Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Die Union der Kompetenzen
Text
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Die Union der Kompetenzen
[Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 143/25
28.03.25
EU - AIS - FJ - Fz - K - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Die Union der
Kompetenzen
COM(2025) 90 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 65/25 = AE-Nr. 250115;
Drucksache 135/25 = AE-Nr. 250268;
Drucksache 136/25 = AE-Nr. 250273
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 5.3.2025
COM(2025) 90 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
EUROPÄISCHEN RAT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND
SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Die Union der Kompetenzen
1
DIE UNION DER KOMPETENZEN
Entscheidend für die Wettbewerbsstärke Europas sind seine Bürgerinnen und Bürger. Unser
Humankapital ist für den Wohlstand der EU, ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und ihre
einzigartige soziale Marktwirtschaft von wesentlicher Bedeutung. Es ist der Schlüssel, um unser
Produktivitätswachstum zu steigern, unsere Industrien wettbewerbsfähiger und innovativer zu
machen, zusätzliche Investitionen anzuziehen, einen dynamischen Binnenmarkt zu schaffen und
die wirtschaftliche Sicherheit zu erhöhen. Die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und in
Kompetenzen zu investieren, zahlt sich gleich mehrfach aus. Vor dem Hintergrund des globalen
Wettbewerbs um Talente und des Rückgangs der Erwerbsbevölkerung in der EU hängt die
Wettbewerbsfähigkeit Europas von zukunftsorientierten Kompetenzen ab, die zum
wirtschaftlichen sozialen und territorialen Zusammenhalt beitragen. In der derzeitigen
geopolitischen Lage ist das Humankapital auch ein wesentliches Element zur Förderung von
Krisenvorsorge und Sicherheit.
Um wettbewerbsfähig und für die Zukunft gerüstet zu sein, muss die EU ihre Bürgerinnen und
Bürger dabei unterstützen und darauf vorbereiten, die Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben,
die sie für den Erfolg beim Lernen, im Beruf und im Alltag benötigen, wie in der Mitteilung „Ein
Kompass für eine wettbewerbsfähige EU“1 hervorgehoben wird. Europas soziale Marktwirtschaft,
in der die Bereiche allgemeine und berufliche Bildung, Forschung, Innovation und Demokratie
fest verankert sind, kann als solide Grundlage dienen.
1. Die Problematik: mehr und bessere Kompetenzen werden benötigt
Die Union der Kompetenzen 2 hat zum Ziel, die Entwicklung hochwertiger, inklusiver und
anpassungsfähiger Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Kompetenzen zu
unterstützen, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu steigern. In diesem Zusammenhang wird es
im Hinblick auf wirksame und gezielte Maßnahmen von entscheidender Bedeutung sein, die
Erfassung von Daten über Kompetenzen auf EU-Ebene zu verbessern.
Laut den Berichten von Draghi3, Letta4 und Niinistö5 wird die Wettbewerbsfähigkeit der EU
durch Qualifikationsdefizite und -lücken, eine unzureichende
Transformationsgeschwindigkeit sowie eine fragmentierte und ineffiziente Governance
1 Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Europäischen Rat, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen — Ein Kompass für eine wettbewerbsfähige EU,
COM(2025) 30 final.
2 Der Begriff „Kompetenzen“ ist in der gesamten Kommunikation in einem breiteren Sinne zu verstehen. Er umfasst
Fähigkeiten, Kenntnisse und Kompetenzen für das Leben, die weit über die für den Arbeitsmarkt erforderlichen
Qualifikationen hinausgehen.
3 The future of European Competitiveness (Die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit), Bericht von Mario
Draghi.
4 Much more than a market – Speed, Security, Solidarity. Empowering the Single Market to deliver a sustainable future
and prosperity for all EU Citizens (Weit mehr als ein Markt – Geschwindigkeit, Sicherheit, Solidarität – Stärkung des
Binnenmarkts zur Schaffung einer nachhaltigen Zukunft und von Wohlstand für alle Bürgerinnen und Bürger der EU),
Bericht von Enrico Letta.
5 „Safer together – Strengthening Europe’s Civilian and Military Preparedness and Readiness“ (Gemeinsam für mehr
Sicherheit: Stärkung der zivilen und militärischen Vorsorge und Bereitschaft Europas), Bericht von Sauli Niinistö,
ehemaliger Präsident der Republik Finnland, in seiner Eigenschaft als Sonderberater der Präsidentin der Europäischen
Kommission.
2
beeinträchtigt. Dies behindert das Produktivitätswachstum und Innovationen und es
beeinträchtigt die Dekarbonisierungs- und Digitalisierungsbemühungen.
1.1 Qualifikationsdefizite und -lücken
In Europa herrscht ein Mangel an qualifizierten Absolventinnen und -absolventen in der
Hochschul- und Berufsbildung, und es erhalten nicht genug Menschen die Möglichkeit zu
Weiterbildungen oder Umschulungen während ihres Berufslebens. Darüber hinaus muss Europa
im globalen Wettbewerb um Talente attraktiver werden. Der Fachkräftemangel ist in weniger
entwickelten Regionen, abgelegenen Gebieten und Gebieten in äußerster Randlage häufig
besonders ausgeprägt. Menschen mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund stoßen bei
der Entwicklung ihrer Kompetenzen oftmals auf zusätzliche Hindernisse, was dazu führt, dass das
Potenzial der Arbeitskräfte in der EU nicht ausgeschöpft wird.
Es beginnt in der Schule: Europa hinkt bei den Grundfertigkeiten hinterher. Die Leistungen der
15-Jährigen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften haben sich
verschlechtert, womit sich ein Abwärtstrend fortsetzt, wie die jüngsten PISA-Daten zeigen6 .
Ebenso mangelt es fast der Hälfte der jungen Menschen in Europa an grundlegenden digitalen
Kompetenzen.
Quelle: Europäische Kommission 2024. https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/d9d9adad-c71b-11ee-
95d9-01aa75ed71a1
In der beruflichen Aus- und Weiterbildung: Die berufliche Aus- und Weiterbildung eröffnet
traditionell den Zugang zu hochwertigen Arbeitsplätzen und einer erfüllenden Laufbahn in
Berufen mit mittlerem Qualifikationsniveau. Die Nachfrage nach beruflichen Qualifikationen ist
groß – insbesondere dort, wo ein akuter Arbeitskräftemangel besteht 7 . Grüne Kompetenzen
gehören zu den vielen dringend benötigten Kompetenzen, die im Rahmen der beruflichen Aus-
und Weiterbildung erworben werden können, und sind für den Erfolg des grünen Wandels und der
Kreislaufwirtschaft von großer Bedeutung. Zwei Drittel der in der EU am weitesten verbreiteten
6 Bericht zur PISA-Studie 2022 zeigt Verschlechterung der Bildungsleistung und größere Ungleichheit auf (nur in
englischer Sprache).
7 EURES-Bericht über Arbeitskräftemangel und -überschüsse 2023: https://www.ela.europa.eu/en/publications/labour-
shortages-and-surpluses-europe-2023.
3
Mangelberufe betreffen das Handwerk, das in der Regel eine berufliche Aus- und Weiterbildung
erfordert8. Da der Anteil junger Beschäftigter (unter 30 Jahren) in diesen Berufen und anderen
Schlüsselsektoren wie Landwirtschaft und Fischerei gering ist, kann sich der Arbeitskräftemangel
in diesen Bereichen weiter verschärfen, was einen Generationswechsel noch problematischer
macht.
In der Hochschulbildung: Mehr als die Hälfte der bis 2035 neu entstehenden Stellen werden sich
an hoch qualifizierte Arbeitskräfte richten. Europa bringt jedoch nicht genügend hoch
qualifiziertes Personal hervor. Europa muss in die Hochschulbildung investieren und die
Bündelung von Ressourcen unterstützen, um den Zugang zu Innovation, hochaktuellem Wissen
und Kompetenzen auf hohem Niveau zu verbessern, unter anderem durch gemeinsame
Studienprogramme im Rahmen von Allianzen zwischen tertiären Bildungseinrichtungen, wie z. B.
die Europäischen Hochschulallianzen.
Fortsetzung in der Erwachsenenbildung: Weiterbildung und Umschulung werden während des
gesamten Lebens und der gesamten beruflichen Laufbahn eine wichtige Rolle spielen, doch jeder
fünfte Erwachsene hat Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben9 und weniger als 40 % der
erwachsenen Bevölkerung nehmen an allgemeiner oder beruflicher Bildung teil10, was weit unter
dem für 2030 festgelegten Ziel von 60 % liegt. Bei gering qualifizierten Erwachsenen liegt dieser
Anteil deutlich darunter (18,4 %). Knapp die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung verfügt nicht
über grundlegende digitale Kompetenzen, obwohl mehr als 90 % der Arbeitsplätze sie
voraussetzen11. Zeitliche Zwänge, finanzielle Erwägungen, Betreuungspflichten und Motivation
sind einige der Faktoren, die Erwachsene von der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen
abhalten.
Geschlechtergefälle: Während insgesamt mehr junge Frauen als Männer einen
Hochschulabschluss erlangen, gibt es sowohl in der Hochschulbildung als auch in der beruflichen
Aus- und Weiterbildung fast doppelt so viele Männer wie Frauen in den Bereichen Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Dadurch verstärkt sich die
Geschlechtertrennung auf dem Arbeitsmarkt, und das Innovationspotenzial der EU wird
eingeschränkt.
Mangel an Kompetenzen in den Bereichen Finanzen und Unternehmertum: In Europa fehlt es an
den erforderlichen finanziellen und unternehmerischen Fähigkeiten, um mehr zu investieren und
erfolgreiche Start-up-Unternehmen zu gründen und voranzubringen. Dies limitiert das
Innovations- und Wachstumspotenzial der EU in erheblicher Weise.
Globaler Wettbewerb um Talente: Die EU ist für Talente aus Drittländern weniger attraktiv als
andere OECD-Mitglieder wie Kanada, die USA und Australien12. Darüber hinaus finden einige
8 Auch im Bereich der Erhaltung des kulturellen Erbes sind die zunehmenden Qualifikationslücken ein
Problem, das angegangen werden muss.
9 Do Adults Have the Skills They Need to Thrive in a Changing World?, Survey of Adult Skills 2023, OECD:
https://www.oecd.org/en/publications/do-adults-have-the-skills-they-need-to-thrive-in-a-changing-world_b263dc5d-
en.html.
10 Adult Learning Statistics, Eurostat: https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-
explained/index.php?title=Adult_learning_statistics.
11 Im Bericht über den Stand der digitalen Dekade 2024 wird darauf hingewiesen, dass nur 55,6 % der EU-
Bevölkerung mindestens über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen (gegenüber dem Ziel von 80 %) und
dass beim derzeitigen Tempo die Zahl der IKT-Fachkräfte bis 2030 nur 12 Millionen erreichen wird, was deutlich
unter dem Ziel von 20 Millionen liegt.
12 Talent attractiveness 2023, OECD: https://www.oecd.org/en/data/tools/talent-attractiveness-2023.html.
4
der besten Talente der EU im Ausland bessere Bedingungen für die Unternehmensgründung oder
eine Karriere in der Wissenschaft vor.
Akute Qualifikationslücken und drohender Arbeitskräftemangel in Sektoren, die sich in einem
raschen Wandel befinden, und in Krisenzeiten: Europa ist mit Qualifikationslücken und
potenziellen Engpässen in kritischen Sektoren im Katastrophen- und Krisenfall konfrontiert. Es
mangelt an der Erfassung des Arbeitskräftebedarfs, der Ausbildung neuer Arbeitsmarktsegmente
und dem Zustrom qualifizierter Arbeitskräfte.
