Aktivitäten der Heinrich Böll Stiftung in El Salvador seit 1980 (Antwort zu Drs. 21/3524)
Text
Aktivitäten der Heinrich Böll Stiftung in El Salvador seit 1980 (Antwort zu Drs. 21/3524)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3859
21. Wahlperiode 28.01.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Achim Köhler, Reinhard Mixl, Heinrich
Koch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/3524 –
Aktivitäten der Heinrich Böll Stiftung in El Salvador seit 1980
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Bundeshaushalt sieht jährlich erhebliche Mittel für politische Stiftungen
vor, die im Ausland tätig sind (vgl. www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/handwoert
erbuch-politisches-system/202095/politische-stiftungen/#:~:text=Die%20Haus
halte%20der%20politischen%20Stiftungen,90 Prozent20 Prozent25 Prozent20
die%20herausragende%20Rolle%20spielen). Die Heinrich Böll Stiftung (die
parteinahe Stiftung der Grünen) engagierte sich bis vor kurzem in El Salvador
in Bereichen wie Demokratie- und Menschenrechtsförderung (vgl. www.boel
l.de/de/2019/03/18/buero-zentralamerika). Solche Aktivitäten können als
Einmischung in innere Angelegenheiten wahrgenommen werden und werfen bei
den Fragestellern Fragen zur Transparenz und Zweckmäßigkeit der
Finanzierung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) sowie das Auswärtige Amt (AA) auf. Angesichts der
hohen Summen ist die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel – insbesondere
hinsichtlich möglicher Veruntreuung von Steuergeldern – von öffentlichem
Interesse.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Den deutschen politischen Stiftungen kommt in der internationalen Arbeit die
Aufgabe zu, durch vielfältige Kontakte und Partnerschaften in alle Bereiche der
Zivilgesellschaft, zu gesellschaftlichen und politischen Gruppen,
Funktionsträgern und Multiplikatoren auf breiter Basis das Verständnis für demokratische,
rechtsstaatliche, politische, wirtschaftliche, soziale, soziokulturelle sowie
entwicklungs- und umweltpolitische Entwicklungen zu verbessern, Vorurteile
abzubauen, den friedlichen internationalen Interessenausgleich und die
Völkerverständigung zu fördern.
Die politischen Stiftungen agieren in ihrer internationalen Arbeit rechtlich
unabhängig von der Bundesregierung und handeln nicht im Auftrag der
Bundesregierung, sondern mit ihrer Zustimmung und ihrer finanziellen Unterstützung
im Rahmen der jeweils geltenden Förderrichtlinien des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bzw. des
Auswärtigen Amts (AA). Sie wählen ihre Projekte eigenverantwortlich aus. Die eigen-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 27. Januar 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
verantwortliche Durchführung vollzieht sich im Rahmen ihres jeweiligen
Status im Gastland und den dort geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Die
Prüfung der außenpolitischen Unbedenklichkeit der Anträge auf Zuwendungen
erfolgt durch das AA. Die Stiftungen legen über die Verwendung der
Zuwendungen Rechenschaft über die fristgemäße Vorlage von Nachweisen sowie über
Wirkungskontrollen ab.
1. Hat die Bundesregierung Projekte finanziert oder mitfinanziert, die die
Heinrich Böll Stiftung in El Salvador seit 1980 durchgeführt hat, wenn ja,
welche, und welche Informationen liegen der Bundesregierung hierzu ggf.
vor, einschließlich thematischer Schwerpunkte, Partnerorganisationen und
erreichter Ziele (bitte nach Jahr, Projektname Partnerorganisationen,
Zielvorgabe und erreichten Zielen auflisten)?
2. Welche Summen an Fördermitteln haben das BMZ, das Bundeskanzleramt
und das AA sowie die Deutsche Botschaft vor Ort seit 1980 ggf. an die
Heinrich Böll Stiftung für Aktivitäten in El Salvador bewilligt und
ausgezahlt (bitte nach Jahren und Projekten aufschlüsseln)?
Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.
