Führerschein für 1 Euro - Bezahlbarer Führerschein für Ausbildung und Arbeit
Text
Führerschein für 1 Euro - Bezahlbarer Führerschein für Ausbildung und Arbeit
Antrag
der Abgeordneten René Springer, Stefan Henze, Wolfgang Wiehle, Peter
Bohnhof, Gerrit Huy, Carsten Becker, Hans-Jürgen Goßner, Jan Feser, Lukas
Rehm, Ulrike Schielke-Ziesing, Thomas Stephan, Robert Teske, Achim
Köhler, René Bochmann, Lars Haise, Ulrich von Zons, Maximilian Kneller,
Alexis L. Giersch, Leif-Erik Holm, Dr. Rainer Kraft, Volker Scheurell, Andreas
Mayer, Otto Strauß, Alexander Arpaschi, Adam Balten, Joachim Bloch,
Dr. Michael Blos, Erhard Brucker, Kay Gottschalk, Rainer Groß, Udo Theodor
Hemmelgarn, Nicole Hess, Dr. Malte Kaufmann, Heinrich Koch, Markus
Matzerath, Reinhard Mixl, Edgar Naujok, Iris Nieland, Jan Wenzel Schmidt,
Tobias Teich, Martina Uhr, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD
Führerschein für 1 Euro – Bezahlbarer Führerschein für Ausbildung und
Arbeit
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Pkw-Fahrerlaubnis ist eine wichtige Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und
wirtschaftlichen Wohlstand – insbesondere im ländlichen Raum. Der Besitz eines
Führerscheins und die Verfügbarkeit eines Pkws können die Mobilität und damit auch die
Beschäftigungschancen deutlich erhöhen1. Die Kosten für den Führerschein in
Deutschland sind hoch – und sie sind im vergangenen Jahr noch mal deutlich
gestiegen2. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, stiegen die Preise und Gebühren für
die Leistungen der Fahrschulen und Prüfungen 2024 im Vergleich zum Vorjahr um
5,8 Prozent. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im selben Zeitraum mit 2,2
Prozent deutlich langsamer3. Nach den der Bundesregierung vorliegenden Informationen
des MOVING International Road Safety Association e. V. ergeben sich für das Jahr
2024 durchschnittliche Gesamtkosten für den Erwerb einer Pkw-Fahrerlaubnis (Klasse
B) in Höhe von 3.424,31 Euro, mit einer Preisspanne von 4.150,56 Euro in Hamburg
bis 2.425,10 Euro in Berlin4. Im europäischen Vergleich liegt Deutschlands damit an
der Spitze: Bei vergleichbaren Bedingungen kostet der Erwerb der Fahrerlaubnis B in
1 Mitteilungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) 6/2009: Individuelle
Beschäftigungsfähigkeit: Konzept, Operationalisierung und erste Ergebnisse, Brussig/Knuth 2009.
2 www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/preissteigerung-fuehrerschein-100.html
3 www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2025/PD25_15_p002.html
4 Bundestagsdrucksache 21/1139
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3558
21. Wahlperiode 12.01.2026
Frankreich zwischen 1.200 und 1.800 Euro, in Spanien 800 bis 1.300 Euro, in Italien
1.000 bis 1.500 Euro, in den Niederlanden 1.500 bis 2.000 Euro.5
Das hierbei in Deutschland ein strukturelles Problem vorliegt, zeigt sich, wenn man
diese europäischen Erwerbskosten mit den Mindestkosten vergleicht, die in
Deutschland für den Führerschein anfallen. In einem für 2025 aktualisierten Artikel listet die
„Wirtschaftswoche“ Preisspannen für die einzelnen Aspekte des Führerscheins auf.
Nimmt man hier jeweils das untere Ende der Preisspanne und setzt zudem die
unrealistische Zahl von null Übungsfahrstunden an, erhält man als Mindestkosten für den
Führerschein Klasse B 1.605 Euro.6 Selbst im Idealfall, bei einem perfekten
Fahrschüler, liegt Deutschland also bereits am oder über dem oberen Ende der Preisspanne im
europäischen Vergleich.