1.2 Defizite bei der Transformationsgeschwindigkeit
Die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa hinken dem raschen
technologischen Wandel und dem sich ändernden Bedarf an Kompetenzen hinterher, die
erforderlich sind, um die Dekarbonisierung der Wirtschaft13 voranzutreiben und Abhängigkeiten
in strategischen Sektoren zu verringern.
Für Europa wird es zunehmend schwieriger, die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in
MINT-Bereichen zu decken; dies gilt insbesondere für strategische Sektoren wie saubere und
kreislauforientierte Technologien, digitale Technologien, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung,
aber auch für traditionelle Sektoren, die zunehmend auf digitale Werkzeuge zurückgreifen, deren
Bedienung MINT-Kompetenzen erfordert. Wir bringen zwar hoch qualifizierte Fachkräfte hervor,
doch reicht ihre Zahl nicht aus, um die Lücken zu schließen. Fast vier von fünf KMU in der EU
haben Schwierigkeiten, Arbeitskräfte mit den erforderlichen Kompetenzen zu finden,
insbesondere in bahnbrechenden Technologien wie KI und Quanteninformatik. Besonders
betroffen sind hierbei Start-ups und expandierende Jungunternehmen. Der Fachkräftemangel
betrifft alle Sektoren, einschließlich Verkehr, Lebensmittel und Energie, hemmt das
Wirtschaftswachstum und bremst Innovationen aus.
Der Leistungsrückgang bei den Grundkompetenzen von 15-Jährigen ist eng mit dem Mangel an
spezialisierten Lehrkräften in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern verbunden.
Deshalb ist es dringend notwendig, Lehrkräfte und Ausbildende zu gewinnen und sie durch
kontinuierliche berufliche Weiterbildung in diesen kritischen Bereichen besser zu unterstützen. Da
sich die Bedürfnisse und Erwartungen der jüngeren Generationen weiterentwickeln, kann es
erforderlich sein, eine neue Vision für Bildungs- und Karrierewege zu entwickeln, um diese auf
die sich verändernde Arbeits- und Innovationslandschaft abzustimmen.
Ebenso wichtig ist es, die Menschen – aller Altersgruppen in allen Regionen Europas – mit den
Kompetenzen auszustatten, die sie benötigen, um dringende gesellschaftliche Herausforderungen
wie Klimawandel, Druck auf demokratische Institutionen und Bedrohungen unserer inneren
Sicherheit, einschließlich Cybersicherheit und hybride Bedrohungen, zu bewältigen und
gleichzeitig sicherzustellen, dass sie die Chancen des grünen und des digitalen Wandels nutzen
können.
Letztlich muss Europa die vorhandenen Kompetenzen besser nutzen, indem es die
grenzübergreifende Anerkennung von Qualifikationen verbessert und Kompetenzen anerkennt,
die außerhalb der formalen Bildung erworben wurden. Viele Menschen, die innerhalb der EU in
ein anderes Land umziehen oder aus Drittländern kommen, haben Probleme mit der Anerkennung
13 Mit dem „EU-Aktionsplan für die Automobilindustrie“ sollen die Herausforderungen im Zusammenhang mit Innovation
und einer Führungsposition bei Zukunftstechnologien, Energiewende und Dekarbonisierung sowie den dafür
erforderlichen Kompetenzen angegangen werden.
5
ihrer Qualifikationen, was dazu führt, dass vorhandene Kompetenzen nicht ausreichend genutzt
werden.
1.3 Fragmentierte Governance und Daten über Kompetenzen
Die Kompetenzpolitik ist eng mit der Bildungs-, Arbeits-, Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie
sozialer Inklusion verknüpft. Diese Bereiche werden jedoch häufig sowohl auf nationaler als auch
auf regionaler Ebene von verschiedenen Ministerien oder Abteilungen mit jeweils eigenen
Prioritäten verwaltet.
Darüber hinaus befasst sich eine Vielzahl von Interessenträgern aus den Systemen der allgemeinen
und beruflichen Bildung, der Industrie, den öffentlichen Arbeitsverwaltungen und der
Zivilgesellschaft sowie Sozialpartner mit Kompetenzen aus unterschiedlichen Blickwinkeln in
unzureichend koordinierter Weise.
Diese Fragmentierung bremst intelligente Investitionen und verhindert eine angemessene
Erfassung von Kompetenzen.
Eine unzureichende Konsolidierung, mangelnde Vorausschau und das Fehlen einer wirksamen
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Agenturen, die über Fachwissen im Bereich der
Erfassung von Kompetenzen verfügen, machen es schwer, die künftige Nachfrage nach
Kompetenzen und das Angebot aufeinander abzustimmen – auch im Hinblick auf die
Erleichterung der legalen Migration.
Wenngleich die Mitgliedstaaten ihre Anstrengungen in den Bereichen Bildung und
Kompetenzen verstärkt haben, sind die Herausforderungen zu groß und drängend, um
allein von den Mitgliedstaaten bewältigt werden zu können. Maßnahmen auf EU-Ebene
können die Transformation bei Kompetenzen und Bildung beschleunigen, die Europa benötigt, um
Qualifikationslücken sowie Lücken bei der Transformationsgeschwindigkeit und der
Entscheidungsfindung zu schließen. Es ist ferner äußerst wichtig, Kandidatenländer sowie
potenzielle Kandidatenländer und Nachbarschaftsländer eng an den Reformen und einschlägigen
Initiativen der Union der Kompetenzen zu beteiligen, da auch diese Länder vor ähnlichen
Herausforderungen stehen.
Dies sind die drei Gründe, warum Europa seine Ambitionen und Maßnahmen grundlegend
überdenken muss. Die Union der Kompetenzen ist eine ehrgeizige Strategie für Bildung und
Qualifizierung in der EU, die durch ein neues Kooperationsmodell unterstützt wird, um
durchgreifende Lösungen auf der Grundlage klarer Ziele (Abschnitt 2), wichtiger Maßnahmen
(Abschnitt 3), entsprechender Finanzmittel (Abschnitt 4) und wirksamerer Governance
(Abschnitt 5) zu entwickeln.
2. Union der Kompetenzen: Ziele
Mit der Union der Kompetenzen soll sichergestellt werden, dass im Einklang mit der europäischen
Säule sozialer Rechte alle Menschen in Europa unabhängig von ihrem Wohnort die
Möglichkeit haben, ein solides Fundament an Kompetenzen aufzubauen und an
Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen im Rahmen des lebenslangen Lernens
teilzunehmen. Ziel ist es, die europäischen Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung zu
unterstützen, um sicherzustellen, dass alle, auch alle jungen Menschen, unabhängig von ihrem
Hintergrund und ihrem Wohnort gleiche Chancen beim Zugang zu Bildung, lebenslangem Lernen,
hochwertigen Arbeitsplätzen und der Bewältigung von Übergängen und Krisen haben. Solidere
6
Bildungsgrundlagen und Kompetenzen unterfüttern außerdem die Werte der EU wie Demokratie,
Menschenrechte, Solidarität, soziale Inklusion und Vielfalt, verhelfen den Menschen zu größerer
Resilienz im Hinblick auf Falschinformationen und Desinformation, Radikalisierung und ein
Abrutschen in die Kriminalität und geben ihnen die Möglichkeit, zu einem grüneren, gerechteren
und kohärenteren Europa beizutragen.
Zweitens sollen die Wettbewerbsfähigkeit und die Resilienz der Unternehmen gefördert
werden, was es Arbeitgebern und insbesondere KMU leichter machen soll, Fachkräfte mit den
Kompetenzen zu finden, die sie benötigen, um nachhaltiges Wachstum und hochwertige
Arbeitsplätze zu schaffen. Dies ist auch ein Aufruf an die Unternehmen, in die Weiterbildung und
Umschulung ihrer Beschäftigten aller Altersgruppen zu investieren, um sich auf die sich stetig
wandelnden Herausforderungen und Chancen einzustellen. Gleichzeitig wird anerkannt, dass
Unternehmen – insbesondere KMU sowie Start-ups und Scale-ups – die richtigen Anreize und
Unterstützung benötigen, um diese Investitionen realisierbar zu machen.
Schließlich soll mit der Union der Kompetenzen dafür gesorgt werden, dass Kompetenzen und
Qualifikationen – unabhängig davon, wo sie in Europa erworben werden – im gesamten
Binnenmarkt transparent, zuverlässig und anerkannt sind, sodass Einzelpersonen ihr Recht
auf Freizügigkeit wahrnehmen können und Arbeitgeber, insbesondere KMU, in der Lage sind,
wirksam grenzübergreifend Personal einzustellen. Außerdem ergeht an die Mitgliedstaaten der
Aufruf, auf eine rasche Anerkennung von in Drittländern erworbenen Kompetenzen und
Qualifikationen hinzuarbeiten.
3. Schlüsselkomponenten der Union der Kompetenzen
Die Union der Kompetenzen soll die oben genannten Ziele mit den folgenden Maßnahmen
erreichen:
- Aufbau von Kompetenzen für eine hohe Lebensqualität und hochwertige Arbeitsplätze
durch ein starkes Bildungsfundament im Rahmen eines inklusiven Ansatzes für lebenslanges
Lernen
- Weiterbildung und Umschulung flexibler Arbeitskräfte, insbesondere von Personen mit
geringen und mittleren Kompetenzen, zur Bewältigung des digitalen und des grünen Wandels
- Zirkulation von Kompetenzen im Rahmen des freien Personenverkehrs in der gesamten EU,
um das volle Potenzial des Binnenmarkts freizusetzen
- Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Talenten
7
Die Union der Kompetenzen wird auf Maßnahmen aufbauen, die bereits im Rahmen des
Europäischen Bildungsraums 14 , der Europäischen Kompetenzagenda 15 und des
Europäischen Forschungsraums ergriffen wurden. Auf dieser Grundlage wird die Kommission
mit Akteuren aus den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Beschäftigung und
Arbeitsmarkt sowie mit Sozialpartnern und anderen Interessenträgern zusammenarbeiten, um die
Governance im Bereich Bildung und Qualifizierung in die Union der Kompetenzen zu integrieren.
Die Kommission erkennt die vorrangige Rolle der Mitgliedstaaten in dieser Angelegenheit gemäß
den Artikeln 165 und 166 AEUV uneingeschränkt an und wird bei der Durchführung dieser
Maßnahmen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten handeln.
A. Aufbau von Kompetenzen für das Leben durch ein solides Bildungsfundament
Der bei unseren jungen Menschen stark rückläufige Trend bei den Grundkompetenzen,
einschließlich der digitalen Kompetenzen, ist eine tickende Zeitbombe für unsere Bildungssysteme
und die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Die PISA-Umfrage 2022 zeigt besorgniserregende
Trends: 30 % der 15-Jährigen in der EU verfügen nicht über Mindestkenntnisse in Mathematik,
während etwa 25 % Leistungsschwächen in den Bereichen Lesen und Naturwissenschaften
14 Entschließung des Rates über die Governance-Struktur des strategischen Rahmens für die europäische
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung mit Blick auf den europäischen
Bildungsraum und darüber hinaus (2021-2030). ABl. C 497 vom 10.12.2021.
15 Europäische Kompetenzagenda: https://employment-social-affairs.ec.europa.eu/policies-and-activities/skills-and-
qualifications/european-skills-agenda_de.
Kompetenzaufbau
für eine hohe
Lebensqualität
und
hochwertige
Arbeitsplätze
Zirkulation
von
Kompetenzen
in der gesamten
EU für mehr
Wettbewerbsfähigkeit
Weiterbildung
und
Umschulung
für den digitalen
und
den grünen
Wandel
Gewinnung,
Entwicklung
und Bindung
von Talenten
für Europas Zukunft
8
aufweisen16. Etwa 43 % der Achtklässler mangelt es an grundlegenden digitalen Kompetenzen,
was den Abwärtstrend bestätigt17.
