Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zu einem Aktionsplan für Grundkompetenzen
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Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zu einem Aktionsplan für Grundkompetenzen
[Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 135/25
26.03.25
EU - AIS - FJ - K - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zu einem Aktionsplan für
Grundkompetenzen
COM(2025) 88 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 317/16 = AE-Nr. 160515;
Drucksache 847/21 = AE-Nr. 211184;
Drucksache 524/22 = AE-Nr. 221025;
AE-Nr. 230736
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 5.3.2025
COM(2025) 88 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
zu einem Aktionsplan für Grundkompetenzen
1
Aktionsplan für Grundkompetenzen
1. Deshalb müssen wir handeln
Für Europas Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt sind starke
Grundkompetenzen entscheidend. Grundkompetenzen sind das Fundament für die
Entwicklung anderer Kompetenzen, wie Kreativität und kritisches Denken, sowie für weiteres
Lernen, Weiterbildung und Umschulung im Erwachsenenalter. Sie sind von entscheidender
Bedeutung für Innovation, neues Wissen und dessen Anpassung an ein sich veränderndes
Umfeld. Lesen, Rechnen und naturwissenschaftliche Kompetenzen1, aber auch digitale und
bürgerschaftliche Kompetenzen, spielen eine Schlüsselrolle für die
Persönlichkeitsentwicklung, für die Bewältigung der komplexen Anforderungen des täglichen
Lebens und des sich rasch wandelnden Arbeitsmarktes sowie für die volle Teilhabe an der
Gesellschaft, am demokratischen Leben und an der Wirtschaft. Grundkompetenzen sind die
Voraussetzung dafür, dass sich Menschen zu unabhängigen, gut informierten und vorbereiteten,
engagierten und aktiven Bürgerinnen und Bürgern entwickeln und so zum Schutz unserer
Demokratie und unserer Grundwerte beitragen können – und zwar vor dem Hintergrund einer
zunehmenden Polarisierung der Politik, eines schwindenden Vertrauens in die Institutionen und
vermehrter Informationsmanipulation. Ein Mangel an diesen Kompetenzen ist nicht nur ein
Nachteil für den Einzelnen, sondern auch für unsere europäischen Gesellschaften.
Zu viele EU-Länder haben seit Jahrzehnten mit einer Verschlechterung der
Grundkompetenzen von Schülerinnen und Schülern zu kämpfen. Etwa jeder dritte 15-
Jährige hat Schwierigkeiten, mathematische Probleme in realen Situationen und
Lernumgebungen zu verstehen und zu lösen, und jeder vierte kann grundlegende Texte nicht
verstehen oder einfaches naturwissenschaftliches Wissen nicht anwenden2. Im Vergleich zu
Kanada, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA weist die EU in den Bereichen Lesen
und Naturwissenschaften die niedrigste und in Mathematik die zweitniedrigste Leistungsquote
auf, was sich negativ auf die Innovationskraft und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der
EU auswirkt. Die Probleme fangen früh an, denn bereits in der Grundschule haben zu viele
Kinder mit Schwierigkeiten zu kämpfen, während zu wenige herausragende Leistungen in
Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erzielen3. Ganze 43 % der Schülerinnen und
Schüler in der achten Klasse verfügen nicht über die notwendigen digitalen Kompetenzen4, und
in den meisten Ländern ist im Vergleich zu den Vorjahren keine Verbesserung oder gar eine
Verschlechterung zu verzeichnen. Im weltweiten Vergleich liegt die EU deutlich hinter den
leistungsstärksten Volkswirtschaften Asiens zurück. Zudem wiesen mehrere EU-Länder im
Zeitraum 2016 bis 2022 eine Verschlechterung des Kenntnisstands im Bereich der politischen
Bildung von Schülerinnen und Schülern der achten Klasse auf5.
Ebenso besorgniserregend sind unzureichende Grundkompetenzen im Bereich der
beruflichen Aus- und Weiterbildung und bei der Erwachsenenbildung. Zwischen
Lernenden in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und Schülerinnen und Schülern der
allgemeinen Sekundarbildung gibt es eine ausgeprägte Kluft in den Bereichen Mathematik und
1 Gemäß der internationalen Schulleistungsstudie (PISA) der OECD.
2 OECD (2023), PISA 2022 Results (Volume I), The State of Learning and Equity in Education, PISA, OECD
Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/53f23881-en.
3 IEA (2023), Trends in International Mathematics and Science Study; IEA (2021), Progress in International
Reading Literacy Study.
4 IEA (2023), International Computer and Information Literacy Study.
5 IEA (2022), International Civic and Citizenship Education Study.
2
Lesen. Dadurch wird der bestehende Mangel an qualifizierten Absolventinnen und
Absolventen der beruflichen Aus- und Weiterbildung in bestimmten MINT-Berufen noch
verschärft. In der EU hat jeder fünfte Erwachsene im erwerbsfähigen Alter Probleme mit dem
Lesen und Schreiben, und der Unterschied bei den Grundkompetenzen zwischen den
leistungsschwächsten und den leistungsstärksten Erwachsenen hat sich innerhalb der Länder
ausgeweitet6. Obwohl für 90 % aller Arbeitsplätze zumindest grundlegende digitale
Kompetenzen erforderlich sind, verfügen in der EU nur 56 % der Erwachsenen über dieses
oder ein höheres Niveau an digitalen Kompetenzen7 – und damit deutlich weniger als die für
2030 angestrebten 80 %8.
