Vorschlag 78106 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
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Vorschlag 78106 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4880
21. Wahlperiode 23.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Uwe Schulz, Robin Jünger, Ruben Rupp, Sebastian Maack,
Edgar Naujok und der Fraktion der AfD
Vorschlag 78106 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
Die die Bundesregierung tragenden Parteien CDU, CSU und SPD haben sich in
ihrem Koalitionsvertrag der 21. Wahlperiode dazu bekannt, die
Bürokratiebelastung, der Unternehmer und Unternehmen ausgesetzt sind, zu reduzieren
(Koalitionsvertrag, S. 58; www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitions
vertrag2025.de/files/koav_2025.pdf).
Im Frühjahr 2023 wurde eine Verbändeabfrage zur Bürokratiebelastung vom
damaligen Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)
durchgeführt. Insgesamt wurden 71 Verbände eingeladen, Regelungen und
Bestimmungen, die aus ihrer Sicht eine unnötige Bürokratiebelastung darstellen,
zu benennen und ggf. Verbesserungsvorschläge und konkrete Forderungen zu
formulieren. 34 weitere Verbände erklärten, an der Verbändeabfrage teilnehmen
zu wollen. An der Verbändeabfrage beteiligten sich tatsächlich mehr als 57
Verbände, die 442 Vorschläge zur Entlastung von Bürokratie dem BMJV
unterbreiteten (www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/Fachinformationen/Verbaende
abfrage_Buerokratieabbau_Ergebnisdokumentation_Einzelvorschlaege.pdf?__
blob=publicationFile&v=3, S. 6 f.).
In einer Auswertung der Verbändeabfrage, die im Dezember 2023 vorgelegt
wurde, erfolgte eine Kategorisierung und Bewertung der einzelnen Vorschläge.
Im Ergebnis wurden 34 Vorschläge vollständig umgesetzt. Teilweise umgesetzt
wurden 55 Vorschläge, und für 26 Vorschläge werden alternative Lösungen
gesucht. Darüber hinaus untersuchte und prüfte das BMJV weitere 61 Vorschläge.
Nicht behandelt wurden 210 Vorschläge. Begründungen zu den einzelnen
Vorschlägen und der Umgang mit ihnen wurden durch die damalige
Bundesregierung gegeben (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Publikati
onen/Downloads-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage-monitoringbericht.pdf
?__blob=publicationFile).
Eine Umsetzung der noch zu untersuchenden und zu prüfenden Vorschläge
erfolgte nach Kenntnis der Fragesteller aufgrund der Auflösung der damaligen
Bundesregierung nicht.
In der Verbändeabfrage, an der sich der „Verband der Chemischen Industrie
e. V. (VCI)“ beteiligte, wurde unter dem Vorschlag 78106 – „Erörterungstermin
abschaffen“ eine Anpassung der Bundesimmissionsschutzgesetzgebung
gefordert.
Der Erörterungstermin gemäß § 10 Absatz 6 des Bundes-
Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) ist nach Auffassung des VCI sehr
aufwendig in der Vorbereitung, wenig erkenntnisbringend und mit einem großen
Zeitverlust verbunden (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/P
ublikationen/Downloads-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage.pdf?__blob=pub
licationFile; S. 510).
Obwohl der Erörterungstermin nach dieser Ansicht keine grundlegenden neuen
Erkenntnisse mit sich bringt, wurde die Abschaffung von der Bundesregierung
abgelehnt. Begründet wurde die Ablehnung mit dem Gefahrenpotenzial, über
das die zu errichtenden Anlagen verfügen würden (www.destatis.de/DE/Theme
n/Staat/Buerokratiekosten/Publikationen/Downloads-Buerokratiekosten/verbae
ndeabfrage-monitoringbericht.pdf?__blob=publicationFile; S. 369).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchen konkreten Erwägungsgründen wurde der Vorschlag 78106 der
Verbändeabfrage zum Bürokratieabbau nicht im Vierten Gesetz zur
Entlastung der Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft sowie der Verwaltung von
Bürokratie (Viertes Bürokratieentlastungsgesetz) von der Bundesregierung
aufgenommen bzw. umgesetzt?
2. Wird die Bundesregierung die Umsetzung des Vorschlages 78106 der
Verbändeabfrage vornehmen, um eine tatsächliche Beschleunigung und
maßgeschneiderte Bürokratieentlastung zu erreichen, und wenn ja, inwieweit?
a) Wenn ja, wie ist eine Umsetzung vorgesehen?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
3. Hat die Bundesregierung Kenntnis, wie viele Projekte im Sinne der § 10
Absatz 6 BImSchG oder § 16 der Neunten Verordnung zur Durchführung
des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (9. BImSchV) aufgrund von
Erörterungsterminen um mehr als sechs Monate verzögert bzw. verspätet
abgehandelt wurden?
a) Wenn ja, wie viele Projekte wurden aufgrund eines Erörterungstermins
nicht umgesetzt?
b) Wenn ja, wie viele Projekte wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
genehmigt, bei denen ein Erörterungstermin stattgefunden hat?
4. Teilt die Bundesregierung die Auffassung des Verbands der Chemischen
Industrie e. V., dass die Beteiligung der Öffentlichkeit regelmäßig, auch
außerhalb konkreter Verfahren erfolgen sollte, damit konkrete Projekte
entschlackt und beschleunigt genehmigt werden könnten?
5. Von welchen konkreten Gefahrenpotenzialen von Anlagen ging die
Bundesregierung im Monitoringbericht zur Verbändeabfrage zum Bürokratieabbau
aus, sodass dies zu einer Ablehnung des Vorschlages 78106 durch die
Bundesregierung führte (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
6. Ist grundsätzlich von der Bundesregierung eine Einsparung behördlicher
Kapazitäten und eine generelle Beschleunigung des Verfahrens im Sinne
des Vorschlages 78106 geplant, wenn ja, mit welchen Maßnahmeneffekten,
bzw. welche gesetzgeberischen Maßnahmen will die Bundesregierung
umsetzen, und wann ist mit einer solchen Umsetzung zu rechnen, und wenn
nein, warum nicht?
Berlin, den 19. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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