Während die EU im Durchschnitt auf dem richtigen Weg ist, das EU-Ziel für 2030, die Quote der
frühzeitigen Schulabgänge auf unter 9 % zu senken, zu erreichen, besteht für Jungen, junge
Menschen mit Behinderungen und Lernende mit Migrationshintergrund ein höheres Risiko, die
Schule vorzeitig zu verlassen. Darüber hinaus ist die EU weiter von dem EU-Ziel für 2030 entfernt,
den Anteil der Lernenden mit unterdurchschnittlichen Leistungen auf unter 15 % zu senken, als
vor zehn Jahren. Der sozioökonomische Hintergrund ist nach wie vor ein aussagekräftiger
Indikator für die Bildungsergebnisse. So ist das Risiko stark unterdurchschnittlicher Leistungen
bei den Grundkompetenzen bei benachteiligten Lernenden um 6,1-mal höher im Vergleich zu
Gleichaltrigen aus privilegierteren Verhältnissen18. Ein Geschlechtergefälle besteht beim Lesen,
wo Mädchen in allen EU-Ländern die meisten Spitzenleistungen zeigen, sowie in
wissenschaftlichen Fächern, wo unterdurchschnittliche Leistungen etwas häufiger bei Jungen
vorkommen. In ländlichen Gebieten sind im Vergleich zu städtischen Gebieten Lücken
festzustellen, insbesondere beim Lesen19 und bei den digitalen Kompetenzen20. Im Vergleich zu
städtischen Gebieten verfügen junge Menschen in ländlichen Gebieten seltener über einen
Hochschulabschluss21.
Dies birgt die Gefahr, dass die EU im globalen Technologiewettlauf weiter zurückfällt, während
der Bedarf an künstlicher Intelligenz (KI), Automatisierung und Cybersicherheit die Industrie und
die Gesellschaft verändert. In den Bereichen Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie
Fusionstechnologien sind fortgeschrittene MINT-Kompetenzen unerlässlich, um die Abhängigkeit
von Lieferanten aus Drittländern zu verringern und zukunftsfähige Kapazitäten zu entwickeln.
Zwischen 2015 und 2022 war bei Doktoranden in MINT-Fächern jedoch ein allgemeiner
Rückgang (-7 %) zu verzeichnen, von dem die Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik (-
13,1 %) sowie IKT-Informations- und Kommunikationstechnologien (-25,5 %) betroffen waren,
während einzig in den Bereichen Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen ein Anstieg
festzustellen war (+9.4 %).
Darüber hinaus begünstigt die Förderung von MINKT-Ansätzen, bei denen Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaft, Kunst und Technik integriert werden, indem die Grenzen zwischen
den Fachdisziplinen eingerissen werden, kreatives Denken. Seitens der Arbeitgeber besteht eine
starke Nachfrage nach diesem Kompetenzspektrum 22 . Außerdem werden die digitalen und
finanziellen Kompetenzen gestärkt, indem den Lernenden die Kompetenzen vermittelt werden, die
ihnen ein Verständnis der Funktionsweise von digitalen Systemen und Finanzsystemen
ermöglichen.
16 Die zweifache Herausforderung, Chancengleichheit und herausragende Leistungen bei den Grundkompetenzen in
der EU zu erreichen – Eine vergleichende Analyse der PISA-Ergebnisse 2022 in der EU.
17 Internationale Studie zur Messung der Computer- und Informationskompetenzen (ICLIS) in Europa, 2023.
18 Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2024.
19 Für weitere Einzelheiten zur Schulbildung in ländlichen Gebieten siehe OECD (2021) „Delivering quality education
in rural communities“.
20 Wenngleich in den vergangenen Jahren Verbesserungen erreicht wurden, bleibt eine Lücke von 15 %
(COM/2024/450 final).
21 Eurostat (2022).
22 Bericht des Weltwirtschaftsforums „The Future of Jobs 2023“: https://www.weforum.org/publications/the-future-of-
jobs-report-2023.
9
Gleichzeitig besteht im Hinblick auf geschlechtsspezifische Unterschiede dringender
Handlungsbedarf, da Frauen in vielen MINT-Fächern, darunter in den Bereichen Ingenieurwesen
und Informatik, nach wie vor unterrepräsentiert sind, während in Bereichen wie Gesundheit,
Wohlfahrt und dem Lehrberuf Männer in der Minderheit sind.
Es ist von entscheidender Bedeutung, die Attraktivität des Lehrberufs zu steigern und ein
ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in dieser Berufsgruppe zu erreichen, den Mangel an
Lehrkräften, insbesondere in den MINT-Fächern, zu beheben, Talente zu halten und dafür zu
sorgen, dass Lehrkräfte besser für den Umgang mit Lernrückständen und dem technologischen
Wandel gerüstet sind. So sind beispielsweise nur 40 % der Lehrkräfte in der Lage, digitale
Technologien im Unterricht zu nutzen. Während 68 % der Jugendlichen bereits KI nutzen, fehlt es
den Bildungssystemen an den notwendigen Rahmen, um KI wirksam in den Lernprozess zu
integrieren23.
Der Aufbau von Kompetenzen für das Leben, wie etwa Medienkompetenz, digitale Kompetenz,
kritisches Denken oder grundlegende Kompetenzen im Bereich Cybersicherheit, ist für die
allgemeine Krisenvorsorge Europas unerlässlich, auch im Hinblick auf die demokratische
Resilienz. In diesem Kontext benötigen Lernende zudem starke Grundkompetenzen sowie
fortgeschrittene Kompetenzen, insbesondere in den MINT-Fächern, aber auch staatsbürgerliche
Kenntnisse und Fähigkeiten. Die Risikovorsorge in den Systemen der allgemeinen und beruflichen
Bildung muss verbessert werden, um sicherzustellen, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten unter
allen Umständen handlungsfähig bleiben und wichtige gesellschaftliche Funktionen wahrnehmen
können.
Nichtformales und informelles Lernen, Jugendarbeit, kulturelle Initiativen, die Teilnahme an
sportlichen Aktivitäten und Freiwilligentätigkeit können den Bürgerinnen und Bürgern auch
wertvolle Möglichkeiten bieten, Wissen, Kompetenzen, Haltungen und Verhaltensweisen zu
erwerben, um bürgerschaftliches Engagement zu entwickeln.
Wichtigste Ziele auf EU-, nationaler, regionaler und lokaler Ebene
Schaffung solider Grundlagen in der allgemeinen und beruflichen Bildung
o Die Förderung von grundlegenden Lese- und Schreibkompetenzen, Mathematik,
Naturwissenschaften, digitalen Kompetenzen und bürgerschaftlichem Engagement wird durch
einen Aktionsplan für Grundkompetenzen verstärkt. Im Rahmen eines Pilotprojekts zur
Förderung von Grundkompetenzen wird die Kommission mit interessierten Mitgliedstaaten
an einem Rahmen für wirksame, mit EU-Mitteln unterstützte Interventionsmaßnahmen
arbeiten, die sich an Kinder und Jugendliche richten, die Probleme mit dem Erwerb von
Grundkompetenzen haben. Mit dem Europäischen Preis für innovative Schulen werden
Schulen ausgezeichnet, die sich bei der Änderung der Lehrpläne mit dem Ziel, den Lernenden
– unter anderem durch Zusammenarbeit mit Unternehmen und lokalen Behörden – MINT-
Kenntnisse und Kompetenzen für bürgerschaftliches Engagement zu vermitteln, als
außergewöhnlich innovativ erwiesen haben. Die Kommission schlägt vor, die bestehende
Zielvorgabe für Grundkompetenzen wie folgt zu ergänzen: Bis 2030
sollte der Anteil der unterdurchschnittlichen Leistungen in den Bereichen Lesen und
Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften sowie bei den digitalen
Kompetenzen weniger als 15 % betragen, während der Anteil der Spitzenleistungen
23 Vodafone Foundation 2025 (AI In European Schools).
10
in den Bereichen Lesen und Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften
mindestens 15 % betragen sollte;
o auf der Grundlage einer Überprüfung des Aktionsplans für digitale Bildung wird die
Kommission einen Fahrplan für die Zukunft der digitalen Bildung und Kompetenzen bis
2030 vorlegen, um einen gleichberechtigten Zugang zu digitaler Bildung für alle zu fördern.
Ein robustes EU-Ökosystem für digitale Bildung wird für Zukunftssicherheit sorgen,
langfristige Partnerschaften mit in der EU ansässigen EdTech-Unternehmen eingehen und
unabhängig entwickelte europäische Lösungen schaffen. Eine Initiative zu KI in der
allgemeinen und beruflichen Bildung wird einen Rahmen für KI-Kompetenzen schaffen und
die Integration von KI in die allgemeine und berufliche Bildung unterstützen, um der
Notwendigkeit von Online-Sicherheit und digitalem Wohlergehen Rechnung zu tragen,
Desinformation und Falschinformation zu bekämpfen und zugleich Innovationen im
Bildungswesen zu fördern. Der Referenzrahmen für digitale Kompetenzen wird bis Ende 2025
aktualisiert, um neuen Technologien, einschließlich KI, Rechnung zu tragen.
o Über einen Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern wird Unterstützung
bereitgestellt, um den Trend zu rückläufigen MINT-Kompetenzen in der Schule umzukehren
und mehr Lernende für MINT-Fächer und -Berufe zu gewinnen. Ein zentrales Ziel dieses Plans
ist es, mehr Mädchen und Frauen für MINT-Studiengänge, einschließlich digitaler
Studiengänge und entsprechender Laufbahnen, zu gewinnen. Darüber hinaus schlägt die
Kommission ein strategisches Ziel für die Einschreibung in MINT-Fächer vor: Bis 2030
sollte der Anteil der in MINT-Fächern in der beruflichen Erstausbildung auf
mittlerem Niveau eingeschriebenen Lernenden mindestens 45 % betragen24, davon
sollte mindestens ein Viertel weiblich sein25;
sollte der Anteil der in MINT-Fächern eingeschriebenen Hochschulstudierenden
mindestens 32 % betragen26, davon sollten mindestens vierzig Prozent weiblich
sein27;
sollte der Anteil der Studierenden in Promotionsstudiengängen im Bereich IKT
mindestens 5 % betragen28, davon sollte mindestens ein Drittel weiblich sein.
o Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs und akademischer Laufbahnen durch:
eine EU-Agenda für Lehrkräfte und Ausbildende, die die Mitgliedstaaten dabei
unterstützt, den Lehrkräftemangel zu beheben, die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte zu
verbessern und ihre Karriereaussichten zu verbessern;
einen europäischen Kompetenzrahmen für akademisches Personal in der
Hochschulbildung, der den bestehenden Europäischen Kompetenzrahmen für Forschende
24 Der Anteil der in MINT-Fächern in der beruflichen Erstausbildung auf mittlerem Niveau eingeschriebenen Lernenden
lag 2022 bei 36,2 % (letzte verfügbare Daten). Das Ziel der EU für 2030 besteht darin, einen durchschnittlichen
jährlichen Anstieg um rund 1,1 Prozentpunkte zu erreichen.
25 Der Anteil der in MINT-Fächern in der beruflichen Erstausbildung auf mittlerem Niveau eingeschriebenen Frauen (im
Vergleich zur Gesamtzahl der MINT-Einschreibungen) lag 2022 bei 16,1 % (letzte verfügbare Daten). Das Ziel der EU
für 2030 besteht darin, einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg um rund 1,1 Prozentpunkte zu erreichen.
26 Der Anteil der in MINT-Fächern eingeschriebenen Hochschulstudierenden lag 2022 bei 27,1 % (letzte verfügbare
Daten). Das Ziel der EU für 2030 besteht darin, einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg um rund 0,6 Prozentpunkte
zu erreichen.
