Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zum überarbeiteten Aktionsplan der makroregionalen EU-Strategie für den Alpenraum
Text
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zum überarbeiteten Aktionsplan der makroregionalen EU-Strategie für den Alpenraum
[Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 746/25
11.12.25
EU - AV - U - Vk - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zum überarbeiteten
Aktionsplan der makroregionalen EU-Strategie für den Alpenraum
COM(2025) 750 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 329/15 = AE-Nr. 150527
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 11.12.2025
COM(2025) 750 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
zum überarbeiteten Aktionsplan der makroregionalen EU-Strategie für den Alpenraum
{SWD(2025) 403 final}
1
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG ............................................................................................................................. 2
2. ERFOLGE DER STRATEGIE ................................................................................................... 3
3. DER ÜBERARBEITETE AKTIONSPLAN............................................................................... 5
4. THEMATISCHE POLITISCHE SÄULEN UND AKTIONEN IM RAHMEN DER
STRATEGIE ......................................................................................................................................... 6
5. GOVERNANCE UND UMSETZUNG DER STRATEGIE ...................................................... 8
6. SCHLUSSFOLGERUNG ........................................................................................................... 10
2
1. EINFÜHRUNG
Zwischen 2009 und 2015 billigte der Europäische Rat die Entwicklung von vier
makroregionalen Strategien der Europäischen Union. Mit diesen Strategien werden Probleme
angegangen, die kein Land allein wirksam lösen kann. Dabei wird es den Ländern ermöglicht,
Ressourcen zu bündeln und bei der Zusammenarbeit einen sektorübergreifenden Multi-Level-
Governance-Ansatz zu verfolgen. Alle makroregionalen Strategien liefern Ergebnisse, die
einen gerechten ökologischen und digitalen Wandel, die regionale Entwicklung und das
Wachstum unterstützen. Die Strategien zeitigen seit über zehn Jahren Erfolge. Das
makroregionale Konzept ist attraktiv und findet bei Akteuren aus Politik, öffentlichem und
privatem Sektor, Hochschulbereich und Zivilgesellschaft in ganz Europa große Beachtung.
Im Juli 2015 nahm die Europäische Kommission auf Ersuchen der sieben teilnehmenden
Länder die EU-Strategie für den Alpenraum an. Die Strategie wurde vom Europäischen Rat
am 28. Juni 2016 gebilligt. Als europäische makroregionale Strategie zielt sie auf eine
wirksamere Nutzung der vorhandenen Finanzmittel, eine stärkere Koordinierung zwischen den
Institutionen und politischen Maßnahmen und eine bessere Koordinierung der bestehenden
Rechtsvorschriften ab.
Der Alpenraum, in dem 80 Millionen Menschen (etwa 15 % der gesamten EU-Bevölkerung)
leben, erstreckt sich auf 48 Regionen in fünf EU-Mitgliedstaaten (Deutschland, Frankreich,
Italien, Österreich und Slowenien) und zwei Drittstaaten (Liechtenstein und Schweiz). Im
Herzen Europas gelegen, verfügt er über ein starkes Netz aus großen Metropolen sowie
Alpenstädten und -dörfern, was ihn zu einer der wohlhabendsten, attraktivsten,
wettbewerbsfähigsten, innovativsten und produktivsten Regionen Europas macht. Mit seiner
einzigartigen Geografie und Natur beherbergt er einige der bedeutendsten Wasserressourcen
Europas und ist eines der wichtigsten Schutzgebiete für die biologische Vielfalt des Kontinents.
Aufgrund seiner besonderen Gegebenheiten steht der Alpenraum vor spezifischen
Herausforderungen, von den gravierenden Auswirkungen des Klimawandels – schmelzende
Gletscher, zunehmende Naturgefahren und gestörte Wasserkreisläufe – bis hin zu
sozioökonomischen Problemen wie Bevölkerungsalterung, Abwanderung junger Menschen
und Ungleichheiten bei der Infrastruktur.
Hauptziel der Strategie ist es, einen Rahmen für die staatliche und nichtstaatliche
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren zu schaffen und grenzübergreifende
strategische Ansätze, Projekte, Vernetzung und Zusammenarbeit bei Schlüsselthemen zum
Nutzen des gesamten Alpenraums zu fördern. In Bereichen, in denen es einen gemeinsamen
Bedarf und ein gemeinsames Interesse im gesamten Alpenraum gibt, bietet die Strategie einen
Rahmen für eine bessere Zusammenarbeit.
