Zuwanderung in das Gesundheitssystem begrenzen - Zurückführung der medizinischen Versorgung von Ausländern auf das verfassungsrechtlich gebotene Minimum - Orientierung am dänischen Modell (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/1750)
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Zuwanderung in das Gesundheitssystem begrenzen - Zurückführung der medizinischen Versorgung von Ausländern auf das verfassungsrechtlich gebotene Minimum - Orientierung am dänischen Modell (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/1750)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2603
21. Wahlperiode 05.11.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Gesundheit (14. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum,
Carina Schießl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1750 –
Zuwanderung in das Gesundheitssystem begrenzen – Zurückführung der
medizinischen Versorgung von Ausländern auf das verfassungsrechtlich
gebotene Minimum – Orientierung am dänischen Modell
A. Problem
Die antragstellende Fraktion bemängelt, die Rechtslage zur medizinischen
Versorgung von Asylbewerbern, denn geflüchtete Personen erhielten eine über die
Sicherung akuter Notsituationen hinausgehende medizinische Versorgung. Dies
könne Fehlanreize erzeugen und eine rechtsmissbräuchliche Inanspruchnahme
des Asylsystems bedingen.
B. Lösung
Die antragstellende Fraktion schlägt vor, dass binnen sechs Monaten ein Gesetz
vorgelegt werden soll, das medizinische Leistungen für Ausländer auf akute
Notfälle und lebensnotwendige Behandlungen beschränkt. Weitergehende
Leistungen sollen gestrichen, zentralisiert und genehmigungspflichtig werden.
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/1750 abzulehnen.
Berlin, den 5. November 2025
Der Ausschuss für Gesundheit
Dr. Tanja Machalet
Vorsitzende
Sascha van Beek
Berichterstatter
Bericht des Abgeordneten Sascha van Beek
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat in seiner 28. Sitzung am 25. September 2025 den Antrag auf Drucksache 21/1750
in erster Lesung beraten und zur federführenden Beratung an den Ausschuss für Gesundheit überwiesen.
Außerdem hat er die Vorlage zur Mitberatung an den Innenausschuss, den Haushaltsausschuss, den Ausschuss für Arbeit
und Soziales sowie den Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die antragstellende Fraktion sieht in der derzeitigen medizinischen Versorgung von Asylbewerbern eine
Überschreitung des verfassungsrechtlich notwendigen Maßes, die Fehlanreize und Missbrauch des Asylsystems
begünstige. Ziel des Antrags ist, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz auf akute Notfälle,
Schmerzbehandlungen und lebensbedrohliche Maßnahmen zu beschränken. Nicht notwendige Behandlungen –
etwa chronische Krankheiten, Zahnbehandlungen, Vorsorge, Impfungen oder Psychotherapien – sollen
grundsätzlich entfallen und nur in Ausnahmefällen genehmigt werden.
Nach dem Vorbild Dänemarks soll die Versorgung stärker staatlich kontrolliert und zentralisiert werden,
weiterführende Behandlungen sollen einer Genehmigungspflicht unterliegen. Abgelehnte Asylbewerber und Personen
ohne legalen Aufenthaltsstatus sollen nur Anspruch auf Notfallhilfe haben, Personen ohne Arbeitsbereitschaft
zudem vom Bürgergeldbezug ausgeschlossen werden. Die Bundesregierung soll innerhalb von sechs Monaten
einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz (AsylblG) entsprechend
einschränkt. Die Umsetzung soll in enger Abstimmung mit den Ländern erfolgen.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Innenausschuss hat in seiner 15. Sitzung am 5. November 2025 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU,
SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD beschlossen, die
Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/1750 zu empfehlen.
Der Haushaltsausschuss hat in seiner 21. Sitzung am 5. November 2025 mit den Stimmen der Fraktionen
CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD
beschlossen, die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/1750 zu empfehlen.
Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat in seiner 10. Sitzung am 5. November 2025 mit den Stimmen der
Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der
AfD beschlossen, die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/1750 zu empfehlen
Der Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat in seiner 10. Sitzung am 5. November
2025 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die
Stimmen der Fraktion der AfD beschlossen, die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/1750 zu empfehlen.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Gesundheit hat in seiner 8. Sitzung am 8. Oktober 2025 die Beratungen zu dem Antrag auf
Drucksacke 21/1750 aufgenommen. Der Antrag der Fraktion der AfD, zur Drucksache 21/1750 eine öffentliche
Anhörung durchzuführen, wurde mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD abgelehnt.