Die Mitgliedstaaten müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um die Lücke bei den
Grundkompetenzen zu schließen. Der Rat richtete 2024 im Rahmen des Europäischen
Semesters länderspezifische Empfehlungen zur Verbesserung der Grundkompetenzen an
15 Mitgliedstaaten. Mit diesem Aktionsplan wird sowohl auf die rückläufigen Leistungen bei
den Grundkompetenzen von Schülerinnen und Schülern und erwachsenen Lernenden als auch
auf die in den Draghi9- und Letta10-Berichten enthaltenen Forderungen nach einer stärkeren
Fokussierung auf Grundkompetenzen reagiert. Darin wird die Notwendigkeit unterstrichen,
sich auf alle Bildungsstufen und alle Generationen zu konzentrieren, auch vor dem Hintergrund
einer durch die demografische Entwicklung schrumpfenden Erwerbsbevölkerung.
Dieser Aktionsplan ist eine zentrale Initiative der Union der Kompetenzen und ergänzt
den Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern. Es werden konkrete kurz- bis
mittelfristige Schritte für die EU und die Mitgliedstaaten vorgeschlagen, um Lösungen zur
Verbesserung der Grundkompetenzen und zur Förderung von herausragenden Leistungen zu
finden, und zwar vom frühen Kindesalter bis zur Schul- und Erwachsenenbildung.
2. Die Grundkompetenzen
Lesen und
Schreiben
Die Fähigkeit, visuelles, akustisches und digitales Material
interdisziplinär und kontextübergreifend zu verstehen, zu nutzen, zu
bewerten und mündlich sowie schriftlich zu reflektieren.
Mathematik
Die Fähigkeit einer Person zum mathematischen Argumentieren
sowie Mathematik in Alltagskontexten einzusetzen, in denen
Problemstellungen mathematisch formuliert, bearbeitet und
interpretiert werden, sowie die Fähigkeit, auf der Grundlage von
Daten fundierte Urteile und Entscheidungen zu treffen.
Naturwissenschaften
Die Fähigkeit, sich als reflektierende Person mit
naturwissenschaftlichen Fragen und Ideen auseinanderzusetzen.
Dies erfordert Kompetenzen wie die wissenschaftliche Erklärung
von Phänomenen, die Bewertung und Konzeption
6 OECD (2024), Do Adults Have the Skills They Need to Thrive in a Changing World?, Survey of Adult Skills
2023, OECD Skills Studies, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/b263dc5d-en.
7 Eurostat (2023).
8 Politikprogramm für die digitale Dekade.
9 Draghi-Bericht (2024): Eine Strategie für die Wettbewerbsfähigkeit Europas.
10 Letta-Bericht (2024): Much more than a market – Speed, Security, Solidarity. Empowering the Single Market
to deliver a sustainable future and prosperity for all EU Citizens (Weit mehr als ein Markt – Geschwindigkeit,
Sicherheit, Solidarität – Stärkung des Binnenmarkts zur Schaffung einer nachhaltigen Zukunft und von Wohlstand
für alle Bürgerinnen und Bürger der EU).
3
naturwissenschaftlicher Untersuchungen und die Interpretation von
Daten und Evidenz.
Digitale Kompetenz
Die sichere, kritische und verantwortungsvolle Auseinandersetzung
mit digitalen Technologien für Lernzwecke, bei der Arbeit und zur
Teilhabe an der Gesellschaft. Dazu gehören
Informationskompetenz, Kommunikation, Medienkompetenz,
Erstellung digitaler Inhalte, Online-Sicherheit und digitales
Wohlergehen.
Bürgerschaftliche
Kompetenz
Die Fähigkeit, verantwortungsbewusst zu handeln und
uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben,
basierend auf einem Verständnis sozialer, wirtschaftlicher,
rechtlicher und politischer Strukturen. Dazu gehört das Verständnis
und die Bewertung von politischen und demokratischen Konzepten,
Institutionen und Verfahren, einschließlich Demokratie,
Medienkompetenz, Krisenvorsorge, Achtung anderer und
Meinungsfreiheit.
Quelle: OECD, PISA 2022 Assessment and Analytical Framework, PISA 2018 Assessment and Analytical Framework und
PISA 2015 Assessment and Analytical Framework (für Lesen, Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften); Empfehlung
des Rates von 2018 zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen (für digitale und Bürgerkompetenz); IEA (2023),
International Computer and Information Literacy Study; IEA (2022), International Civic and Citizenship Education Study (for
citizenship).
Grundkompetenzen bilden das Fundament der Schlüsselkompetenzen für lebenslanges
Lernen11. Die Entwicklung von Grundkompetenzen insgesamt zu verbessern, dient sowohl der
Leistungssteigerung als auch der Gewährleistung, dass alle Lernenden, einschließlich
derjenigen mit Behinderungen und aus benachteiligten Verhältnissen, die Schule mit
ausreichenden Grundkompetenzen verlassen und dass Erwachsene einen angemessenen
Kompetenzstand erreichen.
Lese- und Schreibkompetenz ist der Grundstein für alle Lernprozesse. Die frühe
Sprachentwicklung bestimmt in hohem Maße die spätere Lesekompetenz. Dennoch beginnen
immer mehr Kinder die Schule mit eingeschränkten Kenntnissen ihrer Muttersprache bzw. der
Unterrichtssprache. Lesen verschiebt sich von traditionellen, langen Texten auf Papier zu
digitalen, kurzen Inhalten, wodurch die Aufmerksamkeitsspanne der Lesenden abnimmt. In
den Bildungssystemen muss berücksichtigt werden, inwieweit sich die unterschiedlichen
Medien auf die Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenz auswirken. Um diese zu
verbessern, muss gleichzeitig die Auseinandersetzung mit komplexeren Texten aktiv gefördert
werden.