Dies zeigt, dass die Akteure im Verfahren zur Erlangung der Fahrerlaubnis B in
Deutschland, Fahrschulen, kommunale Behörden, TÜV und Dekra, nicht zuletzt der
Gesetzgeber selbst, bei der Preisbildung eine wesentliche Rolle spielen.
Bereits im vorigen Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und FDP wurde der Auftrag formuliert, „das Monopol bei der Fahrerlaubnisprüfung“
aufzuheben7. So berichten Zeitungen im Jahr 2022, dass die damalige
Bundesregierung eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einberufen hatte, die ergebnisoffen die
Möglichkeiten für eine Umsetzung des Koalitionsvertrages diskutieren sollte, so der
damalige Bundesminister für Digitales und Verkehr Dr. Volker Wissing. Erste Eckpunkte
waren für Anfang 2023 angekündigt8, liegen aber bis heute nicht vor.
Im Koalitionsvertrag für die laufende Legislaturperiode wurde das Ziel formuliert,
dass „unter Wahrung hoher Standards die Fahrausbildung reformiert wird, um den
Führerscheinerwerb bezahlbarer zu machen“. Vor dem Hintergrund, dass das Auto ein
wichtiges Fortbewegungsmittel – vor allem für die Menschen im ländlichen Raum –
ist, hat das Bundesverkehrsministerium (BMV) nach Aussage der Bundesregierung
die Kosten in den Blick genommen, die beim Erwerb der Pkw-Fahrerlaubnis Klasse B
entstehen9. Am 21. Juli 2025 hat hierzu ein Austausch in Form eines Stakeholder-
Dialogs stattgefunden, der geeignete Maßnahmen zur Kosteneindämmung mit den
Verbänden aus der Branche und Verbrauchervertretern finden sollte.10 Lösungsansätze
liegen bis heute nicht vor, geschweige denn ein strukturell übergreifendes Konzept.
Neben diesen strukturellen Problemen, ist aber auch die Lernphasenentwicklung ein
wesentlicher Grund, warum die Führerscheinkosten in Deutschland stark angestiegen
sind. So wurde von einem Sachverständigen bei der öffentlichen Anhörung des
Verkehrsausschusses im Juni 2024 ausgeführt, dass viele Fahrschüler mit einem „sehr
geringen Vorkenntnisstand in die Fahrschule kommen“. Hierbei gehe es um das Konzept
Straßenverkehr an sich. Was den Führerschein dann teuer mache, seien die
Übungsstunden. Es gäbe Fahrschüler mit zehn, zwölf Übungsstunden, aber auch Fahrschüler,
die teilweise über 100 Übungsstunden absolvieren müssten und dadurch der
„Führerschein am Ende auch mal 7.500 oder 8.000 Euro koste“.11
Es ist also sowohl nötig, die strukturell vorgegebenen Mindestkosten zum Erwerb
einer Fahrerlaubnis zu senken als auch gesellschaftlich Maßnahmen zu ergreifen, dass
5 https://fuehrerschein-zentral.de/fuehrerschein-im-ausland-kostenvergleich-eu-laender/
6 www.wiwo.de/erfolg/trends/fuehrerschein-kosten-2025-so-teuer-ist-die-fahrerlaubnis-
aktuell/26996498.html
7 www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf
8 www.saechsische.de/panorama/fuehrerscheinpruefung-tuev-und-dekra-sollen-monopol-abgeben-
HWP533745HQCSDBK7A3RZ2M37 M.html
9 Bundestagsdrucksache 21/1139
10 Bundestagsdrucksache 21/1139
11 www.bundestag.de/resource/blob/1010094/75-Protokoll-10-06-2024-OeA.pdf
der Vorkenntnisstand der Fahrschüler ansteigt und möglichst viele junge Menschen
finanziell in die Lage versetzt werden, einen Führerschein zu erwerben.