Der im Jahr 2015 angenommene Aktionsplan der Strategie ist darauf ausgerichtet, die
gegenseitige Solidarität zwischen den Alpenregionen zu stärken, um die Attraktivität und
Wettbewerbsfähigkeit des Alpenraums zu steigern, soziale und regionale Ungleichheiten zu
verringern und die Erhaltung und nachhaltige Bewirtschaftung der einzigartigen natürlichen
Umwelt sicherzustellen. Mit dem Gründungsdokument der Strategie1 wurde der Weg zu einer
1 Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und
Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zu einer Strategie der Europäischen Union für den Alpenraum
(COM(2015) 366 final vom 28. Juli 2015).
3
neuen Beziehung zwischen Metropolregionen, Alpenvorland, Bergregionen und abgelegenen
Gebieten geebnet, wobei drei Prioritäten in den Blick genommen wurden:
(1) Wettbewerbsfähigkeit und Innovation,
(2) umweltfreundliche Mobilität und Anbindung,
(3) nachhaltige Bewirtschaftung von Energie sowie von natürlichen und kulturellen
Ressourcen.
Ein Jahrzehnt, nachdem die Strategie verabschiedet wurde, hat sich die Welt erheblich
gewandelt. Die geopolitische Lage wird angesichts des anhaltenden Angriffskriegs Russlands
gegen die Ukraine, der weiterhin spürbaren sozioökonomischen Auswirkungen der COVID-
19-Pandemie und des raschen technologischen Fortschritts zunehmend instabiler. Die
Auswirkungen des Klimawandels sind deutlicher denn je, mit immer häufigeren Hitzewellen,
dem vergleichsweise seltenen Auftreten schneereicher Winter und einer Zunahme von
Naturkatastrophen aufgrund intensiver Regenfälle. Diese neuen äußeren Umstände sowie neue
und aktualisierte Prioritäten und Initiativen der Europäischen Union, wie der Deal für eine
saubere Industrie und die Union der Kompetenzen, machen es erforderlich, den Aktionsplan
zu aktualisieren und die Umsetzung der Strategie neu zu bewerten, um sicherzustellen, dass sie
mit den aktuellen geopolitischen und politischen Herausforderungen der Region in Einklang
steht. Darüber hinaus haben sich interne Prozesse und Strukturen nach zehn Jahren der
Umsetzung weiterentwickelt, und innerhalb der Makroregion sind neue Gremien und
Governance-Mechanismen entstanden.
Der neue Aktionsplan ist eine aktualisierte und neu ausgerichtete Version des ursprünglichen
Aktionsplans, dessen Schwerpunkt auf politischen und strategischen Fragen liegt. Mit dem
aktualisierten Plan wird die Strategie mit Blick auf die Bewältigung künftiger
Herausforderungen unterstützt, indem der grenzübergreifende Austausch und Lösungen für
einen nachhaltigen und prosperierenden Alpenraum gefördert werden.
Im Mittelpunkt dieser Mitteilung steht der überarbeitete Aktionsplan, der von den
Strategiepartnern erstellt wurde. Erläutert werden der Hintergrund und die Beweggründe, was
sich geändert hat und wie die Strategie durch den Plan die Möglichkeit erhält, auf neue und
künftige Veränderungen zu reagieren.
2. ERFOLGE DER STRATEGIE
Ergebnisse bei den wichtigsten Prioritäten der EU
Die Strategie hat in mehreren Bereichen zu positiven Ergebnisse geführt und die regionale
Zusammenarbeit und Vernetzung im Rahmen ihrer drei thematischen Ziele gestärkt. In den
vergangenen zehn Jahren hat sie die Prioritäten der EU in der Region erfolgreich vorangebracht
und insbesondere zum ökologischen und digitalen Wandel in Europa sowie zur Anpassung an
den Klimawandel und zur Minderung seiner Folgen beigetragen. Dies wurde durch einen
sektorübergreifenden Ansatz erreicht, der auf einer Multi-Level-Governance und einer breiten
Einbeziehung der Interessenträger beruht. Außerdem wurden die wichtigsten EU-Initiativen
im Rahmen der Strategie auf den spezifischen Bedarf der Region zugeschnitten.
