Herr Bundesminister Maihofer. Wir haben dies in
einer Kleinen Anfrage an Sie sehr präzisiert. Ich
weise darauf hin, daß die Deutsche Sporthilfe in
den letzten Jahren 800 000 DM pro Jahr aus
eigenen Mitteln finanziert hat, die von Ihnen zu
finanzieren gewesen wären. Hier liegt der Bereich, in
dem Sie durch Übernahme dieser in die
Zuständigkeit des Bundes fallenden Aufgaben dafür sorgen
sollten, daß die Kraft der Sporthilfe zur Selbsthilfe
nicht weiter beeinträchtigt, sondern verstärkt wird.
Zwar wird die „Glücksspirale" — hier ist das
Wort „Tauziehen" ja ebenfalls gefallen — in diesem
Jahr nunmehr durchgeführt, aber erst nach den
Olympischen Spielen von Montreal und mit einer
völlig unzureichenden werblichen Vorbereitung
durch die Rundfunkanstalten. So wie dies jetzt
nach den Olympischen Spielen vorgesehen ist, ohne
Auftaktsendung und ohne Ziehungssendung, meine
sehr geehrten Damen und Herren, wird die
„Glücksspirale" in diesem Jahr nicht den erhofften
Überschuß für den Deutschen Sportbund erbringen. Es
muß unser aller Bemühen sein — hier fordere ich
insbesondere die Bundesregierung auf —, auf die
Rundfunkanstalten einzuwirken, daß die Beschlüsse,
die hier bereits gefaßt worden sind, verbessert
werden, weil dies dringend notwendig ist, um die
eigenen Finanzmittel des Deutschen Sportbundes zu
stärken.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Diese Mittel, meine sehr geehrten Damen und
Herren, die aus Briefmarke und Glücksspirale dem
deutschen Sport, d. h. der Deutschen Sporthilfe und dem
Deutschen Sportbund, zufließen, sollten nun
wirklich Mittel sein, die den Sportorganisationen
zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Es wäre doch
ein beschämender Vorgang, wenn diese zusätzlichen
Mittel, die keine öffentlichen Mittel sind, nur dazu
benutzt würden, um die öffentlichen Zuweisungen
zu kürzen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir alle wissen, daß bei dem Tauziehen um die
Folgekosten der Führungs- und Verwaltungsschule
in West-Berlin diese Frage im Hintergrund steht, ob
die zusätzlichen Mittel nun wirklich den Sport
endlich einmal in die Lage versetzen, mehr zu tun als
bisher, oder ob dies angerechnet werden soll auf
das, was bisher vom Bund getan worden ist.
In diesen Beispielskomplex gehören die
Entscheidungen über die Abgabenordnung hinein, die
insbesondere dadurch unbefriedigend sind, daß die
Begünstigung sportlicher Maßnahmen leider
ausgeschlossen worden ist. Diese Entscheidung wurde
von einer Mehrheit des Hauses gegen den Antrag
der Opposition getroffen. Wir müssen uns weiter
um die Spendenbescheinigungskompetenz der
Vereine bemühen, und wir müsssen versuchen, über die
Reform der Körperschaftsteuer das wieder
auszubügeln, was bei der Abgabenordnung leider nicht
gelungen ist.
Ich weiß nicht, Herr Bundesminister Maihofer, wie
Sie die Bilanz der Sportförderung Ihres Hauses
sehen, wenn Sie sich die Tasache vergegenwärtigen,
daß die Trimm-Dich-Aktion des Deutschen
Sportbundes, eine Aktion, die 10 Millionen Menschen
mobilisiert hat und die in der Größe der
Beteiligung wahrscheinlich beispielhaft in der Welt ist,
weil es nichts Gleichartiges gibt, von der
Bundesregierung mit ganzen 10 Prozent bezuschußt wird.
Die Bundesregierung läßt den Träger dieser
Maßnahme, den Deutschen Sportbund, damit allein, daß
er sich 90 Prozent dieser Kosten allein und
außerhalb des Haushalts von Sponsoren beschaffen muß.