Während in Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden neben der
Überarbeitung der gesetzlichen Regelungen und Voraussetzungen zur Erlangung einer
Fahrerlaubnis B verschiedene Fördermodelle zur Bezahlbarkeit eines Führerscheins auf den
Weg gebracht wurden, zeigt die Bundesregierung keine zielgerichtete Initiative zur
Neuregelung des Führerscheinwesens – weder unter verkehrsrechtlichen noch unter
sozialen Aspekten, insbesondere mit Blick auf die Ausbildungs- und
Arbeitsplatzsituation12. Gerade in ländlichen Räumen ohne ausreichendes ÖPNV-Angebot können
Jugendliche weiterführende Schulen und Ausbildungsplätze oft nicht erreichen, obwohl
sie motiviert wären. Außerdem ist besonders im Handwerk, in der Pflege, in der
Produktion, in der Logistik oder im Außendienst der Führerschein eine
Grundvoraussetzung für Ausbildung und Beschäftigung13. Ohne Führerschein ist z. B. Schicht- und
Randzeitenarbeit nicht möglich. In der Folge bleiben Arbeitsuchende im
Leistungsbezug, Ausbildungsplätze unbesetzt, weiterführende Schulbesuche ungenutzt, obwohl
Arbeits- und Ausbildungsplätze vorhanden wären. Die Gewinnung und der Einsatz
von Fachkräften wird erschwert, weil Bewerber aus Mobilitätsgründen ausscheiden.
Frankreich hat daher bereits 2005 das Programm „Permis à 1 € par jour“ eingeführt,
ein zinsfreier Kleinkredit mit staatlicher Zinsübernahme für Jugendliche und junge
Erwachsene von 15–25 Jahren14. Dort zeigen sich nicht nur spürbare beschäftigungsnahe
Aspekte, sondern auch höhere Erfolgsquoten in den Führerscheinprüfungen15.
Mobilität ist eine zentrale Voraussetzung für Ausbildungs- und Erwerbsfähigkeit, aber ohne
Förderung oftmals unerschwinglich.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
Maßnahmen zu ergreifen, die die Kosten für den Erwerb des Führerscheins deutlich
senken und dabei folgende Punkte zu beachten:
1. nach französischem Vorbild „Permis à 1 Euro par jour“ ein KfW-Programm
aufzusetzen, das es Jugendlichen und jungen Erwachsen von 15 bis 25 Jahren
erleichtert, einen Führerschein (Klassen AM, A1, A2, B) zu erlangen. Das KfW-
Programm soll die folgenden Punkte berücksichtigen:
a. Schaffung der Möglichkeit der Aufnahme eines zinsfreien Kleinkredites mit
einem Volumen in Höhe von bis zu 4.500 Euro (wahlweise, passend zum
Kostenvoranschlag der Fahrschule), bei dem Zinsen, Risiko-, Bearbeitungs-
und Abwicklungskosten aus Bundesmitteln getragen werden;
b. Tilgung des zinsfreien Kredites in Höhe von 1 Euro pro Tag (monatliche
Regelrate von 30 Euro);
c. Einräumung der Möglichkeit eines einmaligen Ergänzungsdarlehens in Höhe
von 300 Euro für die Wiederholung der praktischen Prüfung;
d. Auflistung der teilnehmenden und das Programm unterstützenden
Fahrschulen;
2. einen Gesetzentwurf vorzulegen und Rechtsverordnungen zu ändern, damit
folgende Ziele erreicht werden können:
12 https://fuehrerschein-zentral.de/fuehrerschein-im-ausland-kostenvergleich-eu-laender/;
Bundestagsdrucksache 21/1139
13 Bundestagsdrucksache 21/1139
14 www.infos-jeunes.fr/dispositif/permis-a-1-euro-par-jour/
15 www.strategie-plan.gouv.fr/files/files/Publications/2015/permis%20de%20conduire/fiche-pemisdecondu-
ire_1.pdf; https://dares.travail-emploi.gouv.fr/sites/default/files/7e4c4498063316dc3d28c9210352f58-
1/Quelle%20place%20le%20permis%20B%20occupe-t-il%20au%20sein%20des%20formations%20
