Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik vom 23. bis 25. März 2025, Warschau, Polen
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Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik vom 23. bis 25. März 2025, Warschau, Polen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1033
21. Wahlperiode 25.07.2025
Unterrichtung
durch die deutsche Delegation in der Interparlamentarischen Konferenz für die
Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits-
und Verteidigungspolitik
Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik und die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik
vom 23. bis 25. März 2025, Warschau, Polen
Inhal tsverzeichnis
Seite
1 Teilnehmende der deutschen Delegation ......................................... 2
2 Einführung ......................................................................................... 2
3 Ablauf der Tagung ............................................................................ 2
4 Eröffnungssitzung ............................................................................. 2
5 Schutz und Sicherheit der EU: Hybride Bedrohungen als
externer Faktor zur Destabilisierung Europas ............................... 3
6 Prioritäten und Herausforderungen bezüglich der GASP
und der GSVP im neuen institutionellen Kreislauf:
Entwicklung eines neuen Sicherheitsrahmens für die
Europäische Union ............................................................................ 3
7 Stärkung der europäischen Verteidigung im Kontext der
russischen Aggression gegen die Ukraine: Streitkräfte der
Europäischen Union – eine Notwendigkeit oder eine
Alternative? ....................................................................................... 3
8 Sicherheit im Ostseeraum: Russische Feindseligkeiten –
Versuche, Grenzen zu verletzen und EU-Sanktionen zu
umgehen ............................................................................................. 3
9 Dringlichkeitsdebatte über die Zukunft der
transatlantischen Beziehungen ......................................................... 4
10 Erklärung der Ko-Vorsitzenden ...................................................... 5
1 Teilnehmende der deutschen Delegation
An der 26. Tagung der Interparlamentarischen Konferenz für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und
die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (IPC GASP/GSVP) nahm folgender Abgeordneter des
Deutschen Bundestages teil:
Abgeordneter Rainer Semet (FDP).
2 Einführung
Die IPC GASP/GSVP wurde 2012 durch die Konferenz der Präsidenten der Parlamente der Mitgliedsstaaten der
EU und des Präsidenten des Europäischen Parlaments auf der Basis des Protokolls Nr. 1 zum Vertrag von
Lissabon über die Rolle der nationalen Parlamente in der EU eingesetzt. Die IPC GASP/GSVP ist Teil der
parlamentarischen Dimension der EU-Ratspräsidentschaft. Ziel der Konferenz ist der Austausch von Informationen und
bewährten Verfahren zur GASP und GSVP zwischen den nationalen Parlamenten und dem Europäischen
Parlament (EP). Dazu treffen die Abgeordneten mit der EU-Ratspräsidentschaft, dem Hohen Vertreter/der Hohen
Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik sowie anderen Vertreterinnen und Vertretern der Europäischen
Kommission zusammen. Für den Deutschen Bundestag nimmt eine Delegation von bis zu sechs Abgeordneten an
der Konferenz teil, die sich nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen im Bundestag zusammensetzt. Für das
Europäische Parlament sind 16 Sitze vorgesehen. Die Konferenz tritt zweimal im Jahr jeweils in dem
Mitgliedstaat der EU zusammen, der die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft innehat.
3 Ablauf der Tagung
Die 26. Tagung der IPC GASP/GSVP fand auf Einladung des polnischen Parlaments (polnische EU-
Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 2025) vom 23. bis 25. März 2025 in Warschau statt. An der Konferenz nahmen 133
Delegierte aus 26 nationalen Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament sowie 28
Delegierte aus Partnerländern (Bosnien und Herzegowina, Island, Moldau, Montenegro, Nord-Mazedonien,
Norwegen, Serbien, Türkei, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich) teil. Die Konferenz war in eine
Eröffnungssitzung und vier thematische Sitzungsblöcke sowie eine Dringlichkeitssitzung unterteilt. Die Hohe Vertreterin der
EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, sendete lediglich eine Videobotschaft an die Delegierten.
Das polnische Parlament legte den Schwerpunkt der Konferenz auf Aspekte der Sicherheit und Verbesserung der
Verteidigungsfähigkeit Europas im Lichte des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und weiterer
Bedrohungen der europäischen Sicherheit. In diesem Rahmen wurde darüber hinaus auch die Sicherheit im Ostseeraum
erörtert.