Es wird auf die Anlage 1 verwiesen.* Die Projekte sind im Regelfall nicht auf
eine jährliche, sondern auf eine mehrjährige Laufzeit ausgerichtet. Die
angegebenen auf El Salvador entfallenden Ausgaben der einzelnen Projekte beziehen
sich jeweils auf den gesamten Projektzeitraum.
Die Bundesregierung konzentriert sich dabei auf die nach Aktenlage
verfügbaren und aufbereiteten Daten im Zeitraum von 2011 bis 2025. Die erbetenen
Daten liegen für den verbleibenden, angefragten Zeitraum bis 1980 nicht vor.
Aufgrund der laut Registraturrichtlinie maßgebenden Aufbewahrungspflicht sind
Akten aus diesen Zeiträumen bereits an die Archive abgegeben worden. Die
verfügbaren Akten ermöglichen keine Zuordnung der erbetenen Daten zu El
Salvador. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Rekonstruktion dieser Daten ist
zweifelhaft und mit unzumutbar hohem Zeitaufwand verbunden (händische
Recherche mit Dienstreise zu den Archiven, ggfs. Auswertung umfangreicher
Akten). Dies würde die Aufgabenerfüllung im zuständigen Referat mehrere
Wochen zum Erliegen bringen. Das Bundesverfassungsgericht hat in ständiger
Rechtsprechung bestätigt, dass das parlamentarische Informationsrecht unter
dem Vorbehalt der Zumutbarkeit steht (vgl. u. a. BVerfGE 124, 161, 197).
Zudem nahm die Heinrich-Böll-Stiftung in der jetzigen Form ihre Arbeit erst ab
dem Jahr 1997 auf.
3. Hat die Bundesregierung über die Heinrich Böll Stiftung die politische
Partei Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (FMLN) direkt
oder indirekt finanziert oder unterstützt, wenn ja, in welchem Umfang,
und zu welchem Zweck?
Die Bundesregierung hat über die Heinrich-Böll-Stiftung weder direkt noch
indirekt die Finanzierung politischer Parteien in El Salvador unterstützt.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/3859 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
4. Liegen dem BMZ oder dem Auswärtigen Amt Erkenntnisse über mögliche
Veruntreuung oder zweckentfremdete Verwendung von Fördermitteln
durch die Heinrich Böll Stiftung in El Salvador vor, und welche
Konsequenzen wurden ggf. gezogen?
Nein.
5. Hat die Bundesregierung eine Auffassung dazu, welche konkreten
Auswirkungen Projekte der Heinrich Böll Stiftung seit 1980 auf die innere
Sicherheit El Salvadors, insbesondere im Hinblick auf Bandenkriminalität
und Korruption, hatten, und wenn ja, wie lautet diese?
Die von der Bundesregierung geförderten Projekte der Heinrich-Böll-Stiftung
in El Salvador leisten einen Beitrag zur Stärkung der Menschenrechte und
demokratischen Prozesse vor Ort. Die Bekämpfung von Kriminalität und
Korruption ist nicht Ziel dieser Projekte. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass die
Projekte indirekt zur Prävention vor Kriminalität und Korruption beitragen.
6. Wurden Personen durch die Heinrich Böll Stiftung aus Bundesmitteln
bezahlt, die in San Salvador arbeiteten und ebenfalls einer lokalen
politischen Partei angehörten, somit also in einer Doppelfunktion tätig waren
(wenn ja, bitte nach Jahr, lokalen Gruppen und Personenanzahl
aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung erhebt keine Daten zur Parteizugehörigkeit von
Mitarbeitenden der Heinrich-Böll-Stiftung in El Salvador.
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Anlage 1 zur Antwort der Bundesregierung auf die Fragen 1 und 2 der Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD „Aktivitäten der Heinrich
Böll Stiftung in El Salvador seit 1980“, BT-Drs. Nr. 21/3524
Projekttitel/Laufzeit Auf El Salvador
entfallende
Ausgaben in EUR
Ziele und Schwerpunkte der
Projektarbeit
Zielerreichung
(exemplarisch)
Partnerorganisationen
2011-2013: Teilprogramm
Mexiko, Zentralamerika
und Karibik
856.014,70 Die regionale Projektarbeit trägt
dazu bei, dass Akteure der
Zivilgesellschaft politische Anliegen
für einen nachhaltigen Umgang
mit Ressourcen formulieren sowie
ein besseres Verständnis über die
demokratischen und sozialen
Herausforderungen der Region
haben.