financ%C3%A9es%20via%20le%20compte%20personnel%20de%20formation.pdf
2.1 Rückkehr zur 45-minütigen praktischen Fahrprüfung;
2.2 eine lediglich moderate Änderung der Zugangsvoraussetzungen für Prüfer
für die Fahrerlaubnisprüfung im Kraftfahrsachverständigengesetz
(KfSachvG), um weiterhin einen hohen Qualitätsstandard bei den Prüfungen
beizubehalten;
2.3 Aufhebung der Alleinbeauftragung von nur einer Prüforganisation für die
Fahrerlaubnisprüfung im Kraftfahrsachverständigengesetz (KfSachvG);
2.4 bei den Ländern dafür zu werben, eine frühe Verkehrserziehung im
schulischen Lehrplan einzuführen, um den Vorkenntnisstand für das System
Straßenverkehr zu erhöhen und mehr Verkehrskompetenz bereits im jungen
Alter zu schaffen;
2.5 grundsätzliche Überarbeitung der theoretischen Fahrschulprüfung und dabei
folgende Aspekte zu beachten:
a. Senkung der Durchfallquote unter Beibehaltung der Qualitätsstandards,
b. Überarbeitung des Fragenkatalogs und Entfernung irreführender
Antwortmöglichkeiten, bei einer deutlichen Reduzierung der Gesamtzahl
der Fragen im Fragenkatalog,
c. Fehlermitteilung an gescheiterte Prüflinge nach einer nichtbestandenen
Prüfung,
d. kostenloser Zugang zum jeweils aktuellen amtlichen Fragenkatalog,
z. B. auf der Homepage des BMV,
e. die Fehlerhäufigkeit der jeweiligen Theoriefragen öffentlich kostenlos
zur Verfügung zu stellen, z. B. auf der Homepage des BMV,
f. die Nutzung von Videosequenzen generell kritisch zu hinterfragen,
g. die Darbietung von Videosequenzen derart zu ändern, dass es den
Prüflingen ermöglicht wird, die Videosequenz nach der Fragestellung erneut
aufzurufen;
2.6 im Sinne kostensparender und zeitflexibler Ausbildung die Möglichkeit
eröffnen, den Theorieunterricht als Kombination von Präsenzunterricht und
digitalen Lernen durchzuführen. Vollständiger Präsenzunterricht soll
weiterhin möglich sein;
2.7 in einem Versuch testweise einem Teil der Prüflinge erlauben, den
theoretischen Unterricht komplett in selbstständigem Lernen durchzuführen und die
Ergebnisse zu evaluieren;
2.8 Regelungen für den rechtssicheren Einsatz von Fahrsimulatoren schafft;
2.9 das Antragsverfahren für Führerscheine und die Zulassung zu Prüfungen
weiter digitalisiert, um zu erreichen, dass der bürokratische Aufwand und
die Kosten deutlich gesenkt werden;
2.10 bestehende Normen und bürokratische Hürden zu überprüfen, die die
Gründung und den Betrieb von Fahrschulen erschweren, mit dem Ziel, dass der
rückläufige Trend der Anzahl der Fahrschulen gestoppt wird;
2.11 die Fahrlehrerausbildung zu reformieren, dabei Umfang und hohen Kosten
zu senken und die Ausbildung für Quereinsteiger attraktiver zu machen.
Berlin, den 12. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Zu 1.:
Die Mobilität junger Menschen, insbesondere im ländlichen Raum, ist eine der zentralen Herausforderungen für
die Zukunft unseres Landes. Die aktuellen Führerscheinkosten von zum Teil mehr 4.000 Euro sind für viele
jungen Menschen eine unüberwindbare Hürde. Um den Führerscheinerwerb sozial verträglicher zu machen und
Jugendlichen und jungen Erwachsenen unabhängig von der familiären Finanzlage den Zugang zu
gesellschaftlicher Teilhabe, Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt zu ermöglichen, bedarf es einer bundesweit übergreifenden
gezielten Regelung zur Förderung.
