Angriffe auf Pressefreiheit und Medienschaffende in den Jahren 2024 und 2025
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Angriffe auf Pressefreiheit und Medienschaffende in den Jahren 2024 und 2025
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3739
21. Wahlperiode 21.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten David Schliesing, Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Agnes
Conrad, Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan
Köstering, Sonja Lemke, Tamara Mazzi, Bodo Ramelow, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Angriffe auf Pressefreiheit und Medienschaffende in den Jahren 2024 und 2025
Im Jahr 2024 hat sich die Zahl der tätlichen Angriffe auf Medienschaffende in
Deutschland laut Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières – RSF)
mehr als verdoppelt (vgl. www.reporter-ohne-grenzen.de/artikel/pressemitteilu
ngen/37/ubergriffe-auf-journalisten-verdoppelt). Die extreme Rechte wird als
größte Gefahr eingestuft. AfD-Erfolge, wie in Sachsen und Thüringen,
mobilisieren nach Ansicht der Fragestellenden rechtsextreme Gewalt, inklusive
Schikanen, Bedrohungen und Attacken bei Protesten oder Veranstaltungen. Das
European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) und RSF betonen,
dass dies die freie Berichterstattung in Ostdeutschland erschwert und zur
Abhängigkeit von Polizeischutz führt (vgl. www.mdr.de/nachrichten/deutschland/
gesellschaft/angriffe-auf-journalisten-pressefreiheit-rechtsextremismus-10
0.html). Zudem führen rechte Attacken nach Ansicht der Fragestellenden zu
Selbstzensur, insbesondere in Regionen mit AfD-Stärke, wo Journalistinnen
und Journalisten Pfefferspray oder Eskorten brauchen (vgl. www.zeit.de/gesells
chaft/zeitgeschehen/2025-11/rechtsextremismus-journalisten-angriffe-behoe
rden). Im World Press Freedom Index 2025 fiel Deutschland von Platz 10 auf
11 (vgl. https:// rs f .org/en/ index). Darüber hinaus warnt der achte KEK-
Konzentrationsbericht (KEK = Kommission zur Ermittlung der Konzentration
im Medienbereich) 2025 vor neuen Gefahren durch Social Media, Künstliche
Intelligenz (KI) und Plattformen, die klassische Medien verdrängen und
Meinungsvielfalt untergraben (vgl. www.kek-online.de/publikationen/medienkonze
ntrationsberichte/achter-konzentrationsbericht-2025/).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Straf- und Gewalttaten gegen Pressevertreterinnen und
Pressevertreter sowie Medienschaffende wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 erfasst (bitte
nach Jahr, Art der Tat, Bundesland und Politisch motivierter Kriminalität
[PMK] mit Phänomenbereich aufschlüsseln)?
2. Wie viele Ermittlungsverfahren gegen Bekannt bzw. Unbekannt wurden in
diesem Zusammenhang eingeleitet (bitte nach Jahr, Tatvorwurf,
Bundesland und Aufklärungsquote aufschlüsseln)?
3. Wie viele Strafverfahren wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
daraufhin eingeleitet (bitte nach Jahr, Art der Tat und Bundesland
aufschlüsseln)?
4. Wie viele Straf- und Gewalttaten gegen Medienschaffende ereigneten sich
vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 auf Kundgebungen bzw.
Demonstrationen (bitte nach Straftatbestand und Bundesland auflisten)?
5. Wie viele Straftaten gegen Medienschaffende wurden in der PMK-
Statistik 2024/2025 im Phänomenbereich der Politisch motivierten
Kriminalität erfasst (bitte nach Propagandadelikten, Körperverletzungen und
Internet-Straftaten aufschlüsseln)?
6. Wie viele Hasspostings oder Internet-PMK gegen Medienschaffende
wurden 2024/2025 erfasst, und welche Maßnahmen plant die
Bundesregierung?
7. Welche Maßnahmen ergriffen Bundes- und Landespolizeien zur
Vermeidung von Übergriffen durch Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte gegen
Medienschaffende (bitte Dienstaufsichtsbeschwerden seit April 2024 mit
Sanktionen nach Datum, Ort und Art auflisten)?
