Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik vom 26. bis 28. August 2025, Kopenhagen, Dänemark
Text
Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik vom 26. bis 28. August 2025, Kopenhagen, Dänemark
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2880
21. Wahlperiode 21.11.2025
Unterrichtung
durch die deutsche Delegation in der Interparlamentarischen Konferenz für die
Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits-
und Verteidigungspolitik
Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik
vom 26. bis 28. August 2025, Kopenhagen, Dänemark
Inhal tsverzeichnis
Seite
1 Teilnehmer der deutschen Delegation ............................................. 2
2 Einführung ......................................................................................... 2
3 Ablauf der Tagung ............................................................................ 2
4 Eröffnungssitzung ............................................................................. 2
5 Die Prioritäten und Strategien der GASP/GSVP: Die
Zukunft der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik ............ 3
6 Europas strategischer Moment: Stärkung der
Komplementarität von EU und NATO in den Bereichen
Verteidigung, Abschreckung und globale Störungen .................... 3
7 Über Grenzen hinweg: Erweiterung als strategische
Investition in die Sicherheit Europas ............................................... 3
8 Kritische Infrastruktur, gesellschaftliche
Widerstandsfähigkeit, Energie/Klima ............................................. 4
9 Dringlichkeitsdebatte – Ein vereintes Europa: Verteidigung
von Freiheit, Demokratie und einer souveränen Ukraine ............. 4
10 Arbeitsgruppen .................................................................................. 4
11 Erklärung der Co-Vorsitzenden ...................................................... 5
1 Teilnehmer der deutschen Delegation
An der 27. Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und
die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (IPC GASP/GSVP) nahmen folgende Abgeordnete des
Deutschen Bundestages teil:
Abgeordneter Roderich Kiesewetter (CDU/CSU),
Abgeordnete Nancy Faeser (SPD),
Abgeordnete Jeanne Dillschneider (Bündnis 90/Die Grünen).
2 Einführung
Die IPC GASP/GSVP wurde 2012 durch die Konferenz der Präsidenten der Parlamente der Mitgliedsstaaten der
EU und des Präsidenten des Europäischen Parlaments auf der Basis des Protokolls Nr. 1 zum Vertrag von
Lissabon über die Rolle der nationalen Parlamente in der EU eingesetzt. Die IPC GASP/GSVP ist Teil der
parlamentarischen Dimension der EU-Ratspräsidentschaft. Ziel der Konferenz ist der Austausch von Informationen und
bewährten Verfahren zur GASP und GSVP zwischen den nationalen Parlamenten und dem Europäischen
Parlament (EP). Dazu treffen die Abgeordneten mit der EU-Ratspräsidentschaft, dem Hohen Vertreter/der Hohen
Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik sowie anderen Vertreterinnen und Vertretern der Europäischen
Kommission zusammen. Für den Deutschen Bundestag nimmt eine Delegation von bis zu sechs Abgeordneten an
der Konferenz teil, die sich nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen im Bundestag zusammensetzt. Für das
Europäische Parlament sind 16 Sitze vorgesehen. Die Konferenz tritt zweimal im Jahr jeweils in dem
Mitgliedstaat der EU zusammen, der die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft innehat.
3 Ablauf der Tagung
Die 27. Tagung der IPC GASP/GSVP fand auf Einladung des dänischen Parlaments (dänische EU-
Ratspräsidentschaft im 2. Halbjahr 2025) vom 26. bis 28. August 2025 in Kopenhagen statt. An der Konferenz nahmen 126
Delegierte aus 26 nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament sowie 27
Delegierte aus Partnerländern (Bosnien und Herzegowina, Island, Moldau, Montenegro, Nord-Mazedonien,
Norwegen, Serbien, der Türkei, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich) teil. Die Konferenz war in eine
Eröffnungssitzung und vier thematische Sitzungsblöcke sowie eine Dringlichkeitssitzung und zwei
Arbeitsgruppensitzungen unterteilt. Die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, nahm an der
Konferenz nicht teil.