27 Der Anteil der in MINT-Fächern eingeschriebenen Hochschulstudentinnen (im Vergleich zur Gesamtzahl der MINT-
Einschreibungen) lag 2022 bei 31,8 % (letzte verfügbare Daten). Das Ziel der EU für 2030 besteht darin, einen
durchschnittlichen jährlichen Anstieg um rund 1 Prozentpunkt zu erreichen.
28 Gegenüber 3,7 % im Jahr 2022.
11
(ResearchComp) ergänzt. Im Hinblick auf eine Neubewertung pädagogischer Aufgaben in
der Wissenschaft müssen innovative Lehrmethoden stärkere Anerkennung erfahren,
Möglichkeiten des lebenslangen Lernens und der Weiterbildung durch Microcredentials
entwickelt, transnationale Bildungsprogramme geschaffen und Kooperationen mit
Arbeitgebern aufgebaut werden29.
Entwicklung eines attraktiven und innovativen Systems der beruflichen Aus- und
Weiterbildung
Steigerung der Attraktivität, Exzellenz und Inklusivität der Berufsbildung durch eine
Europäische Strategie für die berufliche Aus- und Weiterbildung. Im Mittelpunkt der
Strategie wird die Rolle der beruflichen Aus- und Weiterbildung bei der Förderung der
Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in der EU, des wirtschaftlichen, territorialen und
sozialen Zusammenhalts und des Generationswechsels stehen. So wird sie darauf abzielen, den
Fachkräftemangel und das Missverhältnis zwischen Qualifikationsangebot und -nachfrage
anzugehen, die Attraktivität, Qualität und Arbeitsmarktrelevanz der beruflichen Aus- und
Weiterbildung zu erhöhen sowie Mobilität und Internationalisierung zu unterstützen. Die
Strategie wird sich auch mit geschlechtsspezifischen und anderen Stereotypen bei
Studienentscheidungen befassen und auf den Vorteilen und Arbeitsmarktergebnissen der
beruflichen Aus- und Weiterbildung aufbauen, damit diese – auch für Frauen – zu einem als
der Hochschulbildung gleichwertig wahrgenommenen Lernpfad wird.
Schaffung eines inklusiven und zukunftsorientierten Hochschulsystems
o Vorlage einer Initiative zur Verbesserung des Zugangs zur Hochschulbildung für ein
breiteres Spektrum von Lernenden verschiedener Altersgruppen – um der steigenden
Nachfrage nach Hochschulabsolventen auf dem Arbeitsmarkt gerecht zu werden, die
Prognosen zufolge mit den Arbeitsplätzen der Zukunft noch deutlich zunehmen wird – und
Förderung von Unterstützungsleistungen, die dem Wohlbefinden der Studierenden dienen,
sowie gezielte Unterstützung für ihren Lernerfolg. Die Initiative wird Hochschuleinrichtungen
und ihr Personal bei der Umsetzung der im Jahr 2024 im Rahmen des Bologna-Prozesses
angenommenen Grundsätze, Leitlinien und Indikatoren für einen breiteren Zugang und die
soziale Dimension der Hochschulbildung unterstützen.
o Förderung der unternehmerischen Bildung auf allen Ebenen mit weiteren speziellen
Modulen – auch grenzüberschreitend – an Universitäten in Zusammenarbeit mit ihrem
innovativen Ökosystem. Dies hilft den Studierenden, die Kompetenzen und Denkweisen zu
entwickeln, die für die Unternehmensgründung und die Schaffung von Arbeitsplätzen
erforderlich sind.
Wichtigste Ziele
Aktionsplan für Grundkompetenzen [1. Quartal 2025]
Pilotprojekt zur Förderung von Grundkompetenzen [2026]
Fahrplan für die Zukunft der digitalen Bildung und Kompetenzen bis 2030 [4. Quartal 2025]
29 Empfehlung des Rates vom 25. November 2024 zu attraktiven und nachhaltigen Laufbahnen in der
Hochschulbildung.
12
Initiative zu KI in der Bildung [2026]
Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern [1. Quartal 2025]
EU-Agenda für Lehrkräfte und Ausbildende [2026]
Europäischer Kompetenzrahmen für akademisches Personal [2026]
Europäische Strategie für die berufliche Aus- und Weiterbildung [2026]
Verbesserung des Zugangs zur Hochschulbildung [2027]
Strategie für Generationengerechtigkeit [1. Quartal 2026]
B. Weiterqualifizierung und Umschulung zur Gewährleistung zukunftsorientierter
Kompetenzen
Tempo und Umfang der laufenden Transformationen sind beispiellos. Kompetenzen sind seit
jeher einer der Wettbewerbsvorteile Europas. Indem die richtigen Instrumente für eine flexible
und wirksame Weiterqualifizierung und Umschulung zur Verfügung gestellt werden, wird
sichergestellt, dass europäische Unternehmen und Arbeitgeber wettbewerbsfähig sind, der
Wechsel des Arbeitsplatzes erleichtert wird und niemand auf der Strecke bleibt.
Weiterbildung und Umschulung sind eine gemeinsame Aufgabe. Behörden auf EU-, nationaler,
regionaler und lokaler Ebene spielen dabei ebenso eine Rolle wie Unternehmen, Sozialpartner,
Anbieter von allgemeiner und beruflicher Bildung, Organisationen der Zivilgesellschaft, lokale
Gemeinschaften und Einzelpersonen.
Prognosen zum künftigen Bedarf auf dem Arbeitsmarkt machen Maßnahmen zur
Gewährleistung der Kompetenzen, die Europa benötigt, noch dringlicher. Die Kommission
hat bereits 42 Berufe ermittelt, in denen EU-weit ein Fachkräftemangel herrscht. Der größte
Mangel besteht im Baugewerbe, im Verkehrssektor sowie in einigen Gesundheitsberufen, etwa bei
Krankenpflegefachkräften, Fachärztinnen und -ärzten sowie Pflege- und Betreuungskräften30 .
Durch KI, Robotik, datengesteuerte Prozesse und Industrien, die den Übergang zu sauberen
Energien gewährleisten, dürfte sich die Situation weiter verschärfen31.
Die Teilnahme an der Erwachsenenbildung ist nach wie vor unzureichend. Mit lediglich 39,5 %32
bleibt sie weit hinter dem EU-Kernziel von 60 % bis 2030 zurück. Besonders niedrig ist der Anteil
unter gering qualifizierten Erwachsenen, die am meisten Weiterbildungsbedarf haben. Auch in
weniger entwickelten Regionen und in im Wandel befindlichen Regionen sind die
Teilnahmequoten im Durchschnitt niedriger. Frauen und benachteiligte Gruppen wie Menschen
mit Behinderungen stoßen auf zusätzliche Hürden, die ihre Teilnahme an
30 Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Einrichtung eines EU-Talentpools
(COM(2023) 716).
31 Mit Blick auf den Einsatz von Technologien für erneuerbare Energien sowie Stromnetz- und Energieeffizienztechnologien muss
der Arbeitskräftebestand im Energiesektor bis 2030 um 50 % aufgestockt werden.
32 Auswertung von Daten zur beruflichen Aus- und Weiterbildung: Wie geht es weiter mit der beruflichen Aus- und
Weiterbildung und der Erwachsenenbildung in der Europäischen Union?, Cedefop:
https://www.cedefop.europa.eu/en/data-insights/what-happening-vocational-education-and-training-and-
adultlearning-european-union.
13
Weiterbildungsmaßnahmen erschweren. In diesem Zusammenhang wird der Fahrplan für
Frauenrechte die Chancengleichheit und den Zugang zu Weiterbildung und Umschulung fördern.
Wir müssen ältere Bürgerinnen und Bürger stärken, die bereit sind, weiterhin einen Beitrag zum
Arbeitsmarkt zu leisten. Ferner sollten politische Initiativen unterstützt werden, bei denen mehrere
Generationen einander gegenseitig nutzen. Arbeitsstätten, an denen mehrere Generationen tätig
sind, werden unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht und sind eine Investition in wechselseitige
Wissens- und Kompetenztransfers zwischen jungen und älteren Bürgerinnen und Bürgern, von der
letztlich die Gesellschaft als Ganzes profitiert.
Einen großen Teil der Weiterbildung machen Schulungen am Arbeitsplatz aus, die von den
Arbeitgebern angeboten werden. Im Jahr 2020 boten 67,4 % der Unternehmen Schulungen an,
doch die Beteiligung ist je nach Sektor, Industrie und Land sehr unterschiedlich. Der
Schulungsbedarf von Erwachsenen, die im Hinblick auf einen Wechsel des Berufs oder der
Branche umgeschult werden müssen, wird von den öffentlichen Arbeitsverwaltungen nicht
ausreichend gedeckt.
Ein großes Hindernis für die Weiterbildung gering qualifizierter Erwachsener ist mangelnde
Motivation 33 . Negative Erfahrungen mit schulbasiertem Lernen können eine abschreckende
Wirkung haben. Um Erwachsene zur Teilnehme an Lernaktivitäten in vertrauten oder neuen
Umgebungen zu bewegen, bedarf es alternativer Ansätze, die ein breiteres Spektrum von Akteuren
einbeziehen.
Der soziale Dialog auf allen Ebenen, d. h. auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene, spielt
eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Kompetenzentwicklung im Rahmen von
Tarifverhandlungen, bei der Verwaltung von Weiterbildungs- und Entwicklungsfonds, bei
Beratungsdiensten und bei der Abstimmung von Arbeitsplätzen mit Kompetenzen. Dies wird
weiter gefördert.
Wichtigste Ziele des öffentlichen Sektors auf EU-, nationaler oder regionaler Ebene
Weiterbildung und Umschulung von Erwachsenen
o Weitere Unterstützung der Einrichtung individueller Lernkonten34, um allen Menschen
unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus die Möglichkeit zu geben, an Weiterbildungen
und Umschulungen teilzunehmen. Individuelle Lernkonten können vom Wandel betroffenen
Menschen dabei helfen, die Kompetenzen zu erwerben, die sie für den Übergang in eine neue
berufliche Tätigkeit benötigen. Viele Mitgliedstaaten erproben solche Programme im Rahmen
von Pilotprojekten, doch wird in den kommenden Jahren eine weitere Ausweitung,
Evaluierung und Konsolidierung erforderlich sein.
o Ausweitung der Nutzung von Microcredentials als flexible Lernlösungen im Einklang mit
dem europäischen Ansatz 35 , um sicherzustellen, dass sie vertrauenswürdig, verständlich,
digital ausgestellt sowie sektor- und länderübergreifend vergleichbar sind. Dies erfordert die
aktive Einbeziehung aller Arten von Anbietern von Microcredentials, insbesondere privater
Anbieter von Weiterbildungsmaßnahmen, zusätzlich zu den Einrichtungen der allgemeinen
und beruflichen Bildung. Gegebenenfalls sollten Microcredentials mit den nationalen und dem
33 Mangelnde Motivation bei Erwachsenen war ein wiederkehrendes Problem, von dem während des Europäischen
Jahres der Kompetenzen alle Mitgliedstaaten berichteten.
34 Empfehlung des Rates vom 16. Juni 2022 zu individuellen Lernkonten (2022/C 243/03).
35 Empfehlung des Rates vom 16. Juni 2022 über einen europäischen Ansatz für Microcredentials für lebenslanges
Lernen und Beschäftigungsfähigkeit (2022/C 243/02).
