Rede von Ernst Hinsken (CDU/CSU) – Drucksache 16/8980
Teil von Protokoll der 167. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 33: Drucksache 16/8980 –.
Text
Rede von Ernst Hinsken (CDU/CSU) – Drucksache 16/8980
Verehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und
Kollegen! Seit über 45 Jahren leistet der
Sachverständigenrat eine hervorragende Arbeit. In ihm sind
herausragende Wissenschaftler vertreten: die Crème de la Crème
der Wirtschaftswissenschaften aus der ganzen
Bundesrepublik Deutschland. Ich möchte hier darauf verweisen,
dass die Namen Professor Rürup, Professor Bofinger,
Professor Franz, Professor Wiegard und Frau Professor
Weder di Mauro für einen positiven Begriff stehen. Das
beste Kompliment, das dem Sachverständigenrat
gemacht werden kann, ist sein inoffizieller Name: die fünf
Weisen.
Herr Schui ist nicht mehr da. Er hat sich als
Gegengutachter auch einen kleinen Namen gemacht. Damit ist
er aber größtenteils nicht angekommen.
Ich meine, dass es glücklich, großartig und gut für die
betroffenen Mitglieder des Sachverständigenrats ist, dass
sie zu Recht respektvoll als „Weise“ bezeichnet werden.
Der Sachverständigenrat gehört zu den angesehensten
Institutionen der Bundesrepublik Deutschland. Er ist das
Flaggschiff der wirtschaftswissenschaftlichen Beratung.
Er genießt höchste Reputation. Er verdient unser aller
Unterstützung. Sein Sachverstand ist unverzichtbar, und
er hat fast immer richtig gelegen.
Linker Populismus und Misstrauen bringen uns nicht
weiter. Das möchte ich insbesondere an Sie sagen, Herr
Gysi, der Sie vorhin gesprochen haben. Wer alles
verspricht und vieles nicht offenlegt, ist nicht seriös und
führt ins Abseits. Dies zeigen auch 40 Jahre DDR.
Fakten müssen zählen. Was wir brauchen, sind ganz
konkrete, an der aktuellen politischen und wirtschaftlichen
Situation orientierte Vorschläge, wie sie der
Sachverständigenrat liefert. Alle Jahre warten Wirtschaft und
Politik mit höchster Spannung auf den Jahresbericht.
Wünschenswert wäre, wenn fast alle Ratschläge, die hier
kommen, auch Berücksichtigung fänden.
Ich erinnere: Der Sachverständigenrat wurde 1963
durch ein einstimmig verabschiedetes Gesetz
eingerichtet. Ich meine, wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn
möglichst bald einrichten. Seine über Parteigrenzen
hinweg erworbene Anerkennung wollen wir stärken und
lassen diese jetzt nicht durch Sie, die Linke,
kaputtmachen. Bisher und in der Vergangenheit haben Sie und
Ihre Vorgänger bewiesen, dass Sie von der Wirtschaft
keine Ahnung haben. Sie haben hier unter Beweis
gestellt, dass es mit Ihnen meistens nach unten gegangen
ist. Das beste Beispiel ist der Untergang der DDR.
(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Die hatte
keinen Sachverständigenrat! – Gegenruf des
Abg. Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE
LINKE]: Wir können das Experiment ja noch
mal mit Sachverständigenrat machen!)
Auch heute zeigt sich in der Bundesrepublik: Dort,
wo die Linke mitregiert wie in Berlin oder früher inMecklenburg-Vorpommern, geht bzw. ging es den Bach
runter. Dort, wo, wie im Saarland, Oskar Lafontaine
regiert hat, sah es auch nicht besser aus. Man befand sich
am Ende der Wirtschaftskraft der Länder. Es musste
Peter Müller kommen, der als Ministerpräsident das
Saarland wieder nach vorne gebracht hat.
Für jedes Bundesland, ja die ganze Republik ist es das
Beste, wenn Sie von der Linken niemals in einer
Regierung Verantwortung übernehmen.
Es ist unverfroren, dass Sie jetzt versuchen, die Arbeit
des Sachverständigenrates in Zweifel zu ziehen, und
unterstellen, dass die Mitglieder nicht unabhängig wären,
eine wahrlich infame Unterstellung.
