Vorschlag 72103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
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Vorschlag 72103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3794
21. Wahlperiode 23.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Uwe Schulz, Robin Jünger, Ruben Rupp, Sebastian Maack,
Edgar Naujok und der Fraktion der AfD
Vorschlag 72103 der Verbändeabfrage zur Bürokratieentlastung
Die die Bundesregierung tragenden Parteien CDU, CSU und SPD haben sich in
ihrem Koalitionsvertrag der 21. Wahlperiode dazu bekannt, die
Bürokratiebelastung, der Unternehmer und Unternehmen ausgesetzt sind, zu reduzieren
(Koalitionsvertrag, S. 58; www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitions
vertrag2025.de/files/koav_2025.pdf).
Im Frühjahr 2023 wurde eine Verbändeabfrage zur Bürokratiebelastung vom
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)
durchgeführt. Insgesamt wurden 71 Verbände eingeladen, Regelungen und
Bestimmungen, die aus ihrer Sicht eine unnötige Bürokratiebelastung darstellen, zu
benennen und ggf. Verbesserungsvorschläge und konkrete Forderungen zu
formulieren. 34 weitere Verbände erklärten, an der Verbändeabfrage teilnehmen zu
wollen. An der Verbändeabfrage beteiligten sich tatsächlich mehr als 57 Verbände,
die 442 Vorschläge zur Entlastung von Bürokratie dem BMJV unterbreiteten
(www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/Fachinformationen/Verbaendeabfra
ge_Buerokratieabbau_Ergebnisdokumentation_Einzelvorschlaege.pdf?__blob=
publicationFile&v=3, S. 6 f.).
In einer Auswertung der Verbändeabfrage, die im Dezember 2023 vorgelegt
wurde, erfolgte eine Kategorisierung und Bewertung der einzelnen Vorschläge.
Im Ergebnis wurden 34 Vorschläge vollständig umgesetzt. Teilweise umgesetzt
wurden 55 Vorschläge und für 26 Vorschläge werden alternative Lösungen
gesucht. Darüber hinaus untersucht und prüft das BMJV weitere 61 Vorschläge.
Nicht behandelt wurden 210 Vorschläge. Begründungen zu den einzelnen
Vorschlägen und dem Umgang mit ihnen wurden durch die Bundesregierung
gegeben (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Publikationen/Dow
nloads-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage-monitoringbericht.pdf?__blob=pu
blicationFile).
Eine Umsetzung der noch zu untersuchenden und zu prüfenden Vorschläge
erfolgte nach Kenntnis der Fragesteller aufgrund der Auflösung der
Bundesregierung nicht.
In der Verbändeabfrage, an der sich der Startup-Verband beteiligte, wurde der
Vorschlag 72103 – Uneinheitliche Umsetzung DSGVO [Datenschutz-
Grundverordnung] – aufgenommen, der eine Anpassung der
Datenschutzgesetzgebung vorsieht. Der Verband argumentiert wie folgt: „Aktuell führt die
landesspezifische Beaufsichtigung des Datenschutzrechts durch
Landesdatenschutzbeauftragte in Deutschland in der Praxis teilweise zu divergierenden
Rechtsauslegungen in den einzelnen Bundesländern. Infolgedessen entstehen
Rechtsunsicherheiten und Standortnachteile, die besonders für kleinere
Unternehmen wie Startups einen erheblichen Mehraufwand mit sich bringen.
Darüber hinaus stellen Auskunftsersuche und Anhörungen zu möglichen
datenschutzrechtlichen Verstößen mit langen Fragenkatalogen und kurz gesetzten
Fristen von oftmals nur vier Wochen gerade junge Unternehmen vor große
Herausforderungen. Denn viele Startups arbeiten mit limitierten Ressourcen.“
Weiterhin spricht er sich für ein freiwilliges Kooperationssystem der deutschen
Datenschutzaufsichtsbehörden aus, in dem bindende Mehrheitsentscheidungen
getroffen werden können. Empfohlen wird eine Anpassung der
Datenschutzgesetzgebung, in der diese Vorgehensweise verankert wird. Ferner sollten in der
Folge die Gewährleistung einer einheitlichen Anwendung und
Orientierungshilfen sowie Standardisierungen als Anwendungshilfen den Betroffenen, die
sich mit der Datenschutzgesetzgebung befassen, gegeben werden (www.destati
s.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Publikationen/Downloads-Buerokrati
ekosten/verbaendeabfrage.pdf?__blob=publicationFile, S. 479).
Die Bundesregierung spricht sich für eine Umsetzung des Vorschlages 72103
und eine damit einhergehende Anpassung der Datenschutzgesetzgebung aus
(www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Publikationen/Downloa
ds-Buerokratiekosten/verbaendeabfrage-monitoringbericht.pdf?__blob=publica
tionFile, S. 339).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchen konkreten Erwägungsgründen wurde der Vorschlag 72103 der
Verbändeabfrage zum Bürokratieabbau nicht im Vierten Gesetz zur
Entlastung der Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft sowie der Verwaltung von
Bürokratie (Viertes Bürokratieentlastungsgesetz) von der Bundesregierung
aufgenommen bzw. umgesetzt?
2. Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung im Sinne des
Vorschlages 72103 zur Bürokratieentlastung, um eine einheitliche
Auslegung und Anwendung der DSGVO durch die
Landesdatenschutzaufsichtsbehörden zu fördern und so der in Artikel 51 Absatz 2 DSGVO geforderten
Kohärenz innerhalb der EU gerecht zu werden?
3. Welche Initiativen plant oder unterstützt die Bundesregierung, um
insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Startups im Rahmen der
Bürokratieentlastung im Sinne des Vorschlages 72103 vor übermäßigen
Belastungen durch umfangreiches und kurzfristig angesetztes
datenschutzrechtliches Auskunftsersuchen zu schützen, und wie bewertet sie hierbei die
Verhältnismäßigkeit der derzeitigen behördlichen Aufsichtspraxis?
4. Inwieweit wird die Umsetzung des Vorschlages 72103 der Verbändeabfrage
von der Bundesregierung fortgeführt, um eine tatsächliche und
maßgeschneiderte Bürokratieentlastung für Unternehmen zu erreichen, wenn ja,
wie und ab wann ist eine Umsetzung vorgesehen, und wenn nein, warum
nicht?
Berlin, den 12. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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