14
Europäischen Qualifikationsrahmen verknüpft werden. Leitlinien zu
Qualitätssicherungsinstrumenten werden das Vertrauen in und die Nutzung von
Microcredentials bei Einstellungsverfahren stärken. Ziel ist es auch, die Zahl der gemeinsamen
Microcredentials, die von Zentren der beruflichen Exzellenz, Europäischen
Hochschulallianzen und EU-Kompetenzakademien ausgestellt werden, zu erhöhen und ihre
Nutzung durch Unternehmen bei der Einstellung und Laufbahnförderung zu verstärken, wobei
der Schwerpunkt insbesondere auf strategischen Sektoren liegt.
o Unterstützung von Peer-Learning-Aktivitäten der Mitgliedstaaten zu innovativen
gemeinschaftlichen Lernräumen mit dem Ziel, Erwachsene mit geringen
Grundkompetenzen einzubeziehen und sie dazu zu motivieren, sich in einem Umfeld, in dem
sie sich wohler fühlen, weiterzubilden. Ermutigung der Mitgliedstaaten zur Zusammenarbeit
mit öffentlichen Arbeitsverwaltungen und Sozialdiensten, um Erwachsenen dabei zu helfen,
ihre Grundkompetenzen zu verbessern und gegebenenfalls auf den Arbeitsmarkt
zurückzukehren. In diesem Zusammenhang könnten generationenübergreifende Ansätze
erprobt werden.
o Entwicklung und Einrichtung des Pilotprojekts „Kompetenzgarantie“, um sicherzustellen,
dass Arbeitskräfte in Sektoren, die sich in einer Umstrukturierung befinden oder von
Stellenabbau bedroht sind, die Möglichkeit haben, ihre berufliche Laufbahn in anderen
Sektoren und/oder Unternehmen weiterzuentwickeln. Durch die Förderung der Weiterbildung
und Umschulung der Arbeitskräfte im Einklang mit den einschlägigen nationalen, regionalen
und/oder sektorspezifischen Übergangsstrategien wird die Kompetenzgarantie die
Beschäftigungsaussichten und die Arbeitsplatzsicherheit der Betroffenen unterstützen.
o Im Rahmen der Überprüfung der allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung36 prüfen, ob
die für die Aus- und Weiterbildung geltenden Vorschriften über staatliche Beihilfen
aktualisiert werden müssen, um der Industrie, einschließlich der Sozialwirtschaft, stärke
Anreize für Investitionen in die Weiterbildung und Umschulung von Arbeitskräften mit Blick
auf einen gerechten Übergang zu bieten.
Nutzung öffentlich-privater Partnerschaften und Förderung der Zusammenarbeit in
strategischen Sektoren
o Stärkung und Straffung des Kompetenzpakts, um strategische Sektoren bei ihren
Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen zu unterstützen, unter anderem durch groß
angelegte Partnerschaften im Einklang mit dem Kompass für Wettbewerbsfähigkeit sowie im
Rahmen des Deals für eine saubere Industrie und der Strategie für eine krisenfeste Union;
durch die Stärkung der betreffenden groß angelegten Partnerschaften wird die Entwicklung
sektorspezifischer Lösungen gefördert 37 . Ein verstärkter Kompetenzpakt wird der
Fragmentierung von Initiativen entgegenwirken und die Verbindungen zwischen ihnen
verbessern, etwa zwischen den EU-Kompetenzakademien, der Europäischen
36 Verordnung (EU) Nr. 651/2014 der Kommission vom 17. Juni 2014 zur Feststellung der Vereinbarkeit bestimmter
Gruppen von Beihilfen mit dem Binnenmarkt in Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags über die
Arbeitsweise der Europäischen Union, in der geänderten, konsolidierten Fassung https://eur-lex.europa.eu/legal-
content/DE/ALL/?uri=CELEX:02014R0651-20230701.
37 Groß angelegte Partnerschaften bestehen in folgenden Bereichen: Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung, Agrar-
und Ernährungswirtschaft, Bauwirtschaft, Kultur- und Kreativwirtschaft, Digitales, energieintensive Industrien,
Gesundheit, Elektronik, Mobilität, Verkehr und Automobilindustrie, Lokal- und Sozialwirtschaft, erneuerbare Energien,
Einzelhandel, Textilindustrie und Tourismus.
15
Ausbildungsallianz, den Zentren der beruflichen Exzellenz und den Europäischen
Hochschulallianzen. Verbesserungen wird es auch im Hinblick auf sektorübergreifende
Synergien zwischen den Mitgliedern des Pakts sowie den Austausch von Wissen und
Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette (z. B. Erfassung von Daten über Kompetenzen,
Berufsprofile, Lehrpläne, Schulungsmodule) geben. Die Mitglieder des Pakts haben zugesagt,
bis zum Jahr 2030 Weiterbildungsmaßnahmen für 25 Millionen Arbeitskräfte durchzuführen.
Die Kommission fordert die Mitglieder des Pakts auf, ihre Zusagen mindestens zu verdoppeln.
o Überprüfung und Einrichtung spezifischer EU-Kompetenzakademien. Bestehende
Akademien, unter anderem jene für eine klimaneutrale Industrie, werden im Hinblick auf ihre
Erfolgsfaktoren überprüft. Auf der Grundlage dieser Analyse wird eine bestimmte Zahl von
Akademien eingerichtet, die auf den erfolgreichsten Modellen aufbauen. So soll die
Vermittlung von Kompetenzen gewährleistet werden, die die Industrie für den grünen und den
digitalen Wandel sowie für den Deal für eine saubere Industrie benötigt. Die Akademien
sollten auf strategische Sektoren wie Verteidigung, Automobilindustrie, Kreislaufwirtschaft,
Windkraftbranche, Versorgungsnetze, Lebensmittelbranche, digitale Bereiche wie KI,
Quantentechnologien, virtuelle Welten und Halbleiterbranche ausgerichtet sein. Die
Kommission wird im Juni 2025 das Netzwerk Industrie-Wissenschaft der Akademie für
Cybersicherheitskompetenzen ins Leben rufen und Cyber-Campusse für
Cybersicherheitskompetenzen in verschiedenen Mitgliedstaaten und Regionen fördern. Das
Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT) wird bis 2028 in Zusammenarbeit mit
Unternehmen eine Million Lernende mit den Kompetenzen ausstatten, die in strategischen
Sektoren benötigt werden, wobei besonderes Augenmerk auf eine ausgewogene Beteiligung
von Frauen und Männern gelegt wird.
o Durchführung von Pilotmaßnahmen – unter anderem im Rahmen von Erasmus+, des
Programms „Digitales Europa“ und des EIT – zur Einrichtung transnationaler
Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen, die darauf abzielen, Menschen
für Branchen mit gravierendem Fachkräftemangel auszubilden. Solche Partnerschaften
könnten beispielsweise spezifische gemeinsame Programme unterstützen, gemeinsam
Microcredentials entwickeln, Unternehmertum fördern oder Mentoring für Start-up- und
Scale-up-Unternehmen unterstützen. Die EU-Strategie für Start-ups und Scale-ups sieht
zusätzliche Maßnahmen vor, die diese bei der Anwerbung und Bindung derjenigen Talente
unterstützen sollen, die sie benötigen, um in der EU zu starten und zu wachsen.
o Erhöhung der Zahl der im Rahmen der Europäischen Ausbildungsallianz gemachten
Zusagen auf 700 bis zum Jahr 2030, einschließlich Zusagen in Bezug auf Menschen außerhalb
des Arbeitsmarktes und Ausbildungsmaßnahmen für Erwachsene zur Weiterbildung und
Umschulung.
Wichtigste Ziele
Erprobung einer Kompetenzgarantie für Arbeitskräfte im Rahmen eines Pilotprojekts [2025]
Einrichtung spezifischer EU-Kompetenzakademien nach Überprüfung bestehender
Akademien [2026]
Pilotprojekt für transnationale Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen für
Sektoren mit gravierendem Fachkräftemangel [2026]
16
C. Zirkulation von Kompetenzen und Abstimmung von Qualifikationsangebot und -
nachfrage zur Erschließung des vollen Potenzials des Binnenmarkts
Der Binnenmarkt bietet einen einzigartigen Rahmen für die Freizügigkeit von Personen mit ihren
jeweiligen Kenntnissen und Kompetenzen. Die EU hat Rechtsvorschriften für die Freizügigkeit
von Angehörigen reglementierter Berufe sowie eine Reihe von Transparenz- und
Arbeitsmarktinstrumenten, wie den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), Europass,
ESCO38 und EURES39, entwickelt. Darüber hinaus wurde im Zuge des Bologna-Prozesses das
Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen für die
postsekundäre Bildung geschaffen.
Es bestehen jedoch nach wie vor Hindernisse für eine reibungslose Übertragbarkeit und
Anerkennung individueller Kompetenzen und Qualifikationen. Die Union der Kompetenzen sieht
eine vereinfachte Validierung von Kompetenzen bzw. Anerkennung von Qualifikationen sowie
eine verstärkte transnationale Zusammenarbeit vor und wird somit zu einer ausgewogenen
grenzüberschreitenden Mobilität und zum freien Verkehr von Wissen und Kompetenzen beitragen.
Dies führt zu einer besseren Abstimmung von Qualifikations- und Jobprofilen bei Arbeitsmobilität
in der EU. So wird der Abwanderung Hochqualifizierter sowie allgemeinen
Abwanderungstendenzen in Regionen, die vom Bevölkerungsrückgang bedroht sind,
entgegengewirkt.
Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten wird im Rahmen der Union der Kompetenzen auf einen von
allen Mitgliedstaaten anerkannten europäischen Hochschulabschluss hingearbeitet. Durch die
transnationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit – unterstützt durch Erasmus+ – werden
Ressourcen gebündelt, sodass allgemeine und berufliche Bildung von höchster Qualität angeboten
werden kann.
Wichtigste Ziele auf EU-, nationaler, regionaler und lokaler Ebene
Erleichterung der Übertragbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen
o Entwicklung einer Initiative für die Portabilität von Kompetenzen, um Arbeitskräften und
Unternehmen mehr Möglichkeiten zu eröffnen, das Potenzial des Binnenmarkts voll
auszuschöpfen. Erstens wird geprüft, ob ein Legislativvorschlag erforderlich sein könnte, um
Hindernisse für die Arbeitskräftemobilität, auch in nicht regulierten Berufen, auszuräumen.
Hierbei könnte man sich auf bestehende Transparenzinstrumente stützen, mit denen in den
Mitgliedstaaten das Verständnis, die Vergleichbarkeit und die Akzeptanz von Kompetenzen
und Qualifikationen sowie das Vertrauen darauf sichergestellt werden sollen. Auch die
Nutzung gemeinsamer europäischer Formate für interoperable digitale Zertifikate könnte
gefördert werden, um das Verständnis und die Transparenz von Kompetenzen und
Qualifikationen zu gewährleisten. Zweitens wird die Kommission auf der Grundlage des
Berichts über die Umsetzung der Richtlinie über Berufsqualifikationen Maßnahmen prüfen,
um die Anerkennungsverfahren für reglementierte Berufe weiter zu erleichtern, auszuweiten
und zu modernisieren, insbesondere durch die verstärkte Nutzung digitaler Instrumente.
Drittens wird geprüft, ob gemeinsame Regeln für einfachere Verfahren für die Anerkennung
38 Europäische Klassifikation für Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen und Berufe.
39 Europäisches Netz der Arbeitsvermittlungen.
17
und Validierung von Qualifikationen und Kompetenzen Drittstaatsangehöriger vorgeschlagen
werden sollten.
o Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Rahmens für die automatische
Anerkennung von Studienleistungen und Lernzeiten im Ausland, die in der Schule, der
beruflichen Aus- und Weiterbildung oder der Hochschulbildung erbracht bzw. zurückgelegt
wurden. Prüfung der Möglichkeit eines Beitritts der EU zum Übereinkommen über die
Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region
(„Lissaboner Anerkennungsübereinkommen“) 40 . Ziel ist hier, die Unsicherheit mobiler
Lernender hinsichtlich der Anerkennung ihrer Qualifikationen und Lernergebnisse zu
verringern sowie langwierige Verwaltungsverfahren mit ungewissem Ausgang zu vermeiden.
Es sollen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Lernenden geschaffen werden, unabhängig
von ihrem Bildungssektor und Herkunftsland.