4 Eröffnungssitzung
In seiner Eröffnungsrede mahnte der Marshall des Sejm, Szymon Hołownia, sich auf die eigenen Stärken in
Europa zu besinnen und selbstbewusst die Fähigkeiten Europas nach außen zu vertreten. Europa müsse den Mut
haben und die Führungsstärke beweisen, sich den russischen Interessen entgegenzustellen. Der
Verteidigungsminister Polens, Władysław Kosiniak-Kamysz, hob hervor, dass ein neoimperialistisches Russland alle
fundamentalen Freiheiten bedrohe. Er sprach sich gegen eine europäische Armee aus, wobei sich die nationalen Armeen,
die EU und die NATO gegenseitig ergänzen sollen. Die EU müsse Rüstungsgüter bereitstellen und die NATO die
Einsatzfähigkeit. Die Zeit zum Handeln sei gekommen, um die eigene Sicherheit in Europa zu gewährleisten.
David McAllister, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments,
bekräftigte die Sicherheitsgarantien der EU für die Ukraine. Die EU müsse ihre Sicherheit garantieren können,
um auf dieser Grundlage eine gemeinsame Basis für die nordatlantischen Beziehungen zu finden. Europa müsse
weiterhin am Multilateralismus festhalten, um mit Freunden und Partnern für die gemeinsamen Werte
einzustehen.
5 Schutz und Sicherheit der EU: Hybride Bedrohungen als externer Faktor zur
Destabilisierung Europas
Im ersten Sitzungsabschnitt beschrieb der polnische Innenminister, Tomasz Siemoniak, den Kampf gegen
illegale Migration, die Verbesserung des Zivilschutzes sowie den Kampf gegen internationale Verbrechen als die
Prioritäten der polnischen Ratspräsidentschaft. Der ehemalige finnische Ministerpräsident, Sauli Niinistö
konstatierte, dass Sicherheit die Basis für gesellschaftliches Zusammenleben sei und rief zu einem Mentalitätswechsel
auf, der alle Teile der Gesellschaft und jeden Einzelnen im Kampf gegen hybride Bedrohungen miteinbeziehe. Er
forderte die EU-Kommission auf, ebenso wie es die NATO kommuniziert, deutlich klarzustellen, dass sie bereit
und willens sei, jeden Quadratzentimeter europäischen Gebietes zu verteidigen.
6 Prioritäten und Herausforderungen bezüglich der GASP und der GSVP im neuen
institutionellen Kreislauf: Entwicklung eines neuen Sicherheitsrahmens für die Europäische
Union
Der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Dienstes, Simon Mordue, überbrachte die
Grüße der Hohen Vertreterin Kaja Kallas. Er unterstrich die Bedeutung des Multilateralismus sowie die
fortdauernde Unterstützung der Ukraine durch die EU. In Zeiten politischer Instabilität und dem Wandel in der US-
Politik müsse die EU als geopolitischer Akteur gestärkt werden. Dabei hob er besonders das White Paper der EU-
Kommission Readyness 2023 zur Stärkung der industriellen Basis im Bereich der Verteidigung hervor. Das
Fernbleiben der Hohen Vertreterin führte bei den Delegierten zu Kritik und Unverständnis und löste Enttäuschung
aus, zumal die Konferenz in Warschau die erste nach ihrer Amtseinführung gewesen wäre. Grzegorz Schetyna,
Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des polnischen Senats, bemängelte die ungenügende Bereitstellung
von Finanzmitteln durch die EU. Ausreichende Finanzmittel seien ein fundamentaler Baustein zur Steigerung der
Verteidigungsfähigkeit der EU.
7 Stärkung der europäischen Verteidigung im Kontext der russischen Aggression gegen die
Ukraine: Streitkräfte der Europäischen Union - eine Notwendigkeit oder eine Alternative?
Die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des EU-Parlaments, Marie-Agnes Strack-
Zimmermann, konstatierte, dass Putin durch den Krieg in der Ukraine das Ziel verfolge, die westlichen
Demokratien durch Hunger und Migration von innen zu destabilisieren. Sie sprach sich für eine europäische Armee aus,
da kein einzelnes Mitgliedsland in der Lage sei, den russischen Aggressor zu stoppen. Eine europäische Armee
werde Sicherheit effektiver und günstiger bereitstellen können. Europa sei bereit, den Frieden und seine Werte zu
verteidigen. Timo Pesonen, Generaldirektor für Verteidigungsindustrie und Raumfahrt der Europäischen
Kommission, betonte, dass Russland über neun Prozent des Bruttoinlandproduktes für Aufrüstung ausgebe und sich
darauf vorbereite, mit einem Angriff auf das Territorium der Nato deren Verteidigungswillen und -fähigkeit
auszutesten. Europa müsse die Ukraine und den Fähigkeitsausbau in der Verteidigung daher stärker unterstützen.