4
Der Start der Strategie war ein wichtiges Etappenziel bei der Koordinierung der internationalen
Bemühungen zur Bewältigung der Herausforderungen, mit denen der Alpenraum konfrontiert
ist. Der Alpenraum ist für seine große biologische Vielfalt und seine lebendigen
Kulturlandschaften bekannt und spielt in Europa eine zentrale wirtschaftliche, ökologische und
soziale Rolle. Traditionell ist er mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, die von
ökologischen Anfälligkeiten bis hin zu sozioökonomischen Ungleichheiten reichen. Seit ihrer
Einführung hat die Strategie erfolgreiche grenzübergreifende Projekte ermöglicht, die den
Umweltschutz, die Infrastrukturentwicklung und die sozioökonomische Integration verbessert
haben, wodurch der Status des Alpenraums als wichtige europäische Makroregion gefestigt
wurde. Diese gemeinsamen Anstrengungen haben ein starkes Fundament für die
Zusammenarbeit gelegt, auf dem mit dem überarbeiteten Aktionsplan weiter aufgebaut werden
soll.
Finanzierung der Strategie
Die Einbettung der Strategie in mehrere Finanzierungsquellen ist für ihre erfolgreiche
Umsetzung von entscheidender Bedeutung. Um eine wirksame Umsetzung und die Übernahme
der Verantwortung auf allen Ebenen zu gewährleisten, ist es unverzichtbar, Mittel aus
verschiedenen Quellen wie der EU, den nationalen und regionalen Behörden und dem
Privatsektor zu mobilisieren. Durch die strategische Koordinierung dieser
Finanzierungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen wird deren Wirkung maximiert.
Traditionell kommt zwar bedeutende Unterstützung aus dem Interreg-Programm für den
Alpenraum, doch die aktive Diversifizierung der Finanzierungsquellen wird die Reichweite
und Wirksamkeit der Strategie weiter erhöhen. Mit diesem Ansatz kann das Potenzial der
Strategie voll ausgeschöpft und können sinnvolle Fortschritte erzielt werden.
Da die Strategie einen regionalen Ansatz verfolgt, sollten alle Finanzierungsinstrumente mit
einer klaren regionalen Dimension für die Unterstützung der Umsetzung in Betracht gezogen
werden – sowie auch thematische Instrumente, die durch eine Koordinierung in der gesamten
Region noch wirksamer eingesetzt werden könnten. Neben dem Interreg-Programm für den
Alpenraum, das aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert wird, sind
folgende Finanzierungsquellen denkbar: sonstige nationale und regionale Programme, die aus
dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, dem Europäischen Sozialfonds Plus und
dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums finanziert
werden. Andere mögliche Finanzierungsquellen sind thematische EU-Programme wie
Erasmus+ und InvestEU. Schließlich können auch Darlehen, Beteiligungskapital und
Garantien der Europäischen Investitionsbank als Finanzierungsquellen dienen.
Wichtigste Partner der Interessenträger der Strategie sind die Verwaltungsbehörden der EU-
Programme. Ein „Finanzdialog“ zwischen den Umsetzungsakteuren der Strategie und den
Programmverwaltern ist daher entscheidend für das Verständnis und die Abstimmung der
jeweiligen Bedürfnisse. In diesem Zusammenhang hat das Netzwerk für den Finanzdialog der
Strategie dazu beigetragen, die Tätigkeiten im Rahmen der Strategie mit den verfügbaren
Mitteln zu verknüpfen, indem es den Dialog fördert und den Informationsaustausch zwischen
den für die Verwaltung der Finanzierungsmöglichkeiten zuständigen Stellen verbessert hat.
5
3. DER ÜBERARBEITETE AKTIONSPLAN
Bei der Überarbeitung des Aktionsplans wurde deutlich, dass neue oder drängendere
Herausforderungen angegangen werden müssen sowie eine strategischere Vision für die
Umsetzung der Strategie und ein systematischerer Ansatz erforderlich sind, um das
Engagement und das Bewusstsein für die Strategie in allen teilnehmenden Ländern zu
verbessern. Gleichzeitig wurde anerkannt, dass in Bezug auf die thematischen Säulen und die
Maßnahmen der Strategie eine starke Kontinuität erforderlich ist.