Zukunftsorientierte europäische Qualifikationen
o Erleichterung der Entwicklung innovativer gemeinsamer europäischer
Studienprogramme, auch in Fächern, die für strategische Sektoren relevant sind, und in
wichtigen technologischen Bereichen wie KI, Quantentechnologie, Halbleiter, Daten oder
Cybersicherheit, möglicherweise im Rahmen eines europäischen
Hochschulabschlusses/Gütesiegels41 auf der Grundlage gemeinsam vereinbarter Kriterien.
Mit dieser Initiative werden zukunftsorientierte Kompetenzen und die EU-weite Bündelung
von universitärem Fachwissen gefördert – in einem Ausmaß, das über das hinausgeht, was eine
einzelne Einrichtung bieten könnte.
o Einleitung der Arbeiten an einem möglichen europäischen Berufsbildungsabschluss/-
Gütesiegel im Hinblick auf eine bessere Mobilität von Lernenden in der beruflichen Aus-
und Weiterbildung und einschlägigen Arbeitskräften. Der Abschluss könnte die berufliche
Erstausbildung auf Sekundar- und Postsekundarstufe umfassen. Mit der Unterstützung von
Erasmus+ werden Mitgliedstaaten und Berufsbildungsanbieter im Zeitraum 2025-2026 einen
solchen europäischen Berufsbildungsabschluss bzw. ein entsprechendes Gütesiegel im
Rahmen eines Pilotprojekts erproben.
Vertiefung der transnationalen Zusammenarbeit für zukunftsorientierte Fähigkeiten
und Kompetenzen
o Prüfung der Entwicklung eines geeigneten europäischen Rechtsstatus für Allianzen von
Hochschuleinrichtungen sowie eines Investitionspfades für Allianzen europäischer
Hochschulen, um eine nachhaltige Zusammenarbeit und Finanzierung sicherzustellen,
Ressourcen zu bündeln und Partnerschaften mit Unternehmen und Forschungsabteilungen
innerhalb des jeweiligen Innovationsökosystems zu stärken.
o Stärkung der transnationalen Zusammenarbeit von Zentren der beruflichen Exzellenz und
Förderung nationaler Berufsbildungsreformen durch öffentlich-private Partnerschaften.
Weitere Unterstützung der Einrichtung von Zentren der beruflichen Exzellenz im
Zeitraum 2026-2029, gestützt auf eine Evaluierung.
40 Übereinkommen von Lissabon über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der
europäischen Region (Europarat, SEV-Nr. 165).
41 Mitteilung der Kommission über ein Konzept für einen europäischen Hochschulabschluss.
18
o Erprobung Europäischer Schulallianzen in einem Pilotprojekt 2026, um die Mobilität von
Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit
zwischen Schulen und Schulbehörden sowie die Innovation zu steigern. Die Allianzen werden
als Testumgebungen für innovative Lehrmethoden, Lehrpläne und Kompetenzrahmen dienen,
insbesondere für Grundfertigkeiten. Sie werden – unter anderem in Zusammenarbeit mit
lokalen Behörden – die teilnehmenden Schulen dabei unterstützen, zu Bildungseinrichtungen
für eine wirksame Vermittlung von Grundfertigkeiten zu werden.
Förderung der Mobilität aller Lernenden
o Stärkung des Programms Erasmus+, um es inklusiver zu gestalten und für alle zugänglich zu
machen – auch in der Berufsbildung –, mit besonderem Augenmerk auf Lernenden mit
geringeren Möglichkeiten. Eine größere Reichweite der Maßnahmen wird auch zu einem
größeren Spielraum für die Entwicklung von Kompetenzen führen und mithin nachdrücklicher
zum Aufbau eines widerstandsfähigen, wettbewerbsfähigen und kohäsiven Europas beitragen.
Wichtigste Ziele
Initiative für die Portabilität von Kompetenzen [2026]
Gemeinsamer europäischer Rahmen für die automatische Anerkennung von
Studienleistungen und Lernzeiten im Ausland, die in der Schule, der beruflichen Aus- und
Weiterbildung oder der Hochschulbildung erbracht bzw. zurückgelegt wurden [2027]
Start innovativer gemeinsamer europäischer Studienprogramme mit europäischem
Hochschulabschluss/Gütesiegel [2026]
Rechtsstatus für Allianzen europäischer Hochschulen [2027]
Pilotprojekt für einen europäischen Berufsbildungsabschluss [2025-2026]
Pilotprojekt für Europäische Schulallianzen [2026]
D. Anwerbung und Bindung von Talenten aus Drittländern zur Behebung des
Fachkräftemangels und zur Entwicklung von Spitzentalenten in Europa
Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Europa bis 2050 jedes Jahr
um eine Million erwachsener Erwerbspersonen schrumpfen. Es müssen Anstrengungen
unternommen werden, um die Erwerbsbeteiligung möglichst vieler Menschen im erwerbsfähigen
Alter zu fördern, etwa durch den Abbau bestehender Hindernisse und die aktive Einbeziehung von
Gruppen mit geringeren Chancen. Doch angesichts der rückläufigen demografischen Entwicklung
reicht die Bevölkerung der EU selbst dann nicht aus, um den Arbeitskräftemangel zu beheben und
das Innovationspotenzial der EU zu optimieren. Die schrittweise Integration von Bewerberländern
in Teile des Binnenmarkts wird die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft im harten globalen
Wettbewerb stärken. Die strategische Unterstützung der allgemeinen und beruflichen Bildung in
Partnerländern im Rahmen der Global-Gateway-Strategie hat transformative Auswirkungen und
ermöglicht es, Nachhaltigkeit zu fördern und gleichzeitig zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
europäischer Unternehmen, insbesondere in Investitionsländern, beizutragen.
Neben den Maßnahmen zur Aktivierung und Weiterqualifizierung der Arbeitskräfte in der EU
muss die EU zu einem globalen Anziehungspunkt für Talente werden – und diese auch halten
können. Um seine Position in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation zu behaupten
19
und zu festigen, muss Europa seine Attraktivität für internationale herausragende Forschende,
Akademikerinnen und Akademiker, Studierende sowie Fachleute in strategischen Bereichen, z. B.
im Zusammenhang mit der nächsten Generation von Pioniertechnologien, steigern. Die Fähigkeit
der EU, im globalen Wettbewerb zu bestehen, hängt nicht nur von der Bindung einheimischer
Talente ab, sondern auch von der aktiven Anwerbung von Talenten außerhalb Europas. Durch die
Bereitstellung von Bildungs- und Forschungsinfrastruktur von Weltrang, konkurrenzfähige
Karrierechancen und ein unterstützendes Regelungs- und Finanzierungsumfeld kann die EU zu
einem bevorzugten Ziel für die klügsten Köpfe werden. Finanzhilfen des Europäischen
Forschungsrats für die Pionierforschung, die langfristige und flexible Mittel für diese Forschung
in Europa vorsehen, können entscheidend dazu beitragen, herausragende Forschende aus der
ganzen Welt anzuziehen und in der EU zu halten.
Parallel dazu müssen hochwertige Arbeitsplätze geschaffen und bereitgestellt werden,
insbesondere in Branchen, in denen Arbeitskräfte einem höheren Risiko unfairer, ungesunder und
unsicherer Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. Die ordnungsgemäße Durchsetzung der
Vorschriften über die Arbeitskräftemobilität, auch mit Unterstützung der Europäischen
Arbeitsbehörde (ELA), ist für den Aufbau eines gut funktionierenden Binnenmarkts von größter
Bedeutung; dies betrifft alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, einschließlich
Drittstaatsangehöriger, und ist besonders wichtig im Zusammenhang mit der Entsendung von
Arbeitskräften und in langen und komplexen Unterauftragsketten.
Drittstaatsangehörige, die sich rechtmäßig in der EU aufhalten, sollten bei ihrer Integration
unterstützt werden und ihre Talente unter guten Arbeitsbedingungen voll ausschöpfen können. Die
Zusammenarbeit mit Partnerländern im Bereich der internationalen Arbeitskräftemobilität und der
Kompetenzentwicklung sollte ebenfalls intensiviert werden.
Mit der Union der Kompetenzen wird sichergestellt, dass Europa bei der weltweiten Anwerbung
von Talenten zur Förderung von Innovation an vorderster Front steht und sich für Vielfalt und
Inklusion einsetzt; dabei bleibt nicht außer Acht, dass es in strategischen Sektoren wie
Cybersicherheit, Luft-/Raumfahrt und Verteidigung einer Bewertung der sicherheitsrelevanten
Auswirkungen bedarf.
Wichtigste Ziele auf EU-, nationaler, regionaler und lokaler Ebene
Ein europäischer Rahmen für die Talentgewinnung
o Nach Annahme des entsprechenden Vorschlags durch die beiden gesetzgebenden Organe:
Einrichtung des EU-Talentpools, einer EU-weiten Plattform zur Erleichterung der
Einstellung von Arbeitsuchenden aus Drittstaaten, die außerhalb der EU ansässig sind und
über die Kompetenzen verfügen, die erforderlich sind, um in Berufen, welche EU-weit als
Mangelberufe gelten, zu arbeiten, und zwar auf allen Qualifikationsebenen.
o Steigerung der Attraktivität Europas für die besten Forschenden weltweit, indem der
Abwanderung von Fachkräften aus der EU – sowohl im Hinblick auf europäische als auch auf
internationale Forschende – mit folgenden Maßnahmen begegnet und vorgebeugt wird:
Angebot ausgezeichneter Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen und
Karriereaussichten in der Wissenschaft, insbesondere durch gezielte Bekämpfung von
prekären Verhältnissen für Nachwuchsforschende, im Rahmen der Marie-Skłodowska-
Curie-Maßnahme „Choose Europe“. 2025 wird ein Pilotprojekt gestartet. Die
Antragstellenden werden in der Lage sein, nach Abschluss des Projekts Finanzhilfen aus
20
dieser Maßnahme für Auswahlverfahren zu nutzen, die zu langfristigen Stellen an
Hochschulen und Forschungseinrichtungen führen.
Unterstützung der Umsetzung des neuen Rahmens für Forschungslaufbahnen42 und der
Europäischen Charta für Forscher, insbesondere um Forschende in Europa zu halten bzw.
Forschende aus der wissenschaftlichen Diaspora zurückzuwerben.
o Steigerung der Attraktivität europäischer Bildungssysteme für herausragende
Studierende.
Die Kommission schlägt ein neues Ziel vor: Bis 2030 sollte die Zahl der Lernenden aus
Nicht-EU-Ländern, die in der EU studieren und einen Hochschulabschluss erwerben,
mindestens 350 000 pro Jahr betragen43.
Erprobung virtueller Studienmessen im Rahmen von Pilotprojekten, mit einem Fokus auf
MINT-Fächern und anderen strategischen Fachbereichen, und Organisation analoger
Werbemaßnahmen unter dem Motto „Studieren in Europa“, um Studierende aus
führenden Einrichtungen in Drittländern für ein Studium wichtiger Fachgebiete in Europa
zu gewinnen – mit Anreizen in Form von Stipendien aus den Programmen Erasmus
Mundus und „Digitales Europa“ sowie im Rahmen der Europäischen
Hochschulallianzen.
o Erleichterung der Anwerbung und Integration qualifizierter Drittstaatsangehöriger.
Die Kommission wird im Laufe dieses Jahres eine Visastrategie vorlegen, die Maßnahmen
zur Unterstützung der Anwerbung von herausragenden Studierenden, Forschenden
und ausgebildeten Arbeitskräften aus Drittländern umfassen wird, beispielsweise durch
eine bessere Umsetzung der Richtlinie für Studenten und Forscher 44 und der
Hochqualifizierten-Richtlinie. Auch die Mitgliedstaaten und ihre Konsulate müssen stärker
unterstützt werden, um sicherzustellen, dass Visa für einen längerfristigen Aufenthalt und
Aufenthaltstitel zeitnah ausgestellt werden können. EU-Mittel werden die Koordinierung
zwischen Migrations- und Bildungsbehörden erleichtern.
