Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 (Haushaltsgesetz 2025 - HG 2025) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/500, 21/501, 21/1064, 21/1061, 21/1062)
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Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 (Haushaltsgesetz 2025 - HG 2025) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/500, 21/501, 21/1064, 21/1061, 21/1062)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1659
21. Wahlperiode 15.09.2025
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Dr. Dietmar Bartsch, Ines Schwerdtner, Tamara Mazzi,
Sascha Wagner, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Desiree Becker, Jörg
Cezanne, Agnes Conrad, Mirze Edis, Christian Görke, Cem Ince, Cansin
Köktürk, Zada Salihović, Lisa Schubert, Isabelle Vandre, Sarah Vollath,
Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
zu der dritten Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung
– Drucksachen 21/500, 21/501, 21/1064, 21/1061, 21/1062 –
Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des
Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025
(Haushaltsgesetz 2025 – HG 2025)
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Koalition hat die Schuldenbremse für militärische Ausgaben geöffnet,
während für zentrale Zukunftsinvestitionen in Infrastruktur, Bildung, Forschung und
Klimaschutz keine vergleichbare Ausnahmeregel geschaffen wird und für die
kommenden Jahre nur ein unzureichendes Sondervermögen vorliegt.
Strukturreformen bleiben aus und gleichzeitig werden die Schleusen für Rüstungsausgaben
geöffnet, Hunderte Milliarden Euro öffentlicher Mittel werden verschwendet. Das
führt zu gesellschaftlichen Akzeptanzproblemen und verschärften
Verteilungskämpfen. Diese einseitige Ressourcenbindung wirkt sich negativ auf andere
Schlüsselbereiche der Wirtschaft aus: Werden Arbeitskräfte,
Produktionskapazitäten und Haushaltsmittel vorrangig für militärische Aufträge gebunden, fehlen
sie für den Ausbau erneuerbarer Energien, moderner Verkehrssysteme oder
innovativer Forschung – wodurch die erhofften Wachstumseffekte ausbleiben.
Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von der
Schuldenbremse auszunehmen, bedeutet, dass für Aufrüstung unbegrenzt Mittel
aus Krediten zur Verfügung stehen. Durch die steigende Schuldenlast geraten
Sozialausgaben im Kernhaushalt noch stärker unter Druck. Die finanzpolitische
Priorisierung der Produktion von Rüstungsgütern steht in direkter Konkurrenz zu
einer nachhaltigen Industriepolitik und verhindert einen wirksamen Klimaschutz.
Die Bundeswehr sollte sich auf ihre im Grundgesetz festgelegte Kernaufgabe
beschränken. Der Deutsche Bundestag lehnt Waffenlieferungen ab und drängt auf
diplomatische Lösungen.
Den gesteigerten Investitionsbedarf im Infrastrukturbereich begründen
CDU/CSU und SPD an erster Stelle „mit der angestrebten sehr zügigen und
umfassenden Ertüchtigung der Verteidigungsfähigkeit“. Ein Sondervermögen für die
Infrastruktur kann sinnvoll sein, eine Verknüpfung mit der „Ertüchtigung der
Verteidigungsfähigkeit“ lehnt der Deutsche Bundestag ab. Weder mit dem
Bundeshaushalt 2025 noch mit dem Sondervermögen Infrastruktur kann der
Investitionsstau in Deutschland aufgelöst werden. Die 500 Mrd. Euro für Infrastruktur sind
zu wenig, um die realen Bedarfe vor allem auf kommunaler Ebene anzugehen.
Laut KfW-Kommunalpanel haben wir derzeit einen Investitionsrückstau von über
215 Mrd. Euro allein auf kommunaler Ebene. Die Kommunen hatten 2024 ein
Rekorddefizit von 24,3 Mrd. Euro in den Kernhaushalten. Von den insgesamt
100 Mrd. Euro, die aus dem Sondervermögen Infrastruktur an Bund und Länder
gehen sollen, fließen ab 2025 nur 8,3 Mrd. Euro jährlich – zu wenig für die
Bedarfe vor allem der Kommunen.
Die viel zu geringe Erhöhung des Mindestlohns und kaum Entlastungen für die
kleinen und mittleren Einkommen bedeuten, dass der beabsichtigte
Konjunkturimpuls über höhere Investitionsausgaben nicht ausreichen wird. Steigende Preise
unter anderem bei Energie und Lebensmitteln sind auch ein Ergebnis mangelnder
Kontrollen und unzureichender Maßnahmen durch das Bundeskartellamt und
anderer Behörden. Anstatt die Bürgerinnen und Bürger gegen Preisabsprachen
zwischen Unternehmen oder vor Betrug bei Miete und Nebenkostenabrechnungen zu
schützen, fährt die Regierung eine Kampagne gegen einen angeblich zu teuren
Sozialstaat – und das obwohl die Kosten für Sozialausgaben gemessen am
Bruttoinlandsprodukt heute nicht höher sind als vor zehn Jahren.
