18. März - Tag der Demokratiegeschichte - Orte der Freiheit und Demokratie in Deutschland weiter stärken
Text
18. März - Tag der Demokratiegeschichte - Orte der Freiheit und Demokratie in Deutschland weiter stärken
Antrag
der Fraktionen der CDU/CSU und SPD
18. März – Tag der Demokratiegeschichte – Orte der Freiheit und Demokratie
in Deutschland weiter stärken
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist in ihrem Bekenntnis zu
Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und verfassungsmäßig garantierten individuellen Grundrechten
eine große Erfolgsgeschichte. Dass Menschen heute in diesem Land in weitreichender
Freiheit leben können, ist jedoch nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis
politischer Institutionen, ihrer rechtlichen Sicherung und gesellschaftlichen Engagements.
Die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik und Deutschlands Weg zur Demokratie
sind zugleich das Ergebnis eines langen Ringens um Freiheit, politische Teilhabe und
demokratische Rechte. Immer wieder sind Menschen und Gruppen unter Einsatz ihres
Lebens dafür eingetreten. Die deutsche Geschichte der letzten Jahrhunderte ist auch
geprägt von bewaffneten Konflikten, von Unfreiheit, Repression und Diktaturen. In
der Zeit des Nationalsozialismus ging von deutschem Boden mit dem Holocaust ein
singuläres Verbrechen der Menschheitsgeschichte aus, im Zuge dessen allein über
sechs Millionen Menschen jüdischer Herkunft ermordet wurden. Im Schatten dieses
Verbrechens ging der nationalsozialistische Unrechtsstaat gegen weitere
Bevölkerungsgruppen vor, die aufgrund ihrer Kultur, Religion, ethnischen Zugehörigkeit,
sexuellen Orientierung, politischen Überzeugung und psychischen Erkrankung oder
Behinderung nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten. Das Bekenntnis und
der Appell des „Nie wieder“ ist daher ein grundlegender Pfeiler unserer
Erinnerungskultur. In der SED-Diktatur wurden grundlegende staatsbürgerliche Rechte wie die
Meinungsfreiheit und die Vereinigungsfreiheit ebenso missachtet wie die
Rechtsstaatlichkeit. Wahlen erfüllten keine demokratischen Mindeststandards, waren weder frei
noch geheim. Als Resultat einer reflektierten Auseinandersetzung mit der Gewalt- und
Repressionsgeschichte der beiden deutschen Diktaturen markiert.
Im Laufe der letzten Jahrhunderte gab es immer wieder Personen und Gruppen in
unserem Land, die für ein anderes, liberaleres, rechtsstaatliches und demokratisches
Deutschland eingetreten sind. Oft leisteten sie ihr Engagement unter großer Gefahr,
für sich selbst und für das eigene Umfeld. Nicht selten führte sie ihr Einsatz zu großen
persönlichen Opfern, Exil, Verfolgung oder sogar in den Tod. Sie sind Vorbilder für
unser Land, gerade in einer Zeit, in der Demokratie und Freiheit unter massivem Druck
stehen. Unser Land wird ihnen stets zu großem Dank verpflichtet sein.
Gedenkkultur manifestiert sich oft an Jahres- und Gedenktagen. Der 18. März steht
wie kein anderer Tag in der deutschen Geschichte für das Ringen um Demokratie – in
drei Jahrhunderten, in Ost und West. 1793 trat an diesem Tag der rheinisch-deutsche
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4743
21. Wahlperiode 17.03.2026
Nationalkonvent zusammen und rief die Mainzer Republik aus, das erste nach
demokratischen Maßstäben gewählte Parlament in der Geschichte unseres Landes. Am
18. März 1848 kam es in Berlin anlässlich der Märzrevolution zu blutigen
Straßenkämpfen. Über 250 Menschen starben im Kampf um politische Mitbestimmung und
Grundrechte. Die Ereignisse in Berlin erzeugten politischen Druck, der die
Einberufung der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche ermöglichte. Am
18. März 1920 scheiterte der Kapp-Putsch gegen die junge Weimarer Republik
endgültig. Der größte Generalstreik in der deutschen Geschichte machte die Putschisten
handlungsunfähig und rettete die junge Demokratie. Am 18. März 1990 verwirklichte
sich mit der ersten freien Volkskammerwahl, die durch die Friedliche Revolution
erkämpfte demokratische Selbstbestimmung der Deutschen in der damaligen DDR.
Besonders eindrücklich zeigt sich die deutsche Demokratiegeschichte an Orten, an
denen die historischen Ereignisse stattfanden, wie etwa der Paulskirche und dem
geplanten Haus der Demokratie in Frankfurt a. M. Geschichte wird durch sie nahbar und
erfassbar. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Demokratiebildung, indem sie uns helfen,
unsere Vergangenheit zu verstehen und unsere demokratischen Errungenschaften zu
schützen. So ist es nicht nur Aufgabe des Staates, diese Institutionen umfassend zu
erhalten, sondern auch sie Besucherinnen und Besuchern bestmöglich zugänglich zu
machen und ein entsprechendes pädagogisches Angebot zu schaffen, um die besondere
historische Qualität dieser Orte erfahrbar zu machen.