Das dänische Parlament legte den Schwerpunkt der Konferenz auf Aspekte der Sicherheit und Verbesserung der
Verteidigungsfähigkeit Europas in Kooperation mit der NATO sowie im Lichte des russischen Angriffskrieges
auf die Ukraine. Darüber hinaus stand die Erweiterung der EU im Fokus der Debatten. Im Anschluss an die
Konferenz veröffentlichten die Ko-Vorsitzenden eine Erklärung, die dieser Unterrichtung angehängt ist. Die
zypriotische Delegation gab bekannt, dass die nächste IPC GASP/GSVP vom 3. bis 5. März 2026 in Nikosia, Zypern,
stattfinden werde.
4 Eröffnungssitzung
In seiner Eröffnungsrede mahnte der Sprecher des dänischen Parlamentes, Søren Gade, dass Frieden und
Sicherheit täglich neu verteidigt werden müssen. Er sicherte der Ukraine die volle Solidarität zu und konstatierte, dass
sowohl die Ukraine als auch Moldau große Fortschritte auf dem Weg in die EU gemacht haben. In einer
Videobotschaft unterstrich der dänische Außenminister, Lars Løkke Rasmussen, dass man Putin nicht trauen könne
und dass Europa mehr Verantwortung als globaler Akteur übernehmen müsse. Dazu seien im europäischen Rat
Mehrheitsentscheidungen notwendig. David McAllister, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige
Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, unterstrich die Bedeutung des Planes der EU-Kommission „Rearm
Europe“ für die zügige Erhöhung der Verteidigungsausgaben und die Verbesserung der Verteidigungsfähigkeiten.
Europa müsse erfolgreich den Frieden und die Demokratie verteidigen und sei bereit, sich dafür einzusetzen, was
immer nötig sei.
5 Die Prioritäten und Strategien der GASP/GSVP. Die Zukunft der europäischen Außen- und
Sicherheitspolitik
Benedikta von Seherr-Thoss, Managing Director for Peace, Security and Defence (EAD), informierte die
Delegierten über die geopolitische Lage der EU aus Sicht der Kommission. Sie unterstrich die Notwendigkeit, den
Dialog mit bilateralen Partnern der EU zu stärken und bestehende Beziehungen zu vertiefen. Die transatlantische
Partnerschaft sei ein Garant für den Frieden und sie begrüßte die zugesagte weitere Unterstützung der USA für
die Ukraine. Europa werde seine Werte und seine Interessen auch zukünftig verteidigen. Eine Stärkung der
Verteidigungsfähigkeiten der EU stärke auch die Verteidigung der Ukraine. Die Verbesserung der
Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Armee stärke das Land und erhöhe dessen Schutz. Mit Blick auf den Nahen Osten
konstatierte Frau Seherr-Toss eine katastrophale humanitäre Lage im Gaza-Streifen. Die EU setze sich vehement bei
der israelischen Regierung für eine Verbesserung der Situation ein und erhöhe den Druck auf die Regierung, um
umfassende humanitäre Hilfe zu ermöglichen. Die Beziehungen zu China seien sehr komplex – man sei sowohl
Partner als auch systemischer Rivale. Gleichzeitig dränge man darauf, dass China seinen Einfluss auf Russland
geltend mache, um einen Frieden in der Ukraine zu erreichen. Darüber hinaus seien Indochina, Afrika und der
Schutz der kritischen Infrastruktur prioritär auf der Agenda der EU-Kommission. Delegierter Michael Gahler,
MdEP, sprach sich in der Debatte dafür aus, die transatlantischen Beziehungen zu erhalten und weiter zu stärken.
Europa müsse sich auf seine Stärken besinnen und seine geopolitische Position behaupten. Abgeordneter
Roderich Kiesewetter entgegnete mehreren Wortbeiträgen, in denen mit Blick auf den Nahostkonflikt von
Genozid gesprochen wurde, dass eine Täter-Opfer-Umkehr nicht akzeptabel sei. Ziel der Terrororganisation Hamas
sei die Vernichtung des Staates Israel. Die Hamas müsse sich ergeben und den Gaza-Streifen verlassen. Israel
hingegen müsse einen palästinensischen Staat akzeptieren und seine derzeitige Siedlungspolitik stoppen.
