Berufseinstieg, Einkommen und Beschäftigungsperspektiven von Hochschulabsolventen im Vergleich zur dualen Berufsausbildung
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Berufseinstieg, Einkommen und Beschäftigungsperspektiven von Hochschulabsolventen im Vergleich zur dualen Berufsausbildung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8830
21. Wahlperiode 28.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Gerrit Huy, Achim Köhler, Robert Teske, Jan Feser, Stephan
Thomas, Lukas Rehm, Otto Strauß, Dr. Götz Frömming und der Fraktion der AfD
Berufseinstieg, Einkommen und Beschäftigungsperspektiven von
Hochschulabsolventen im Vergleich zur dualen Berufsausbildung
Das jahrzehntelange arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Versprechen,
dass insbesondere ein Hochschulstudium die verlässliche Garantie für
überdurchschnittlichen Wohlstand, Krisenfestigkeit und sozialen Aufstieg darstellt,
gerät in einen immer schärferen Widerspruch zur Realität auf dem deutschen
Arbeitsmarkt. Während das Handwerk, die Industrie und der Mittelstand unter
einem dramatischen Mangel an beruflich qualifizierten Fachkräften leiden und
zehntausende betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, häufen sich die
Anzeichen für eine strukturelle Fehlallokation am Arbeitsmarkt.
Junge Hochschulabsolventen sehen sich nach jahrelangem Studium zunehmend
mit schwierigen Einstiegsbedingungen, einem Mangel an regulären
Einstiegsstellen, Befristungen und überzogenen Erfahrungsanforderungen konfrontiert –
verschärft durch den rasanten Vormarsch Künstlicher Intelligenz bei
klassischen Einstiegstätigkeiten für Akademiker.
Dieser Fehlentwicklung auf dem Arbeitsmarkt ging ein jahrelanger, staatlich
forcierter Ausbaukurs voraus: Unter Verweis auf die Studienreihe „Bildung auf
einen Blick“ der OECD, die Deutschland regelmäßig eine im internationalen
Vergleich unterdurchschnittliche Akademikerquote bescheinigte (vgl. www.deu
tschlandfunk.de/bildung-auf-einen-blick-oecd-bildungsstudie-lobt-erhebliche-1
00.html), leiteten Bund und Länder mit dem 2007 geschlossenen
Hochschulpakt 2020 eine massive Bildungsexpansion ein. Ziel war es ausdrücklich,
zusätzliche Studienplätze für Hunderttausende Studienanfänger zu schaffen (vgl.
Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, Bericht zum Hochschulpakt 2020, www.
gwk-bonn.de/fileadmin/Redaktion/Dokumente/Papers/GWK-Heft-81-Hochsch
ulpakt-Abschlussbericht.pdf).
Flankiert wurde diese Ausrichtung von amtlichen Darstellungen der
Bundesagentur für Arbeit (BA), die den Hochschulabschluss über Jahre als wirksamen
Schutz vor Arbeitslosigkeit hervorhob (https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/St
atischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Allge
meiner-Teil/1-2-Der-Arbeitsmarkt-fuer-Akademikerinnen-und-Akademike
r .html). Neuere Untersuchungen des IAB betonen demgegenüber, dass ein
Hochschulstudium keineswegs in jedem Fall das höchste
Lebenserwerbseinkommen garantiert (IAB-Kurzbericht 18/2022; vgl. https://doku.iab.de/kurzber/
2022/kb2022-18.pdf).
Kritiker wie der Philosoph Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin warnten bereits
damals vor einem „Akademisierungswahn“, der die betriebliche Ausbildung
schwäche und das Risiko von Fehlqualifikationen und Unterbeschäftigung am
Arbeitsmarkt drastisch erhöhe (vgl. www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildu
Vorabfassung - w
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ng/200385/akademisierungswahn-plaedoyer-fuer-eine-umkehr-der-bildungspoli
tik/).
Heute zeigen sich die arbeitsmarktpolitischen Folgen dieser einseitigen
Weichenstellung: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) erreichte die
Zahl arbeitsloser Akademiker im Jahr 2025 mit jahresdurchschnittlich rund
335 000 Personen einen neuen Höchststand. Während die Arbeitslosigkeit
insgesamt im Vorjahresvergleich um 6 Prozent zunahm, stieg die Zahl der
arbeitslosen Hochschulabsolventen um 16 Prozent, und die
Akademikerarbeitslosenquote kletterte von 2,9 auf 3,3 Prozent (vgl. https://statistik.arbeitsagentur.de/D
E/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/
Allgemeiner-Teil/1-7-Arbeitslosigkeit.html).