Der Ausschuss für Gesundheit hat in seiner 17. Sitzung am 5. November 2025 die Beratungen zu dem Antrag auf
Drucksache 21/1750 abgeschlossen.
Im Ergebnis empfiehlt der Ausschuss für Gesundheit mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD, den Antrag auf Drucksache
21/1750 abzulehnen.
Fraktionsmeinungen
Die Fraktion der CDU/CSU führte aus, den Antrag abzulehnen, weil die entsprechende gewohnte
Differenzierung zwischen der notwendigen Versorgung und der jeweiligen Zuständigkeit von Bund und Ländern nicht
gegeben sei. Zudem offenbare der Antrag ein anderes Werteverständnis.
Die Fraktion der AfD führte aus, dass der Antrag vorsehe, das jetzige Niveau der medizinischen Versorgung
von in Deutschland nicht erwerbstätigen Ausländern auf das verfassungsrechtlich notwendige Minimum zu
reduzieren. Dies solle durch eine Orientierung am dänischen Modell erreicht werden, wo die medizinische Versorgung
dieses Personenkreises auf Notfallversorgung, Schmerzlinderung und nicht aufschiebbare Behandlungen begrenzt
sei. Darüber hinaus seien Asylsuchende in Dänemark nicht in das öffentliche Gesundheitssystem eingebunden,
sondern ihre Versorgung werde zentralisiert in staatlich kontrollierten Einrichtungen durch die
Einwanderungsbehörde organisiert. Unter anderem Norwegen, Belgien, Frankreich, die Schweiz und Schweden würden sich
bereits am dänischen Modell orientierten. Deutschland müsse das gesundheitspolitische Rad nicht neu erfinden
und eine Orientierung an den europäischen Nachbarn wäre problemlösend.
Die Fraktion der SPD betonte, der Antrag ignoriere Deutschlands völkerrechtliche und grundgesetzliche
Verpflichtung zur Wahrung der Menschenwürde und des Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die
Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes sowie internationales und europäisches Flüchtlingsrecht verlange eine
menschenwürdige Mindestversorgung. Eine Begrenzung auf reine Notfallhilfe widerspreche dem Sozialstaatsprinzip und
höchstrichterlicher Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Die Einführung einer Genehmigungspflicht
für weitergehende Versorgung verstoße gegen das Recht auf Gleichbehandlung, führe zu unnötiger Bürokratie
und gefährde die Gesundheit vulnerabler Gruppen. Die Forderung sei sozialpolitisch unverantwortlich und
gefährde die Gesundheit von Geflüchteten und Zugewanderten sowie die öffentliche Gesundheit insgesamt. Der
Antrag sei verfassungswidrig und werde deshalb abgelehnt.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erklärte, dass der Antrag verfassungswidrig, völkerrechtswidrig,
unionsrechtswidrig und unmenschlich sei. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lehne ihn daher natürlich
ab. Man schließe sich der Argumentation an, dass gerade durch die Infragestellung von Impfungen oder der
Behandlung von Infektionskrankheiten natürlich alle gefährdet würden. Dies könne und dürfe man nicht zulassen.
Die Fraktion Die Linke kritisierte bereits den Titel des Antrags als irreführend. Es sei zudem klarzustellen, dass
es kein verfassungsrechtlich gebotenes Minimum gebe, da der UN-Sozialpakt das Höchstmaß an Gesundheit
verlange. Da nach SGB V die GKV lediglich notwendige Leistungen übernehme, würden geringere Leistungen
weniger als das Notwendige abdecken. Daraus folge für Die Linke, dass alle den gleichen Zugang zur gesetzlichen
Versicherung bekommen sollten. Anders als die Fraktion der AfD es darstelle, seien das deutsche und dänische
System bereits heute ähnlich, in beiden die menschenrechtskonforme Behandlung von Asylsuchenden infrage
gestellt werde und Nichtmediziner über Behandlungen entschieden. Zudem sei die Verwendung des Begriffs
„Ausländer“ falsch, da die meisten in Deutschland lebenden Ausländer in die Versicherung einzahlten, der Antrag
sich aber nur auf Geflüchtete beziehe. Der Antrag werde abgelehnt.
Berlin, den 5. November 2025
Sascha van Beek
Berichterstatter
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