Allgemein wurde beklagt, dass die Hohe Vertreterin der EU, Kaja Kallas, trotz der Durchführung der Konferenz im
Vorfeld des Gymnich-Treffens der EU-Außenminister, nicht an der Konferenz teilnahm.
6 Europas strategischer Moment: Stärkung der Komplementarität von EU und NATO in den
Bereichen Verteidigung, Abschreckung und globale Störungen
Michael Zilmer-Johns, ehemaliger dänischer NATO-Botschafter, unterstrich, dass NATO und EU gemeinsam
komplementär agieren und mahnte, dass Europa seine Verteidigungskosten selbst aufbringen müsse. Bereits heute
produziere die EU mehr Artilleriemunition als die USA – dies sei der richtige Weg. Abgeordneter Roderich
Kiesewetter forderte die Auslösung des Snap-Back-Mechanismus gegen den Iran durch die drei europäischen
Länder Frankreich, Vereinigtes Königreich und Deutschland, da eine beträchtliche Bedrohung Europas auch vom
Iran ausgehe. Abgeordnete Jeanne Dillschneider unterstrich die Bedeutung Europas als ein auf gemeinsamen
Werten basierendes Friedensprojekt. Die Ukraine kämpfe für die gemeinsamen europäischen Werte, und es
benötige eine gemeinsame Stimme, um die Freiheit und eine auf Recht basierende internationale Ordnung gegen die
Sezession und gegen Putin zu verteidigen. Da die transatlantischen Beziehungen immer schwieriger zu navigieren
seien, erforderten sie ein Gleichgewicht zwischen Ehrlichkeit und Zusammenarbeit mit denen, die an den
europäischen Werten und der gemeinsamen Verantwortung interessiert seien. Tägliche Sabotageakte und
Cyberangriffe bedrohten die Sicherheit und Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund seien technologische und energetische
Souveränität unabdingbar. Die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der EU und der NATO erfordere
mehr als nur Gespräche über Zahlen und Budgets. Alle müssten effizient, schnell und strategisch handeln, um die
dringend benötigten Fähigkeiten zu verbessern.
7 Über Grenzen hinweg: Erweiterung als strategische Investition in die Sicherheit Europas
Im Sitzungsabschnitt zur Erweiterung der EU unterstrich die dänische Ministerin für Angelegenheiten der
europäischen Union, Marie Bjerre, dass Europa als politischer Akteur dringend stärker werden müsse. Dies sei ein
geostrategischer Imperativ. Mit Blick auf die Blockade der Eröffnung von Clustern mit der Ukraine durch einen
Mitgliedstaat, mahnte sie, diese Blockade schnellstmöglich zu überwinden. Allgemein bestand die Auffassung,
dass die Erweiterung der EU erfolgreich vorangetrieben werden müsse, da besonderes auch mit Blick auf den
Westbalkan andere geopolitische Akteure entstehende Lücken füllen würden. Der ehemalige Außenminister der
Slowakei, Miroslav Lajčák, mahnte die Delegierten, dass eine zügige Erweiterung der EU durch die Länder des
Westbalkans die einzige Option sei, die EU zu stärken. Dies sei der Weg zu Frieden und Stabilität und die EU
müsse die eigenen Bedenken einer Erweiterung abstreifen und die Erwartungen sowohl die der Beitrittsländer wie
auch die der Mitgliedsstaaten besser übereinbringen.
8 Kritische Infrastruktur, gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit, Energie/Klima
Der Kommissar der EU für Energie und Wohnen, Dan Jørgensen, berichtete von den Bedrohungen der kritischen
Infrastruktur durch Russland und den Zielen der EU bei der Energiesicherheit. Dabei habe der Abbau und die
Vermeidung von Abhängigkeiten höchste Priorität. Europa solle, anstatt fossile Energieträger zu importieren,
durch den Ausbau regenerativer Energien unabhängiger werden. Hierzu seien Deregulierungen notwendig, um
einen schnelleren Ausbau zu erreichen. Er sprach sich darüber hinaus dafür aus, Ungarn und der Slowakei dabei
zu helfen, von russischen Energielieferungen unabhängig zu werden, damit die Einstimmigkeit in der EU
hergestellt werde, um den Druck auf Russland durch verstärkte Sanktionen weiter zu erhöhen. Der dänische Minister
für gesellschaftliche Resilienz und Krisenmanagement, Torsten Schack Pedersen, betonte die Bedeutung der
sozialen Einheit und der kritischen Infrastruktur als zwei bedeutende Säulen der Gesellschaft, um das Vertrauen
in den Staat zu fördern beziehungsweise zu erhalten.
