Rede von Dirk Niebel (FDP) – Drucksachen 16/2211, 16/4210
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 4 a bis 4 c und 19 b: Drucksachen 16/2211, 16/4210 –.
Text
Rede von Dirk Niebel (FDP) – Drucksachen 16/2211, 16/4210
Der Genosse Staatssekretär hat im Parlament die
Menschen beschimpft und keine Zwischenfragen
zugelassen. Das sagt einiges über seinen Mannesmut aus.
Aber die arrogante, oberlehrerhafte Art dieses
Staatssekretärs zeigt natürlich, dass es politisch völlig richtig
war, dass wir bei den Haushaltsberatungen die
Streichung exakt dieser Stelle gefordert haben.
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der
FDP und der LINKEN – Wolfgang Grotthaus
[SPD]: Jetzt wird es oberlehrerhaft!)
Nichtsdestotrotz wollen wir zur Sachlichkeit
zurückkehren, Herr Kollege Staatssekretär.
(Klaus Brandner [SPD]: Das war jetzt der
Hauptschullehrer! Weiter ist er nicht
gekommen!)
Die Bundesagentur für Arbeit hatte im letzten Jahr
einen eigenen Haushalt von ungefähr 53 Milliarden
Euro. Das ist fast zwei Mal so viel wie der Staatshaus-
Dirk Niebelhalt der Schweiz. Sie war mit diesen Mitteln, die von
den Beitragszahlern aufgebracht wurden – die
Steuermittel kommen noch hinzu –, bei ungefähr einem Drittel
aller Beschäftigungsaufnahmen beteiligt.
(Klaus Brandner [SPD]: Burundi hat er
vergessen!)
Ohne jedwede Art von Schaum vor dem Mund muss
man ganz klar feststellen: Mitteleinsatz und Ergebnis
stehen in keinem ausgewogenen Verhältnis zueinander.
Die FDP ist der festen Überzeugung, dass wir mit
möglichst vielen privatwirtschaftlichen Elementen eine
staatliche Arbeitsvermittlung organisieren müssen, auch
im Wettbewerb mit Privaten, aber eine staatliche
Arbeitsvermittlung, weil es immer Regionen, Menschen
und Branchen geben wird, die nicht in der Lage sind,
attraktiv für einen privaten Vermittler zu sein. Es ist eine
Aufgabe der Daseinsvorsorge des Staates, auch diesen
Menschen ein Angebot zu machen.
(Beifall bei der FDP – Klaus Brandner [SPD]:
Pure Ideologie!)
Weil vor dem Hintergrund dessen, was die
Bundesagentur in der Vergangenheit nicht konnte und heute
immer noch nicht kann, früher oder später ein
öffentlichrechtliches Arbeitsvermittlungssystem zu Recht infrage
gestellt werden würde, muss man die Bundesagentur
zukunftsfähig aufstellen. Das kann man nur, indem man
tatsächlich radikale Veränderungen durchführt. Diese
kriegen Sie angesichts der internen Strukturen nur dann
hin, wenn Sie mit dem Mittel der Auflösung der Behörde
diese juristische Sekunde nutzen, um die Aufgaben neu
zu ordnen, das Personal den Aufgaben folgen zu lassen
und dadurch die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass
staatliche Arbeitsvermittler überhaupt erst einmal in die
Lage versetzt werden, erfolgreich arbeiten zu können.
Das können sie nämlich, weil Sie so herumgemurkst
haben, heute nicht.
Wir fordern völlig zu Recht die Einführung von
marktgerecht ausgestalteten Vermittlungsgutscheinen.
Bei dem, was Sie gemacht haben, geht es nur um die
Frage, ob jemand kürzer oder länger arbeitslos ist. Für
die Vermittlung bedarf es etwas mehr, als nur die Dauer
der Arbeitslosigkeit festzustellen. Es bedarf eines
umfassenden Bildes des Menschen, den man integrieren will,
und eines umfassenden Bildes der Stelle, die man
besetzen will. Wenn ich dem Arbeitssuchenden mit
einem marktgerecht ausgestalteten Vermittlungsgutschein
Nachfragemacht gebe, und zwar vom ersten Tag der
Arbeitslosigkeit an, dann geht er mit seinem Gutschein zu
dem Vermittler seines Vertrauens. Das kann der private
sein, das kann aber auch der staatliche sein. Der muss
sich zumindest in den erfolgsabhängigen
Lohnkomponenten refinanzieren. Was meinen Sie, welche
Veränderungsbereitschaft das intern mit sich bringt, zu
Strukturen zu kommen, die es den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der Agentur ermöglichen, überhaupt erst
einmal erfolgreich sein zu dürfen. Das sollten Sie beden-ken. Wenn Sie weniger arrogant und weniger bräsig
wären, sondern die Anträge der Opposition lesen würden,
dann wüssten Sie auch, was wir beantragen, und könnten
sachgerecht mit uns diskutieren.