Bürokratiebelastung jetzt umfassend abbauenen - Heimische Landwirtschaft sichern
Text
Bürokratiebelastung jetzt umfassend abbauenen - Heimische Landwirtschaft sichern
Antrag
der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder,
Dr. Christina Baum, Dr. Christoph Birghan, Alexis L. Giersch, Rainer Groß,
Dr. Ingo Hahn, Udo Theodor Hemmelgarn, Olaf Hilmer, Dr. Malte Kaufmann,
Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Heinrich Koch, Achim Köhler, Dr. Rainer
Rothfuß, Dr. Paul Schmidt, Martina Uhr, Sven Wendorf und der Fraktion der AfD
Bürokratiebelastung jetzt umfassend abbauen – Heimische Landwirtschaft
sichern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Deutschlands landwirtschaftliche Betriebe werden in der Erfüllung ihrer originären
Aufgaben, wie beispielsweise der ausreichenden Erzeugung hochwertiger
Lebensmittel oder der Pflege der heimischen Kulturlandschaft, zunehmend durch ständig weiter
reichende und detailliertere bürokratische Auflagen gehemmt. Dadurch wird eine
ertragreiche Landwirtschaft – sowohl im Sinne des produktiven Ertrags wie auch
betriebswirtschaftlich – immer schwieriger zu führen. Eine rasche und umfassende
Entbürokratisierung könnte diesem Missstand leicht Abhilfe schaffen und hätte auch
positive Effekte auf eine anzustrebende Ernährungssouveränität Deutschlands.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
– sich auf EU-Ebene für ein Moratorium mit dem Ziel einzusetzen, dass keine
neuen bürokratischen Auflagen bzw. Vorhaben für Landwirte und Tierhalter
vorangetrieben werden;
– sich bei der Fortschreibung des Rahmenplans zur Erfüllung der
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK)
vorrangig für eine Vereinfachung der Fördermaßnahmen und Förderkriterien, sowie
für eine Erhöhung der Fördersätze einzusetzen;
– bestehende Förderrichtlinien im Agrar- und Umweltbereich für Land- und
Forstwirte nach Möglichkeit so zu vereinfachen, dass Dokumentations- und
Antragsstellungsaufwand deutlich reduziert werden.
Berlin, den 14. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5328
21. Wahlperiode 14.04.2026
Begründung
Der Dschungel an bürokratischen Vorgängen, Vorgaben und (vermeintlichen) Notwendigkeiten wächst und
wuchert stetig: bestehende Förderprogramme werden adaptiert, neue Förderprogramme kommen dazu, die
Dokumentations- und Nachweispflichten werden mehr und detaillierter. Den Überblick zu Förderprogrammen, -
projekten und -mitteln, die von Bund, Ländern und Europäischer Union bereitgestellt werden, zu behalten, wird
zunehmend schwieriger, komplizierter und zeitaufwändiger.
Landwirtschaftliche Betriebe sehen sich seit vielen Jahren ständig steigenden Belastungen gegenüber. Die sich
stetig verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen resultieren – neben sich verschärfenden
internationalen Wettbewerbsbedingungen, permanent steigenden Preisen für z. B. Treibstoffe, Düngemittel und
Pflanzenschutzmittel – auch aus einem viel zu hohen administrativen Aufwand zur Erfüllung von
Dokumentationsanforderungen und Nachweiserbringungen. Überbordende Bürokratie verursacht Kosten, nimmt Zeit, die für die
eigentlichen landwirtschaftlichen Aufgaben verloren ist, in Anspruch und blockiert gerade in kleinen und
mittelständischen Unternehmen knappe Ressourcen.
Insbesondere beim Antrag auf Agrarförderung ist in den letzten Jahren ein immer komplexeres Formularsystem
entstanden, welches z. B. in Fragen mündet, ob denn der Antragsteller auch einen Flugplatz/Flughafen oder
Eisenbahnlinien betreibe. Im Rahmen des satellitenbildgestützten Flächennachweises haben sich im Zuge des
technischen/digitalen Fortschritts die Toleranzen für abweichende Angaben immer weiter verengt. Waren vor über
zehn Jahren in der Schlagkartei noch prozentuale Toleranzen sanktionsfrei, sind nun absolute
Quadratmeterangaben als Toleranz anzuwenden. Bei diesen geringen zwei- bis minimal dreistelligen Quadratmeterabweichungen
als Höchstgrenze spitzt sich für den antragstellenden Landwirt der sanktionsfreie Korridor immer weiter zu und
gerade in arrondierten Regionen mit erheblichen Schlaggrößen entstehen hierbei Toleranzwerte im
Promillebereich.