9 Dringlichkeitsdebatte – Ein vereintes Europa: Verteidigung von Freiheit, Demokratie und
einer souveränen Ukraine
In einer Dringlichkeitssitzung zur Lage in der Ukraine beschrieb die Ministerpräsidentin der Ukraine Julija
Swyrydenko das Ziel der Ukraine als finanziell stabiles Land in der EU eingebettet zu sein. Dass man im
Beitrittsprozess in diesem Jahr trotz des andauernden Krieges die ersten drei Cluster eröffnen könne, zeige wie hart
die Ukraine an Reformen arbeite und wie wichtig ihr dieses Ziel sei. Sie drängte dazu, Sicherheitsgarantien für
die Ukraine zu erarbeiten, welche der Ukraine die Unabhängigkeit garantierten. Darüber hinaus sei die weitere
militärische und finanzielle Hilfe für die Ukraine essentiell. Abgeordneter Roderich Kiesewetter machte noch
einmal deutlich, dass die Ukraine mit ihrem Kampf Europa und seine Werte verteidige und dankte der Ukraine
dafür. Er unterstützte das Vorhaben der Aufnahme in die EU und forderte valide Sicherheitsgarantien für das
Land.
10 Arbeitsgruppen
In zwei Arbeitsgruppen debattierten die Delegierten über Fragen der Migration beziehungsweise über Europas
Rolle im Nahen Osten.
Aija Kalnaja, stellvertretende Direktorin für Fähigkeiten bei Frontex, mahnte an, Migration als Teil von
Geopolitik zu verstehen, um realistische Bedrohungsszenarien zu erkennen. Grenzmanagement sei lediglich ein Teil der
Lösung. Vielmehr müsse man den Menschen Perspektiven schaffen, um Migration zu vermeiden. Maßnahmen
der EU müssten daher dauerhaft und nachhaltig sein, wenn sie einen Effekt zur Reduzierung der Migration haben
sollen. Der Vorsitzende der europäischen Stabilitäts-Initiative, Gerald Knaus, stellte fest, dass die derzeit in den
USA praktizierte Migrationspolitik mit Einschüchterung und Repressalien gegenüber Migranten vorzugehen, auf
Kosten der Demokratie und der Menschenrechte funktioniere. Er empfahl der EU eine klare Kommunikation, die
besage, dass illegale Grenzübertritte nicht der Weg in die EU seien. Dazu sei die Anpassung der EU-
Abschieberichtlinie ein wichtiger Baustein, um die illegale Migration in den Griff zu bekommen und um auf dem Boden
von Recht und Gesetz zu bleiben.
Luigi Di Maio, Sonderbeauftragter der EU für die Golfregion, stellte fest, dass eine einheitliche Meinung in der
EU zur Ukraine bestehe, während es unter den Mitgliedsstaaten mehrere verschiedene Wahrnehmungen zum
Konflikt in Gaza gebe. Er betonte, dass die gesamte Region von zahlreichen internationalen Akteuren umkämpft,
beziehungsweise umworben sei. Die Europäische Union werde in diesem Geflecht unterschiedlichster Akteure
verstärkt für ihre Interessen eintreten müssen. Der Direktor für den Mittleren Osten und Nordafrika beim
European Council on Foreign Relations, Julien Barnes-Dacey, betonte, dass trotzdem die EU Israels größter
Handelspartner sei, der vom wirtschaftlichen Volumen noch vor den USA und vor allen übrigen Handelspartnern
rangiere. Jedoch seien bisher sämtliche Vorschläge der EU von Israels vollumfänglich ignoriert worden. Die EU
müsse ihr Gewicht stärker einsetzen, um ihre Glaubwürdigkeit gegenüber der gesamten Welt nicht einzubüßen.
