Militärische Pläne für das Patrick-Henry-Village in Heidelberg
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Militärische Pläne für das Patrick-Henry-Village in Heidelberg
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2663
21. Wahlperiode 06.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sahra Mirow, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, Lorenz Gösta
Beutin, Violetta Bock, Jorrit Bosch, Dr. Fabian Fahl, Katalin Gennburg, Mareike
Hermeier, Ina Latendorf, Caren Lay, Lea Reisner, David Schliesing, Sascha
Wagner und der Fraktion Die Linke
Militärische Pläne für das Patrick-Henry-Village in Heidelberg
Die ehemalige US-amerikanische Wohnsiedlung Patrick-Henry-Village (PHV)
in Heidelberg wurde in den 1950er-Jahren für US-amerikanische
Militärangehörige und ihre Familien erbaut und bis 2013 genutzt. Eine militärische
Nutzung im engeren Sinne, etwa als Kasernengelände, fand nie statt (vgl. https://d
e.wikipedia.org/wiki/Patrick-Henry-Village). Das PHV ist knapp 100 Hektar
groß und hatte ursprünglich rund 1 500 Wohneinheiten. Damit zählt das PHV
zu den größten Konversionsflächen Deutschlands. Das Areal wurde am 2. Juni
2014 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben. Seit
2014 wird das Gelände unter anderem als Ankunftszentrum für Geflüchtete
genutzt. In einem Bürgerentscheid im April 2021 haben sich über 70 Prozent der
Heidelberger Stadtgesellschaft gegen eine Verlagerung des Ankunftszentrums
für Geflüchtete auf die Heidelberger Fläche Wolfsgärten und damit für den
Verbleib im PHV entschieden. In der Konsequenz gilt das PHV als das einzig
geeignete und nicht zugleich anderweitig verplante Gebiet für das
Ankunftszentrum in Heidelberg (vgl. www.heidelberg.de/Fluechtlingshilfe/Startseite/buerger
entscheid+zum+ankunftszentrum.html).
Die Stadt Heidelberg plant außerdem schon seit über zehn Jahren, auf diesem
Areal einen neuen Stadtteil zu entwickeln (vgl. www.heidelberg.de/Konversio
n/Startseite+Konversion/Patrick+Henry+Village/zeitstrahl+patrick-henry-villag
e.html). Auf dem PHV sollen nach den letzten Plänen rund 5 350 Wohnungen
für rund 10 000 Menschen und 5 000 Arbeitsplätze entstehen (vgl. www.heidel
berg.de/HD/Presse/22_01_2024+patrick-henry-village_+stadt+heidelberg+kan
n+bald+grundstuecke+von+der+bima+kaufen.html). Jedoch stocken die
Verhandlungen mit der BImA, da die Bundeswehr im Rahmen ihrer andauernden
Prüfung für bundesweite Infrastrukturbedarfe auch die Liegenschaft PHV prüft
(vgl. www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/us-kaserne-patric
k-henry-village-bundeswehr-bestaetigt-pruefung-100.html).
Aus Sicht der Fragestellenden macht die akute Wohnungsnot in der Region die
Priorität der zivilen Nutzung und der Daseinsvorsorge unabdingbar. Angesichts
dieser Auswirkungen auf die kommunale Planungshoheit, den regionalen
Wohnungsmarkt und die Finanzen des Bundes bedarf es aus Sicht der
Fragestellenden einer vollumfänglichen Transparenz über die militärischen
Notwendigkeiten, die genauen Pläne der Bundesregierung und die damit verbundenen
Kosten.
Die Bundestagsabgeordnete Sahra Mirow hat am 9. Mai 2025 die
Bundesregierung gefragt, ob eine militärische Nutzung des PHV geplant ist. Daraufhin hat
die Bundesregierung mitgeteilt, dass sie keine Erkenntnisse dazu hat (vgl.
Antworten auf die Schriftlichen Fragen 42 und 43 auf
Bundestagsdrucksache 21/166).
