Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: ProtectEU - eine Europäische Strategie für die innere Sicherheit
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Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: ProtectEU - eine Europäische Strategie für die innere Sicherheit
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 188/25
30.04.25
EU - Fz - In - R - U - Vk
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: ProtectEU - eine
Europäische Strategie für die innere Sicherheit
COM(2025) 148 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 78/25 = AE-Nr. 250129;
Drucksache 167/25 = AE-Nr. 250290;
Drucksache 156/25 = AE-Nr. 250304
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Straßburg, den 1.4.2025
COM(2025) 148 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
ProtectEU – eine Europäische Strategie für die innere Sicherheit
1
1. ProtectEU – eine Europäische Strategie für die innere Sicherheit
Sicherheit ist der Grundstein, auf dem alle unsere Freiheiten aufbauen. Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte, das Wohlergehen der Europäerinnen und Europäer,
Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand – all dies hängt von unserer Fähigkeit ab, eine
grundlegende Sicherheitsgarantie zu bieten. Im neuen Zeitalter der Sicherheitsbedrohungen, in
dem wir uns gerade befinden, hängt die Fähigkeit der EU-Mitgliedstaaten, die Sicherheit ihrer
Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, mehr denn je von einem einheitlichen
europäischen Vorgehen zum Schutz unserer inneren Sicherheit ab. In einer sich
wandelnden geopolitischen Landschaft muss Europa weiterhin sein beständiges Versprechen
von Frieden einlösen.
Die ersten Schritte zum Aufbau eines europäischen Sicherheitsapparats wurden bereits
unternommen. In den letzten zehn Jahren haben wir die Union mit verbesserten kollektiven
Mechanismen für Maßnahmen in den Bereichen Strafverfolgung und justizielle
Zusammenarbeit, Grenzsicherheit, Bekämpfung der schweren und organisierten Kriminalität
sowie von Terrorismus und gewaltorientiertem Extremismus und Schutz der physischen und
digitalen kritischen Infrastrukturen der EU ausgestattet. Die ordnungsgemäße Umsetzung
bereits verabschiedeter Rechtsvorschriften und erarbeiteter politischer Maßnahmen ist nach wie
vor von entscheidender Bedeutung.
Angesichts der Art der heutigen Bedrohungen und der untrennbaren Verbindung zwischen der
inneren und der äußeren Sicherheit der EU müssen wir noch weiter gehen.
Die Bedrohungslage ist ernst. Die Grenzen zwischen hybriden Bedrohungen und offener
Kriegsführung verschwimmen. Russland führt eine hybride Online- und Offline-Kampagne
gegen die EU und ihre Partner, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische
Prozesse zu stören und zu untergraben und die Solidarität der EU mit der Ukraine auf die Probe
zu stellen. Feindselige ausländische Staaten und staatlich unterstützte Akteure versuchen,
unsere kritischen Infrastrukturen und Lieferketten zu infiltrieren und zu unterbrechen, sensible
Daten zu stehlen und sich für größtmögliche Störungen in der Zukunft zu positionieren. Sie
nutzen Straftaten wie Dienstleistungen und Kriminelle als Bevollmächtigte. Darüber hinaus
macht uns unsere Abhängigkeit von Drittländern in Bezug auf Lieferketten anfälliger für
hybride Kampagnen feindseliger Staaten.
Wie in der kürzlich von Europol vorgelegten Bewertung der Bedrohungslage im Bereich der
schweren und organisierten Kriminalität in der EU (EU Serious and Organised Crime Threat
Assessment, SOCTA)1 hervorgehoben, breiten sich mächtige Netze der organisierten
Kriminalität in Europa aus, werden online gefördert und wirken sich auf unsere Wirtschaft
und Gesellschaft aus. Hat die organisierte Kriminalität erst einmal in einer Gemeinschaft oder
in einem Wirtschaftszweig Fuß gefasst, wird ihre Ausrottung zu einem harten Kampf: Ein
Drittel der gefährlichsten kriminellen Netze ist seit mehr als zehn Jahren aktiv.
Kryptowährungen und parallele Finanzsysteme helfen ihnen, ihre Erlöse aus Straftaten zu
waschen und zu verbergen.
Die terroristische Bedrohung in Europa ist weiterhin akut. Regionale Krisen außerhalb der
EU haben einen Dominoeffekt und bieten terroristischen Akteure aus dem gesamten
ideologischen Spektrum neue Motivation, neue Mitglieder zu rekrutieren, zu mobilisieren oder
ihre Kapazitäten auszubauen. Sie richten ihre Radikalisierungs- und Rekrutierungsbemühungen
speziell auf die schwächsten Teile unserer Gesellschaft und insbesondere auf bestimmte junge
1 https://www.europol.europa.eu/cms/sites/default/files/documents/EU-SOCTA-2025.pdf.
2
Menschen aus. Sie motivieren Einzeltäter zu Anschlägen und fördern den Anstieg des
systemfeindlichen Extremismus, dessen Ziel es ist, die demokratische Rechtsordnung zu stören.
Der rasante technologische Fortschritt liefert uns wichtige Werkzeuge zur Verbesserung
unseres Sicherheitsapparats. Allerdings kommt es immer häufiger zu Cyberangriffen und
Informationsmanipulation aus dem Ausland unter Einsatz neuer Technologien wie künstlicher
Intelligenz (KI). Kinder, junge und ältere Menschen sind im Internet besonders gefährdet, und
die Verbreitung von Hass im Internet gefährdet die Meinungsfreiheit und den sozialen
Zusammenhalt.
Unser Leben ist weniger sicher geworden, was sich bei den Europäerinnen und Europäern
zunehmend bemerkbar macht – ihre Wahrnehmung von Sicherheit in der EU ist so stark
geschwächt, dass sich 64 % auf die Frage nach der Zukunft eher besorgt bezüglich der
Sicherheit in der EU äußern2. Auch Unternehmen sind zunehmend betroffen;
Fehlinformationen und Desinformation, Kriminalität und illegale Aktivitäten sowie
Cyberspionage gehören zu den zehn größten Risiken, die im Global Risks Report (Bericht über
weltweite Risiken) 2025 des Weltwirtschaftsforums3 ermittelt wurden.
Europäerinnen und Europäer sollten ihr Leben frei von Angst führen können, sei es auf der
Straße, zu Hause, an öffentlichen Orten, in der U-Bahn oder im Internet. Der Schutz der
Menschen, insbesondere derjenigen, die am anfälligsten für Angriffe sind, die in der Regel in
unverhältnismäßig hohem Maße Kinder, Frauen und Minderheiten einschließlich jüdischer und
muslimischer Gemeinschaften betreffen, steht im Mittelpunkt der Sicherheitsarbeit der EU.
Dies ist für den Aufbau widerstandsfähiger und von Zusammenhalt geprägter Gesellschaften
von entscheidender Bedeutung.
Die Kommission ist im Begriff, eine Europäische Strategie für die inneren Sicherheit
aufzustellen, um Bedrohungen in den kommenden Jahren besser begegnen zu können. Mit
einem verschärften rechtlichen Instrumentarium, einer engeren Zusammenarbeit und einem
verstärkten Informationsaustausch werden wir unsere Widerstandsfähigkeit und unsere
kollektive Fähigkeit verbessern, Sicherheitsbedrohungen vorherzusehen, zu verhindern, zu
erkennen und wirksam darauf zu reagieren. Ein einheitlicher Ansatz für die innere Sicherheit
kann die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, die Macht der Technologie zu nutzen, um die
Sicherheit zu stärken – und nicht zu schwächen – und gleichzeitig einen sicheren digitalen
Raum für alle zu fördern. Darüber hinaus wird durch solch einen einheitlichen Ansatz auch die
einheitliche Reaktion der Mitgliedstaaten auf globale politische und wirtschaftliche
Veränderungen, die sich auf die innere Sicherheit der Union auswirken, unterstützt.
Diese Strategie, die auf der Achtung der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechte beruht, ist an
drei Grundsätzen ausgerichtet.
Erstens: Ziel ist eine Veränderung der Sicherheitskultur. Wir brauchen einen
gesamtgesellschaftlichen Ansatz mit Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger und
Interessenträger, einschließlich Zivilgesellschaft, Forschung, Wissenschaft und privater
Einrichtungen. Bei den im Rahmen der Strategie ergriffenen Maßnahmen wird somit nach
Möglichkeit ein integrierter Multi-Stakeholder-Ansatz verfolgt.
Zweitens: Die Sicherheitserwägungen müssen in alle Rechtsvorschriften, Strategien und
Programme der EU, einschließlich des auswärtigen Handelns der EU, integriert und
durchgängig darin berücksichtigt werden. Rechtsvorschriften, Strategien und Programme
müssen unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten ausgearbeitet, überprüft und
2 Flash Eurobarometer FL550: EU Challenges and Priorities (Flash-Eurobarometer-Umfrage 550 zu
Herausforderungen und Prioritäten in der EU).
3 https://reports.weforum.org/docs/WEF_Global_Risks_Report_2025.pdf, S. 17.
3
umgesetzt werden, wobei sicherzustellen ist, dass die notwendigen Sicherheitserwägungen
berücksichtigt werden, um ein kohärentes und umfassendes Sicherheitskonzept zu fördern.
Drittens: Ein sicheres, geschütztes und widerstandsfähiges Europa erfordert erhebliche
Investitionen seitens der EU, ihrer Mitgliedstaaten und des Privatsektors. Die in dieser
Strategie festgelegten Prioritäten und Maßnahmen erfordern ausreichende personelle und
finanzielle Ressourcen, um ihre Umsetzung zu gewährleisten. Wie in der Mitteilung mit dem
Titel „Der Weg zum nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen“4 dargelegt, wird Europa zur
Stärkung seiner Autonomie die öffentlichen Ausgaben für Sicherheit erhöhen und die
Forschung und Investitionen im Bereich Sicherheit fördern müssen.
Diese Strategie ergänzt die Strategie der Union zur Krisenvorsorge5, in der ein integrierter
gefahrenübergreifender Ansatz für die Vorsorge für Konflikte, vom Menschen verursachte
Katastrophen bzw. Naturkatastrophen und Krisen dargelegt wird, sowie das Gemeinsame
Weißbuch zur europäischen Verteidigung – Bereitschaft 20306, durch das die Entwicklung
und der Erwerb von Verteidigungsfähigkeiten in der gesamten EU zur Abschreckung
feindlicher ausländischer Akteure unterstützt werden sollen. Die Kommission wird zudem
einen Europäischen Schutzschild für die Demokratie zur Stärkung der demokratischen
Resilienz in der EU vorschlagen. Zusammen bilden diese Initiativen die Vision für eine sichere,
geschützte und widerstandsfähige EU.
Eine neue europäische Governance im Bereich der inneren Sicherheit
Die Kommission wird eng mit den Mitgliedstaaten und den EU-Agenturen
zusammenarbeiten, um das Konzept der EU für die innere Sicherheit sowohl auf
strategischer als auch auf operativer Ebene zu verbessern.
Dies soll erreicht werden durch:
konsequente Ermittlung der potenziellen Auswirkungen neuer und überarbeiteter
Initiativen der Kommission auf die Sicherheit und Vorsorge von Anfang an und
während des gesamten Verhandlungsprozesses;
regelmäßige Sitzungen der Projektgruppe der Kommission zur inneren Sicherheit in
Europa, unterstützt durch sektorübergreifende strategische Zusammenarbeit
innerhalb der Kommission;
Präsentationen der Bedrohungsanalysen im Zusammenhang mit der inneren
Sicherheit zur Unterstützung der Arbeit des Sicherheitskollegs;
Gespräche mit den Mitgliedstaaten im Rat über die sich entwickelnden
Herausforderungen im Bereich der inneren Sicherheit auf der Grundlage der
Bedrohungsanalyse und des Austauschs über die wichtigsten politischen Prioritäten;
regelmäßige Berichterstattung an das Europäische Parlament und den Rat zur
Verfolgung und Unterstützung der systematischen Umsetzung wichtiger
Sicherheitsinitiativen.
2. Integrierte Lageerfassung und Bedrohungsanalyse
Wir werden die EU mit neuen Möglichkeiten zum Austausch und zur Zusammenführung von
Informationen ausstatten und eine regelmäßige Analyse der Bedrohungslage in Bezug auf die
4 COM (2025) 46 final.
5 JOIN(2025) 130 final.
6 JOIN(2025) 120 final.
4
innere Sicherheit in der EU vorlegen, die zu einer umfassenden Risiko- und Bedrohungsanalyse
beiträgt.
Sicherheit beginnt mit wirksamer Antizipation. Die EU muss sich auf eine umfassende,
ausreichend autonome und aktuelle Lageerfassung und Bedrohungsanalyse stützen.
Verwertbare nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die die Mitgliedstaaten durch das
Einheitliche Analyseverfahren (Single Intelligence Analysis Capacity, SIAC) als zentrale Stelle
für die Zusammenführung dieser Erkenntnisse der Mitgliedstaaten weiter verbessern sollten,
sind für die Bewertung und Abwehr von Bedrohungen von entscheidender Bedeutung und
dienen als Grundlage für politische und gesetzgeberische Maßnahmen7. Wir müssen auf EU-
Ebene wirksamer und kooperativer auf nachrichtendienstliche Analysen und
Gefahrenabschätzungen zurückgreifen.
Aufbauend auf den verschiedenen Risiko- und Gefahrenabschätzungen, die auf EU-Ebene und
für bestimmte Sektoren vorgenommen werden8, wird die Kommission regelmäßige Analysen
der Bedrohungslage in Bezug auf die innere Sicherheit in der EU erstellen, um die
wichtigsten sicherheitsbezogenen Herausforderungen zu ermitteln und daraus politische
Prioritäten abzuleiten. Diese sollen dazu beitragen, eine flexible und reaktionsschnelle Politik
der inneren Sicherheit zu entwickeln, die den sich wandelnden Bedrohungen erfolgreich
entgegenwirkt, Menschen und Unternehmen besser vor Angriffen schützt und gezielte
politische Maßnahmen zeitnah ermöglicht. Diese Analysen der Bedrohungslage in Bezug auf
die innere Sicherheit in der EU sollen auch zu der umfassenden (sektorübergreifenden, alle
Gefahren umfassenden) Risiko- und Gefahrenabschätzung für die EU beitragen, die von
der Kommission und der Hohen Vertreterin – wie in der Strategie der Union zur Krisenvorsorge
dargelegt – vorgenommen wird.
Vertrauen und eine sichere Handhabung sind für den Informationsaustausch unerlässlich, und
dies erfordert eine zuverlässige und sichere Infrastruktur. Die Organe, Einrichtungen und
sonstigen Stellen der EU müssen sicherstellen, dass sie in der Lage sind, sichere
Kommunikationskanäle für den Austausch sensibler Informationen und Verschlusssachen
untereinander und mit den Mitgliedstaaten zu nutzen. Investitionen in interoperable sichere
Systeme und zuverlässige Technologien werden die Autonomie der EU stärken und die
Fähigkeit der EU verbessern, Krisen zu bewältigen und operationale Resilienz zu
gewährleisten. In diesem Zusammenhang fordert die Kommission die beiden gesetzgebenden
Organe nachdrücklich auf, die Verhandlungen über die vorgeschlagene Verordnung über die
Informationssicherheit in den Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union
abzuschließen, insbesondere um einen gemeinsamen Rahmen für den Umgang mit nicht als
Verschlusssache eingestuften sensiblen Informationen und Verschlusssachen sicherzustellen9.
Um ihre eigene operative Sicherheit und Lageerfassung zu gewährleisten, wird die Kommission
ihren Rahmen für die Governance im Bereich der institutionellen Sicherheit überarbeiten und
ein Integriertes Sicherheitseinsatzzentrum (Integrated Security Operations Centre,
ISOC) einrichten, um Menschen, materielle Vermögenswerte und Operationen an allen
7 Safer Together – Strengthening Europe’s Civilian and Military Preparedness and Readiness, S. 23.
8 Zu den sektorspezifischen Gefahrenabschätzungen, die in diese Bedrohungsanalyse einfließen sollen, gehören
die SOCTA, der Tendenz- und Lagebericht über den Terrorismus in der EU (EU Terrorism Situation & Trend
Report, TE-SAT), der Gemeinsame Cyberbewertungsbericht (Joint Cyber Assessment Report, JCAR) sowie
künftige Bewertungen der Bedrohungen, Risiken und Methoden der Geldwäsche und der
Terrorismusfinanzierung, die von der Kommission und der Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und
Terrorismusfinanzierung durchgeführt werden.
9 COM(2022) 119 final.
5
Standorten der Kommission zu schützen. Die Kommission wird auch ihre operativen und
analytischen Kapazitäten zur Ermittlung und Eindämmung hybrider Bedrohungen ausbauen.
Im Einklang mit der Strategie der Union zur Krisenvorsorge werden Vorsorge- und
Sicherheitserwägungen in die Rechtsvorschriften, Strategien und Programme der EU
einbezogen und durchgängig darin berücksichtigt. Bei der Ausarbeitung oder Überprüfung von
Rechtsvorschriften, Strategien oder Programmen unter Berücksichtigung von Vorsorge- und
Sicherheitsaspekten wird die Kommission konsequent die potenziellen Auswirkungen der
bevorzugten politischen Option auf Vorsorge und Sicherheit ermitteln. Zu diesem Zweck
werden politische Entscheidungsträger in der Kommission regelmäßig geschult.