Hierzu sei eine intensivere, strukturiertere Partnerschaft der EU gegenüber dem gesamten Mittleren Osten
vonnöten, welche pragmatischere Ansätze statt Imperative erfordere.
Berlin, den 27. Oktober 2025
Nancy Faeser
11 Erklärung der Co-Vorsitzenden
27. INTERPARLAMENTARISCHE KONFERENZ ZUR GEMEINSAMEN AUẞEN-
UND SICHERHEITSPOLITIK UND GEMEINSAMEN SICHERHEITS- UND
VERTEIDIGUNGSPOLITIK (IPK GASP/GSVP)
Kopenhagen, 26.–28. August 2025
GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER KO-VORSITZENDEN
Die 27. Interparlamentarische Konferenz zur Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und Gemeinsamen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GASP/GSVP) fand im Rahmen der parlamentarischen Dimension der
dänischen EU-Ratspräsidentschaft vom 26. bis 28. August 2025 in Kopenhagen statt. Die folgende gemeinsame
Erklärung ist eine nicht bindende Erklärung der Ko-Vorsitzenden der Konferenz.
Wir, die Ko-Vorsitzenden der 27. Interparlamentarischen Konferenz zur GASP/GSVP, erklären:
Bekenntnis zu Multilateralismus, Menschenrechten und demokratischen Prinzipien
Anlässlich des 80. Jahrestags der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen bekräftigen wir unser
unerschütterliches Bekenntnis zu einer regelbasierten multilateralen Ordnung und zur Verteidigung demokratischer
Werte weltweit. Frieden, Sicherheit und Stabilität können nur durch effektive internationale Zusammenarbeit
erreicht werden. Die Förderung von Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bleibt eine zentrale
Verpflichtung der Europäischen Union.
Wir betonen, dass internationale Institutionen, insbesondere die Vereinten Nationen (VN) und ihre
Organisationen, grundlegende Säulen einer regelbasierten multilateralen Ordnung sind. Gleichzeitig äußern wir unsere
Besorgnis darüber, dass internationale Institutionen und Normen zunehmend instrumentalisiert werden, wie die
Streitigkeiten innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
zeigen. Vor diesem Hintergrund ermutigen wir die Europäische Kommission, den Europäischen Auswärtigen Dienst
(EAD) und die Mitgliedstaaten der EU, die Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen zu verstärken, die
für das internationale regelbasierte System und die Verwaltung globaler Gemeingüter von wesentlicher
Bedeutung sind, darunter die Vereinten Nationen und ihre Organisationen, die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die WHO und die WTO.
Unterstützung für die Ukraine und Verurteilung der Aggression
Mehr als dreieinhalb Jahre nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion verurteilen wir erneut Moskaus
völkerrechtswidrigen und ungerechtfertigt entfesselten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wir fordern die sofortige
Einstellung aller russischen Militäroperationen und die vollständige Wiederherstellung der Unabhängigkeit,
Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen. Jede die
Ukraine betreffende Initiative muss gemeinsam mit der Ukraine ergriffen werden und im Einklang mit der Charta
der Vereinten Nationen sowie den Grundprinzipien der Friedensformel der Ukraine stehen.
Wir betonen die Notwendigkeit, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, bis es seine Aggression einstellt.
Vertreter der russischen Behörden und alle, die für internationale Verbrechen in der Ukraine oder gegen sie
verantwortlich sind, müssen gemäß den Regeln des Völkerrechts strafrechtlich verfolgt und vor Gericht gestellt
werden.
Wir begrüßen die jüngsten Bemühungen des US-Präsidenten, das Töten in der Ukraine zu stoppen, Russlands
Angriffskrieg zu beenden und einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen. Seine Erklärung, dass die
USA bereit seien, sich an Sicherheitsgarantien zu beteiligen, ist ein wichtiges Signal. Wir bestehen jedoch darauf,
dass es Sache der Ukraine ist, Entscheidungen über ihr Territorium zu treffen. Internationale Grenzen dürfen nicht
gewaltsam verändert werden.
