Rede von Dr. Carl-Christian Dressel (SPD) – Aktuelle Stunde: der SPD
Teil von Protokoll der 162. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 1: Aktuelle Stunde: der SPD.
Text
Rede von Dr. Carl-Christian Dressel (SPD) – Aktuelle Stunde: der SPD
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Als
unerträglich empfand ich das Verhalten der beiden
Vorsitzenden der sogenannten Linksfraktion und ihres
Hofstaats zu Beginn dieser Debatte,
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Richtig!)
Dr. Carl-Christian Dresselhier aufzutauchen, auf den hinteren Rängen links Platz
zu nehmen und nach dem Wortbeitrag des Abgeordneten
Gregor Gysi diesem folgend den Plenarsaal des
Deutschen Bundestages zu verlassen.
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Eine Missachtung des Parlaments!)
Einen solchen Klamauk in dieser Aktuellen Stunde, in
der es um einen der Vorsitzenden der Linksfraktion geht,
aufzuführen, stellt in meinen Augen eine Verhöhnung
nicht nur des Deutschen Bundestages, sondern des
Parlamentarismus insgesamt dar.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lachen Sie nicht so töricht, meine Damen und Herren
von der Linksfraktion! Hören Sie sich an, was Sie
betrifft, und sagen Sie bitte Ihren Fraktionsvorderen, dass
sie anwesend sein sollten, wenn es um ihre eigene
Vergangenheit geht.
Es muss aber nicht die weitere Vergangenheit sein.
Wenn ich in einer Tickermeldung lese, dass der
Kovorsitzende der sogenannten Linksfraktion, Herr Oskar
Lafontaine, fordert, Frau Merkel solle Frau Birthler als
Behördenchefin abziehen
– klatschen Sie nur, Frau Jelpke! –, dann zeigt das für
mich, wes Geistes Kind Sie sind.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Der Beauftragte für die Stasi-Unterlagen wird nach § 35
Abs. 2 des Stasi-Unterlagen-Gesetzes auf Vorschlag der
Bundesregierung vom Deutschen Bundestag gewählt.
(Zuruf von der CDU/CSU: Das ist
Parlamentarismus!)
Das heißt, der Vorsitzende der sogenannten
Linksfraktion verlangt nichts anderes, als dass die Kanzlerin dort
eingreift, wo das Parlament gesprochen hat. Ein sauberes
Demokratieverständnis ist das!
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Historisch lässt sich das gut in die Situation Ende 2006
einreihen, als der Deutsche Bundestag in breitem
parlamentarischen Konsens das Stasi-Unterlagen-Gesetz
beschlossen hat. Jetzt fällt Ihnen Ihr damaliger
Änderungsantrag auf die Füße, der zum Ziel hatte, mit dem
Auslaufen der damaligen Frist die
Überprüfungsmöglichkeiten zu beenden. Sie wollen Schlussstriche und
Freisprüche. Aber das macht die übergroße Mehrheit des
Deutschen Bundestages nicht mit.
(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]:
Sehr richtig!)
Sie handeln ausschließlich aus eigenem Interesse.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)Die Causa Gysi bestätigt die Richtigkeit der
Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes. Sie bestätigt aber
auch, dass Ihnen Ihre Tricks wie die fortlaufende
Umbenennung Ihrer Partei und eine um sich greifende Ostalgie
nichts nutzen, die Vergangenheit ungeschehen zu
machen. Kollege Mayer hat Herrn Ernst laut Süddeutscher
Zeitung vom 27. Mai mit den Worten zitiert – man
könnte ihn häufiger zitieren –: Die alten PDS-Strukturen
bestehen fort. – Sehr wahr! In Abwandlung eines
Spruchs Ihres Frontmanns Lafontaine: Sie sind an
diesem Tag ganz besonders die Partei von Gregor Gysi. Sie
verklären noch immer die kommunistische Diktatur in
der DDR.
Sie haben sich nur in den wenigsten Punkten von Ihrer
Vergangenheit distanziert.
Wie sehr die Wahrheit dieser Erblast auf Ihnen lastet,
macht diese Debatte deutlich.
Wenn wir einen Ausflug ins Internet unternehmen,
dann sehen wir, dass Sie bei Ihrer Internetpräsenz von
einem Gründungsparteitag der sogenannten Linken
sprechen. Die Vergangenheit davor ist ausgeblendet und ist
nur noch in den Onlinearchiven von WASG und PDS
zugänglich. Dort erfährt man genauso wie auf der Website
oder im offiziellen Lebenslauf von Gregor Gysi, dass er
seit 1989 Vorsitzender der PDS gewesen sei. Meine
Damen und Herren, vom 16./17. Dezember 1989 bis zum
4. Februar 1990 nannten Sie Ihre Partei noch SED/PDS.
Das versucht Herr Gysi geschichtsklitternd aus seinem
Lebenslauf zu tilgen. Das ist bezeichnend für Sie in der
sogenannten Linkspartei insgesamt.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie
bei Abgeordneten der FDP und des BÜND-
NISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dass und inwieweit Herr Gysi willentlich und
wissentlich für das Ministerium für Staatssicherheit
gearbeitet hat, hat der Deutsche Bundestag ausdrücklich
festgestellt, und er hat seine Schutzbehauptungen gewürdigt.
Wenn er jetzt mit Klagen und Anträgen auf einstweilige
Verfügung um sich wirft, dann zeigt das seine Meinung
von der Pressefreiheit. Ich kann nur wiederholen, was
Frau Birthler gesagt hat: Herr Gysi hat erwiesenermaßen
willentlich und wissentlich für das Ministerium für
Staatssicherheit gearbeitet.
Herr Gysi –