Zur Unterstützung der Mitgliedstaaten wird die Kommission die sich entwickelnden
Herausforderungen im Bereich der inneren Sicherheit und die wichtigsten politischen
Prioritäten mit dem Rat erörtern und ihn regelmäßig über den neusten Stand bei der Umsetzung
der Strategie in Kenntnis setzen. Darüber hinaus wird die Kommission das Europäische
Parlament und die einschlägigen Interessenträger auf dem Laufenden halten und sie an allen
einschlägigen Maßnahmen beteiligen.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird
regelmäßige Bedrohungsanalysen für Herausforderungen in Bezug auf die innere
Sicherheit in der EU erstellen und vorlegen.
Die Mitgliedstaaten werden nachdrücklich aufgefordert,
den Austausch nachrichtendienstlicher Erkenntnisse mit dem SIAC zu verbessern
und für einen besseren Informationsaustausch mit den Agenturen und
Einrichtungen der EU zu sorgen.
Das Europäische Parlament und der Rat werden aufgefordert,
die Verhandlungen über die vorgeschlagene Verordnung über die
Informationssicherheit in den Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der
Union abzuschließen.
3. Verstärkte Sicherheitskapazitäten der EU
Wir werden neue Instrumente für die Strafverfolgung entwickeln, beispielsweise ein
umgestaltetes Europol, sowie bessere Mittel zur Koordinierung und Gewährleistung eines
sicheren Datenaustauschs und eines rechtmäßigen Zugangs zu Daten bereitstellen.
Um sich wandelnde Bedrohungen wirksam zu bewältigen, muss die EU ihre
Sicherheitskapazitäten ausbauen und Innovationen fördern. Als Hauptakteure im Kampf gegen
Bedrohungen der inneren Sicherheit benötigen Strafverfolgungs- und Justizbehörden die
richtigen operativen Instrumente und Fähigkeiten, um rasch und wirksam handeln zu können.
Es ist wichtig, dass diese Behörden in der Lage sind, grenzüberschreitend und
diensteübergreifend zu kommunizieren und zu koordinieren, um eine wirksame Prävention,
Aufdeckung, Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung zu gewährleisten.
Agenturen und Einrichtungen der EU für innere Sicherheit
Die Agenturen und Einrichtungen der EU in den Bereichen Justiz, Inneres und Cybersicherheit
spielen eine Schlüsselrolle in der Sicherheitsarchitektur der EU – eine Rolle, die mit der
Ausweitung ihrer Zuständigkeiten weiter wächst.
6
Europol ist heute – 25 Jahre nach seiner Gründung – wichtiger denn je für den EU-
Sicherheitsrahmen. Es unterstützt komplexe grenzüberschreitende Ermittlungen, erleichtert den
Informationsaustausch, entwickelt innovative Instrumente für die Polizeiarbeit und bietet
fortgeschrittenes Fachwissen für die Strafverfolgung. Mehrere Faktoren hindern Europol
jedoch daran, sein operatives Potenzial zur Unterstützung von Ermittlungstätigkeiten und
operativen Tätigkeiten zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität voll
auszuschöpfen: Sie reichen von unzureichenden Ressourcen bis hin zu dem Umstand, dass das
derzeitige Mandat von Europol neue Sicherheitsbedrohungen wie Sabotage, hybride
Bedrohungen oder Informationsmanipulation nicht abdeckt. Aus diesem Grund wird die
Kommission eine ehrgeizige Überarbeitung des Mandats von Europol vorschlagen, um
Europol zu einer wirklich operativen Polizeiagentur zu machen, die die Mitgliedstaaten besser
unterstützt. Ziel ist es, das technologische Fachwissen und die Kapazitäten von Europol zur
Unterstützung der nationalen Strafverfolgungsbehörden zu stärken, die Koordinierung mit
anderen Agenturen und Einrichtungen sowie mit den Mitgliedstaaten zu verbessern,
strategische Partnerschaften mit Partnerländern und dem Privatsektor zu intensivieren und eine
verstärkte Aufsicht über Europol sicherzustellen.
Darüber hinaus wird die Kommission darauf hinarbeiten, die Wirksamkeit und
Komplementarität der EU-Agenturen und -Einrichtungen für die innere Sicherheit
weiter zu verbessern und die nahtlose Zusammenarbeit zwischen ihnen zu stärken.
Das Mandat der Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in
Strafsachen (Eurojust) wird im Hinblick auf eine wirksamere justizielle Zusammenarbeit
überprüft und gestärkt, wobei die Komplementarität und Zusammenarbeit mit Europol
verbessert werden. Dazu gehört auch die Verbesserung der Effizienz von Eurojust sowie ihrer
Fähigkeit, proaktiv Unterstützung und Analysen für die Justizbehörden der Mitgliedstaaten
bereitzustellen. Darüber hinaus wird die Kommission angesichts der einzigartigen
Zuständigkeit der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) für die Ermittlung und
Verfolgung von Straftaten zum Nachteil der finanziellen Interessen der Union prüfen, wie die
Fähigkeit der EUStA zum Schutz der Unionsmittel am besten gestärkt werden kann. Dazu
gehört auch die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen der EUStA und Europol.
Ein effizienter und sicherer Informationsaustausch zwischen den Agenturen ist für die
Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Europol und die Europäische Agentur für die
Grenz- und Küstenwache (Frontex) müssen gemäß der gemeinsamen Erklärung vom Januar
2024 rasch Informationen austauschen, auch zu operativen Zwecken10. Die Agentur der
Europäischen Union für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Raum der
Freiheit, der Sicherheit und des Rechts (eu-LISA) spielt eine zentrale Rolle bei der
Gewährleistung der sicheren Speicherung und Verfügbarkeit von Daten für eine bessere
Koordinierung und einen effizienteren Informationsaustausch zwischen den Agenturen. Die
Agentur der Europäischen Union für Grundrechte stellt Fachwissen zum Schutz der
Grundrechte bei der Entwicklung und Umsetzung von Sicherheitsstrategien zur bereit.
Die EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (Anti-
Money Laundering Authority, AMLA) wurde ermächtigt, Informationen nach dem
Treffer/Kein-Treffer-Verfahren mit Informationen abzugleichen, die von Europol, der EUStA,
von Eurojust und vom Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) zur Verfügung
gestellt werden, um gemeinsame Analysen grenzüberschreitender Fälle durchzuführen.
10 https://www.europol.europa.eu/cms/sites/default/files/documents/europol-
frontex_joint_statement_signed_31.1.2024.pdf.
7
Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) spielt eine zentrale
Rolle bei der Umsetzung der europäischen Rechtsvorschriften zur Cybersicherheit. Bei der
anstehenden Überarbeitung des Rechtsakts zur Cybersicherheit wird die Kommission das
Mandat der ENISA prüfen und eine Modernisierung vorschlagen, um den EU-Mehrwert dieser
Agentur zu stärken.
Die Zusammenarbeit zwischen den Zollbehörden und anderen Strafverfolgungsbehörden wird
durch die vorgeschlagene Einrichtung der EU-Zollbehörde und der EU-Zolldatenplattform
im Rahmen des EU-Zollreformpakets verstärkt. Informationen aus der künftigen Plattform und
damit zusammenhängende Daten von Europol, Eurojust, der EUStA, dem OLAF, der AMLA
und Frontex werden im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeiten die gemeinsame Analyse
verbessern und zu kohärenteren operativen Tätigkeiten, insbesondere an den Außengrenzen,
beitragen. Die Kommission fordert die beiden gesetzgebenden Organe auf, die Verhandlungen
über die EU-Zollreform rasch abzuschließen, und wird sie dabei weiterhin unterstützen.
Die Verbesserung der Komplementarität zwischen der EUStA, dem OLAF, Europol, Eurojust,
der AMLA und der vorgeschlagenen EU-Zollbehörde wird auch auf den Ergebnissen der
laufenden Überprüfung der Betrugsbekämpfungsarchitektur der EU aufbauen. Die innere
Sicherheit kann von diesem ganzheitlichen Ansatz profitieren, bei dem der Schwerpunkt auf
einer besseren Nutzung sowohl strafrechtlicher als auch administrativer Mittel, der
Interoperabilität der IT-Systeme und der verbesserten Zusammenarbeit liegt.
Kritische Kommunikation
Heutzutage werden kritische Kommunikationssysteme11 in den meisten Fällen isoliert auf
nationaler Ebene betrieben. Dies bedeutet, dass Ersthelfer beim Grenzübertritt in andere
Mitgliedstaaten häufig nicht mit ihren Kollegen kommunizieren können. In einigen
Mitgliedstaaten bestehen zudem Beschränkungen hinsichtlich der Kommunikation zwischen
verschiedenen Arten von Ersthelfern (z. B. Polizei und Sanitätern). Die Standards der meisten
Systeme entsprechen nicht den derzeitigen Anforderungen in Bezug auf Funktionalität und
Resilienz, wodurch die Reaktionsfähigkeit der Ersthelfer, insbesondere über Grenzen hinweg,
erheblich eingeschränkt wird.
Um die Reaktionsfähigkeit der EU auf Krisen zu verbessern, wird die Kommission
Rechtsvorschriften zur Schaffung eines Europäischen Systems für kritische
Kommunikation (European Critical Communication System, EUCCS) vorschlagen, um
die kritischen Kommunikationssysteme der nächsten Generation in der EU miteinander zu
verknüpfen. Das EUCCS soll sich auf drei strategische Säulen stützen: operative Mobilität,
ausgeprägte Resilienz und strategische Autonomie. Die EUCCS-Initiative, in deren Rahmen
harmonisierte Anforderungen festgelegt werden sollen, soll dazu beitragen, die kritischen
Kommunikationssysteme der Mitgliedstaaten zu modernisieren, damit sie nahtlos funktionieren
können. Außerdem soll die Systemabdeckung durch das künftige multiorbitale System IRIS212
ausgeweitet werden. Durch EU-finanzierte Projekte sollen die technischen Kapazitäten für das
EUCCS aufgebaut werden, wobei in erster Linie auf europäische Technologieanbieter
zurückgegriffen wird, um die strategische Autonomie der EU in diesem sensiblen Sektor zu
fördern.
11 Dies trifft auf die Netze zu, die von Strafverfolgungsbehörden, Grenzschutzbeamten, Zollbehörden,
Katastrophenschutzbehörden, Feuerwehrleuten, Sanitätern und anderen wichtigen Akteuren im Bereich der
öffentlichen Sicherheit genutzt werden.
12 EU-Infrastruktur für Resilienz, Interkonnektivität und Sicherheit durch Satelliten (EU Infrastructure for
Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite).
8
Rechtmäßiger Zugang zu Daten
Strafverfolgungsbehörden und Justizbehörden müssen in der Lage sein, Straftaten zu
untersuchen und dagegen vorzugehen. Heute haben fast alle Formen der schweren und
organisierten Kriminalität einen digitalen Fußabdruck13. Etwa 85 % der strafrechtlichen
Ermittlungen hängen nunmehr von der Fähigkeit der Strafverfolgungsbehörden ab, auf digitale
Informationen zuzugreifen14.
Die hochrangige Gruppe für den Zugang zu Daten für eine wirksame Strafverfolgung hob
in ihrem abschließenden Bericht15 hervor, dass die Strafverfolgungs- und Justizbehörden in den
letzten zehn Jahren gegenüber Kriminellen an Boden verloren haben, da sich Kriminelle
Instrumente und Produkte zunutze machen, die in anderen Rechtsordnungen von Anbietern
bereitgestellt werden, die Maßnahmen ergriffen haben, wodurch ihnen die Möglichkeit
genommen wird, bei rechtmäßigen Ersuchen in Einzelfällen zusammenzuarbeiten. Die
systematische Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden und privaten Parteien,
einschließlich Diensteanbietern, ist daher für künftige Bemühungen zur Zerschlagung der
gefährlichsten kriminellen Netze und Einzelpersonen in der Union und darüber hinaus von
entscheidender Bedeutung.
Da die Digitalisierung immer weiter um sich greift und Kriminellen eine ständig wachsende
Zahl neuer Instrumente bietet, ist ein Rahmen für den Zugang zu Daten, der den Erfordernissen
der Durchsetzung unserer Gesetze und des Schutzes unserer Werte entspricht, unerlässlich.
Gleichzeitig ist es für die Wahrung der Cybersicherheit und den Schutz vor neu auftretenden
Sicherheitsbedrohungen ebenso wichtig sicherzustellen, dass digitale Systeme vor unbefugtem
Zugriff geschützt sind. Bei solchen Zugangsrahmen müssen auch die Grundrechte gewahrt
werden und es muss mitunter für einen angemessenen Schutz der Privatsphäre und der
personenbezogenen Daten gesorgt werden.
In den letzten Jahren hat die EU Maßnahmen zur Bekämpfung der Online-Kriminalität
sowie zur Erleichterung des Zugangs zu digitalen Beweismitteln für alle Straftaten
ergriffen; dazu wurden Vorschriften für elektronische Beweismittel angenommen, die im
August 2026 vollständig in Kraft treten16. Diese werden durch internationale Instrumente für
den Austausch von Informationen und Beweismitteln ergänzt. Die Kommission wird in Kürze
die Unterzeichnung und den Abschluss des neuen Übereinkommens der Vereinten Nationen
über Cyberkriminalität vorschlagen.
Um den Empfehlungen der hochrangigen Gruppe17 nachzukommen, wird die Kommission im
ersten Halbjahr 2025 einen Fahrplan vorlegen, in dem die von ihr vorgeschlagenen
rechtlichen und praktischen Maßnahmen zur Gewährleistung eines rechtmäßigen und
wirksamen Zugangs zu Daten dargelegt werden. Im Rahmen der Folgemaßnahmen zu
diesem Fahrplan wird die Kommission einer Bewertung der Auswirkungen der Vorschriften
über die Vorratsdatenspeicherung auf EU-Ebene und der Ausarbeitung eines
13 https://www.europol.europa.eu/cms/sites/default/files/documents/EU-SOCTA-2025.pdf.
14 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:52019PC0070.
15 Concluding report of the High-Level Group on access to data for effective law enforcement, 15.11.2024,
abrufbar unter https://home-affairs.ec.europa.eu/document/download/4802e306-c364-4154-835b-
e986a9a49281_en?filename=Concluding%20Report%20of%20the%20HLG%20on%20access%20to%20data%2
0for%20effective%20law%20enforcement_en.pdf.
16 Verordnung (EU) 2023/1543 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Juli 2023 über Europäische
Herausgabeanordnungen und Europäische Sicherungsanordnungen für elektronische Beweismittel in
Strafverfahren und für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen nach Strafverfahren (ABl. L 191 vom 28.7.2023,
S. 118).
17 Schlussfolgerungen des Rates zum Zugang zu Daten für eine wirksame Strafverfolgung (12. Dezember 2024),
abrufbar unter https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-16448-2024-INIT/de/pdf.
9
Technologiefahrplans für Verschlüsselung Vorrang einräumen, um technologische
Lösungen zu ermitteln und zu bewerten, die es den Strafverfolgungsbehörden ermöglichen, auf
rechtmäßige Weise und unter Wahrung der Cybersicherheit und der Grundrechte auf
verschlüsselte Daten zuzugreifen.
Operative Zusammenarbeit
Die Kommission wird mit den Mitgliedstaaten, den Agenturen und Einrichtungen der EU sowie
Partnerländern zusammenarbeiten, um die operative Zusammenarbeit zu stärken, die für einen
wirksameren Ansatz zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität
und des Terrorismus von wesentlicher Bedeutung ist.
Als wichtigster EU-Rahmen für gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung der schweren und
organisierten Kriminalität hat die Europäische multidisziplinäre Plattform gegen kriminelle
Bedrohungen (European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats,
EMPACT) beachtliche operative Ergebnisse erzielt. Der nächste EMPACT-Zyklus 2026-2029
bietet die Gelegenheit, diesen Rahmen noch weiter zu stärken. Um die gefährlichsten
kriminellen Netze zu zerschlagen und kriminelle Einzelpersonen an ihrem Tun zu hindern,
muss die Union ihr Vorgehen straffen und den Fokus auf die dringendsten Prioritäten legen,
wobei die Mitgliedstaaten stärker in die Pflicht genommen werden müssen und eine wirksame
Nutzung der Ressourcen sicherzustellen ist.
Zu diesem Zweck wird die Kommission mit den Ratsvorsitzen und den Mitgliedstaaten
zusammenarbeiten, um das Potenzial von EMPACT zu maximieren und die wichtigsten
Prioritäten für den nächsten EMPACT-Zyklus 2026-2029 anzugehen. In diesen prioritären
Bereichen besteht Bedarf an nachrichtendienstlichen Erkenntnissen über die gefährlichsten
kriminellen Netze, an gemeinsamen Ermittlungen und operativen Taskforces sowie einer
entschlossenen justiziellen Reaktion, einschließlich des Grundsatzes „Follow the money“.
Darüber hinaus muss die Union gegen die kriminelle Rekrutierung und Infiltration vorgehen
und die behördenübergreifende und internationale Zusammenarbeit und Ausbildung im Bereich
der Strafverfolgung stärken.
Die Kommission wird auch andere Formen der grenzüberschreitenden operativen
Zusammenarbeit im Bereich der Strafverfolgung zwischen den Mitgliedstaaten und
assoziierten Schengen-Ländern unterstützen. Der Schengen-Raum, in dem es keine
Kontrollen an den Binnengrenzen gibt, erfordert eine enge Zusammenarbeit und einen
Informationsaustausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedstaaten, um ein
hohes Maß an innerer Sicherheit zu gewährleisten. Auch heute stehen Strafverfolgungsbeamte
bei der Überwachung oder Durchführung dringender grenzüberschreitender Maßnahmen nach
wie vor vor Herausforderungen18, und auch die Abwehr hybrider Bedrohungen erfordert auch
eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Es sollte eine hochrangige Gruppe zur
Zukunft der operativen Zusammenarbeit im Bereich der Strafverfolgung eingerichtet
werden, um eine gemeinsame strategische Vision zu entwickeln.