Auch nach Ansicht der Bundesregierung kann ein fehlender Führerschein aufgrund hoher Führerscheinkosten in
Regionen mit eingeschränktem ÖPNV-Angebot bei einem gleichzeitig geringen Angebot an Ausbildungsplätzen
die Aufnahme einer Berufsausbildung negativ beeinflussen16. Im Bereich der aktiven Arbeitsförderung stehen
für Einzelfälle entsprechende Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich werden Jugendliche und junge
Erwachsene von der Bundesregierung jedoch darauf verwiesen, dass der Erwerb einer Fahrerlaubnis allein in den
Bereich der privaten Daseinsvorsorge falle.17 Die Bundesregierung ignoriert die Tatsache, dass ohne
Führerschein erhebliche Mobilitätseinschränkungen gegeben sind, die sich negativ auf Schule, Beschäftigung und
Ausbildung auswirken. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat zum Erwerb eines Führerscheins festgestellt:
„Das ist für den ländlichen Raum im Moment unverzichtbar. Da brauchen Sie in der Regel ein Auto, da sind Sie
darauf angewiesen.“18
Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern, die eine vergleichbare Problemlage ebenso erkannt haben wie die
Bundesregierung, legt die Bundesregierung jedoch kein strukturelles und gesellschaftliche Konzept zur
Verbesserung der Situation vor.19
Die vorgeschlagene staatliche Förderung zur Aufnahme eines zinslosen Kleinkredits stellt ein niedrigschwelliges
Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene insbesondere in ländlichen Regionen dar, ihre Mobilität und
berufliche Flexibilität selbst sicherzustellen, ohne von der Familie abhängig zu sein. Gleichzeitig bürdet die
Rückzahlung des Kredits mit täglich 1 Euro (monatliche Regelrate 30 Euro) keine hohen zusätzlichen Lasten auf,
die neben den weiteren Kosten für Schule oder Ausbildung tragbar sind. Das entsprechende Programm in
Frankreich „Permis à 1 € par jour“ läuft erfolgreich seit 200520. Es beruht auf der Kooperation zwischen dem Staat,
Banken (Kreditinstituten) und gelisteten Fahrschulen. Bewerber müssen, bei Minderjährigkeit vertreten durch
ihre Eltern, in einer Fahrschule eingeschrieben sein, die eine Kostenprognose zur benötigten Fahr – und
Theoriestundenzahl zur Vorlage bei der Bank erstellt21. Analog dem bereits in Deutschland laufenden KfW-
Studienkreditprogramm22, können dann mit der Hausbank alle weiteren Schritte vom Antrag bis zur Auszahlung des
Darlehens abgewickelt werden. Sicherheiten sind auch bei diesem Kreditmodell nicht notwendig. Angesichts der
gesamtgesellschaftlichen Herausforderung zur Fachkräftesicherung, Stabilisierung der Arbeitsmarktsituation
und Gewährleistung von Teilhabe, ist die Auflage des geforderten KFW-Programms mit geringem finanziellem
Aufwand und Risiko behaftet und unbürokratisch für die Betroffenen erreichbar.
Zu 2. bis 4.:
Wie der Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen e. V. (BDFU), der Interessenverband Deutscher
Fahrlehrer e. V. (IDF) und der Verband innovativer Fahrschulen Deutschland (VIFD) in einem gemeinsamen
Schreiben im September 2024 ausführen, wurde im Januar 2021 die Dauer der praktischen Prüfung für die
Führerscheinklasse B von 45 auf 55 Minuten verlängert.23 Aus dem Schreiben wird klar ersichtlich, dass diese
Maßnahme ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllt und negative Auswirkungen, wie die Erhöhung der Durchfallquote
hat. Eine Rückkehr zu 45 Minuten hat zudem die positiven Auswirkungen, dass rund 20 Prozent mehr Prüfungs-
16 Bundestagsdrucksache 21/1139
17 Bundestagsdrucksache 21/1139
18 www.zdfheute.de/panorama/schnieder-fuehrerschein-kosten-verkehr-100.html
19 Bundestagsdrucksache 21/1139
20 www.securite-routiere.gouv.fr/passer-son-permis-de-conduire/financement-du-permis-de-conduire/permis-1-eu-par-jour
21 www.securite-routiere.gouv.fr/passer-son-permis-de-conduire/financement-du-permis-de-conduire/permis-1-eu-par-jour
22 www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Studieren-Qualifizieren/F%C3%B6rderprodukte/KfW-Studienkredit-(174)/
23 https://vifd.de/wp-content/uploads/2024/09/24_09_09_Dauer_praktische-Pruefung.pdf
plätze zur Verfügung stehen und sich die Kosten für die praktische Fahrprüfung für die Prüflinge reduziert. Mit
Rückabwicklung dieser falschen Entscheidung ist eine Entlastung der Prüfungssituation zu erwarten. Daher
müssen bei der geplanten Änderung des KfSachvG keine Experimente vorgenommen werden und die
Zugangsvoraussetzungen, die in den 1970er Jahren festgelegt wurden, können moderat auf heutige Gesichtspunkte
angepasst werden. Hierbei ist es zu bevorzugen die Änderungen bei den Voraussetzungen für die Prüfer geringer
ausfallen zu lassen und stattdessen den Ländern zu ermöglichen mehrere Prüforganisationen für die Abnahme
der Fahrerlaubnisprüfung zuzulassen.