Ich glaube, dies ist eine Regelung, die
verbesserungsfähig ist, die verbessert werden muß. Dies
sollten wir hier gemeinsam feststellen, ebenso wie wir,
wenn wir nicht mehr finanzielle Mittel aus dem
Bundeshaushalt fordern, die Selbstbindung des
Bundes fördern müssen, wie wir sie im Antrag der CDU/
CSU zum Sportplan verlangt haben. Wir müssen
gemeinsam darauf hinwirken, daß die Organisationen
des Sports in höherem Maße als Vertreter des
öffentlichen Interesses anerkannt werden, als das
bisher noch der Fall ist.
Zu dem, was im Sportbericht der Bundesregierung
als Leistungssportplan bezeichnet worden ist: Meine
sehr geehrten Damen und Herren, dies ist eine
Auflistung der Förderungsmaßnahmen, die konkret
eingeleitet worden sind oder beabsichtigt werden. Ich
begrüße es, daß hier einige Worte — dies ist eine
Weiterentwicklung — über die Position der
Vereine gesagt worden sind. Wir unterstreichen dies
und werden uns dem anschließen. Wir vermissen
aber eine Aussage darüber, wie denn die
Bundesregierung die Position des deutschen Spitzensports
im internationalen Vergleich wertet, wie sie der
Herausforderung anderer Länder mit
Staatsamateuren oder Hochschulamateuren zu begegnen wünscht.
Wir meinen, daß hier in der Sportförderung ein
Umdenken erforderlich ist. Wir müssen alle
gemeinsam dafür Sorge tragen, die ideelle
Motivierung unserer Athleten zu verbessern. Das gleiche
gilt für ihre personelle Motivation. Wir brauchen
einen Ausgleich für die Privilegien, die
Staatsamateure in totalitären Staaten von der Regierung
erhalten können. Das Silberne Lorbeerblatt und das,
was in unserem Lande bisher über den Numerus
clausus beschlossen worden ist, reicht dafür nicht
aus.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir brauchen für unsere Athleten so etwas
Ähnliches wie die Pille danach, d. h., wir brauchen einen
Maßnahmenkatalog, der unseren Athleten die
Nachteile während ihrer aktiven Zeit nach Beendigung
der aktiven Laufbahn ausgleichen hilft. Wenn wir
nicht noch mehr Geld für den Sport zur Verfügung
stellen können: die Opposition wird dies angesichts
der Finanzlage akzeptieren. Wir müssen dann aber
die Fähigkeit des Sports zur Selbsthilfe durch die
Maßnahmen, die ich Ihnen hier eben vorgetragen
habe, stärken. Unterstützen Sie deshalb unseren
Antrag, Spitzensportlern den Zugang zum
Sportstudium zu ermöglichen, wenn sie die allgemeinen
Zulassungsvoraussetzungen erfüllen,
(Wende [SPD]: Das haben die Kultusmini
-
ster längst beschlossen!)
und arbeiten Sie an einer langfristigen
Konsolidierung mit, indem die finanzielle Leistungsfähigkeit
der Deutschen Sporthilfe durch jährliche
Sondermarken auf eine gesunde Basis gestellt wird.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vizepräsident Dr. Jaeger: Meine Damen und
Herren, wird des weiteren das Wort gewünscht? — Das
ist nicht der Fall. Ich schließe die Aussprache.
Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag
des Ausschusses auf Drucksache 7/3902. Die Ziffern
i bis 4 scheinen mir unumstritten zu sein. Ich lasse
darüber abstimmen. Wer diesen Ziffern
zuzustimmen wünscht, den bitte ich um das Handzeichen.
— Ich bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen?
— Weder Enthaltungen noch Gegenstimmen;
einstimmig beschlossen.
Ich komme zu Ziffer 5 des Ausschußantrages.
Hierzu beantragt die Fraktion der CDU/CSU auf
Drucksache 7/4637 unter Ziffer 1, eine Änderung zu
beschließen. Wer diesem Änderungsantrag
zustimmt, den bitte ich um das Handzeichen. — Ich
bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — Mit
Mehrheit abgelehnt.