Der Alpenraum ist in hohem Maße vom Klimawandel betroffen. Steigende Temperaturen
lassen die Gletscher schmelzen, wodurch sich das Risiko von Naturgefahren wie Lawinen und
Erdrutschen erhöht. Diese Veränderungen wirken sich auf den Wasserkreislauf aus und
bedrohen die biologische Vielfalt, die wirtschaftliche Stabilität und die Sicherheit, was sich
nicht nur auf den Alpenraum, sondern auch auf die angrenzenden Länder auswirkt.
Sozioökonomische Probleme wie die Alterung der Bevölkerung, die Abwanderung junger
Menschen aus ländlichen Gebieten sowie Unterschiede in der Infrastruktur und der Anbindung
machen zudem wohldurchdachte Maßnahmen erforderlich. Durch die digitale Kluft
verschärfen sich diese Probleme. Um eine gleichberechtigte Entwicklung zu gewährleisten, ist
eine Verbesserung der technologischen Infrastruktur und der digitalen Kompetenzen
erforderlich.
Als Reaktion auf diese Herausforderungen sind in dem überarbeiteten Aktionsplan umfassende
Ziele zur Förderung von Resilienz, Innovation, Inklusion und nachhaltiger Governance in der
gesamten Region festgelegt.
Seit 2023 arbeiten die teilnehmenden Länder mit der Kommission auf mehreren Ebenen in
koordinierter Weise zusammen, um einen überarbeiteten Aktionsplan zu erstellen, der den
geopolitischen und politischen Entwicklungen seit der ersten Ausarbeitung der Strategie
Rechnung trägt. Der überarbeitete Aktionsplan spiegelt auch die Erfahrungen wider, die bei
der Umsetzung der Strategie im Laufe der Jahre gewonnen wurden, und umfasst die in den
vergangenen zehn Jahren vorgenommenen Änderungen bei der Governance und Verwaltung
der Strategie.
Das Ergebnis dieser Arbeit ist der dieser Mitteilung beigefügte überarbeitete Aktionsplan, der
den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Region besser Rechnung trägt und einen robusteren
Rahmen bietet, der es den teilnehmenden Ländern ermöglicht, wirksamer
zusammenzuarbeiten, um die Ziele der Strategie zu erreichen.
Was ist neu?
Der überarbeitete Aktionsplan baut auf der vorherigen Fassung auf, wobei die beiden folgenden
wesentlichen Änderungen vorgenommen wurden:
a) Ein missionsorientierter Ansatz, der die Bewältigung von für den gesamten
Alpenraum relevanten erheblichen Herausforderungen in den Blick nimmt, indem ehrgeizige,
aber realistische Ziele festgelegt und die für die Umsetzung der Strategie erforderliche
politische Steuerung und Sichtbarkeit gewährleistet werden Die Missionen sollen Synergien
fördern und eine bessere Verknüpfung zwischen Maßnahmen und Projekten in einem
bestimmten Bereich ermöglichen. Sie beinhalten eine engere Einbindung der politischen Ebene
durch die Benennung eines Berichterstatters oder einer Berichterstatterin für die Mission, bei
dem es sich um einen von der Generalversammlung ernannten gewählten Politiker oder eine
6
gewählte Politikerin handelt. Durch die Verfolgung bereichsübergreifender Ziele ermöglichen
es die Missionen, Projekte und Initiativen um ein Ziel herum zu gruppieren, wodurch für mehr
Kohärenz zwischen der politischen und der technischen Ebene gesorgt wird.
Die Missionen beruhen auf dem Aktionsplan und werden in enger Zusammenarbeit mit dem
Vorstand und den Aktionsgruppen unter Einbeziehung verschiedener Interessenträger
vorbereitet.
b) Änderungen am Governance-System der Strategie In den vergangenen zehn Jahren
haben sich die Verfahren und die Governance der Strategie erheblich weiterentwickelt, und der
überarbeitete Aktionsplan bietet nun einen vollständigen Überblick über die bestehenden
Strukturen. Dazu gehören
Das Leitungsgremium der Aktionsgruppen und der Dreiervorsitz. Nach Konsultationen mit
den Interessenträgern wurde die Governance der Strategie im Laufe der Zeit durch die
Schaffung dieser neuen Gremien gestärkt. Die Aktionsgruppenleiterinnen und -leiter sind für
die Durchführung konkreter Projekte zuständig, und das Leitungsgremium fördert Synergien
und die Zusammenarbeit. Der Dreiervorsitz sorgt für Kontinuität zwischen vorangegangenen,
derzeitigen und künftigen Vorsitzen.
