Zur Sicherstellung einer einheitlichen und flächendeckend hochwertigen Notfall- und Rettungsdienstversorgung in Deutschland
Text
Zur Sicherstellung einer einheitlichen und flächendeckend hochwertigen Notfall- und Rettungsdienstversorgung in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2971
21. Wahlperiode 27.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Claudia Weiss, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina
Schießl, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L.
Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann und
der Fraktion der AfD
Zur Sicherstellung einer einheitlichen und flächendeckend hochwertigen Notfall-
und Rettungsdienstversorgung in Deutschland
Von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen und von Aachen bis Görlitz zahlen
die Bürger unseres Landes dieselben stetig steigenden Beiträge zur
Krankenversorgung. Es ist daher nur folgerichtig, dass sie im gesamten Bundesgebiet
auch auf einheitliche, qualitativ hochwertige und verlässliche
Rettungsdienststrukturen vertrauen dürfen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Je nach
Bundesland und Region unterscheiden sich Ausstattung, Reaktionszeiten und
Versorgungsqualität teils erheblich.
Der ehemalige Bundesminister für Gesundheit Dr. Karl Lauterbach hat im Zuge
der geplanten Reform der Notfallversorgung selbst eingeräumt, dass der Bund
trotz der formalen Zuständigkeit der Länder den rechtlichen Rahmen vorgibt
und damit maßgeblich Verantwortung für die Sicherstellung einer
flächendeckend gerechten Notfallversorgung trägt. Angesichts fortbestehender
Unterschiede und struktureller Defizite stellt sich den Fragestellern daher die Frage,
ob der Bund dieser Verantwortung tatsächlich gerecht wird.
Vor diesem Hintergrund fragen die Fragesteller die Bundesregierung, wie sie
die bestehenden Ungleichheiten im Rettungsdienst bewertet und welche
Maßnahmen sie ergreifen wird, um bundesweit einheitliche und verlässliche
Standards in der Notfallversorgung sicherzustellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Notfallsanitäter (NotSan), Rettungsassistenten (RA) und
Rettungssanitäter (RS) sind mit Stand 17. Oktober 2025 bundesweit
registriert bzw. beschäftigt (bitte getrennt nach Berufsgruppen angeben)?
2. Wie verteilen sich die in Frage 1 genannten Fachkräfte regional auf die
einzelnen Bundesländer (bitte getrennt nach Berufsgruppe und
Bundesland ausweisen)?
3. In welchen Einsatz- und Aufgabenbereichen sind NotSan, RA und RS
aktuell überwiegend tätig (bitte differenziert nach Notarzteinsatzfahrzeug,
Rettungstransportwagen, Krankentransportwagen, Intensivtransport,
Leitstellen, Katastrophenschutz, First Responder, Ausbildungs- bzw.
Praxisanleitung aufschlüsseln)?
4. Wie viele NotSan, RA und RS sind tatsächlich im Einsatzdienst (d. h. im
aktiven Dienst auf Rettungsmitteln) tätig, und wie viele in anderen
Funktionen (z. B. Leitstelle, Verwaltung, Ausbildung, Praxisanleitung,
Freistellung etc.)?
5. Wie viele Notärzte und Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Notfallmedizin
sind derzeit im bodengebundenen Rettungsdienst tätig, und wie verteilt
sich deren Tätigkeit auf die Notarztstandorte (bitte nach Bundesländern
und, sofern verfügbar, nach Vollzeitäquivalenten [VZÄ] aufschlüsseln)?
6. Wie erfolgt die Aufgaben- und Verantwortungsverteilung im
Rettungsdiensteinsatz zwischen NotSan, RA und RS konkret (bitte mit Blick auf
heilkundliche Maßnahmen nach § 4 des Notfallsanitätergesetzes [Not-
SanG], delegierbare Maßnahmen, Medikamentengabe, invasive
Maßnahmen und Entscheidungsbefugnisse je Berufsgruppe angeben)?
7. Wie viele Personen befinden sich derzeit in der Ausbildung zum
Notfallsanitäter in Deutschland, und wie viele Absolventen wurden im
vergangenen Jahr erfolgreich geprüft (bitte nach Bundesland,
Ausbildungseinrichtung und Jahrgang gliedern)?
8. Wie viele Rettungssanitäter-Ausbildungen werden aktuell bundesweit
durchgeführt, und wie viele Teilnehmer befinden sich derzeit in
Ausbildung bzw. haben diese im vergangenen Jahr abgeschlossen?
9. Wie viele Ärzte befinden sich aktuell in der Zusatzweiterbildung
„Notfallmedizin“, und wie viele Medizinstudierende nehmen an curricularen
Lehrangeboten oder Praktika mit Bezug zur Notfallmedizin teil (bitte getrennt
nach ärztlicher Weiterbildung und Medizinstudium, möglichst nach
Bundesländern differenzieren)?