Ein effizienter Datenaustausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden ist auch für eine
wirksame grenzüberschreitende Zusammenarbeit wesentlich. Sobald die
Interoperabilitätsarchitektur eingerichtet ist, wird sie Strafverfolgungsbehörden und Europol
einen effektiven Zugang zu wichtigen Informationen ermöglichen. Gleichzeitig sollten die EU
und ihre Mitgliedstaaten dem bilateralen und multilateralen Informationsaustausch durch die
18 Siehe Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen „Assessment of the effect given by the Member States to
Council Recommendation (EU) 2022/915 of 9 June 2022 on operational law enforcement cooperation
(5909/25)“.
10
rechtliche und technische Umsetzung der Prüm-II-Verordnung19 in Zusammenarbeit mit eu-
LISA und Europol Vorrang einräumen. Dies wird einen sicheren automatisierten Austausch
von Fingerabdrücken, DNA-Profilen, Fahrzeugzulassungsdaten, Gesichtsbildern und
Polizeiakten über EU-Router ermöglichen. Auf nationaler Ebene müssen die Mitgliedstaaten
die Richtlinie über den Informationsaustausch20 umsetzen, um die Kanäle für den
Informationsaustausch für einen nahtlosen grenzüberschreitenden Informationsfluss zu
verbessern und gleichzeitig ihre Integration mit Systemen auf Unionsebene wie der SIENA21
sicherzustellen.
Eine wirksame grenzüberschreitende Zusammenarbeit setzt auch die Förderung einer
gemeinsamen EU-Strafverfolgungskultur voraus. Gemeinsame Schulungen,
Kompetenzzentren und Mobilitätsprogramme sind für die Erreichung dieses Ziels von
entscheidender Bedeutung. Die Kommission wird prüfen, wie die EU Schulungen für die
Behörden der Mitgliedstaaten am besten unterstützen kann, wobei sie auf die Agentur der
Europäischen Union für die Aus- und Fortbildung auf dem Gebiet der Strafverfolgung
(CEPOL) zurückgreift.
Verstärkte Sicherheit an den Grenzen
Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Sicherheit der Außengrenzen ist von
entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, hybriden Bedrohungen wie dem Einsatz von
Migration als Waffe entgegenzuwirken, das Eindringen bedrohlicher Akteure und die Einfuhr
bedrohlicher Waren in die EU zu verhindern und grenzüberschreitende Kriminalität und
Terrorismus wirksam zu bekämpfen. Das Schengener Informationssystem (SIS) soll 2026
dahingehend erweitert werden, dass die Mitgliedstaaten Ausschreibungen über an
Terrorismus beteiligte Drittstaatsangehörige, einschließlich ausländischer terroristischer
Kämpfer, und über Drittstaatsangehörige, die an anderen schweren Straftaten beteiligt sind, auf
der Grundlage von Daten eingeben können, die von Drittstaaten an Europol weitergegeben
werden.
Durch die verbesserte Interoperabilität der großen EU-Informationssysteme erhalten die
Mitgliedstaaten wesentliche Informationen über Personen aus Drittstaaten, die Außengrenzen
überschreiten oder überschreiten wollen, was den Behörden dabei hilft, die Voraussetzungen
für die Genehmigung der Einreise in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten zu bewerten22. Die
Kommission wird weiterhin eng mit den Mitgliedstaaten und eu-LISA zusammenarbeiten, um
diese Systeme, insbesondere das Einreise-/Ausreisesystem (Entry/Exit System, EES), das
Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem (European Travel
Information and Authorisation System, ETIAS) und das überarbeitete Visa-
19 Verordnung (EU) 2024/982 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. März 2024 über die
automatisierte Abfrage und den Austausch von Daten für die polizeiliche Zusammenarbeit und zur Änderung der
Beschlüsse 2008/615/JI und 2008/616/JI des Rates sowie der Verordnungen (EU) 2018/1726, (EU) 2019/817 und
(EU) 2019/818 des Europäischen Parlaments und des Rates (Prüm-II-Verordnung) (ABl. L. 2024/982 vom
5.4.2024).
20 Richtlinie (EU) 2023/977 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Mai 2023 über den
Informationsaustausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden der Mitgliedstaaten und zur Aufhebung des
Rahmenbeschlusses 2006/960/JI des Rates (ABl. L 134 vom 22.5.2023, S. 1).
21 Netzanwendung für den sicheren Datenaustausch (Secure Information Exchange Network Application).
22 Insbesondere wird das EES es den Mitgliedstaaten ermöglichen, Drittstaatsangehörige an den Außengrenzen
des Schengen-Raums zu identifizieren und ihre Ein- und Ausreisen zu erfassen, was eine systematische
Identifizierung von Aufenthaltsüberziehern ermöglicht. Vor der Ankunft eines Drittstaatsangehörigen an den
Außengrenzen können die Mitgliedstaaten anhand des ETIAS und des VIS vorab prüfen, ob die Anwesenheit eines
Drittstaatsangehörigen im Gebiet der EU ein Sicherheitsrisiko darstellt.
11
Informationssystem (VIS), rasch umzusetzen und ihren reibungslosen Betrieb und ihre
Sicherheitsvorteile zu gewährleisten.
Um die Grenzsicherheit weiter zu verbessern und die Zusammenarbeit in der EU angesichts
sich wandelnder Bedrohungen zu stärken, wird die Kommission eine Stärkung von Frontex
vorschlagen. Die Personalausstattung von Frontex sollte im Laufe der Zeit auf 30 000 erhöht
werden. Die Agentur sollte mit fortschrittlichen Technologien für die Überwachung und
Lageerfassung ausgestattet werden, einschließlich nachrichtendienstlicher Erkenntnisse, die für
die integrierte europäische Grenzverwaltung relevant sind, und Zugang zu robusten staatlichen
Erdbeobachtungsdiensten der EU für die Grenzkontrolle erhalten, die bis 2027 eingeführt
werden sollen. Dies sollte die Fähigkeit zur Aufdeckung, Verhütung und Bekämpfung
grenzüberschreitender Kriminalität an den Außengrenzen weiter verbessern und die
Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Durchführung von Rückführungen verstärken,
insbesondere in Bezug auf Drittstaatsangehörige, die ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Dokumenten- und Identitätsbetrug fördert die Schleuserkriminalität, den Menschenhandel,
kriminelle Bewegungen im Verborgenen sowie den illegalen Warenhandel. Sobald der
Detektor für Mehrfachidentitäten (multiple-identity detector, MID)23 einsatzbereit ist,
wird er die Fähigkeit der nationalen Behörden verbessern, Personen mit Mehrfachidentitäten
zu ermitteln und Identitätsbetrug zu bekämpfen. Die Kommission wird sondieren, wie die
Sicherheit von Reise- und Aufenthaltsdokumenten, die EU-Bürgerinnen und -Bürgern und
Drittstaatsangehörigen ausgestellt werden, verbessert werden kann. Ferner wird die
Kommission prüfen, wie die europäische Brieftasche für die Digitale Identität, die bis
Ende 2026 im Zuge des europäischen Rahmens für eine digitale Identität eingeführt werden
soll, dazu beitragen kann, die Sicherheit von Reisedokumenten zu erhöhen und die
Identitätsüberprüfung zu verbessern. Dies wird die Vorschläge zum digitalen Reiseausweis und
zur digitalen EU-Reise-App24 ergänzen.
Reiseinformationen sind für die Behörden von entscheidender Bedeutung, um Bewegungen
von Kriminellen, Terroristen und anderen Personen, von denen eine Sicherheitsbedrohung
ausgeht, zu erkennen und zu untersuchen. Zwar gibt es einen EU-Rahmen für Informationen
im Bereich des gewerblichen Luftverkehrs25, die Verarbeitung von Daten anderer
Verkehrsträger zu Strafverfolgungszwecken ist jedoch fragmentiert. Somit können Kriminelle
und Terroristen verschiedene Verkehrsträger für illegale Aktivitäten nutzen, ohne entdeckt zu
werden. Die Kommission wird mit den Mitgliedstaaten und dem Verkehrssektor
zusammenarbeiten, um den Rahmen für Reiseinformationen zu stärken; dazu wird eine
Unionsregelung geprüft, mit der Betreiber von Privatflügen zur Erhebung und Übermittlung
von Fluggastdatensätzen verpflichtet werden, und es werden die Vorschriften für die
Verarbeitung von Fluggastdatensätzen bewertet und Möglichkeiten zur Straffung der
Verarbeitung von Informationen im Seeverkehr sondiert. Für den Straßenverkehr wird die
Kommission eine erweiterte Nutzung von Systemen zur automatischen
Nummernschildererkennung prüfen und die Möglichkeiten für Synergien mit dem SIS
erhöhen.
23 Der MID ist eine der Interoperabilitätskomponenten, die durch die Verordnung (EU) 2019/818 und die
Verordnung (EU) 2019/817 eingeführt wurden.
24 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_24_5047.
25 Fluggastdatensätze (passenger name record, PNR) und vorab übermittelte Fluggastdaten (advance passenger
information, API) gemäß der Richtlinie (EU) 2016/681 („PNR-Richtlinie“) und der Verordnungen (EU) 2025/12
und (EU) 2025/13 („API-Verordnungen“).
12
Vorausschau, Innovation und auf Fähigkeiten ausgerichteter Ansatz
Die Kommission wird einen umfassenden vorausschauenden Ansatz für die innere
Sicherheit auf EU-Ebene entwickeln, der sich auf die auf nationaler Ebene ermittelten
bewährten Verfahren stützt. Dieser Ansatz wird die Politikgestaltung unterstützen und
Investitionen in einschlägige EU-finanzierte Sicherheitsforschung und -innovation lenken.
Durch die Schaffung von Lösungen zur Bekämpfung neu auftretender Bedrohungen, auch
durch den Missbrauch von Technologie26, spielen Forschung und Innovation eine
entscheidende Rolle in Bezug auf die innere Sicherheit. Die EU muss weiterhin über EU-
finanzierte Sicherheitsforschung und -innovation27 in die Entwicklung innovativer Instrumente
und Lösungen investieren, um Sicherheitsbedrohungen unter Einhaltung der EU-Vorschriften
und der Grundrechte zu begegnen. Die Kommission sollte den Übergang von der Forschung
zur Einführung unterstützen, um die wirksame Nutzung dieser modernen Fähigkeiten
sicherzustellen, wobei der Schwerpunkt auf modernen Technologien wie künstlicher
Intelligenz liegen sollte. Dieser Ansatz sollte Schulungen zur Verbesserung der Nutzung von
KI-Systemen und anderen technischen Kapazitäten durch Strafverfolgungs- und Justizbehörden
umfassen. Darüber hinaus sollte gegebenenfalls das Potenzial von Technologien mit doppeltem
Verwendungszweck in beide Richtungen (von zivil zu militärisch und von militärisch zu zivil)
genutzt werden28.
Das europäisches Innovationszentrum für innere Sicherheit29, ein Netz von
Innovationslaboren, die die neuesten innovativen Neuerungen und wirksamen Lösungen zur
Unterstützung der Arbeit der Akteure der inneren Sicherheit in der EU und den Mitgliedstaaten
bereitstellen, wird dazu beitragen, die Forschung in die Praxis und die Politik zu integrieren.
Um die Wirksamkeit von Europol zu verbessern, muss das Instrumentenarchiv von Europol
gestärkt werden, damit fortschrittliche Technologien ermittelt, entwickelt, gemeinsam beschafft
und operativ angewendet werden können. Darüber hinaus wird die Kommission in ihrer
Gemeinsamen Forschungsstelle einen Campus für Sicherheitsforschung und -innovation
einrichten, in dem Forscher zusammenkommen, um den Zyklus von Forschungsergebnissen zu
Innovation, Entwicklung und erfolgreicher Umsetzung zu verkürzen und gleichzeitig die
Kosten für Entwicklung, Erprobung und Validierung zu senken.
Unser Europäischer Forschungsraum ist auf Kooperation ausgerichtet und daher anfällig für
Einflussnahme aus dem Ausland und Desinformation. Nach der Annahme der Empfehlung des
Rates zur Forschungssicherheit30 ergreifen die Kommission und die Mitgliedstaaten
Maßnahmen zur Stärkung der einschlägigen Akteure, unter anderem durch die Einrichtung
eines Kompetenzzentrums für Forschungssicherheit.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird im Jahr 2026 Folgendes annehmen:
einen Legislativvorschlag zur Umwandlung von Europol in eine wirklich operative
Strafverfolgungsbehörde;
einen Legislativvorschlag zur Stärkung von Eurojust;
26 Siehe den Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission mit dem Titel „Emerging
risks and opportunities for EU internal security stemming from new technologies”, abrufbar unter
https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC139674.
27 Study on strengthening EU-funded security research and innovation – 20 years of EU-Funded Civil Security
Research and Innovation – 2025, abrufbar unter https://data.europa.eu/doi/10.2837/0004501.
28 Wie im Niinistö-Bericht dargelegt.
29 EU Innovation Hub for Internal Security | Europol.
30 ABl. C/2024/3510, 30.5.2024.
13
einen Legislativvorschlag zur Stärkung der Rolle und der Aufgaben von Frontex;
einen Legislativvorschlag zur Einrichtung eines Europäischen Systems für
kritische Kommunikation.
Die Kommission wird
im Jahr 2025 einen Fahrplan für das weitere Vorgehen in Bezug auf den
rechtmäßigen und wirksamen Zugang zu Daten für Strafverfolgungszwecke
vorlegen;
im Jahr 2025 eine Folgenabschätzung im Hinblick auf die Aktualisierung der
Vorschriften über die Vorratsdatenspeicherung auf EU-Ebene, soweit erforderlich,
vornehmen;
im Jahr 2026 einen Technologiefahrplan für Verschlüsselung zur Ermittlung und
Bewertung technologischer Lösungen zur Ermöglichung des rechtmäßigen Zugangs
der Strafverfolgungsbehörden zu Daten vorlegen;
an der Einsetzung einer hochrangigen Gruppe zur Stärkung der operativen
Zusammenarbeit im Bereich der Strafverfolgung arbeiten;
im Jahr 2026 einen Campus für Sicherheitsforschung und -innovation in der
Gemeinsamen Forschungsstelle einrichten.
Die Kommission wird in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und den
einschlägigen EU-Agenturen
die EMPACT-Architektur stärken;
auf die rasche Einführung der Interoperabilitätsarchitektur und die Umsetzung der
Prüm-II-Verordnung hinwirken;
den Rahmen für Reiseinformationen stärken.
Die Mitgliedstaaten werden nachdrücklich aufgefordert,
die Richtlinie über den Informationsaustausch umzusetzen und vollständig
anzuwenden.
4. Widerstandsfähigkeit gegen hybride Bedrohungen und andere feindselige
Handlungen
Wir werden die Widerstandsfähigkeit gegen hybride Bedrohungen stärken, indem wir den
Schutz kritischer Infrastrukturen verbessern, die Cybersicherheit erhöhen,
Verkehrsknotenpunkte und Häfen sichern und Online-Bedrohungen bekämpfen.
Feindselige Handlungen, die die Sicherheit der EU untergraben, werden immer häufiger und
komplexer, wobei böswillige Akteure ihr Arsenal erheblich erweitert haben. Hybride
Kampagnen, die sich gegen die EU, ihre Mitgliedstaaten und Partner richten, haben
zugenommen und umfassen Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen, Brandstiftung,
Cyberangriffe, Einmischung in Wahlen, Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem
Ausland, einschließlich Desinformation, sowie die Nutzung von Migration als Waffe. Aufgrund
ihrer politischen und operativen Rolle und der Art der von ihnen bearbeiteten Informationen
bleiben auch die Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union (im Folgenden
„Einrichtungen der Union“) nicht verschont.
Die EU muss ihre Widerstandsfähigkeit stärken, die derzeit vorhandenen Instrumente
wirksam einsetzen und neue Wege finden, um diesen sich wandelnden Bedrohungen, die von
staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren ausgehen, sowohl jetzt als auch in Zukunft zu
begegnen.
14
Kritische Infrastrukturen
Bedrohungen kritischer Infrastrukturen, einschließlich hybrider Bedrohungen wie Sabotage
und böswillige Cyberaktivitäten, stellen ein großes Problem dar, vor allem in Bezug auf
Infrastrukturen, die die Mitgliedstaaten verbinden – seien es Energieverbindungsleitungen,
grenzüberschreitende Kommunikationskabel oder der Verkehr. Seit dem Angriffskrieg
Russlands gegen die Ukraine haben die Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen
zugenommen, insbesondere im Jahr 2024; zahlreiche Mitgliedstaaten sind betroffen. Die
Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, Sicherheits- und
Cybersicherheitsdiensten, Militär und Katastrophenschutzbehörden sowie privaten Akteuren ist
von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, solche Handlungen vorherzusehen,
aufzudecken, zu verhindern und wirkungsvoll auf sie zu reagieren.
