Stellenwert gendersensibler Jugendarbeit
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Stellenwert gendersensibler Jugendarbeit
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2309
21. Wahlperiode 20.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Heidi Reichinnek, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Anne-
Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Christian
Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina
Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, David Schliesing, Evelyn Schötz,
Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt und der Fraktion Die Linke
Stellenwert gendersensibler Jugendarbeit
Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit erfüllen eine wichtige Funktion bei der
sozialen, politischen und persönlichen Entwicklung junger Menschen. Kinder und
Jugendliche haben ein Recht auf freie Entfaltung und auch im Kinder- und
Jugendhilfegesetz wurde die Zielstellung definiert, dass sie in ihrer Entwicklung
zu selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen
Persönlichkeiten zu unterstützen sind. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, die
vielfältigen Lebensrealitäten und Bedürfnisse der Jugendlichen angemessen zu
berücksichtigen. Gendersensible Ansätze in der Jugendarbeit tragen dazu bei,
Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von Geschlechtsidentität oder
gesellschaftlichen Rollenerwartungen entgegenzuwirken und Räume zu
schaffen, in denen sich junge Menschen frei entfalten können.
Vor diesem Hintergrund möchten die Fragestellenden erneut erfragen, wie
gendersensible Jugend(sozial)arbeit bundesweit gefördert, umgesetzt und
weiterentwickelt wird. Insbesondere ist zu klären, welche Maßnahmen seitens der
Bundesregierung ergriffen werden, um eine geschlechtergerechte,
diskriminierungssensible und inklusive Ausgestaltung der offenen und verbandlichen
Jugendarbeit sicherzustellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche aktuellen Daten liegen der Bundesregierung zur Lebenslage und
gesellschaftlichen Teilhabe von Mädchen, jungen Frauen und queeren
Jugendlichen (bis 27 Jahre) in Deutschland vor, und wie häufig werden
diese erhoben?
2. Wie werden dabei auch intersektionale Diskriminierungserfahrungen
(z. B. aufgrund von Herkunft, Religion, sexueller Orientierung,
geschlechtlicher Identität, Behinderung oder Armut) erfasst und
ausgewertet?
3. Welche Projekte in den Bereichen der gendersensiblen Jugend(sozial)
arbeit hat die Bundesregierung im Haushaltsjahr 2024 gefördert, und wie
hoch war jeweils die Summe der bereitgestellten Mittel?
a) Welche Projekte wurden im Bereich der geschlechterübergreifenden
gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit oder der klischeefreien
Jugendberufsberatung gefördert?
b) Welche Projekte wurden im Bereich der männlichkeitskritischen
Jungen(sozial)arbeit bzw. empowernder Mädchen(sozial)arbeit gefördert?
4. Wie haben sich die bereitgestellten Mittel für Projekte im Bereich der
gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit in den vergangenen drei Jahren
entwickelt?
a) Welche Projekte wurden in diesem Zeitraum gefördert?
b) Wie hoch war jeweils die Summe der bereitgestellten Mittel?
c) Wie bewertet die Bundesregierung die Ergebnisse der erfolgten
Förderung?
5. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die für 2024 zur
Verfügung gestellten finanziellen Mittel für gendersensible Jugend(sozial)arbeit
in den Ländern und Kommunen?
6. In welchem Umfang werden in bestehenden oder geplanten
Förderprogrammen gezielt Mädchen, junge Frauen und queere Jugendliche mit
Migrationshintergrund, Behinderung oder aus benachteiligten sozialen Lagen
angesprochen, und ist deren spezifische Unterstützung vorgesehen?
7. Welche Vorhaben im Bereich der gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit
sind für die aktuelle Legislaturperiode geplant?
8. Sind Bundesprogramme vorgesehen, die sich explizit an Mädchen, junge
Frauen und bzw. oder queere Jugendliche richten, insbesondere mit Blick
auf die Überwindung intersektionaler Mehrfachdiskriminierungen?
9. Plant die Bundesregierung eine langfristige und flächendeckende
Strukturförderung für gendersensible Jugendsozialarbeit, vor allem auch in
strukturschwachen Regionen, um dort gendersensible Angebote
sicherzustellen?
10. Wie viel Geld ist im Haushalt 2025 spezifisch für Projekte der
gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit vorgesehen?
11. Welchen Stellenwert hat die gendersensible Jugendarbeit im Rahmen der
Gleichstellungspolitik der Bundesregierung, und wie bildet sich dies im
Haushalt für 2025 ab?
12. Wie viel Geld ist im Haushaltsentwurf 2026 spezifisch für Projekte der
gendersensiblen Jugend(sozial)arbeit vorgesehen?
13. Welchen Stellenwert hat die gendersensible Jugendarbeit im Rahmen der
Gleichstellungspolitik der Bundesregierung, und wie bildet sich dies im
Haushaltsentwurf für 2026 ab?
14. Plant die Bundesregierung einen eigenen Förderschwerpunkt zu
diskriminierungskritischen Perspektiven in der Kinder- und Jugendhilfe, z. B. im
Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes?
15. Welche der über den Kinder- und Jugendplan oder andere
Bundesprogramme geförderten Projekte adressieren mehrfach diskriminierte
Jugendliche, und wie viele junge Menschen werden damit erreicht (bitte nach
Kalenderjahren 2024 und 2025 sowie nach Bundesländern aufschlüsseln)?
16. Welche finanziellen Mittel stellt die Bundesregierung derzeit jährlich
bereit, um Interessenverbände im Bereich der gendersensiblen Jugend
(sozial)arbeit zu unterstützen?
17. Welche Gespräche mit Interessenverbänden haben in den letzten fünf
Jahren zu den Themen gendersensibler Jugend(sozial)arbeit stattgefunden
(bitte mit Datum, Thema und Teilnehmerinnen und Teilnehmerna
auflisten)?
18. Welche Vorhaben fördert die Bundesregierung derzeit, um finanziell
benachteiligten Mädchen und jungen Frauen gesellschaftliche Teilhabe zu
ermöglichen?
19. Welche Vorhaben fördert die Bundesregierung aktuell, um von
Diskriminierung betroffenen Mädchen, jungen Frauen und queeren Jugendlichen
gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen?
20. Plant die Bundesregierung verpflichtende Diversitäts- und
Gleichstellungsstandards für alle geförderten Träger und Einrichtungen der Kinder-
und Jugendhilfe?
21. Wie viele „spezielle Workshops für Mädchen und junge Frauen“ fanden
seit Beginn der Programme „Respekt Coaches“ sowie „Mental Health
Coaches“ statt, und wie viele Mädchen und junge Frauen haben daran
teilgenommen (vgl. Bundestagsdrucksache 20/5944)?
22. Plant die Bundesregierung, wie es in vielen Bundesländern der Fall ist,
eine Koordinierungsstelle für Mädchenarbeit einzurichten, und wenn nein,
wieso nicht?
23. Ist in den Kontexten der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
SPD angekündigten Weiterentwicklung der ressortübergreifenden
Gleichstellungsstrategie, der Entwicklung einer Strategie zur mentalen
Gesundheit sowie der Fortschreibung der Strategie gegen Einsamkeit geplant, je
auch einen Fokus spezifisch auf Mädchen und jungen Frauen sowie
queere und BIPoC-Jugendliche (BIPoC = Black, Indigenous and other People
of Color) zu legen und hierauf aufbauend ressortübergreifende Aktivitäten
zu veranlassen (wenn ja, bitte detailliert ausführen, wenn nein, bitte die
Gründe erläutern)?
Berlin, den 6. Oktober 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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