Zu 5.:
Die Anzahl der Fahrstunden, die vor den Prüfungen gebraucht werden, ist laut Aussage des Sachverständigen
Bernd Blonsky in der öffentlichen Anhörung des Verkehrsausschusses im Juni 2024 das Hauptproblem: „Ich
sehe eigentlich die Lernphasenentwicklung als wesentlichen Grund, warum der Führerschein im Grunde
genommen so in die Höhe geschnellt ist. Und da geht es in meinen Augen gar nicht darum, dass jetzt immens die
Anforderungen an die Fahrschüler erhöht wurden. Es ist ja auch nicht so, dass alle 3.000, 4.000, 5.000 Euro
brauchen. Wir haben durchaus auch Leute im Fahrschulwagen, die mit 2.200 Euro Gesamtkosten auskommen.
[…] Ich glaube, am schwierigsten ist es, erst einmal die Akzeptanz bei den Leuten wiederherzustellen, sich mit
dem System auseinanderzusetzen. Und was den Führerschein teuer macht, sind dann letztendlich die
Übungsstunden. Die sind nun mal bei jedem Fahrschüler individuell unterschiedlich. Wir haben Leute mit 10, 12
Übungsstunden. Wir haben aber auch Leute, wo wir teilweise – und da geht es richtig ins Geld – über 100 Übungsstunden
absolvieren, wo ein Führerschein am Ende auch mal 7.500 oder 8.000 Euro kostet. Für einen Autoführerschein!
Wir sind da selbst stark verwundert. Wir holen dann die Eltern mit ins Auto, bitten sie mitzufahren, damit sie die
Problematik erkennen“.24 Die Antragsteller sind sich bewusst, dass die gestellte Forderung alleine nicht
ausreichen wird, dieses Problem zu beheben, sie stellt jedoch einen notwendigen Schritt in die richtige Richtung dar.
Grundsätzlich handelt es sich hier um ein gesellschaftliches Problem. Es ist dabei sicherlich anzunehmen, dass
Politik und NGOs hier durch die auf vielen Ebenen betriebene ideologische Verkehrswende weg von der
individuellen Mobilität, in die falsche Richtung steuern und das Problem verschärfen, wenn nicht gar mit verursacht
haben.
Zu 6.:
Die Durchfallquote bei der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung steigt weiter an. Im Jahr 2020 sind bei Erst- und
Wiederholungsprüfungen zusammen 34 Prozent der Prüfungen über alle Klassen nicht bestanden worden, im
Jahr 2024 bereits 41 Prozent der Prüfungen.25 Bei der Theorieprüfung der Klasse B steigt diese Zahl auf Nahezu
die Hälfte (49 Prozent).26 Diese Zahlen sind über Jahre hinweg zu hoch, hier muss deutlich nachgesteuert werden.
Die erwähnten Einzelaspekte greifen Vorschläge des Interessenverbands Deutscher Fahrlehrer auf, die in der
Fahrlehrerpost 1/202527 und 2/202428 näher ausgeführt wurden.
