Unabhängigkeit der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung
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Unabhängigkeit der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/864
21. Wahlperiode 14.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sascha Lensing, Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Steffen Janich, Markus
Matzerath, Arne Raue, Dr. Christian Wirth, Gereon Bollmann, Hauke Finger,
Jörg Zirwes, Dr. Malte Kaufmann, Rainer Galla, Rainer Groß, Bernd Schattner,
Heinrich Koch, Stefan Keuter, Carina Schießl, Stefan Henze, Kay-Uwe Ziegler,
Jörn König, Dr. Daniel Zerbin, René Bochmann, Marcel Queckemeyer, Sven
Wendorf, Maximilian Kneller, Edgar Naujok, Dr. Michael Blos, Alexis Leonard
Giersch, Thomas Dietz, Rocco Kever, Jan Feser, Peter Bohnhof, Dr. Christina
Baum, Sergej Minich, Lukas Rehm, Jan Wenzel Schmidt, Sebastian Maack, Kay
Gottschalk, Erhard Brucker, Tobias Teich, Otto Strauß, Birgit Bessin, Pierre
Lamely, Knuth Meyer-Soltau, Gerrit Huy, Volker Scheurell, Lars Haise, Achim
Köhler, Julian Schmidt und der Fraktion der AfD
Unabhängigkeit der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung
Zum 1. Januar 2023 ist das Gesetz zur Beschleunigung der
Asylgerichtsverfahren und Asylverfahren in Kraft getreten. Mit dem Gesetz sollten die
Verwaltungsgerichte entlastet werden. In diesem Zusammenhang wurde auch eine
behördenunabhängige Asylverfahrensberatung eingeführt (www.bmi.bund.de/Sha
redDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/beschleunigung-asylgerichtsverfahre
n.html).
Hierzu wurde der neue § 12a ins Asylgesetz (AsylG) implementiert. Dort heißt
es:
(1) Der Bund fördert eine behördenunabhängige, unentgeltliche, individuelle
und freiwillige Asylverfahrensberatung.
(2) Die Asylverfahrensberatung umfasst Auskünfte zum Verfahren und kann
nach Maßgabe des Rechtsdienstleistungsgesetzes auch Rechtsdienstleistungen
zum Gegenstand haben. Die Beratung berücksichtigt die besonderen Umstände
des Ausländers, insbesondere, ob dieser besondere Verfahrensgarantien oder
besondere Garantien bei der Aufnahme benötigt. Die Beratung soll möglichst
bereits vor der Anhörung erfolgen und kann bis zum unanfechtbaren Abschluss
des Asylverfahrens durchgeführt werden.
(3) Die Träger der Asylverfahrensberatung übermitteln dem Bundesamt und der
obersten Landesbehörde oder der von der obersten Landesbehörde bestimmten
Stelle personenbezogene Daten, die darauf hinweisen, dass der Ausländer
besondere Verfahrensgarantien benötigt oder besondere Bedürfnisse bei der
Aufnahme hat, wenn der Ausländer in die Übermittlung der Daten eingewilligt hat.
Die Daten dürfen nur zu diesen Zwecken verwendet werden und sind danach
unverzüglich zu löschen.“
In einer Meldung des Bundesministerium des Innern (BMI) vom 2. Januar
2024 heißt es bezüglich der Kosten der Asylverfahrensberatung: „Deshalb
gestaltet die Bundesregierung die Beratung bei Asylverfahren seit 2023
behördenunabhängig machen [sic!]. Für 2024 stehen dafür 25 Mio. Euro zur Verfügung“
(www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2023/01/beratung-asylsuc
hende.html). In Nordrhein-Westfalen ist u. a. in der
Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Bochum eine derartige Asylverfahrensberatung eingerichtet
worden. Der Träger ist hierbei die Diakonie (www.diakonie-ruhr.de/einrichtung
en/fachdienst-migration-und-flucht).
Auf der Homepage (ebd.) sowie in einem vor Ort verteilten Flyer heißt es: „Die
Innere Mission – Diakonisches Werk Bochum bietet in der
Landesaufnahmeeinrichtung NRW (LEA) eine behördenunabhängige Asylverfahrensberatung
an. Die Beratung ist vertraulich, kostenlos und freiwillig. Die
Asylverfahrensberatung unterstützt Asylsuchende dabei, das Asylverfahren hinreichend zu
verstehen. Ratsuchende werden über ihre Rechte und Mitwirkungspflichten im
Asylverfahren beraten. Sie erhalten unter anderem Informationen zur
Vorbereitung auf die Anhörung, zum Dublin-Verfahren oder zu weiteren
Unterstützungsmöglichkeiten in den Unterkünften.
