Todesopfer unter Flüchtenden auf dem Weg in die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union im Jahr 2025
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Todesopfer unter Flüchtenden auf dem Weg in die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union im Jahr 2025
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6195
21. Wahlperiode 02.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Clara Bünger, Doris Achelwilm, Violetta Bock, Anne-Mieke
Bremer, Agnes Conrad, Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß,
Ferat Koçak, Jan Köstering, Sonja Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing,
Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Todesopfer unter Flüchtenden auf dem Weg in die Bundesrepublik Deutschland
und die Europäische Union im Jahr 2025
Nach Angaben des Missing-Migrants-Projekts der Internationalen Organisation
für Migration starben oder verschwanden im Jahr 2025 mindestens 2 185
Menschen bei dem Versuch, die EU über das Mittelmeer zu erreichen. Seit 2014
sind fast 35 000 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken
(https://missingmigrants.iom.int/region/mediterranean). Nach Einschätzungen
von zivilgesellschaftlichen Initiativen liegt die Zahl derer, die tatsächlich auf
dieser Fluchtroute ihr Leben verloren haben, jedoch noch weitaus höher. Die
Gruppe „Watch the Med Alarm Phone“ dokumentierte etwa in der zweiten
Jahreshälfte 2020 nach eigenen Angaben über Kontakte zu Angehörigen von
Verstorbenen, Überlebenden von Schiffsunglücken und lokalen Fischern Hunderte
Todesfälle, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen (https://alarmphone.or
g/en/2021/01/14/a-struggle-for-every-single-boat/).
Noch größer als die Zahl der Ertrunkenen im Mittelmeer ist die Zahl derer, die
bei der Durchquerung der Sahara ihr Leben verlieren. Die Internationale
Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass dort zwischen 2014 und 2018
mindestens 30 000 Menschen verschwunden sind. Ein UN-Bericht von Juli 2024
dokumentiert Aussagen von Geflüchteten zu Überfällen, sexualisierter Gewalt,
Erpressung und weiteren Formen von Gewalt während der Sahara-
Durchquerung. Viele Menschen überleben diese Misshandlungen nicht, oder sie
werden krank und ohne Hilfe zurückgelassen (www.unhcr.org/at/news/press-rel
eases/unhcr-iom-mmc-bericht-zu-gewalt-und-gefahren-auf-afrikanischen-landr
outen).
An den Landgrenzen der EU, etwa in Griechenland, Ungarn, Kroatien und
Polen, kommt es laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen regelmäßig
zu illegalen Pushbacks. Demnach werden Schutzsuchende an den Grenzen mit
brutaler Gewalt zurückgeprügelt, ausgeraubt und gedemütigt. Tausende solcher
Fälle sind etwa im „Black Book of Pushbacks“ dokumentiert (https://left.eu/iss
ues/publications/black-book-of-pushbacks-2022/). Auch nach der Überwindung
der militarisierten EU-Außengrenzen sind Geflüchtete oft nicht sicher, ist es
nach Einschätzung von Beobachtern vielmehr zu weiteren
Menschenrechtsverletzungen gekommen. Besonders dramatisch sind die Zustände in den Lagern
auf den griechischen Inseln. Mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen
Asylsystems ist auch nach Ansicht der fragestellenden Fraktion eine
Ausweitung und Verallgemeinerung dieser Zustände zu befürchten (www.proasyl.de/n
ews/griechische-verhaeltnisse-bald-ueberall-in-europa/). Nach Angaben des
Missing-Migrants-Projektes kamen zwischen 2014 und 2025 fast 1 500
Menschen auf der (Weiter-)Flucht innerhalb Europas ums Leben oder verschwanden
(https://missingmigrants.iom.int/region/europe?region_incident=All&route=All
&incident_date%5Bmin%5D=&incident_date%5Bmax%5D=).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Personen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025
a) an den Landesgrenzen, Küsten, Seehäfen, Flughäfen bzw. im
Grenzgebiet der Bundesrepublik Deutschland tot aufgefunden worden oder ums
Leben gekommen,
b) an den Grenzen der Europäischen Union tot aufgefunden worden oder
ums Leben gekommen,
c) in Flüchtlingsunterkünften, Hotspots, Abschiebegefängnissen und
Transitzonen in Dublin-Staaten ums Leben gekommen,
d) in den verschiedenen Formen von Flüchtlingsunterkünften,
Ausreisegewahrsam, Abschiebegefängnissen in Deutschland ums Leben
gekommen
(bitte in den einzelnen Unterfragen jeweils nach Datum, Ort,
Staatsangehörigkeit und Sachverhalt differenziert darstellen)?
2. Wie viele Suizide und Suizidversuche (bitte differenzieren) hat es nach
Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025 in Flüchtlingsunterkünften und
Abschiebegefängnissen in Deutschland gegeben (bitte einzeln mit Datum,
Ort, Art der Unterbringung, Staatsangehörigkeit und kurzer
Sachverhaltsschilderung auflisten)?
3. Wie viele Fälle von Selbstverletzungen sind der Bundesregierung aus
Flüchtlingsunterkünften und Abschiebegefängnissen im Jahr 2025 in
Deutschland bekannt (bitte einzeln mit Datum, Ort, Art der Unterbringung,
Staatsangehörigkeit und kurzer Sachverhaltsschilderung auflisten)?
4. Wie viele Personen sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025
mit körperlichen Verletzungen und Beeinträchtigungen durch Erfrierungen,
Unterkühlungen, Hunger, Durst o. Ä. aufgegriffen worden, die sich mit
hoher Wahrscheinlichkeit im Zuge ihres ggf. unerlaubten Grenzübertritts
a) in die Bundesrepublik Deutschland,
b) in die Europäische Union
zugezogen haben, und wie viele dieser Personen sind an den Folgen dieser
Verletzungen bzw. Beeinträchtigungen verstorben (bitte nach Datum und
Ort, Staatsangehörigkeit des Opfers und Art der Verletzung aufschlüsseln
und soweit möglich das Transportmittel angeben)?
5. Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Jahr 2025 im Zuge ihres ggf. unerlaubten Grenzübertritts
a) durch Bundespolizei oder Zollbeamte in Deutschland bzw.
b) durch Bundespolizei- oder Zollbeamte an den Außengrenzen der
Europäischen Union mittels der Anwendung unmittelbaren Zwangs bzw. im
Zuge einer entsprechenden Nacheile körperlich verletzt oder versehrt
(bitte jeweils einzeln mit Datum, Ort, Staatsangehörigkeit und kurzer
Sachverhaltsschilderung auflisten)?
c) Wie viele Ermittlungs- und Disziplinarverfahren wurden diesbezüglich
eingeleitet und mit welchem Ergebnis abgeschlossen oder eingestellt
(bitte aufschlüsseln)?
6. Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Jahr 2025
a) in der Bundesrepublik Deutschland,
b) in der Europäischen Union
im Zuge ihrer ggf. unerlaubten Grenzübertritte durch Privatpersonen
verletzt bzw. getötet (bitte nach Datum und Ort, Staatsangehörigkeit des
Opfers und Todes- bzw. Verletzungsart aufschlüsseln)?
7. Wie viele Ermittlungsverfahren wurden diesbezüglich eingeleitet und mit
welchem Ergebnis abgeschlossen oder eingestellt (bitte aufschlüsseln)?
Berlin, den 19. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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