Regionale Verteilung der Kriegsdienstverweigerung
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Regionale Verteilung der Kriegsdienstverweigerung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8216
21. Wahlperiode 25.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Donata Vogtschmidt, Desiree Becker, Gökay Akbulut, Jan
van Aken, Janina Böttger, Maik Brückner, Mirze Edis, Katrin Fey, Jan Krampe,
Charlotte Antonia Neuhäuser, Cansu Özdemir, Lea Reisner, Zada Salihović, Ulrich
Thoden, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Regionale Verteilung der Kriegsdienstverweigerung
Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes garantiert das Recht, den Kriegsdienst
mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern. Die Zahl der Anträge auf
Anerkennung als Kriegsdienstverweigerin oder Kriegsdienstverweigerer ist in
den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Angaben der
Bundesregierung wurden im Jahr 2024 insgesamt 2.998 Anträge auf
Kriegsdienstverweigerung (KDV‑Anträge) gestellt, im Jahr 2025 waren es 7.691 (vgl.
Bundestagsdrucksachen 21/898 und 21/6251).
Die bisherigen Angaben der Bundesregierung lassen nur begrenzt erkennen,
wie sich die Kriegsdienstverweigerung regional entwickelt und welche
Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen. Von besonderem Interesse ist
dabei, wie sich die Zahl der KDV‑Anträge im Verhältnis zur Bevölkerung und
zu den jeweiligen militärischen Statusgruppen entwickelt hat. Für die
Einordnung möglicher regionaler Unterschiede bei der Kriegsdienstverweigerung sind
auch die regionale Bedeutung der Bundeswehr sowie unterschiedliche
demografische und sozioökonomische Rahmenbedingungen von Interesse. Hierzu
zählen unter anderem die Bedeutung der Bundeswehr als Arbeitgeber und
Ausbildungsbetrieb sowie die regionale Verteilung von Bewerbungen und
Eintritten in einen militärischen Dienst. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den
Unterschieden zwischen ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern sowie
auf der Entwicklung in Thüringen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerin oder
Kriegsdienstverweigerer wurden in den Jahren 2011 bis 2025 sowie im
laufenden Jahr 2026 bis zum letztverfügbaren Stichtag gestellt (bitte nach
Jahr und Bundesland des Hauptwohnsitzes der Antragstellenden
aufschlüsseln)?
2. Wie verteilen sich die in Frage 1 genannten Anträge jeweils auf
a) Ungediente,
b) freiwillig Wehrdienstleistende,
c) Soldatinnen und Soldaten auf Zeit,
d) Berufssoldatinnen und Berufssoldaten sowie
e) Reservistinnen und Reservisten
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
(bitte jeweils nach Jahr und Bundesland des Hauptwohnsitzes
aufschlüsseln)?
3. Wie verteilen sich die in Frage 1 genannten Antragstellenden nach
a) Geschlecht
b) Alter beziehungsweise Altersgruppen und
c) Geburtsjahrgang
(bitte jeweils nach Jahr und Bundesland des Hauptwohnsitzes sowie,
soweit möglich, nach den in Frage 2 genannten Statusgruppen
aufschlüsseln)
4. Wie hoch war in den genannten Jahren in jedem Bundesland die Zahl der
KDV-Anträge
a) je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner,
b) je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner der für einen Vergleich
mit der Zahl der KDV‑Anträge sachgerechten wehrdienstrelevanten
Altersgruppe beziehungsweise Altersgruppen und
c) bei aktiven Soldatinnen und Soldaten sowie Reservistinnen und
Reservisten jeweils im Verhältnis zur Zahl der im betreffenden Bundesland
wohnhaften Angehörigen der entsprechenden Statusgruppe
(bitte bei Buchstabe b die zugrunde gelegte Altersgruppe beziehungsweise
die zugrunde gelegten Altersgruppen angeben)?
5. Wie viele der in den einzelnen Kalenderjahren gestellten KDV‑Anträge
wurden anerkannt, abgelehnt, zurückgenommen, auf sonstige Weise
erledigt oder waren zum letztverfügbaren Stichtag noch nicht abschließend
beschieden, und wie viele KDV‑Verfahren waren jeweils zum 31.
Dezember der Jahre 2011 bis 2025 noch nicht abschließend beschieden (bitte
nach Antragsjahr und Bundesland des Hauptwohnsitzes sowie, soweit
möglich, nach den in Frage 2 genannten Statusgruppen und den statistisch
geführten Erledigungsarten aufschlüsseln)?
6. Sofern die in dieser Kleinen Anfrage erbetenen statistischen Angaben
oder Aufschlüsselungen nicht oder nicht für den gesamten abgefragten
Zeitraum vorliegen,
a) für welche Jahre und Merkmale liegen entsprechende Daten vor,
b) welche Behörden beziehungsweise Dienststellen verfügen über diese
Daten,
c) in welcher kleinsten regionalen Gliederung liegen sie vor,
d) aus welchen konkreten Gründen ist eine weitergehende Auswertung
nicht möglich und
e) können die erbetenen Angaben ganz oder teilweise durch eine
Sonderauswertung vorhandener Datenbestände ermittelt werden?