Die Verringerung von Schwachstellen und die Stärkung der Widerstandsfähigkeit kritischer
Einrichtungen sind unerlässlich, um die ununterbrochene Erbringung wesentlicher Dienste für
Wirtschaft und Gesellschaft sicherzustellen. Die rechtzeitige Umsetzung und ordnungsgemäße
Anwendung der Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen31 und der Richtlinie
über Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der Union (NIS-
2-Richtlinie)32 durch alle Mitgliedstaaten sind in diesem Zusammenhang somit von
wesentlicher Bedeutung.
Um rasche Fortschritte zu gewährleisten, wird die Kommission in Zusammenarbeit mit der
Gruppe für die Resilienz kritischer Einrichtungen und der NIS-Kooperationsgruppe die
Mitgliedstaaten bei der Ermittlung kritischer Einrichtungen33 und dem Austausch bewährter
Verfahren für nationale Strategien und Risikobewertungen in Bezug auf wesentliche Dienste
unterstützen. Sollte es zu Störungen kritischer Infrastrukturen mit erheblichen
grenzüberschreitenden Auswirkungen kommen, werden die Reaktionen auf EU-Ebene über den
europäischen Konzeptentwurf für eine koordinierte Reaktion auf Störungen kritischer
Infrastrukturen von erheblicher grenzüberschreitender Bedeutung koordiniert. Die
Kommission fordert den Rat auf, den europäischen Cyberkonzeptentwurf rasch
anzunehmen, mit dem die Koordinierung im Kontext des Krisenmanagements weiter gestärkt
und so eine engere Zusammenarbeit der Behörden im Bereich der physischen und digitalen
Resilienz erleichtert wird. Nach erfolgreichen Stresstests im Energiesektor im Jahr 2023 wird
die Kommission freiwillige Stresstests in anderen für die innere Sicherheit wichtigen Sektoren
fördern. Darüber hinaus wird die Kommission eine unionsweite Übersicht über
grenzüberschreitende und sektorübergreifende Risiken für die Erbringung wesentlicher
Dienste erstellen, um die Mitgliedstaaten bei ihren Risikobewertungen zu unterstützen und eine
umfassende Risikobewertung auf EU-Ebene zu ermöglichen. Im Einklang mit der Strategie der
Union zur Krisenvorsorge wird die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten weitere
Sektoren und Dienstleistungen ermitteln, die von den bestehenden Rechtsvorschriften nicht
erfasst werden und für die möglicherweise Handlungsbedarf besteht.
Die EU-NATO-Taskforce für die Resilienz kritischer Infrastrukturen hat eine
hervorragende Zusammenarbeit beim Austausch bewährter Verfahren und bei der Stärkung der
31 Richtlinie (EU) 2022/2557 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Dezember 2022 über die
Resilienz kritischer Einrichtungen und zur Aufhebung der Richtlinie 2008/114/EG des Rates.
32 Richtlinie (EU) 2022/2555 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Dezember 2022 über
Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der Union, zur Änderung der Verordnung (EU)
Nr. 910/2014 und der Richtlinie (EU) 2018/1972 sowie zur Aufhebung der Richtlinie (EU) 2016/1148 (NIS-2-
Richtlinie).
33 Zu den Sektoren, die unter die Richtlinie fallen, gehören Energie, Verkehr, Banken, Finanzmarktinfrastruktur,
Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser, digitale Infrastruktur, öffentliche Verwaltung, Raumfahrt sowie Produktion,
Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln.
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Widerstandsfähigkeiten in den Bereichen Energie, Verkehr, digitale Infrastruktur und
Weltraum gefördert. Diese Arbeit wird im Rahmen des strukturierten Dialogs zwischen der
EU und der NATO über Resilienz fortgesetzt. Das EU-Instrumentarium gegen hybride
Bedrohungen bietet den Mitgliedstaaten und Partnern solide Unterstützung bei der
Vorbereitung auf hybride Bedrohungen und der Abwehr solcher Bedrohungen. Teams für die
rasche Reaktion auf hybride Bedrohungen34 bieten den Mitgliedstaaten, verschiedenen EU-
Missionen und Partnern auf Ersuchen maßgeschneiderte kurzfristige Unterstützung. Darüber
hinaus wird die Kommission die Zusammenarbeit der EU bei der Bekämpfung von Sabotage
durch Expertentätigkeiten35 vorantreiben, einschließlich eines speziellen gemeinsamen
Arbeitsprogramms für die Experten zur Straffung des Informationsaustauschs und zur
Festlegung von Gegenmaßnahmen.
Vorfälle, die Seekabel in Europa betreffen, verdeutlichen die Notwendigkeit strengerer
Maßnahmen und klarerer Reaktionen. Wie im EU-Aktionsplan für Kabelsicherheit36
dargelegt, werden die Kommission und die Hohe Vertreterin mit den Mitgliedstaaten, EU-
Agenturen und Partnern wie der NATO zusammenarbeiten, um Bedrohungen von
Unterseekabeln zu verhindern, aufzudecken, darauf zu reagieren und abzuwenden. Um eine
umfassendes Lageerfassung der Bedrohungen zu erstellen, wird die Kommission gemeinsam
mit den Mitgliedstaaten auf freiwilliger Basis einen integrierten Überwachungsmechanismus
für Seekabel in den einzelnen Meeresbecken entwickeln und einrichten, beginnend mit einem
regionalen Zentrum im nordischen/baltischen Raum.
Cybersicherheit
Anhaltende böswillige Cyberaktivitäten, die häufig Teil eines breiteren Spektrums
multidimensionaler und hybrider Bedrohungen sind, erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit
und Maßnahmen auf europäischer Ebene. In den letzten Jahren hat die Union eine Reihe von
Cybersicherheitsgesetzen zur Stärkung der Cyberresilienz von NIS-2-Einrichtungen in
kritischen Sektoren der EU sowie von Einrichtungen der Union37, zur Verbesserung der
Sicherheit digitaler Produkte (Cyberresilienz-Verordnung) und zur Schaffung eines Rahmens
für die Unterstützung der Abwehrbereitschaft und der Reaktion auf Sicherheitsvorfälle
(Cybersolidaritätsgesetz) angenommen. Im Januar 2025 hat die Kommission den
Europäischen Aktionsplan für die Cybersicherheit von Krankenhäusern und
Gesundheitsdienstleistern38 angenommen, um im Hinblick auf Bedrohungen die Aufdeckung,
Vorsorge und Krisenreaktion zu verbessern. Die vollständige Umsetzung dieses Aktionsplans
ist von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig müssen wir unsere Maßnahmen insbesondere in den
Bereichen Informationsaustausch, Sicherheit der Lieferketten, Ransomware und Cyberangriffe
sowie technologische Souveränität verstärken, um neuartigen Bedrohungen und Entwicklungen
zu begegnen.
Darüber hinaus erfordert die Umsetzung, dass die Fachkräftelücke im Cybersicherheitsbereich
geschlossen werden, wo aktuell 299 000 Fachleute fehlen. Die Kommission wird im Rahmen
34 Strategischer Kompass der Union für Sicherheit und Verteidigung 2022, S. 22.
35 EU-Sicherheitsberater, Europäisches Netz für die Beseitigung von Explosivstoffen, EU-Netz der
Spezialeinheiten (ATLAS-Verbund), EU-Sicherheitsnetz für Hochrisikofälle, Beratergruppe für chemische,
biologische, radiologische und nukleare Sicherheit, Gruppe für die Resilienz kritischer Einrichtungen.
36 JOIN(2025) 9 final.
37 Verordnung (EU, Euratom) 2023/2841 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2023 zur
Festlegung von Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in den Organen, Einrichtungen
und sonstigen Stellen der Union (ABl. L, 2023/2841, 18.12.2023).
38https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/library/european-action-plan-cybersecurity-hospitals-and-h
ealthcareproviders.
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der Union der Kompetenzen39 mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die Zahl der
Fachkräfte im Bereich der Cybersicherheit zu erhöhen, insbesondere durch die neue EU-
Akademie für Cyberkompetenzen. Der Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern40 (d. h.
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) trägt dazu bei, die Talentpipeline
und die europäische Reaktion auf den Bedarf des Arbeitsmarkts im Bereich der Cybersicherheit
zu verbessern.
Parallel zur Stärkung ihrer Resilienz wird die EU den Rahmen für eine gemeinsame
diplomatische Reaktion der Union auf böswillige Cyberaktivitäten (Instrumentarium für die
Cyberdiplomatie) weiterhin in vollem Umfang nutzen, um Cyberbedrohungen, die von
staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren ausgehen, zu verhindern, abzuwenden und darauf zu
reagieren.
Sicherheit der Lieferketten für Informations- und Kommunikationstechnologien
Das Instrumentarium für die 5G-Cybersicherheit bietet den einschlägigen Rahmen für den
Schutz von 5G-Netzen, wird jedoch derzeit von den Mitgliedstaaten unzureichend umgesetzt.
Es bestehen nach wie vor unannehmbare Sicherheitsrisiken, insbesondere im Hinblick auf die
Ersetzung von Hochrisikoanbietern. Ein harmonisierter Ansatz für die Sicherheit der
Lieferketten für Informations- und Kommunikationstechnologien (im Folgenden „IKT-
Lieferketten“) kann der derzeitigen Fragmentierung des Binnenmarkts aufgrund
unterschiedlicher Ansätze auf nationaler Ebene entgegenwirken, kritische Abhängigkeiten
vermeiden und unsere IKT-Lieferketten von Hochrisikoanbietern entlasten, wodurch unsere
kritischen Infrastrukturen gesichert werden.
Im Einklang mit diesem Ansatz wird die Kommission bei der bevorstehenden Überarbeitung
des Rechtsakts zur Cybersicherheit die Sicherheit und Resilienz von IKT-Lieferketten
und -Infrastrukturen umfassender prüfen. Überdies wird die Kommission vorschlagen, den
europäischen Rahmen für die Cybersicherheitszertifizierung zu verbessern, um
sicherzustellen, dass künftige Zertifizierungssysteme rechtzeitig angenommen werden können
und den politischen Erfordernissen entsprechen.
Aufbauend auf bestehenden oder laufenden sektorspezifischen Bewertungen41 wird die
Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten eine strategische Planung für koordinierte
Bewertungen von Cybersicherheitsrisiken ausarbeiten.
Cloud-Dienste und Telekommunikationsdienste sind aus Lieferketten für kritische
Infrastrukturen, Unternehmen und Behörden nicht mehr wegzudenken. Die Kommission wird
Maßnahmen ergreifen, um kritische Einrichtungen dazu anzuhalten, Cloud-Dienste und
Telekommunikationsdienste mit einem angemessenen Maß an Cybersicherheit zu wählen,
wobei nicht nur technische Risiken, sondern auch strategische Risiken und Abhängigkeiten zu
berücksichtigen sind.
Ransomware und Cyberangriffe
Eine anhaltende große Herausforderung in der EU und weltweit ist Ransomware – in einem
Bericht werden die jährlichen durch Ransomware verursachten Kosten bis 2031 auf mehr als
250 Mrd. EUR geschätzt42. Sowohl die NIS-2-Richtlinie als auch die Cyberresilienz-
Verordnung werden einen beträchtlichen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheitslage von
39 COM(2025) 90 final.
40 COM(2025) 89 final.
41 Beispielsweise in den Bereichen 5G-Netze, Telekommunikation, Elektrizität, erneuerbare Energien und
vernetzte Fahrzeuge.
42 https://cybersecurityventures.com/global-ransomware-damage-costs-predicted-to-reach-250-billion-usd-by-
2031/.
17
Einrichtungen leisten, sodass es für Ransomware-Netze kostspieliger wird, ihre Angriffe
durchzuführen. Darüber hinaus wird die Kommission eng mit den Mitgliedstaaten
zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass den Strafverfolgungsbehörden mehr Ransomware-
Angriffe, insbesondere fortgeschrittene anhaltende Bedrohungen, und Lösegeldzahlungen
gemeldet werden, um die Ermittlungen zu erleichtern.
Um Cyberangriffe zu verhindern und zu unterbinden, muss die EU den Informationsaustausch
zwischen Strafverfolgungsbehörden, Cybersicherheitsbehörden und -einrichtungen sowie
privaten Parteien unter der Ägide von Europol und der ENISA verstärken.
Europol und Eurojust sollten auf ihren Erfolgen bei der Bekämpfung von Ransomware-
Operationen aufbauen und die Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden weiter
unterstützen. Zu diesem Zweck sollten die Strafverfolgungsbehörden die Nutzung von
Kooperationsmechanismen, einschließlich des „International Ransomware Response
Model“ (internationales Modell zu Bekämpfung von Ransomware) von Europol und der
Internationalen Initiative zur Bekämpfung von Ransomware43, maximieren, und die
ENISA und Europol sollten zusammenarbeiten, um das Verzeichnis von
Entschlüsselungsinstrumenten für Ransomware-Angriffe44 zu erweitern.
Technologische Souveränität
Cybersicherheit und technologische Souveränität sind eng miteinander verknüpft, und
technologische Abhängigkeiten müssen vorrangig angegangen werden. Die Union muss die
Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien steuern, wobei die Kommission daran
arbeiten muss, die Fähigkeiten in strategischen Technologien wie KI, Quantentechnologie,
fortgeschrittene Konnektivität, Cloud- und Edge-Computing und Internet der Dinge45 durch
künftige Initiativen wie den Aktionsplan „KI-Kontinent“, die Strategie für Quantentechnologie
und andere46 zu verbessern. Die Kommission wird weiterhin die rechtzeitige Einführung der
neuesten verfügbaren international vereinbarten Internetprotokolle unterstützen, die für die
Aufrechterhaltung eines skalierbaren und effizienten Internets mit mehr Cybersicherheit
wesentlich sind. Darüber hinaus sind weitere Maßnahmen erforderlich, um
Herausforderungen im Zusammenhang mit Funkfrequenzen, beispielsweise in Bezug auf
Spoofing-Angriffe auf Signale der globalen Satellitennavigationssysteme, Stören (Jamming)
oder Risiken und Abhängigkeiten in der Lieferkette, anzugehen, darunter der Einsatz von
Quantenerfassungstechnologien und die Prüfung der Entwicklung von Kapazitäten zur
Überwachung von Funkfrequenzen.
Der Einsatz von Lösungen der Post-Quanten-Kryptografie wird für den Schutz von sensibler
Kommunikation und von gespeicherten Daten sowie von digitalen Identitäten im neuen
Quantenzeitalter von entscheidender Bedeutung sein. Auf der Grundlage der Empfehlung von
2024 über einen Fahrplan für die koordinierte Umsetzung des Übergangs zur Post-Quanten-
Kryptografie47 arbeitet die Kommission mit den Mitgliedstaaten zusammen, um diesen
Übergang zu fördern. In diesem Zusammenhang sollten die Mitgliedstaaten Hochrisikofälle in
kritischen Einrichtungen ermitteln und für diese Hochrisikofälle so bald wie möglich,
spätestens jedoch bis Ende 2030, eine quantensichere Verschlüsselung gewährleisten. Die
43 https://counter-ransomware.org/.
44 Erhältlich über das Projekt „No More Ransom“: https://www.nomoreransom.org/en/index.html.
45 https://strategic-technologies.europa.eu/about_en#step-scope.
46 Darunter das Gemeinsame Unternehmen EuropHPC (https://eurohpc-ju.europa.eu/index_en), die Leitinitiative
zur Quantentechnik (Homepage | Leitinitiative zur Quantentechnik), 3C-Netze (COM(2024) 81 final) und der EU-
Aktionsplan für Kabelsicherheit (JOIN(2025) 9 final).
47 Empfehlung zu einem koordinierten Umsetzungsfahrplan für den Übergang zur Post-Quantum-Kryptographie |
Gestaltung der digitalen Zukunft Europas.
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Kommission arbeitet auch mit den Mitgliedstaaten und der Europäischen
Weltraumorganisation zusammen, um die europäische
Quantenkommunikationsinfrastruktur (European Quantum Communication
Infrastructure, EuroQCI)48 auf der Grundlage der Quantenschlüsselverteilung im Rahmen
des EU-Programms für sichere Konnektivität IRIS² zu entwickeln und einzuführen. Beide
Initiativen werden es den Einrichtungen letztlich ermöglichen, Daten zu übermitteln und
Informationen sicher zu speichern.
Quantentechnologien werden auch in Bezug auf Sicherheitsanwendungen eine wichtige Rolle
spielen: Im Rahmen der Strategie für Quantentechnologie wird ein Fahrplan für die
Quantenerfassung in Sicherheitsanwendungen entwickelt werden. Ebenso arbeitet die
Kommission derzeit daran, ihre internen sicherheitskritischen Systeme, einschließlich ihrer für
Verschlusssachen genutzten IT-Systeme, quantensicher zu machen.
Ein unternehmensfreundlicher Rahmen für Cybersicherheit
Die bevorstehende Überarbeitung des Rechtsakts zur Cybersicherheit bietet die Gelegenheit,
die EU-Rechtsvorschriften zur Cybersicherheit im Einklang mit dem Kompass für
Wettbewerbsfähigkeit zu vereinfachen. Die Kommission wird eng mit den Mitgliedstaaten
zusammenarbeiten, um eine rasche, kohärente und unternehmensfreundliche Umsetzung des in
der NIS-2-Richtlinie, der Cyberresilienz-Verordnung und im Cybersolidaritätsgesetz
festgelegten horizontalen Cybersicherheitsrahmens zu gewährleisten, um Einfachheit und
Kohärenz zu fördern und eine Fragmentierung oder Duplizierung der
Cybersicherheitsvorschriften im EU-Recht und im nationalen Recht zu vermeiden.