(Laurenz Meyer [Hamm] [CDU/CSU]:
Jawohl!)
Die Unabhängigkeit des Sachverständigenrates ist
durch Gesetz gesichert. Die Kollegen Fuchs, Zeil und
Schultz haben bereits darauf verwiesen. Die Mitglieder
üben ihr Amt als Nebentätigkeit aus. Man beachte die
Fakten, die von den Rednern vor mir dazu genannt
worden sind. Wenn bei diesem Sachverständigenrat die
Offenlegung von Einkünften aus Nebentätigkeiten gefordert
wird, dann müsste dies auch bei der Monopolkommission
und der Sachverständigenkommission für Gesundheit der
Fall sein.
(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE
LINKE]: Danke für Ihren Hinweis!)
Ich bin der Meinung, wir verzichten am Besten ganz
darauf. Entweder Sie unterwerfen alle Beratungsgremien
einem solchen Zwang, oder – noch besser – Sie
verzichten ganz darauf.
Es ist doch klar: Sie wollen Verunsicherung und
Neidkomplexe schüren. Mit diesen niedrigsten
Instinkten zu argumentieren, lohnt sich immer. Ohne Zweifel:
Der Zwang zur Offenlegung würde den Anreiz zur
nebenberuflichen, arbeitsintensiven Mitarbeit im
Sachverständigenrat erheblich mindern. Gerade hier brauchen
wir die besten Leute. Niemand kann ein Interesse daran
haben, dass das nicht so ist. Die Unabhängigkeit der
Sachverständigen wird mit der gegebenen Regelung
ausreichend gesichert. Es gibt keinen Grund, hier etwas zu
ändern. Wer eine unabhängige Beratung von hoher
Qualität will, der muss diesen kontraproduktiven Antrag
deshalb ablehnen.
Wir vertrauen darauf: Die Mitglieder des
Sachverständigenrates sind unabhängig. Wir werden sie vor
linker Gängelung schützen.
„Nicht mit uns!“, möchte ich Ihnen zurufen. Sie von
der Linken wollen den Mitgliedern des
Sachverständigenrats doch etwas anhängen, weil die Reformvorschläge
nicht in Ihre linken Denkschablonen passen. Wenn Sie
ihn nicht inhaltlich fundiert kritisieren können, dann
lassen Sie es bitte! Ich bin sicher: Keinem der fünf Weisen
können Sie, wie Sie da sitzen – das gälte auch, wenn Ihre
Ernst HinskenFraktion vollständig anwesend wäre –, das Wasser
reichen.
(Martin Zeil [FDP]: Das ist wahr! – Dr. Barbara
Höll [DIE LINKE]: Aber Sie!)
Besonders wichtig ist die Weiterentwicklung der
Arbeitsweise des Sachverständigenrats, die die
Bundesregierung gemeinsam mit ihm im März vergangenen
Jahres vorgenommen hat. Bundeskanzlerin Merkel und
Bundeswirtschaftsminister Glos haben eine
Neuausrichtung auf den Weg gebracht, um die ohnehin schon
hervorragende Beratungsleistung des Sachverständigenrats
noch weiter zu verbessern. Das ist der richtige Weg. Der
Sachverständigenrat gibt jetzt zusätzlich zum
Jahresgutachten regelmäßig im Frühjahr ein Sondergutachten zu
einem ausgewählten Thema heraus. Dies finden wir
richtig.
Der Sachverständigenrat hat weiter unser Vertrauen
und unsere nachhaltige Unterstützung. Wir werden
gerade bei den jetzt anstehenden Beratungen immer wieder
darauf verweisen, dass von ihm, wie ich eingangs sagte,
hervorragende Arbeit geleistet wird, die nicht bekrittelt
werden sollte, sondern die wir seitens der Politik
beflügeln sollten.
Vor allen Dingen müssen wir den einzelnen
Sachverständigen die Möglichkeit geben, sich frei entfaltend
einzubringen, wie das vorhin von einigen Kollegen bereits
gesagt wurde. Das ist die Aufgabe für uns alle. Deshalb
gibt es von uns ein klares Nein zum Gesetzentwurf der
Linken.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie
des Abg. Martin Zeil [FDP])
Relationen
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