Risiken für den Erhalt der Triple-A-Bonität der Bundesrepublik Deutschland
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Risiken für den Erhalt der Triple-A-Bonität der Bundesrepublik Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7945
21. Wahlperiode 09.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Hauke Finger, Kay Gottschalk, Iris Nieland, Torben Braga,
Christian Douglas, Rainer Groß, Reinhard Mixl, Iris Nieland, Marcel Queckemeyer,
Diana Zimmer und der Fraktion der AfD
Risiken für den Erhalt der Triple-A-Bonität der Bundesrepublik Deutschland
Die Bestätigung des Top-Ratings AAA durch die Ratingagentur S&P Global
Ratings für die Bundesrepublik Deutschland unterstreicht die anhaltend starke
Bonität des Staates, wird jedoch maßgeblich durch die 2022 und 2025
vereinbarten Sondervermögen in Höhe von 100 Mrd. und 500 Mrd. Euro für
Infrastruktur sowie weitere Ausgaben für Verteidigungszwecke temporär gestützt
(vgl. https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/nachrichten/S-P-Sonder
vermogen-stutzt-das-Top-Rating-AAA-fur-Deutschland-49247156/). Dieses
Finanzpaket umgeht die Schuldenbremse gemäß Artikel 109 Absatz 3,
Artikel 115 des Grundgesetzes (GG) i. V. m. den Vorschriften des
Haushaltsgrundsätzegesetzes (HGrG) und den Fiskalregeln der EU (Verordnung (EU)
2024/923 über die EU-Fiskalrahmen), um Investitionen zu ermöglichen, ohne
die primäre Haushaltsdisziplin zu verletzen. S&P hebt hervor, dass Maßnahmen
zur Ankurbelung der stagnierenden Wirtschaft positiv für die Kreditwürdigkeit
wirken, warnt jedoch vor Risiken wie anhaltendem
Wirtschaftswachstumsmangel, steigender Schuldenquote (Prognose: 72 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
[BIP] bis 2029) und höheren Zinslasten (Nettozinsenanteil potenziell über
3 Prozent der Einnahmen; vgl. https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichte
n/nachrichten/S-P-Sondervermogen-stutzt-das-Top-Rating-AAA-fur-Deutschla
nd-49247156/).
Die Bewertung erfolgt vor dem Hintergrund multipler Herausforderungen:
Hohe Energiepreise, kostenintensive bürokratische Hürden, unzureichende
Arbeitsmarktreformen und geopolitische Unsicherheiten belasten das Wachstum
(ebd.). Hinzu kommen langfristige demografische Risiken inklusive
Fachkräftemangel (vgl. www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ratingagentur-rentenrefor
m-deutschland-li.3360313). Eine Abstufung auf AA würde zu
Risikoaufschlägen bei Neuemissionen führen (ebd.), die Zinslasten auf Bundesebene, in den
Ländern und Kommunen erhöhen und somit den Spielraum für soziale und
infrastrukturelle Ausgaben einschränken. Ähnliche Bestätigungen liegen von
den Ratingagenturen Scope und Moody’s vor, die ebenfalls auf die
Notwendigkeit struktureller Reformen hinweisen. In der öffentlichen Debatte mehren sich
Hinweise auf potenzielle Vulnerabilitäten, insbesondere durch die Kumulation
von Sondervermögen und die Abhängigkeit von externen Faktoren wie
schlechtem Wirtschaftswachstum, niedrigen Direktinvestitionen und den
Zinsentwicklungen der Europäischen Zentralbank (EZB; vgl. www.handelsblat
t.com/meinung/wirtschaftsforum/daniel-stelter-sondervermoegen-zweckentfre
mdet-jetzt-droht-eine-schuldenkrise/100210071.html).
Deutschland profitiert als AAA-notiertes Land von deutlich niedrigeren Zinsen
auf seinen zehnjährigen Bundesanleihen im Vergleich zu Euro-Ländern mit
AA-Rating wie Frankreich. Aktuell (Stand: 30. Juli 2026) liegt die Rendite der
deutschen 10‑Jahres-Bund bei etwa 3,18 Prozent (vgl. https://tradingeconomic
s.com/germany/government-bond-yield), während die französische 10‑Jahres-
OAT bei 3,96 Prozent notiert (https://de.tradingeconomics.com/france/governm
ent-bond-yield). Das ergibt einen Spread von rund 0,78 Prozentpunkten (78
Basispunkte) durch das bessere Rating Deutschlands und die damit einhergehende
geringere Risikoprämie (vgl. https://de.tradingeconomics.com/france/governme
nt-bond-yield).