Um einen sicheren Zugang zu Online-Diensten zu ermöglichen und die digitale Sicherheit in
der gesamten EU zu stärken, sieht der Rahmen für eine europäische digitale Identität vor,
dass allen Bürgerinnen und Bürgern und Einwohnern der EU bis Ende 2026 vertrauenswürdige
Brieftaschen für die Digitale Identität bereitgestellt werden. Durch die bevorstehende
Einführung der Europäischen Brieftasche für Unternehmen sollen sichere
grenzüberschreitende Interaktionen zwischen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen
erleichtert werden. Beides sind Voraussetzungen für ein sicheres und effizienteres
Funktionieren des datengesteuerten Binnenmarkts mit Instrumenten wie dem einheitlichen
digitalen Zugangstor, der elektronischen Rechnungsstellung, der elektronischen
Auftragsvergabe und dem digitalen Produktpass.
Sicherheit im Internet
Einige der schwerwiegendsten hybriden Bedrohungen, die die Sicherheit der Menschen in
Europa gefährden und auf den demokratischen Raum der EU abzielen, finden online statt. Zu
diesen Bedrohungen gehören illegale Aktivitäten und illegale Online-Inhalte,
Informationsmanipulation mit künstlicher Verstärkung, irreführende Informationen und
Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland.
Die strikte Durchsetzung des Gesetzes über digitale Dienste ist von entscheidender
Bedeutung, um ein sicheres und zugängliches Online-Umfeld mit rechenschaftspflichtigen
Akteuren zu gewährleisten, das auch gegenüber hybriden Bedrohungen widerstandsfähig ist.
Gemäß dem Gesetz über digitale Dienste sind Anbieter sehr großer Online-Plattformen und
sehr großer Online-Suchmaschinen verpflichtet, Risikobewertungen durchzuführen und
Maßnahmen zur Minderung systemischer Risiken zu ergreifen, die sich aus der Gestaltung, dem
Betrieb oder der Nutzung ihrer Dienste ergeben. Solche Risiken können negative
Auswirkungen auf gesellschaftliche Debatten und auf Wahlprozesse sowie auf die öffentliche
48 https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/european-quantum-communication-infrastructure-euroqci.
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Sicherheit umfassen, z. B. weitreichende Einmischung böswilliger ausländischer staatlicher
Akteure etwa in Wahlprozesse. Die Schulung der zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten in
Bezug auf den Einsatz von Rechtsinstrumenten zur unverzüglichen Entfernung illegaler
Online-Inhalte ist wichtig, insbesondere im Hinblick auf geschlechtsspezifische Cybergewalt.
Im Gesetz über digitale Dienste ist ein Krisenreaktionsmechanismus vorgesehen, der aktiviert
werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten, die zu einer schwerwiegenden
Bedrohung der öffentlichen Sicherheit oder der öffentlichen Gesundheit in der Union oder in
wesentlichen Teilen der Union führen können. Zur Ergänzung dieses Mechanismus haben die
Kommission und die als Koordinatoren für digitale Dienste benannten zuständigen nationalen
Behörden auch einen freiwilligen Rahmen für die Reaktion auf Vorfälle im Rahmen des
Gesetzes über digitale Dienste entwickelt. Die Koordinatoren für digitale Dienste haben
zudem Maßnahmen zum Schutz der Integrität von Wahlen ergriffen, beispielsweise durch die
Organisation von Wahlrundtischgesprächen und Stresstests49. Das Gesetz über digitale Dienste
bildet zusammen mit der Verordnung über politische Werbung50 einen von mehreren Strängen
zur Wahrung der Demokratie und der Integrität demokratischer Prozesse, die durch feindselige
Akteure, unter anderem mithilfe digitaler Instrumente und in sozialen Medien, angegriffen
werden können.
Die Umsetzung des Instrumentariums gegen Informationsmanipulation und
Einflussnahme aus dem Ausland ist eine weitere wichtige Komponente, die entscheidende
Unterstützung auf EU-Ebene bietet. Die Förderung der digitalen Kompetenz, der
Medienkompetenz und des kritischen Denkens ist ebenfalls von zentraler Bedeutung für diese
Bemühungen51.
Bekämpfung des Einsatzes von Migration als Waffe
Russland hat mit Hilfe und entschlossener Unterstützung von Belarus Migration gezielt als
Waffe eingesetzt und künstlich illegale Migrationsströme in Richtung der EU-Außengrenzen
ausgelöst, mit dem Ziel, unsere Gesellschaften zu destabilisieren und die Einheit der
Europäischen Union zu untergraben. Dies gefährdet nicht nur die nationale Sicherheit und
Souveränität der Mitgliedstaaten, sondern auch die Sicherheit und Integrität des Schengen-
Raums und die Sicherheit der Union insgesamt. In seinen Schlussfolgerungen vom Oktober
2024 betonte der Europäische Rat, dass es Russland, Belarus oder anderen Ländern nicht
gestattet werden darf, unsere Werte, einschließlich des Rechts auf Asyl, zu missbrauchen und
unsere Demokratie zu untergraben.
Wie in der Mitteilung der Kommission über den Einsatz von Migration als Waffe aus dem Jahr
2024 dargelegt, hat die Union neben einer starken politischen Unterstützung finanzielle,
operative und diplomatische Maßnahmen ergriffen, einschließlich der Zusammenarbeit mit
Herkunfts- und Transitländern, um diesen Bedrohungen wirksam zu begegnen52. Dies bedeutet,
dass der vom Rat geschaffene neue Rahmen genutzt werden muss, um Personen und
Organisationen, die an Handlungen und politischen Maßnahmen wie dem Einsatz von
Migration als Waffe durch Russland beteiligt sind, durch das Einfrieren von Vermögenswerten
49 DSA Elections Toolkit for Digital Services Coordinators, 2025, abrufbar unter https://digital-
strategy.ec.europa.eu/en/library/dsa-elections-toolkit-digital-services-coordinators.
50 Verordnung (EU) 2024/900 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. März 2024 über die
Transparenz und das Targeting politischer Werbung (ABl. L, 2024/900, 20.3.2024).
51 Aktionsplan für digitale Bildung (2021-2027) – Europäischer Bildungsraum.
52 COM(2024) 570 final.
20
und Reiseverbote zu sanktionieren53. Die EU wird diesen Rahmen erforderlichenfalls weiterhin
nutzen und die Mitgliedstaaten bei der Abwehr dieser Bedrohung unterstützen.
Verkehrssicherheit
Seehäfen, Flughäfen und Landinfrastrukturen sind wichtige Ein- und Ausreisestellen. Sie
spielen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft und Gesellschaft der EU und sind für die
militärische Mobilität von wesentlicher Bedeutung. Diese Verkehrsknotenpunkte und -mittel
sind jedoch auch bevorzugte Ziele für externe Bedrohungen und kriminelle Aktivitäten. Die
jüngsten Vorfälle, darunter Verstöße gegen die Luftfrachtsicherheit und die Luftsicherheit und
Angriffe auf die Eisenbahninfrastruktur, verdeutlichen die gravierenden Risiken.
Verkehrsunternehmen können sowohl Ziele als auch Instrumente für böswillige Akteure sein.
Die bestehenden Rechtsinstrumente der EU haben zu einer Verbesserung der Luftsicherheit
geführt54, doch die hohe Bedrohung der Zivilluftfahrt erfordert ein Mittel, um Vorfälle
vorherzusehen und die betroffenen Mitgliedstaaten rasch zu konsultieren. Die Kommission
wird mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die bestehenden
Durchführungsvorschriften im Bereich der Luftsicherheit für den Austausch von
Verschlusssachen über Ereignisse im Bereich der Luftsicherheit zu ändern. Darüber hinaus
wird die Kommission Regulierungsmaßnahmen in Erwägung ziehen, um neuen Bedrohungen
wie Vorfällen im Bereich der Luftfrachtsicherheit zu begegnen und die
Luftsicherheitsstandards zu stärken. Dazu gehört auch die Stärkung der Rechtsvorschriften
zur Luftsicherheit, um Sofortmaßnahmen zu ermöglichen und gleichzeitig den Raum der
einmaligen Sicherheitskontrolle an EU-Flughäfen aufrechtzuerhalten.
Bei der Ausarbeitung der künftigen Strategie für die Häfen der EU, die auf der Europäischen
Hafenallianz aufbaut, wird die Kommission prüfen, wie die Rechtsvorschriften im Bereich der
maritimen Sicherheit weiter gestärkt werden können, um neuen Bedrohungen wirksam zu
begegnen, die Häfen zu sichern und die Sicherheit der Lieferketten in der EU zu verbessern. Zu
diesem Zweck wird die Kommission für eine konsequente Umsetzung sorgen und daran
arbeiten, die nationalen Verfahren zu harmonisieren und die Zuverlässigkeitsüberprüfungen in
den Häfen zu verstärken. Zusätzlich zu den Sicherheitsprotokollen für Luftfracht wird die
Kommission mit den Mitgliedstaaten und dem Privatsektor zusammenarbeiten, um diese
Protokolle zu erweitern, um die Seeverkehrsketten zu sichern.
Die vorgeschlagene EU-Zollbehörde wird Risiken auf der Grundlage von Zollinformationen
im Zusammenhang mit Waren, die in die EU eingeführt, aus der EU ausgeführt oder durch die
EU befördert werden, analysieren und bewerten, um die Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen,
die Ausnutzung internationaler Lieferketten durch böswillige Akteure zu verhindern. Im
Einklang mit der EU-Strategie für maritime Sicherheit55 wird der künftige Europäischer Pakt
für die Meere eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der maritimen Sicherheit in den
Meeresbecken rund um die EU und darüber hinaus spielen, unter anderem durch die Förderung
der Ausweitung von Mehrzweckeinsätzen und -übungen auf See.
Widerstandsfähigkeit der Lieferketten
Europa muss weniger auf Technologien aus Drittländern zurückgreifen, da dies zu
Abhängigkeit und Sicherheitsrisiken führen kann. Ziel der Kommission ist es, die Abhängigkeit
von einzelnen ausländischen Anbietern zu verringern, unserer Lieferketten von
53 Verordnung (EU) 2024/2642 des Rates vom 8. Oktober 2024 über restriktive Maßnahmen angesichts der
destabilisierenden Aktivitäten Russlands, ST/8744/2024/INIT (ABl. L, 2024/2642, 9.10.2024).
54 Verordnung (EG) Nr. 300/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. März 2008 über
gemeinsame Vorschriften für die Sicherheit in der Zivilluftfahrt (ABl. L 97 vom 9.4.2008, S. 72).
55 JOIN(2023) 8 final.
21
Hochrisikolieferanten zu entlasten und kritische Infrastrukturen und industrielle Kapazitäten
auf EU-Boden zu sichern, wie im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit56 und im Deal für eine
saubere Industrie57 festgelegt. Die Kommission wird eine Industriepolitik für die innere
Sicherheit fördern, indem sie mit der EU-Industrie in Schlüsselsektoren (z. B.
Verkehrsknotenpunkte, kritische Infrastrukturen) zusammenarbeitet, um Sicherheitslösungen
wie Detektionsgeräte, biometrische Technologien und Drohnen mit eingebauten
Sicherheitsmerkmalen zu entwickeln. Bei der Überarbeitung der EU-Vergabevorschriften
wird die Kommission prüfen, ob die Sicherheitserwägungen in der Richtlinie über die
Vergabeverfahren im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich aus dem Jahr 200958 ausreichen,
um den Erfordernissen der Strafverfolgung und der Widerstandsfähigkeit kritischer
Einrichtungen gerecht zu werden.
Die Kommission wird die Mitgliedstaaten bei der Überprüfung ausländischer
Direktinvestitionen und der Beschaffung von Ausrüstung für Logistikknotenpunkte
unterstützen, um dafür zu sorgen, dass kritische Infrastrukturen und Technologien weiterhin
sicher sind.
Sobald das Binnenmarkt-Notfall- und Resilienzgesetz in Kraft getreten ist, wird es der EU
dabei helfen, Krisen zu bewältigen, die kritische Lieferketten und den freien Waren-,
Dienstleistungs- und Personenverkehr stören. Dieses Gesetz wird eine rasche
Krisenkoordinierung sowie die Ermittlung krisenrelevanter Waren und Dienstleistungen
ermöglichen und ein Instrumentarium zur Sicherstellung ihrer Verfügbarkeit bieten. Ferner
wird die Kommission in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten die Einrichtung eines
behördenübergreifenden Warnmechanismus für die Sicherheit des Verkehrs und der
Lieferketten vorschlagen, um einen sicheren und rechtzeitigen Austausch einschlägiger
Informationen zu gewährleisten, die für die Vorhersage und Abwehr von Bedrohungen
erforderlich sind.
Außerdem wird die verstärkte Nutzung von Kriterien wie Nachhaltigkeit, Resilienz und
europäische Präferenz im öffentlichen Beschaffungswesen in der EU mit der Umsetzung der
Verordnung zu kritischen Rohstoffen und der Netto-Null-Industrie-Verordnung die
Entwicklung von Leitmärkten fördern. Engere Handelsbeziehungen, beispielsweise durch
Rohstoffpartnerschaften und Partnerschaften für sauberen Handel und Investitionen, werden
zur Diversifizierung der Lieferketten beitragen.
Widerstandsfähigkeit und Vorsorge gegenüber chemischen, biologischen, radiologischen
und nuklearen Bedrohungen
Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat das Risiko chemischer, biologischer,
radiologischer und nuklearer (CBRN) Bedrohungen erhöht. Um dem potenziellen Erwerb
und dem Einsatz von CBRN-Material als Waffe entgegenzuwirken, wird die Kommission die
Mitgliedstaaten und Partnerländer durch spezielle Schulungen und Übungen unterstützen. Die
Kommission wird außerdem die Fähigkeiten zur Vorsorge und Reaktion gegenüber CBRN-
Bedrohungen durch die Priorisierung von Bedrohungen, Innovationsfinanzierung für
Gegenmaßnahmen, rescEU-Kapazitäten und die Bevorratung medizinischer Gegenmaßnahmen
im Rahmen eines neuen Aktionsplans für eine bessere Vorsorge und Reaktion gegenüber
CBRN-Bedrohungen stärken. Darüber hinaus wird die EU-Strategie für medizinische
Gegenmaßnahmen die Entwicklung medizinischer Gegenmaßnahmen von der Forschung bis
56 COM(2025) 30 final.
57 COM(2025) 85 final.
58 Richtlinie 2009/81/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über die Koordinierung
der Verfahren zur Vergabe bestimmter Bau-, Liefer- und Dienstleistungsaufträge in den Bereichen Verteidigung
und Sicherheit (ABl. L 216 vom 20.8.2009).
22
hin zur Herstellung und zum Vertrieb unterstützen, um die EU vor Pandemien und CBRN-
Bedrohungen zu schützen.
Aufbauend auf den Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie hat die EU den Rahmen für die
Gesundheitssicherheit gestärkt59. Die Kommission benennt EU-Referenzlaboratorien für die
öffentliche Gesundheit, um die Überwachungs- und Schnellerkennungskapazitäten der EU und
der Mitgliedstaaten zu stärken. Ein Unionsplan für Vorsorge, Prävention und Reaktion im
Bereich der Gesundheitssicherheit wird 2025 veröffentlicht.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird
im Jahr 2025 den Rechtsakt zur Cybersicherheit überprüfen und überarbeiten;
Maßnahmen zur Gewährleistung der Cybersicherheit bei der Nutzung von Cloud-
Diensten entwickeln;
im Jahr 2025 eine Strategie für die Häfen der EU vorschlagen;
im Jahr 2026 die EU-Vergabevorschriften für den Verteidigungs- und
Sicherheitsbereich überarbeiten;
im Jahr 2026 einen Aktionsplan für eine bessere Vorsorge und Reaktion gegenüber
CBRN-Bedrohungen vorlegen.
Die Kommission wird in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten
auf die Entwicklung und Einführung der EuroQCI hinarbeiten;
für eine wirksame Durchsetzung des Gesetzes über digitale Dienste sorgen;
Maßnahmen zur Bekämpfung des Einsatzes von Migration als Waffe ergreifen;
ein System für Ereignisse im Bereich der Luftsicherheit einrichten;
auf die Einrichtung eines behördenübergreifenden Warnmechanismus für die
Sicherheit des Verkehrs und der Lieferketten hinarbeiten.
Der Rat wird nachdrücklich aufgefordert,
die Empfehlung des Rates zum Cyberkonzeptentwurf der EU anzunehmen.
Die Mitgliedstaaten werden nachdrücklich aufgefordert,
die Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen sowie die NIS-2-Richtlinie
umzusetzen und vollständig anzuwenden.
5. Verschärftes Vorgehen gegen schwere und organisierte Kriminalität
Wir werden dazu beitragen, die organisierte Kriminalität auszumerzen, indem wir strengere
Vorschriften zur Bekämpfung von Netzen der organisierten Kriminalität, auch in Bezug auf
Ermittlungen, vorschlagen, die Anfälligkeit junger Menschen in der EU für die Rekrutierung
für Straftatenverringern und Maßnahmen verstärken, um den Zugang zu kriminellen
Instrumenten und Vermögenswerten zu unterbinden.
Die organisierte Kriminalität macht sich ein sich wandelndes Umfeld zunutze und breitet sich
exponentiell aus. Sie profitiert von fortgeschrittenen Technologien, ist über mehrere
Rechtsräume hinweg tätig und unterhält enge Verbindungen über die EU-Grenzen hinaus.
Angesichts dieser komplexen, transnationalen Bedrohungen sind Koordinierung und
Unterstützung auf EU-Ebene von entscheidender Bedeutung.