Das gilt heute umso mehr, da Demokratie und Freiheit weltweit zunehmend unter
Druck geraten. Deshalb ist das Bekenntnis zur Geschichte unserer Demokratie, ihrer
historischen Orte und zu den Vorbildern der Freiheit von größter Bedeutung. Im
Zusammenspiel mit bereits etablierten Feldern einer historisch-politischen
Erinnerungskultur wie der Aufarbeitung der NS-Diktatur und des SED-Unrechtsstaates kann eine
intensivere Vermittlung unserer Freiheits- und Verfassungsgeschichte positive
Orientierungs- und Identifikationspunkte identitätsstiftend vermitteln. Die Beschäftigung
mit den authentischen Orten und Erinnerungsorten unserer Demokratiegeschichte steht
dabei im Dienst unserer Demokratie selbst.
Diesem Grundsatz ist der Deutsche Bundestag in den vergangenen Jahren
kontinuierlich gefolgt. 2019 wurde anlässlich des 100. Jahrestages der Weimarer Verfassung der
Entschluss gefasst, dass Orte der Freiheit und Demokratie in Deutschland zielgerichtet
und umfassend gefördert werden sollen. 2021 legte die Bundesregierung ein
Rahmenkonzept zur Förderung dieser Einrichtungen vor und initiierte die Gründung der
Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Seit 2024 legt diese Stiftung ein
jährliches Förderprogramm für demokratiehistorische Projekte an diesen Orten der
Demokratiegeschichte auf. Die Stiftung leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur
politisch-historischen Bildung und ist ein Leuchtturm zur Arbeit an der deutschen
Demokratiegeschichte im In- und Ausland. Es ist im großen Interesse der Bundesrepublik,
dass die Stiftung und die mit ihr verbundenen Orte ihre Arbeit bestmöglich ausüben
können. Dafür sind Kommunen, Länder und Bund aufgerufen, für eine entsprechende
Ausstattung dieser Institutionen zu sorgen.
Zum 35. Jahrestag der Deutschen Einheit hat der Deutsche Bundestag die Bedeutung
der Erinnerung an die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung erneut
bekräftigt und die Bundesregierung dazu aufgefordert, die Erinnerung an die positiven
Ereignisse unserer Geschichte durch die Bundesstiftung Orte der deutschen
Demokratiegeschichte zu stärken (Bundestagsdrucksache 21/2026).
Gemeinsam führen die Bundesstiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und
die zivilgesellschaftliche Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte dieses
Jahr am 18. März den Tag der Demokratiegeschichte unter Schirmherrschaft des
Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier durch.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung im Rahmen der
verfügbaren Haushaltsmittel auf,
1. den bundesweiten Tag der Demokratiegeschichte als einen zentralen jährlichen
Tag zur Feier der deutschen Demokratie- und Freiheitsgeschichte zu würdigen
und zu begehen; die Organisation soll bei der Stiftung Orte der deutschen
Demokratiegeschichte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Orte der
Demokratiegeschichte liegen;
2. die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte adäquat mit den
finanziellen Mitteln auszustatten, die sie für das gesetzlich gesetzte Aufgabenspektrum
benötigt;
3. die Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte mit mehr als 100
Mitgliedsinstitutionen in ihrer Sichtbarkeit zu stärken;
4. digitale, zeitgemäße und reichweitenstarke Formate zu befürworten und im
Rahmen bereits zur Verfügung stehender Haushaltsmittel zu unterstützen, die der
Förderung des historischen Bewusstseins für die Bedeutung deutscher
Demokratie- und Freiheitsgeschichte dienen;
5. im Rahmen der bestehenden Mittel dazu beizutragen, dass die
demokratiepädagogischen Potentiale des Friedhofs der Märzgefallenen in Berlin als Erinnerungs-
und Lernort für die langen Linien unserer Demokratiegeschichte nachhaltig
gefördert und gesichert werden;
6. die Realisierung des nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmals in Leipzig weiter
zu begleiten; die Friedliche Revolution im Herbst 1989 stellt mit ihrer
Gewaltlosigkeit ein einzigartiges Kapitel in der deutschen Demokratiegeschichte dar; das
Denkmal wird für gewaltlose Freiheitskämpfe weltweit stehen und heutige und
zukünftige Generationen dazu ermutigen, sich für Demokratie, Freiheit und
Zivilcourage einzusetzen;
7. das 200-jährige Jubiläum des Hambacher Festes von 1832 gemeinsam mit dem
Land Rheinland-Pfalz als ein nationales Ereignis vorzubereiten;
8. die demokratiegeschichtliche Bedeutung des Nationaltheaters in Weimar
zusammen mit dem nahegelegenen Haus der Weimarer Republik in der Bevölkerung
bekannter zu machen.
Berlin, den 17. März 2026
Jens Spahn, Alexander Hoffmann und Fraktion
Dr. Matthias Miersch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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