Ein anderes Beispiel: die Agrardieselrückvergütung. Eine Datenauswertung für die Jahre 2021 und 2022 zeigt,
dass nur gut die Hälfte der deutschen Betriebe überhaupt einen Agrardieselantrag gestellt hatten. Im Jahr 2021
waren es im bundesweiten Durchschnitt 56 % der Betriebe, im Jahr 2022 stellten 57 % der Betriebe den Antrag
auf Agrardieselrückvergütung. Besonders wenige Anträge mit einer Quote um 40 % gab es in Mecklenburg-
Vorpommern und Thüringen. Dass doch so wenige Landwirte die Möglichkeit nutzen, erklären sich die
Bauernverbände aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen „… mit den bürokratischen Hürden und dem Aufwand.
Denn in den vergangenen Jahren wurde das Verfahren schrittweise umgestellt und läuft nun über ein Online-
Portal des Zoll und eine Identifizierung mit ELSTER-Zertifikat.“. Es gibt auch eine Stellungnahme des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt: „Der Schluss, dass die Rückvergütung für die Landwirtschaft nicht wichtig sei, weil
ein Teil der Betriebe keinen Antrag stellt, ist falsch. Die Strukturen in der Landwirtschaft sind vielfältig. Für
kleine Betriebe fällt die mögliche Rückvergütung niedrig aus, während der Aufwand für die Antragstellung und
Nachweise trotzdem hoch ist. Wer den Dieseleinsatz nicht immer nach Einsatzart trennen kann oder
Unsicherheiten bei der Beantragung vermeiden will, entscheidet sich mitunter gegen einen Antrag. Eine nicht vollständige
Inanspruchnahme ist daher leicht strukturell erklärbar und kein Hinweis darauf, dass die Entlastung unwichtig
wäre.“ (beides: www.topagrar.com/betriebsleitung/news/nur-halfte-der-bauern-stellt-antrag-auf-agrardiesel-
ruckvergutung-20023247.html). In allen Fällen wird ein ausuferndes Formular-, Antrags-, Nachweis- und
Dokumentationswesen, in einem Wort: Bürokratie, als Problemverursacher ausgemacht. Die zeitliche Anforderung,
sich mit den bürokratischen Erfordernissen auseinander zu setzen, fehlt für die eigentliche landwirtschaftliche
Tätigkeit, es wird dadurch weniger produziert und damit dann auch weniger verdient.
Studien zeigen, dass Unternehmen mehr als 20 % ihrer Arbeitszeit für Bürokratie aufwenden, was die
Wirtschaftsleistung jährlich stark belastet. Dass die – laut Michael Kretschmer, CDU, Ministerpräsident in Sachsen –
„ … Vorschriften und die deutsche Regelungswut deutlich reduziert werden müssen, ist evident, da übermäßige
Bürokratie und das dichte Netz an Vorschriften … die Wirtschaft belasten.“ (www.facebook.com/MP.
Michael.Kretschmer/videos/wir-m%C3%BCssen-vorschriften-deutlich-reduzieren-seit-den-1990er-jahren-ist-
indeutsc/1475386326788162/).
Das DIW Berlin berichtete Anfang 2025, dass Bürokratie die Wirtschaft jährlich Milliarden kostet und neue
Gesetze oft mehr Belastungen schaffen als abbauen. „Vor allem übermäßige Regulierung und Bürokratie sind
schuld, lautet die Diagnose. Helfen sollten vier Bürokratieentlastungsgesetze, um den Standort Deutschland
wieder attraktiver zu machen und die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. An den langwierigen
Antrags- und Genehmigungsverfahren haben die vier Gesetze zur Bürokratieentlastung nichts geändert.
Gleichzeitig wurden viele neue Gesetze und Verordnungen auf den Weg gebracht, deren zusätzliche Belastungen die
Entlastungen durch dieses Gesetz bei weitem übersteigen. Der steigende Aufwand für unverhältnismäßige
Berichtspflichten, für die Einhaltung unverständlicher Vorschriften und für langwierige Antragsprozesse
verschlingt Zeit – aktuelle Studien haben errechnet, dass durchschnittlich unglaubliche 22 Prozent der Arbeitszeit
in jedem Unternehmen für Bürokratietätigkeiten verwendet werden. Das treibt die sachfremden
Produktionskosten in den Unternehmen unnötig in die Höhe, nach jüngsten Berechnungen des Ifo-Instituts kostet Bürokratie 146
Mrd. Euro an Wirtschaftsleistung.“ (www.diw.de/de/diw_01.c.935250.de/nachrichten/verkehrte_welt__geset-
ze_gegen_buerokratie_fuehren_zu_mehr_buerokratie.html#:~:text=Vorgeschriebene%20Temperatur%20in%-
20der%20Betriebstoilette,Euro%20an%20Wirtschaftsleistung.).
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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