59 Insbesondere durch die Verordnung (EU) 2022/2371 zu schwerwiegenden grenzüberschreitenden
Gesundheitsgefahren.
23
Verhütung von Straftaten
Die Rekrutierung junger Menschen für die organisierte Kriminalität gibt in der EU zunehmend
Anlass zur Sorge. Die Bekämpfung der organisierten Kriminalität erfordert die Bekämpfung
ihrer eigentlichen Ursachen durch Bildung und Alternativen zu einem Leben in der
Kriminalität im Rahmen eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes. Die Kommission wird die
Einbeziehung von Sicherheitserwägungen in die Bildungs-, Sozial-, Beschäftigungs- und
Regionalpolitik der EU unterstützen. Die EU wird Strategien zur auf wissenschaftlichen
Erkenntnissen beruhenden Kriminalprävention60 fördern, die auf die lokalen
Gegebenheiten zugeschnitten sind.
Um die Nutzer von Online-Diensten, insbesondere Minderjährige, unter anderem vor sexuellen
Missbrauchstätern, Menschenhändlern und der Rekrutierung für Straftaten oder gewalttätigen
Extremismus zu schützen, sehen die Maßnahmen im Rahmen des Gesetzes über digitale
Dienste vor, dass Anbieter von Online-Plattformen, die für Minderjährige zugänglich sind,
Risiken bewältigen und gegen illegale Inhalte, einschließlich Hassreden, vorgehen müssen. Die
Kommission plant, Leitlinien zum Schutz von Minderjährigen herauszugeben, um Anbieter
von Online-Plattformen dabei zu unterstützen, ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und
Schutz für Minderjährige im Internet zu gewährleisten. Die Leitlinien werden eine Reihe von
Empfehlungen für sämtliche in der Union angebotenen digitalen Dienste enthalten, um den
Schutz Minderjähriger im Internet zu verbessern. Für das Jahr 2025 plant die Kommission
außerdem die Einführung einer EU-weiten Lösung zur Altersüberprüfung, die den
Datenschutz gewährleistet, um die Zeit bis zur Einführung der europäischen Brieftasche für
die Digitale Identität Ende 2026 zu überbrücken. Außerdem wird die Kommission einen
Aktionsplan gegen Cybermobbing vorlegen.
Darüber hinaus wird die Kommission weiterhin die freiwillige Zusammenarbeit verschiedener
Interessenträger mit Online-Plattformen und anderen einschlägigen Akteuren unterstützen,
unter anderem durch das EU-Internetforum und gezielte Verhaltenskodizes im Rahmen des
Gesetzes über digitale Dienste wie den Verhaltenskodex für die Bekämpfung illegaler
Hassreden im Internet von 2025. Ziel ist es, das Bewusstsein zu schärfen, gemeinsam auf
aktuelle und neue Bedrohungen zu reagieren und bewährte Verfahren für Abhilfemaßnahmen
zu entwickeln und auszutauschen.
Auf lokaler Ebene machen die Auswirkungen der organisierten Kriminalität deutlich, dass es
regionaler Lösungen bedarf, um die Anfälligkeit für illegale Aktivitäten und deren Attraktivität
zu verringern. Die EU-Agenda für Städte, die auf der EU-Initiative „Städte gegen
Radikalisierung“ aufbaut, wird sich mit sicherheitspolitischen Herausforderungen in Städten
befassen. Die Kommission wird die Mitgliedstaaten durch den Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung bei der Verbesserung der städtischen und regionalen Sicherheit
unterstützen.
Eine solide Bildungs- und Kompetenzgrundlage ist die Basis für eine widerstandsfähige und
von Zusammenhalt geprägte Gesellschaft. Im Rahmen der Union der Kompetenzen und des
Aktionsplans für Integration und Inklusion wird die Union daran arbeiten, Menschen dabei
zu unterstützen, widerstandsfähiger gegenüber Fehl- und Desinformation, Radikalisierung und
Rekrutierung für kriminelle Handlungen zu werden.
Der Schutz von Kindern vor sämtlichen Formen von Gewalt, einschließlich Kriminalität,
körperlicher oder psychischer Gewalt, online wie offline, ist ein zentrales Ziel der EU. Um den
besonderen Bedürfnissen besonders gefährdeter Gruppen wie Kinder Rechnung zu tragen, die
zunehmend von Rekrutierung und Radikalisierung, Kontaktaufnahme zu Missbrauchszwecken
60 https://www.eucpn.org/.
24
(Grooming) und sexuellem Kindesmissbrauch, Cybermobbing, Desinformation und anderen
Bedrohungen betroffen sind, wird die EU einen Aktionsplan zum Schutz von Kindern vor
Kriminalität ausarbeiten, der sowohl den Online- als auch den Offline-Bereich umfasst. Dieser
wird einen kohärenten und koordinierten Ansatz auf der Grundlage der verfügbaren
Rahmenwerke und Instrumente, einschließlich des künftigen EU-Zentrums für die Prävention
und Bekämpfung sexuellen Kindesmissbrauchs sowie anderer Einrichtungen und Agenturen
der EU, umfassen sowie Vorschläge für Möglichkeiten für das weitere Vorgehen in Bereichen,
in denen noch Lücken bestehen.
Zerschlagung krimineller Netze und ihrer Unterstützer
Der Kampf gegen kriminelle Netze mit hohem Gefahrenpotenzial sowie deren Rädelsführer
und Unterstützer muss intensiviert werden. Wenngleich in jüngster Zeit bemerkenswerte
Erfolge erzielt wurden61, stehen veraltete Vorschriften und die uneinheitliche Definition des
Begriffs „kriminelles Netz“ einer wirksamen strafrechtlichen Reaktion und
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Weg. Die Kommission wird veraltete
Rechtsvorschriften in diesem Bereich überprüfen und einen neuen Rechtsrahmen zur
Bekämpfung der organisierten Kriminalität vorschlagen, um die Reaktion zu verstärken.
Wie die EUStA und das OLAF bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Betrugsfälle und
Straftaten zum Nachteil der finanziellen Interessen der EU gezeigt haben, kann die
verwaltungsrechtliche Durchsetzung die Strafverfolgung ergänzen, um schnellere Ergebnisse
zu erzielen. Subventionsbetrüger konzentrieren sich auf Sektoren wie erneuerbare Energien,
Forschungsprogramme und den Agrarsektor62. Die Kommission wird prüfen, wie der Einsatz
straf- und verwaltungsrechtlicher Instrumente koordiniert und die Zusammenarbeit mit
Europol, Eurojust und der EUStA verbessert werden kann. Die Kommission wird auch
weiterhin die breitere Anwendung des administrativen Ansatzes unterstützen, um lokale und
andere Verwaltungsbehörden in die Lage zu versetzen, kriminelle Unterwanderung zu
unterbinden63.
Die EU arbeitet an der Stärkung ihres Rechtsrahmens zur Korruptionsbekämpfung64. Das
Europäische Parlament und der Rat sollten die Verhandlungen über den von der Kommission
vorgeschlagenen aktualisierten Rahmen für die Korruptionsbekämpfung rasch abschließen. Die
Kommission wird eine EU-Strategie zur Korruptionsbekämpfung vorlegen, um die Integrität
zu fördern und die Koordinierung zwischen allen einschlägigen Behörden und
Interessenträgern in diesem Bereich zu stärken.
Feuerwaffen sind ein Schlüsselfaktor für die zunehmende Gewalt durch organisierte kriminelle
Gruppen. Die Kommission wird gemeinsame strafrechtliche Normen für den unerlaubten
Handel mit Feuerwaffen vorschlagen. Ein neuer EU-Aktionsplan gegen den unerlaubten
Handel mit Feuerwaffen wird sich auf den Schutz des legalen Marktes und die Eindämmung
krimineller Aktivitäten konzentrieren, und zwar auf der Grundlage einer besseren
Erkenntnisgewinnung und einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit mit besonderem
Schwerpunkt auf der Ukraine und dem Westbalkan.
61 Einschließlich jüngster EMPACT-Fälle.
62 https://www.europol.europa.eu/cms/sites/default/files/documents/EU-SOCTA-2025.pdf.
63 https://administrativeapproach.eu/sites/default/files/page/files/eu-jha-council-9-10-june-conclusions-
administrative-approach-org-crime.pdf.
64 Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Bekämpfung der Korruption, zur
Ersetzung des Rahmenbeschlusses 2003/568/JI des Rates und des Übereinkommens über die Bekämpfung der
Bestechung, an der Beamte der Europäischen Gemeinschaften oder der Mitgliedstaaten der Europäischen Union
beteiligt sind, sowie zur Änderung der Richtlinie (EU) 2017/1371 des Europäischen Parlaments und des Rates
(COM(2023) 234 final, Brüssel, 3.5.2023).
25
Illegal gehandelte pyrotechnische Gegenstände, die für Straftaten eingesetzt werden, erfordern
Maßnahmen zur Verbesserung der Prävention und Rückverfolgbarkeit. Die Kommission
bewertet derzeit die Richtlinie über pyrotechnische Gegenstände und wird auch strafrechtliche
Sanktionen für den Handel mit pyrotechnischen Gegenständen in Erwägung ziehen.
Verfolgung von Geldflüssen
Die Verfolgung von Geldflüssen (Grundsatz „Follow the money“) ist für die Bekämpfung der
organisierten Kriminalität und des Terrorismus von entscheidender Bedeutung, gestaltet sich
aber nach wie vor sehr schwierig. Die Verbindung zwischen organisierter Kriminalität und
Geldflüssen erfordert intensive und gemeinsame Anstrengungen, um den Zugang krimineller
Netze zu Finanzierungsquellen zu unterbinden und Menschen, Unternehmen und öffentliche
Haushalte besser zu schützen.
Die EU hat ihre Bemühungen mit den neuen Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche,
einschließlich der Einrichtung der AMLA65, verstärkt. Die Zusammenarbeit zwischen der
AMLA, dem OLAF, der EUStA, Eurojust und Europol ist für die Durchführung wirksamer
Finanzermittlungen von wesentlicher Bedeutung. Die Kommission wird die Einrichtung von
Partnerschaften unterstützen – sowohl solcher, die die Zusammenarbeit zwischen den
Behörden erleichtern, als auch solcher, an denen der Privatsektor beteiligt ist.
Um die finanziellen Motive der organisierten Kriminalität zu zerschlagen, sind die
Beschlagnahme von Vermögenswerten und die Einziehung von Erlösen aus Straftaten
unerlässlich. Die kürzlich verabschiedeten strengeren Vorschriften für die Abschöpfung und
Einziehung von Vermögenswerten66 sollten von den Mitgliedstaaten unverzüglich umgesetzt
und in vollem Umfang angewendet werden. Auch die Bekämpfung paralleler Finanzsysteme,
die genutzt werden, um den EU-Rahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche zu umgehen,
darunter kryptobasierte Systeme, erfordert innovative Maßnahmen, den Austausch bewährter
Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten und eine verstärkte Unterstützung durch Europol und
Eurojust. Die Kommission wird die Machbarkeit eines neuen EU-weiten Systems zur
Verfolgung von Gewinnen aus organisierter Kriminalität und Terrorismusfinanzierung prüfen
und außerdem einen zeitnahen und erweiterten Informationsfluss von den zentralen
Meldestellen an die Strafverfolgungsbehörden fördern. Die Kommission wird prüfen, wie
Schlupflöcher geschlossen werden können, die Mitgliedstaaten beim Aufbau von Kapazitäten
unterstützen und weiter an der Stärkung der Zusammenarbeit mit Drittländern arbeiten, die von
Kriminellen für illegale Bankgeschäfte missbraucht werden.
Bekämpfung schwerer Straftaten
Neben der Zerschlagung krimineller Netze sind für die Bekämpfung schwerer Straftaten
gezielte Anstrengungen erforderlich. Um unsere Fähigkeit zur Bekämpfung von Online-
Betrug zu stärken, der erhebliche finanzielle Schäden verursacht67, wird die Kommission
Präventionsmaßnahmen und wirksamere Strafverfolgungsmaßnahmen unterstützen und mit
den Mitgliedstaaten und Interessenträgern zusammenarbeiten, um Opfer zu unterstützen und zu
schützen, unter anderem durch Hilfe bei der Wiedererlangung ihrer Gelder. Diese Bemühungen
werden in einem Aktionsplan zu Bekämpfung von Online-Betrug formalisiert.
Aufbauend auf der EU-Strategie zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern
2020-202568 wird die Kommission die beiden gesetzgebenden Organe dabei unterstützen, die
65 https://www.amla.europa.eu/index_en.
66 Richtlinie (EU) 2024/1260 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. April 2024 über die
Abschöpfung und Einziehung von Vermögenswerten (ABl. L, 2024/1260, 2.5.2024).
67 Global State of Scams Report 2024.
68 COM(2020) 607 final.
26
beiden Legislativvorschläge69 zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von
Kindern im Internet und zur wirksameren Strafverfolgung von sexuellem Missbrauch und
sexueller Ausbeutung von Kindern fertigzustellen Da die Übergangsvorschriften nur bis April
2026 gelten, muss unbedingt ein dauerhafter Rechtsrahmen geschaffen werden, und die
Kommission fordert die beiden gesetzgebenden Organe auf, Verhandlungen über den Entwurf
einer Verordnung zur Festlegung von Vorschriften zur Prävention und Bekämpfung des
sexuellen Missbrauchs von Kindern aufzunehmen. Die beiden gesetzgebenden Organe werden
ferner ersucht, die Verhandlungen über die Richtlinie zur Bekämpfung des sexuellen
Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie von Darstellungen sexuellen
Missbrauchs von Kindern voranzubringen, in der Mindestvorschriften für die Definition von
Straftaten und Sanktionen im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Kindern festgelegt
werden.
Die Hälfte der gefährlichsten kriminellen Netze in der EU ist in gewaltsamen Drogenhandel
verwickelt. Obschon die EU kürzlich ihre Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Art von
Kriminalität verstärkt hat70, insbesondere durch die Ausweitung des Mandats der
Drogenagentur der EU, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Die Kommission wird eng mit
den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um eine neue EU-Drogenstrategie vorzuschlagen.
Außerdem wird sie den Rechtsrahmen für Drogenausgangsstoffe überarbeiten und einen
Europäischen Aktionsplan gegen den Drogenhandel vorschlagen, um Routen zu
unterbrechen und Geschäftsmodelle zu stören. Die öffentlich-private Partnerschaft der
Europäischen Hafenallianz zur Stärkung des Schutzes von Häfen wird auf kleinere Häfen und
Binnenhäfen ausgeweitet, um die Durchsetzung der Vorschriften zur Gefahrenabwehr im
Seeverkehr sicherzustellen. In Anerkennung der schwerwiegenden lokalen Auswirkungen des
Drogenhandels wird die Kommission weiterhin eine ausgewogene, evidenzbasierte und
multidisziplinäre Drogenpolitik unterstützen, die für plötzliche Drogenzuströme, insbesondere
synthetische Opioide, gerüstet ist.
Um die Ausbeutung von Menschen zu bekämpfen, wurden neue EU-Vorschriften
angenommen71 und es wird eine neue Strategie der EU zur Bekämpfung des
Menschenhandels (2026-2030) auf den Weg gebracht, die alle Phasen von der Prävention bis
zur Strafverfolgung abdeckt, wobei der Schwerpunkt auf der Unterstützung der Opfer sowohl
auf EU-Ebene als auch auf internationaler Ebene liegt.
In Bezug auf die Bekämpfung der Schleuserkriminalität wird die Kommission gemeinsam
mit wichtigen Partnern im Rahmen der neuen Globalen Allianz zur Bekämpfung der
Schleuserkriminalität in Zusammenarbeit mit Europol, Eurojust und Frontex die Bemühungen,
auch im Online-Bereich, anführen. Die Vorschläge der Kommission zur Bekämpfung der
Schleuserkriminalität72 sollten unverzüglich angenommen und umgesetzt werden. Darüber
hinaus hat die Kommission nach der Annahme des Instrumentariums für
Verkehrsunternehmen73 ihre Kontakte zu ausländischen Behörden und Betreibern intensiviert
und wird weiterhin mit der Luftfahrtindustrie und den Zivilluftfahrtorganisationen74
69 COM(2022) 209 final und COM(2024) 60 final.
70 COM(2023) 641 final.
71 Richtlinie (EU) 2024/1712 vom 13. Juni 2024 zur Änderung der Richtlinie 2011/36/EU zur Verhütung und
Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer (ABl. L, 2024/1712, 24.6.2024).
72 COM(2023) 755 final und COM(2023) 754 final.
73 Toolbox addressing the use of commercial means of transport to facilitate irregular migration to the EU.
74 Einschließlich der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation.
27
zusammenarbeiten, um das Bewusstsein für die Schleusung von Migranten auf dem Luftweg
zu schärfen75.
Umweltkriminalität gefährdet langfristig die Umwelt, die öffentliche Gesundheit und die
Wirtschaft. Die Kommission wird die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Richtlinie über
Umweltkriminalität76 unterstützen und operative Netze und Maßnahmen in diesem Bereich
stärken77. Eine konsequente Durchsetzung ist wesentlich. Überdies wird das kürzlich
verabschiedete Übereinkommen des Europarats über den Schutz der Umwelt durch das
Strafrecht78 dazu beitragen, dass sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas entschlossene
und vergleichbare Anstrengungen zur Bekämpfung der Umweltkriminalität unternommen
werden.