Der Jugendrat Der 2021 eingerichtete Jugendrat ist an allen Governance-Ebenen beteiligt. Er
trägt durch Projekte zur Strategie bei und fördert die Verbindungen zwischen jungen Menschen
im gesamten Alpenraum.
Die Struktur für technische Unterstützung und das Sekretariat Eine weitere wichtige
Änderung im Bereich der Governance war die Einrichtung der Struktur für technische
Unterstützung mit ihrem Sekretariat im Jahr 2023. Finanziert wird sie aus dem Interreg-
Programm für den Alpenraum. Das Sekretariat unterstützt sowohl die Entscheidungsgremien
der Strategie als auch ihre Umsetzungsakteure, die Aktionsgruppen.
4. THEMATISCHE POLITISCHE SÄULEN UND AKTIONEN IM
RAHMEN DER STRATEGIE
Thematische politische Säulen und Ziele
Auch wenn sich die Herausforderungen der Zusammenarbeit im Alpenraum in den
vergangenen Jahren nicht grundlegend geändert haben, wurde mit der Strategie die Grundlage
für eine Reaktion auf die dringende Notwendigkeit einer Anpassung an unterschiedliche
Transformationsprozesse geschaffen. Dies geschieht durch die klare Konzentration auf
spezifische Themen und deren Priorisierung. Im überarbeiteten Aktionsplan liegt der
Schwerpunkt auch weiterhin auf den drei thematischen politischen Säulen:
Wirtschaftswachstum und Innovation, Mobilität und Anbindung, Umweltschutz und Energie.
Jede Säule entspricht jeweils einem Ziel der Strategie. Als Antwort auf die aktuellen
Herausforderungen im Alpenraum und die jüngsten Strategiedokumente umfassen diese
Säulen neun Aktionen.
Jede Aktion ist in drei bis sieben Themen untergliedert, die die Grundlage für die Arbeit der
Aktionsgruppen bilden. Die Aktionen selbst stimmen zwar mit der vorherigen Fassung des
Aktionsplans überein, Formulierung und Schwerpunkt der einzelnen Aktionen wurden jedoch
7
weiterentwickelt. Die Aktionsgruppen fördern ein starkes Zugehörigkeits- und
Verantwortungsgefühl der Teilnehmenden in der gesamten Region, indem sie innerhalb eines
breiten Netzwerks agieren und die Zusammenarbeit auf die politischen Ziele ausrichten.
Wirtschaftswachstum und Innovation
Ziel dieser Säule der Strategie ist der Aufbau einer wettbewerbsfähigen und innovativen
Wirtschaft im Alpenraum, die sowohl kreislauforientiert als auch klimaneutral ist. Dies ist von
entscheidender Bedeutung, um menschliche Tätigkeiten zu unterstützen und ein nachhaltiges
Gleichgewicht mit der Umwelt aufrechtzuerhalten.
Die drei Aktionen im Rahmen dieser Säule haben folgende Schwerpunkte:
1. Stärkung eines wirksamen Forschungs- und Innovationsökosystems durch die
Förderung eines günstigen Umfelds für Forschung und Innovation als
Wachstumstreiber, insbesondere in Sektoren wie der Berglandwirtschaft sowie der
Forst- und Energiewirtschaft;
2. Steigerung des wirtschaftlichen Potenzials strategischer Sektoren, indem der Wert
von Schlüsselsektoren ermittelt und genutzt und Forschung durch einen wirksamen
Technologietransfer in greifbare Vorteile umgesetzt wird; und
3. Verbesserung der Relevanz der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie der
allgemeinen und beruflichen Bildung für strategische Sektoren, indem
sichergestellt wird, dass der Arbeitsmarkt auf den Bedarf der Unternehmen abgestimmt
ist, die Bedeutung der allgemeinen und beruflichen Bildung hervorgehoben wird und
die grenzübergreifende Mobilität und Zusammenarbeit der Arbeitskräfte verbessert
wird, um den wirtschaftlichen Fortschritt weiter voranzutreiben.
Mobilität und Anbindung
Ziel dieser Säule ist es, den Alpenraum leichter zugänglich und besser vernetzt zu gestalten,
indem nachhaltige Verkehrs- und Mobilitätslösungen gefördert und die Möglichkeiten von
Digitalisierung und neuen Technologien voll ausgeschöpft werden.