Gleichzeitig verzeichnete die BA einen spürbaren Nachfrageeinbruch: Im Jahr
2025 wurden lediglich rund 188 000 Stellenzugänge auf Expertenniveau neu
gemeldet – ein Rückgang um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei
deutliche Einbrüche in den vormaligen Mangelbereichen der Informatik- und
Ingenieurberufe registriert wurden (vgl. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statisc
her-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Allgemei
ner-Teil/1-2-Der-Arbeitsmarkt-fuer-Akademikerinnen-und-Akademiker.html).
Ungeachtet dieser Schieflage strömen weiterhin mehr junge Menschen an die
Hochschulen als in eine duale Berufsausbildung: Im Studienjahr 2025 nahmen
nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 491 700 Personen
erstmals ein Studium auf (+0,3 Prozent; vgl. www.destatis.de/DE/Presse/Presse
mitteilungen/2025/11/PD25_426_21.html), während die Zahl der neu
abgeschlossenen Verträge in der dualen Berufsausbildung um 2,8 Prozent auf rund
461.800 sank (vgl. www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD
26_133_212.html).
Auch die finanzielle Überlegenheit eines Studiums verringerte sich: Eine
Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und
Wissenschaftsforschung (DZHW) vom 30. Juli 2026 stellt zwar fest, dass Akademiker im
Durchschnitt weiterhin mehr verdienen als beruflich Qualifizierte, dieser
Einkommensvorsprung jedoch seit etwa 2015 rückläufig ist (vgl. www.dzhw.eu/se
rvices/meldungen/detail?pm_id=1668).
Zieht man den späteren Berufseintritt, Verdienstausfälle während des Studiums,
hohe Studienabbruchquoten sowie die hervorragenden Verdienst- und
Aufstiegsmöglichkeiten von Meistern, Technikern und Fachwirten in Betracht,
relativiert sich der wirtschaftliche Mehrwert vieler akademischer Abschlüsse
erheblich. Dass es sich hierbei um ein strukturelles Problem moderner
Arbeitsmärkte handelt, verdeutlicht auch der Blick in die Schweiz: Dort stieg die
Erwerbslosenquote universitärer Masterabsolventen ein Jahr nach
Studienabschluss zwischen 2023 und 2025 von 3,9 auf 6,4 Prozent, und der Schweizer
Medianlohn von Fachhochschulabsolventen mit Bachelorabschluss liegt
inzwischen über dem von Universitätsabsolventen mit Masterabschluss (vgl. www.n
zz.ch/schweiz/der-akademiker-absturz-sie-sind-haeufiger-erwerbslos-als-der-du
rchschnittsschweizer-oft-nur-befristet-angestellt-und-das-auch-noch-in-teilzeit-l
d.10021278).
Vor diesem Hintergrund bedarf es in den Augen der Fragesteller einer
Bestandsaufnahme darüber, inwieweit die Arbeitsmarktpolitik der
Bundesregierung auf diese Verschiebungen vorbereitet ist und wie einer weiteren
Fehlallokation von Arbeitskräften entgegengewirkt werden kann. Da
Standardstatistiken der Bundesagentur für Arbeit den Übergang von der Hochschule in den
Beruf nur unvollständig abbilden (vgl. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Sta
tischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Allge
meiner-Teil/Generische-Publikationen/1-9-Akademischer-Nachwuchs.pdf?__bl
ob=publicationFile), bitten die Fragesteller die Bundesregierung ausdrücklich
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
darum, neben den Daten der Bundesagentur für Arbeit auch Auswertungen des
Statistischen Bundesamtes (unter anderem Mikrozensus,
Verdienststrukturerhebung), des IAB, des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sowie des
DZHW heranzuziehen und die Beantwortung nicht unter Verweis auf fehlende
eigene Ressorterkenntnisse zu verweigern.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Hochschulabsolventen waren seit 2019 arbeitslos gemeldet, und
wie hat sich die Akademikerarbeitslosenquote entwickelt (bitte jährliche
Zahlen sowie den aktuellen Stand für 2026 ausweisen – jeweils insgesamt
sowie für die Altersgruppen unter 25, 25 bis unter 30 sowie 30 bis unter
35 Jahren)?
2. Wie hat sich die Arbeitslosigkeit bei Personen mit dualer
Berufsausbildung sowie mit Meister-, Techniker- oder Fachwirtabschluss seit 2019 im
Vergleich zu Hochschulabsolventen entwickelt (bitte jährlich sowie für
2026 nach Arbeitslosenzahl und, soweit verfügbar, Arbeitslosenquote
ausweisen, jeweils für die Altersgruppen unter 25, 25 bis unter 30 sowie 30
bis unter 35 Jahren)?