Strafrechtliche Reaktion
Kriminalität und Terrorismus können jeden treffen; daher ist es unerlässlich, die Rechte der
Opfer zu schützen und zu wahren, um Schäden zu mindern und die allgemeine Sicherheit und
das Vertrauen in die Behörden zu stärken. Aufbauend auf der Opferschutzrichtlinie wird die
Kommission eine neue Strategie für die Rechte von Opfern auf den Weg bringen.
Die Strafrechtssysteme in der EU brauchen wirksame Instrumente, um neuen Bedrohungen
zu begegnen. Dazu hat die Kommission ein Hochrangiges Forum zur Zukunft der
Strafjustiz in der EU ins Leben gerufen. In diesem Forum kommen die Mitgliedstaaten, das
Europäische Parlament, EU-Agenturen und -Einrichtungen sowie andere relevante
Interessenträger zusammen. Ziel ist es zu erörtern, wie sichergestellt werden kann, dass unsere
Strafrechtssysteme angesichts sich wandelnder Herausforderungen wirksam, fair und
widerstandsfähig bleiben, während gleichzeitig die justizielle Zusammenarbeit und das
gegenseitige Vertrauen gestärkt wird, auch durch Digitalisierung79.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird
im Jahr 2026 einen Legislativvorschlags für modernisierte Vorschriften zur
Bekämpfung der organisierten Kriminalität vorlegen;
im Jahr 2025 einen Legislativvorschlags zur Überarbeitung des Rechtsrahmens für
Drogenausgangsstoffe vorlegen;
im Jahr 2025 einen Legislativvorschlags für gemeinsame strafrechtliche Standards
bezüglich des unerlaubten Handels mit Feuerwaffen vorlegen;
die Notwendigkeit einer Überarbeitung der Richtlinie über pyrotechnische
Gegenstände und der Richtlinie über Explosivstoffen für zivile Zwecke bewerten;
die Notwendigkeit einer weiteren Stärkung der Europäischen
Ermittlungsanordnung und des Europäischen Haftbefehls bewerten;
im Jahr 2026 eine neue Strategie der EU zur Bekämpfung des Menschenhandels
vorlegen;
75 Die Kommission wird auch die Fertigstellung der Verordnung über Maßnahmen gegen Verkehrsunternehmen,
die Menschenhandel oder die Schleusung von Migranten erleichtern oder daran beteiligt sind (COM(2021) 753
final) unterstützen.
76 Richtlinie (EU) 2024/1203 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. April 2024 über den
strafrechtlichen Schutz der Umwelt (ABl. L, 2024/1203, 30.4.2024).
77 Gemeinschaftsnetz für die Durchführung und Durchsetzung des Umweltrechts, Europäisches Netz der in
Umweltsachen tätigen Staatsanwälte, EnviCrimeNet und Richterforum der Europäischen Union für Umwelt.
78 Committee of experts on the protection of the environment through Criminal Law (PC-ENV) – Europäischer
Ausschuss für Strafrechtsfragen.
79 Insbesondere durch die Einrichtung der Kommunikation via Online-Datenaustausch im Rahmen der E-Justiz
und des Europäischen Strafregisterinformationssystem für Drittstaatsangehörige.
28
im Jahr 2026 eine neue Strategie für die Rechte von Opfern vorlegen;
bis 2027 einen EU-Aktionsplan zum Schutz von Kindern vor Kriminalität vorlegen;
im Jahr 2025 einen Europäischen Aktionsplan gegen den Drogenhandel vorlegen;
im Jahr 2026 einen EU-Aktionsplan gegen den unerlaubten Handel mit
Feuerwaffen vorlegen;
ab 2025 schrittweise die Europäische Hafenallianz ausweiten;
im Jahr 2026 Leitlinien zum Schutz von Minderjährigen im Rahmen des Gesetzes
über digitale Dienste annehmen;
im Jahr 2026 einen EU-Aktionsplan gegen Cybermobbing vorlegen.
Die Mitgliedstaaten werden nachdrücklich aufgefordert,
die neuen Vorschriften über die Abschöpfung und Einziehung von
Vermögenswerten bis Ende 2026 vollständig umzusetzen und in vollem Umfang
anzuwenden;
den administrativen Ansatz bei der Bekämpfung der kriminellen Unterwanderung
umzusetzen;
öffentlich-private Partnerschaften zur Bekämpfung der Geldwäsche einzurichten;
die Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und
häuslicher Gewalt umzusetzen und vollständig anzuwenden.
Das Europäische Parlament und der Rat werden ausdrücklich aufgefordert,
die Verhandlungen über die Verordnung zur Festlegung von Vorschriften zur
Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und über die
Richtlinie zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen
Ausbeutung von Kindern sowie von Darstellungen sexuellen Missbrauchs von
Kindern aufzunehmen;
die Verhandlungen über die Richtlinie zur Bekämpfung der Korruption
abzuschließen.
6. Bekämpfung von Terrorismus und gewaltorientiertem Extremismus
Wir werden eine umfassende Agenda zur Terrorismusbekämpfung einführen, um
Radikalisierung zu verhindern, den Online- und den öffentlichen Raum zu sichern,
Finanzierungskanäle zu blockieren und bei Angriffen zu reagieren.
Die Terrorgefahr in der EU ist nach wie vor hoch. Sie steht in engem Zusammenhang mit den
Ausstrahlungseffekten geopolitischer Ereignisse, mit neuen Technologien und neuen Methoden
der Terrorismusfinanzierung. Wir müssen dafür sorgen, dass die EU gut gerüstet ist, um
Bedrohungen vorherzusehen, Radikalisierung (sowohl offline als auch online) zu verhindern,
die Bürgerinnen und Bürger und den öffentlichen Raum vor Angriffen zu schützen und im Falle
von Angriffen wirksam zu reagieren. Im Jahr 2025 wird eine neue EU-Agenda zur Prävention
und Bekämpfung von Terrorismus und gewaltbereitem Extremismus vorgelegt, in der die
künftigen Maßnahmen der EU dargelegt sind. Im Einklang mit der neuen Agenda werden die
EU und der Westbalkan 2025 den neuen Gemeinsamen Aktionsplan zur Prävention und
Bekämpfung von Terrorismus und gewaltorientiertem Extremismus unterzeichnen.
Prävention von Radikalisierung und Schutz von Menschen im Internet
Ähnlich wie beim Kampf gegen die organisierte Kriminalität beginnt die Bekämpfung von
Terrorismus und gewaltbereitem Extremismus damit, die eigentlichen Ursachen anzugehen.
Das EU-Wissenszentrum zur Prävention von Radikalisierung wird seine Unterstützung für
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Praktiker und politische Entscheidungsträger mit einem neuen umfassenden
Präventionsinstrumentarium verstärken, um eine frühzeitige Erkennung gefährdeter
Personen, insbesondere unter Minderjährigen, und entsprechende Maßnahmen zu ermöglichen.
Radikalisierung findet häufig in Gefängnissen statt. Um die Mitgliedstaaten bei der
Bewältigung dieses Problems zu unterstützen, wird die Kommission neue Empfehlungen
herausgeben.
Terroristen und gewalttätige Extremisten nutzen Online-Plattformen, um terroristische und
andere schädliche Inhalte zu verbreiten, Gelder zu sammeln und neue Anhänger zu rekrutieren.
Gefährdete Nutzer, insbesondere Minderjährige, werden im Internet in alarmierendem Ausmaß
radikalisiert. Die Verordnung zur Bekämpfung terroristischer Online-Inhalte hat
maßgeblich dazu beigetragen, der Verbreitung terroristischer Inhalte im Internet
entgegenzuwirken, indem sie die rasche Entfernung abscheulichster und gefährlichster Inhalte
ermöglicht hat80. Die Kommission bewertet derzeit ihre Funktionsweise und wird prüfen, wie
dieser Rahmen am besten gestärkt werden kann.
Das EU-Krisenprotokoll für eine gemeinsame, rasche Reaktion der Strafverfolgungsbehörden
und der Technologiebranche im Hinblick auf einen Terroranschlag wird geändert, um
Skalierbarkeit und Flexibilität zu gewährleisten und so auf die zunehmende Online-Dimension
terroristischer Anschläge reagieren zu können. Das EU-Internetforum wird auch weiterhin das
wichtigste Forum für die freiwillige Zusammenarbeit mit der Technologiebranche bei der
Bekämpfung terroristischer und anderer schädlicher Online-Inhalte sein. Darüber hinaus
beteiligt sich die Kommission an internationalen Initiativen wie der Christchurch Call
Foundation und dem Globalen Internetforum zur Bekämpfung des Terrorismus.
Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung
Terroristen finanzieren ihre Aktivitäten über Crowdfunding-Kampagnen, Kryptowerte, Neo-
Banken oder Online-Zahlungsplattformen. Die Strafverfolgungsbehörden müssen diese
Finanzströme aufdecken und untersuchen. Dies erfordert Mittel, Instrumente und Fachwissen.
Dem Netzwerk der Finanzermittler zur Terrorismusbekämpfung kommt dabei eine
zentrale Rolle zu. Die Kommission wird die Schaffung eines neuen EU-weiten Systems zur
Verfolgung der Terrorismusfinanzierung prüfen, das Transaktionen innerhalb der EU und
SEPA-Transaktionen, Kryptowertetransfers sowie Online- und elektronische Zahlungen
umfasst und das Abkommen zwischen der EU und den USA über das Programm zum
Aufspüren der Finanzierung des Terrorismus ergänzt.
Der EU-Haushalt muss vor Missbrauch zum Zwecke der Förderung
radikaler/extremistischer Ansichten in den Mitgliedstaaten geschützt werden. Die
überarbeitete Haushaltsordnung sieht nun eine Verurteilung wegen „Aufstachelung zu
Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt“ als Grund für den Ausschluss von der
Finanzierung durch die EU vor. Die Kommission wird weiterhin prüfen, wie das
Instrumentarium am besten genutzt werden kann, auch bei der Auswahl potenzieller
Begünstigter. Der Schutz des EU-Haushalts hängt auch von einer engen Zusammenarbeit und
einem intensiven Informationsaustausch mit den nationalen Behörden sowie den Agenturen
und Einrichtungen der EU ab.
Schutz vor Angriffen
Neben Investitionen in die Prävention von Radikalisierung besteht eine wichtige Komponente
des Schutzes von Bürgerinnen und Bürger darin, die Mittel für Terroristen und andere
80 Bis zum 31. Dezember 2024 wurden 1 426 Anordnungen zur Entfernung terroristischer Inhalte oder zur
Sperrung des Zugangs zu diesen Inhalten erlassen, wobei die überwiegende Mehrheit davon dschihadistische
terroristische Inhalte, aber auch rechtsextremistische terroristische Inhalte betraf.
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Kriminelle einzuschränken, mit denen sie Anschläge verüben. Es müssen Maßnahmen sowohl
in Bezug auf die von Terroristen verwendeten Instrumente als auch zum Schutz der von
Anschlägen bedrohten Ziele ergriffen werden.
Zusätzlich zu den Maßnahmen bezüglich Feuerwaffen wird die Kommission auch die
Vorschriften über Ausgangsstoffe für Explosivstoffe überprüfen, um Chemikalien mit
hohem Risiko einzubeziehen. Der öffentliche Raum bleibt das häufigste Ziel für
Terroranschläge, insbesondere durch Einzeltäter. Um die Bürgerinnen und Bürger zu schützen,
wird das EU-Sicherheitsberaterprogramm gestärkt, um auf Ersuchen der Mitgliedstaaten und
mit Mitteln des EU-Haushalts im Rahmen des Fonds für die innere Sicherheit
Schwachstellenanalysen für den öffentlichen Raum, für kritische Infrastrukturen und für
Hochrisikoereignisse durchzuführen. Die EU wird bestrebt sein, die verfügbaren Mittel für den
Schutz des öffentlichen Raums aufzustocken. Die Kommission bietet den Behörden der
Mitgliedstaaten und privaten Akteuren Unterstützung durch spezielle Orientierungshilfen und
Instrumente, darunter das Wissenszentrum für den Schutz des öffentlichen Raums81. Seit 2020
wurden bereits 70 Mio. EUR für den Schutz des öffentlichen Raums bereitgestellt.
Die Kommission wird in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und privaten Partnern
zudem die Einführung des Erfordernisses für Organisationen prüfen, Sicherheitsmaßnahmen an
öffentlich zugänglichen Orten zu erwägen oder zu ergreifen.
Angesichts offensichtlicher Schwachstellen wird die Strategie der EU zur Bekämpfung von
Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens (2021-2030) weiterhin als
Richtschnur für die Maßnahmen der Kommission zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft
dienen. Die Kommission wird ebenso dafür sorgen, dass geeignete Instrumente zur Verfügung
stehen, um die Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung von Hass gegen Muslime zu unterstützen.
Der Einsatz von Drohnen zu Spionagezwecken und für Angriffe stellt eine zunehmende
Herausforderung für die Sicherheit dar. Die Kommission wird eine harmonisierte
Testmethode für Drohnenabwehrsysteme entwickeln, ein Kompetenzzentrum für die
Drohnenabwehr einrichten und prüfen, ob die Rechtsvorschriften und Verfahren der
Mitgliedstaaten einer Harmonisierung bedürfen82.
Ausländische terroristische Kämpfer
Um ausländische terroristische Kämpfer zu identifizieren, die zurückkehren oder an den EU-
Außengrenzen einreisen, werden Daten über Personen benötigt, die eine terroristische
Bedrohung darstellen. Zu diesem Zweck wird die Kommission gemeinsam mit Europol ihre
Zusammenarbeit mit wichtigen Drittstaaten verstärken, um biografische und
biometrische Daten über Personen, die eine terroristische Bedrohung darstellen
könnten – einschließlich ausländischer terroristischer Kämpfer – zu erhalten, die dann unter
uneingeschränkter Einhaltung des geltenden Rechtsrahmens der EU und der Mitgliedstaaten in
das Schengener Informationssystem eingegeben werden können. Daher ist es von
entscheidender Bedeutung, dass die Mitgliedstaaten alle vorhandenen Instrumente nutzen.
Dazu gehören die Eingabe aller relevanten Informationen in das SIS, die Verbesserung der
biometrischen Kontrollen und die obligatorische systematische Kontrolle aller Personen an den
EU-Außengrenzen83. Darüber hinaus werden die von Frontex entwickelten gemeinsamen
Risikoindikatoren die Grenzkontrollbehörden der Mitgliedstaaten weiterhin dabei
81 Knowledge Hub on the Protection of Public Spaces.
82 Entsprechend den wichtigsten Maßnahmen in der Mitteilung zur Drohnenabwehr von 2023 (COM(2023) 659
final).
83 In voller Übereinstimmung mit dem Schengener Grenzkodex und der Screening-Verordnung.
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unterstützen, das Risiko verdächtiger Reisen potenzieller ausländischer terroristischer Kämpfer
zu ermitteln und zu bewerten.
Um sicherzustellen, dass die Mitgliedstaaten weiterhin Zugang zu Beweismitteln aus
Kampfgebieten haben, die vom Ermittlungsteam der Vereinten Nationen zur Förderung der
Rechenschaftspflicht für von ISIL (Da'esh) begangene Verbrechen (United Nations
Investigative Team to Promote Accountability for Crimes Committed by Da’esh/ISIL,
UNITAD) für die Strafverfolgung ausländischer terroristischer Kämpfer gesammelt wurden,
wird die Kommission gemeinsam mit Eurojust die Möglichkeit prüfen, diese Beweismittel in
der Eurojust-Datenbank für Beweismittel für Kernverbrechen des Völkerstrafrechts zu
speichern. Darüber hinaus werden die Justizbehörden der Mitgliedstaaten durch das neue
Justizielle Terrorismusregister weiterhin dabei unterstützt, grenzüberschreitende
Verbindungen in Terrorismusfällen schnell aufzudecken.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird
im Jahr 2025 eine neue EU-Agenda zur Prävention und Bekämpfung von
Terrorismus und gewaltbereitem Extremismus annehmen;
im Jahr 2025 mit dem Westbalkan einen neuen Gemeinsamen Aktionsplan zur
Prävention und Bekämpfung von Terrorismus und gewaltorientiertem
Extremismus unterzeichnen;
ein neues umfassendes Präventionsinstrumentarium mit dem EU-
Wissenszentrums entwickeln;
im Jahr 2026 die Anwendung der Verordnung zur Bekämpfung terroristischer
Online-Inhalte bewerten;
im Jahr 2025 das EU-Krisenprotokoll ändern;
im Jahr 2026 einen Legislativvorschlag zur Überarbeitung der Verordnung über
die Vermarktung und Verwendung von Ausgangsstoffen für Explosivstoffe
vorlegen;
die Machbarkeit eines neuen EU-weiten Systems zur Verfolgung von
Terrorismusfinanzierung prüfen.
Die Mitgliedstaaten werden nachdrücklich aufgefordert,
die biometrischen Kontrollen zu verbessern und obligatorische systematische
Kontrollen an den EU-Außengrenzen durchzuführen;
das Europäischen Justizielle Terrorismusregister in vollem Umfang zu nutzen.