Ein Schlüsselfaktor für die Anwerbung von Talenten ist die Schaffung der richtigen
Voraussetzungen für ihre Integration in Europa und die Unterstützung des Familienlebens.
Die Kommission wird im Laufe dieses Jahres den EU-Aktionsplan für Integration und
Inklusion überprüfen und Möglichkeiten untersuchen, wie Integration und
Familiennachzug, insbesondere in Bezug auf Fachkräfte und Forschende, besser unterstützt
werden können.
Gezielte Schulungsprogramme im Hinblick auf eine Einstellung (Train-to-hire-Programme)
sind von entscheidender Bedeutung, um dem Arbeitskräftebedarf in Europa zu entsprechen
42 Vorschlag für Empfehlungen des Rates für eine EFR-Agenda 2025-2027.
43 Das EU-Ziel für 2030 bezieht sich auf die Zahl der zum Erwerb eines Hochschulabschlusses mobilen Studierenden
von außerhalb der EU. 2022 (letzte verfügbare Daten) belief sich diese Zahl auf 248 827, was bedeutet, dass zur
Verwirklichung des EU-Ziels bis 2030 eine Steigerung um etwa 41 % erforderlich ist. Eine lineare Fortschreibung des
Trends deutet für 2030 auf einen Wert von etwa 328 000 hin. Demnach wäre eine Verbesserung um circa 7 %
gegenüber der linearen Progression notwendig, um das EU-Ziel für 2030 zu erreichen.
44 Richtlinie (EU) 2016/801 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Mai 2016 über die Bedingungen für
die Einreise und den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen zu Forschungs- oder Studienzwecken, zur Absolvierung
eines Praktikums, zur Teilnahme an einem Freiwilligendienst, Schüleraustauschprogrammen oder Bildungsvorhaben
und zur Ausübung einer Au-pair-Tätigkeit (Neufassung).
21
und zur Kompetenzentwicklung in Partnerländern beizutragen. Solche Programme werden
im Rahmen von Fachkräftepartnerschaften entwickelt und sollten als Teil der gemeinsam
mit interessierten Mitgliedstaaten eingerichteten Multipurpose Legal Gateway Offices
(multifunktionale Stellen für legale Wege in den europäischen Arbeitsmarkt)
weiterentwickelt werden, um Arbeitgeber bei der Suche nach den Kompetenzen, die sie
benötigen – insbesondere in Bereichen von gemeinsamem Interesse wie Bauwesen, Pflege,
IKT, Verkehr, Bioökonomie, Tourismus, Landwirtschaft oder Kultur – zusätzlich zu
unterstützen. Solche Programme sollten auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft beruhen
und für die EU und die Partnerländer von wechselseitigem Nutzen sein. Der anstehende
neue Pakt für den Mittelmeerraum bietet diesbezüglich besondere Chancen.
Wichtigste Ziele
Start der IT-Plattform „EU-Talentpool“
Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme „Choose Europe“ [4. Quartal 2025]
Neue Visastrategie [4. Quartal 2025]
Start der „Multipurpose Legal Gateway Offices“ [2026]
4. Investitionen in Bildung und Kompetenzen – Mobilisierung öffentlicher und
privater Investitionen
Aufwendungen für Bildung und Kompetenzen sind keine Kosten, sondern eine Investition,
bei der der Gewinn den Einsatz um ein Vielfaches übersteigt. Investitionen in eine gute Ausbildung
der Bevölkerung und der Arbeitskräfte ermöglichen den Menschen den Zugang zu und den
Verbleib in hochwertigen Arbeitsplätzen. Sie sind auch ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und
Reaktionsbereitschaft der EU, zu einem stärkeren wirtschaftlichen und inklusiven Wachstum, zu
einem höheren Maß an Resilienz, sozialem und territorialem Zusammenhalt und letztlich zur
Stärkung des europäischen Sozialmodells und des Schutzes der europäischen Werte und der
Demokratie.
Im derzeitigen Siebenjahreshaushalt (2021-2027) werden Investitionen in Bildung und
Kompetenzen über Programme wie den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+), aus dem die
Förderung von Kompetenzen mit 42 Mrd. EUR unterstützt wird, die Aufbau- und
Resilienzfazilität (67,7 Mrd. EUR für Investitionen in Humankapital und Infrastruktur), den
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (8,7 Mrd. EUR), Erasmus+ (26,1 Mrd. EUR), den
Fonds für einen gerechten Übergang (2,3 Mrd. EUR) und InvestEU (Mobilisierung von mehr als
1 Mrd. EUR) bereitgestellt. Es ist wichtig, dass die Mitgliedstaaten die Halbzeitüberprüfung der
kohäsionspolitischen Programme 2021-2027 nutzen, um ihre Investitionen in Bildung und
Kompetenzen zu verstärken und damit ehrgeizige Reformen zur Umsetzung der Union der
Kompetenzen zu unterstützen.
Investitionen in Bildung und Kompetenzen auf EU-Ebene werden auch künftig durch EU-
Mittel unterstützt. Wir werden den Mehrwert von Investitionen in Sektoren, die für die
europäische Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung sind, maximieren, indem wir
bewährte Verfahren, Pilotprojekte und auf EU-Ebene gewonnene Erkenntnisse nutzen und für eine
bessere Abstimmung mit den politischen Prioritäten der EU sorgen.
22
Der EU-Haushalt ist aber nur ein Teil der Lösung. Angesichts des Ausmaßes der
Herausforderung – und des damit verbundenen Potenzials für Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand
und Resilienz – ist es ganz entscheidend, neben den EU-Mitteln weitere Finanzmittel und
Initiativen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor zu mobilisieren.
Im Jahr 2022 beliefen sich die gesamtstaatlichen Ausgaben für die verschiedenen Bildungsebenen
auf 4,7 % des BIP (EU-Durchschnitt). 0,1 % des BIP wurde für die Erwachsenenbildung
aufgewendet.
Die Mitgliedstaaten und der Privatsektor müssen mehr in allgemeine und berufliche Bildung,
Weiterbildung und Umschulung investieren.
Wichtigste Ziele auf EU-, nationaler und regionaler Ebene sowie auf Ebene des Privatsektors
o Vollumfängliche Nutzung der Möglichkeiten unter InvestEU und Einrichtung einer neuen
gemeinsamen EU-Plattform für Investitionen in Talente in Zusammenarbeit mit der
Europäischen Investitionsbank-Gruppe. Die Plattform soll allen internationalen
Finanzinstitutionen und nationalen Förderbanken offenstehen, auch im Hinblick auf die
Kombination von EU-Mitteln und Darlehen von Hauptinvestoren zur Förderung von
Investitionen auf allen Bildungsebenen in Europa sowie zur Aufstockung von Mitteln und
Verstärkung der Wirkung; im Rahmen der Plattform soll es zu einer Koordinierung von
Initiativen des Privatsektors und einer Förderung von Investitionen des Privatsektors in
Ausbildung, Weiterbildung und Umschulung in wichtigen industriellen Ökosystemen kommen,
indem der Kompetenzpakt und die EU-Kompetenzakademien gestärkt und transnationale
Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen eingerichtet werden. Zentren der
beruflichen Exzellenz und Europäische Hochschulallianzen sind ebenfalls ausgezeichnete
Katalysatoren, um Investitionen des Privatsektors in die Entwicklung zukunftsorientierter
Kompetenzen zu stimulieren.
o Ermutigung der Mitgliedstaaten zur Nutzung der neu eingeführten Möglichkeit eines
verlängerten Anpassungspfads im überarbeiteten Rahmen für die wirtschaftspolitische
Steuerung, um wachstumsfördernde Reformen und Investitionen in die allgemeine und
berufliche Bildung sowie die Weiterbildung und Umschulung aufzunehmen, die zur
Steigerung der Produktivität und der Erwerbsbeteiligung beitragen.
o Fortsetzung und Verstärkung der Arbeit im Bereich der Sozialinvestitionen, auch über
die Plattform für Sozialinvestitionen45, indem das Voneinander-Lernen sowie die technische
Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung von Reformen und Investitionen in den
Bereichen Soziales, Arbeitsmarkt und Kompetenzen und der Verbesserung der Kapazitäten
45 Siehe Schlussfolgerungen des Rates zur Rolle der Arbeitsmarkt-, Kompetenz- und Sozialpolitik für resiliente
Volkswirtschaften (11066/24) und Freiwillige Leitlinien für die EU-Mitgliedstaaten zur Bewertung der wirtschaftlichen
Auswirkungen von Reformen und Investitionen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Kompetenzen und Soziales
(10779/24).
23
zur Messung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen in Bezug auf Produktivität und
finanzielle Tragfähigkeit gefördert werden.
o Sondierung bewährter Verfahren zur weiteren Förderung hochwertiger Arbeitsplätze
sowie Förderung der Umschulung von Arbeitskräften durch die Vergabe öffentlicher Aufträge.
o Bewertung der Qualität und Relevanz von Investitionen in die allgemeine und berufliche
Bildung, unterstützt durch das Lernlabor für Investitionen in eine hochwertige allgemeine und
berufliche Bildung46.
o Ermutigung der Mitgliedstaaten, die Finanzierungsmöglichkeiten des ESF+ für die
allgemeine und berufliche Bildung angemessen zu nutzen.
5. Governance
Damit die Union der Kompetenzen Wirklichkeit werden kann, bedarf es ehrgeiziger Ziele, eines
Bewusstseins für die gemeinsame Verantwortung, einer koordinierten Leitung, Maßnahmen zur
Antizipation, Investitionen und einer wirksamen Umsetzung von Reformen auf mehreren Ebenen.
Deshalb wird die Union der Kompetenzen auf einer soliden Struktur und Governance aufbauen,
aus der heraus die prioritäre Entwicklung eines starken Humankapitals erfolgt – eine generelle
Vorbedingung für die Wettbewerbsfähigkeit und Reaktionsbereitschaft der EU. Die Union der
Kompetenzen wird sich dabei an dem im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit dargelegten
einschlägigen neuen Lenkungsmechanismus orientieren, wodurch sich die Fragen im
Zusammenhang mit Kompetenzen rasch und wirksam integrieren lassen, auch in den Sektoren, die
für die europäische Wettbewerbsfähigkeit als entscheidend eingestuft werden.
Die Governance der Union der Kompetenzen, die baldmöglichst vollständig umgesetzt werden
soll, wird auf der Europäischen Beobachtungsstelle für Kompetenzen beruhen – einer
leistungsstarken Plattform für die zeitnahe, kohärente und koordinierte Erfassung relevanter Daten
über Kompetenzen und Bildung. Um den faktenbasierten und flexiblen politischen
Entscheidungsprozess in diesem Bereich zu vereinfachen und zu konsolidieren, wird die Union
der Kompetenzen auf einer engen Zusammenarbeit zwischen allen einschlägigen Interessenträgern,
insbesondere den Sozialpartnern, dem Privatsektor und den Einrichtungen der allgemeinen und
beruflichen Bildung, im Rahmen eines europäischen hochrangigen Gremiums für
Kompetenzen aufbauen.
Da Humankapital, Bildung und Kompetenzen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas von zentraler
Bedeutung sind, beabsichtigt die Kommission, eine neue Empfehlung der EU-27 zu Bildung
und Kompetenzen als Teil des Europäischen Semesters einzuführen. Die Empfehlung würde
sich auf die Beiträge der Beobachtungsstelle und des hochrangigen Gremiums stützen. Sie würde
als Leitfaden für die Mitgliedstaaten und alle einschlägigen Akteure im Bereich Humankapital,
Bildung und Kompetenzen dienen und dazu beizutragen, dass Reformen und Investitionen –
sowohl öffentliche als auch private – den dringendsten Bedürfnissen auf strategische und
wirksame Weise gerecht werden.
