Rede von Philipp Mißfelder (CDU/CSU) – Drucksache 16/9482
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 3 a: Drucksache 16/9482 –.
Text
Rede von Philipp Mißfelder (CDU/CSU) – Drucksache 16/9482
Die rhetorische Frage, die Sie noch angeschlossen
haben, gibt mir die Gelegenheit, darauf zu antworten. Auch
wir stehen in permanenten Gesprächen mit der
Automobilindustrie. Ich selber war bei der Anhörung nicht
dabei. Ich lese mir das Protokoll aber gerne durch; das
werde ich im Anschluss an diese Sitzung tun.
Ich kann Ihnen allerdings versichern: Das, was wir
mit der Automobilindustrie und mit führenden
Automobilkonzernen besprochen haben, ist etwas anderes. Wir
haben uns bei unseren Vorschlägen, insbesondere
denjenigen, die der Automobilindustrie helfen sollen, an dem
orientiert, was uns in diesen Gesprächen geraten worden
ist. Diese Vorschläge sind ja nicht aus der Luft gegriffen
worden, sondern sie sind in enger Abstimmung mit
denen erfolgt, die in der Automobilindustrie
Verantwortung tragen, insbesondere auf der Ebene der
Vorstandsvorsitzenden und der Bundeskanzlerin. Deshalb kann ich
nur sagen: Der Weg, den wir beschreiten, ist der richtige
und nicht der, den Sie hier anmahnen.
All Ihre Vorschläge bedeuten nicht nur eine Belastung
für die zukünftige Generation, sondern – ich habe gerade
schon gesagt, dass das für uns nicht vertretbar ist – sie
bedeuten auch weitere Belastungen für die Bürgerinnen
und Bürger in einer Phase, in der wir uns entschlossen
haben, den Bürgerinnen und Bürgern nicht noch mehr
zuzumuten.
(Dr. Thea Dückert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Was ist mit den
Krankenversicherungsbeiträgen?)In einer Zeit, in der die Menschen ohnehin das Gefühl
haben, sie würden an vielen Stellen stärker zur Kasse
gebeten, wäre es ein völlig falscher Weg, sowohl der
Wirtschaft als auch den Menschen noch weitere Bürden
aufzuerlegen. Deshalb bin ich dagegen, dass Sie Ihre grüne
Zauberkiste öffnen und Dinge vorschlagen, die letztlich
absolut unrealistisch sind und nur einem kleinen Teil der
Bevölkerung dienen, nämlich Ihrer Klientel, die
lediglich Klientelpolitik will und die sich den Luxus, den Sie
an vielen Stellen einfordern, leisten kann.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Thea Dückert
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben da
eine Blackbox! – Christine Scheel [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN]: So ein Quatsch!)
In den vergangenen Tagen haben wir darüber
diskutiert – auch mit unserem Koalitionspartner –, wie eine
maßvolle Reaktion auf das, was sich aktuell im Bereich
der Wirtschaft tut, aussehen könnte. Es darf nicht eine
Ad-hoc-Maßnahme nach der nächsten geben. Mich stört
bei dieser ganzen Diskussion, dass immer wieder
Einzelvorschläge, auch übereilt, kommen, die weder
gegenfinanziert noch durchdacht sind und die im Zweifel nur
auf einem basieren, nämlich auf der Belastung der
zukünftigen Generationen.
Deshalb teile ich das, was die Bundeskanzlerin in der
Öffentlichkeit, auf dem CDU-Parteitag, aber auch hier
im Deutschen Bundestag gesagt hat, absolut. So halte ich
die Strategie, auf Sicht zu fahren, für den besseren Weg
als den, sich in Forderungen nach Einzelmaßnahmen, die
letztlich nur weitere Verschuldung für die junge
Generation bedeuten, gegenseitig zu überbieten.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Thea Dückert
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie
was zu den Kommunen! – Dr. Axel Troost
[DIE LINKE]: So haben wir die Debatte in
einem halben Jahr wieder!)
Es geht darum, dass der Staat auch in Zukunft
handlungsfähig bleibt
(Dr. Thea Dückert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Schön wäre, wenn es bei der Regierung
so wäre!)
und dass wir auch in den kommenden Monaten noch
Reaktionsmöglichkeiten haben. Deshalb werbe ich für eine
maßvolle Reaktion auf das, was wir in den nächsten
Wochen und Monaten noch erleben werden, um so
hoffentlich Schlimmeres abwenden zu können.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist auf dem
richtigen Weg, ausnahmsweise, muss ich sagen – ich bin sonst
eher ein Kritiker der Großen Koalition –, gemeinsam mit
dem Koalitionspartner, der SPD. Ich möchte mich
deshalb für die gute Zusammenarbeit bei vielen
Sozialdemokraten bedanken, die eher an das anknüpfen, was
auch wir wirtschaftspolitisch für sinnvoll erachten, als
an das, was die Grünen nun fordern, obwohl bei diesen
vor einiger Zeit auch noch Vernunft vorhanden war.
Einen Satz möchte ich noch zur FDP sagen. Sie haben
heute mit Ihren Zwischenrufen, Herr Brüderle und Herr
Wissing – Herr Niebel ist ja leider schon gegangen – (C)
– er übt Zwischenrufe, aha –, deutlich gemacht, mit
welcher Vorfreude Sie den September nächsten Jahres
erwarten,
wenn Sie mit uns gemeinsam, wie ich hoffe, die
Regierung stellen werden. Diese Vorfreude möchte ich
erwidern. Ich bitte Sie aber, bis dahin noch einige Positionen
zu prüfen.
Wenn Sie mit uns regieren sollten, werden Sie sicherlich
den einen oder anderen Kompromiss mittragen müssen.
Deshalb kann ich Ihnen nur empfehlen: Orientieren Sie
sich an Bayern, an dem, was Horst Seehofer dort macht!
Da üben Sie gerade den Kompromiss. Da können Sie
sich schon an das Regierungshandeln mit uns gewöhnen.
Auf gute Zusammenarbeit im nächsten Jahr!
Vielen Dank.