Mathematik ist für das tägliche Leben in unserer von Technologie geprägten Welt
unerlässlich. Sie bildet die Grundlage für logisches und abstraktes Denken. Mathematische
Kompetenzen, einschließlich der Finanzkompetenz, befähigen die Menschen, fundierte
Entscheidungen auf der Grundlage von Daten zu treffen und eine vernünftige
Risikobereitschaft zu entwickeln, und ermöglichen es den Bürgerinnen und Bürgern, ihr ganzes
Leben lang fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen und ihre Aussichten auf dem
11 2018/C 189/01.
4
Arbeitsmarkt zu verbessern. Unzureichende Kenntnisse können dazu führen, dass sich zu
wenige Menschen für ein Studium oder einen Beruf im MINT-Bereich entscheiden. Der
technologische Fortschritt, die Bildungsforschung und gesellschaftliche Anforderungen haben
bewirkt, dass sich der Schwerpunkt auf die Problemlösungskompetenz und das kritische
Denken von Lernenden verlagert, wodurch sie zum Verstehen und Anwenden mathematischer
Konzepte ermutigt werden, anstatt nur Formeln auswendig zu lernen. Der verstärkte Einsatz
digitaler Tools in der Mathematik verdeutlicht die zunehmende Verknüpfung von
mathematischen und digitalen Kompetenzen.
Naturwissenschaftliche Kompetenzen sind für kritisches Denken und Problemlösung
unerlässlich und bilden den Grundpfeiler für fortgeschrittene Bildung und Berufe im
MINT-Bereich. Die frühzeitige Entwicklung naturwissenschaftlicher Denkansätze und
Fähigkeiten ebnet den Weg für spätere Erfolge in diesen strategischen Bereichen. Solide
naturwissenschaftliche Kompetenzen sind zudem eine Voraussetzung für einen erfolgreichen
grünen Wandel. In einer Zeit der zunehmenden Informationsmanipulation ist es für jeden
einzelnen von entscheidender Bedeutung, solide naturwissenschaftliche Kompetenzen zu
entwickeln, damit Informationen kritisch bewertet, Fakten von Fiktion unterschieden und
evidenzbasierte Schlussfolgerungen gezogen werden können. Naturwissenschaftliche Bildung
sollte technologische Entwicklungen berücksichtigen, aber auch interdisziplinäre Aspekte,
kritisches Denken und Problemlösung durch forschungsbasiertes Lernen und reale
Herausforderungen hervorheben.
Grundkompetenzen als weiter gefasster Begriff
Zur Bewältigung der Herausforderungen unserer sich rasch wandelnden Gesellschaften
und Volkswirtschaften ist es unerlässlich, das Spektrum der Grundkompetenzen zu
erweitern. Da sich die Technologie immer stärker auf das Leben und die Arbeit auswirkt, muss
den digitalen Kompetenzen die gleiche Priorität wie den anderen Grundkompetenzen
eingeräumt werden. Gleichzeitig ist es von entscheidender Bedeutung, bürgerschaftliche
Kompetenzen frühzeitig zu fördern, um demokratische Werte zu stärken und zu wahren.
Digitale Kompetenzen sind entscheidend für eine moderne Gesellschaft und den Alltag.
Sie spielen auch für die Entwicklung fortgeschrittenerer MINT-Kompetenzen, die für die
Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind, eine wichtige Rolle, während Medienkompetenz für
eine aktive und informierte Bürgerschaft unerlässlich ist. Es besteht zunehmend Bedarf an
Kompetenzen in Bereichen wie Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen
und Big Data. Ferner setzen Telearbeit und Online-Lernen den Umgang mit digitalen
Instrumenten für die Zusammenarbeit und die Fähigkeit, wirksam und sicher online zu
kommunizieren, voraus.
Bürgerschaftliche Kompetenzen und politische Bildung sind für die Förderung der
aktiven Teilhabe an demokratischen Gesellschaften von wesentlicher Bedeutung – jedoch
nicht bei allen in gleichem Maße entwickelt. Der rasche technologische Fortschritt in
Verbindung mit zunehmender Polarisierung und der Verbreitung von Desinformation und
Fehlinformationen macht es wichtiger denn je, frühzeitig bürgerschaftliche Kompetenzen
aufzubauen. Schülerinnen verfügen durchweg über mehr politische Bildung als ihre
männlichen Mitschüler, und diejenigen mit einem höheren sozioökonomischen Status
schneiden insgesamt deutlich besser ab. Unabhängiges Denken, Verständnis demokratischer
Verfahren, Achtung von Vielfalt und Bewusstsein für Nachhaltigkeit ermöglichen es den
5
Menschen, uneingeschränkt am politischen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und ihre
Rechte und Pflichten wahrzunehmen.
3. Schwerpunktbereiche für eine bessere Entwicklung von Grundkompetenzen
Es müssen dringend Anstrengungen unternommen werden, um dem alarmierenden
Leistungsrückgang bei den Grundkompetenzen entgegenzuwirken. Die EU entfernt sich
immer weiter von ihrem Ziel, dass weniger als 15 % der 15-Jährigen bei den
Grundkompetenzen unterdurchschnittliche Leistungen erbringen. Es ist von entscheidender
Bedeutung, sich auf die wesentlichen Faktoren, die den Rückgang verursachen, und auf starke
politische Stellschrauben zu konzentrieren, um einen echten Wandel und eine rasche
Verbesserung zu gewährleisten.