Zu 7. und 8.:
Wie in der Fahrlehrerpost 1/202529 völlig korrekt festgestellt wird, hat der Gesetzgeber bis dato keinerlei
Einwendungen dagegen, „dass jährlich tausende Fahrschüler mit fehlenden bzw. mit nur sehr geringen
Sprachkenntnissen in Deutsch den Theorieunterricht lediglich „absitzen“ und sich das für eine erfolgreiche Teilnahme an der
Theorieprüfung erforderliche Theoriewissen im Selbststudium aneignen“. Hier drängt sich ein Versuch auf,
dieses Selbststudium für die Theorieprüfung den Fahrschülern generell zu erlauben. Insbesondere im
Zusammenhang mit der Veröffentlichung des amtlichen Fragekatalogs und den privatwirtschaftlichen Möglichkeiten des
Lernens über Apps und anderen digitalen Hilfsmitteln. Bei Erfolg könnte hierdurch eine deutliche Kostensenkung
für einen Teil der Fahrschüler erreicht werden.
24 www.bundestag.de/resource/blob/1010094/75-Protokoll-10-06-2024-OeA.pdf
25 Bundestagsdrucksache 21/1139
26 www.wiwo.de/erfolg/trends/fuehrerschein-kosten-2025-so-teuer-ist-die-fahrerlaubnis-aktuell/26996498.html
27 www.idfl.de/wp-content/uploads/2025/01/01-25.pdf
28 www.idfl.de/wp-content/uploads/2024/04/02-24.pdf
29 www.idfl.de/wp-content/uploads/2025/01/01-25.pdf
Zu 9.:
Im Artikel „So teuer ist die Fahrerlaubnis in Deutschland aktuell“ der „Wirtschaftswoche“30 wird ausgeführt,
dass für die Prüfungen folgende Kosten anfallen: theoretische Führerscheinprüfung 25 Euro, praktische
Führerscheinprüfung 130 Euro, Vorstellung zur Theorieprüfung 60 bis 137 Euro, Vorstellung zur Praxisprüfung 160
Euro bis 289 Euro. Erstere sind die Kosten der Prüforganisationen, letztere Kosten, die Fahrschulen in Rechnung
stellen. In der Spitze also bis zu 581 Euro, was natürlich wesentlich zu hoch ist und reduziert werden muss. Hier
muss versucht werden durch Digitalisierung eine Kostenreduktion zu erreichen.
Zu 10 und 11.:
Die Anzahl der Fahrschulen in Deutschland sinkt seit 2010 beständig. So gab es im Jahr 2010 12.733
Fahrschulen, im Jahr 2015 11.407 Fahrschulen31 und im Jahr 2023 10.275 Fahrschulen32. Durch die Forderungen in Teil
1 wird es mehr jungen Menschen ermöglicht, den Führerscheinerwerb ins Auge zu fassen und zu erwerben. Diese
positive Entwicklung hin zu mehr individueller Mobilität und Freiheit ist vorausschauend begleitend auf der
Angebotsseite der Fahrschulen zu berücksichtigen. Damit die gesteigerte Nachfrage nicht zu einer nicht
beabsichtigten Preisentwicklung in die falsche Richtung führt, ist es proaktiv geboten durch Bürokratieabbau die
Angebotsseite zu stärken, in dem ermöglicht wird, dass mehr Bürger Fahrschulen gründen und betreiben. Sowie
dem jetzt schon bestehenden Fahrlehrermangel (in der Führerscheinklasse B im Jahr 2025 5.408 offene Stellen
ebd.) durch die Reform der Fahrlehrerausbildung entgegenzuwirken. Ziel ist es die Attraktivität des Berufs zu
steigern und die Ausbildungskosten zu senken. Eine flexiblere und kostengünstigere Ausbildung würde sowohl
Quereinsteigern als auch jungen Menschen die Möglichkeit bieten, in diesem wichtigen Berufsfeld Fuß zu fassen
und so langfristig die Qualität der Fahrausbildung in Deutschland sicherzustellen.
30 www.wiwo.de/erfolg/trends/fuehrerschein-kosten-2025-so-teuer-ist-die-fahrerlaubnis-aktuell/26996498.html
31 www.moving-roadsafety.com/wp-content/uploads/2021/03/Moving-Branchenreport-2018-einseitig_WEB.pdf
32 www.moving-roadsafety.com/wp-content/uploads/2025/03/Final_Branchenaussichten-2025.pdf
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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