10. Wie bewertet die Bundesregierung bzw., nach Kenntnis der
Bundesregierung, bewerten die jeweils zuständigen Landesregierungen die aktuelle
und perspektivische Personalbedarfsdeckung in den genannten
Berufsgruppen bis 2030, und welche Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung,
Fachkräftebindung und Fachkräftequalifizierung werden ggf. aktuell
ergriffen oder geplant (bitte Maßnahmen einzeln und nach Zielrichtung
aufführen)?
11. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf., um die
Zuständigkeiten zwischen Rettungsleitstellen (Rufnummer 112) und den ärztlichen
Bereitschaftsdiensten der Kassenärztlichen Vereinigungen (Rufnummer
116 117) klarer zu definieren und Überschneidungen zu vermeiden?
12. Wie bewertet die Bundesregierung das Modell gemeinsamer Leitstellen
für den Rettungsdienst und ärztlichen Bereitschaftsdienst, in denen eine
medizinische Ersteinschätzung und fallgerechte Zuweisung zentral erfolgt
(bitte mit Bezug auf Modellprojekte oder Pilotversuche in den Ländern
angeben)?
13. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über den Anteil von
Rettungsdiensteinsätzen vor, die nachweislich keine medizinischen Notfälle
darstellen (bitte, soweit verfügbar, nach Bundesländern und Ursachen
differenzieren)?
14. Welche rechtlichen oder organisatorischen Hürden bestehen derzeit für
Leitstellenmitarbeiter, Patienten bei offensichtlicher Nicht-Notfalllage an
andere Versorgungsstrukturen (z. B. Hausärzte, Pflegedienste, soziale
Einrichtungen) zu verweisen oder alternative Hilfeformen zu vermitteln?
15. Plant die Bundesregierung, die Handlungsspielräume von
Leitstellenpersonal rechtlich zu erweitern, um eine sachgerechte Zuweisung von
Anrufen und Einsätzen zu ermöglichen, ohne Haftungsrisiken befürchten zu
müssen?
16. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung ggf., um über die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine bundesweite
Informationskampagne zu starten, die der Bevölkerung die Unterschiede
zwischen Rettungsdienst, ärztlichem Bereitschaftsdienst, Notaufnahme und
sozialen Hilfeangeboten erläutert (bitte ggf. geplante Zielgruppen,
Medienkanäle, Inhalte und Zeitrahmen darstellen)?
17. Welche bisherigen Informations- oder Aufklärungskampagnen der
Bundesregierung oder nachgeordneter Behörden haben sich ggf. mit der
Nutzung der Rufnummern 112 und 116 117 befasst, und welche Evaluationen
liegen dazu möglicherweise vor?
18. Wie wird ggf. seitens der Bundesregierung sichergestellt, dass die
Schulung und fortlaufende Qualifizierung von Leitstellenmitarbeitern den
aktuellen Anforderungen an medizinische Ersteinschätzung, Kommunikation
und rechtliche Sicherheit entspricht?
19. Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle wirtschaftliche Lage
privater Anbieter im Rettungsdienst und im qualifizierten Krankentransport,
und welche Unterstützungsmaßnahmen plant sie ggf. zur Sicherung dieser
Versorgungsstruktur?
20. Welche kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen hält die
Bundesregierung ggf. für erforderlich, um die Zahl nicht dringlicher Einsätze im
Rettungsdienst zu reduzieren und gleichzeitig die Versorgungssicherheit im
medizinischen Notfall zu gewährleisten?
Berlin, den 26. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Alexis L. Giersch (Kleine Anfrage)
- asked ← Birgit Bessin (Kleine Anfrage)
- asked ← Carina Schießl (Kleine Anfrage)
- asked ← Christina Baum (Kleine Anfrage)
- asked ← Christoph Birghan (Kleine Anfrage)
- asked ← Claudia Weiss (Kleine Anfrage)
- asked ← Gereon Bollmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Joachim Bloch (Kleine Anfrage)
- asked ← Kay-Uwe Ziegler (Kleine Anfrage)
- asked ← Kerstin Przygodda (Kleine Anfrage)
- asked ← Martina Kempf (Kleine Anfrage)
- asked ← Martin Sichert (Kleine Anfrage)
- asked ← Nicole Hess (Kleine Anfrage)
- asked ← Paul Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Möller (Kleine Anfrage)
- asked ← Thomas Dietz (Kleine Anfrage)
- asked ← Tobias Ebenberger (Kleine Anfrage)
- authored ← Claudia Weiss
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Martin Sichert
- part_of_vorgang → Zur Sicherstellung einer einheitlichen und flächendeckend hochwertigen Notfall- und Rettungsdienstversorgung in Deutschland (Kleine Anfrage)