Bei der Aufnahme neuer Schulden in Höhe von 100 Mrd. Euro über eine
zehnjährige Anleihe mit Bullet-Tilgung (Zinsen jährlich, Tilgung am Ende) belaufen
sich nach Berechnungen der Fragesteller die jährlichen Zinsausgaben für
Deutschland auf etwa 3,18 Mrd. Euro (3,05 Prozent von 100 Mrd.). Würde
Deutschland jedoch französische Zinsen zahlen müssen, stiegen diese auf
3,96 Mrd. Euro – Mehrkosten von 0,78 Mrd. Euro pro Jahr allein durch den
höheren Zins. Über die volle Laufzeit von zehn Jahren summiert sich diese
Differenz (vereinfacht ohne Diskontierung) auf etwa 7,8 Mrd. Euro zusätzlichen
„Verlust“ oder Zinsaufwand. Das unterstreicht nach Auffassung der
Fragesteller, wie wertvoll ein Top-Rating ist: Es spart dem Staat langfristig Milliarden
bei gleicher Verschuldung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat sich das Bundesministerium der Finanzen (BMF) mit dem Risiko
einer Abstufung des AAA-Ratings auf AA durch S&P oder andere
Agenturen (Scope, Moody’s, Fitch) in den nächsten fünf Jahren
auseinandergesetzt, und wenn ja, wie schätzt sie dieses ein, unter Berücksichtigung der
stagnierenden Wirtschaft und der Prognosen zu Schuldenquote und
Zinslasten?
2. Welche spezifischen Abwehrmaßnahmen hat das BMF gegebenenfalls
getroffen oder plant, um das AAA-Rating aufrechtzuerhalten, insbesondere
im Hinblick auf die Umsetzung des Sondervermögens und der Reformen
zur Wachstumsförderung (z. B. Bürokratieabbau, Steuerreform)?
3. Welche internen Szenariokalkulationen liegen gegebenenfalls zum
Einfluss einer Ratingabstufung auf die Refinanzierungskosten der laufenden
Verbindlichkeiten vor (bitte nach Bund und nach Kenntnis der
Bundesregierung den Ländern und Kommunen für die Jahre von 2026 bis 2030
differenzieren)?
4. In welcher Höhe haben sich die Zinsaufwendungen für die öffentlichen
Schulden auf Bundesebene und nach Kenntnis der Bundesregierung in
den Ländern und Kommunen in den Jahren von 2020 bis 2025 entwickelt,
und welche Prognosen bestehen unter der Annahme steigender EZB-
Leitzinsen gegebenenfalls?
5. Wie viele und welche Volumina an Sondervermögen wurden seit 2022
beschlossen, und inwieweit wirken sie nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit der potenziellen Ratingvulnerabilität entgegen?
6. Welche Datenquellen und Modelle nutzt das BMF gegebenenfalls zur
Überwachung der ratingrelevanten Kennzahlen (z. B. Schuldenquote,
Primärdefizit, Wachstum), und welche administrativen Verfahren gelten für
die Kommunikation mit Ratingagenturen?
7. Auf welcher Grundlage bewertet das BMF gegebenenfalls die
Vereinbarkeit fortlaufender Sondervermögen mit der Schuldenbremse und den EU-
Fiskalregeln, und welche Risiken einer langfristigen Umgehung sieht es
für das AAA‑Rating gegebenenfalls?
8. Welche Konsequenzen ergeben sich nach Kenntnis der Bundesregierung
aus einer möglichen Abstufung für die Refinanzierung bestehender
Verbindlichkeiten für den Fall einer Abstufung auf AA und auf A, und
welche Reforminitiativen plant das BMF gegebenenfalls zur
Ratingsicherung?
9. Hat sich die Bundesregierung mit der Frage auseinandergesetzt, wie hoch
die geschätzten zusätzlichen Zinskosten bei einer Abstufung auf AA,
unterteilt nach Laufzeiten der Bundeswertpapiere, sind, und wenn ja, wie
hoch sind diese?
10. Inwieweit kooperiert das BMF gegebenenfalls mit den Finanzministerien
der Länder und Kommunen zur Risikoabmilderung, und welche
gemeinsamen Szenarien zur Zinsentwicklung wurden gegebenenfalls erstellt?
11. Wie viele Ratinggespräche und mit welchen Ratingagenturen fanden in
den Jahren von 2023 bis 2026 gegebenenfalls statt, und welche
Schlüsselindikatoren wurden gegebenenfalls dabei thematisiert?
12. Welche Vollzugsdefizite bestehen nach Auffassung des BMF
gegebenenfalls bei der Umsetzung wachstumsfördernder Investitionen aus dem
Sondervermögen, die für das Rating entscheidend sind?
13. Nach welchen Modellen und Szenarioanalysen werden Zinsrisiken
gegebenenfalls modelliert, und welche Hedging-Strategien existieren
gegebenenfalls?
14. Wie wird gegebenenfalls sichergestellt, dass bei anhaltend niedrigem
Wachstum unter 1 Prozent die Schuldenquote stabil bleibt, und welche
Schwellenwerte lösen gegebenenfalls Abwehrmaßnahmen aus?
15. Welchen Stellenwert hat nach Kenntnis der Bundesregierung das Prinzip
der Haushaltsdisziplin (Artikel 109 GG) bei der Ratingvergabe durch
Agenturen, und welche Gefahren sieht die Bundesregierung
gegebenenfalls bei mangelnder Haushaltsdisziplin hinsichtlich einer Absenkung des
Ratings?
Berlin, den 14. August 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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