8 Sicherheit im Ostseeraum: Russische Feindseligkeiten – Versuche, Grenzen zu verletzen
und EU-Sanktionen zu umgehen
Vizeadmiral Krzysztof Jaworski, Kommandeur des maritimen Operationszentrums, beschrieb die bestehende
Bedrohungslage durch und die Bedeutung der Ostsee für Russland sowie die polnischen und europäischen
Reaktionen darauf. Es sei wichtig, im Ostseeraum Stärke zu zeigen, um eine glaubhafte Abschreckung aufrecht zu
erhalten und kritische Infrastruktur, Seekabel, Windparks sowie Handelsrouten zu schützen. Jaroslaw Ćwiek-
Karpowicz, Direktor des polnischen Instituts für internationale Angelegenheiten, berichtete über ständige
feindliche Handlungen Russlands in der Ostsee, die eine starke Antwort der Nato-Anrainer erforderten. Er sprach sich
dafür aus, die Verteidigungsfähigkeit in der Ostsee deutlich zu verbessern. Russland tätige 60 Prozent seiner
Ölexporte über die Ostsee und unterlaufe die europäischen Sanktionen. Ziel müsse es sein, diese einzudämmen und
legale Möglichkeiten zur Überprüfung der Schiffe zu etablieren. In der Diskussion sprach sich der lettische
Abgeordnete des EPs, Rihads Kohls, dafür aus, die Grenzen zu Russland komplett zu schließen, die russische
Schattenflotte stillzulegen sowie den Luftraum über der Ostsee nicht nur zu überwachen, sondern zu verteidigen.
9 Dringlichkeitsdebatte über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen
In einer Dringlichkeitssitzung zur Zukunft der transatlantischen Beziehungen riet David McAllister,
Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, zu Pragmatismus bei der
Gestaltung der nordatlantischen Beziehungen und dazu, sich dabei von europäischen Interessen leiten zu lassen.
Abgeordneter Rainer Semet forderte, dass Europa sein Schicksal selbst in die Hand nehme. Die
Verteidigungsausgaben müssten deutlich erhöht und die Effizienz in Verteidigungsfragen gesteigert werden. Die Die
Vorsitzende des Warsaw Security Forum, Katarina Pisarska, bemängelte, dass Europa trotz aller Warnungen derzeit
nicht fähig sei, sich selbst zu verteidigen. Russland bedrohe die Demokratie, die Souveränität und den Frieden in
Europa. Sie erwarte nicht, dass die USA die Sicherheit in Europa dauerhaft sichern werden, da der europäische
Kontinent für die USA keine Priorität darstelle. Es sei nicht die Stärke Russlands, sondern die Schwäche Europas,
dass sich die Ukraine noch im Krieg befinde. Die Vorsitzende des Warsaw Security Forum, forderte abschließend
die eingefrorenen russischen Finanzmittel einzuziehen, um die Ukraine im Kampf gegen Russland zu
unterstützen.
Berlin, den 21. Mai 2025
Rainer Semet
10 Erklärung der Ko-Vorsitzenden
26. INTERPARLAMENTARISCHE KONFERENZ
ZUR GEMEINSAMEN AUẞEN- UND SICHERHEITSPOLITIK UND
GEMEINSAMEN SICHERHEITS- UND VERTEIDIGUNGSPOLITIK (IPK GASP/GSVP)
Warschau, 23. bis 25. März 2025
GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER KO-VORSITZENDEN
Die 26. Interparlamentarische Konferenz zur Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und Gemeinsamen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik fand im Rahmen der parlamentarischen Dimension der polnischen EU-
Ratspräsidentschaft vom 23. bis 25. März 2025 in Warschau statt. Bei der nachstehenden gemeinsamen Erklärung
handelt es sich um eine nicht verbindliche Erklärung.
Wir, die Ko-Vorsitzenden der 26. Interparlamentarischen Konferenz zur Gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik und Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GASP/GSVP), erklären Folgendes:
1. Die Europäische Union steht derzeit vor nie dagewesenen sicherheitspolitischen Herausforderungen, die
unter anderem aus dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der die internationale
Ordnung untergräbt, der feindseligen hybriden Kriegsführung, die von der Russischen Föderation im Alleingang
oder im Verbund mit anderen autokratischen Regimen betrieben wird, dem Terrorismus und dem von Drittländern
instrumentalisierten Migrationsdruck erwachsen.