Dann lasse ich über Ziffer 5 in der
Ausschußfassung abstimmen. Wer zuzustimmen wünscht, den
bitte ich um das Handzeichen. — Ich bitte um die
Gegenprobe. — Keine Gegenstimmen.
Enthaltungen? — Auch keine Enthaltungen.
Dann komme ich zu den Punkten 6 und 7 des
Ausschußantrages. Wer zuzustimmen wünscht, den
bitte ich um das Handzeichen. — Ich bitte um die
Gegenprobe. — Enthaltungen? — Keine
Gegenstimmen, keine Enthaltungen. Angenommen.
Ich komme zu Ziffer 8 des Ausschußantrages.
Hier muß ich zuerst über den Änderungsantrag
aller Fraktionen des Hauses auf Drucksache 7/4669,
die Ziffer 8 des Ausschußantrages zu streichen,
abstimmen lassen. Wer dem zuzustimmen wünscht,
den bitte ich um das Handzeichen. —
(Die Abgeordneten der SPD und der FDP
stimmen zu)
— Das ist aber doch ein Antrag aller Fraktionen
des Hauses. So steht es auf dem Antrag.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Der Antrag be
-
zieht sich aber natürlich nur auf die alte
Ziffer 8 des Ausschußantrages! Vorher
muß darüber abgestimmt werden, ob ent
sprechend unserem Antrag eine neue Zif
fer 8 eingefügt wird!)
— Also, wer ist für Streichung? — Wer ist dagegen?
— Enthaltungen? — Damit ist Ziffer 8 des
Ausschußantrages ohne Gegenstimmen bei Enthaltungen
gestrichen. Damit ist der Fall erledigt, und damit
entfällt auch der Änderungsantrag der Fraktion der
CDU/CSU auf Drucksache 7/4637 unter Ziffer 2.
(Zurufe von der CDU/CSU: Nein!)
— Verzeihen Sie, ich hatte ja nicht den Vorzug,
die Geschäfte des Präsidenten zu führen, während
die Debatte stattfand. Mir wurde die Sache mit der
Bemerkung übergeben: zuerst Abstimmung über den
Streichungsantrag, dann ist das andere erledigt.
Nach den Gesetzen der Logik scheint mir das auch
richtig zu sein.
(Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Ich bitte um das
Wort!)
— Das Wort können Sie haben. Bitte, Herr Dr.
Schäuble!
Dr. Schäuble (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine
Damen und Herren! Ich bitte um Nachsicht. Die
Sachlage ist die, daß die bisherige Fassung der
Ziffer 8 in der von der Ausschußmehrheit
beschlossenen Formulierung in der Tat gegenstandslos
geworden ist. Deswegen bezieht sich der gemeinsame
Antrag aller Fraktionen auf Streichung der Ziffer 8 auf
diese Fassung. Würde die Ziffer 8 aber so
formuliert, wie die Fraktion der CDU/CSU das mit ihrem
Änderungsantrag auf der Drucksache 7/4637 unter
Ziffer 2 begehrt, wäre die Ziffer 8 der
Ausschußfassung nicht gegenstandslos. Deswegen, Herr
Präsident, hatte ich darum gebeten, daß zunächst über
unseren Antrag abgestimmt wird, weil nur, wenn
dieser Antrag abgelehnt würde — was ich nicht
hoffe —, eine Erledigung der Ziffer 8 des
Ausschußantrages gegeben wäre.
Vizepräsident Dr. Jaeger: Ich habe das nicht
gehört, weil ich nicht im Saale war. Ich bitte um
Entschuldigung.
Ich meine, die Demokratie besteht darin, daß die
Mehrheit bestimmt. Also können wir schlicht und
einfach über den Änderungsantrag der Fraktion der
CDU/CSU auf Drucksache 7/4637 unter Ziffer 2 zu
Ziffer 8 des Ausschußantrages abstimmen. Wenn das
mit Mehrheit abgelehnt wird, ist das eben erledigt;
wenn das angenommen wird, ist das eben
angenommen. Wer dem Antrag der CDU/CSU zuzustimmen
wünscht, eine neue Ziffer 8 einzufügen, den bitte ich
um das Handzeichen. — Ich bitte um die
Gegenprobe. — Enthaltungen? — Mit Mehrheit abgelehnt.