Der sozioökonomische Hintergrund ist nach wie vor der aussagekräftigste Prädiktor für
die Leistung der Lernenden. Der Anteil schlechter Leistungen in den Bereichen Lese- und
Schreibkompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften ist bei benachteiligten Lernenden
alarmierend hoch (z. B. 48 % in Mathematik), und die sozioökonomische Kluft wird immer
größer, auch bei den digitalen Kompetenzen. Lernende mit Migrationshintergrund oder mit
Behinderungen gelten als besonders gefährdet. In vielen EU-Ländern hat die COVID-19-
Pandemie die Ungleichheiten im Bildungsbereich verschärft und das Wohlbefinden der
Lernenden erheblich beeinträchtigt, was sich unmittelbar auf ihre Motivation und Lernfähigkeit
auswirkt. Es bedarf weiterer Anstrengungen, um Grundkompetenzen zu stärken und
Chancengleichheit und Wohlbefinden zu fördern, indem die Zahl der Klassenwiederholungen
auf ein Minimum reduziert, die Aufteilung auf verschiedene Bildungsgänge aufgeschoben und
die leistungsabhängige Aufteilung der Lernenden möglichst vermieden wird.
Der akute Mangel an Lehrkräften und Ausbildern, insbesondere bei MINT-Fächern,
wirkt sich negativ auf die Lernergebnisse aus. Lehrkräfte werden im Durchschnitt immer
älter, da immer weniger junge Menschen diesen Berufsweg einschlagen. In den meisten EU-
Ländern und in benachteiligten Gebieten im Allgemeinen ist der Beruf unattraktiv. Weitere
politische Maßnahmen sind erforderlich, um die Lehrkräfteausbildung zu verbessern, das
Berufsbild attraktiver zu gestalten und jungen Lehrkräften die notwendige Unterstützung zu
garantieren, auch damit sie Leistungsschwächen entgegenwirken können.
Die abnehmende Beteiligung von Eltern in den letzten Jahren stellt ein erhebliches Risiko
für den Lernerfolg dar, insbesondere bei benachteiligten Schülerinnen und Schülern. Die
PISA-Studie zeigt, dass ein unterstützendes familiäres Umfeld für die Förderung einer
positiven Einstellung der Lernenden zur Schule von entscheidender Bedeutung ist.
Bildungssysteme, in denen die Elternbeteiligung beibehalten oder sogar ausgebaut wurde, z. B.
Eltern, die von sich aus mit Lehrkräften über die Fortschritte ihres Kindes sprachen, konnten
bessere Leistungen, insbesondere in Mathematik, verzeichnen.
Digitale Ablenkung stellt zunehmend eine Gefahr für schulische Leistungen dar.
Besonders besorgniserregend ist der allgegenwärtige Einfluss durch die sozialen Medien: In
den OECD-Ländern lassen sich etwa 30 % der Schülerinnen und Schüler im
Mathematikunterricht häufig von digitalen Geräten ablenken, was sich erheblich auf die
schulischen Leistungen und das Wohlbefinden auswirkt. Wenngleich der sinnvolle Einsatz von
Technologie im Rahmen einer angemessenen Nutzung digitaler Ressourcen zu Lernzwecken
6
die Leistung verbessern kann, kann eine übermäßige Nutzung auch nachteilige Auswirkungen
haben. Daher sollte die digitale Ablenkung möglichst gering gehalten werden.
Wegen überladener Lehrpläne kann die Entwicklung von Grundkompetenzen oft nicht
ausreichend berücksichtigt werden. In vielen Systemen wurden die Lehrpläne regelmäßig
erweitert, um neuen gesellschaftlichen Anforderungen Rechnung zu tragen, was zur
Vernachlässigung der Grundkompetenzen führte. Ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen
dem Umfang des Lehrplans und dem Fokus auf Grundkompetenzen ist daher von
entscheidender Bedeutung für bessere Bildungsergebnisse.
Geschlechtsspezifische Unterschiede wirken sich auf Lernergebnisse aus. Mädchen
schneiden beim Lesen besser ab als Jungen und gehören in allen EU-Ländern eher zu den
besten Schülerinnen und Schülern. Spitzenleistungen in Mathematik werden dagegen vor allem
von Jungen erzielt. Gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterstereotypen können hier
eine bedeutende Rolle spielen, was geschlechtsspezifische Unterschiede bei den beruflichen
Erwartungen zur Folge haben und die Wahl der Fachrichtung sowie Motivation und
akademische Leistung beeinflussen kann. Darüber hinaus können sich Lehrmethoden und das
Unterrichtsumfeld unterschiedlich auf Jungen und Mädchen auswirken, was deutlich macht,
dass geschlechtersensible Unterrichtskonzepte erforderlich sind.
Der Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung ist
sowohl innerhalb der Länder als auch von Land zu Land sehr unterschiedlich. Dies hat
tiefgreifende individuelle und gesellschaftliche Folgen, insbesondere für benachteiligte Kinder.
Personalmangel, unzureichende berufliche Entwicklung und schlechte Arbeitsbedingungen
stellen nach wie vor drängende Herausforderungen dar, insbesondere in benachteiligten
Gebieten. Ein Viertel der europäischen Bildungssysteme verfügt noch immer nicht über einen
nationalen Lehrplan für die pädagogische Arbeit mit Kleinkindern. Frühkindliche Erfahrungen
sind von entscheidender Bedeutung, insbesondere für den Aufbau sozio-emotionaler
Kompetenzen, die für Resilienz, Wohlbefinden, Motivation, Lernergebnisse und die Fähigkeit
zum lebenslangen Lernen unerlässlich sind. Es gibt jedoch immer mehr Anzeichen für
sozioemotionale Schwierigkeiten bei Kindern, die sich in Form von Aufmerksamkeitsproblemen
und mangelnder Impulskontrolle äußern und die Schulfähigkeit zunehmend beeinträchtigen.