Die zwei Aktionen im Rahmen dieser Säule haben folgende Schwerpunkte:
1. Förderung der Intermodalität und Interoperabilität im Personen- und
Güterverkehr, indem dem Bedarf an effizienten und nachhaltigen Verkehrssystemen
auf verschiedenen Ebenen Rechnung getragen wird, um einen effizienten Personen-
und Güterverkehr zu ermöglichen; und
2. digitale Vernetzung der Bürgerinnen und Bürger und Förderung des Zugangs zu
öffentlichen Diensten, indem der Schwerpunkt auf die Förderung der digitalen
Anbindung gelegt wird, um öffentliche Dienste leichter zugänglich zu machen,
wodurch die sozioökonomische Integration verbessert und der Weg für regionales
Wachstum und regionale Entwicklung geebnet wird.
Umweltschutz und Energie
8
Im Rahmen dieser Säule besteht das Ziel darin, ein hohes Maß an ökologischer Anbindung und
eine ökologisch nachhaltige Region zu schaffen, die darauf vorbereitet ist, sich an den
Klimawandel anzupassen und dessen Auswirkungen abzumildern
Die vier Aktionen im Rahmen dieser Säule haben folgende Schwerpunkte:
1. Erhaltung und Erfassung des Wertes der natürlichen und kulturellen Ressourcen
durch Betonung eines sorgfältig austarierten Gleichgewichts zwischen Erhaltung und
nachhaltiger Nutzung mit besonderem Schwerpunkt auf der Wiederherstellung und
nachhaltigen Bewirtschaftung der Boden- und Wasserressourcen;
2. Verbesserung der ökologischen Anbindung im gesamten Alpenraum durch
Erhaltung, Verbesserung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der
Ökosystemdienstleistungen sowie Förderung der blauen und grünen Infrastruktur, um
nahtlose gebietsübergreifende Verbindungen zu schaffen;
3. Verbesserung des Risikomanagements und eine bessere Bewältigung des
Klimawandels durch das Verstehen und das Management der Risiken, die von
Umweltzerstörung und Klimawandel ausgehen, sowie Förderung der Zusammenarbeit
bei der Bewältigung von Naturkatastrophen und extremen Wetterereignissen, vor allem
durch naturbasierte Lösungen; und
4. Entwicklung des Alpenraums hin zu einem Modell für Energieeffizienz und
erneuerbare Energien, indem der Schwerpunkt auf Energieeffizienz und die Nutzung
erneuerbarer Ressourcen im Einklang mit der alpinen Umwelt gelegt wird, was für die
Eindämmung der Auswirkungen des Klimawandels von wesentlicher Bedeutung ist.
Durch den Klimawandel verursachte Veränderungen des Wasserkreislaufs, einschließlich
Gletscherschmelzen, werden sich nicht nur auf den Alpenraum, sondern auch auf die
flussabwärts gelegenen Länder auswirken. Ein gemeinsames und gut koordiniertes
Management länderübergreifender Flüsse ist wichtig für die Gewährleistung des integrierten
Schutzes, der Verbesserung und der Wiederherstellung der Wasserressourcen und ihrer
Ökosysteme und von entscheidender Bedeutung für die Wasserresilienz und die Sicherheit der
Wasserversorgung in Europa. Die verstärkte Nutzung naturbasierter Lösungen kann zur
Wiederherstellung des Wasserkreislaufs und zur besseren Anpassung an den Klimawandel,
einschließlich eines besseren Schutzes vor Überschwemmungen und Wasserknappheit,
beitragen und so die Resilienz der gesamten Region erhöhen.
Zusammen fördern die drei Säulen einen ausgewogenen Ansatz, der nicht nur die
wirtschaftliche Entwicklung und eine bessere Anbindung fördert, sondern auch den Schutz der
Umwelt sicherstellt und die Resilienz des Alpenraums stärkt, damit dieser sich erfolgreich an
globale Herausforderungen anpassen kann.
5. GOVERNANCE UND UMSETZUNG DER STRATEGIE
Der Governance-Rahmen der Strategie umfasst verschiedene Gremien und Instrumente, die
deren Tätigkeiten steuern und lenken. Wie diese Gremien zusammenarbeiten und interagieren,
ist im Aktionsplan und in ihren jeweiligen Geschäftsordnungen detailliert festgelegt.