Soziale Akteure und Organisationen
haben neue Ansätze für
Bürgersicherheit, die die Prinzipien Diversität,
Pluralität, Menschenrechte und
Geschlechterperspektive einbeziehen,
entwickelt und diese mit Debatten,
Foren und Publikationen auf die
öffentliche Agenda gesetzt.
Forschungsinstitute
Medien
NGOs
Universitäten
Museumseinrichtung
2013-2016: Klimapolitik
und
Ressourcengerechtigkeit in Lateinamerika
26.191,71
Die regionale Projektarbeit trägt
dazu bei, die Klimarelevanz des
Waldschutzes, der Agrarpolitik
und des Rohstoffabbaus
hervorzuheben und
menschenrechtliche, soziale sowie ökologische
Kriterien in öffentlichen Debatten
und politischen Entscheidungen
zu berücksichtigten.
Die Programmziele wurden
größtenteils erreicht. Spezielle Ziele für El-
Salvador lagen nicht vor (regionales
Projekt).
Umwelt-NGOs
2014-2016: Teilprogramm
Mexiko, Zentralamerika
und Karibik
1.112.078,94 Die regionale Projektarbeit trägt
dazu bei, dass Akteure der
Zivilgesellschaft politische Anliegen
für einen nachhaltigen Umgang
mit Ressourcen formulieren sowie
ein besseres Verständnis über die
demokratischen und sozialen
Herausforderungen der Region
haben.
Relevante Akteure, u.a. aus
Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft
aus der Region, beteiligten sich an -
und förderten - kritische Debatten
über Entwicklungsmodelle, die sich
an Nachhaltigkeit,
Gendergerechtigkeit und der Einhaltung der
Menschenrechte orientieren.
Aspekte von genderbasierter Gewalt
in der Region wurden von
Entscheidungsträger/innen,
zivilgesellschaftlichen Organisationen und der breiten
Öffentlichkeit wahrgenommen und
Forschungsinstitute
Medien
NGOs
Museumseinrichtung
Gemeindeverband
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Projekttitel/Laufzeit Auf El Salvador
entfallende
Ausgaben in EUR
Ziele und Schwerpunkte der
Projektarbeit
Zielerreichung
(exemplarisch)
Partnerorganisationen
Personen haben sich für bessere
Schutzmechanismen engagiert.
2017-2019: Teilprogramm
Zentralamerika
1.818.212,62 Die regionale Projektarbeit trägt
dazu bei, dass die
Ernährungssouveränität gefördert, ein
nachhaltiger Umgang mit natürlichen
Ressourcen gestärkt wird sowie
die Zivilgesellschaft informierter
über die rechtsstaatlichen
Strukturen und Institutionen
Zentralamerika insbesondere in Bezug auf
Menschenrechte ist.
Die Zielgruppen haben ein
ganzheitliches Verständnis einer sozial,
wirtschaftlich und ökologisch
nachhaltigen Energiewende, die die
Menschenrechte achtet, entwickelt und
bringen sie in den Kontext der
Notwendigkeit einer sozial-ökologischen
Transformation ein.
Organisationen der Zivilgesellschaft,
insbesondere Menschenrechts- und
feministische Organisationen stärken
ihre Arbeit.
Forschungsinstitute
Medien
NGOs
Museumseinrichtung
Gemeindeverband
2017-2019: Klimapolitik
und sozial-ökologische
Transformation in
Lateinamerika
62.096,26 Die regionale Projektarbeit trägt
dazu bei, dass
Entscheidungsträger sozial-ökologische
Transformation und Menschenrechte als
Voraussetzung für die
Bekämpfung des Klimawandels
wahrnehmen und die Mitbestimmung der
lokalen Bevölkerungen
respektieren.