Das Ergebnis ist also doch das gleiche.
Dann komme ich noch zu Ziffer 9 des
Ausschußantrages. Dazu liegt ebenfalls ein interfraktioneller
Änderungsantrag auf Drucksache 7/4669 unter
Ziffer 2 vor. Wer dem Änderungsantrag zuzustimmen
wünscht, den bitte ich um das Handzeichen. — Ich
bitte um die Gegenprobe. — Enthaltungen? — Es ist
so beschlossen. Damit ist über sämtliche Ziffern eine
Entscheidung herbeigeführt.
Ich rufe Punkt 11 der Tagesordnung auf:
Zweite und dritte Beratung des von der
Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes über die Entschädigung für Opfer
von Gewalttaten (OEG)
— Drucksache 7/2506 —
a) Bericht des Haushaltsausschusses (8.
Ausschuß) gemäß § 96 der Geschäftsordnung
— Drucksache 7/4615 —
Berichterstatter:
Abgeordneter Simon
Abgeordneter Krampe
b) Bericht und Antrag des Rechtsausschusses
(6. Ausschuß)
— Drucksache 7/4614 —
Berichterstatter:
Abgeordneter Dr. Stark (Nürtingen)
Abgeordneter Dürr
(Erste Beratung 123. Sitzung)
Ich danke den Berichterstattern, den
Abgeordneten Dr. Stark, Dürr, Simon und Krampe, für ihren
Bericht.
Wir kommen zur zweiten Beratung.
Änderungsanträge liegen nicht vor. Ich lasse also über alle
Paragraphen sowie über Einleitung und Überschrift
in der Ausschußfassung abstimmen. Wer dem
zuzustimmen wünscht, den bitte ich um das
Handzeichen. — Ich bitte um die Gegenprobe. —
Enthaltungen? — So beschlossen.
Ich eröffne die Aussprache in der
dritten Beratung
und erteile das Wort dem Abgeordneten Dr. Stark
(Nürtingen).
Dr. Stark (Nürtingen) (CDU/CSU) : Herr Präsident!
Meine Damen und Herren! Bevor ich für meine
Fraktion zu dem Gesetz Stellung nehme, möchte ich als
Berichterstatter noch um eine kleine Berichtigung
bitten: In den Berichtsantrag, Drucksache 7/4614, sind
zusätzlich folgende Änderungen des Gesetzentwurfs
aufzunehmen. Erstens: § 1 Abs. 6 muß lauten: „§ 1
Abs. 3, §§ 64 bis 64 f sowie § 89 ..." usw. Zweitens:
In § 3 Abs. 1 ist vor den Worten „in dem eigenen
Verhalten des Anspruchstellers" das Wort
„insbesondere" einzufügen. Das war ein einstimmiger
Beschluß des Rechtsausschusses.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit der
Verabschiedung des vorliegenden Gesetzentwurfs
über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten
wird eine Forderung erfüllt, welche die CDU/CSU-
Fraktion seit Jahren vertritt und wozu meine
Fraktion bereits im Jahre 1971 einen eigenen
Gesetzentwurf eingebracht hat. Die Entschädigung für Opfer
von Gewalttaten entspricht in unserem sozialen
Rechtsstaat sowohl einem sozialpolitischen wie auch
einem rechtspolitischen Bedürfnis. Für die
Entschädigung solcher Opfer aus öffentlichen Mitteln
spricht insbesondere, daß der Staat die Pflicht hat,
seine Bürger vor strafbaren Handlungen zu
schützen und daher auch für den Schaden der Opfer
einer mit Strafe be
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
- part_of_vorgang → Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Kapitalverkehrsteuergesetzes (KVStÄndG 1975) (3. Beratung)
- part_of_vorgang → Zweites Gesetz zur Änderung der Höfeordnung