Die Binnennachfrage muss über kräftige Reallohnerhöhungen, einen wirksamen
Mietendeckel und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel,
Hygieneprodukte, Bus und Bahn gestärkt werden. Dadurch könnten Unternehmen
wieder in die Ausweitung ihrer Kapazitäten für den Inlandsmarkt investieren.
Dies würde auch einen Beitrag dazu leisten, die Handelsbilanz gegenüber dem
Ausland auszugleichen und die Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft zu
senken. Um dem Staat eine flexible Reaktion auf innen- und außenpolitische
Herausforderungen zu ermöglichen, muss die Schuldenbremse reformiert und
letztlich abgeschafft werden.
3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (NATO-Ziel reine Rüstungsausgaben)
entsprechen jedes Jahr mindestens 150 Mrd. Euro (gemessen am
Bruttoinlandsprodukt von 2024 von 4,3 Billionen Euro). Die Ausgaben für Verteidigung sollen
2025 nach NATO-Kriterien 95,5 Mrd. Euro betragen. Gleichzeitig sollen Mittel
für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Frieden und Stabilität drastisch gekürzt
werden – so beim Titel „Krisenbewältigung und Wiederaufbau, Infrastruktur“ im
Vergleich zu 2024 um über ein Drittel, bei der „Humanitären Hilfe und
Krisenprävention“ im Vergleich zu 2024 um fast die Hälfte.
Die Regierungspolitik der vergangenen Jahrzehnte hat Deutschland in die aktuelle
Krisensituation gesteuert, dringend notwendige Investitionen verhindert, die
Schere zwischen Arm und Reich immer größer werden lassen und den Sozialstaat
weiter abgebaut. Ab dem Bundeshaushalt 2027 besteht allein für die drei Jahre
bis 2029 eine Lücke von 172 Mrd. Euro im Finanzplan des Kernhaushaltes. Bis
2029 steigen die geplanten Zinsausgaben von 30 Mrd. Euro im Jahr 2025 auf mehr
als 60 Mrd. Euro. Koalition und Bundesregierung planen keine solidarische
Finanzierung der Lasten über die Einnahmenseite – im Gegenteil:
Einkommensstarke und Wohlhabende sollen durch Unternehmenssteuersenkungen sogar noch
entlastet werden
Der Bundeshaushalt 2025 wird den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht
gerecht und verschärft die sozialen Gegensätze. Wir lehnen ihn ab.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der ein Zukunftsprogramm für die
Mehrheit der Menschen vorsieht, die keine Einkommens- und
Vermögensmillionärinnen und -millionäre sind;
2. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den Umbau des Bürgergeldes zu einer
sanktionsfreien individuellen Mindestsicherung vorsieht. Anspruch haben
alle, die kein ausreichendes Einkommen oder Vermögen haben –
Orientierungspunkt ist die sogenannten Armutsgefährdungsgrenze;
3. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Abschaffung der Schuldenbremse
vorsieht, um öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Daseinsvorsorge und
eine klimaneutrale Wirtschaft zu ermöglichen;
4. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Wiedererhebung der
Vermögensteuer vorsieht. Vermögen (abzüglich Schulden) oberhalb von 1 Mio. Euro
werden mit jährlich 1 Prozent besteuert. Bis zu einem Nettovermögen von
50 Mio. steigt der Satz linear auf 5 Prozent an. Der Freibetrag für
Betriebsvermögen liegt bei 5 Mio. Euro. Für Vermögen oberhalb der Grenze von 1
Mrd. Euro wird ein jährlicher Sondersteuersatz von 12 Prozent eingeführt;
5. einen Gesetzentwurf zur Änderung des Einkommensteuergesetzes
vorzulegen. Die Steuerprogression beginnt ab einem zu versteuernden Einkommen
von 16.800 Euro im Jahr, Einkommen darunter bleiben steuerfrei. Ab 85.000
Euro Einkommen im Jahr beträgt der Steuersatz 53 Prozent. Für die
Reichensteuer gilt: 60 Prozent für Einkommen oberhalb von 250.000 Euro und
75 Prozent für Einkommen oberhalb von 1 Mio. Euro;
6. alle Mittel für große Rüstungsprojekte der Bundeswehr, wie das Future
Combat Air System (FCAS) oder das Main Ground Combat System (MGCS)
zur Entwicklung eines Kampfpanzers, einzufrieren und diese Projekte
abzuwickeln.
Berlin, den 15. September 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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