Regierungen und Akteure der
Zivilgesellschaft haben ihre Analysen
aktualisiert und ihre Kritik gegenüber der
Klimapolitik und neuen Technologien
im Kontext des Post-Paris Prozesses
sichtbar gemacht.
Organisationen der Zivilgesellschaft,
betroffene Gemeinden,
Wissenschaftler/innen, Journalist/innen und
lokale Autoritäten sind besser
informiert und kennen andere regionale
Erfahrungen. Sie sind in der Lage,
Entscheidungen zu treffen und
gemeinsame Strategien unter
Berücksichtigung von Genderaspekten zu
entwickeln.
Umwelt-NGOs
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Projekttitel/Laufzeit Auf El Salvador
entfallende
Ausgaben in EUR
Ziele und Schwerpunkte der
Projektarbeit
Zielerreichung
(exemplarisch)
Partnerorganisationen
2020-2022: Teilprogramm
Zentralamerika
1.832.264,84 Die regionale Projektarbeit fördert
Umweltgerechtigkeit, die
Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit sowie
den Schutz der Menschenrechte.
Führungspersönlichkeiten bei der
Verteidigung der Menschen- und
Umweltrechte wurden Kenntnisse zu
Schutzmechanismen und -reaktionen
(versch. Bedrohungen, auch
persönliche Verleumdung, Kriminalisierung
und Morddrohungen) vermittelt.
Organisationen der Zivilgesellschaft,
die sich gegen Korruption und
Straflosigkeit einsetzen, haben ihre
Fähigkeiten und Lobbystrategien für den
Ausbau von sozialer Gerechtigkeit
und demokratischen Garantien
verbessert.
Forschungsinstitute
Medien
NGOs
Museumseinrichtung
Gemeindeverband
2020-2022: Klimapolitik
und sozial-ökologische
Transformation in
Lateinamerika
83.735,28 Die regionale Projektarbeit zur
Verwirklichung von sozial-
ökologisch und gerechten Lösungen für
den Klimawandel in den
Bereichen Energie und Agrarökologie
bei.
Verschiedene Akteursgruppen,
Spezialist/innen, indigene Völker und
lokale Gemeinschaften machten die
Zukunftsfähigkeit von Lebensstilen
und agrarökologischen Praktiken in
Lateinamerika unter besonderer
Berücksichtigung der Rolle der Frauen
sichtbar und positionierten diese in
der öffentlichen Debatte.
Zivilgesellschaft und staatliche
Akteur/innen haben ihre Analysen und
Kritik der Klimapolitik in der Region
im Rahmen des Post-Paris-
Prozesses sowie der politischen Strategien
zur Umsetzung der NDCs (nationalen
Klimabeiträge) und deren
Auswirkungen auf die Lebensräume
aktualisiert.
Umwelt-NGOs
Medium
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Projekttitel/Laufzeit Auf El Salvador
entfallende
Ausgaben in EUR
Ziele und Schwerpunkte der
Projektarbeit
Zielerreichung
(exemplarisch)
Partnerorganisationen
2023-2025: Teilprogramm
Zentralamerika
1.255.059,39 Die regionale Projektarbeit fördert
ökologisch nachhaltige
Gesellschaftsmodelle sowie
Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit,
demokratische Strukturen und
Gesellschaften ohne Gewalt und
Diskriminierung.
Die finale Auswertung der
Programmziele steht noch aus. Die
Programmziele werden voraussichtlich
erreicht.
Medien
NGOs
Museumseinrichtung
Gemeindeverband
Klimaprogramm 2023-27 45.960,11
Die regionale Projektarbeit
ermöglicht, dass
lateinamerikanische Vorschläge für eine gerechte
sozial-ökologische Transformation
Eingang in die internationalen
Debatten zur Energiewende und
Klimapolitik finden.
Die finale Auswertung der
Programmziele steht noch aus. Die
Programmziele werden voraussichtlich
erreicht.
Umwelt-NGO
Gemeindeverband
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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