Europäische Friedensfazilität und Unterstützung für militärische und zivile Missionen im Rahmen der GSVP
Wir unterstreichen die Bedeutung der Europäischen Friedensfazilität (EFF) für die Unterstützung der ukrainischen
Streitkräfte durch die Finanzierung und Lieferung bzw. Durchführung von militärischer Ausrüstung und
Ausbildung. Wir begrüßen die Einrichtung der Militärischen Unterstützungsmission für die Ukraine (EUMAM Ukraine)
und fordern eine weitere Aufstockung von ausgebildetem Personal und die Ausweitung der Ausbildungsangebote
entsprechend den Bedürfnissen der ukrainischen Streitkräfte. Wir unterstützen nachdrücklich die wichtige Arbeit
der Beratenden Mission der Europäischen Union in der Ukraine (EUAM). Ihre fortwährende Präsenz und ihr
Fachwissen sind von entscheidender Bedeutung, um der Ukraine bei der Bewältigung der aktuellen
Herausforderungen zu helfen. Wir begrüßen auch die Einrichtung eines Industriezentrums zur Unterstützung der
Verteidigungsfähigkeiten der Ukraine und ihrer Integration in die Technologische und industrielle Basis der Europäischen
Verteidigung (EDTIB) sowie die Stärkung der DTIB der Ukraine nach dänischem Vorbild.
Wir begrüßen den Einsatz der GSVP-Partnerschaftsmission der EU in der Republik Moldau – der ersten zivilen
GSVP-Mission, die sich speziell auf die Stärkung der Widerstandsfähigkeit eines Partners gegenüber hybriden
Bedrohungen konzentriert – und fordern ihre weitere Unterstützung.
Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten
Europa muss souveräner werden, mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen und besser
gerüstet sein, um autonom und geschlossen auf unmittelbare und künftige Herausforderungen und Bedrohungen
zu reagieren.
Wir begrüßen Initiativen zur Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten, darunter das jüngste Weißbuch
zur Zukunft der europäischen Verteidigung, Readiness 2030 und den Plan „ReArm Europe“. Wir unterstreichen
die Bedeutung EU-weiter Sicherheitsprojekte wie „East Shield“ und „Baltic Defence Line“. Wir betonen die
Notwendigkeit, die militärischen Fähigkeiten sowohl auf nationaler Ebene als auch durch gemeinsame EU-Projekte
zu verbessern. Zu den wichtigsten Schwerpunktbereichen zählen Luft- und Raketenabwehr, Artilleriesysteme,
Drohnen, strategische Befähigung (Enabler) und Cyberabwehr. Wir fordern verstärkte Investitionen und mehr
Forschung und Entwicklung im Bereich neuer Verteidigungstechnologien, um unseren technologischen
Vorsprung zu erhalten.
Energiesicherheit und Klimaschutz
Wir unterstreichen die Bedeutung von Energiesicherheit und die Notwendigkeit, durch Diversifizierung der
Energiequellen und Investitionen in erneuerbare Energien die Abhängigkeit von externen Lieferanten zu verringern.
Wir fordern die Entwicklung einer langfristigen Energiestrategie, um dem Klimawandel und seinen
Auswirkungen auf die Sicherheit, einschließlich des Potenzials für einen erhöhten Migrationsdruck, zu begegnen.
Bedeutung der EU-Erweiterung
Wir betonen die tiefgreifende Bedeutung der EU-Erweiterung sowohl für die Europäische Union als auch für die
Erweiterungsländer, darunter die Ukraine, Moldau und die Länder des westlichen Balkans. Die Zukunft dieser
Länder liegt in der EU, was eine strategische Investition in Frieden, Sicherheit, Stabilität und Wohlstand für den
gesamten Kontinent darstellt.