Die Governance der Strategie soll den Aufbau von Kapazitäten erleichtern. Sie ist klar und
ergebnisorientiert, wodurch die Zusammenarbeit im Alpenraum verbessert wird. Sie
gewährleistet die aktive Beteiligung nationaler, regionaler und lokaler Interessenträger sowie
9
von Vertretern der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und der breiten
Öffentlichkeit, insbesondere junger Menschen. Sie stellt sicher, dass die wichtigsten Akteure,
die die Strategie umsetzen, mit einem klaren Mandat zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben
ausgestattet sind. Außerdem garantiert sie auf allen Ebenen eine klare und umfassende
Kommunikation über die Ergebnisse und den Mehrwert der Strategie.
In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Governance-Rahmen weiterentwickelt, was das
starke Engagement der Interessenträger für die Umsetzung der Strategie widerspiegelt. Dies
unterstreicht die Notwendigkeit, die Koordinierung innerhalb und zwischen den Maßnahmen
weiter zu verbessern und die politische Führung auf den Koordinierungsebenen der Strategie
weiter zu stärken.
Gremien
Generalversammlung. Die Generalversammlung ist das höchste politische
Entscheidungsgremium der Strategie. Sie legt strategische Prioritäten und Ziele fest. Sie setzt
sich aus hochrangigen politischen Vertretern der teilnehmenden Staaten und Regionen sowie
Beobachtern wie dem Jugendrat, der Alpenkonvention und dem Interreg-Programm für den
Alpenraum zusammen. Die Europäische Kommission nimmt als Vermittlerin und Ko-
Vorsitzende teil und stellt die Angleichung an die EU-Rechtsvorschriften sicher, ohne jedoch
ein Stimmrecht zu besitzen. Die Generalversammlung billigt Aktionspläne, überwacht die
Fortschritte bei der Umsetzung und erleichtert die regionenübergreifende Zusammenarbeit.
Vorsitz Der Vorsitz wechselt jährlich zwischen den Partnerländern. Er spielt eine
entscheidende Rolle bei der Leitung der Sitzungen der Generalversammlung und des
Vorstandes, bei der Ausarbeitung des jährlichen Arbeitsprogramms und bei der Organisation
sektorspezifischer Ministertreffen.
Vorstand Der Vorstand, dem nationale Koordinatoren und Vertreter der teilnehmenden
Regionen und Staaten angehören, ist für die Umsetzung des Aktionsplans zuständig. Die
Europäische Kommission überprüft in ihrer Rolle als Vermittlerin und Ko-Vorsitzende die
Einhaltung der EU-Rechtsvorschriften und die Angleichung an die Prioritäten der EU. Der
Jugendrat, die Alpenkonvention und andere Gremien beobachten die Arbeit des Vorstands. Der
Vorstand beaufsichtigt Aktionsgruppen, koordiniert die Sitzungen der Generalversammlung
und fördert die Kohärenz bei der Umsetzung der Strategie.
Nationale Koordinatoren Die nationalen Koordinatoren spielen eine wichtige Rolle bei der
Überwachung und Unterstützung der Gestaltung und Umsetzung der Strategie sowie bei der
Förderung der Beteiligung der Interessenträger. Sie sind Mitglieder des Vorstands und leiten
die nationalen Delegationen. Sie sind ferner die wichtigste Kontaktstelle auf nationaler Ebene,
die die Strategie in ihrem Land koordiniert. Sie werden von ihrer Regierung oder Institution
ernannt und vertreten entweder die nationale oder die regionale Ebene.
Aktionsgruppen Die Aktionsgruppen sind mit der laufenden Umsetzung der Strategie in allen
Themenbereichen beauftragt. Sie setzen sich aus Sachverständigen und Interessenträgern
zusammen, koordinieren die Maßnahmen in umfassender Weise und integrieren sie in den
verschiedenen Regionen. Sie entwickeln Projekte und politische Maßnahmen, die zu den
Zielen der Strategie beitragen. Die Aktionsgruppenleiterinnen und -leiter erleichtern die
10
Kommunikation und die Tätigkeiten der Gruppen entsprechend ihren jeweiligen
Arbeitsplänen.