2. Der seit 2014 andauernde rechtswidrige und nicht zu rechtfertigende Angriffskrieg der Russischen
Föderation gegen die Ukraine und die vor mehr als drei Jahren begonnene großangelegte Invasion der Ukraine haben die
Sicherheitsarchitektur Europas verändert. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben die rechtswidrigen
Handlungen der Russischen Föderation und ihrer Verbündeten unmissverständlich verurteilt und sich mit der
bedrängten Ukraine solidarisch gezeigt, indem sie Finanzhilfen, humanitäre Hilfe, Sachleistungen und
militärische Fähigkeiten gewährt sowie Millionen von Kriegsflüchtlingen einen sicheren Zufluchtsort geboten haben.
3. Die hybriden Angriffe gegen die Mitgliedstaaten und Institutionen der Europäischen Union sind vorsätzlich,
zeitlich variabel und schwer zuzuordnen, was sie besonders gefährlich macht. Dazu zählen Angriffe auf alle
Grenz-, Kommunikations- und Informationsinfrastrukturen sowie auf zivile und militärische Infrastrukturen,
einschließlich Unterseekabeln, die ein wesentlicher Bestandteil unserer kritischen digitalen Infrastruktur sind, sowie
Mordversuche an EU-Bürgern. Die Angriffe haben das Potenzial, auf andere Länder überzugreifen, insbesondere
wenn sie gegen internationale strategische Partnerländer wie Kandidaten- oder Nachbarländer gerichtet sind.
Dazu zählt darüber hinaus auch die gezielt gesteuerte Migration, die als Waffe der hybriden Kriegsführung
eingesetzt wird.
4. Der Terrorismus in seinen verschiedenen Ausprägungen bleibt eine große Herausforderung für die Sicherheit
Europas. Es handelt sich dabei nicht mehr um ein rein nichtstaatliches Phänomen – wir sind mit staatlich
unterstütztem Terrorismus konfrontiert, der Teil eines umfassenderen hybriden Krieges ist, den Staaten führen, um die
internationale Ordnung zu untergraben.
5. Die Spannungen und Konflikte im Nahen Osten geben weiterhin Anlass zu größter Sorge. Eine Deeskalation
und Stabilisierung sind unerlässlich, um ein weiteres Übergreifen der aktuellen Krisen in der Region zu
verhindern. Gleichzeitig verdeutlichen die Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Verwaltung des Gazastreifens und
des Westjordanlands, welche komplexen Herausforderungen vor uns liegen.
6. Cyberangriffe und die Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Verbreitung von Desinformation,
Hetze und die Unterstützung extremistischer und populistischer Gruppen mit dem Ziel, politische und
gesellschaftliche Systeme zu destabilisieren, stellen eine besonders gefährliche Form der hybriden Kriegsführung gegen
die Stabilität der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten dar.
Angesichts der vorstehenden Erwägungen und um die Sicherheit und Stabilität der Europäischen Union und ihrer
Mitgliedstaaten zu gewährleisten,
1. begrüßen wir alle Initiativen zur Stärkung der europäischen Verteidigung und werden das jüngste Weißbuch
zur Zukunft der europäischen Verteidigung sorgfältig prüfen, wobei all dies dazu beitragen sollte, die
Verteidigungsbereitschaft der Europäischen Union zu erhöhen, indem die militärischen Fähigkeiten der einzelnen
Mitgliedstaaten, einschließlich ihrer Heeres-, See- und Luftstreitkräfte, sowie die gemeinsamen
Verteidigungsfähigkeiten, die es besonders auszubauen gilt, verbessert werden. Wir betonen die Notwendigkeit, Schlüsselbereiche
wie die Luft- und Raketenabwehr, Artilleriesysteme, einschließlich Fähigkeiten für weitreichende
Präzisionsschläge („Deep Precision Strike Capabilities“), Flugkörper und Munition, Drohnen und Drohnenabwehrsysteme,
strategische Enabler, auch in Bezug auf den Weltraum und den Schutz kritischer Infrastrukturen, militärische
Mobilität, Cyber-Fragen, künstliche Intelligenz und elektronische Kampfführung zu stärken.