Unsere Beraterinnen und Berater sitzen in der Landeserstaufnahmeeinrichtung
(LEA) in Bochum und beraten ausschließlich die sich dort befindlichen
Asylsuchenden. Die Asylverfahrensberatung wird gefördert durch das
Bundesministerium des Innern und für Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen
Bundestages.“
Bei der Auswahl des Trägers in Nordrhein-Westfalen (NRW) ergeben sich in
den Augen der Fragesteller Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit und der
Ergebnisoffenheit der Beratungsleistung. Insbesondere stellt sich ihnen die
Frage, warum keine unabhängigen Juristen mit der Aufgabe betraut werden, die
also abgesehen von der Asylverfahrensberatung keinerlei staatliche
Fördermittel erhalten, und inwiefern möglicherweise auch in anderen Bundesländern
Mitgliedsorganisationen der Wohlfahrtsverbände oder Organisationen mit
ähnlicher Interessenlage in der Vergangenheit zum Zuge gekommen sind.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. In welchem Umfang wurden in den Haushaltsjahren 2023 und 2024 Mittel
für das in der Vorbemerkung der Fragesteller aufgeführte Programm der
Asylverfahrensberatung verausgabt?
2. 2Mit welchem Haushaltsansatz plant die Bundesregierung in diesem
Zusammenhang derzeit für die Haushaltsjahre 2025 und 2026?
3. Plant die Bundesregierung überhaupt, das Programm weiter fortzuführen,
und wenn ja, inwiefern?
4. Gibt es derzeit seitens der Bundesregierung Pläne, die 2023 vollzogene
Gesetzesänderung (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) zurückzunehmen
und das Programm anzupassen bzw. einzustellen, und wenn ja, inwiefern?
5. Gibt es derzeit seitens der Bundesregierung Pläne, die Höhe der
Fördermittel für die Haushaltsjahre 2025 und 2026 den geringeren
Zugangszahlen (www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/asylzahlen-halbjahr-10
0.html) anzupassen, und wenn ja, inwiefern?
6. Wie verteilten sich die in den Jahren 2023 und 2024 verausgabten Mittel
auf die Bundesländer (bitte differenziert nach Haushaltsjahr, Bundesland
und Betrag auflisten)?
7. Wie sind die Asylverfahrensberatungsstellen angegliedert (z. B.
Nordrhein-Westfalen/Landeserstaufnahme LEA, bitte einzeln listen)?
8. Welche Träger betreiben nach Kenntnis der Bundesregierung die
Beratungsstellen jeweils (z. B. LEA Bochum die Diakonie, bitte differenziert
nach Beratungsstelle, Bundesland und Träger auflisten)?
9. Liegen der Bundesregierung Informationen vor, in welchem Umfang in
den jeweiligen Beratungsstellen in den Jahren 2023 und 2024 Mittel
verausgabt wurden (wenn ja, bitte differenziert nach Beratungsstelle und
Betrag listen)?
10. Liegen der Bundesregierung Informationen vor, wie viele Personen in den
einzelnen Beratungsstellen (umgerechnet in Vollzeitstellen) beschäftigt
sind (wenn ja, bitte differenziert nach Beratungsstelle und Vollzeitstelle
listen)?
11. Wie viele Personen haben in den Haushaltsjahren 2023 und 2024 nach
Kenntnis der Bundesregierung von den Angeboten der einzelnen
Asylverfahrensberatungsstellen Gebrauch gemacht (bitte differenziert nach
Beratungsstellen, Haushaltsjahr und Anzahl der beratenden Personen
auflisten)?
12. Erachtet die Bundesregierung ganz generell die Wohlfahrtsverbände oder
Organisationen mit ähnlicher Interessenlage als geeignete, neutrale,
ergebnisoffene und zuverlässige Träger, und wenn ja, inwiefern?
13. Gibt es seitens der Bundesregierung Pläne, stattdessen (vgl. Frage 12)
unabhängige Juristen mit der Aufgabe zu betrauen, die abgesehen von der
Asylverfahrensberatung keinerlei staatliche Fördermittel erhalten, und
wenn ja, inwiefern?
14. Gedenkt die Bundesregierung, die bisher vorgesehenen Mittel in Höhe
von 25 Mio. Euro im Jahr zukünftig mindestens zu reduzieren, wenn ja, in
welchem Umfang, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 10. Juli 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
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