7. Wie viele Bewerberinnen und Bewerber für einen militärischen Dienst in
der Bundeswehr gab es in den Jahren 2011 bis 2025 sowie im laufenden
Jahr 2026 bis zum letztverfügbaren Stichtag, und wie viele Personen
wurden jeweils eingestellt (bitte nach Jahr und Bundesland des
Hauptwohnsitzes zum Zeitpunkt der Bewerbung sowie, soweit möglich, nach
angestrebter beziehungsweise bei Einstellung begründeter Statusgruppe
aufschlüsseln)?
8. Wie viele aktive Soldatinnen und Soldaten sowie Reservistinnen und
Reservisten hatten zum 31. Dezember der Jahre 2011 bis 2025 sowie zum
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
letztverfügbaren Stichtag des Jahres 2026 ihren Hauptwohnsitz in den
jeweiligen Bundesländern (bitte nach Bundesland und Statusgruppe
aufschlüsseln)?
9. Welche Erkenntnisse, Untersuchungen oder statistischen Auswertungen
liegen der Bundesregierung darüber vor, ob und in welchem Umfang sich
die Bereitschaft zur Bewerbung für beziehungsweise zum Eintritt in einen
militärischen Dienst in der Bundeswehr regional unterscheidet,
insbesondere zwischen den ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern, und
welche Erkenntnisse liegen ihr über mögliche Ursachen solcher
Unterschiede vor?
10. Welche Erkenntnisse, Untersuchungen oder statistischen Auswertungen
liegen der Bundesregierung über einen Zusammenhang zwischen
a) regionaler Arbeitslosen- und Jugendarbeitslosenquote,
b) regionalem Lohn- und Einkommensniveau,
c) dem regionalen Angebot an Ausbildungsplätzen und zivilen
Beschäftigungsmöglichkeiten,
d) der regionalen Bedeutung der Bundeswehr als Arbeitgeber und
Ausbildungsbetrieb und
e) der Zahl beziehungsweise Quote der Bewerbungen und Eintritte in
einen militärischen Dienst in der Bundeswehr vor?
11. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, ob die
Bundeswehr in strukturschwächeren Regionen relativ zur dortigen
Bevölkerung eine größere Bedeutung als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb
besitzt als in wirtschaftsstärkeren Regionen, welche Unterschiede bestehen
hierbei zwischen den ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern und
anhand welcher Kennzahlen oder Kriterien beurteilt die Bundesregierung
diese regionale Bedeutung?
12. Hat die Bundesregierung seit 2011 untersucht oder untersuchen lassen, ob
zwischen der regionalen Bedeutung der Bundeswehr als Arbeitgeber
beziehungsweise Ausbildungsbetrieb, der regionalen Bewerbungs- und
Einstellungsquote beziehungsweise dem Anteil aktiver Soldatinnen und
Soldaten oder Reservistinnen und Reservisten und der regionalen Häufigkeit
von KDV‑Anträgen statistische Zusammenhänge bestehen, und wenn ja,
mit welchen wesentlichen Ergebnissen; wenn nein, liegen der
Bundesregierung Daten vor, anhand derer solche Zusammenhänge untersucht
werden könnten?
13. Wie stellen sich die in den Fragen 1 bis 4 sowie 7 und 8 erfragten
Kennzahlen für Thüringen im Vergleich
a) zum bundesweiten Wert,
b) zum bevölkerungsgewichteten Wert der ostdeutschen Flächenländer
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen sowie
c) zum bevölkerungsgewichteten Wert der westdeutschen Flächenländer
Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-
Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein
dar (bitte nach Jahren aufschlüsseln), und welche Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung über die Bedeutung der Bundeswehr als Arbeitgeber und
Ausbildungsbetrieb in Thüringen sowie deren Entwicklung seit 2011 vor?
14. Welche wissenschaftlichen Studien, internen Untersuchungen,
sozialwissenschaftlichen Befragungen, statistischen Analysen oder sonstigen Aus-
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
wertungen haben das Bundesministerium der Verteidigung, das Zentrum
für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr oder
andere Behörden und Einrichtungen im Geschäftsbereich des
Bundesministeriums der Verteidigung seit 2011 zur regionalen, demografischen oder
sozioökonomischen Herkunft beziehungsweise Zusammensetzung von
Bewerberinnen und Bewerbern für einen militärischen Dienst,
Soldatinnen und Soldaten, Reservistinnen und Reservisten oder
Kriegsdienstverweigerinnen und Kriegsdienstverweigerern durchgeführt oder in Auftrag
gegeben (bitte jeweils Titel beziehungsweise Bezeichnung, Jahr,
durchführende oder beauftragte Stelle, untersuchte Personengruppe und
wesentliche Ergebnisse angeben und kenntlich machen, ob die jeweilige
Untersuchung veröffentlicht wurde)?
Berlin, den 21. September 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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