3. Wie viele sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsaufnahmen von
Personen mit akademischem Abschluss unter 30 Jahren wurden seit 2019
registriert (bitte jährlich ausweisen und den Beschäftigungsaufnahmen
von Personen mit abgeschlossener dualer Berufsausbildung derselben
Altersgruppe gegenüberstellen)?
4. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 die
gemeldeten Stellenzugänge bei der Bundesagentur für Arbeit für
Expertentätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im Vergleich zu Fachkraft-
(Anforderungsniveau 2) beziehungsweise Spezialistentätigkeiten
(Anforderungsniveau 3) entwickelt (bitte jährlich sowie für das laufende Jahr
2026 ausweisen und nach Berufsfeldern differenzieren)?
5. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 jeweils der
Anteil der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellenangebote,
die ausdrücklich mehrjährige Berufserfahrung voraussetzen, im Vergleich
zu Einstiegspositionen (bitte jährlich sowie für das laufende Jahr 2026
ausweisen und nach den vier Anforderungsniveaus – Helfer-, Fachkraft-,
Spezialisten- sowie Expertenniveau – differenzieren)?
6. Welche Fächergruppen beziehungsweise Studienfächer weisen nach
Kenntnis der Bundesregierung bei Hochschulabsolventen in den ersten
fünf Jahren nach Studienabschluss die höchsten
Arbeitslosenbeziehungsweise Erwerbslosenquoten auf, und wie haben sich diese
Quoten seit 2019 entwickelt (bitte nach Datenquellen wie Mikrozensus oder
DZHW-Absolventenstudien aufschlüsseln; hilfsweise nach
Berufsgruppen)?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die
durchschnittliche Dauer zwischen dem Studienabschluss und der Aufnahme der ersten
regulären sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit vor (bitte für
die Abschlussjahrgänge seit 2015 nach Hochschulart sowie Bachelor- und
Masterabschluss differenzieren), und wie stellt sich diese Übergangsdauer
im Vergleich zu Absolventen einer dualen Berufsausbildung dar?
8. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2019 die Anteile
befristeter Beschäftigung, von Teilzeitbeschäftigung sowie von
ausbildungsinadäquater Beschäftigung (Beschäftigung unterhalb des
erworbenen Qualifikationsniveaus) beim Berufseinstieg von Hochschulabsolven-
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ten im Vergleich zu Absolventen einer dualen Berufsausbildung (jeweils
in den ersten fünf Jahren nach Abschluss)?
9. Wie hat sich der Einkommensabstand zwischen vollzeitbeschäftigten
Personen mit Hochschulabschluss und Personen mit abgeschlossener dualer
Berufsausbildung seit 2015 entwickelt (bitte anhand der
Medianbruttomonatsentgelte der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit für
die Altersgruppen unter 30, 30 bis unter 40 und 40 bis unter 50 Jahren
ausweisen, differenziert nach beruflicher Ausbildung, Meister/Techniker/
Fachwirt sowie akademischem Abschluss)?
10. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zum
Lebenserwerbseinkommen und zu den Bildungsrenditen von Akademikern im Vergleich zu
Personen mit dualer Ausbildung und Aufstiegsfortbildung vor (unter
Berücksichtigung von Ausbildungs- und Studienzeiten,
Erwerbsunterbrechungen und Studienabbruch), und hat sich die Bundesregierung vor
diesem Hintergrund eine eigene Auffassung zur Entwicklung des
Einkommensabstands zwischen akademischer und beruflicher Bildung erarbeitet
(wie lautet diese gegebenenfalls)?
11. Wie haben sich seit 2015 die Studienabbruchquoten an deutschen
Hochschulen sowie die Zahl der neu abgeschlossenen dualen
Ausbildungsverträge entwickelt, und welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung
über den Wechsel von Studienabbrechern in eine duale Berufsausbildung
vor?
12. Auf welche empirischen Ursachen führt die Bundesregierung
gegebenenfalls den jüngsten Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit und die
veränderte Arbeitskräftenachfrage zurück (bitte insbesondere zur
konjunkturellen und industriellen Entwicklung, zum Einfluss Künstlicher Intelligenz
auf Einstiegspositionen, zu veränderten Einstellungsanforderungen der
Betriebe sowie zu Absolventenüberhängen in einzelnen Fachrichtungen
Stellung nehmen)?
13. Sieht die Bundesregierung Anzeichen für ein strukturelles Missverhältnis
zwischen der Zahl akademischer und beruflich qualifizierter Arbeitskräfte
zulasten der Fachkräftesicherung?
14. Welche konkreten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (insbesondere im
Rahmen der Fachkräftestrategie der Bundesregierung, der
Arbeitsförderung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch – SGB III – sowie der
Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit)
plant oder ergreift die Bundesregierung gegebenenfalls, um die duale
Berufsausbildung zu stärken?
Berlin, den 28. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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