Wie in Abschnitt 3 beschrieben, werden diese Stellen durch neue Strukturen ergänzt: den
Dreiervorsitz, das Leitungsgremium der Aktionsgruppen, den Jugendrat, die Struktur für
technische Unterstützung und das Sekretariat der Strategie.
Umsetzung der Strategie
Die Durchsetzung der Tätigkeiten im Rahmen der Strategie orientiert sich an dem Aktionsplan,
der auf den folgenden drei strategischen Ebenen operiert: thematische politische Säulen und
Ziele, Aktionen und Projekte. Der Aktionsplan dient als Bezugsrahmen für die
Generalversammlung, den Vorstand und die Aktionsgruppen und unterstützt sie bei der
Ausarbeitung ihrer Arbeitspläne auf der Grundlage der von der Generalversammlung
genehmigten Missionen.
Bei den Arbeitsplänen handelt es sich um dreijährige Programme, mit denen die im
Aktionsplan genannten Ziele und die von der Generalversammlung genehmigten Missionen in
konkrete Ergebnisse umgesetzt werden sollen. Sie gewährleisten die politische Kohärenz
zwischen dem Aktionsplan und den von den Aktionsgruppen durchgeführten Initiativen. Die
Arbeitspläne sind zielorientiert und realistisch und spiegeln die Ziele der Strategie wider. Sie
enthalten Leitlinien der Generalversammlung und des Vorstands. Ergänzt werden sie durch das
in dieser Mitteilung bereits beschriebene Instrument für Missionen.
6. SCHLUSSFOLGERUNG
Jede makroregionale Strategie spiegelt den einzigartigen geografischen, wirtschaftlichen und
politischen Kontext ihrer jeweiligen Region wider und ist auf die spezifischen Stärken der
jeweiligen Makroregion und die dortigen Herausforderungen ausgerichtet. Da es sich bei den
Strategien um zwischenstaatliche Initiativen handelt, gelten für sie keine Ex-ante-Vorschriften
über Umsetzungsstrukturen oder die Projektorganisation. Stattdessen wächst jede Strategie mit
und passt sich organisch an ihre eigenen Gegebenheiten an.
Seit 2015 hat sich im Rahmen der Alpenstrategie ein ausgefeiltes Governance-Modell
entwickelt, das eine breite Vertretung aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft aufweist.
Die umfassende Aktualisierung ihres Governance-Systems im überarbeiteten Aktionsplan
spiegelt die Aufgaben und Zuständigkeiten neuer Gremien und Strukturen wie des
Dreiervorsitzes, des Leitungsgremiums der Aktionsgruppen, des Jugendrates, der Struktur für
technische Unterstützung und des Sekretariats wider. Diese neuen Gremien, die in den
vergangenen zehn Jahren entstanden sind, haben die Funktionsweise der Strategie erheblich
verbessert.
Die Urheber der Alpenstrategie haben sich gegen wesentliche Änderungen an deren Prioritäten
und Zielen entschieden. Stattdessen setzten sie auf Kontinuität, was sich in dem breiten
Einvernehmen zwischen den Strategiepartnern widerspiegelt, wonach die vor zehn Jahren
festgelegten Prioritäten und Ziele weiterhin gültig und für den Alpenraum relevant sind. Im
Rahmen der Strategie wurde jedoch ein neuer missionsbasierter Ansatz eingeführt. Dieser zielt
11
klar darauf ab, Synergien zu stärken, die politische Beteiligung und Verantwortung zu fördern
und ihr allgemeines Profil zu verbessern.
Insgesamt kann die Strategie mit diesen neuen Elementen die Attraktivität, Resilienz und
Wettbewerbsfähigkeit des Alpenraums weiter unterstützen und ausbauen und die
Lebensqualität der Menschen in der Region verbessern. Nach Auffassung der Kommission
bietet der überarbeitete Aktionsplan einen zukunftsorientierten Rahmen zur Förderung von
nachhaltigem Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Umweltschutz und einer verstärkten
Zusammenarbeit in der Region. Der überarbeitete Aktionsplan wird es dem Alpenraum
ermöglichen, die Herausforderungen und Chancen, denen er sich gegenübersieht, wirksam zu
bewältigen, sodass er weiterhin als Vorbild für die Zusammenarbeit in Europa dienen kann.
Drucksache 746/25]
Relationen
- authored ← Europäische Kommission
- part_of_vorgang → Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Reg (Unterrichtung)