Die Erweiterung muss ein leistungsorientierter, ausgewogener und glaubwürdiger Prozess sein, der den
Kopenhagener Kriterien entspricht und auf alle Erweiterungsländer gleichermaßen und objektiv angewendet wird. Wir
setzen uns für eine nachhaltige finanzielle und politische Unterstützung ein, um die effektive Integration der
Erweiterungsländer in die EU zu erleichtern.
Transatlantische Zusammenarbeit
Wir bekräftigen die strategische Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft zwischen der EU und den USA
sowie der strategischen Partnerschaft zwischen der EU und der NATO.
Wir erkennen die Bedeutung der transatlantischen Zusammenarbeit für die Bewältigung globaler
Herausforderungen, die Förderung von Wirtschaftswachstum und die Gewährleistung von Frieden und Sicherheit an.
Wir bekräftigen erneut, dass ein im Bereich Sicherheit und Verteidigung stärkeres und handlungsfähigeres Europa
von entscheidender Bedeutung für eine stärkere NATO ist. Europa wird einen positiven Beitrag zur globalen und
transatlantischen Sicherheit leisten und ergänzt die NATO, die nach wie vor das Fundament der kollektiven
Verteidigung ihrer Mitglieder bildet.
Die auf dem jüngsten EU-NATO-Gipfel in Den Haag getroffene Entscheidung wird sowohl als Fortschritt im
Bereich der Verteidigungsfähigkeiten in Erinnerung bleiben als auch eine parlamentarische Kontrolle hinsichtlich
des Tempos der ehrgeizigen 5-Prozent-Verpflichtung erfordern.
Wir ermutigen die Vizepräsidentin/Hohe Vertreterin, die Partnerschaften mit gleichgesinnten Partnern zu fördern.
In diesem Zusammenhang begrüßen wir die kürzlich erfolgte Unterzeichnung der Sicherheits- und
Verteidigungspartnerschaften mit dem Vereinigten Königreich und Kanada.
Umfassende und gleichberechtigte Partnerschaften
Wir unterstreichen, dass es sehr wichtig ist, den geopolitischen Einfluss und die globale Rolle der EU durch den
Ausbau umfassender und gleichberechtigter Partnerschaften zu stärken, unter anderem durch die Initiativen
„Team Europe“ und „Global Gateway“ sowie durch regionale Handelsabkommen.
Um dies zu erreichen, bedarf es einer besseren Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten und einer engeren
Verknüpfung zwischen den politischen Maßnahmen und Instrumenten der EU, damit die Stärken und Chancen
der EU besser genutzt werden können.
Bekämpfung der irregulären Migration
Wir erkennen die Bedeutung der Verabschiedung des Migrations- und Asylpakts im Jahr 2024 an. Wir fordern,
dass nach neuen und innovativen Lösungen gesucht wird, um die Anreizstrukturen zu beseitigen, die irreguläre
Migration und gefährliche Reisen nach Europa begünstigen.
EU-Ansatz für die Arktis, den hohen Norden und Grönland
Wir erkennen die strategische Bedeutung der Arktis, des hohen Nordens und Grönlands für die Sicherheit und
Stabilität der Europäischen Union an. Die EU setzt sich für eine sichere, stabile, nachhaltige, friedliche und
prosperierende Arktisregion ein. Wir betonen die Bedeutung der Zugehörigkeit Grönlands zum Königreich Dänemark
und die Solidarität unter den EU-Mitgliedstaaten bei der Bewältigung der besonderen Herausforderungen, denen
die arktischen Gemeinschaften gegenüberstehen. Die Arktispolitik der EU zielt darauf ab, eine nachhaltige
Entwicklung zu unterstützen, den Klimawandel zu bekämpfen und die regionale Zusammenarbeit zu verbessern,
wobei sichergestellt werden soll, dass die Vorteile dieser Bemühungen allen Bewohnern der Arktis, einschließlich
der indigenen Völker, zugutekommen.
Umgang mit hybriden Bedrohungen und Cybersicherheit
Wir konstatieren eine Zunahme hybrider Kriegsführung, darunter Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und
andere Formen der Destabilisierung. Wir fordern eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den EU-
Mitgliedstaaten, um diesen Bedrohungen zu begegnen, die Resilienz zu verbessern und die kritische Infrastruktur zu schützen.