In der beruflichen Aus- und Weiterbildung wirken sich Ressourcenmangel und
Lehrplanbeschränkungen negativ auf die Entwicklung der Grundkompetenzen aus.
Leistungsschwache Schülerinnen und Schüler entscheiden sich oft für
Berufsbildungsprogramme mit Lehrplänen, die berufliche Fertigkeiten gegenüber
Grundkompetenzen begünstigen, oder werden dorthin verwiesen. Berufsbildende Schulen
verfügen häufig über weniger Ressourcen (u. a. qualifizierte Lehrkräfte sowie finanzielle und
technische Ressourcen) und sind nicht auf die Beseitigung von Lücken bei den
Grundkompetenzen ausgerichtet.
Um bei Erwachsenen Fortschritte im Bereich der Grundkompetenzen zu erzielen,
müssen die Gruppen, die am schwersten zu erreichen sind und bei denen ein erhebliches
Risiko der sozialen Ausgrenzung besteht, wirksam angesprochen werden. Viele dieser
Erwachsenen haben schlechte Erfahrungen mit schulischem Lernen gemacht, was bei ihnen
bleibende Spuren hinterlassen hat, oder sind mehrfach benachteiligt. Die niedrige Beteiligung
gering qualifizierter, benachteiligter und arbeitsloser Erwachsener an Lernaktivitäten
unterstreicht die Notwendigkeit gut durchdachter Strategien zur Unterstützung derjenigen, die
7
am stärksten von der Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt bedroht sind. Erfolgreiche politische
Maßnahmen verfolgen häufig einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem multidisziplinäre Dienste
zusammengeführt werden – einschließlich Wohnraum, Gesundheit, Arbeitsvermittlungen und
Hilfen für Eltern oder pflegende Angehörige – um Menschen zu unterstützen12.
4. Bekämpfung der Ursachen
Es sind dringend Maßnahmen erforderlich, um die 18 Millionen leistungsschwachen
Schülerinnen und Schüler und die 47,7 Millionen gering qualifizierten Erwachsenen (im
Alter von 25 bis 64 Jahren) in der EU zu unterstützen. Bisher wurden die Mitgliedstaaten
durch politische Leitlinien, Kooperations- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie technische
Unterstützung bei der Verbesserung der Qualität und Chancengleichheit innerhalb von
Bildungs- und Ausbildungssystemen und der Förderung von Grundkompetenzen unterstützt.
Die Empfehlung des Rates für Weiterbildungspfade13 führte zu einigen Fortschritten, doch sind
weitere Anstrengungen erforderlich, um das Problem wirksamer anzugehen. Der politische
Handlungsrahmen wurde in der Empfehlung des Rates über Wege zum schulischen Erfolg14
aufgezeigt. Darin werden gesamtschulische Ansätze, gezielte Unterstützung, unterstützende
Lernumgebungen und das Wohlbefinden in der Schule hervorgehoben. Es muss jedoch noch
mehr getan werden, mit dem Schwerpunkt auf den folgenden drei Bereichen:
i) Förderung der Vermittlung und des Erlernens von Grundkompetenzen
ii) Unterstützung von Lehrkräften
iii) Ermöglichung unterstützender Umfelder
4.1 Leitaktion: Pilotprojekt zur Förderung von Grundkompetenzen
Die Initiative zur Förderung von Grundkompetenzen zielt darauf ab, die Defizite bei den
Grundkompetenzen von Kindern zu beheben. Die Kommission wird mit den
Mitgliedstaaten und Regionen geeignete Wege erarbeiten, durch die jedes Kind bis zum Ende
der Schulpflicht ein angemessenes Niveau an Grundkompetenzen erreichen kann. Die
Förderinitiative soll einen Rahmen für wirksame Maßnahmen mit Schwerpunkt auf
frühzeitiger Intervention und individueller, maßgeschneiderter Unterstützung von der
Grundschulzeit bis zur beruflichen Erstausbildung bieten.
Beim Pilotprojekt zur Förderung von Grundkompetenzen wird der Schwerpunkt auf bewährten
Maßnahmen, die auf die länderspezifische Situation und den Bedarf zugeschnitten werden,
liegen. Diese Maßnahmen können Folgendes umfassen:
Mechanismen zur Früherkennung und regelmäßigen Überprüfung auf nationaler,
lokaler und schulischer Ebene, einschließlich individueller Bewertung der
Grundkompetenzen und Angebote geeigneter Förderkurse, insbesondere zu wichtigen
Übergängen in der Schullaufbahn, auch beim Übergang zu Berufsbildungsprogrammen.
Entwicklung von Plänen zur Verbesserung der Grundkompetenzen auf Schulebene,
einschließlich zusätzlicher Lernzeit und personalisierter Unterstützung, mit Tutoring-
und Mentoring-Programmen.
Durchgängige Berücksichtigung der Lese- und Schreibkompetenz und der Vermittlung
digitaler Kompetenzen in der Erstausbildung von Lehrkräften in allen Fächern.
12 COM(2023) 439 final.
13 2016/C 484/01.
14 2022/C 469/01.