8. Wie viele Dienstaufsichtsbeschwerden hat es nach Kenntnis der
Bundesregierung seit April 2024 gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte
wegen der Nichtverfolgung von Straftaten gegeben, die im Zusammenhang
mit Straf- und Gewalttaten gegen Medienschaffende erfolgten und wie
viele davon hatten Sanktionen zur Folge (bitte nach Datum, Bundesland,
Ort und Art der Sanktionierung aufschlüsseln)?
9. Inwieweit hat sich die Bundesregierung für eine spezifische Kategorie
„Straftaten gegen Medienschaffende“ in polizeilichen bzw. justiziellen
Statistiken eingesetzt (z. B. via Innenministerkonferenz [IMK[ bzw.
Justizministerkonferenz [JuMiKo]), plant sie dies, und wenn nein, warum
nicht?
10. Wie viele Anträge auf Auskunftssperren im Melderegister (§ 51 des
Bundesmeldegesetzes – BMG) stellten Medienschaffende seit April 2024, wie
viele wurden bestätigt, und welche Ablehnungsgründe gab es (bitte nach
Monat und Bundesland aufschlüsseln)?
11. Wie viele Ermittlungsverfahren nach § 353d des Strafgesetzbuchs (StGB;
verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen) wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung seit April 2024 gegen Medienschaffende
eingeleitet, und mit welchem Ausgang?
12. Welche Projekte zum Schutz bedrohter Medienschaffender förderte die
Bundesregierung von April 2024 bis November 2025, mit welchen
Mitteln, und mit wie vielen erreichten Personen?
13. Welche Fortbildungen zu Pressefreiheit bzw. Schutz von
Medienschaffenden erhielten Exekutivorgane (insbesondere Polizei), mit welchen
Bundesmitteln und Teilnehmerinnen- und Teilnehmerzahlen?
14. Wie viele Ransomware-, Distributed-Denial-of-Service(DDoS)- oder
Hackerangriffe gegen Medienschaffende bzw. Redaktionen wurden in diesem
Zeitraum polizeilich erfasst (bitte nach Bundeskriminalamt(BKA)-
Bundeslagebild Cybercrime 2024/2025 und PMK-Phänomenbereichen
aufschlüsseln)?
15. Wie viele Fälle von Spyware-Einsatz (z. B. Paragon-Staatstrojaner) oder
digitaler Überwachung gegen Medienschaffende sind der
Bundesregierung seit April 2024 bekannt, und welche Ermittlungen laufen (bitte nach
Bundesland und Betroffenengruppen aufschlüsseln)?
16. Welche Mittel wurden unter Haushaltstitel 684 15 („Stärkung der
Medienkompetenz sowie Schutz journalistischer Arbeit“) 2024 und 2025
ausgegeben, und für welche Projekte (bitte mit Beträgen, Anzahl erreichter
Medienschaffender und Erfolgsindikatoren auflisten)?
17. Welche Bundesmittel flossen 2024 und 2025 in die DJV-Meldestelle
(DJV = Deutscher Journalisten-Verband) oder ECPMF-Projekte zum
Schutz von Medienschaffenden, und wie viele Fälle wurden bearbeitet?
18. Wie viele Gesprächsanfragen von Organisationen wie RSF, DJV,
Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) oder ECPMF zum
Journalistenschutz erreichten das Bundesministerium des Innern (BMI)
bzw. den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
(BKM) seit April 2024 (bitte mit Datum, Ergebnis und
Abweisungsgründen auflisten)?
19. Wie bewertet die Bundesregierung den Einfluss der nach Ansicht der
Fragesteller schwindenden Medienvielfalt (z. B. KEK-Bericht) auf die
Pressefreiheit, und welche Gegenmaßnahmen plant sie (bitte auflisten)?
20. Erachtet die Bundesregierung einen jährlichen Lagebericht zur
Pressefreiheit in Deutschland für notwendig, und wenn ja, wann erscheint der erste?
21. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung bis Ende der
Legislaturperiode, um den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
SPD (2025–2029) zur Sicherheit von Medienschaffenden umzusetzen?
Berlin, den 16. Januar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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