7. Die EU als starker globaler Akteur im Bereich Sicherheit
Um die Sicherheit in der EU zu erhöhen, werden wir die operative Zusammenarbeit durch
Partnerschaften mit wichtigen Regionen wie unseren Erweiterungs- und
Nachbarschaftspartnern, Lateinamerika und dem Mittelmeerraum stärken. Die
Sicherheitsinteressen der EU werden bei der internationalen Zusammenarbeit berücksichtigt,
unter anderem durch die Nutzung von Werkzeugen und Instrumenten der EU.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die äußere und die innere Sicherheit der EU untrennbar
miteinander verbunden sind. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der Konflikt im
Gazastreifen, die Lage in Syrien und sich abzeichnende Konflikte weltweit haben
schwerwiegende Ausstrahlungseffekte auf die innere Sicherheit der EU. Um den Auswirkungen
der globalen Instabilität auf ihre innere Sicherheit entgegenzuwirken, muss die EU ihre
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Sicherheitsinteressen aktiv verteidigen, indem sie Bedrohungen von außen angeht, die
Menschenhandelsrouten unterbricht und Korridore von strategischem Interesse wie etwa
Handelsrouten schützt. Gleichzeitig wird die EU ihren Partnerländern weiterhin ein starker
Verbündeter sein und gemeinsam mit ihnen daran arbeiten, die globale Sicherheit zu erhöhen
und die gegenseitige Widerstandsfähigkeit gegenüber Bedrohungen zu stärken.
In den letzten Jahren hat die EU bedeutende Schritte zur Verbesserung der
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit unternommen. Sie hat operative Abkommen über
Strafverfolgung und justizielle Zusammenarbeit sowie andere Arten von Vereinbarungen mit
Partnerländern geschlossen. Sie setzt sich aktiv für weitere internationale Abkommen im
Einklang mit den Verhandlungsrichtlinien des Rates und für Initiativen zum Kapazitätsaufbau
ein, die von den Agenturen und Einrichtungen der EU unterstützt werden. Von entscheidender
Bedeutung für die Stärkung der Sicherheit mit Partnerländern ist auch das Instrument für
Nachbarschaft, Entwicklungszusammenarbeit und internationale Zusammenarbeit – Europa in
der Welt.
Die regelbasierte multilaterale Ordnung ist ein Eckpfeiler für die Stärkung der globalen
Sicherheit. Sicherheitsdialoge, einschließlich thematischer Dialoge, sind zur Unterstützung
dieser Bemühungen wesentlich. Die Umsetzung des Strategischen Kompasses für Sicherheit
und Verteidigung und bilateraler und multilateraler Kooperationsrahmen wie Stabilisierungs-
und Assoziierungsabkommen und Assoziierungsabkommen sowie die Zusammenarbeit mit
Organisationen wie den Vereinten Nationen und der NATO sind für die Entwicklung wirksamer
Sicherheitslösungen von zentraler Bedeutung. Die EU wird weiterhin ihren Beitrag in
multilateralen Foren84 leisten und ihre Zusammenarbeit mit einschlägigen internationalen und
regionalen Organisationen und Rahmen wie der NATO, den Vereinten Nationen, dem
Europarat, Interpol, der G7, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und
der Zivilgesellschaft intensivieren.
Regionale Zusammenarbeit
Die Fortsetzung der unerschütterlichen Unterstützung der Ukraine durch die EU und die
Stärkung der Sicherheit und Widerstandsfähigkeit der Erweiterungsländer der EU sind
vorrangige politische und geostrategische Erfordernisse. Die Unterstützung der Sicherheit der
EU sollte einhergehen mit der beschleunigten Integration der Bewerberländer in die
Sicherheitsarchitektur der EU, parallel zur Konsolidierung ihrer regionalen Zusammenarbeit.
Die Kommission wird die Erweiterungspolitik der EU nutzen, um die Fähigkeit der
Bewerberländer und möglichen Bewerberländer zu unterstützen, auf Bedrohungen zu
reagieren, die operative Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zu verstärken und die
Angleichung an die Grundsätze, Rechtsvorschriften und Instrumente der EU sicherzustellen.
Das Instrument für Heranführungshilfe (Instrument for Pre-accession Assistance, IPA III)
sowie die Ukraine-Fazilität, die Reform- und Wachstumsfazilität für Moldau und die Reform-
und Wachstumsfazilität für den Westbalkan sind für die Stärkung der Sicherheit sowohl in den
Bewerberländer als auch in den möglichen Bewerberländern von entscheidender Bedeutung.
Die EU wird auch die Nachbarschaftspartner weiter in die Sicherheitsarchitektur der EU
integrieren. Im Rahmen des neuen Pakts für den Mittelmeerraum und des anstehenden
Strategischen Ansatzes für den Schwarzmeerraum wird die Union darauf hinarbeiten, die
regionale Zusammenarbeit und bilaterale umfassende strategische Partnerschaften mit einer
Sicherheitsdimension auszubauen, gegebenenfalls mit regelmäßigen hochrangigen
Sicherheitsdialogen. Die operative Zusammenarbeit mit Nordafrika, dem Nahen Osten und
84 Globales Forum „Terrorismusbekämpfung“, internationale Allianz gegen Da’esh, Globales Internetforum zur
Bekämpfung des Terrorismus, Christchurch Call Foundation, Globale Koalition zur Bewältigung der Gefahren
durch synthetische Drogen (Global Coalition to Address Synthetic Drug Threats).
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den Golfstaaten wird verstärkt, vor allem in den Bereichen Terrorismusbekämpfung,
Bekämpfung der Geldwäsche, des Handels mit Feuerwaffen sowie der Herstellung von und des
Handels mit Drogen, insbesondere Captagon.
Um der Zunahme terroristischer und krimineller Aktivitäten und ihren potenziellen
Ausstrahlungseffekten in Subsahara-Afrika, insbesondere in der Sahelzone, am Horn von
Afrika und in Westafrika, entgegenzuwirken, wird die EU die Afrikanische Union, die
regionalen Wirtschaftsgemeinschaften und die Länder in der Region stärker unterstützen. Im
Einklang mit der EU-Strategie für maritime Sicherheit85 wird die EU die Zusammenarbeit im
Golf von Guinea, im Roten Meer und im Indischen Ozean bei der Bekämpfung von
Menschenhandel und Piraterie verstärken, indem sie die innerafrikanische und regionale
Zusammenarbeit unterstützt; dabei erhält sie Hilfe durch die koordinierten maritimen Präsenzen
der EU und das Operationszentrum für den Kampf gegen den Drogenhandel im Atlantik.
Mit Lateinamerika und der Karibik wird die EU ihre operative Zusammenarbeit verstärken,
um kriminelle Netze mit hohem Risikopotenzial zu zerschlagen und strafrechtlich zu verfolgen
sowie illegale Aktivitäten zu stoppen und Schmuggelrouten zu unterbrechen, indem sie die
Kooperationsrahmen, darunter der Lateinamerikanische Ausschuss für innere Sicherheit und
der Mechanismus zur Koordinierung und Zusammenarbeit im Bereich der Drogenbekämpfung,
verbessert. Zu den Prioritäten werden die Resilienz von Logistikknotenpunkten und
Partnerschaften sowie der Grundsatz „Follow the money“ gehören. Die EU wird die
Entwicklung der amerikanischen Polizeigemeinschaft (AMERIPOL) weiter unterstützen, damit
diese zum regionalen Pendant von Europol wird und die justizielle Zusammenarbeit der
Mitgliedstaaten und in der Region gestärkt wird. Die EU wird auch mit Süd- und Zentralasien
bei gemeinsamen sicherheitspolitischen Herausforderungen im Zusammenhang mit
Terrorismus, illegalem Warenhandel einschließlich Drogen, Menschenhandel und
Schleuserkriminalität zusammenarbeiten.
Darüber hinaus wird die EU regionale Kooperationsrahmen in Drittstaaten unterstützen, um
diese im Einklang mit dem Grundsatz der gemeinsamen Verantwortung für die gesamte
kriminelle Lieferkette bei der Unterbindung des illegalen Handels an der Quelle weiter zu
unterstützen. Weiter wird die EU ihren Teil dazu beitragen, die Sicherheit von
Logistikknotenpunkten im Ausland zu verbessern, indem sie gemeinsame Inspektionen in
Häfen in Drittstaaten koordiniert.
Operative Zusammenarbeit
Im Rahmen von Global Gateway werden nachhaltige und hochwertige Infrastrukturprojekte
in den Bereichen Digitales, Klima und Energie, Verkehr, Gesundheit, Bildung und Forschung
gefördert. Bei Investitionen im Rahmen von Global Gateway wird die Kommission jetzt
Sicherheitserwägungen berücksichtigen, sofern dies angezeigt ist. Dazu gehören Initiativen, die
für die strategische Autonomie der EU und ihrer Partnerländer von entscheidender Bedeutung
sind, z. B. Infrastrukturprojekte, die Sicherheitsbewertungen und
Risikominderungsmaßnahmen umfassen.
Die Kommission wird weitere Abkommen zwischen der EU und Drittstaaten über die
Zusammenarbeit mit Europol und Eurojust anstreben, insbesondere mit
lateinamerikanischen Ländern.
Darüber hinaus ist die proaktive Beteiligung von Nicht-EU-Ländern an EMPACT eines der
wirksamsten Mittel zur Stärkung der operativen Zusammenarbeit. Die EU wird die Beteiligung
von Drittstaaten, insbesondere von Ländern des Westbalkans, der östlichen Nachbarschaft, in
85 JOIN(2023) 8 final.
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Subsahara-Afrika, in Nordafrika, im Nahen Osten, in Lateinamerika und in der Karibik, in
diesem Rahmen weiter fördern. Ein weiteres Instrument zur Intensivierung der
Zusammenarbeit mit Drittstaaten bei der Kriminalitätsbekämpfung sind die von Europol
koordinierten operativen Taskforces zwischen den Mitgliedstaaten, an denen auch Drittländer
teilnehmen können. Die Kommission strebt außerdem den Abschluss der Verhandlungen über
das internationale Abkommen zwischen der EU und Interpol86 an, um einen einheitlicheren
Ansatz für das Vorgehen gegen globale Sicherheitsbedrohungen und die Bekämpfung der
grenzüberschreitenden Kriminalität zu gewährleisten.
Im Rahmen des „Team Europa“-Konzepts muss die Union Präsenz vor Ort zeigen.
Spezialisierte Bedienstete der Union und der Mitgliedstaaten spielen eine entscheidende Rolle,
wenn es darum geht, sicherzustellen, dass die Union in ihrem auswärtigen Handeln hinreichend
fundiert, koordiniert und reaktionsfähig vorgeht. Um diesen Ansatz eine Stufe weiter zu
bringen, wird die Kommission mit Unterstützung der Hohen Vertreterin für die Außen- und
Sicherheitspolitik die Verbindungsnetze stärken und die Entsendung regionaler
Verbindungsbeamter von Europol und Eurojust entsprechend den operativen
Erfordernissen der Mitgliedstaaten erleichtern.
Die EU wird sich für eine engere operative Zusammenarbeit in den Bereichen Strafverfolgung
und justizielle Zusammenarbeit einsetzen sowie den Informationsaustausch in Echtzeit und
gemeinsame Aktionen durch gemeinsame Ermittlungsgruppen in Drittstaaten mit
Unterstützung von Europol und Eurojust fördern. Die Kommission wird die Mitgliedstaaten
auch bei der Einrichtung gemeinsamer Verbindungszentren unterstützen, in denen Fachleute
und Bedienstete der örtlichen Strafverfolgungsbehörden in strategischen Drittstaaten
zusammenkommen.
Instrumente der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)
Auch die Missionen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
(GSVP) werden entsprechend den vom Rat festgelegten Mandaten in vollem Umfang genutzt,
um externe Bedrohungen für die innere Sicherheit der EU besser zu erkennen und zu
bekämpfen. Zum Kapazitätsaufbau in Drittstaaten werden die Hohe Vertreterin für die Außen-
und Sicherheitspolitik und die Kommission GSVP-Maßnahmen mit speziellen
Finanzierungsinstrumenten unterstützen und alle geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten
ausloten.
Restriktive Maßnahmen der EU sind ein bewährtes Instrument der GASP, das auch im
Kampf gegen den Terrorismus eingesetzt wird. Auf der Grundlage von Vorschlägen der Hohen
Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik, der Mitgliedstaaten oder der Kommission
könnte der Rat prüfen, wie die bestehenden eigenständigen restriktiven EU-Maßnahmen (EU-
Terroristenliste) wirksamer, operativer und flexibler gestaltet werden könnten. Darüber hinaus
könnte der Rat erwägen, im Einklang mit den Zielen der GASP zusätzliche restriktive
Maßnahmen gegen kriminelle Netze zu prüfen.
Visumpolitik und Informationsaustausch
Durch die Kontrolle der Einreise in die EU und die Festlegung der entsprechenden
Bedingungen ist die Visumpolitik der EU ein wichtiges Instrument für die Zusammenarbeit mit
Drittstaaten und die Sicherung unserer Grenzen. Im Rahmen der anstehenden Strategie für eine
EU-Visumpolitik wird die Kommission Sicherheitserwägungen vollständig in die
Visumpolitik der EU einbeziehen. Die Kommission wird mit den beiden gesetzgebenden
Organen zusammenarbeiten, um den Vorschlag zur Überarbeitung und Straffung des Visa-
86 Beschluss (EU) 2021/1312 des Rates vom 19. Juli 2021 und Beschluss (EU) 2021/1313 des Rates vom 19. Juli
2021.
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Aussetzungsmechanismus anzunehmen, insbesondere für bestimmte Fälle des Missbrauchs der
Regelung für visumfreies Reisen87. Drittstaaten werden dazu angehalten, Informationen über
Personen, die eine Sicherheitsbedrohung darstellen könnten, weiterzugeben, damit diese in EU-
Informationssysteme und -Datenbanken eingegeben werden können.
Um politische Koordinierung und vorgelagerte Maßnahmen zu erzielen und eine effizientere,
schnellere und reibungslosere Zusammenarbeit zu ermöglichen, wird die Kommission auf die
Festlegung von Regelungen für den Datenfluss hinarbeiten und Möglichkeiten zur
Verbesserung des Informationsaustauschs zu Strafverfolgungs- und
Grenzmanagementzwecken mit vertrauenswürdigen Drittstaaten unter Einhaltung der
Grundrechte und Datenschutzvorschriften ausloten.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird
internationale Abkommen zwischen der EU und vorrangigen Drittstaaten über die
Zusammenarbeit mit Europol und Eurojust abschließen;
die Beteiligung von Partnerländern an EMPACT zur Bekämpfung der
organisierten Kriminalität und des Terrorismus fördern;
die Agenturen und Einrichtungen der EU bei der Schaffung und Stärkung von
Arbeitsvereinbarungen mit Partnerländern unterstützen;
Sicherheitserwägungen in der EU-Visumpolitik durch die anstehende Strategie für
eine EU-Visumpolitik weiter berücksichtigen;
den Informationsaustausch zu Strafverfolgungs- und Grenzmanagementzwecken
mit vertrauenswürdigen Drittländern stärken.
In Zusammenarbeit mit der Hohen Vertreterin der Union für die Außen- und
Sicherheitspolitik wird die Kommission
zivile Missionen im Rahmen der GSVP in vollem Umfang nutzen;
bis 2027 gemeinsame Inspektionen in Häfen von Drittstaaten koordinieren.
In Zusammenarbeit mit der Hohen Vertreterin der Union für die Außen- und
Sicherheitspolitik und den Mitgliedstaaten wird die Kommission
die Verbindungsnetze und die Zusammenarbeit im Rahmen des Konzepts „Team
Europa“ stärken;
ab 2025 gemeinsame Einsatzteams und Verbindungszentren in Drittstaaten
einrichten.
Das Europäische Parlament und der Rat werden ausdrücklich aufgefordert,
die Verhandlungen über die Überarbeitung des Visa-Aussetzungsmechanismus
abzuschließen.
8. Fazit
In einer von Unsicherheit geprägten Welt muss die Fähigkeit der Union,
Sicherheitsbedrohungen vorherzusehen, zu verhindern und darauf zu reagieren, verbessert
werden.
87 COM(2023) 642.
36
Es reicht nicht aus, erst dann auf Krisen zu reagieren, wenn sie auftreten. Wir müssen unser
Bewusstsein schärfen und uns ein vollständiges Bild von den Bedrohungen machen, noch
während sie entstehen. Und wir müssen sicherstellen, dass unsere Instrumente und Fähigkeiten
der Aufgabe gerecht werden.
Das umfassende Maßnahmenpaket, so wie es in dieser Strategie dargelegt ist, wird dazu
beitragen, eine stärkere Union in der Welt zu schaffen: eine Union, die in der Lage ist, ihre
eigenen Sicherheitsbedürfnisse rechtzeitig wahrzunehmen, entsprechend zu planen und sich um
diese Bedürfnisse zu kümmern; die wirksam auf Bedrohungen ihrer inneren Sicherheit
reagieren und Täter zur Rechenschaft ziehen kann und die ihre offenen, freien und florierenden
Gesellschaften und Demokratien schützt.
Dies erfordert eine Änderung unserer Denkweise in Bezug auf die innere Sicherheit. Wir
werden uns für die Förderung einer neuen EU-Sicherheitskultur einsetzen, in der
Sicherheitserwägungen in all unseren Rechtsvorschriften, Strategien und Programmen – von
der Konzeption bis zur Umsetzung – berücksichtigt werden. Und in der die Zusammenarbeit
über Politikbereiche hinweg es uns ermöglicht, neue Wege zu beschreiten.
Dies ist nicht die Aufgabe eines einzelnen Organs, einer einzelnen Regierung oder eines
einzelnen Akteurs. Es ist ein gemeinsames Unterfangen Europas.
Drucksache 188/25- 37 -]
Relationen
- authored ← Europäische Kommission
- part_of_vorgang → Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Reg (Unterrichtung)