8
Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung von Lehrkräften in der schulischen und
beruflichen Bildung mit Schwerpunkt auf Schülerinnen und Schülern mit
sonderpädagogischem Förderbedarf und/oder Behinderungen; Schaffung von
Sonderfunktionen wie Schulmediatoren und Verbindungsleuten zwischen Eltern und
Schule, um die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Lernenden, Eltern und der
Gemeinschaft zu stärken.
Programme zur Unterstützung von Eltern bei der Förderung und Ermutigung ihrer
Kinder beim Lernen, die in Zusammenarbeit mit Akteuren aus anderen Bereichen wie
Gesundheit, Migration und Kinderschutz entwickelt werden.
Partnerschaften und Zusammenarbeit zwischen regionalen und lokalen Behörden,
Bildungseinrichtungen, Fachkräften, Unternehmen und anderen Interessenträgern,
um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Grundkompetenzen strukturiert und
praxisnah zu vermitteln.
Pilotprojekt der Kommission für eine Initiative zur Förderung der Grundkompetenzen
in Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten
Pilotprojekt zur Förderung von Grundkompetenzen im Jahr 2026.
Ausarbeitung von Leitlinien für politische Entscheidungsträger im Jahr 2025 als
Vorbereitungsschritt für die Förderinitiative.
Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf,
ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Kommission beim Pilotprojekt zur
Förderung von Grundkompetenzen unter Verwendung verfügbarer EU-Mittel zu
bekunden;
nationale Zielwerte für die Verringerung schwacher Leistungen und für herausragende
Leistungen mit Schwerpunkt auf benachteiligten Schülerinnen und Schülern festzulegen.
4.2 Förderung der Vermittlung und des Erlernens von Grundkompetenzen
Die Förderung der Vermittlung und des Erlernens von Grundkompetenzen wird den
Lernerfolg, die Bildungsergebnisse und das Wohlbefinden der Lernenden verbessern.
Das Lernen von Schulen und Verfahren, die erfolgreich Grundkompetenzen und
Bildungsergebnisse verbessert haben, ist für andere Schulen, die mit schwachen Leistungen zu
kämpfen haben, von entscheidender Bedeutung. Innovative Ansätze setzen zunehmend auf KI,
um insbesondere bei der Gestaltung personalisierter Wege für das Lernen und die
Leistungsbewertung zu helfen. Dies kann sowohl leistungsschwachen als auch leistungsstarken
Lernenden zugutekommen. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Entwicklung solider Lese-
und Schreibkompetenzen gewidmet werden, die eng mit der Beherrschung anderer
Grundkompetenzen verbunden sind und das Fundament für jegliches Lernen bilden. Es ist von
entscheidender Bedeutung, alle Lernenden – einschließlich Menschen aus benachteiligten
Verhältnissen, mit Migrationshintergrund und mit Behinderungen – beim Erwerb von Lese-
und Schreibfähigkeiten zu unterstützen.
Erwachsene zum Lernen zu motivieren, ist aufgrund von Hemmungen und begrenzten
Möglichkeiten eine Herausforderung. Diese Herausforderung ist besonders akut, denn es
geht um die Verbesserung von Grundkompetenzen nach schlechten Erfahrungen in der
Erstausbildung. Der schnelle Wandel und die Tatsache, dass Menschen nach der formalen
Schulbildung etwa vier Jahrzehnte auf dem Arbeitsmarkt tätig sind, erfordern jedoch dringende
Maßnahmen, um diese Gruppen zu erreichen. Wie in der Union der Kompetenzen dargelegt,
9
ist die Einführung individueller Lernkonten für die Weiterbildung und Umschulung von
Erwachsenen, auch für gering qualifizierten Erwachsene, von wesentlicher Bedeutung. Alle
Erwachsenen sollen, unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus, einen allgemeinen Anspruch
auf diese individuellen Lernkonten haben15.
Maßnahmen der Kommission zur Förderung des Lehrens und Lernens von
Grundkompetenzen
Erprobung der ersten Europäischen Schulallianzen im Rahmen des Programms
Erasmus+ im Jahr 2026. Die Allianzen werden die strategische europäische
Zusammenarbeit in der Schulbildung fördern und als Testlabore für innovative
Lehrmethoden, Lehrpläne und Kompetenzrahmen, insbesondere für
Grundkompetenzen, dienen. Unter anderem in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden
werden sie die teilnehmenden Schulen dabei unterstützen, lernende Organisationen für
eine wirksame Vermittlung von Grundkompetenzen zu werden.
Entwicklung von Leitlinien für die Lehrplanentwicklung in der frühkindlichen
Betreuung, Bildung und Erziehung, die den frühzeitigen Erwerb von Grundkompetenzen
unterstützen und die Früherkennung und Intervention bei Entwicklungsverzögerungen
erleichtern.
Ausarbeitung von Leitlinien und bewährten Verfahren zur Förderung der
Bewertung digitaler Kompetenzen in der Bildung im Jahr 2026, um in der gesamten
EU vergleichbare Standards für die Bewertung digitaler Kompetenzen in Schulen zu
etablieren.
Erprobung innovativer Ansätze für personalisierte Lernwege bei der Entwicklung
von Grundkompetenzen durch den Einsatz von Systemen der künstlichen Intelligenz
(KI) auf der Grundlage der 2026 im Rahmen von Erasmus+ durchgeführten
experimentellen strategischen Maßnahmen, um leistungsstarke und leistungsschwache
Lernende zu unterstützen.
Aktualisierung des Referenzrahmens für digitale Kompetenzen (DigComp) im Jahr
2025 unter Berücksichtigung neuer Technologien wie KI-Modellen mit allgemeinem
Verwendungszweck, um Lernende bei der Entwicklung grundlegender und
fortgeschrittener digitaler Kompetenzen zu unterstützen.