Die Fragestellerinnen und Fragesteller möchten mit dieser Kleinen Anfrage
Klarheit über die Pläne der Bundesregierung schaffen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung mittlerweile Erkenntnisse, ob eine militärische
Nutzung des PHV geplant ist, bzw. inwieweit ggf. eine Prüfung seitens
der Bundeswehr fortgeschritten ist?
2. Auf welcher Grundlage (militärstrategisches Konzept, konkreter Bedarf)
und wann genau wurde der Prüfauftrag zur Nutzung des PHV in
Heidelberg an die Bundeswehr erteilt?
3. Welche spezifischen militärischen Infrastrukturdefizite in der Region oder
bundesweit sollen durch die mögliche Stationierung im PHV behoben
werden, und inwiefern konnten diese nicht durch bereits vorhandene oder
näher gelegene Bundeswehrstandorte gedeckt werden?
4. Welche alternativen Standorte (militärisch und zivil) wurden im Vorfeld
der Prüfung des PHV in Betracht gezogen, und aus welchen Gründen
wurden diese verworfen?
5. Welche alternativen Standorte (militärisch und zivil) zum PHV sind noch
in der Prüfung?
6. Welche genauen militärischen Einheiten, Truppenteile oder Dienststellen
(Angabe der Größenordnung und des Aufgabenbereichs) sollen im Falle
einer Entscheidung, das PHV militärisch zu nutzen, stationiert werden?
7. Ist die beabsichtigte Nutzung als dauerhaft oder temporär (bitte die
voraussichtliche Dauer angeben) geplant?
8. In welcher Form hat die Bundesregierung die städtebaulichen und
wohnungspolitischen Interessen der Stadt Heidelberg in die aktuelle Prüfung
einbezogen, und wie wird sichergestellt, dass die dringend benötigte
Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in der Metropolregion Rhein-
Neckar weiterhin Priorität hat?
9. Welchen Flächenanteil des insgesamt zur Konversion stehenden PHV-
Geländes umfasst die aktuelle Prüfung der Bundeswehr (bitte in Hektar
und als Prozentsatz der Gesamtfläche angeben)?
10. Welchen Teil der Fläche umfasst die aktuelle Prüfung der Bundeswehr?
11. Inwieweit berücksichtigt die Bundesregierung bei ihrer Planung die
Entscheidung der Heidelberger Stadtgesellschaft für den Verbleib des
Ankunftszentrums für Geflüchtete im PHV, und inwieweit würden die Pläne
der Bundesregierung den Standort des Ankunftszentrums beeinflussen?
12. Welche finanziellen Kompensationen oder Unterstützungsleistungen plant
die Bundesregierung für die Stadt Heidelberg, falls durch eine militärische
Nutzung erhebliche Einnahmeverluste oder Verzögerungen bei der zivilen
Entwicklung entstehen?
13. Wie hoch sind die geschätzten Gesamtkosten für die Herrichtung,
Sanierung und den Umbau des PHV für militärische Zwecke, aufgeschlüsselt
nach,
a) Instandsetzung der bestehenden Substanz,
b) Neubau von militärspezifischer Infrastruktur,
c) Laufenden Betriebskosten pro Jahr?
14. Stehen diese Kosten in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten, die
für die zivile Konversion und die Entwicklung von neuem Wohnraum
veranschlagt wurden, und wurde eine entsprechende Kosten-Nutzen-Analyse
(militärisch vs. zivil) durchgeführt, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
15. Wann ist mit einer abschließenden Entscheidung der Bundesregierung zur
Nutzung des PHV zu rechnen, und welche Stellen (neben dem
Bundesministerium der Verteidigung) sind an dieser Entscheidung beteiligt?
16. Welche formalen Abstimmungen hat es bereits mit der Stadt Heidelberg,
dem Land Baden-Württemberg und der BImA bezüglich der möglichen
militärischen Nutzung des Areals gegeben?
Berlin, den 4. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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