Nachstehend werden die wichtigsten Elemente der Governance der Union der Kompetenzen
dargelegt.
46 Das Lernlabor für Investitionen in eine hochwertige allgemeine und berufliche Bildung.
24
Bereitstellung der erforderlichen Daten für eine informierte Vorgehensweise:
Europäische Beobachtungsstelle für Kompetenzen
Zeitnahe und genaue Informationen über Kompetenzen sind von entscheidender Bedeutung für
fundierte politische Maßnahmen und eine wirksame Finanzierung. Durch eine neu eingerichtete
Europäische Beobachtungsstelle für Kompetenzen wird die Kommission strategische Daten und
Prognosen zum (derzeitigen und künftigen) Bestand an Kompetenzen, zu dessen Nutzung und zum
Bedarf in bestimmten Wirtschaftszweigen und Regionen sowie zur Leistungsfähigkeit der
Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung bereitstellen. Durch eine solche zeitnahe
Meldung von Daten kann frühzeitig auf einen drohenden Fachkräftemangel in kritischen oder
strategischen Sektoren der EU hingewiesen werden.
Die Kommission43 arbeitet daran, die Erfassung und Sammlung von Daten über Kompetenzen zu
verbessern. Sie tut dies in enger Abstimmung mit Eurostat und den einschlägigen EU-
Beobachtungsstellen und -Agenturen47 (Eurofound, Europäische Arbeitsbehörde und Cedefop),
die eine Fülle von Daten erheben, u. a. im Rahmen des jährlichen Berichts über
Arbeitskräftemangel und -überschuss und des Online-Analysetools für Stellenangebote, das
nahezu in „Echtzeit“ relevante Informationen und Kompetenzprognosen bereitstellt. Weitere
einschlägige Datenquellen sind die branchenspezifischen Informationen über Kompetenzen, die
im Rahmen des Kompetenzpakts und der Europäischen Blaupause-Allianzen erhoben werden, das
europäische System zur Werdegang-Nachverfolgung, der Monitor für die allgemeine und
berufliche Bildung, die europäische Beobachtungsstelle für den Hochschulsektor, die
Beobachtungsstelle für Forschungs- und Innovationslaufbahnen (ReICO), der europäische
Datenraum für Kompetenzen und das Eurydice-Netzwerk.
Die Europäische Beobachtungsstelle für Kompetenzen wird all diese detaillierten, Echtzeit- und
vergleichbaren Daten zentral bündeln, sodass dem hochrangigen Gremium für Kompetenzen der
erforderliche Input geliefert und ein Beitrag zum Europäischen Semester geleistet werden kann.
Den Wandel vorantreiben – ein europäisches hochrangiges Gremium für
Kompetenzen
Aufbauend auf den Erkenntnissen der Europäischen Beobachtungsstelle für Kompetenzen und zur
Unterstützung der Arbeit auf politischer Ebene wird die Kommission ein europäisches
hochrangiges Ad-hoc-Gremium für Kompetenzen einrichten. Das Gremium, das unter der
Leitung der Europäischen Kommission steht, wird die wichtigsten Interessenträger – darunter
Führungskräfte aus der Wirtschaft, Anbieter allgemeiner und beruflicher Bildung sowie
Sozialpartner – zusammenbringen, damit die politischen Entscheidungsträger in der EU
umfassende sektorübergreifende Einblicke und Beratung zum Bereich der Kompetenzen erhalten.
So sollen eine koordinierte Vision gewährleistet und entschlossene Maßnahmen ermittelt werden,
die zur Stärkung unseres Humankapitals erforderlich sind. Grundlage für die Arbeit sind die
Ergebnisse der Europäischen Beobachtungsstelle für Kompetenzen.
Das Gremium wird die Kommission bei der Ausarbeitung einer Empfehlung der EU-27 zum
Humankapital und den länderspezifischen Empfehlungen unterstützen. Gegebenenfalls wird es
den Empfehlungen des Beirats für die digitale Dekade zu digitalen Grundkompetenzen sowie den
47 Derzeit wird ein Data Lakehouse aufgebaut, in dem sämtliche Daten der Agenturen zusammengeführt werden sollen.
Die Koordinierung übernimmt Eurofound. Das Data Lakehouse befindet sich in der Pilotphase. Gegenstand der
aktuellen Arbeiten ist die Zusammenführung der Daten zu Kompetenzen.
25
Empfehlungen anderer einschlägiger Gremien Rechnung tragen. Dadurch, dass das Gremium die
wichtigsten Interessenträger zusammenbringt, können rasch konkrete Maßnahmen ergriffen
werden. Gleichzeitig gestaltet sich die Beratung und Konsultation verschiedener Stellen und
Einrichtungen auf EU- und nationaler Ebene einfacher und kann schneller durchgeführt werden.
Das Gremium wird dank seiner dynamischen und flexiblen Struktur in der Lage sein, zeitnah auf
Veränderungen in der sektorspezifischen Kompetenzlandschaft der EU zu reagieren, und je nach
zu behandelndem Thema die einschlägigen Interessenträger einberufen.
Auf dem Weg zu einer speziellen Empfehlung der EU-27 zum Humankapital: Bildung
und Kompetenzen im Europäischen Semester
Kompetenzen sind Schlüsselfaktoren für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Die Union der
Kompetenzen wird daher im Lenkungsmechanismus für Wettbewerbsfähigkeit verankert sein, der
das Koordinierungsinstrument für Wettbewerbsfähigkeit und das gestraffte Europäische Semester
umfasst.
Durch die Einführung des Rahmens für soziale Konvergenz in das Europäische Semester48 im
Jahr 2024 wurden soziale Ungleichgewichte und Risiken für die soziale Aufwärtskonvergenz
stärker ins Blickfeld gerückt. Es können weitere maßgeschneiderte Analysen sowie Beratung zur
Humankapitalpolitik der Mitgliedstaaten in den Rahmen für soziale Konvergenz aufgenommen
werden, um das Monitoring und die Analyse der Ergebnisse in den Bereichen Beschäftigung,
Soziales, Bildung und Kompetenzen sinnvoll zu verbessern und zu aktualisieren. Die Kommission
beabsichtigt, eine horizontale Empfehlung der EU-27 zum Humankapital einzuführen, die sich an
alle Mitgliedstaaten richtet und auf den Erkenntnissen der Europäischen Beobachtungsstelle für
Kompetenzen sowie der Analyse der Europäischen Kommission, unterstützt vom europäischen
hochrangigen Gremium für Kompetenzen, aufbauen wird.
Die Empfehlung der EU-27 sollte einen besonderen Schwerpunkt auf strukturellen bildungs- und
kompetenzpolitischen Fragen sowie auf ihre Beziehung zu dem sich rasch wandelnden
Arbeitsmarkt und Fragen der Wettbewerbsfähigkeit legen. Ziel ist es, einen Beitrag zur Festlegung
der allgemeinen EU-Agenda im Bereich Humankapital zu leisten, Input zu den einschlägigen
politischen Debatten im Rat zu geben und den Dreigliedrigen Sozialgipfel zu unterstützen. Die
Empfehlung sollte die anderen Elemente des Europäischen Semesters – insbesondere den
gemeinsamen Beschäftigungsbericht und die beschäftigungspolitischen Leitlinien – ergänzen; sie
wird in die Länderberichte und die länderspezifischen Empfehlungen einfließen.
Auf institutioneller Ebene wird die Kommission für mehr Zusammenarbeit und Vernetzung
sorgen, um die Kohärenz zwischen den verschiedenen Elementen des Europäischen Semesters zu
gewährleisten. So wird sie zwischen den einschlägigen Ratsformationen, insbesondere zwischen
den Bildungs-, Beschäftigungs- und Wirtschaftsministerien, eine engere Zusammenarbeit fördern,
damit die Herausforderungen im Bereich des Humankapitals auf EU- und nationaler Ebene im
Rahmen eines ressortübergreifenden Ansatzes angegangen werden können.
Auf der Umsetzungsebene könnte eine vereinfachte Governance-Struktur für den europäischen
Bildungsraum eng mit der Governance der Union der Kompetenzen vernetzt werden. Auf diese
Weise ließe sich auf der wirksamen Kooperation zwischen den verschiedenen Behörden aufbauen,
48 Verordnung (EU) 2024/1263 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2024 über die wirksame
Koordinierung der Wirtschaftspolitik und über die multilaterale haushaltspolitische Überwachung und zur Aufhebung
der Verordnung (EG) Nr. 1466/97 des Rates.
26
um den systemischen Wandel herbeizuführen, der für eine bessere Wirkungskraft erforderlich ist.
Starke und flexible Governance-Strukturen würden für eine stärkere Unterstützung der
Mitgliedstaaten bei der Umsetzung faktengestützter Reformen sorgen. Im ersten Halbjahr 2025
wird die Kommission einen Evaluierungsbericht über den europäischen Bildungsraum
veröffentlichen, der in die Überprüfung durch den Rat einfließen wird.
6. Schlussfolgerungen – Ausblick
In ihrem Kompass für eine wettbewerbsfähige EU stellt die Kommission klar heraus, dass die
Menschen das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Vorbereitung auf
künftige Herausforderungen sind. Ihre Kompetenzen sind eine grundlegende Voraussetzung. Mit
der Union der Kompetenzen wird ein neuer Ansatz vorgeschlagen, der die Bildungs- und
Beschäftigungspolitik miteinander verbindet – gestützt auf eine gemeinsame Vision für die
Wettbewerbsfähigkeit. Dabei stehen vier Aktionsbereiche auf dem Gebiet der Kompetenzen im
Mittelpunkt, über die Innovation, Dekarbonisierung, Krisenvorsorge, Demokratie und soziale
Gerechtigkeit gefördert werden sollen.
Die Union der Kompetenzen wird eine Richtschnur für das gesamte Mandat dieser Kommission
sein. Die vor uns liegende Herausforderung ist enorm und kann nur bewältigt werden, wenn alle
Akteure – darunter die Mitgliedstaaten, die Sozialpartner, die Wirtschaft, Universitäten und
Schulen – gemeinsam Verantwortung übernehmen und einen ressortübergreifenden Ansatz
verfolgen, der sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite der Kompetenzen umfasst
(einschließlich Kompetenzentwicklung, Anerkennung, Verbindungen zu Arbeitsbedingungen,
Demografie, Unternehmenspraxis).
Wie die Union der Kompetenzen klar zeigt, ist uneingeschränktes Engagement der einzig gangbare
Weg – gestützt auf einen starken Durchführungsmechanismus und eine solide Governance, die in
einem kohärenten und schlanken Lenkungsmechanismus für Wettbewerbsfähigkeit, welcher das
Koordinierungsinstrument für Wettbewerbsfähigkeit und das gestraffte Europäische Semester
umfasst, verankert ist und als Entscheidungsgrundlage für Investitionen und Reformen auf EU-
und nationaler Ebene dient, und die von EU- und nationalen Finanzmitteln profitiert, wobei
öffentlichen und privaten Partnerschaften eine größere Rolle zukommt. Grundlage wird ein starker
Durchführungsmechanismus und eine solide Governance im Rahmen des Europäischen Semesters
sein. Unterstützung erfolgt durch EU- und nationale Mittel, wobei öffentliche und private
Partnerschaften eine größere Rolle spielen werden. Die Kommission fordert das Europäische
Parlament, den Europäischen Rat, den Rat und die Sozialpartner auf, die Union der Kompetenzen
zu billigen und aktiv zur Umsetzung der darin enthaltenen Initiativen beizutragen.
Drucksache 143/25- 27 -]
Relationen
- authored ← Europäische Kommission
- part_of_vorgang → Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Reg (Unterrichtung)