Entwicklung von Leitlinien zur Verbesserung der Grundkompetenzen in der
beruflichen Aus- und Weiterbildung durch: i) die Integration von Lese- und
Schreibkompetenzen, Mathematik, digitalen und bürgerschaftlichen Kompetenzen in die
Lehrpläne der beruflichen Aus- und Weiterbildung, ii) den Einsatz wirksamer
Lehrmethoden wie problemlösungs- und szenariobasiertes Lernen, iii) die Durchführung
geeigneter Bewertungs- und Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Schaffung eines Toolkits für Grundkompetenzen, einschließlich grundlegender
digitaler Kompetenzen, für die Lehrlingsausbildung im Jahr 2026, um berufsbildenden
Schulen und Arbeitgebern praktische Orientierungshilfen zur Integration von
Grundkompetenzen in ihre Ausbildungsprogramme zu bieten.
15 2022/C 243/03.
10
4.3 Unterstützung von Lehrkräften
Lehrkräfte und Schulleitungen auf allen Ebenen spielen eine Schlüsselrolle bei der
Verbesserung der Grundkompetenzen. Um die Grundkompetenzen auf ein höheres Niveau
zu bringen, ist es unerlässlich, den Lehrberuf attraktiver zu machen und akute Engpässe zu
beheben. Angesichts der Schlüsselrolle, die die frühkindliche Entwicklung für den Lern- und
Schulerfolg spielt, müssen Erzieherinnen und Erzieher entsprechend geschult werden, um die
mündliche Kommunikation und das sozio-emotionale Lernen der Kinder zu fördern und so die
Voraussetzungen für Grundkompetenzen zu schaffen. Lehrkräfte auf allen Ebenen sollten
Zugang zu einer forschungsbasierten Erstausbildung und fortlaufender beruflicher
Weiterbildung haben, die auf Grundkompetenzen ausgerichtet ist und kontinuierlich
fortgeführt wird. Investitionen in Coaching und Mentoring für Lehrkräfte, insbesondere bei
Berufseintritt, fördern die Verbesserung ihrer Lehrpraxis. Darüber hinaus müssen
Schulleitungen weitere Anstrengungen unternehmen, um die Vermittlung von Lese- und
Schreibkompetenzen sowie die digitale Bildung in alle Fächer zu integrieren.
Maßnahmen der Kommission zur Unterstützung von Lehrkräften
Festlegung einer EU-Agenda für Lehrkräfte und Ausbildende im Jahr 2026. Der
Schwerpunkt wird auf der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Ausbildung und
der beruflichen Perspektiven von Lehrkräften, einschließlich Erzieherinnen und
Erziehern in der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung, liegen. Ziel ist es,
den Teufelskreis der geringen Attraktivität des Berufs und der geringen
Karriereperspektiven zu durchbrechen, was insbesondere zu einem Mangel an
Lehrkräften für MINT-Fächer und einer Verschlechterung der Grundkompetenzen
geführt hat.
Einrichtung einer neuen praxisorientierten Gemeinschaft für Erasmus+-
Lehrkräfteakademien – europäische Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen
und Berufsbildungsanbietern – auf der europäischen Plattform für Schulbildung im Jahr
2025. Die Maßnahme wird die Zusammenarbeit zwischen den 43 Erasmus+-
Lehrkräfteakademien fördern, um einschlägiges und anwendbares Wissen zu ermitteln
und zu verbreiten und innovative Verfahren auszutauschen, um eine hochwertige
Lehrkräfteausbildung, auch in Bezug auf Grundkompetenzen, zu gewährleisten.
Erprobung eines Mentoring-Systems für junge Lehrkräfte in allen Fächern bis 2026,
um die Entwicklung von Grundkompetenzen wirksam in ihre Lehrpraxis zu integrieren.
Förderung von Job Shadowing für Entscheidungsträger im Bildungsbereich durch
Erasmus+ im Jahr 2026, was ihre Lernmobilität – auch in Länder mit guten Ergebnissen
bei internationalen Bewertungstests – steigern wird.
Ausbau der Online-Gemeinschaften für Lehrkräfte in der EU (europäische
Plattform für Schulbildung, einschließlich eTwinning) im Jahr 2025. Diese erreichen
400 000 Teilnehmende und sollen bessere berufliche Lernmöglichkeiten,
faktengestützte Tools, Materialien und Ressourcen für eine sinnvolle Vermittlung und
Bewertung von Grundkompetenzen bieten. Bereitstellung hochwertiger Materialien für
Erzieherinnen und Erzieher, Eltern, Lehrkräfte und Jugendliche, auch zur
Cybersicherheit, im Rahmen der Initiative „Besseres Internet für Kinder“.
11
Förderung hochwertiger Lernmaterialien zu digitalen Kompetenzen, die von
Lehrkräften aus der Praxis stammen, im Rahmen der EU Code Week, die 100 000
Aktivitäten pro Jahr umfasst.
4.4 Ermöglichung unterstützender Umfelder
Eltern, Familien und die breitere Gesellschaft, einschließlich der Arbeitgeber, spielen eine
zentrale Rolle bei der Entwicklung der Grundkompetenzen von Kindern, Jugendlichen
und Erwachsenen. Eltern und Familien sind die ersten, die ihren Kindern etwas beibringen:
Sie führen sie durch alltägliche Interaktionen an Sprache, Zahlen und soziale Normen heran,
prägen ihre kognitive und emotionale Entwicklung und vermitteln ihnen Lerngewohnheiten.