2. fordern wir die Festlegung von Prioritäten im Bereich Sicherheit und Verteidigung mit Schwerpunkt auf der
Verbesserung der operativen Fähigkeiten und der Interoperabilität der europäischen Streitkräfte, der
Standardisierung der Kommandoprozesse, der Entwicklung von Verteidigungstechnologien und der Stärkung der
Krisenreaktionsfähigkeiten sowie der Stärkung der technologischen und industriellen Basis der europäischen
Verteidigung (EDTIB), indem die Produktion von Rüstungsgütern, insbesondere von militärischer Ausrüstung und
Munition, ausgebaut wird, um sich von externen Anbietern unabhängig zu machen; darüber hinaus fordern wir ein
klares strategisches Verteidigungskonzept, um sicherzustellen, dass höhere Investitionen langfristig zu echten
Fähigkeiten und zur Autonomie Europas führen;
3. halten wir es für unerlässlich, in die Forschung und Entwicklung neuer Verteidigungstechnologien wie
künstliche Intelligenz, Robotik und autonome Waffen zu investieren, um unseren technologischen Vorsprung
aufrechtzuerhalten und für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein;
4. sagen wir der Ukraine weiterhin Hilfe zu und fordern eine fortgesetzte, energische und ungebrochene
Unterstützung in Form von militärischen Fähigkeiten, insbesondere von Munition und Raketenabwehrsystemen, sowie
materieller und finanzieller Hilfe als Teil der EU-Sicherheitsgarantien für die Ukraine und unserer
Verteidigungspolitik zum Schutz des Kontinents vor Aggression und Destabilisierung, sowie die Fortsetzung unserer
diplomatischen Unterstützung der Bemühungen um eine gerechte und dauerhafte Beendigung des Konflikts im Einklang
mit dem Willen des ukrainischen Volkes;
5. unterstützen wir die Erweiterung der Europäischen Union, da wir sie als ein Instrument zur Stärkung der
politischen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen und vor allem als die bestmögliche Investition in die
Stabilität, den Wohlstand und die Sicherheit des Kontinents betrachten;
6. sind wir für die Aufrechterhaltung und den weiteren Ausbau der strategischen Dimension der
transatlantischen Zusammenarbeit, die sowohl die Beziehungen zwischen der EU und den USA als auch die strategische
Partnerschaft zwischen der EU und der NATO berührt, auf der Grundlage gemeinsamer Werte;
7. fordern wir eine verbesserte Effizienz des Informationsaustauschs und der Zusammenarbeit zwischen den
Nachrichtendiensten der EU-Mitgliedstaaten, um eine rasche Erkennung von Bedrohungen zu ermöglichen;
8. fordern wir alle beteiligten Konfliktparteien im Nahen Osten auf, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten,
größtmögliche Zurückhaltung zu üben und sich zur Deeskalation zu verpflichten; wir sind überzeugt, dass nur ein
politischer Dialog eine faire und dauerhafte Lösung herbeiführen kann;
9. halten wir es für unerlässlich, die Achtung des Völkerrechts, der demokratischen Werte und der
Menschenrechte in der EU-Außenpolitik zu fördern, da nur demokratische Staaten, die das Völkerrecht und die Rechte der
Bürgerinnen und Bürger achten, eine solide Grundlage für dauerhaften Frieden und dauerhafte Sicherheit bieten
können;
10. nehmen wir auch zur Kenntnis, dass es dringend notwendig ist, die Resilienz der Europäischen Union in
Schlüsselbereichen wie der Energieversorgungssicherheit, dem Schutz kritischer Infrastrukturen, einschließlich
Unterseekabeln, der Bekämpfung des Klimawandels und der Verhinderung von Konflikten, die die Europäische
Union einem zusätzlichen Migrationsdruck aussetzen könnten, zu erhöhen;
11. sehen wir der Entwicklung einer langfristigen Energiestrategie für die Europäische Union mit dem Ziel, ihre
Energieversorgungssicherheit zu gewährleisten und ihre Abhängigkeit von externen Versorgern durch eine
Diversifizierung der Energieträger und Investitionen in erneuerbare Energien zu reduzieren, mit Interesse entgegen;
12. fordern wir eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen
Union beim Schutz kritischer Infrastrukturen, einschließlich der Energie-, Verkehrs- und
Telekommunikationsnetze, unter besonderer Berücksichtigung des Ostseeraums;
13. plädieren wir für ein verstärktes Engagement der EU bei der Lösung regionaler Konflikte und der
Unterstützung von Friedensprozessen im Nahen Osten, im Südkaukasus und in Afrika, um künftige Krisen und
destabilisierende Entwicklungen zu verhindern.
Agnieszka Pomaska
Vorsitzende des Ausschusses
für Angelegenheiten der Europäischen Union
des Sejm der Republik Polen
Tomasz Grodzki
Vorsitzender des Ausschusses
für Angelegenheiten der Europäischen Union
des Senats der Republik Polen
Paweł Kowal
Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
des Sejm der Republik Polen
Grzegorz Schetyna
Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
des Senats der Republik Polen
Andrzej Grzyb
Vorsitzender des Ausschusses
für Nationale Verteidigung
des Sejm der Republik Polen
Mirosław Różański
Vorsitzender des Ausschusses
für Nationale Verteidigung
des Senats der Republik Polen
David McAllister
Vorsitzender des Ausschusses
für auswärtige Angelegenheiten
des Europäischen Parlaments
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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