Wir betonen, dass es wichtig ist, robuste Cybersicherheitsmaßnahmen zu entwickeln und das öffentliche
Bewusstsein zu fördern, um unsere demokratischen Institutionen und Gesellschaften zu schützen.
Wir verurteilen aufs Schärfste jede vorsätzliche Zerstörung kritischer Infrastruktur in Europa. Wir unterstreichen,
dass es wichtig ist, die Anstrengungen zum Schutz von Unterseekabeln zu verstärken, was einen verbesserten
Informationsaustausch, neue Detektionstechnologien, Reparaturkapazitäten unter Wasser und internationale
Zusammenarbeit einschließt. Wir setzen uns weiterhin für die Gewährleistung der Resilienz und Sicherheit unserer
kritischen Infrastruktur ein.
Der Nahe Osten
Die humanitäre Lage in Gaza ist unerträglich. Wir fordern dringend eine Deeskalation der Spannungen im Nahen
Osten und einen sofortigen Waffenstillstand in Gaza.
Wir fordern die Hamas nachdrücklich auf, ihre Waffen abzugeben, die Kontrolle über den Gazastreifen
aufzugeben und alle Geiseln bedingungslos freizulassen.
Wir bedauern die katastrophale humanitäre Lage in Gaza, die inakzeptable Zahl ziviler Opfer und das Ausmaß
der Hungersnot. Der jüngsten Analyse der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) zufolge herrscht
in Gaza-Stadt derzeit nachweislich eine Hungersnot, die sich in den kommenden Wochen voraussichtlich weiter
ausbreiten wird. Dies ist eine von Menschen verursachte Katastrophe. Im Krieg werden viele verschiedene Arten
von Waffen eingesetzt, aber Lebensmittel dürfen niemals dazu gehören. Wir fordern ungehinderten Zugang nach
Gaza und die nachhaltige Verteilung humanitärer Hilfe in großem Umfang überall in Gaza.
Wir bekennen uns weiterhin entschlossen zu einem dauerhaften und nachhaltigen Frieden auf der Grundlage der
Zwei-Staaten-Lösung. Wir fordern alle Parteien auf, von Maßnahmen abzusehen, die deren Realisierbarkeit
untergraben.
Regionale Konflikte und Friedensprozesse
Wir setzen uns für ein stärkeres Engagement der EU bei der Lösung von Konflikten und der Unterstützung von
Friedensprozessen im Nahen Osten, im Südkaukasus und in Afrika ein. Wir betonen, dass es wichtig ist, das
humanitäre Völkerrecht zu wahren und den politischen Dialog zu fördern, um dauerhafte Lösungen zu erreichen.
Wir unterstützen die Bemühungen der EU, humanitäre Hilfe zu leisten und Friedensverhandlungen zu erleichtern.
Zukünftige Zusammenarbeit, Dialog und parlamentarische Kontrolle
Wir erkennen die Bedeutung eines kontinuierlichen Dialogs und einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen
den EU-Mitgliedstaaten, dem Europäischen Parlament, den nationalen Parlamenten und den Partnerländern bei
der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen im Bereich Sicherheit und Verteidigung an. Wir verpflichten
uns, die parlamentarische Kontrolle und Überwachung außenpolitischer Maßnahmen der EU zu verstärken, um
Transparenz und Rechenschaftspflicht zu gewährleisten.
Abschließend bekräftigen wir unsere gemeinsame Entschlossenheit, bei der Bewältigung der komplexen
Sicherheitsherausforderungen, denen sich die Europäische Union und ihre Partner gegenübersehen,
zusammenzuarbeiten. Wir bleiben geeint in unseren Bemühungen um die Förderung von Frieden, Sicherheit und Stabilität in Europa
und darüber hinaus.
Christian Friis Bach
Vorsitzender
Ausschuss für Außenpolitik
Folketinget
David McAllister
Vorsitzender
Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten
Europäisches Parlament
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- authored ← Deutsche Delegation in der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik
- part_of_vorgang → Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigun (Unterrichtung)