Die Einbeziehung der breiteren Gesellschaft (einschließlich Jugendorganisationen,
Bibliotheken, Museen, Kultur- und Sportorganisationen, außerschulischen Angeboten und
Unternehmen) fördert das Lernen durch Erfahrungen, praktische Anwendungen, Vorbilder und
Zugang zu Ressourcen. Die Beteiligung dieser verschiedenen Interessengruppen ist angesichts
des hartnäckigen Zusammenhangs zwischen sozioökonomischem Hintergrund und
Bildungsergebnissen besonders wichtig. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den
Interessengruppen zur Förderung der Inklusion ist eine Priorität im Aktionsplan für Integration
und Inklusion, im strategischen Rahmen der EU für die Roma und in der Strategie für die
Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Weitere Ansätze sind entscheidend, um Erwachsene zur Beteiligung an Lernaktivitäten
zu ermutigen, insbesondere in gewohnten und vertrauten Umgebungen (wie Bibliotheken und
Gemeinde-, Kultur-, Sport-, Gesundheits- und Inklusionszentren). Der Arbeitsplatz und die
öffentlichen Arbeitsvermittlungen, einschließlich der individuellen Berufsberatung, können
ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Eine angemessene öffentliche Infrastruktur –
Veranstaltungsorte, Ausrüstung und geeignetes Personal – ist unerlässlich, um lokale Initiativen
zu fördern, die durch verschiedene Partnerschaften mehr Lernmöglichkeiten schaffen, die den
Bedürfnissen gering qualifizierter Erwachsener gerecht werden.
Maßnahmen der Kommission zur Ermöglichung unterstützender Umfelder
Einbindung von Freiwilligen des Europäischen Solidaritätskorps im Jahr 2026 in
Mentoring- und Nachhilfeprojekte für leistungsschwache Kinder und Erwachsene
im Rahmen des Aktionsbereichs „ Freiwilligenteams in vorrangigen Bereichen“. Im
Rahmen des Programms soll eine Vielzahl an Freiwilligen Kinder bei ihrer
akademischen und sozialen Entwicklung unterstützen und inspirieren und gleichzeitig
die Solidarität zwischen den Generationen fördern, indem sowohl die Freiwilligen als
auch die von ihnen betreuten Kinder um Erfahrungen bereichert werden.
Gründung eines EU-Bündnisses für Lese- und Schreibkompetenz im Jahr 2026.
Daran sollen staatliche Stellen, Unternehmen und Bibliotheken beteiligt sein, um eine
Gemeinschaft rund um die Lese- und Schreibkompetenz zu schaffen, das Bewusstsein
für die Alphabetisierungskrise zu schärfen und bei Kindern und Jugendlichen,
insbesondere Jungen, für das Lesen als Hobby zu werben.
Organisation von Peer-Learning-Aktivitäten für die Mitgliedstaaten zu innovativen
gemeinschaftlichen Lernumgebungen für die Entwicklung von Grundkompetenzen
bei Erwachsenen.
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5. So werden wir den Plan umsetzen
Der Aktionsplan bekräftigt das Engagement und Bestreben der EU, eine hochwertige
Bildung für alle zu fördern. Aufbauend auf der Empfehlung des Rates für
Weiterbildungspfade16, der Empfehlung des Rates zur Einführung einer Europäischen Garantie
für Kinder17 und der Empfehlung des Rates über Wege zum schulischen Erfolg18 sollen die
Mitgliedstaaten dabei unterstützt werden, Reformen zu beschleunigen und die
Grundkompetenzen junger Menschen und Erwachsener erheblich zu verbessern, um einen
entscheidenden Schritt nach vorne zu machen.
Die Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten wird unter anderem durch einen zusätzlichen
Schwerpunkt auf Grundkompetenzen bei den Folgemaßnahmen zu Bildungs- und
Kompetenzreformen im Rahmen des Europäischen Semesters, durch die Festlegung und
Überprüfung strategischer Ziele für Grundkompetenzen auf EU-Ebene und durch die künftige
Europäische Beobachtungsstelle für Kompetenzen weiter gestärkt.
Die Umsetzung des Aktionsplans wird in die Governance-Strukturen der Union der
Kompetenzen integriert werden. Gegebenenfalls werden die Empfehlungen des Beirats für die
digitale Dekade zu grundlegenden digitalen Kompetenzen sowie anderer einschlägiger
Gremien berücksichtigt. Im Rahmen des derzeitigen mehrjährigen Finanzrahmens wird
weiterhin auf die Fonds der Kohäsionspolitik, die Aufbau- und Resilienzfazilität, Erasmus+,
das Instrument für technische Unterstützung, InvestEU und Horizont Europa zurückgegriffen.
Investitionen in Bildung und Kompetenzen auf EU-Ebene werden auch künftig durch
EU-Mittel unterstützt. Durch die Nutzung von bewährten Verfahren, Pilotprojekten und auf
EU-Ebene gewonnenen Erkenntnissen sowie durch eine bessere Abstimmung auf die
politischen Prioritäten der EU wird der Mehrwert von Investitionen in Sektoren, die für die
europäische Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung sind, maximiert.
Die Kommission ersucht das Europäische Parlament, den Rat und die Sozialpartner, den
Aktionsplan für Grundkompetenzen zu billigen und aktiv zur Umsetzung der darin
vorgesehenen Initiativen beizutragen.
16 2016/C 484/01.
17 2021/L 223/14.
18 2022/C 469/01.
Drucksache 135/25- 13 -]
Relationen
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